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Veröffentlicht am 21.10.2020

Wort-Bild-Bezüge

Max Kersting. Einseitige Geschichten
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Meine Meinung

"Max Kersting macht es anders: er streicht Wörter, ganze Sätze, manchmal sogar den Anfang oder das Ende seiner Geschichten durch. Als Leserin versucht man dann trotzdem zu erkennen, was ...

Meine Meinung

"Max Kersting macht es anders: er streicht Wörter, ganze Sätze, manchmal sogar den Anfang oder das Ende seiner Geschichten durch. Als Leserin versucht man dann trotzdem zu erkennen, was er da geschrieben hat. Wenn es einem gelingt (Max Kersting ist ein sehr guter Durchstreicher), merkt man, wie ein einzelnes Wort einen Satz verändern kann oder ein einzelner Satz eine ganze Geschichte. Man liest dann noch einmal, wiegt die Wörter gegeneinander ab und probiert im Kopf eine andere Betonung
aus: geht beides, ist aber eine andere Geschichte." (ZITAT)

Aufmerksam bin ich nicht zuletzt wegen des Covers geworden. Für mich wirklich mal eine tolle unterhaltsame Abwechslung, die ich auf jeden Fall empfehlen kann.


Gefundenen Fotografien verleiht Kersting neuen Sinn mit seinen hinzugeschriebenen Sprech- und Gedankenblasen. Die neu entstehenden Wort-Bild-Bezüge sind ebenso heiter wie auf feinfühlige Weise unnachahmlich tiefsinnig. Diese Verbindung gilt umso mehr für sein neues, man könnte es ein »rein grafisches« Werk nennen. Dabei versteht Max Kersting Grafik hier in einem doppelten Wortsinn als Zeichnen und Schreiben, oder als Schriftbild. Schon Roland Barthes stellte das Fließen des Füllers dem Druck des Kugelschreibers gegenüber. Wie schillernde Embleme von Kerstings Kugelschreiber kratzen die kurzen, in herrlich ungelenker Handschrift verfassten Texte über das Papier und zugleich an jenem existenziellen Boden, auf dem sich unser tägliches Leben abspielt.



MAX KERSTING (*1983, Lippstadt) studierte in Düsseldorf Design und arbeitete als Werbetexter in Berlin. Die von ihm kommentierten, aufgefundenen Fotografien machten ihn und seinen eigenwilligen Stil schnell bekannt. Kersting lebt und arbeitet in Berlin.

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Veröffentlicht am 06.10.2020

Verfallen

Stranger – Du wirst ihm verfallen
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Meine Meinung und Inhalt
Bereits der Klappentext konnte meine Neugier wecken.

Er beobachtet sie schon lange. Jetzt ist seine Zeit gekommen.

Sie ist wunderschön und unendlich verwundbar. Für den jungen ...

Meine Meinung und Inhalt
Bereits der Klappentext konnte meine Neugier wecken.

Er beobachtet sie schon lange. Jetzt ist seine Zeit gekommen.

Sie ist wunderschön und unendlich verwundbar. Für den jungen Aiden gibt es keine andere Frau als Caroline. Sein Herz gehört ihr – auch wenn sie nichts von seiner Existenz weiß. Als die Dreiundvierzigjährige von ihrem Ehemann in aller Öffentlichkeit bloßgestellt wird und ihre Ehe in Scherben liegt, ist sein Moment endlich gekommen.

Seine düstere Aura ist faszinierend und beunruhigend zugleich. Auf der Suche nach Trost und Rache wendet sich Caroline dem unbekannten Aiden zu. Sein offenkundiges Interesse schmeichelt ihr. Ein lustvolles Abenteuer beginnt, das jedoch innerhalb kürzester Zeit völlig außer Kontrolle gerät.


Das Buch ist abwechselnd aus Carolines und Aidans Sicht geschrieben. Die Ansichten der beiden differenzieren stark.

Es ist voller Cliffhanger, die mich als Leser absolut überraschen konnten.

Der Schreibstil von Campbell lässt keine Wünsche offen und man findet so einfach ins Buch hinein.


Zusammenfassend kann ich sagen, ein durch und durch düsteres, spannungsgeladenes Buch, das mich begeistern konnte.

Wer von dem Buch ,,You - Du wirst ihn lieben" begeistert war, wird es bei diesem Buch ebenfalls sein.

Nach ihrem Studium an der Harvard University und der Standford Law School arbeitete Michele Campbell zunächst in einer Anwaltskanzlei in Manhattan und anschließend acht Jahre lang als Bundesanwältin in New York City. Heute unterrichtet sie an der Universität Strafrecht und lebt mit ihrer Familie in Neuengland. „Stranger – Du wirst ihm verfallen“ ist ihr erster Roman in deutscher Übersetzung.

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Veröffentlicht am 05.10.2020

David Granger

Anstand
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Meine Meinung und Inhalt

"Ich hab mal gehört, dass ein Mann sich nur einmal wirklich verliebt, und ich glaube, das stimmt, weshalb ich nach Jessicas Tod nie wieder geheiratet habe. Wozu auch? Etwas Besseres ...

Meine Meinung und Inhalt

"Ich hab mal gehört, dass ein Mann sich nur einmal wirklich verliebt, und ich glaube, das stimmt, weshalb ich nach Jessicas Tod nie wieder geheiratet habe. Wozu auch? Etwas Besseres hätte ich ohnehin nie finden können. Jessica war Kartoffelpüree mit Butter. Die anderen Frauen auf der Welt würden für mich immer das Pendant zu Hanks Blumenkohlpüree sein, fade und unbefriedigend. Soll er es ruhig herzgesund nennen, aber das Herz weiß verdammt gut, was es will, und Blumenkohl zählt meistens nicht dazu." (ZITAT)

Der Originaltitel des Buchs ist “The reason you’re alive”, welcher meiner Meinung nach ein wenig schlecht ins Deutsche übertragen wurde, nimmt diese Phrase doch eine große Rolle im Buch ein. Doch zunächst einmal zum Inhalt:

Er liebt sein Land, das er nicht mehr versteht. Er hasst die Liberalen. Er schläft nicht ohne seine Waffen. Er ist das Gegenteil von politisch korrekt. Er ist unbequem. Er liebt seine Enkelin Ella über alles. Er hat einen Gehirntumor, für den er das Agent Orange aus dem Vietnamkrieg verantwortlich macht. Er überlebt die Operation. Er nimmt die letzte Chance wahr, sich mit seiner Vergangenheit, seinem Sohn und seinem Erzfeind aus dem Krieg, Clayton Fire Bear, auszusöhnen. Er heißt David Granger, 68 Jahre, Vietnamveteran. Er ist: Ein Mann mit Anstand.

Insgesamt bietet das Buch viele tolle Charaktere, die aus Davids -nicht immer politisch korrekter- Perspektive beschrieben werden, sodass der Leser jedoch eine Ahnung bekommt, mit wem er es zu tun hat

"Wenn man genau hinschaut, erkennt man einen Idioten auf eine Meile Entfernung." (ZITAT)

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass dies ein tolles fesselndes Buch ist, das mich wirklich gut unterhalten und zum Nachdenken anregen konnte.

Matthew Quick wurde am 23.10.1973 in Camden, New Jersey geboren. Er studierte Englische Literatur und war anschließend als Lehrer tätig. Diesen Beruf gab er jedoch einige Zeit später wieder auf, um sich ganz der Schriftstellerei widmen zu können. Sein Debütroman "The Silver Linings Playbook" wurde später als Grundlage für den gleichnamigen Film herangezogen.

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Veröffentlicht am 05.10.2020

Rebellion der Romanfiguren

In diesem Buch stirbt jeder
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Meine Meinung und Inhalt

Als Memento Mori eines Morgens aus unruhigen Träumen erwacht, findet er heraus, dass er eine Romanfigur ist und die Superkraft hat, durch Bücher zu reisen.

Er setzt sie gegen ...

Meine Meinung und Inhalt

Als Memento Mori eines Morgens aus unruhigen Träumen erwacht, findet er heraus, dass er eine Romanfigur ist und die Superkraft hat, durch Bücher zu reisen.

Er setzt sie gegen die gnadenlosen Autorinnen und Autoren der Weltliteratur ein, indem er versucht, ihre Figuren vor dem sicheren Tod zu bewahren: Romeo und Julia etwa will er vom Selbstmord abhalten, und Professor Moriarty stößt er selbst den Reichenbachfall hinunter, um Sherlock Holmes zu helfen.

Doch dann erfährt Memento Mori, dass in seinem eigenen Roman jemand sterben soll, und er beschließt, alle Figuren zu retten. Aber sein Gegner ist der allmächtigste Antagonist aller Zeiten — der Autor selbst.

Neben dem Tod und Memento Mori gibt es ein paar weitere Figuren, Professor Arno, Matthäus und Lea, die allerdings ebenfalls nicht unbedingt ein Eigenleben führen. Sie begeben sich unter dem Einfluss von H.G. Wells zusammen mit Memento Mori auf eine Zeitreise durch die Weltliteratur und führen dabei unter anderem ein Buch mit dem Titel „Bestseller“ mit sich. Dieser Roman stammt ebenfalls aus der Feder von Adamaschwili.

Adamaschwili lässt seiner Fantasie freien Lauf, z.B. bei Mona Lisa, denn diese wird wieder zu einer Frau, die aus dem Rahmen steigt, eine Geschichte bekommt und damit unsterblich wird.

Das Buch war für mich sehr unterhaltsam und zugleich besonders aufgrund der einzigartigem Humor des Autors, der gleich auf den ersten Seiten hervorsicht. Das Cover finde ich sehr passend und auffällig gewählt.

Beka Adamaschwili (geboren 1990 in Tiflis, Georgien) studierte Journalismus und Sozialwissenschaften an der Caucasus University in Tiflis. Für seine Kurzgeschichten, die bereits in frühen Jahren in Magazinen und Zeitungen publiziert wurden, erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Als Blogger macht er mit satirisch-humoristischen Postings auf sich aufmerksam. Heute arbeitet Adamaschwili für eine große georgische Werbeagentur. Mit »Bestseller« veröffentlichte er 2014 seinen Debütroman, der in Georgien schnell zum echten Bestseller avancierte und auf der Shortlist für den besten Roman beim SABA- und Tsinandali-Preis stand.

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Veröffentlicht am 16.09.2020

Abschiede

Abschiedsfarben
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Meine Meinung und Inhalt

"Es war ein gutes Gespräch und ein guter Abschied. Es war traurig; der Abschied von einem Freund ist nun einmal traurig, auch wenn man im Guten voneinander scheidet. Wir werden ...

Meine Meinung und Inhalt

"Es war ein gutes Gespräch und ein guter Abschied. Es war traurig; der Abschied von einem Freund ist nun einmal traurig, auch wenn man im Guten voneinander scheidet. Wir werden nicht mehr miteinander sprechen. Er ist tot. Aber ich werde an unsere Freundschaft denken, wie ich an meine Kindheit denke, und wie die Erinnerung an meine Kindheit wird auch die an unsere Freundschaft in meine alten Tage scheinen." (ZITAT)


Das Buch ist mir sofort aufgrund des schönen Covers ins Auge gestochen. Folgende Titel beinhaltet das Buch

Künstliche Intelligenz
Picknick mit Anna
Geschwistermusik
Das Amulett
Geliebte Tochter
Der Sommer auf der Insel
Daniel, my Brother
Altersflecken
Jahrestag

Das Buch ist sehr vielfältig. Es geht über das Gelingen und Scheitern der Liebe, über Vertrauen und Verrat, über bedrohliche und bewältigte Erinnerungen und darüber, wie im falschen Leben oft das richtige liegt und im richtigen das falsche.

Kurze eindringliche Geschichten von Menschen in verschiedenen Lebensphasen und ihren Hoffnungen und Verstrickungen.

Nachdem ich Schlink's "Olga" - aufgrund des tollen klaren und fließenden Schreibstils - sehr gerne gelesen habe, stand für mich fest, dass ich "Abschiedsfarben" auch lesen möchte. Das Buch hat mich überraschen und begeistern können und war aufgrund der kurzen unabhängigen Stories genau das richtige.

Bernhard Schlink ist ein guter Beobachter, der Menschen in den verschiedensten Lebenslagen und jeden Alters in seine Geschichten mit viel Feingefühl einbindet.

Deshalb kann ich auch für "Abschiedsfarben" eine klare Leseempfehlung aussprechen.

Bernhard Schlink, geboren 1944 bei Bielefeld, ist Jurist. Der 1995 erschienene Roman ›Der Vorleser‹, 2009 von Stephen Daldry unter dem Titel ›The Reader‹ verfilmt, in über 50 Sprachen übersetzt und mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, begründete seinen schriftstellerischen Weltruhm. 2018 erschien sein neuester Roman ›Olga‹. Bernhard Schlink lebt in Berlin und New York.

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