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Veröffentlicht am 07.11.2020

Actiongeladen, witzig!

Captain Underpants Band 2 - Angriff der schnappenden Kloschüsseln
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George Beard und Harold Hutchins sind die besten Freunde und mit ihrer Vorliebe für Streiche, Comics und Zeichnungen, der Albtraum ihrer Lehrer an der Jerome-Horwitz-Grundschule. Sie finden ja, dass sie ...

George Beard und Harold Hutchins sind die besten Freunde und mit ihrer Vorliebe für Streiche, Comics und Zeichnungen, der Albtraum ihrer Lehrer an der Jerome-Horwitz-Grundschule. Sie finden ja, dass sie den Schulalltag interessanter gestalten, aber die Lehrer, allen voran Schulleiter Herr Krupp, sehen das anders. Als nun der zweite Schüler-Erfinder-Wettbewerb angekündigt wird, sind sie ganz aus dem Häuschen, denn der erste Preis ist: Für einen Tag lang Direktor der Jerome-Horwitz-Grundschule zu sein! Welch ein Spaß, doch dann erfahren sie, dass sie wegen des Chaos, das sie letztes Jahr ausgelöst haben, diesmal vom Wettbewerb ausgeschlossen sind. Das spornt sie natürlich nur noch mehr an! Also manipulieren sie heimlich die Erfindungen ihrer Mitschüler, die tags zuvor in der Turnhalle aufgebaut wurden und produzieren dabei versehentlich eine Armee angriffslustiger sprechender Toiletten. Mit denen werden sie ja noch fertig, doch dann kommt deren Anführer und gegen das Killerklo 2000 kann nur noch Captain Underpants helfen!

Dieses Buch ist bunt, frech, fantasievoll, abgedreht und verwendet jede Menge Begriffe, die sonst in Büchern nicht vorkommen, für Grundschüler aber irre witzig sind: Unterhose, Klo, Klo-Pömpel... Dadurch unterscheidet sich diese „epische Geschichte“ von Dav Pilkey ganz erheblich von anderen Büchern, die die Leselust von hartnäckigen Lesemuffeln wecken sollen. Diese Bücher sind nicht von Pädagogen erdacht, sondern von einem ehemaligen Lehrerschreck, der sich seine Superheldenfantasien in Unterhosen bewahrt hat. Anders als bei den Marvel-Comics ist Captain Underpants kein gelangweilter Millionär oder ein unauffälliger, schüchterner Journalist/Sachbearbeiter etc. nein, es ist der fiese, herrische und absolut humorlose Schulleiter, dessen Aussehen und Wesen sich allerdings dank eines Hypnoserings schlagartig ändert, sobald jemand in seiner Gegenwart mit den Fingern schnippt! Harold und George sind zwar Missetäter, aber keine Unmenschen, daher sorgen sie als Kenner dieses Geheimnisses stets dafür, dass die Kleidung des Schulleiters nach der Verwandlung auch stets in Sicherheit gelangt und bei der Rückverwandlung auch wieder griffbereit ist. Die Jungs wollen Spaß, denken ihre Aktionen nicht immer bis zum Ende durch, aber sie sind nicht boshaft, sondern versuchen immer wieder den Unfug den sie anstellen, auch wieder in Ordnung zu bringen. Dabei geht es allerdings oft so turbulent zu, dass man es gar nicht mehr in Worte, sondern nur noch in Flip-o-ramas fassen kann. Flip-o-ramas sind ähnlich wie Daumenkinos, allerdings zeichnerisch aufwendiger, aber mit weniger Seiten und altersentsprechend können die Kinder das ganze Buch fest in die Hand nehmen und die untere rechte Buchseite zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und schnell hin- und herbewegen, damit Bewegung in die Bilder kommen. Klar, dass da kein Raum für viel Text ist! Oft sind diese Szenen auch noch mit einer vorherigen Warnungen vor der folgenden „extrem brutalen Gewalt“ versehen. Das klingt schlimmer als es ist, es erinnert mehr an Märchen wie „Rotkäppchen“ oder „Der Wolf und die sieben Geislein“, denn auch dort werden ja Personen mit einem Happs verschluckt und nachher wieder an einem Stück und lebendig geborgen. Schlafstörungen müssen Eltern also nicht befürchten, wenn ihre Kinder bisher keine Probleme mit Märchen hatten.

Die Kapitel sind sehr kurz, da sind dann auch Lesemuffel schon mal bereit, freiwillig ein Kapitel mehr zu lesen. Die Textmenge ist absolut überschaubar, aber deutlich mehr als in Comics. Zwischendurch gibt es dann noch Auszüge aus den Original-Comics die die Schüler George und Harold selbst gezeichnet und geschrieben haben, mit all ihren Rechtschreibfehlern. Das finde ich etwas problematisch, da sich bei schwachen Kindern auch einige Fehler einprägen können. Ein solcher Comic fasst zur Einleitung erst einmal zusammen, was bisher geschah, damit auch Captain Underpants Neulinge keine Verständnisschwierigkeiten haben.

Übrigens stehen George und Harold auch für Diversität, da George farbig mit ordentlicher Krawatte ist, während Harold durch seine wilde blonde Lockenmähne auffällt, denn jeder hat das Zeug die Welt zu verändern!

Als kleines Schmankerl findet sich im Anhang noch ein kurzer Dogman Comic und als Glossar ein paar lustige Tatsachen über den Autor, in Fließtext, die Schüler ermutigen, dass auch ein holpriger Schulstart einer späteren Karriere nicht im Wege steht!

Ein buntes, rasantes, freches, witziges Leseanfängerbuch, dass mit alten Traditionen dieses Genres bricht und sich auf Grundschüler-Niveau begibt. Meine Jüngste findet es lustig und liebt besonders die Flip-o-ramas und die Warnungen vor extrem brutaler Gewalt!

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Veröffentlicht am 07.11.2020

Gemeinsam ist man weniger einsam

Ein ganz alter Trick
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Der zwöfjährige Pascal wohnt in einem edlen Internat, seit seine Mutter nach der Scheidung wieder geheiratet hat und sie mit ihrem neuen Mann viel reist. Pascal ist dort sehr unglücklich und fühlt sich ...

Der zwöfjährige Pascal wohnt in einem edlen Internat, seit seine Mutter nach der Scheidung wieder geheiratet hat und sie mit ihrem neuen Mann viel reist. Pascal ist dort sehr unglücklich und fühlt sich abgeschoben. Anschluss findet er keinen, sucht ihn aber auch nicht wirklich. Seinen Frust und seine Einsamkeit lässt er durch Streiche heraus, er weiß ja, dass alle Mitleid mit ihm haben und ihm nie ernste Konsequenzen drohen. Doch diesmal ist er zu weit gegangen! Diesmal bekommt er tatsächlich eine Strafe: vier Wochen muss er vormittags in der Seniorenresidenz aushelfen, deren Bewohnerin er den Rollator aus Langeweile im See versenkt hat. Pascal ist total angekekst, doch einige der Bewohner finden ihn richtig spannend und der Junge bringt endlich ihr Leben in Schwung! Doch die Rollator-Dame Ingelotte hat ganz andere Pläne für ihn. Sie ist alles andere als auf den Kopf gefallen und nicht bereit, ihre Abschiebung ins Heim so einfach hinzunehmen. Sie plant aus ihrer alten Villa einen Schatz zu bergen. Gar nicht so einfach, da sie inzwischen von ihren Kindern vermietet wurde.... Doch nun ist ja zum Glück Pascal mit seinem Skateboard da und der ist ihr noch etwas schuldig!

Pascal ist unglücklich und einsam und statt seinen Kummer in Worte zu fassen, drückt er ihn in bisweilen sehr unglücklichen Streichen aus. Er weiß ja, dass ihm keine Konsequenzen drohen, weil alle Mitleid mit seiner schwierigen Situation haben! Doch diesmal ist er zu weit gegangen, was er getan hat, war kein dummer Jungenstreich, sondern echt rücksichtslos und fies. Er ist ja noch nicht strafmündig und kommt daher nicht vor Gericht, aber er muss dennoch quasi Sozialstunden in dem Edelaltersheim des Ortes ableisten. Vier Wochen lang jeden Vormittag, dafür wird er von Talil, dem freundlichen Helfer fürs Grobe, jeden Morgen abgeholt. Talil ist freundlich, lustig und Pascal sofort sympathisch! Von ihm lernt er, wie der Hase im Heim läuft und Pascal lernt schnell. Er hat nämlich wirklich keinen Bock auf die Aufgaben, die ihm die Oberschwester aufs Auge drückt! Er soll einen Zaun streichen. Das ist ja wohl verbotene Kinderarbeit! Vorsicht Spoiler! Was dann folgt ist ganz schön clever und es werden sich wohl die Geister daran scheiden, was von dieser Aktion Pascals zu halten ist. Zwei der Bewohner geben ihm lauter gute Tipps und wissen alles besser. Also sollen sie ihm, ähnlich wie bei Tom Swayer, zeigen, wie man es richtig macht. Schon streichen die zwei Alten um die Wette und haben dabei mächtig Spaß und freunden sich an! Man könnte also beklagen, dass Pascal nichts dazu gelernt hat, weil er sich mal wieder drückt. Andererseits, hatten die Zwei endlich mal wieder Spaß, fühlten sich nützlich und bestätigt und nun nicht mehr so allein. Eine bessere Beschäftigungstherapie hätten sich die Ergotherapeuten wohl auch nicht ausdenken können. Diese Aktion beeindruckt Ingelotte und so plant sie Pascal für einen gewagten Coup ein, da sie einen Schatz bergen will, was ich einen Einbruch nennen würde. Talil hat da ganz ähnliche Bedenken wie ich und findet das überhaupt nicht gut. Er äußert seine Bedenken klar und deutlich, hilft dann aber doch, damit sie nicht auf noch dümmere Gedanken kommen. Einer muss ja auf sie aufpassen. Die Aktion ist unglaublich schlecht durchdacht, weswegen natürlich so einiges schief läuft, was aber auch wiederum wirklich witzig ist. Später kommt der Einwand, den ich die ganze Zeit im Hinterkopf hatte: Man hätte doch einfach freundlich fragen können, oder? (Tatsächlich ist das ausgesprochen hilfreich und wer freundlich fragt, erreicht die unglaublichsten Resultate, habe ich festgestellt). Ja, das hat Ingelotte auch überlegt, aber wenn man abgelehnt hätte, wäre der Verdacht später sofort auf sie gefallen! Bei dieser Aktion wachsen Pascal, Ingelotte, Talil und Ingelottes Enkel Jonathan zu einem richtig guten Team zusammen. Das gibt Pascal, Ingelotte und Jonathan Halt und Erdung, denn sie fühlen sich geschätzt und wertvoll. Talil ist mehr der gute Engel der Drei und viel zu gut für sie! Dennoch finde ich sie wirklich liebenswert, wenn auch nicht unbedingt gute Vorbilder. Ingelotte ich nämlich alt genug um etwas vorausschauender zu planen. Nichtsdestotrotz wird das der Sommer ihres Lebens, naja, zumindest für Pascal und Jonathan, denn Ingelotte hat schon so einiges erlebt! Der Schreibstil ist sehr direkt und humorvoll und gut verständlich. Immer wird mit einem Augenzwinkern erzählt. Was mich etwas gestört hat, ist dass Pascal seinem Schulleiter und seiner Betreuerin gegenüber, für mein Verständnis, sehr rücksichtslos ist. Dabei geben sie sich redlich Mühe und haben diese Behandlung nicht verdient. Ich finde es nicht fair, dass er seinen Frust über die mangelnde Aufmerksamkeit seiner Mutter an ihnen auslässt. Es zeigt aber sehr anschaulich, dass bei Kindern und Jugendlichen oft Einsamkeit, Trauer und Wut Auslöser für unmögliches und bisweilen kriminelles Verhalten sind. Da hilft kein Schimpfen, sondern mehr elterliche Zeit, aber rechtzeitig, ehe es zu spät ist.

Illustratorin Felicitas Horstschäfer startet jedes Kapitel mit einer Skatervignette, das Coole ist aber, das kleine Skaterdaumenkino unten rechts auf den Seiten.

Ein witziges Plädoyer für mehr Respekt vor dem Alter und der Jugend. Eigentlich können Alt und Jung sich nämlich super verstehen, wenn sie sich erst einmal kennenlernen. Aber auch dafür, dass die eigene Familie durchaus Aufmerksamkeit und Zeit verdient hat. Ab 10 Jahren.

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Veröffentlicht am 22.10.2020

Magische Reise in fremde Welten

Strangeworlds - Öffne den Koffer und spring hinein! (Band 1)
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Felicity, genannt Flick (12) ist etwas genervt, als ihre Eltern ihr eröffnen ein kleines Häuschen im irgendwo gefunden zu haben, das sie sich mit ihren bescheidenen Mitteln leisten können und da ziehen ...

Felicity, genannt Flick (12) ist etwas genervt, als ihre Eltern ihr eröffnen ein kleines Häuschen im irgendwo gefunden zu haben, das sie sich mit ihren bescheidenen Mitteln leisten können und da ziehen sie in den Ferien hin! Nun sitzt Flick die ganzen Ferien über in der Pampa und darf auch meistens noch zu Hause auf ihren kleinen Babybruder Freddy aufpassen! Als sie endlich mal Zeit für sich hat, zieht sie los, um den Ort zu erkunden und entdeckt dabei das skurrile Reisebüro „Strangeworlds“. Als sie den Laden betritt, sieht sie der Inhaber Jonathan ebenso misstrauisch an, wie sie ihn. Ist der denn eigentlich schon erwachsen? Doch da geschieht etwas ganz erstaunliches: Durch Jonathans Lupe sieht sie die Magie im Raum schillern und Jonathan wird klar, dass Flick über ungeahntes Potenzial verfügt! Er verrät ihr, dass jeder der vielen Koffer, die sich dort stapeln, in eine andere Welt führt, sobald man in diesen steigt und den Koffer wieder schließt. Damit sie entscheiden kann, ob sie Mitglied in der geheimen Strangeworlds Gesellschaft werden will, nimmt er sie mit auf aufregende Reisen in unbekannte Welten. Doch irgendetwas stimmt hier nicht, beide spüren eine Bedrohung aufziehen.
Die Aufmachung des Buches finde ich hammerstark! Das Cover erinnert an die englischen Reisetruhen von Internatsschülern, oder Reisekoffern aus vergangenen Zeiten. Entsprechend sind auch die Seiten alle ein wenig künstlich ergraut und mit einem Lesebändchen kann man stilecht die jeweilige Stelle im Buch markieren. Wenn man das Buch liest und dann noch mal das Cover genauer betrachtet, wird man feststellen, dass es sich bei den dargestellten Aufklebern samt und sonders um Sticker von den jeweiligen Reisewelten handelt.
Etwas schade finde ich, dass der Klappentext in all seiner Kürze schon so viel verrät! Meine Jüngste wollte daraufhin gar nicht mehr mitlesen, weil sie meinte, dass wir solche Geschichten in der letzten Zeit schon x-mal gelesen hätten. Doch so ganz, wird der Klappentext diesem Abenteuer nicht gerecht und so sollte man diesen besser überspringen und sich nur von der Aufmachung verzaubern lassen. Allerdings habe ich mich schon zu Beginn sehr darüber aufgeregt, dass Flick in so jungen Jahren so viel Verantwortung aufgebürdet bekommt und so wenig Aufmerksamkeit im Gegenzug erhält. Das hat mich richtig traurig gemacht, vor allem, weil sie in Jonathan eine weitere einsame Seele auf der Suche, getroffen zu haben scheint. Jonathan ist auch etwas verschroben, während Flick vor allem neugierig und aufgeschlossen gegenüber jedem Abenteuer als Abwechslung zum Babybrei ist. Dabei erweist sie sich nicht nur als clever, sondern auch richtig mutig. Man kann ja nie wissen, was in fremden Welten so auf einen zukommt! Diese fremde Welten sind zwar aufregend, aber anfangs sind es so viele, in die sie reisen, das man schon etwas das Gefühl bekommt, dass die Geschichte sich ein wenig verzettelt, trotz der originellen Idee. Im letzten Drittel nimmt das Abenteuer deutlich an Fahrt und Fokus auf. Die Geheimnisse und Geschehnisse verdichten sich und nur gemeinsam können Flick und Jonathan sich und alle anderen retten. Doch damit ist erst ein Problem gelöst, das das Jonathan am meisten unter den Nägeln brennt, wartet noch immer auf sie und so können Leser gewiss sein, dass es nicht das letzte Abenteuer, dieser im Geheimnis verbundenen Freunde sein wird.
Der Schreibstil liest sich sehr flüssig und ich gut verständlich für Kinder von 10 – 12 Jahren. Es ist mir gut gelungen, mich in die Figuren einzufühlen. Ich gehe auch davon aus, dass der nächste Band rasanter starten wird, nachdem Flick nun die wesentlichen Grundzüge der Gesellschaft und ihrer Gabe kennengelernt hat!
Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Lesejury und dem Baumhaus Verlag für diese coole Lese- und Bastelrunde!

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Veröffentlicht am 20.10.2020

Wehmut mischt sich ins Lachen....

Die Ältern
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Die Pubertiere werden erwachsen, sie werden vernünftiger und reagieren immer seltener irrational. Da muss sich der Autor nach seinem Sinn und Zweck im Leben fragen, wenn sein Erziehungsauftrag erlischt! ...

Die Pubertiere werden erwachsen, sie werden vernünftiger und reagieren immer seltener irrational. Da muss sich der Autor nach seinem Sinn und Zweck im Leben fragen, wenn sein Erziehungsauftrag erlischt! Doch das ist nicht die einzige Veränderung. Nicht nur der Vernunftgrad des Nachwuchses steigt, auch die Lebensform von Land zu Stadt wird angepasst, mit erheblichen familiären Veränderungen. Außerdem hat die Corona-Pandemie auch vor „Die Ältern“ nicht halt gemacht. Diesmal ist es keine Live-Lesung vor Publikum, nein, es wird das komplette Buch eingelesen. Um die Live-Atmosphäre ein wenig zu ersetzen, werden dafür zwischen die Tracks Live-Mitschnitte aus dem Studio mit Jan Weiler und dem Aufnahmeteam eingespielt, um das Gefühl zu vermitteln, man wäre live bei der Aufnahme dabei und könne sogar seinen
Magen knurren hören! Anfangs ist Carla zwar erwachsen, wohnt aber noch zu Hause, dennoch spürt der im Home-Office schreibende Autor, dass sein Erziehungsauftrag schwindet und damit sein jahrelanges Selbstverständnis von seiner Unabkömmlichkeit und sei es auch nur als Taxifahrer. Selbst der erbitterte Kampf um den Lieblingsjoghurt im Kühlschrank könnte demnächst nur noch eine wehmütige Erinnerung sein. Darum muss der letzte gemeinsame Familienurlaub zelebriert und genossen werden, was allen gelingt, nur dem Vater nicht so recht.

In diesem Band heißt es Abschiednehmen, von dem Dasein als Eltern, in der Gewissheit bald überflüssig zu sein und daher zur Generation der Ältern zu mutieren, obwohl man sich selbst doch mind. 10 – 15 Jahre jünger fühlt, als der Ausweis es sagt. Bei uns sind Jan Weilers Pubertiere Teil der Familienurlaubskultur. Sie müssen einfach gemeinsam auf dem Weg in den Urlaub zelebriert werden. Doch nun standen wir vor demselben Problem wie diese Buchaufnahmen. Das neue Hörbuch ist erschienen, die Herbstferien stehen vor der Tür, doch keine Reise ist geplant, aufgrund des Infektionsgeschehens! Also schauten wir auf die Karte, um die Lieblingsverwandten mit dem Wohnort mit dem niedrigsten Infektionsgeschehen zu ermitteln und so zog es uns von der groben Nähe von Manderscheid ins nicht minder aufregende Erlangen, die perfekte Entfernung für dieses Hörbuch! Wir haben viel gemeinsam gelacht, auch wenn ein Pubertier plötzlich von starker Übelkeit befallen wurde und das Lachen nicht half. Dennoch entging ihr nicht, dass einige Pointen, wie die mangelnde Intelligenz von Carlas gut aussehendem Freund bereits im letzten Band ganz ähnlich thematisiert wurden, als auch die Studiomitschnitte leiser sind, als die eigentliche Lesung. Diese Tracks, die man auch überspringen kann, nahmen wir im Auto lediglich als Hintergrundrauschen wahr, mit vereinzelten Worteinspielungen. Hier ist die Balance der Lautstärke zwischen Lesung und Mitschnitt leider nicht geglückt. Die familiären Veränderungen im Hause Weiler beginnen mit Ende des ersten Tonträgers und haben uns mit Unglauben und Fassungslosigkeit getroffen. Das kann doch nicht wahr sein! Nun begleiten wir das Wohl und Wehe dieser Familie schon über viele Jahre und nun so was! Mein Göttergatte hat dies noch immer nicht verwunden und diskutiert mit mir noch immer über die Bedeutung. Wahrscheinlich fürchtet er ähnliche Einschnitte und lacht sich auch immer noch über die Vorstellung kaputt, wie Jan Weiler sich verzweifelt am Bein seines Sohnes Nick festklammert! Das kann ich mir lebhaft vorstellen und da auch bei uns ähnliche Szenen drohen könnten, versprach unsere Jüngste einfach wohnen zu bleiben, um uns den Schmerz zu ersparen. Zu schade, dass wir es nicht aufgenommen haben. Wie immer erzählt Jan Weiler aus seiner Familienerinnerungsschatzkiste mit viel Humor und hohem Wiedererkennungseffekt. Daher haben wir mit ihm gelacht, aber gleichzeitig auch über uns selbst. Dennoch beschleicht uns die Wehmut, wenn wir an den Zerfall dieses von uns so geliebten Familienverbundes denken.

Am Ende werden als Zugabe noch im Buch nicht veröffentliche Lieblingssätze des Autors aus seiner langjährigen Kolumne „Mein Leben als Mensch“ präsentiert. Diese sind zwar witzig, in ihrer Aneinanderreihung verlieren sie leider ein wenig an Glanz.

Jan Weiler hat noch immer seine sympathisch-selbstironische Art und seine angenehme Stimme behalten. Er vermag es, seine Pointen perfekt zu setzen. In seinen Zwischenszenen und seinen Sprachproblemen als Rheinländer finden wir uns selbst wieder und können daher auch kein Problem hören ;) Wir finden: Er kann's einfach! Daher hören wir ihn immer wieder gerne, auch das gleiche Hörbuch nochmal.

Möge die Pandemie hoffentlich bald ihr Ende finden und Live-Mitschnitte wieder möglich werden.

Kann es das nun wirklich gewesen sein, mit den Anekdoten aus dem Leben der Weilers? Wir wären sehr traurig, fürchten es aber schon....

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Veröffentlicht am 16.10.2020

Magisches Aschenputtel

Magic Tales - Verhext um Mitternacht
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Eine moderne, magischere Form des Aschenputtelmärchens, erzählt aus zwei Perspektiven:
Der junge Tristian ist der Sohn eines mächtigen Hexenmeisters gewesen, die Identität seiner Mutter nicht bekannt. ...

Eine moderne, magischere Form des Aschenputtelmärchens, erzählt aus zwei Perspektiven:
Der junge Tristian ist der Sohn eines mächtigen Hexenmeisters gewesen, die Identität seiner Mutter nicht bekannt. Als sein Vater als dunkler Magier der Blutmagie bezichtigt, im Schnellverfahren verurteilt und hingerichtet wird, ändert sich alles für ihn. Seine Stiefmutter und Stiefbrüder Chris und Noah verspotten ihn und demütigen ihn regelmäßig mit verbotenen magischen Streichen sogar in der Schule. Nur sein Hund Roger, der ihm noch von seinem Vater blieb und seine beste Freundin Mara, geben ihm Halt und Trost. Eines Tages taucht die schöne Austauschschülerin Ela aus Rom auf ihrer Schule auf und erstaunlicherweise erliegt sie nicht Chris und Noahs Charme, sondern interessiert sich für die schlaue Aussenseiterin Alex und den misstrauischen Tristan. Was er nicht weiß: Ela ist die Tochter einer mächtigen römischen Hexenfamilie, unterwegs in geheimer Mission, auf der Suche nach Dunkelhexen, die das anstehende Ritual, das die Einigkeit zwischen Menschen und Hexen garantiert, gefährden. Wie sehr wünschte sich Ela, dass in Tristan auch nur ein Funke Magie stecken würde, um ihr als Auserwählter als Partner beim Ritual beistehen zu können, doch er praktiziert nur Kampfkünste und verabscheut Magie!

Mitternacht ist der Moment, an dem die Kräfte der Magie schwinden und nur sehr mächtige Hexen es vermögen ihre Illusionen aufrecht zu erhalten. Nein, Aschenputtel ist nicht um Mitternacht in Gefahr, Mitternacht betrifft alle Hexen und sofern diese magische Kleidung tragen, könnte dies peinlich für sie werden....

Klassische Märchen neu zu erzählen, in einem anderen Kontext ist gerade sehr populär und Aschenputtel/Cinderella/Cendrillion ist eines der bekanntesten und beliebtesten Märchen, so daß man seine Strukturen schnell wieder erkennt. Daher liegt dann der Spaß im Wiedererkennen und in einer guten Erzählung und interessanten neuen Varianten, sofern sie geboten werden.

Hier sind z. B. die Rollen vertauscht: Tristan ist nicht der Prinz in der schimmernden Rüstung, sondern der verstoßene Sohn, des verstorbenen Hausherren, der von seiner Stiefmutter und seinen Stiefbrüdern regelmäßig gedemütigt wird. Er wurde aus seinem Zimmer verbannt, in den Keller. Da er über keinerlei Magie zu verfügen scheint, wird er verspottet und durch verbotene magische „Streiche“ in der Schule lächerlich gemacht... Ela ist keine Prinzessin, aber die Tochter einer mächtigen römischen Hexenfamilie und die für das Ritual Auserwählte. Das ist vor allem ein böses Omen, denn diese große Ehre, könnte sie auch leicht das Leben kosten, weshalb sie zu ihrem eigenen Schutz bislang vor der Öffentlichkeit ferngehalten wurde und erst beim großen Hexentreffen zur Erneuerung des Bannes in die Hexengesellschaft eingeführt werden soll.
Es gibt hier keine Schichtunterschiede wie Adel und Gesindel, es geht um Hexen, Wissende (Menschen, die Magie immerhin sehen können) und Unwissende (die meisten Menschen).

Beide fühlen sich auf Anhieb zu einander hingezogen und durch ihre Herkunft aber auch durch scheinbar unüberwindbare Gräben getrennt. Aber nein, wir wechseln nicht zu Romeo und Julia, immerhin ist dies ein modernes Märchen ab 13 Jahren. Beide umgibt ein Geheimnis, doch nicht beide wissen davon.... Das finde ich sehr interessant gemacht, wobei die Neugierde auch immer wieder geschickt gesteigert wird. Wer ist Tristans Mutter und warum ist sie geheim und warum ist er nicht magisch? Zum Teil werden die Rätsel gelöst, aber zum Teil auch nicht. Ein „Warum“ lässt mich noch immer grübeln, da finde ich die Erklärung nicht so logisch.

Ela und Tristan sind sehr sympathisch, interessanter fand ich aber fast die zwiespältigeren Personen Alex und Chris. Ela hat aufgrund ihrer Bestimmung kein ganz unbelastetes Verhältnis zu ihrer Schwester Gloria, die auch immer wieder ins Zentrum dieser Geschichte drängt. Durch die zahlreichen Personen, sollte man also durchaus genau hinhören. Fanny Bechert mag ich als Sprecherin für Ela sehr gerne. Sie klingt jung, dynamisch und bisweilen verletzlich. Allerdings hätte ich mir einen zweiten, männlichen Sprecher für Tristan gewünscht. Da ich Hörbücher immer nebenbei höre, brauche ich einen deutlichen akustischen Reiz und nur die Erwähnung des Perspektivwechsel kann leicht mal überhört werden, so dass ich dann etwas verwirrt war, weil Ela und Tristan gleich klingen. Das ist nicht unangenehm und mir deutlich lieber, als jemand der mit schlecht verstellter Stimme spricht, aber gerade für Hörer, die zum Einschlafen oder nebenbei hören, nicht wirklich deutlich genug.

Dennoch hat mir das Hörbuch gut gefallen. Es war abwechslungsreich, mit erfrischenden Ideen, spannenden Zwischenereignissen und einem großen Showdown mit anschließender glücklicher Auflösung. Was will der magische Märchenfan ab 13 mehr? Seufz!

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