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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.12.2020

Kommt nur langsam in Fahrt

Ihr Königreich
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Die Brüder Roy und Carl lebten bis zum Tod der Eltern in einer kleinen Stadt. Danach blieb Roy in seiner Heimat, Carl ging ins Ausland. Plötzlich kehrt Carl in seine Heimat zurück - zusammen mit seiner ...

Die Brüder Roy und Carl lebten bis zum Tod der Eltern in einer kleinen Stadt. Danach blieb Roy in seiner Heimat, Carl ging ins Ausland. Plötzlich kehrt Carl in seine Heimat zurück - zusammen mit seiner Frau und dem Plan, ein Hotel zu bauen. Doch die Brüder werden von ihrer Vergangenheit eingeholt...

Jo Nesbo hat mit "Ihr Königreich" das Harry-Hole-Universum kurzzeitig verlassen. Und obwohl in diesem Buch zunächst nicht viel geschieht und man ein wenig Durchhaltevermögen mitbringen muß, ist das Buch in meinen Augen gelungen. Der Autor bleibt seinem Stil treu. Die Handlung wird so geschickt aufgebaut, daß man gefesselt ist, denn die Spannung steigt kontinuierlich und endet in einem fulminanten Schluß. Dabei beschreibt er alles wunderbar bildhaft, man sieht das Buch wie einen Film vor sich ablaufen. Die von ihm geschaffenen Charaktere wirken durch seine Beschreibungen glaubhaft, jeder hat seine eigenen Ansichten und Beweggründe und ist dadurch einzigartig. Nach und nach erfährt man mehr über jeden, die Vergangenheit kommt ans Licht und macht dadurch die einzelnen Verhaltensweisen verständlich, wodurch man merkt, daß der erste Anschein oft falsch ist.

Mir hat dieses Buch, trotz des langsamen Starts, sehr gut gefallen und ich kann es mit dem Tipp nicht zu schnell aufzugeben empfehlen!

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Veröffentlicht am 10.11.2020

Irgendwie nicht ganz so, wie ich es erwartet hatte

Simon und ich
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Esel Simon wird von Tierschützern aus sehr schlechter Haltung gerettet. Niemand gibt mehr viel um sein Leben - mit Maden übersäte Wunden in der Haut, entzündetem Zahnfleisch und viel zu langen Hufen, so ...

Esel Simon wird von Tierschützern aus sehr schlechter Haltung gerettet. Niemand gibt mehr viel um sein Leben - mit Maden übersäte Wunden in der Haut, entzündetem Zahnfleisch und viel zu langen Hufen, so daß er nicht mehr laufen kann, nimmt ihn Jon Katz auf seinem Hof auf. Er pflegt Simon gesund - es entsteht eine innige Freundschaft. In seinem Buch "Simon und ich" erzählt Jon Katz nun von seinem Weg mit Simon. Die Geschichte dieses kleinen Esels berührt den Leser tief. Zu deutlich wird hier der Gesundheitszustand von Simon beschrieben. Man spürt die Schmerzen, fühlt die Pein die er erleiden muß - und bewundert seinen Lebenswillen. Dort, wo ein Mensch sich längst aufgegeben hätte, setzt bei Simon die sprichwörtliche Eselssturheit ein. Aufgegeben wird nicht! Der Autor beschreibt hier, welch Mühe er sich mit Simon gegeben hat und welch inniges Verhältnis dadurch entstand. Für mich schon fast zu poetisch zieht er hier Parallelen, wie sich seine Sichtweise durch die Pflege änderte. Hier wäre weniger mehr gewesen. Er berichtet aber auch von seinen anderen Tieren und seiner Nachbarschaft, der Suche nach Simons ersten Besitzern, die ihn an den Farmer verkauften, der ihn vernachlässigt hat, sowie dem Besuch bei diesem. Der erste Besuch berührt, bei dem zweiten kommt Wut auf. Jon Katz läßt mich ein wenig zwiespältig zurück. So sehr er sich um Simon kümmert - seine andere Seite kann ich nicht nachvollziehen. Da wird ein Hahn erschossen, da er seine Hennen mit seinen Krallen verteidigt, ein altes, blindes Pony, das schon ewig auf dem neu gekauften Hof lebt und zunächst gepflegt wird, wird eingeschläfert, weil Simon es nicht auf seiner Weide akzeptiert - dies sind Dinge, die nicht zu der liebevollen Pflege von Simon passen und mir ein wenig den Spaß an diesem Buch genommen haben. Da hätte der Autor andere Lösungen finden können - wenn er denn gewollt hätte.

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Veröffentlicht am 04.11.2020

Bietet mehr als man denkt

Der kleine Buchsalon am anderen Ende der Welt
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Patricia sucht schon lange nach ihrer verschwundenen Schwester Madeleine. Eines Tages erhält sie einen Brief aus Schweden. Der Inhalt besteht aus einer Kette, die sie einst Madeleine geschenkt hat. Patricia ...

Patricia sucht schon lange nach ihrer verschwundenen Schwester Madeleine. Eines Tages erhält sie einen Brief aus Schweden. Der Inhalt besteht aus einer Kette, die sie einst Madeleine geschenkt hat. Patricia macht sich auf den Weg nach Schweden. Dort lernt sie die Frauen eines Buchsalons kennen. Patricia findet hier eine Spur, denn einige der Frauen scheinen etwas über Madeleine zu wissen.

Frida Skybäck vermittelt mit dem Titel "Der kleine Buchsalon am anderen Ende der Welt", daß es sich hier um einen seichten Roman handelt, der mit rosa Brille zu lesen ist. Doch davon ist dieses Buch meilenweit entfernt! Man erhält ein spannendes Familiengeheimnis, das schon Ähnlichkeit mit einem Krimi aufweist. Das Buch basiert auf zwei Handlungssträngen. In einem Strang erlebt der Leser das Jahr 1987 und Madeleines spurloses Verschwinden, im anderen ist man in der Gegenwart und begleitet Patricia auf ihrer Suche. Durch diese Sichtwechsel lernt man die Schwestern sehr gut kennen und versteht ihre Handlungen. Sie werden dem Leser zu Vertrauten. Ebenso wird durch die Zeitsprünge Spannung aufgebaut, denn man muß schon zwanghaft wissen, wie es nun in dieser Zeit weitergeht und wieso Madeleine verschwand. Eine weitere Handlung bilden die Damen der Pension, die um die Existenz dieser kämpfen müssen. Dies alles zusammen macht aus diesem Buch kein Buch, welches man bei diesem Titel erwartet. Frida Skybäck schreibt wunderbar leicht, schafft es dabei jedoch die Sorgen und die manchmal herrschende Traurigkeit der Charaktere zu vermitteln.

Ich kann dieses Buch sehr empfehlen und hoffe sehr, daß es nicht in eine typische Schublade gesteckt wird - denn das Buch bietet so unendlich viel mehr!

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Veröffentlicht am 25.10.2020

Ein Tick besser als Teil 1

Der tote Carabiniere
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Salvatore Bianchi, 40 Jahre im Dienst als Carabiniere in Brunate, wurde von der Standseilbahn überrollt. War es tatsächlich nur ein Unfall oder war es doch Mord? Commissario Marco Pellegrini wird zwar ...

Salvatore Bianchi, 40 Jahre im Dienst als Carabiniere in Brunate, wurde von der Standseilbahn überrollt. War es tatsächlich nur ein Unfall oder war es doch Mord? Commissario Marco Pellegrini wird zwar von den Ermittlungen ausgeschlossen, jedoch hält er in der familieneigenen Bar Augen und Ohren offen...

Dino Minardi hat mit "Der tote Carabiniere" den zweiten Fall für Marco Pellegrini geschaffen. Auch dieser Krimi ist, wie sein Vorgänger, ein Krimi der ruhigen Sorte und kommt ohne Action und bluttriefende Szenen aus. Dies empfinde ich als sehr angenehm und entspannend. Dino Minardi vermittelt mit seinen Krimis wunderbares italienisches Ambiente. Allein durch die Sprache der Beteiligten und der immer wieder im Text eingestreuten italienischen Begriffe, kommt man sich vor, als säße man selbst in der Barrista. Die Charaktere sind ebefallen typisch talienisch. Pellegrini ist charmant und eigenwillig, andere sind die temperamentvollen Typen - aber eines haben sie alle: Menschlichkeit. Der Autor schafft es, viele unterschiedliche Fährten zu legen, so daß man hier wirklich bis zum Schluß miträtselt. Dies ist zwar der zweite Fall für Pellegrini, er kann jedoch problemlos ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Die Fälle stehen in keinem Zusammenhang, lediglich der private Teil entwickelt sich weiter, was jedoch kein Problem darstellt, da Dino Minardi seine Charaktere hier kurz und bündig für Neueinsteiger vorstellt, so daß keine Wissenslücke entsteht.

Dieser Krimi ist richtig gut für ruhigere Stunden geeignet!

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Veröffentlicht am 22.10.2020

Ganz anders als erwartet

Zwischen dir und der Dunkelheit
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Sera, Mark und Jo drehen an magischen Orten YouTube-Videos. Bisher geschah an diesen Orten nie etwas - doch der Teufelstritt in der Münchner Frauenkirche ändert alles. Nach einer Sage schloss der Baumeister ...

Sera, Mark und Jo drehen an magischen Orten YouTube-Videos. Bisher geschah an diesen Orten nie etwas - doch der Teufelstritt in der Münchner Frauenkirche ändert alles. Nach einer Sage schloss der Baumeister einen Pakt mit dem Teufel, damit die Kirche schneller fertig wurde - doch der Baumeister wollte den Teufel täuschen. Dieser bemerkte dies und stapfte so fest auf dem Boden auf, daß der Abdruck bis heute sichtbar ist. Als Sera sich dem Abdruck nähert, fegt plötzlich Wind durch die Kirche und der Abdruck beginnt zu leuchten. Ihre Follower schenken Ihnen keinen Glauben - bis auf Lily, die an die Erscheinung des Teufels glaubt und Sera zu einem Ritual in einer Kapelle einlädt. Sera stimmt zu - und gerät in einen Kampf zwischen Gut und Böse, der schon seit Jahrhunderten schwelt...

Antonia Neumayer hat mich mit "Zwischen dir und der Dunkelheit" sehr überrascht. Der Klappentext versprach etwas ganz anderes, so daß ich mich auf den Inhalt erst einlassen mußte. Doch dann fühlte ich mich wohl in diesem Buch. Sehr gefallen hat mir die Einbindung der alten Sage um die Entstehung der Frauenkirche. Diese kannte ich bisher nicht und ich fand sie sehr interessant. Da die Geschichte zum Teil in der Gegenwart und zum Teil in der Vergangenheit spielt, bekommt man hier die Sage hautnah erzählt. Man fühlt sich richtig in diese Zeit versetzt, spürt den Aberglaube und erschrickt davor, wie leicht die Menschen zu manipulieren waren. Dieser Teil um Elias und Sera ist sehr spannend. Der Teil der Gegenwart war zwar auch sehr spannend, hat mich jedoch nicht ganz so in den Bann gezogen. Auch hier geht es um Sera und Elias, die auf der Flucht vor Lily sind. Die Vergangenheit wiederholt sich für sie. Die Charaktere sind sehr gut dargestellt und man reist gern mit ihnen durch die Zeit. Die Darstellung des Teufels und seine Präsenz haben bei mir für den gewissen Gruselfaktor gesorgt. Antonia Neumayer läßt den Leser hier durch ihren Stil durch die Seiten fliegen, so daß man dieses Buch sehr schnell liest. Es ist kurzweilig, sorgt für Gänsehaut und vermittelt das Wissen über eine alte Sage - mir hat es bis auf ein paar kleinere Passagen, die mir einfach zu abstrus waren, sehr gut gefallen.

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