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Veröffentlicht am 16.02.2021

Raus aus der Komfortzone, rein ins Leben!

Die Erfindung der Sprache
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Wer könnte über dieses Buch besser berichten, als einer der wundervollsten Charaktere des Romans? Leska, die mir mit ihrer böhmisch-herzlichen Großmutterart dermaßen ans Herz gewachsen ist, dass ich jeder ...


Wer könnte über dieses Buch besser berichten, als einer der wundervollsten Charaktere des Romans? Leska, die mir mit ihrer böhmisch-herzlichen Großmutterart dermaßen ans Herz gewachsen ist, dass ich jeder Szene mit ihr entgegengefiebert habe. Nun, wie würde Leska das Buch beschreiben?

 

„Lieber Freund! Würde ich sehr freuen, wenn du liest dieses Buch! Ist über Adamcik, mein wunderbare Enkelsohn. Adamcik ist besonders, hat ganz viel Schlauigkeit, mehr als Durchschnitt! Ist sogar Doktor, aber nicht Doktor für Krankheit, sondern für Sprache. Aber leider leider, hat viel Dramatik gehabt in Leben, auch mit seine Maminka, aber hier kann man sehen, wie er überwindet und jetzt ist Drama weg aus Familie! Aber Weg war weit und manchmal nicht einmal böhmisch-ostfriesische Leckereien haben geholfen Adamcik für Seele! Habe ich gebacken in Menge, aber Kopf von Adamcik war bei große Dramatik und Babicka Leska konnte nicht helfen! Musste kommen Zola und Zola-die-Katze und Buchhändlerin, um Adamcik wieder gut zu machen! Und feine Schreiberin Anja hat jetzt alles gefasst in viele Worte, großen Roman um zu zeigen Mensch muss manchmal aus komfortabler Zone für Erkenntnisse. Aber hat so schön geschrieben! Hat genau geschaut auf Mund von Leska und so gezeigt wie redet – ist nicht immer wichtig deutsche Grammation, ist nur wichtig Herz auf richtige Fleck und ganz viel Leckerei für Leckermäulchen in Familie. Dann Rest wird immer gut!

 

Und Anja hat gezeigt Weg von Adamcik von kleine Platteoog-Insel von Kindheit bis jetzt in Bretagne für Suche von Vater. Nicht einfach für mein Adamcik! Hat ganz kleine komfortable Zone und muss alles sein nach Plan. Sonst Adamcik ist ganz verwirrt. Alle Leute von Platteoog haben geholfen Erziehung von Adamcik und haben auch geholfen für Suche von Vater. Aber größte Teil war nur Adamcik alleine! Ist raus aus komfortabler Zone und rein in Leben, war große, große Schritt! Aber wirst du mögen Adamcik, kann keiner anders als mögen!“

 

Tja… so würde Leska sich wohl in Form reden, in ihrer fürsorglichen Art und ich wette – jeder würde hinterher das Buch kaufen Ihrer charmanten Art kann man sich einfach nicht entziehen und sie war für mich wirklich das Highlight des Buches und hat (so meine persönliche Einschätzung) sogar Adam ein wenig „an die Wand gespielt“.

 

Dieses Buch und die Art, wie Anja Baumheier diese Geschichte erzählt, erinnert wenig an Kranichland und Kastanienjahre (ihre beiden vorherigen Bücher). Ich kann nicht sagen, ob ich es besser oder schlechter finde – es ist einfach anders. Die ganze Geschichte ist anders und darauf muss man sich einlassen, um den Roman genießen zu können.

 

Trotz Happy End war ich aber mit dem Schluss nicht zu 100% zufrieden. Es gab einige Wendungen ganz am Ende, die mich etwas verwunderten (aber ich möchte hier nicht spoilern, deshalb sage ich dazu an dieser Stelle nicht mehr). Insgesamt daher keine vollen 5 Sterne.

 

Ich habe die Geschichte aber sehr genossen und werde sie als ganz besonders in Erinnerung behalten. Dieses Buch wird man definitiv nicht so leicht vergessen.

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Veröffentlicht am 22.10.2020

Ein opulentes historisches Drama – eng an die historischen Fakten angelehnt

Das Kaffeehaus - Bewegte Jahre
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Als ich begann, das „Kaffeehaus“ zu lesen, erwartete ich noch eine Geschichte, in dessen Mittelpunkt eindeutig das Café und die Bediensteten stehen. Schnell wurde ich eines Besseren belehrt – wer sich ...

Als ich begann, das „Kaffeehaus“ zu lesen, erwartete ich noch eine Geschichte, in dessen Mittelpunkt eindeutig das Café und die Bediensteten stehen. Schnell wurde ich eines Besseren belehrt – wer sich für dieses Buch interessiert, sollte auf jeden Fall wissen, dass das Café Prinzess am Graben in Wien zwar namensgebend für die Reihe, aber in der Handlung eher ein wiederkehrender Schauplatz ist, der (zumindest in Band 1) keine herausragende Rolle spielt (auch wenn hier einige wichtige Szenen des Buches spielen).

 

Nach kurzer Enttäuschung über meine fehlgeleiteten Erwartungen ließ ich mich aber auf das Buch ein und wurde – wie schon bei der Weingut-Saga von Marie Lacrosse alias Marita Spang – nicht enttäuscht.

 

Mit diesem opulenten Drama aus der Kaiserzeit und der österreichisch-ungarischen k.u.k.-Monarchie ist ihr wieder ein Treffer gelungen. Geschickt verknüpft sie historische Fakten mit fiktionalen Figuren und lässt die 1880er Jahre in Wien lebendig werden.

 

Im Mittelpunkt des Buches stehen die (fiktiven) Charaktere Sophie von Werdenfels und Richard von Löwenstein, sie eine junge Komtess, er ein Dragoneroffzier im Stab des Kronprinzen Rudolf von Österreich-Ungarn. Zu letzterem hat Richard ein freundschaftliches Verhältnis, was ihn im Laufe des Buches in große Bedrängnis und Gewissenskonflikte bringt. Sophie und Richard werden unfreiwillig Teil einer großen menschlichen und politischen Tragödie.

 

Bewusst erst zum Ende der Lektüre habe ich ein wenig im Internet recherchiert, aber mir hat es dann einfach den Hintern weggerissen und ich wollte unbedingt wissen, wieviel von der Handlung Fiktion und wieviel historisch belegt ist. Und ich war überrascht, wie nah die Handlung an den tatsächlichen historischen Geschehnissen angelehnt ist. Hätte ich mal gleich zum Nachwort geblättert! Denn dort beschreibt die Autorin noch einmal sehr detailliert, welche Fakten sie recherchiert und verwendet hat und an welchen Stellen sie improvisieren musste. Ich muss sagen, gerade aufgrund dieses Nachworts war ich noch einmal äußerst beeindruckt von dem Buch, denn es scheint hervorragend und mit großer Hingabe recherchiert zu sein, so dass ich trotz des Romancharakters das Gefühl habe, ich hätte eine Dokumentation über Kronprinz Rudolf im Fernsehen gesehen

 

Den einen oder anderen Leser schreckt vielleicht der Umfang des Buches von 700 Seiten zunächst etwas ab (und dann auch noch eine Buchreihe – es kommen also wohl noch weitere 1400 Seiten auf uns zu!). Aber ich kann nur sagen – es lohnt sich! Nachdem sich der erste Band ja hauptsächlich mit dem Kronprinzen beschäftigt, rückt in Band 2 dann Kaiserin Sisi neben Sophie und Richard in den Mittelpunkt. Das (wahrscheinlich sehr intrigante) Leben am Hof wird bestimmt wieder ein Lesefest – und da lohnen sich die 700 Seiten bestimmt auch wieder!

 

Bis auf die Tatsache, dass am Anfang für mich Titel und Geschichte noch nicht so richtig zusammenpassten, war ich begeistert von diesem Roman und werde die Reihe auf jeden Fall weiterverfolgen! Auch anderen Fans historischer Schmöker kann ich dieses Buch wärmstens ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 06.07.2020

Flauschfell und Tiefgründigkeit – eine gelungene Mischung!

Ein Blick in deine Augen
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Nicole Walters neuer Roman war eine echte Überraschung für mich. So niedlich verpackt, mit himmelblauem Cover und einem Alpaka zum Knutschen, hatte ich einen beschwingt-bunten Sommerroman erwartet, den ...

Nicole Walters neuer Roman war eine echte Überraschung für mich. So niedlich verpackt, mit himmelblauem Cover und einem Alpaka zum Knutschen, hatte ich einen beschwingt-bunten Sommerroman erwartet, den man mal so nebenbei mit wegliest und der ein bisschen „Heile Alpakahofwelt“ verbreitet.

Doch dann, schon auf den ersten Seiten merkte ich: irgendwas ist anders. Der Nachname Sonnenschein war erstmal das Einzige, was an herzige ZDF-Sonntagsfilme erinnerte. Ansonsten gab es im ersten Drittel erstaunlich viel negative Schwingungen. Da war der Familienvater, der nach dem plötzlichen Unfalltod seiner Frau in eine schwere Depression versunken war. Da war sein Sohn Bobby, ein junger Mann mit Down-Syndrom, der nicht verstehen konnte, warum sein Papa sich nur noch verkroch und ihn kaum noch umarmen wollte. Da war Bobbys kleine Schwester Stephanie, die in dieser Situation so viel erwachsener sein musste, als das für ein 12jähriges Mädchen gut ist.

Und da war Marie Popp, Kreditsachbearbeiterin bei einer Münchner Bank, die unzufrieden ihren Job verrichtete, sich nach einer Beziehung sehnte und doch immer nur Nieten zog bei Tinder, die eigentlich immer hatte Philosopie studieren wollen und die trotz schöner Münchner Wohnung und sicherem Job mit ihrem Leben haderte.

Dazu gesellen sich im Roman noch: ein Obdachloser, eine Flüchtlingsfamilie, ein altes Ehepaar und eine Herde Alpakas.
Man könnte jetzt denken: hoffnungslos überfrachtet, der Ro-man. Und eigentlich würde ich das auch denken, gleich recht bei übersichtlichen 350 Seiten. Wenn da nicht dieses Gefühl gewesen wäre, dass alles genau so zusammenpasst.

Ich war wirklich erstaunt, wieviele (tiefschürfende) Themen ein Frauenroman verträgt – wenn er gut geschrieben ist. Und das ist er auf jeden Fall. Nicole Walters Schreibstil ist anders als man das von solchen Wohlfühlromanen gewohnt ist. Die Sätze sind an vielen Stellen kürzer, manchmal sind es nur Augenblicke, einzelne Gedanken, die der Leser mit den Figuren teilt. Aber es passt. Zum Thema und auch zu den vielen Problemen, die die Autorin in ihrem Buch anspricht.

Zugegebenermaßen musste ich mich erst ein wenig reinlesen in diesen Stil und fand die ersten ca. 50 Seiten noch etwas komisch irgendwie, aber dann wirkte das Buch rund und es passte alles zusammen. Wer also zu Beginn ein bisschen mit dem Buch fremdelt: nicht beirren lassen, es lohnt sich!

Schon allein wegen der Alpakas und Bobby - eine bessere Kombination hätte es nicht geben können. Der fröhliche Bobby, der aufgrund seiner Krankheit genau das tut, was vielen Leuten gut zu Gesicht stehen würde: immer zuerst das Gute im Menschen sehen, ist einfach ein Charakter zum Liebhaben. Man kann ihm keine Sekunde böse sein und amüsiert sich mitunter prächtig über seine einfachen Wahrheiten, mit denen er bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit rausplatzt. Und die Alpakaherde mit Happy und Fohlen Misti, deren sensibles Wesen einen dazu bringt, mitunter die Seiten ganz vorsichtig umzublättern, ist einfach nur zum Niederknien niedlich. Die Tiere setzen das i-Tüpfelchen auf eine ohnehin schon runde und überraschend tief gehende Geschichte, die nichts oberflächlich abhandelt, sondern immer versucht, den Kern zu ergründen.

Ein wirklich gelungener Roman und mindestens 4,5 Sterne wert!

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Veröffentlicht am 09.02.2020

Eine ungewöhnliche Frau und viel lebendig erzählte Geschichte

Die Ärztin - Eine unerhörte Frau
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1908 in Berlin. Amelie von Liebwitz wurde dazu erzogen, sich etwas zuzutrauen. Ihre Eltern, ein Hausarzt und eine Hebamme, haben sie schon zu Kinderzeiten dazu ermuntert ihren Träumen zu folgen und taten ...

1908 in Berlin. Amelie von Liebwitz wurde dazu erzogen, sich etwas zuzutrauen. Ihre Eltern, ein Hausarzt und eine Hebamme, haben sie schon zu Kinderzeiten dazu ermuntert ihren Träumen zu folgen und taten ihre kindlichen Aussagen, dass sie eines Tages Ärztin werden würde wie ihr Vater, nicht als Hirngespinste ab. Sie billigen ihre Entscheidung, sich an der Universität für das Medizinstudium einzuschreiben – im ersten Jahrgang, in dem Frauen für das Studium zugelassen sind.

Doch Amelie und ihrer Freundin Felicitas weht ein starker Wind entgegen. Die Professoren stehen den „Weibern“ größ-tenteils genauso feindselig gegenüber wie männlichen Kommilitonen. Gängige Meinung unter den Herren ist, dass Frauen aufgrund ihrer „physischen und psychischen Unterlegenheit“ dem Arztberuf nicht gewachsen sind. Nur sehr wenige Männer stehen auf der Seite von Amelie und Felicitas, und so haben sie es unheimlich schwer und müssen sich jeden Tag aufs Neue beweisen bzw. in jeder Prüfung besser sein als die Männer, um sie zu bestehen. Die jungen Frauen werden beim Studium richtiggehend drangsaliert. Doch Amelie und ihre Freundin lassen sich nicht abschrecken. Sie kämpfen und sind damit Pionierinnen ihrer Zeit.

Das Buch zeichnet den Lebensweg von Amelie nach – haupt-sächlich die Zeit ihres Studiums und ihrer Zeit als Assistenzärztin bis zur Facharztprüfung. Es gibt jedoch auch Passagen in einer Art Rahmenhandlung, in denen die ältere Amelie im Jahr 1950 Szenen ihres Lebens Revue passieren lässt. In diesen Passagen erfährt man auch ansatzweise etwas über ihr Leben zwischen 1914 und 1950, was mich spekulieren lässt, dass hier noch Folgebände in Arbeit sind, die ihre späteren Jahre thematisieren.

Ich war von der Geschichte absolut fasziniert und fand es be-sonders spannend, dass sich die Autorin mit der sexuellen Ausrichtung von Amelie durchaus etwas traut. Eine solche Hauptfigur wäre zwar heutzutage sicherlich keine Erwähnung wert – aber so etwas in einem historischen Roman umzusetzen, ist nicht selbstverständlich.

Der Schreibstil von Sabine Fisch hat mich völlig in seinen Bann gezogen – umso frustrierter war ich deshalb, als mir ab und zu furchtbare konzeptionelle Patzer aufgefallen sind. Ich war drauf und dran, dafür einen Stern abzuziehen. Aber ich drücke sämtliche Augen zu und hoffe einfach mal, dass dies nur einem unglücklichen Lektorat geschuldet ist und beim nächsten Roman nicht mehr vorkommt.

Sehr oft gab es fast wortgleiche Wiederholungen zur Charakteristik einer Person o.ä. (als sei noch nicht klar, an welcher Stelle des Romans das später mal platziert wird). Oder es wurden Dinge, die bereits ausführlich thematisiert waren, plötzlich noch einmal zusammengefasst. So war z. B. Amelies Widersacher Alexander von Stein eine wichtige Nebenfigur, die sich durch die ganze Geschichte zog. Auf S. 335 (!) findet sich dann der Satz „Der große schlanke Korpsstudent (…) war einer der erbittertsten Gegner Amelies und ihrer Ausbildung zur Chirurgin.“ Also wirklich! Wer das bis dahin noch nicht gemerkt hat, der hat das Buch nicht gelesen! Mir kam es so vor, als sei der Roman in kleinen Häppchen geplant gewesen, der immer wieder (für Neueinsteiger) zusammenfassende Sätze fordert. Und dann wurde das Konzept geändert, ein richtiger Roman draus gemacht – aber nicht entsprechend überarbeitet. Ärgerlich, wenn einem das nicht nur einmal, sondern häufig während des Lesens auffällt.

Aber wie gesagt – ich hoffe sehr, dass das beim nächsten Buch abgestellt wird und dann nur noch der wunderbar mitreißende Schreibstil übrig bleibt von einer Autorin, die sehr lebendig und bewegend erzählen kann!

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Veröffentlicht am 30.12.2019

Elektras schwieriger Weg & ein Schicksal in Kenia

Die Sonnenschwester
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Mit Elektra steht diesmal die wohl charakterlich schwierigste und unbequemste der Schwestern im Vordergrund. Zwar ist das 26jährige farbige Model atemberaubend schön – aber nur wenige Menschen wissen, ...

Mit Elektra steht diesmal die wohl charakterlich schwierigste und unbequemste der Schwestern im Vordergrund. Zwar ist das 26jährige farbige Model atemberaubend schön – aber nur wenige Menschen wissen, wie es in ihrem Inneren aussieht. Der Job und das Leben im Rampenlicht haben sie abstumpfen lassen, oft übersteht sie den Tag nur durch eine gehörige Zufuhr von Alkohol und Drogen. Sie ist sprunghaft, unnahbar, rücksichtslos – und absolut einsam. Die Nähe zu ihren Adoptiv-schwestern hat sie längst verloren, statt dessen flüchtet sie sich in Partys und versteckt sich danach in ihrer sündhaft teuren Wohnung in New York, bis sie wieder runtergekommen ist vom letzten Trip…

Lucinda Riley macht es den Lesern zunächst nicht leicht, Elektra zu mögen. Und ich konnte mir nicht helfen – ich hatte ir-gendwie immer so ein bisschen das Bild von Naomi Campbell im Kopf, wenn ich mir Elektra vorstellte. Trotzdem hat mich der Mensch hinter diesem körperlichen und seelischen Wrack irgendwie berührt und ich habe ihr von Herzen gewünscht, dass sie die Kurve kriegt und sich helfen lässt. Zum Glück tut sie das dann auch und geht in eine Entzugsklinik. Ab diesem Zeitpunkt wird ihr professionell geholfen und sie öffnet sich der Geschichte ihrer Herkunft – denn eigentlich stammt Elektra von Prinzessinnen ab!

Sehr ausführlich erzählt die Autorin zunächst die Geschichte von Elektras späterer Ziehmutter Cecily Huntley-Morgan, die als junge Frau zunächst von New York nach England und dann nach Kenia reist. Ihr Schicksal will es, dass sie in Kenia sesshaft wird und schließlich schlägt die Geschichte den Bogen zu Elektras Großmutter und letztlich auch zu Elektra selbst.

Ich muss sagen, ich fand die Geschichte von Cecily in Kenia zwar interessant und gut erzählt, aber viel lieber hätte ich mehr über Elektras tatsächliche Vorfahren erfahren. Das hätte jedoch sehr viel Recherchearbeit über die Lebensumstände der Massai in den 1930er Jahren erfordert. Ich finde es trotzdem schade, dass die Autorin die (Vor-)Geschichte der weißen Auswanderin so in den Mittelpunkt stellt. Die Geschichte von Elektras leiblichen Vorfahren in Kenia wird im Vergleich dazu sehr spärlich beleuchtet und nur am Rande erzählt. Erst die Geschichte von Stella, ihrer Großmutter (die jedoch bereits als Kind nach New York kommt) wird dann ausführlicher dargestellt, so auch ihre Bemühungen als Aktivistin gegen Rassismus und für Gleichberechtigung. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass die Geschichte der afrikanischen Stämme eine größere Rolle spielt.

Dennoch vermag die Autorin das mit ihrem Erzählstil weitest-gehend wieder wettzumachen, denn trotzdem fand ich dieses doch sehr lange Hörbuch an keiner Stelle langweilig. Auch Ce-cilys und Stellas Geschichten waren neben Elektras eigenem Weg zurück ins Leben hörenswert.

Das Buch endet mit einem Cliffhanger und macht schon neu-gierig auf den Abschlussband der Reihe. Denn schließlich sind die Schwestern bisher nur zu sechst. Gibt es eine siebente Schwester und wenn ja – wer ist sie? Ich freue mich jetzt schon darauf, im nächsten Herbst beim großen (und hoffentlich fulminanten) Finale dabei zu sein!

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