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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.12.2020

Wenn man ein Buch zum falschen Zeitpunkt liest

Erinnerungen aus Glas
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Manchmal ist es wohl so, dass ein Buch nicht zur passenden (Lebens-)Zeit gelesen wird und deshalb nicht den Weg direkt ins Leserherz findet. So jedenfalls scheint es mir mit dem vorliegenden Buch gegangen ...


Manchmal ist es wohl so, dass ein Buch nicht zur passenden (Lebens-)Zeit gelesen wird und deshalb nicht den Weg direkt ins Leserherz findet. So jedenfalls scheint es mir mit dem vorliegenden Buch gegangen zu sein. Einerseits hatte ich gerade in letzter Zeit sehr viel gelesen über die Jahre des NS-Regimes, der Judenverfolgung und über all das entsetzliche Kriegselend, das in manchen Menschen noch bis zu deren Lebensende Wirkung zeigte, andererseits ist unsere Gegenwart derzeit nicht gerade unbeschwert, auch voll von Ängsten, und man muss sich sehr bemühen um vorweihnachtliche Zuversicht. Vermutlich hatte ich deswegen einige Mühe, das Buch zu lesen, musste viele Pausen machen und kann dem Buch deshalb nicht wirklich gerecht werden.

Zwei Zeitstränge: 1942, die Freundinnen Josie und Eliese in den Niederlanden, und 75 Jahre später Ava Drake in den USA und Uganda. Und wie immer in Büchern, die in verschiedenen Perspektiven erzählen, gibt es irgendwann in der Geschichte ein Verbinden, ein Verstricken, das Aufdecken von Geschehnissen, die bislang totgeschwiegen wurden. Diesen Weg des Erzählens wählt auch Melanie Dobson, und dies in einem ganz feinen, sensiblen Schreibstil. Eindringlich und atmosphärisch dicht beschreibt sie sowohl die Personen als auch all die Ereignisse, die grausamsten ebenso wie die hoffnungsfrohen, alles sehr bildhaft und außerordentlich ausdrucksstark. Ein Buch über den Mut des Widerstands und ein Buch über die gefährliche Wirkung von Geld, Gier und Familiengeheimnissen, aber auch über die Kraft des christlichen Glaubens.

Fazit: Ein überaus lesenswertes, bewegendes und gut geschriebenes Buch. Dass es mich nicht wirklich erreichte, lag nicht am Buch, sondern ausschließlich an mir selbst.

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Veröffentlicht am 15.12.2020

Leicht lesbare, etwas unrealistische Thriller-Unterhaltung

Als die Nacht begann
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Aus der Reihe rund um Jan Tommen und sein Ermittlerteam hatte ich bisher noch nichts gelesen. Nach Lektüre dieses vorliegenden 7. Bandes habe ich jedoch große Lust, auch die früher erschienenen Bücher ...


Aus der Reihe rund um Jan Tommen und sein Ermittlerteam hatte ich bisher noch nichts gelesen. Nach Lektüre dieses vorliegenden 7. Bandes habe ich jedoch große Lust, auch die früher erschienenen Bücher zu lesen.

Auf offener Straße wird eine junge Frau erschossen. Alles bleibt rätselhaft und lässt die Vermutung aufkommen, dass ein Heckenschütze wahllos sein Opfer ausgesucht hatte. Doch dann wird ein weiterer Toter gefunden, der aus großer Entfernung auf einer Parkbank sitzend erschossen wurde. Jetzt geraten Jan und sein Team zunehmend unter Druck, da weitere Opfer zu befürchten sind.

Der Thriller ist leicht lesbar. In klar strukturierter Weise bauen sich Handlung und Spannung auf bis hin zum sehr spannenden Finale, das für mich durchaus überraschend war, denn der geschickt konstruierte Plot lässt den Leser lange im Ungewissen. Mit dem immer wieder durchblitzenden Humor werden die Protagonisten auf lebendige Weise in ihrer Individualität dargestellt, ohne dass das private „Gedöns“ zu breiten Raum einnimmt. Vielleicht tauchen etwas zu viele Namen auf, was Verwirrung schafft, vielleicht gibt es etwas zu viele Tote und vielleicht hat sich der Autor zu einigen unrealistischen Szenen hinreißen lassen. Doch trotz der insgesamt etwas realitätsfernen Geschichte fühlte ich mich insgesamt auf angenehme und spannende Weise gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 13.12.2020

Die Grenzen des Romanhaften

Wo du nicht bist
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„Worte können erlebtes Leid niemals erschöpfend darlegen.“ So steht es irgendwo im Buch. Und genauso ist es. Die Autorin stößt mit ihrer Geschichte an die Grenzen des Erzählbaren. Umso mehr, da die erzählte ...


„Worte können erlebtes Leid niemals erschöpfend darlegen.“ So steht es irgendwo im Buch. Und genauso ist es. Die Autorin stößt mit ihrer Geschichte an die Grenzen des Erzählbaren. Umso mehr, da die erzählte Geschichte eine wahre Begebenheit ist. Und so bin ich streckenweise völlig gefangen im Buch, streckenweise jedoch bleibe ich als neutraler Beobachter außen vor.

Wir lernen Irma Weckmüller und ihre jüngere Schwester Martha im Berlin der späten 20er Jahre kennen. Irma arbeitet als Stoffverkäuferin im KaDeWe, Martha als Hausmädchen in einer begüterten Familie. Als Martha von ihrem Dienstherrn schwanger wird, lernt Irma auf der Suche nach Hilfe für ihre Schwester den Arzt und Juden Erich Bragenheim kennen und lieben. Doch der an die Macht kommende Nationalsozialismus verändert alles…

In verschiedenen Perspektiven erfahren wir von einer Liebe, so unfassbar stark, wie es wohl nur wenige Menschen erleben. Die Rückblicke in die Jahre ab 1929 in das Alltagsleben der beiden Schwestern, die Geburt des unehelichen Kindes, das Abgleiten der Schwester Martha in Lethargie und später in verblendeten Egoismus, das vorsichtige Sich-Annähern von Irma und Erich – diese Rückblicke sind lebendig, atmosphärisch dicht, nachvollziehbar und fesselnd, ebenso die Sequenzen ab 1945 im zerstörten Berlin und die verzweifelte Suche nach Erich, mit der Irma sich aufrecht hält. Die Autorin scheitert jedoch meiner Meinung nach in den Darstellungen der furchtbaren, der fürchterlichsten Gräueltaten der Nazis an Juden, an der kaum in Worte zu fassenden Entsetzlichkeit dessen, was Menschen in dieser Zeit ertragen mussten. Anke Gebert erzählt zwar schonungslos, aber dennoch bleibt der Leser oft außen vor. Es fehlt die wahre Intensität, der penetrante Leichengestank, die Asche zwischen den Zähnen, es fehlen die grässlichen Schmerzen des Hungers und der grenzenlosen Angst. Es fehlt an Unausweichlichkeit und Nachvollziehbarkeit. Zu glatt und nüchtern kommen diese schlimmen und allerschlimmsten Szenen auf den Leser zu. Es stimmt ja auch: „Worte können erlebtes Leid niemals erschöpfend darlegen.“ Dass Irmas Liebe zu Erich seinen Tod überdauert und sie geradezu besessen auf Legitimation beharrt, ist beklemmend und wohl nur aus der kämpferischen Stärke der Irma Weckmüller heraus zu verstehen.

Fazit: Ein lesenswertes Buch, das jedoch streckenweise an den Grenzen einer romanhaften Schilderung jener unsäglichen Zeit scheitert.


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Veröffentlicht am 10.11.2020

Packende Szenen und ein gemeiner Cliffhanger

Die Hornisse (Tom-Babylon-Serie 3)
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Wenn ein renommierter LKA-Ermittler wie Tom Babylon mitten beim Babyschwimmen weggerufen wird an einen Tatort, so zeigt sich meiner Meinung nach genau an dieser fast komisch anmutenden Szene sowohl die ...


Wenn ein renommierter LKA-Ermittler wie Tom Babylon mitten beim Babyschwimmen weggerufen wird an einen Tatort, so zeigt sich meiner Meinung nach genau an dieser fast komisch anmutenden Szene sowohl die Stärke als auch die Schwäche des vorliegenden Buches.

Der gefeierte Rockstar Brad Galloway ist tot, er liegt ausgeblutet und ans Bett gefesselt in seinem Hotelzimmer. Einzige mögliche Spur: Eine unbekannte Frau hatte Brad Galloway noch während seines Konzertes in Berlin am Abend zuvor einen geheimnisvollen Umschlag überreicht. Tom Babylon nimmt zusammen mit der Psychologin Sita Johanns die Ermittlungen auf. Jemand sinnt auf Rache und will alles zerstören, was Tom Babylon wichtig ist, doch der eigentliche Anfang der Geschichte liegt bereits 30 Jahre zurück.

Auch in diesem dritten Band rund um den Ermittler Tom Babylon wird in zwei Handlungssträngen erzählt. Die gegenwärtigen Geschehnisse sind im mühsam zu lesenden Präsens geschrieben, die Rückblicke rund um das Jahr 1989 im flüssigen Imperfekt. Die beiden Zeitebenen verweben sich, je weiter man liest, immer mehr, verknoten sich geradezu, geben Informationen und verwirren gleichzeitig. Es gibt Passagen von großer packender Spannung, insbesondere bei den Rückblicken, die sehr intensiv das Leben in der DDR mit der großen Angst vor dem herrschenden Denunziantentum schildern. Aber leider gibt es im Buch auch gewisse Längen, besonders während der Schilderungen der eher frustranen Ermittlungsarbeit. Und es wurde mir mitunter zu viel an Privatheit, was Tom Babylon da aus seiner Vergangenheit mit sich schleppt. Besonders die Szenen mit seiner vor 20 Jahren verschwundenen kleinen Schwester Viola, die gerne mal neben ihm im Auto sitzt und Kommentare abgibt, gingen mir bald auf die Nerven. Doch grundsätzlich ist auch dieser dritte Band gut und flott zu lesen, mit einer geschickt konstruierten Handlung, lebendigen Dialogen, aber leider mit einem ganz gemeinen Cliffhanger zum Schluss.

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Veröffentlicht am 04.11.2020

Überraschend und wendungsreich, aber zu ausufernd

Aus dem Schatten des Vergessens
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Winter in Montreal. Am Tag vor Weihnachten wird die Psychologin Judith Harper bestialisch umgebracht. Etwa zur gleichen Zeit verschwindet der angesehene Anwalt Nathan Lawson, nachdem er in offensichtlicher ...


Winter in Montreal. Am Tag vor Weihnachten wird die Psychologin Judith Harper bestialisch umgebracht. Etwa zur gleichen Zeit verschwindet der angesehene Anwalt Nathan Lawson, nachdem er in offensichtlicher Panik auf einem Friedhof Dokumente vergraben hatte. Und kurz darauf stürzt ein Obdachloser vom Wolkenkratzer. Er hinterlässt die Brieftaschen von Harper und Lawson. Détective Victor Lessard, der mit der Last seiner Vergangenheit kämpft, versucht zusammen mit seiner Kollegin Jacinthe Taillon den Vorfällen auf den Grund zu gehen. Als den beiden eine Aufnahme mit der Stimme von Lee Harvey Oswald, dem Mörder von J. F. Kennedy, zugespielt wird, bekommen sie eine Ahnung von den Abgründen, in denen sie herumstochern müssen.

630 Seiten, die mir vor allem zu Beginn Einiges abforderten. So viele Szenenwechsel, so viele Personen, so viele angerissene Handlungsstränge. Es dauerte eine Weile, bis ich mich einigermaßen zurecht fand. Der teilweise geradezu originell zu nennende, überraschend kreative Schreibstil forderte ebenso meine volle Aufmerksamkeit wie die oftmals detailreichen Schilderungen. Andererseits blieb der Thriller durchweg kurzweilig und mit unerwarteten Wendungen versehen. Immer wieder tischt uns der Autor ein neues Detail auf, das die Sicht auf die Dinge verändert.
Ein Thriller mit unvorhersehbarem Handlungsaufbau, durchaus spannend-unterhaltsam zu lesen, mit einem sympathischen Ermittlerteam, das es sich privat und beruflich nicht gerade leicht macht, dazu mit dem winterlichen kanadischen Ambiente versehen – alles in allem eine gelungene Mischung. Einziger Kritikpunkt ist für mich, dass für meinen Geschmack zu ausufernd erzählt wird, dass unwichtigen Nebensächlichkeiten zu viel Raum gegeben wird und eine vorsichtige Straffung dem Buch gut getan hätte. Und warum nur hat man aus dem schönen französischen Buchtitel „Je me souviens“ solch einen hölzernen deutschen Titel gezimmert?

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