Profilbild von Sheena01

Sheena01

Lesejury Profi
offline

Sheena01 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Sheena01 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.12.2021

Ein Ratgeber mit praktischen Tipps – aber auch mit Vorsicht zu genießen!

Kindern mehr zutrauen
0

Inhalt & Handlung:
Ausgehend von den Problemen mit denen sie bei der Erziehung ihrer eigenen dreijährigen Tochter Rosy konfrontiert ist, macht sich Michaeleen Doucleff auf die Suche nach Lösungen. Sie ...

Inhalt & Handlung:
Ausgehend von den Problemen mit denen sie bei der Erziehung ihrer eigenen dreijährigen Tochter Rosy konfrontiert ist, macht sich Michaeleen Doucleff auf die Suche nach Lösungen. Sie macht sich mit ihrem Kind auf die Reise, um bei indogenen Völkern, die oftmals eine völlig andere Herangehensweise zu diesem Thema haben als der „typisch“ amerikanische Erziehungsstil im Sinne einer Kleinfamilie, welche aus Mutter, Vater und Kind besteht. Sie führte dabei unzählige Interviews mit Vertretern indigener Völker wie den Mayas, Inuits und Hadzas, stellte ihre eigenen Beobachtungen an, und bediente sich dabei auch einschlägiger Literatur.

Schreibstil:
Dieser Ratgeber ist kein Ratgeber im landläufigen Stile, der mit erhobenem Finger belehrt, wie „man es richtig macht“, sondern Michaeleen Doucleff möchte niemanden Vorwürfe machen, sondern in einer wertschätzenden Form Tipps und Hinweise geben, die sie aus fremden Kulturen übernommen hat. In einem sehr leicht verständlichen Schreibstil, der sich sehr flüssig liest, stellt sie Vergleiche zwischen den Erziehungsstil unterschiedlicher Kulturen her, pickt sich positive Elemente heraus, und untermauert diese mit wissenschaftlichen Studien.

Cover:
Das Bild eines fröhlich lächelnden Kindes vor einem neutralen Hintergrund nimmt einen in Beschlag, darunter in sehr prominenten Lettern der Buchtitel, der das Ganze aufs Wesentliche fokussiert.

Autorin:
Dr. Michaeleen Doucleff hat in Berkeley an der University of California Chemie studiert. Sie war mehrere Jahre als Redakteurin für Cell, eines der renommiertesten Wissenschaftsmagazine tätig .Sie gewann als Radio Korrespondentin Preise und ist eine der bekanntesten Blogger. Doucleff lebt heute mit Mann und Tochter in San Francisco.

Meinung:
Der Hauptunterschied, wenn man den Erziehungsstil indogener Völker mit den gängigen Methoden westlicher Kulturen vergleicht, ist jener, dass bei Indogenen Völkern das Leben innerhalb der Großfamilie geführt wird. Durch dieses Miteinander werden die Kinder von Anfang an dazu ermuntert, ihren Beitrag zu leisten, da sie früh verstehen, dass es auf die Leistung eines jeden einzelnen ankommt, wenn dieses Gefüge funktionieren soll. In den westlichen Kulturen, in dem historisch bedingt, das Leben in der Kleinfamilie großgeschrieben wird, genießt man zwar mehr Privatsphäre, es bleibt aber zwangsläufig die gesamte Arbeit an den Eltern, respektive den Müttern hängen. Diese fungieren dann als Erzieherin, Spielgefährtin, Haushaltsführende, und „Bespasserin“ in einer Person, was natürlich letztlich zu einer enormen Belastung der Einzelpersonen führt. Um dieses Gefüge am Laufen zu halten, ist man manchmal besser beraten, etwas autoritärer aufzutreten und zu führen, was allerdings oftmals beim Kind negatives Feedback hervorruft, da es sich zu sehr eingeschränkt fühlt. Doucleff möchte hier Hilfestellungen anbieten, um den Einzelnen das Leben zu erleichtern, letztlich liegt es jedoch an jedem von uns selbst, zu entscheiden, ob und wieviel Hilfe man von außen annimmt, zum Preis, einen Teil seiner eigenen Souveränität abzugeben.

Persönliche Kritikpunkte:
Für mich sind Michaeleen Doucleffs einleitende Worte ein bisschen zu viel der Lobhudelei in eigener Sache. Sie erweckt darin den Eindruck, dass sie hier mit diesem Ratgeber mit der Herangehensweise indogener Völker quasi den Stein der Weisen in Sachen Kindererziehung gefunden hat. Die Kernaussage ist hier jedoch lediglich, dass man möglichst breitbandig die Aufgaben verteilt, um sich auf diese Weise das eigene Leben zu erleichtern. Klar, in Gemeinschaft erziehen sich Kinder quasi selbst, weil sie lernen miteinander umzugehen, bzw. sie lernen vieles von unterschiedlichen Generationen. Was mich hier allerdings extrem stört, ist dieses Schlechtmachen westlicher Erziehungsmethoden, kindgerechte Ansätze bzw. Ansichten werden hier völlig außer Acht gelassen. Es fängt schon damit an, dass hier das eigene Kind eingangs als „Feind“ bezeichnet wird. Man kann sich den Eindrucks nicht erwehren, dass das Kind möglichst rasch zu einem gut funktionierenden Teil der Gesellschaft herangezogen werden soll, dessen Bedürfnisse nebensächlich sind. Kinder sollen das sein, was sie sind mit all ihren Marotten und Bedürfnissen, und vor allem: man sollte sie Kind sein lassen! Alleine, wenn ich lese, wenn müsse keine langweilige Zoobesuche oder ähnliches über sich ergehen lassen, wenn es einen nicht freut, kann ich nur verständnislos den Kopf schütteln. Sind solche Aktivitäten für die Autorin bloß lästige Opfer? Ich habe mich immer gefreut, mit meinem Kind Dinge wieder neu zu entdecken, und Gelegenheit zu haben, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen! Für mich war dies eine Bereicherung und ich wäre nicht im Traum auf die Idee gekommen, dies als lästiges Übel zu sehen, wie man hier den Eindruck gewinnt!
Was ich mich darüber hinaus etwas nachdenklich stimmte: in sämtlichen Berichten von indogenen Völkern, die hier angeführt wurden, klinkte sich die männliche Bevölkerung in Sachen Kindererziehung augenscheinlich völlig aus. Ist es nicht ein Rückschritt, dies auch hier als Maß aller Dinge anzupreisen, und den Frauen das „Projekt Kindererziehung“ als alleinige Verantwortliche zuzuschanzen?

Fazit:
Ein Ratgeber mit zahlreichen guten Tipps, mit guter Recherche, aber sicher nicht der Weisheit letzter Schluss – wie so oft im Leben, sollte man sich hier lieber auf das eigene Bauchgefühl verlassen!

Veröffentlicht am 10.02.2021

Vorsicht, ich habe hier ein Mammut – und ich werde es benutzen!

Das Eismonster
0

Inhalt & Handlung:
Die Geschichte spielt im ausgehenden 19. Jahrhundert, wo das 10jährige Waisenmädchen Elsie aus einem Waisenhaus flüchtet, um fortan auf Londons Straße zu leben. Der Zufall will es, dass ...

Inhalt & Handlung:
Die Geschichte spielt im ausgehenden 19. Jahrhundert, wo das 10jährige Waisenmädchen Elsie aus einem Waisenhaus flüchtet, um fortan auf Londons Straße zu leben. Der Zufall will es, dass sie vom Fund eines eingefrorenen Wollmammuts erfährt, das im Londoner Naturhistorischen Museum ausgestellt werden soll. Ihr Interesse ist geweckt und sie schleicht sich heimlich in das Museum wo sie vollkommen fasziniert ist von dem Urzeittier. Elsie macht Bekanntschaft mit einem verrückten Professor und der Putzfrau Uschi, mit deren Hilfe sie das Mammut wieder zum Leben erwecken kann. Dadurch beginnt für Elsie ein unglaubliches Abenteuer

Schreibstil:
David Walliams schreibt hier eine sehr fantasievolle Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft, die zu Herzen geht. Dabei erzählt er mit viel Wortwitz, bedient sich dabei aber eines recht gewöhnungsbedürftigen Humors. Die Charaktere werden zum Teil so überzeichnet dargestellt, dass dies nur ganz kleine Kinder lustig finden. Das Buch ist ab 9 Jahren gedacht.

Charaktere:
Elsie ist ein Kind mit dem Herzen am rechten Fleck. Obwohl sie bisher eine grauenvolle Kindheit hatte, hat sie eine sehr positive Lebenseinstellung und entwickelt für andere Wesen, die es im Leben noch schlimmer getroffen haben als sie, sehr viel Mitgefühl. Sie ist einfallsreich und zudem sehr mutig. Die anderen Charaktere sind zum Teil extrem überzeichnet dargestellt, ihre Bösartigkeit hervorzuheben.

Cover:
Ein kindgerecht gestaltetes Mammut mit einer fröhlichen Elsie am Rücken lacht einem am Cover entgegen, ich finde es sowohl von der Aufmachung als auch von der Farbgebung her äußerst gelungen!

Autor:
David Walliams wurde in Surrey, Großbritannien geboren, er ist hierzulande weniger als Autor bekannt sondern vielmehr als Jurymitglied der britischen Castingshow „Britain’s Got Talent“ oder als Schauspieler und Comedian. Hier ist er besonders der Fangemeinde der bitterbösen Serie “Little Britain“ ein Begriff.

Meinung & persönliche Kritikpunkte:
Gleich vorweg, was mir an diesem Buch besonders gut gefällt, ist hier seine klare Botschaft der Bedeutung von Freundschaft ohne Wenn und Aber. Obwohl Elsie noch ein Kind ist, vermag sie viel zu bewirken, einzig weil sie sich in den Kopf gesetzt hat, dem Wollmammut Wolli zu helfen. Das Buch selbst ist mit unzähligen Zeichnungen versehen, welche die Geschichte auflockern und kleinere Kinder, denen die Geschichte vorgelesen wird begeistern wird. Hier komme ich jedoch auch gleich zu einem Kritikpunkt, denn ich finde die Geschichte inhaltlich gesehen durchaus auch für jüngeres Publikum geeignet als jenes am Buch von neun Jahren empfohlene Alter. Gut, diese Kinder werden vermutlich den Wortwitz zum Teil nicht verstehen, aber auch Kinder von neuen Jahren verstehen diesen wahrscheinlich nicht. Ausserdem wird selbst diese Altersgruppe mit Wörtern wie „liviert“ oder „Amöbe“ ein wenig überfordert sein, allerdings werden diese über den kindlichen Humor über „Pupse“ und „Kackhaufen“ sich nicht mehr so amüsieren können wie kleinere Kinder (im schlimmsten Fall sogar bereits davon gelangweilt sein), der etwas überstrapaziert wird. Das gestaltet eine eindeutige Zuordnung dieses Buches zu einer bestimmten Alterskategorie sehr schwierig!
Im Laufe des Buches werden zudem sowohl unterschiedliche Schriftarten als auch unterschiedliche Schriftgrößen verwendet, vermutlich um damit unterschiedliche Emotionen auch optisch besser zum Ausdruck zu bringen. Das erschwert aber gerade für Erstleser das Lesen ungemein!

Fazit:
Eine fantasievolle Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft!

Veröffentlicht am 05.01.2021

Mittelmäßig, da unglaubwürdig

Baskische Tragödie
0

Inhalt & Handlung:
An den Stränden des Aquitaine werden plötzlich Unmengen von Paketen reinsten Kokains angespült. Ein kleiner Junge, der davonprobiert, fällt ins Koma. Commissaire Luc Verlain wird mit ...

Inhalt & Handlung:
An den Stränden des Aquitaine werden plötzlich Unmengen von Paketen reinsten Kokains angespült. Ein kleiner Junge, der davonprobiert, fällt ins Koma. Commissaire Luc Verlain wird mit der Ermittlungsarbeit in diesem Fall betraut, gerät jedoch bald selbst in Verdacht, Teil des hier in großem Stil aufgezogenen Drogenschmuggels zu sein, zudem wird ihm ein Mord unterstellt, Er wird verhaftet, jedoch kurz darauf von einem offenbar korrupten Ermittler namens Schneider wieder freigelassen. Nun beginnt ein Katz und Maus-Spiel, bei dem Luc klar wird, dass jemand an ihm Rache nehmen will, der über sehr viel Einfluss verfügt.

Schreibstil:
Alexander Oetker vermag die Schönheiten der Region rund um Bordeaux in unnachahmlicher Weise in einem spannenden Kriminalroman zu verpacken – Seine Erzählungen sind geprägt von genauen Beschreibungen der örtlichen Gegebenheiten zudem zeigt er dabei profunde Kenntnisse der regionalen Küche, welche er immer wieder in die Erzählung einfließen lässt.

Charaktere:
In Band Vier dieser Serie ist Commissaire Luc Verlain mittlerweile in einer festen Beziehung zu seiner ehemaligen beruflichen Partnerin Anouk, die nun auch ein Kind von ihm erwartet. Der Commissaire, den man in seinen bisherigen Fällen als integren Ermittler kennengelernt hatte, scheint jetzt komplett gewandelt und zu einem „Bad Boy“ mutiert zu sein: Er verschwindet, ohne seine schwangere Lebenspartnerin über den genauen Grund dafür zu informieren und scheint es auch mit den Gesetzen nicht mehr so genau zu nehmen.

Cover:
Ein Cover, wie man es von dieser Serie gewohnt ist: ein ausdrucksstarkes Landschaftsbild fängt die Schönheiten der Gegend ein und gibt einen kleinen Vorgeschmack darauf, was einen in den unzähligen Beschreibungen der Region erwartet.

Autor:
Alexander Oetker lebte und arbeitete vier Jahre als Korrespondent für RTL und n-tv in Paris. Dabei wurde er Kenner der französischen Gesellschaft. Mittlerweile lebt er in Berlin, wo er als politischer Korrespondent arbeitet. Seine Liebe zu Frankreich, speziell zu der Region um Bordeaux ist ihm aber bis heute geblieben, daher spielen auch viele seiner Werke dort.

Sprecher:
Wie bereits in "Château Mort" oder „Winteraustern“ wurde auch hier Frank Arnold als Sprecher ausgewählt. Durch Variation seiner Stimmlage haucht den einzelnen Charakteren Leben ein, dadurch sind für den Hörer die einzelnen Personen gut zu unterscheiden. Seine ruhige Art zu lesen, verleiht auch diesem Hörbuch ein ganz besonderes Flair.

Meinung:
So begeistert ich von den Vorgängerbänden „Winteraustern“ oder auch „Chateau Mort“ aus dieser Serie war, muss ich hier leider sagen, dass mich dieser band ein wenig enttäuscht hat. Der Beginn ist zwar sehr turbulent, wirkt auf mich jedoch gleichzeitig ein wenig zu dick aufgetragen und daher unglaubwürdig. Mag sein, dass man die Motivation dahinter erst ganz am Ende der Geschichte versteht, wenn sich die einzelnen Puzzleteile zu einem Ganzen zusammenfügen, und sich das Geheimnis um den Widersacher löst, trotzdem bleiben einige Ungereimtheiten bestehen. Zudem ist die Geschichte sehr stark an Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“ angelehnt, selbst das darin vorkommende legendäre Essgelage eines Kommissar Bärlachs mit Tschanz findet sich hier in abgewandelter Form wieder. Auch das Ende dieses Werks wirkt einen Tick zu bemüht und für einen Alexander Oetker ungewohnt schmalzig.
Wie auch in den vorangegangenen Büchern positiv hervorzuheben, sind auch hier die unzähligen, wunderschönen Landschaftsbeschreibungen und jene der zahlreichen lukullischen Genüsse, die ein Hörbuch dieser Serie unvergleichlich machen!

Fazit:
Ein zwar phasenweise spannender, jedoch im Vergleich zu den Vorgängern dieser Serie leider nur mittelmäßiger Krimi!

Veröffentlicht am 14.10.2020

Ist die Pandemie denn schon vorbei?

Der Corona-Effekt – Zwischen Shutdown und Neubeginn: Was wir jetzt über uns lernen können
0

Inhalt & Handlung:
Christine Eichel setzt sich in diesem Sachbuch mit verschiedenen Punkten des Thema Corona auseinander: den unterschiedlichen Methoden der Menschen, sich mit dem Lockdown zu arrangieren, ...

Inhalt & Handlung:
Christine Eichel setzt sich in diesem Sachbuch mit verschiedenen Punkten des Thema Corona auseinander: den unterschiedlichen Methoden der Menschen, sich mit dem Lockdown zu arrangieren, dessen Auswirkungen auf das Leben der Menschen und der damit verbundenen Sichtweise auf das Leben, und bis zu einem gewissen Grad der Auswirkungen des Lockdowns.

Schreibstil:
Der Stil ist leicht und flüssig zu lesen, phasenweise sehr amüsant, phasenweise regt es auch zum Nachdenken an.

Cover:
Das Cover ist recht schlicht gehalten, trotzdem fällt es in der Riege der Sachbücher durch seine ungewöhnliche Farbgebung auf.

Autorin:
Christine Eichel hat in Hamburg Literatur- und Musikwissenschaft bzw. Philosophie studiert. Sie arbeitete als Fernsehregisseurin, Moderatorin, aber auch als Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg bzw. Gastprofessorin an der Universität der Künste Berlin.
Sie arbeitet derzeit als Publizistin und Autorin in Berlin.

Meinung/Persönliche Kritikpunkte:
Ich fand die Ausführungen darüber, wie Menschen sich während des Coronabedingten Lockdowns verhielten doch recht amüsant zu lesen, teilweise fühlte ich mich selbst ein wenig ertappt, Obwohl ich für meinen Teil, kann allerdings nicht behaupten, dass mir in dieser Phase langweilig wurde, da ich mit Arbeit als Schlüsselkraft, Homeschooling, und Haushalt nicht unbedingt allzu langweilig wurde. Trotzdem waren einige Aspekte in Bezug auf die Verhaltensweisen mancher Menschen enthalten, die erschreckend sind und die sehr zum Nachdenken anregen.
Dieses für ein Sachbuch doch recht schmale Büchlein erschien kurz nach dem ersten(?) Lockdown der Corona-Pandemie. Zu diesem Zeitpunkt bereits erste Mutmaßungen über die Auswirkungen anstellen zu wollen bzw. überhaupt zu können, fand ich ein wenig befremdlich, wenn nicht sogar ein wenig anmaßend. Denn zu diesem Zeitpunkt war noch keine Rede von einem Ende der Pandemie, geschweige denn von einer zweiten Welle. Warum man ein Buch dermaßen früh auf den Markt bringt, zu einem Zeitpunkt, der noch keine wirklichen Schlüsse zulässt, entzieht sich meinem Verständnis.

Fazit:
Ein Buch, das man in späteren Jahren sicherlich gerne mal zur Hand nimmt, um die Zeit des Lockdowns Revue passieren zu lassen, mehr aber auch nicht!

Veröffentlicht am 07.08.2020

Gnadenlos

Wings of Silver. Die Rache einer Frau ist schön und brutal (Golden Cage 2)
0

Inhalt & Handlung:
Nachdem sich Faye ihres brutalen und untreuen Ehemannes entledigt hatte, indem sie ihm den angeblichen Mord an ihrer gemeinsamen Tochter Julienne angehängt, und er eine lebenslange Gefängnisstrafe ...

Inhalt & Handlung:
Nachdem sich Faye ihres brutalen und untreuen Ehemannes entledigt hatte, indem sie ihm den angeblichen Mord an ihrer gemeinsamen Tochter Julienne angehängt, und er eine lebenslange Gefängnisstrafe ausgefasst hat, kann sie sich nun wieder voll auf ihre Firma Revenge konzentrieren, bei der sich aus heiterem Himmel eine Fremdübernahme durch einen unbekannten Investor droht. Damit nicht genug, muss sie auch noch erfahren, dass ihr Exmann zusammen mit ihrem Vater, der ebenfalls wegen angeblichen Mordes an seiner Frau einsaß, geflüchtet ist. Fayes Tochter Julienne lebt derzeit mit ihrer vermeintlich getöteten Großmutter in Italien - bis auf Kerstin, Fayes Vertraute weiß keiner von deren Existenz. Faye lernt den Geschäftsmann David kennen. In den sie sich augenblicklich verliebt. David gibt an, gerade einen fürchterlichen Rosenkrieg durchzumachen, und Faye beginnt mit ihm eine leidenschaftliche Beziehung. Sie muss aber permanent damit rechnen, dass ihr Exmann bei ihr auftaucht, um an ihr Rache zu nehmen.

Schreibstil:
Camilla Läckberg erzählt die Geschichte in zwei Ebenen, einerseits in der Gegenwart, indem sie die aktuellen Geschehnisse rund um Faye und ihre Firma schildert und andererseits wird in Rückblenden die prägende Kindheit bzw. Jugend der jungen Faye aufgearbeit.


Charaktere:
Im Mittelpunkt der Betrachtung steht natürlich Faye, die heute so taffe Frau, die schon in jungen Jahren mit massiver Gewalt konfrontiert war und sie sie zu dem Menschen gemacht hat, die sie heute ist: die brutale Erziehung durch ihren Vater, der die ganze Familie sowohl physisch als auch psychisch terrorisierte, aber auch und sexuelle Übergriffe standen in ihrer Jugend an der Tagesordung. Auf diese Weise lernte sie mit Gewalt umzugehen und ihre Gefühle zu unterdrücken. Dass sie aber in derselben Weise abstumpfte und lernte, über Leichen zu gehen, um ihre Ziele zu erreichen, liegt auf der Hand. Aber so unbarmherzig sie im Geschäftsalltag und im Speziellen im Umgang mit Männern ist, so kämpferisch ist sie auch, wenn es darum geht, ihre Lieben zu verteidigen.

Cover:
Das Cover schafft es, die gesamte Geschichte in einem Bild darzustellen, dank seiner zurückhaltenden Farbgebung wirkt es sehr ausdruckstark und ist sehr schön anzusehen.

Autorin:
Camilla Läckberg ist eine sehr populäre und erfolgreiche, schwedische Kriminalschriftstellerin, deren Bücher zumeist in Fjällbacka handeln, woher die Autorin stammt. Mit ihrem Unternehmen „Invest In Her“ fördert sie Projekte junger Frauen. Camilla Läckberg lebt mit ihrer Patchworkfamilie in Stockholm.

Meinung & persönliche Kritikpunkte:
Die Geschichte ist zwar gegen Ende hin extrem spannend, trotzdem ist es weit davon entfernt, von mir die gesamte Punkteanzahl bei der Bewertung zu bekommen. Dies liegt in erster Linie an der Figur der Protagonistin Faye: auch wenn man in ihre schreckliche Kindheit kennt, und weiß, was sie bereits in jungen Jahren erdulden musste, wird sie einem im Laufe der Geschichte immer unsympathischer, weil sie mit einer unheimlich kriminellen Energie ihre Ziele zu erreichen versucht, und dabei ohne mit der Wimper zu zucken, Existenzen zerstört und als Kollateralschaden hinnimmt. Auch wenn sie ihren Exmann permanent als Psychopathen hinstellt, steht sie diesem um nichts nach, und man fragt sich an mehreren Stellen, wer hier nun tatsächlich der/die Verrückte ist.
Für mich ist diese Figur der Faye einfach extrem unglaubwürdig, denn sowohl ihr taffes Vorgehen, als Jugendliche, erst ohne jegliches Selbstvertrauen, agiert da sie überall nur Missbrauch und Gewalt erfährt und plötzlich zum Vamp mutiert, der auch vor Mord nicht zurückschreckt. Auch als Erwachsene ist Faye zwar sehr scharfsinnig und lässt sich so schnell nicht hinters Licht führen, doch gleichzeitig tritt sie in Liebesdingen als leichtgläubiges Naivchen auf, für mich passt dies nicht zusammen.
Allgemein, ist dieses Buch sehr klischeehaft aufgebaut, Männer werden hier aus Prinzip nur als triebgesteuerte Wesen dargestellt, die nur ein weibliches Wesen ansehen zu brauchen um bereits vor Lust zu geifern…Und dass Faye und ihre Freundinnen alle so wohlgeformt und vom Aussehen göttinnengleich sein sollen, der die Männerwelt per se zu Füßen liegt ist einfach zu viel des Guten.
Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass hier viel zu viel Augenmerk auf diverse sexuelle Ausführungen gelegt wird. Wenn ich mich dafür interessiere, greife ich gleich zu einem Erotikroman, aber ich möchte damit nicht permanent zwangsbelästigt werden, wenn ich einen Thriller lese…

Sprecherin:
Von Vera Teltz als Sprecherin bin ich, ehrlich gestanden, sehr enttäuscht, mit einer unglaublichen Beharrlichkeit werden viele der Namen völlig falsch ausgesprochen – ich weiß nicht, ob sie hier ein Pseudo-Schwedisch imitieren will, oder was dafür der Grund ist. Aber so wie sie hier etwa den Namen Faye ausspricht, existiert er in keiner Sprache… Diese konsequent falsche Aussprache ist einfach nur nervend und verdirbt einem den Hörbuch-Genuss!


Fazit:
Ein an sich spannender Thriller, der durch eine schlechte Hörbuchfassung sehr beeinträchtigt wird!