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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.02.2021

Skurril und magisch

Tinte & Siegel
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„Hamlet hatte recht mit seiner Bemerkung an Horatio, dass es mehr Dinge im Himmel und auf Erden gibt, als seine Schulweisheit sich träumte.“ [26]
Und genau so geht es mir mit Band 1 der Reihe "Die Chronik ...

„Hamlet hatte recht mit seiner Bemerkung an Horatio, dass es mehr Dinge im Himmel und auf Erden gibt, als seine Schulweisheit sich träumte.“ [26]
Und genau so geht es mir mit Band 1 der Reihe "Die Chronik des Siegelmagiers". „Tinte & Siegel“ von Kevin Hearne hat mich positiv überrascht. Das fing bereits beim Klappentext an, der neugierig machte und ein Buch versprach, das tolle Ideen und spannende Umsetzungen liefern würde. Und genau so kommt es auch. Al MacBharrais ist ein toller Charakter. Und sind wir mal ehrlich, wer möchte nicht mit Geheimtinte kraftvolle Zaubersprüche schreiben?
„Al! Wenn es um Verträge und Streitigkeiten geht oder darum, den einen oder anderen cabron vom Planeten zu vertreiben, weiß ich deine Hilfe wirklich zu schätzen, aber falls ich mal einen Schüler finde, werde ich mir bei dir sicher keinen Rat holen.“ [97]
MacBharrais letzter Lehrling Gordie führte ein Doppelleben und wurde nun tot aufgefunden. Grund genug, dass der Protagonist Al die Ermittlungen aufnimmt. Ihm zur Seite stehen zwei weitere interessante Charaktere, Nadia und der Hobgoblin Buck Foi.
„Ich erwarte hochwertiges, kreatives Auf-die-Schippe-nehmen, das nicht destruktiv ist.“ [65]
Wortwörtlich schlagfertig geht es zur Sache. Die Charaktere sind gut skizziert und müssen auch ab und zu etwas einstecken. Mir gefällt der Schreibstil. Er ist locker, lässt sich gut lesen und viele Sachen kommen mit dem nötigen Witz daher, der das Ganze so charmant macht. Teils hätte es knackiger sein können. Was mir wiederum gut gefallen hat, ist die Vermischung von volkstümlichen Überlieferungen und modernem Zeitgeschehen. Das finde ich sehr gelungen und es hat mir des Öfteren ein Schmunzeln ins Gesicht gezaubert. Da wäre Al, der sich vorsichtig im Internet bewegt und der durchtriebene Kobold Buck, der die Vorzüge von Netflix zu schätzen weiß.
Da nicht alle Fragen beantwortet werden, darf man sich auf jeden Fall schon auf den nächsten Band freuen.

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Veröffentlicht am 15.02.2021

Familiengeschichte

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
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Bereits optisch fällt das wundervoll gestaltete Cover auf. Der Titel „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ ist ungewöhnlich und macht neugierig. Inhaltlich geht es um eine Familiengeschichte, ...

Bereits optisch fällt das wundervoll gestaltete Cover auf. Der Titel „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ ist ungewöhnlich und macht neugierig. Inhaltlich geht es um eine Familiengeschichte, von der die Protagonistin Hannah nicht wirklich viel weiß und deren Großmutter Evelyn nicht viel erzählen möchte.
Alena Schröder zeigt in diesem Roman wunderbar gezeichnete Charaktere. Diese kommen authentisch rüber und sind sehr vielschichtig dargestellt. Auch die Entwicklung der Figuren weiß zur begeistern.
Der Schreibstil lässt einen schnell in die Handlung eintauchen. Aufgrund der beiden Erzählstränge, einer spielt in der Gegenwart, der andere beginnt in den 20er Jahren und läuft bis in die 50er, ist man gespannt, wie sich alles entwickelt.
„Normalerweise sitzen hier Menschen, die schon seit Jahren mit nichts anderem beschäftigt sind, als ihre Familiengeschichte zu erforschen.“ [84] Hannah steht hier am Anfang und stellt fest, dass sie eigentlich nicht viel von ihrer Familiengeschichte weiß. Schockierend fragt sie: „Jüdisches Kunstvermögen? Weißt du, was das heißt? …. Ich wusste nicht mal, dass wir Juden in der Familie hatten.“ [50] Die Großmutter schweigt. Aber sie ist die einzige, die noch etwas dazu sagen kann.
„Die Einzige, die darüber etwas wissen könnte, ist Ihre Großmutter, Hannah.“ [254]
Für meinen Geschmack, hätte Schröder eine tiefere literarische Sichtweise darstellen können. Das hätte das Ganze noch etwas abgerundet. Insgesamt ist der Roman sehr stimmig und lässt sich bestens lesen.

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Veröffentlicht am 29.01.2021

Traue niemandem

Ork City
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„Zum Guten, zum Bösen … gibt es so etwas überhaupt? Meiner Erfahrung nach ist die Welt genau wie Dorglash, schmutzig und grau, mit ein paar Flecken bunten Lichts, die für ein paar Stunden angehen, um dann ...

„Zum Guten, zum Bösen … gibt es so etwas überhaupt? Meiner Erfahrung nach ist die Welt genau wie Dorglash, schmutzig und grau, mit ein paar Flecken bunten Lichts, die für ein paar Stunden angehen, um dann wieder zu verlöschen.“ [215]
In „Ork City“ von Michael Peinkofer gerät „Corwyn Rash, Privatschnüffler – nicht König Corwyn der Gerechte“ [29] in einen Fall, der ihn mehr fordern wird, als er anfangs vermutet hätte.
„Ob es mir gefiel oder nicht, mein neuer Fall hatte bereits begonnen – und zwar ohne mich.“ [48] Es ist eine sehr gute Mischung aus Fantasy und Krimi noir, die die Leser*innen sofort fesselt. Die düstere Atmosphäre, die scheinbare ausweglose Situation, die Gefahren und Ängste werden gut skizziert. „Seine Angst beherrschen zu können und keine Angst zu verspüren, sind zwei grundverschiedene Dinge.“ [209] Egal welchen Schritt der Protagonist auch geht, so ist er immer von der Dunkelheit umgeben und spürt die Gefahren des Öfteren am eigenen Leib.
Orks, Zyklopen, Menschen, Gnome, Zwerge und eine Ermittlung von Rash? Ja, das passt und macht aufgrund des Schreibstils auch ordentlich Spaß. Die Welt hätte, meines Erachtens, gerne noch etwas mehr herausgearbeitet werden können. Die Charaktere gefallen und geben der Geschichte das besondere Flair.
Eine schöne Idee ist die Sprache der Unterwelt, die der Autor hin und wieder einfließen lässt. Man versteht diese aus dem Kontext heraus und es gibt zudem am Ende des Buches auch eine Übersicht dazu.

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Veröffentlicht am 08.12.2020

Call Him Mine

Der erste Tote
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„Du weißt, wie’s hier ist. Überall, wo es Bodenschätze gibt, gibt es auch Verbrechen.“ [87]

„Der erste Tote“ von Tim MacGabhann gehört zu den Büchern, welche mich etwas zwiegespalten zurücklassen. Wenn ...

„Du weißt, wie’s hier ist. Überall, wo es Bodenschätze gibt, gibt es auch Verbrechen.“ [87]

„Der erste Tote“ von Tim MacGabhann gehört zu den Büchern, welche mich etwas zwiegespalten zurücklassen. Wenn auf dem wunderbar gestalteten Cover das Wort „Thriller“ steht, dann erwarte ich eine rasante Unterhaltung, die temporeich zur Sache geht und mich nicht verschnaufen lässt.
Was sich in diesem Buch verbirgt, offenbart ein Blick in das Nachwort (Eine Würdigung des echten Carlos) des Autors:
„In Mexiko gibt es die Tradition der cronica, einer Mischform, die ihren Gegenstand der Reportage entlehnt, mit der zweifelhaften Objektivität der Autobiografie berichtet, darüber hinaus aber frei erfunden ist.“ [264] Das beschreibt den Roman sehr treffend. Man betrachtet ihn am besten „als reine journalistische Wahrheit, die sich in einer kleineren fiktionalen verbirgt.“ [265]
Mit diesen Erklärungen versteht man, dass die anfängliche Spannung nach einem Drittel des Buches ziemlich stark abnimmt und der Fokus mehr auf den Problemen des Landes liegt. Wie ich finde, beschreibt MacGabhann den Teufelskreis aus Arbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung und Verbrechen sehr eindrücklich. Man erfährt viel über Mexiko, das nicht nur ein Land mit schönen Stränden für Touristen ist. Thematisch geht MacGabhann der Frage nach, was Staat und Kartell machen, wenn sie jemanden zum Schweigen bringen möchten. Er zeigt mit einem seinem Blick für die Reportage aber auch, wie sich die Bevölkerung wehrt und ihrerseits unnachgiebig für ein besseres Land kämpft. „Die Überlebenden müssen dort weitermachen, wo die Toten aufgehört haben.“ [79]
„Call Him Mine“, die Überschrift dieser Rezension ist zugleich auch der Originaltitel des Romans.

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Veröffentlicht am 12.10.2020

Magische Welten

Strangeworlds - Öffne den Koffer und spring hinein! (Band 1)
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Eine magische Welt voller Geheimnisse erwartet Dich. Steig in einen Koffer und mache Dich auf die Reise. Das Reisebüro Strangeworlds hat es in sich. Es sind die Koffer, die die Welt bedeuten. Ein Abenteuer ...

Eine magische Welt voller Geheimnisse erwartet Dich. Steig in einen Koffer und mache Dich auf die Reise. Das Reisebüro Strangeworlds hat es in sich. Es sind die Koffer, die die Welt bedeuten. Ein Abenteuer in einer faszinierenden Welt erleben? Das klingt nicht nur interessant und verlockend, sondern auch magisch. Dem kann sich die 12-jährige Flick nicht entziehen und zusammen mit Jonathan beginnt das Abenteuer.

„Strangeworlds - Öffne den Koffer und spring hinein!“ von L. D. Lapinski weckt die Fantasie beim Lesen. Die Geschichte beginnt langsam, nimmt allmählich Fahrt auf. Das Ganze wird aber erst gegen Ende Spannend. Der Schreibstil, die originelle Idee und deren Umsetzung begeistern nicht nur im Lesealter ab 10 Jahren – es schadet auch nicht, wenn man erst mit 12 Jahren sich ins Abenteuer begibt – , sondern auch ältere Leser*innen, die ggfs. die Geschichte vorlesen. Zusammen mit den zwei Protagonisten begibt man sich nur allzu gerne auf eine spannende Reise, spürt die Atmosphäre und kann in die Welten abtauchen.

Da es sich um einen Reihenauftakt handelt, bleiben natürlich einige Fragen am Ende offen. Darauf sollte man sich gefasst machen.

Die Aufmachung des Buches ist gelungen. Die Seiten sind auf alt getrimmt und der Einband erinnert, mit all seinen Aufklebern, an einen Koffer und den besuchten magischen Orten.

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