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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.09.2020

Empfehlenswertes Schwergewicht nicht nur für Neueinsteiger

Vegan! Das Goldene von GU
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Auf 400 Seiten finden sich Basics und ausgeklügelte Rezepte für Veganer und die, die einfach lecker essen wollen, dazu aber nicht unbedingt tierische Produkte brauchen.
Grob unterteilt ist das Buch in ...

Auf 400 Seiten finden sich Basics und ausgeklügelte Rezepte für Veganer und die, die einfach lecker essen wollen, dazu aber nicht unbedingt tierische Produkte brauchen.
Grob unterteilt ist das Buch in Frühstück, Salate, Suppen, Hauptgerichte, Küchenklassiker und natürlich Süsses. Bei vielen Rezepten ist die Zutatenliste überschaubar bzw. ein Großteil der Zutaten ist im Normalfall vorrätig. Die Beschaffung der fehlenden Nahrungsmittel sollte auch keine große Herausforderung darstellen.
Die Arbeitsschritte sind sehr leicht verständlich geschrieben, meist auf einer Buchseite untergebracht und zusätzlich veranschaulicht durch ein sehr ansprechendes ganzseitiges Foto.
Aufgrund des Gewichtes von immerhin 1,5 kg klappen die Seiten beim Kochen nicht zu.
Mein Fazit nach inzwischen mehreren ausprobierten Gerichten ist durchweg positiv, allerdings sollte man sich vorher überlegen, ob man dieses Monstrum tatsächlich auch nutzen will.

Veröffentlicht am 25.06.2026

Wer ist eigentlich "The Artist?"

The Artist
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Zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erhält der junge Journalist Joseph Adelaide die Gelegenheit, den berühmten Maler Édouard Tartuffe zu interviewen. Auf der Suche nach einem Neuanfang reist ...

Zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erhält der junge Journalist Joseph Adelaide die Gelegenheit, den berühmten Maler Édouard Tartuffe zu interviewen. Auf der Suche nach einem Neuanfang reist er in die sonnenüberflutete Provence. Doch unter der scheinbaren Leichtigkeit des Sommers wirken die Folgen des Krieges noch nach.

Der Einstieg fiel mir trotz des schönen, atmosphärischen Schreibstils nicht ganz leicht. Die Handlung entwickelt sich eher langsam und erfordert ein wenig Geduld. Dennoch fand ich die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander spannend. Joseph ist ein sympathischer, aber sehr unsicherer junger Mann, der sich den Launen Tartuffes beugen muss, um sein Ziel – eine große Story – zu erreichen. Ettie erscheint zunächst fast wie ein Dienstmädchen, das kocht, putzt und die Ausbrüche ihres Onkels erträgt. Doch nach und nach zeigt sich, wie klug, ehrgeizig und künstlerisch begabt sie tatsächlich ist.

Besonders gefallen haben mir die Einblicke in die Welt der Malerei. Die Beschreibungen des künstlerischen Arbeitens und die Frage, wem Kreativität und Talent zugeschrieben werden, ziehen sich als roter Faden durch den Roman. Dabei wird auch deutlich, wie schwer es für Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts war, Künstlerinnen zu sein und als solche ernst genommen zu werden.

Interessant fand ich zudem die Entwicklung Tartuffes. Zunächst wirkt er wie das Klischee des genialen, aber unerträglichen Künstlers. Im Verlauf der Geschichte werden jedoch immer stärker seine Einsamkeit, seine Verletzlichkeit und sein Ringen mit den eigenen Ansprüchen deutlich, sodass die Figur an Tiefe gewinnt.

Mit der Liebesgeschichte zwischen Ettie und Joseph habe ich mich dagegen zeitweise etwas schwergetan. Vor allem im Mittelteil nahm das Hin und Her für meinen Geschmack zu viel Raum ein. Dafür konnte mich das Ende umso mehr überzeugen. Besonders gelungen fand ich, dass Etties Weg nicht in erster Linie von einer romantischen Beziehung geprägt wird, sondern von ihrem Wunsch nach künstlerischer und persönlicher Unabhängigkeit.

Auch der Titel erhält dadurch eine spannende zusätzliche Bedeutung: Wer ist eigentlich „The Artist“? Der gefeierte Tartuffe? Ettie? Oder vielleicht beide? Gerade diese Frage macht den Reiz des Romans aus.

Ein atmosphärisches Debüt mit interessanten Figuren, anschaulichen Einblicken in den Entstehungsprozess von Gemälden und einem Ende, das mich nach einem etwas schwierigeren Mittelteil wieder mit dem Roman versöhnt hat.

Veröffentlicht am 13.05.2026

Geschichte einer starken, modernen Frau in einem traditionellen Dorf

Die Briefträgerin
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„Die Briefträgerin“ von Francesca Giannone hat mich vor allem durch die besondere Atmosphäre überzeugt. In den Dialogen der Dorfbewohnerinnen und auch im Umgang mit Anna spürt man sofort dieses lebhafte, ...

„Die Briefträgerin“ von Francesca Giannone hat mich vor allem durch die besondere Atmosphäre überzeugt. In den Dialogen der Dorfbewohnerinnen und auch im Umgang mit Anna spürt man sofort dieses lebhafte, herzliche, aber manchmal auch leicht missbilligende Miteinander, das für mich perfekt zum italienischen Dorfleben passt. Genau diese Mischung macht die Geschichte unglaublich authentisch.

1934 zieht Anna mit ihrem Mann Carlo und ihrem Sohn Roberto aus Norditalien in Carlos Heimatdorf Lizzanello in Apulien. Für Carlo ist es ein Heimkommen, für Anna dagegen der Beginn eines Lebens als Außenseiterin. Sie ist selbstbewusst, unabhängig und passt mit ihrer Art nicht in die traditionellen Vorstellungen des Dorfes. Dass sie schließlich sogar als erste Frau die Stelle der Briefträgerin übernimmt, sorgt natürlich für Gesprächsstoff und Widerstand.

Besonders gefallen hat mir, dass der Roman nicht nur Annas persönliche Geschichte erzählt, sondern gleichzeitig ein sehr lebendiges Bild des süditalienischen Dorflebens über mehrere Jahrzehnte zeichnet. Man begleitet die Familie durch Höhen und Tiefen, erlebt Konflikte, Liebe, Verlust, Freundschaften und die vielen kleinen Dynamiken innerhalb der Dorfgemeinschaft. Die Figuren wirken dabei nie eindimensional – jeder trägt seine eigenen Wünsche, Schwächen und Geheimnisse mit sich.

Der Schreibstil ist flüssig und atmosphärisch. Die Autorin beschreibt das Dorfleben und die Menschen so anschaulich, dass man beim Lesen die italienische Hitze und das enge Miteinander fast spüren kann. Trotz der historischen Kulisse wirken viele Themen erstaunlich aktuell, besonders die Frage danach, wie viel Freiheit Frauen zugestanden wird und wie schwer es sein kann, seinen eigenen Weg zu gehen.

Für mich ist „Die Briefträgerin“ eine berührende Familiengeschichte über Mut, Zugehörigkeit und Selbstbestimmung mit starken Charakteren und viel italienischem Flair. Unterhaltsam und lesenswert!

Veröffentlicht am 13.05.2026

Rückblick auf einen ereignisreichen Sommer mit Brüchen

Schwarzer September
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Sandro Veronesis neuestes Werk ist ein Coming-of-Age-Roman, der die Geschichte des zwölfjährigen Gigio erzählt, der den Sommer 1972 mit seiner Familie an der ligurischen Küste verbringt. Sportbegeisterung, ...

Sandro Veronesis neuestes Werk ist ein Coming-of-Age-Roman, der die Geschichte des zwölfjährigen Gigio erzählt, der den Sommer 1972 mit seiner Familie an der ligurischen Küste verbringt. Sportbegeisterung, die aufregenden Gefühle der beginnenden Pubertät, erste Verliebtheit – das sind die Themen, die Gigio beschäftigen, bevor dramatische private und politische Ereignisse alles verändern.

Veronesi zeichnet ein lebendiges Bild der 1970er-Jahre und eines Sommers, der geprägt ist von Strandtagen, Musik von Cat Stevens und David Bowie sowie der Bedeutung sportlicher Großereignisse wie den Olympischen Spielen in München 1972. Gerade Leser, die diese Zeit selbst erlebt haben, sich für Sport interessieren oder sich in die Gedankenwelt eines Jungen dieses Alters hineinversetzen können, dürften sich hier wiederfinden. Denn Gigios Perspektive ist detailreich und konsequent aus seiner Lebenswelt heraus erzählt – mit vielen Beobachtungen, Interessen und Gedankengängen, die stark an eine klassische „Jungenperspektive“ gebunden sind.

Gigios Hobbys, seine intensive Beschäftigung mit Sport und seine oft sehr spezifischen Gedankengänge waren für mich jedoch schwer nachzuvollziehen, sodass eine echte emotionale Nähe nur selten entstand.

Hinzu kommt, dass sich der Roman viel Zeit für Details und Abschweifungen nimmt, während die dramatischen Ereignisse vergleichsweise knapp behandelt werden. Gerade im Hinblick auf das titelgebende Attentat während der Olympischen Spiele hatte ich mir mehr erhofft. Dieses historische Ereignis bleibt eher ein Randgeschehen, obwohl es großes erzählerisches Potenzial bietet und der Geschichte zusätzliche Intensität hätte verleihen können.

So bleibt „Schwarzer September“ ein atmosphärisch dichter, handwerklich überzeugender Roman, der vor allem durch seine Zeitzeichnung und die konsequente Perspektive punktet. Gleichzeitig ist er aber auch ein Buch, das stark von der Identifikation mit seinem Protagonisten lebt – und genau das hat für mich nur eingeschränkt funktioniert. Dafür gibt es einen Punkt Abzug in der Gesamtbewertung.

Veröffentlicht am 18.03.2026

Drei Zeiten, ein Thema: Gewalt gegen Frauen

Spiegelland
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Rebekka Frank hat für ihren Roman „Spiegelland“ mit dem Teufelsmoor eine ausgesprochen faszinierende Landschaft als Schauplatz gewählt. Auch das nahegelegene Künstlerdorf Worpswede und seine Bewohner finden ...

Rebekka Frank hat für ihren Roman „Spiegelland“ mit dem Teufelsmoor eine ausgesprochen faszinierende Landschaft als Schauplatz gewählt. Auch das nahegelegene Künstlerdorf Worpswede und seine Bewohner finden in einer der Zeitebenen Eingang in die Handlung. Erzählt wird eine Familiengeschichte, in der sich Gewalt gegen Frauen wie ein roter Faden durch die Generationen zieht – angesiedelt in den Jahren 1756, 1999 und 2025.

Im Jahr 1756 steht die selbstbewusste und freidenkende Moormagd Aletta vor einer begrenzten Lebenswahl: Heirat oder ein Dasein als unverheiratete Tante im Haushalt ihres Bruders. Andere Perspektiven sind Frauen nicht eröffnet. Obwohl der wohlhabende Stoffer, den sie seit ihrer Kindheit kennt, um sie wirbt, entscheidet sie sich für das entbehrungsreiche Leben an der Seite ihres Bruders und ihrer Schwägerin. Gemeinsam wagen sie den Versuch, ein Stück Moor urbar zu machen und sich dort niederzulassen – gewalttätige Konflikte mit dem Nachbarort und mit Stoffer sind vorprogrammiert.

1999 flieht Cato mit ihrer Tochter Kira vor der Gewalt ihres Ehemannes Sven in das Haus im Moor, das sie kürzlich von ihrer Großmutter geerbt hat. In der Hoffnung, dort unentdeckt zu bleiben, versucht sie, an ihre früheren Erfahrungen als Journalistin anzuknüpfen und für den Lebensunterhalt zu sorgen. Doch früher oder später muss sie sich den rechtlichen Auseinandersetzungen stellen und den Kampf um das Sorgerecht für ihre Tochter aufnehmen.

Im Jahr 2025 hat der 14-jährige Elias etwas getan, das ihn und seine Mutter Kira zutiefst erschüttert. Er flieht zu seiner Großmutter Cato, die ihm ohne Vorbehalte Zuflucht gewährt. Im Moor begegnet er zufällig der gleichaltrigen, sehr reflektierten Tara, mit der er Freundschaft schließt. In Gesprächen mit ihr und seiner Großmutter beginnt Elias, sich zu öffnen und sein eigenes Verhalten zu hinterfragen.

Die Verknüpfung dieser drei Zeit- und Handlungsebenen ist hervorragend gelungen. Motive werden geschickt aufgegriffen und weitergeführt, sodass kaum Brüche entstehen. Besonders eindrucksvoll und informativ ist die Schilderung des harten Lebens von Aletta und ihren Mitstreitern.

Etwas zu positiv wirkt hingegen zunächst Catos Situation unmittelbar nach ihrer Flucht, auch wenn die weitere Entwicklung sowie die rechtlichen Aspekte sehr realitätsnah dargestellt sind. Weniger fesselnd empfand ich den aktuellen Handlungsstrang um Elias, auch wenn er für die Gesamtaussage des Romans eine wichtige Rolle spielt.

Trotz dieser kleineren Kritikpunkte habe ich das Buch sehr gern gelesen und kann mir gut vorstellen, auch weitere Werke der Autorin zu entdecken.

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