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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.09.2020

Empfehlenswertes Schwergewicht nicht nur für Neueinsteiger

Vegan! Das Goldene von GU
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Auf 400 Seiten finden sich Basics und ausgeklügelte Rezepte für Veganer und die, die einfach lecker essen wollen, dazu aber nicht unbedingt tierische Produkte brauchen.
Grob unterteilt ist das Buch in ...

Auf 400 Seiten finden sich Basics und ausgeklügelte Rezepte für Veganer und die, die einfach lecker essen wollen, dazu aber nicht unbedingt tierische Produkte brauchen.
Grob unterteilt ist das Buch in Frühstück, Salate, Suppen, Hauptgerichte, Küchenklassiker und natürlich Süsses. Bei vielen Rezepten ist die Zutatenliste überschaubar bzw. ein Großteil der Zutaten ist im Normalfall vorrätig. Die Beschaffung der fehlenden Nahrungsmittel sollte auch keine große Herausforderung darstellen.
Die Arbeitsschritte sind sehr leicht verständlich geschrieben, meist auf einer Buchseite untergebracht und zusätzlich veranschaulicht durch ein sehr ansprechendes ganzseitiges Foto.
Aufgrund des Gewichtes von immerhin 1,5 kg klappen die Seiten beim Kochen nicht zu.
Mein Fazit nach inzwischen mehreren ausprobierten Gerichten ist durchweg positiv, allerdings sollte man sich vorher überlegen, ob man dieses Monstrum tatsächlich auch nutzen will.

Veröffentlicht am 03.08.2026

Bakterien für Einsteiger – unterhaltsam, anschaulich und manchmal etwas zu oberflächlich

Bakterien – die heimlichen Helden
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Peter Wohlleben widmet sich in "Bakterien – Die heimlichen Helden" einer Welt, die uns ständig umgibt und dennoch meist unsichtbar bleibt. Das Buch ist in drei größere Teile gegliedert: Zunächst geht es ...

Peter Wohlleben widmet sich in "Bakterien – Die heimlichen Helden" einer Welt, die uns ständig umgibt und dennoch meist unsichtbar bleibt. Das Buch ist in drei größere Teile gegliedert: Zunächst geht es um den Ursprung und die Bedeutung von Bakterien für das Leben auf der Erde, anschließend um ihren Einfluss auf unseren Alltag – von Darmflora und Ernährung bis hin zu Hygiene und Haushalt. Im letzten Abschnitt richtet Wohlleben den Blick in die Zukunft und zeigt mögliche Einsatzgebiete von Bakterien, etwa in der Lebensmittelproduktion, beim Umgang mit Mikroplastik oder in der Gentechnik. Ein umfangreicher Anhang mit rund 20 Seiten Quellenangaben unterstreicht dabei den wissenschaftlichen Hintergrund der vorgestellten Erkenntnisse.

Besonders positiv aufgefallen ist mir der leicht zugängliche Schreibstil. Wohlleben versteht es, auch komplexere Zusammenhänge verständlich zu erklären, ohne den Leser mit Fachbegriffen zu überfordern. Stattdessen arbeitet er häufig mit Metaphern, Gedankenexperimenten und anschaulichen Bildern. Das macht die Lektüre kurzweilig und eignet sich besonders für Leserinnen und Leser, die sich erstmals intensiver mit dem Thema beschäftigen möchten.

Allerdings hat dieser Ansatz auch seine Schattenseiten. Viele der vorgestellten Studien und Erkenntnisse waren mir bereits bekannt, und insgesamt bleibt das Buch häufig an der Oberfläche. Gerade bei besonders spannenden Themen hätte ich mir mehr Tiefe und dafür vielleicht etwas weniger Einzelbeispiele gewünscht. Zudem sind einige Spekulationen des Autors eher ungewöhnlich und wirkten auf mich stellenweise etwas irritierend. Auch die sehr lockere Sprache mit Bezeichnungen wie „Knilch“ oder „Wicht“ für Bakterien dürfte Geschmackssache sein. Einerseits macht sie das Buch zugänglicher, andererseits wirkt sie für ein Sachbuch gelegentlich etwas zu flapsig.

Praktisch fand ich die klare Gliederung mit vielen kurzen Kapiteln. Dadurch eignet sich das Buch nicht nur zum Durchlesen am Stück, sondern auch, um einzelne Themen gezielt nachzuschlagen oder später erneut darin zu stöbern.

Mein Fazit: "Bakterien – Die heimlichen Helden" ist ein unterhaltsam geschriebenes populärwissenschaftliches Sachbuch, das einen guten Einstieg in die faszinierende Welt der Mikroorganismen bietet. Wer bereits über fundierte naturwissenschaftliche Kenntnisse verfügt, wird sich möglicherweise etwas mehr fachliche Tiefe wünschen. Für interessierte Laien ist das Buch jedoch gut geeignet und vermittelt auf anschauliche Weise, wie sehr Bakterien unser Leben beeinflussen. Die hochwertige Aufmachung des Buches rundet den positiven Gesamteindruck ab.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.06.2026

Wer ist eigentlich "The Artist?"

The Artist
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Zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erhält der junge Journalist Joseph Adelaide die Gelegenheit, den berühmten Maler Édouard Tartuffe zu interviewen. Auf der Suche nach einem Neuanfang reist ...

Zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erhält der junge Journalist Joseph Adelaide die Gelegenheit, den berühmten Maler Édouard Tartuffe zu interviewen. Auf der Suche nach einem Neuanfang reist er in die sonnenüberflutete Provence. Doch unter der scheinbaren Leichtigkeit des Sommers wirken die Folgen des Krieges noch nach.

Der Einstieg fiel mir trotz des schönen, atmosphärischen Schreibstils nicht ganz leicht. Die Handlung entwickelt sich eher langsam und erfordert ein wenig Geduld. Dennoch fand ich die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander spannend. Joseph ist ein sympathischer, aber sehr unsicherer junger Mann, der sich den Launen Tartuffes beugen muss, um sein Ziel – eine große Story – zu erreichen. Ettie erscheint zunächst fast wie ein Dienstmädchen, das kocht, putzt und die Ausbrüche ihres Onkels erträgt. Doch nach und nach zeigt sich, wie klug, ehrgeizig und künstlerisch begabt sie tatsächlich ist.

Besonders gefallen haben mir die Einblicke in die Welt der Malerei. Die Beschreibungen des künstlerischen Arbeitens und die Frage, wem Kreativität und Talent zugeschrieben werden, ziehen sich als roter Faden durch den Roman. Dabei wird auch deutlich, wie schwer es für Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts war, Künstlerinnen zu sein und als solche ernst genommen zu werden.

Interessant fand ich zudem die Entwicklung Tartuffes. Zunächst wirkt er wie das Klischee des genialen, aber unerträglichen Künstlers. Im Verlauf der Geschichte werden jedoch immer stärker seine Einsamkeit, seine Verletzlichkeit und sein Ringen mit den eigenen Ansprüchen deutlich, sodass die Figur an Tiefe gewinnt.

Mit der Liebesgeschichte zwischen Ettie und Joseph habe ich mich dagegen zeitweise etwas schwergetan. Vor allem im Mittelteil nahm das Hin und Her für meinen Geschmack zu viel Raum ein. Dafür konnte mich das Ende umso mehr überzeugen. Besonders gelungen fand ich, dass Etties Weg nicht in erster Linie von einer romantischen Beziehung geprägt wird, sondern von ihrem Wunsch nach künstlerischer und persönlicher Unabhängigkeit.

Auch der Titel erhält dadurch eine spannende zusätzliche Bedeutung: Wer ist eigentlich „The Artist“? Der gefeierte Tartuffe? Ettie? Oder vielleicht beide? Gerade diese Frage macht den Reiz des Romans aus.

Ein atmosphärisches Debüt mit interessanten Figuren, anschaulichen Einblicken in den Entstehungsprozess von Gemälden und einem Ende, das mich nach einem etwas schwierigeren Mittelteil wieder mit dem Roman versöhnt hat.

Veröffentlicht am 13.05.2026

Geschichte einer starken, modernen Frau in einem traditionellen Dorf

Die Briefträgerin
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„Die Briefträgerin“ von Francesca Giannone hat mich vor allem durch die besondere Atmosphäre überzeugt. In den Dialogen der Dorfbewohnerinnen und auch im Umgang mit Anna spürt man sofort dieses lebhafte, ...

„Die Briefträgerin“ von Francesca Giannone hat mich vor allem durch die besondere Atmosphäre überzeugt. In den Dialogen der Dorfbewohnerinnen und auch im Umgang mit Anna spürt man sofort dieses lebhafte, herzliche, aber manchmal auch leicht missbilligende Miteinander, das für mich perfekt zum italienischen Dorfleben passt. Genau diese Mischung macht die Geschichte unglaublich authentisch.

1934 zieht Anna mit ihrem Mann Carlo und ihrem Sohn Roberto aus Norditalien in Carlos Heimatdorf Lizzanello in Apulien. Für Carlo ist es ein Heimkommen, für Anna dagegen der Beginn eines Lebens als Außenseiterin. Sie ist selbstbewusst, unabhängig und passt mit ihrer Art nicht in die traditionellen Vorstellungen des Dorfes. Dass sie schließlich sogar als erste Frau die Stelle der Briefträgerin übernimmt, sorgt natürlich für Gesprächsstoff und Widerstand.

Besonders gefallen hat mir, dass der Roman nicht nur Annas persönliche Geschichte erzählt, sondern gleichzeitig ein sehr lebendiges Bild des süditalienischen Dorflebens über mehrere Jahrzehnte zeichnet. Man begleitet die Familie durch Höhen und Tiefen, erlebt Konflikte, Liebe, Verlust, Freundschaften und die vielen kleinen Dynamiken innerhalb der Dorfgemeinschaft. Die Figuren wirken dabei nie eindimensional – jeder trägt seine eigenen Wünsche, Schwächen und Geheimnisse mit sich.

Der Schreibstil ist flüssig und atmosphärisch. Die Autorin beschreibt das Dorfleben und die Menschen so anschaulich, dass man beim Lesen die italienische Hitze und das enge Miteinander fast spüren kann. Trotz der historischen Kulisse wirken viele Themen erstaunlich aktuell, besonders die Frage danach, wie viel Freiheit Frauen zugestanden wird und wie schwer es sein kann, seinen eigenen Weg zu gehen.

Für mich ist „Die Briefträgerin“ eine berührende Familiengeschichte über Mut, Zugehörigkeit und Selbstbestimmung mit starken Charakteren und viel italienischem Flair. Unterhaltsam und lesenswert!

Veröffentlicht am 13.05.2026

Rückblick auf einen ereignisreichen Sommer mit Brüchen

Schwarzer September
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Sandro Veronesis neuestes Werk ist ein Coming-of-Age-Roman, der die Geschichte des zwölfjährigen Gigio erzählt, der den Sommer 1972 mit seiner Familie an der ligurischen Küste verbringt. Sportbegeisterung, ...

Sandro Veronesis neuestes Werk ist ein Coming-of-Age-Roman, der die Geschichte des zwölfjährigen Gigio erzählt, der den Sommer 1972 mit seiner Familie an der ligurischen Küste verbringt. Sportbegeisterung, die aufregenden Gefühle der beginnenden Pubertät, erste Verliebtheit – das sind die Themen, die Gigio beschäftigen, bevor dramatische private und politische Ereignisse alles verändern.

Veronesi zeichnet ein lebendiges Bild der 1970er-Jahre und eines Sommers, der geprägt ist von Strandtagen, Musik von Cat Stevens und David Bowie sowie der Bedeutung sportlicher Großereignisse wie den Olympischen Spielen in München 1972. Gerade Leser, die diese Zeit selbst erlebt haben, sich für Sport interessieren oder sich in die Gedankenwelt eines Jungen dieses Alters hineinversetzen können, dürften sich hier wiederfinden. Denn Gigios Perspektive ist detailreich und konsequent aus seiner Lebenswelt heraus erzählt – mit vielen Beobachtungen, Interessen und Gedankengängen, die stark an eine klassische „Jungenperspektive“ gebunden sind.

Gigios Hobbys, seine intensive Beschäftigung mit Sport und seine oft sehr spezifischen Gedankengänge waren für mich jedoch schwer nachzuvollziehen, sodass eine echte emotionale Nähe nur selten entstand.

Hinzu kommt, dass sich der Roman viel Zeit für Details und Abschweifungen nimmt, während die dramatischen Ereignisse vergleichsweise knapp behandelt werden. Gerade im Hinblick auf das titelgebende Attentat während der Olympischen Spiele hatte ich mir mehr erhofft. Dieses historische Ereignis bleibt eher ein Randgeschehen, obwohl es großes erzählerisches Potenzial bietet und der Geschichte zusätzliche Intensität hätte verleihen können.

So bleibt „Schwarzer September“ ein atmosphärisch dichter, handwerklich überzeugender Roman, der vor allem durch seine Zeitzeichnung und die konsequente Perspektive punktet. Gleichzeitig ist er aber auch ein Buch, das stark von der Identifikation mit seinem Protagonisten lebt – und genau das hat für mich nur eingeschränkt funktioniert. Dafür gibt es einen Punkt Abzug in der Gesamtbewertung.