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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2020

Ruhiger Krimi mit viel Witz

Funkenmord (Kluftinger-Krimis 11)
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Hauptkommissar Kluftinger und seine Kollegen sowie das neue Teammitglied Lucy untersuchen einen Fall von 1985, bei dem unter Mitwirken Kluftingers ein Unschuldiger verurteilt wurde. Der Fall ist für Kluftinger ...

Hauptkommissar Kluftinger und seine Kollegen sowie das neue Teammitglied Lucy untersuchen einen Fall von 1985, bei dem unter Mitwirken Kluftingers ein Unschuldiger verurteilt wurde. Der Fall ist für Kluftinger persönlich, da er im Zusammenhang mit dem alten Fall entführt wurde. Außerdem muss sich Kluftinger auch noch kommissarisch um präsidiale Aufgaben kümmern und seiner Frau geht es auch nicht besonders gut, sodass er sehr viel zu tun hat...

Ich habe bisher keinen der Kriminalromane um Kluftinger gelesen, wohl auch weil ich Sorge vor zu viel Klamauk hatte. Dieser Teil der Reihe baut auf dem vorigen Buch auf, allerdings war das für das Verständnis kein Problem. Auch bezogen auf die Charaktere und deren Beziehung zueinander habe ich kaum Anlaufschwierigkeiten gehabt. Der Schreibstil ist fesselnd und lässt sich sehr gut lesen. Das Bayerisch der Protagonisten war für mich als Nordlicht keine ernsthafte Schwierigkeit und trägt als Stilmittel zur Authentizität der Charaktere bei. Es gibt im positivsten Sinne zahlreiche komische Passagen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich bei der Lektüre eines Buches zuletzt so viel gelacht habe. Die Charaktere sind liebevoll und detailreich gezeichnet. Der Kriminalfall wird sehr ruhig und bedächtig aufgebaut und der Leser oder die Leserin begleitet die ErmittlerInnen bei der klassischen Aufklärungsarbeit. Vor allem wird aber den Protagonisten viel Raum gegeben.

Für mich ist nach dem Lesen des elften Krimis der Kluftinger-Reihe klar, dass ich die anderen Bände definitiv noch lesen werde. Meines Erachtens ist eine gute Mischung aus Krimi und Humor und Lokalkolorit gelungen. Wen ein etwas gemütlicherer Krimi mit viel Witz anspricht, der sollte sich an "Funkenmord" versuchen.

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Veröffentlicht am 27.09.2020

Der Sheriff von Raufarhöfn

Kalmann
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Kalmann ist der inoffizielle Sheriff im isländischen Raufarhöfn. Er ist fast Mitte dreißig, in vielen Dingen jedoch kindlich naiv. Von seinem Großvater hat er gelernt, in der Natur und im Leben zu Recht ...

Kalmann ist der inoffizielle Sheriff im isländischen Raufarhöfn. Er ist fast Mitte dreißig, in vielen Dingen jedoch kindlich naiv. Von seinem Großvater hat er gelernt, in der Natur und im Leben zu Recht zu kommen. Kalmann ist Haifischjäger und stellt Gammelhai her. Nebenbei jagt er Füchse, zum Beispiel wenn er von der Schulleiterin der sehr kleinen Schule darum gebeten wird. Auf eben dieser Fuchssuche stößt er auf Blut im Schnee. Von da an ist für Kalmann und ganz Raufarhöfn alles anders. Ein Dorfbewohner wird vermisst und die Polizistin Birna macht sich an die Aufklärung.

Die Mischung aus Krimi und einfühlsamem Roman um Kalmann ist sehr gelungen. Der Schreibstil passt wunderbar zu Kalmann und vermittelt einen intensiven und authentisch wirkenden Eindruck von Kalmanns Innenleben. Die langsame Erzählweise hat mir wirklich gut gefallen und dem Protagonisten, aber auch Beschreibungen über das Leben in einem kleinen abgeschiedenen Ort im Norden Islands, viel Raum gegeben. Besonders überzeugt haben mich die Vergleiche, die Kalmann anstellt oder sein Großvater angestellt hat, um Sachverhalte zu verdeutlichen und zu erklären. „Kalmann“ ist kein rasanter Krimi im engeren Sinne, sondern eher ein Roman über die Entwicklung Kalmanns und dessen Beziehungen zu sich, anderen Personen und der Natur. Die Gedanken, die sich Kalmann bezüglich des Blutes und des Vermisstenfalls, aber auch um das eigene Verhalten und das seiner Mitmenschen macht, sind manchmal naiv und zum Schmunzeln, manchmal aber auch sehr zum Nachdenken anregend.

Kalmann zu begleiten hat mir viel Freude bereitet. Der Charakter Kalmann ist sehr liebevoll beschrieben und die eher langsame Erzählweise hat mich absolut in den Bann gezogen.

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Veröffentlicht am 16.09.2020

Unterschwellige Spannung

Ihr Königreich
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Roy und sein jüngerer Bruder Carl sind in dem norwegischen Bergdorf Os auf einem abgeschiedenen Hof bei ihren Eltern aufgewachsen. Nach dem Tod der Eltern ist Carl zum Studieren in die USA gegangen und ...

Roy und sein jüngerer Bruder Carl sind in dem norwegischen Bergdorf Os auf einem abgeschiedenen Hof bei ihren Eltern aufgewachsen. Nach dem Tod der Eltern ist Carl zum Studieren in die USA gegangen und Roy hat die Autowerkstatt bzw. spätere Tankstelle seines Onkels übernommen. Dann kehrt Carl mit seiner Frau Shannon zurück nach Os und plant, ein Erholungshotel zu bauen. Schnell wird klar, dass nicht alles so ist, wie es scheint und vorgegeben wird.

Jo Nesbø hat einen ruhigen Schreibstil, der unaufgeregt die Geschehnisse beschreibt. Roy ist ein interessanter Charakter, der für mich immer plastischer wurde je mehr ich gelesen habe. Generell ist die Konstellation der ProtagonistInnen sehr spannend und eindrücklich beschrieben.
„Ihr Königreich“ ist für mich eher ein Familiendrama mit Thrillerelementen als Kriminalroman, da es meiner Meinung nach weniger um die Aufklärung eines Verbrechens als um Dynamiken geht, die zu Verbrechen führen können. Nichtsdestotrotz habe ich den Roman als durchgängig spannend empfunden. Den Aufbau finde ich gelungen, da schrittweise im Roman Vergangenes ans Licht kommt und Gegenwärtiges dadurch erklärt wird. Nach Beenden des Buches war ich etwas unschlüssig, ob ich den Schluss noch realistisch finde. Die Wendungen habe ich als positiv und teilweise überraschend empfunden, dennoch ist es mir am Ende etwas zu viel, ohne jetzt spoilern zu wollen.

Alles in allem bin ich beeindruckt davon, wie es Jo Nesbø gelingt, mit so viel Ruhe auf vielen Seiten die Spannung hochzuhalten. Und dass das mit einem Protagonisten gelungen ist, der mich fasziniert, mit dem ich mich aber nicht im Entferntesten identifizieren kann, ist wirklich erstaunlich.

Nachdem ich mich im ersten Versuch mit Harry Hole etwas schwer getan habe (warum auch immer), ist „Ihr Königreich“ mein zweiter Anlauf in Bezug auf Romane von Jo Nesbø. Ich muss sagen, ich bin froh, dass ich „Ihr Königreich“ eine Chance gegeben habe. Auch Harry Hole wird die wohl in naher Zukunft nochmal bekommen.

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Veröffentlicht am 15.09.2020

Ein sehr spannender Thriller, der klassische Ermittlungsarbeit und Social Media verknüpft

Der Fahrer
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Ein Täter entführt Frauen und hinterlässt einen Hashtag mit Leuchtfarbe auf ihren Autos. Auf ihren Social Media Kanälen hinterlässt er Botschaften an die Polizei. Jens Kerner und sein Team versuchen, die ...

Ein Täter entführt Frauen und hinterlässt einen Hashtag mit Leuchtfarbe auf ihren Autos. Auf ihren Social Media Kanälen hinterlässt er Botschaften an die Polizei. Jens Kerner und sein Team versuchen, die Frauen lebend zu finden und den Täter aufzuspüren. Es häufen sich die Hinweise darauf, dass alles mit Jens Kerner persönlich zu tun haben könnte.

„Der Fahrer“ ist der erste Thriller, den ich von Andreas Winkelmann gelesen habe. Dementsprechend sind mir die Protagonisten um Jens Kerner zunächst unbekannt gewesen. Allerdings war das unproblematisch, da die Charaktere schnell und verständlich eingeführt werden genauso wie deren Beziehungen zueinander. Die Charaktere haben Tiefe und obwohl ich Jens Kerners Liebe zu seinem Auto eigentlich nicht nachvollziehen kann, wirkte sie auf mich trotzdem authentisch. Andreas Winkelmanns Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und ich habe es als Hamburgerin als sehr spannend empfunden, viele der Orte wiederzuerkennen und vor Augen zu haben. Interessant fand ich auch die offensichtlichen Schnittstellen zwischen klassischer Ermittlungsarbeit und internetbasierten Methoden beziehungsweise die Herausforderung der Koordination von Ermittlungen, die teilweise auch online nötig sind. Diese thematische Verknüpfung ist gut gelungen. Auch die Passagen aus Sicht des Täters sind spannend, da sie häppchenweise Aufschluss über das Motiv geben, aber nicht so viel verraten, als das offensichtlich ist, um wen es sich bei dem Täter handelt.

Der Fall an sich ist bis zum Schluss spannend aufgebaut und wendungsreich, sodass ich gerne weiterlesen wollte und direkt einen weiteren Thriller aus der Reihe um Jens Kerner gelesen habe.

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Veröffentlicht am 16.05.2026

Viele Verdächtige, viele Motive, viele Wendungen und viel Spannung

Home Before Dark
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Der Stand-alone-Thriller “Home before Dark” bewegt sich auf zwei Zeitebenen. Zum einen begleitet man als Leser:in die 24-jährige Marsibil im Jahr 1977, die zurück in ihren Heimatort zu ihren Eltern kehrt, ...

Der Stand-alone-Thriller “Home before Dark” bewegt sich auf zwei Zeitebenen. Zum einen begleitet man als Leser:in die 24-jährige Marsibil im Jahr 1977, die zurück in ihren Heimatort zu ihren Eltern kehrt, um den zehnjährigen Jahrestag des Verschwindens ihrer zwei Jahre älteren Schwester Stina zu begehen. Vor zehn Jahren hatte Marsi einen Brieffreund, mit dem sie sich am Abend des Verschwindens ihrer Schwester hatte treffen wollen. Schon lange quält sie der Verdacht, dass ihre Brieffreundschaft mit dem Verschwinden von Stina zu tun haben könnte. Erzählt hat sie jedoch niemandem von ihren Schuldgefühlen. Als Marsi nun auf einmal wieder einen Brief von ihrem ehemaligem Brieffreund erhält, beginnt sie, nach Antworten und ihrer Schwester zu suchen.

Die zweite Zeitebene spielt zehn Jahre zuvor, rund um das Verschwinden von Stina. Diese Ebene konzentriert sich auf Stinas Leben und ihre Perspektive in der Zeit kurz vor ihrem Verschwinden. Es geht um erste Erfahrungen mit Jungs, üble Streiche, Freundschaft und Familie.

Beide Perspektiven und Zeitebenen wechseln sich ab, sodass man als Leser:in sehr langsam eine Ahnung bekommt, was 1967 passiert sein könnte. Allerdings bekommt man diese Ahnung eigentlich doch nicht, weil es unheimlich viele potenziell Verdächtige, Motive und auch Wendungen gibt. Ich habe das als durchaus spannend empfunden, allerdings doch etwas erschlagend. Der Thriller zeichnet sich vor allem durch die unterschwellige Düsternis aus, die sich vor allem auch im Zuhause der Schwestern durchzieht. Die Eltern versuchen, Marsi von ihren Nachforschungen abzuhalten und verhalten sich wie so viele andere Personen zum Teil sehr merkwürdig.

An einigen Stellen war es mir etwas too much, spannend fand ich es aber immer. Auch der Schreibstil ist fesselnd und war für mich sehr gut zu lesen. Das Ende ist etwas speziell, aber je länger ich darüber nachdenke, eigentlich sehr passend.