Profilbild von SueWid

SueWid

Lesejury Profi
offline

SueWid ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SueWid über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.11.2020

Must-read Ratgeber in Sachen Personal Branding

Nur wer sichtbar ist, findet auch statt
0

Ich bin froh, dass ich das Buch zur Rezension vorablesen durfte.
Denn so aktuell wie nie ist das Thema wie man einen Wiedererkennungswert für sich selbst findet. In der heutigen Zeit wird man oft nur richtig ...

Ich bin froh, dass ich das Buch zur Rezension vorablesen durfte.
Denn so aktuell wie nie ist das Thema wie man einen Wiedererkennungswert für sich selbst findet. In der heutigen Zeit wird man oft nur richtig wahrgenommen bzw. findet für andere aktiv statt, wenn man sich selbst aus der Masse hervorhebt. Da ich aktuell selbst versuche mich beruflich wie auch privat klarer zu positionieren um dann mit den mir wichtigen Themengebieten verbunden zu werden und nicht oberflächlich in eine falsche Schublade gesteckt zu werden, kam mir der Ratgeber gerade wie gelegen.
Oft können Ratgeber ein sehr theoretischer und langwieriger Versuch sein, dem Leser ein Thema näherzubringen. Die Autorin Tijen Onaran trifft aber mit ihrem angenehm flüssigen Schreibstil, der gut durchdachten Strukturierung der Kapitel und ihren persönlichen Erläuterungen und Erfahrungen aus ihrem Leben einen guten Punkt. Es gelingt ihr dem Wort „Personal Branding“ dem schlechten Ruf zu nehmen und schafft eine stimmige Balance zwischen den wichtigen Themenbereichen Online und realem Leben.
Ausgesprochen gut fand ich die „Challenges“ (Hausaufgaben), die am Ende eines jedes Kapitels warteten und so einen aktiven Start ermöglichen.

Ich denke, dass dieses Buch viele Menschen ansprechen kann, die sich stärker mit dem Thema beschäftigen möchten. Für eher introvertierte oder zurückhaltende Menschen kann die Umsetzung allerdings komplexer und herausfordernder sein.
Nichtsdestotrotz kann jeder, der sich bemühen möchte aus seiner Komfortzone herauszugehen wunderbare Denkanstöße holen und findet tolle Tipps und Umsetzungsstrategien um sichtbarer zu werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 28.03.2026

Ganz locker durch das chaotische Leben.

Keeping it casual
0

„Keeping it Casual“ ist der Debütroman der australischen Autorin Karina May, der es direkt auf die Longlist der australischen Indie Book Awards geschafft hat. Umso erfreulicher ist, dass der Pola Verlag ...

„Keeping it Casual“ ist der Debütroman der australischen Autorin Karina May, der es direkt auf die Longlist der australischen Indie Book Awards geschafft hat. Umso erfreulicher ist, dass der Pola Verlag sich die deutschen Veröffentlichungsrechte gesichert hat und das Buch nun auf Deutsch erhältlich ist.
Besonders hervorheben möchte ich die wirklich gelungene Covergestaltung. Für mich greift sie die Geschichte sofort auf: Man sieht eine junge Frau mit dem Smartphone in der Hand, völlig vertieft – gerade beim Tindern oder Chatten. Sie scheint ganz in ihrer eigenen Welt zu sein, und doch verspürt man den Drang, einen Blick auf ihr Display zu werfen und heimlich mitzulesen.

Zum Inhalt:
Maxine, kurz Max, steckt gerade in einer schweren Zeit: Erst die Diagnose Hirntumor, dann erwischt sie ihren langjährigen Partner beim Fremdgehen. Aus der Bahn geworfen, zieht sie zu ihrer besten Freundin Alice, die sie kurzerhand bei einer Dating-App anmeldet.
Statt eines klassischen Dates landet Max mitten in einer digitalen Brieffreundschaft mit Johnny – inklusive Koch-Challenges, chaotischen Chats und jeder Menge Lachmomente. Jetzt muss Max nur noch herausfinden, was sie nach der OP wirklich will.

Meine Meinung:
„Keeping it Casual“ bedeutet im Deutschen „ganz locker bleiben“.
Ganz locker bleiben – das ist leichter gesagt als getan, wenn man gerade eine Krebsdiagnose und ein gebrochenes Herz gleichzeitig verdauen muss.
Aber Max macht genau das: Sie chattet, kocht sich durch eine digitale Brieffreundschaft und stolpert dabei von einer chaotischen Situation in die nächste. Genau das macht die Geschichte so charmant, witzig und warmherzig.
Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Nebenfiguren, wie ihre beste Freundin Alice, und ihre Beziehung zu ihr etwas mehr Raum hätten einnehmen dürfen. Dafür hätte man den Plot rund um Max’ Arbeit etwas straffen können, da dieser nicht wirklich zur Entwicklung der Geschichte beiträgt.

Der Schreibstil ist sehr leicht und frisch. Allerdings hätten sich die Chatpassagen besser vom übrigen Text abheben können – das hätte den Lesefluss erheblich erleichtert.

Großartig fand ich, dass die Rezepte der Kochchallenge nicht nur schmückendes Beiwerk im Text sind, sondern am Ende echte Rezepte, die man nachkochen oder vielleicht sogar für eine eigene kleine Challenge nutzen kann. Wer weiß .
Ein größerer Kritikpunkt für mich ist, dass viele Rezepte sehr tierlastig und wenig ausgewogen sind – das finde ich wirklich schade.

Am Ende habe ich Max und ihre gelassen-chaotische Art jedenfalls in mein Herz geschlossen.
Ideal für Fans von Romcoms mit Herz und Humor.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 14.02.2026

Zeig mir dein Haus...

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
0

Emily Rudolf ist eine der neuen, aufstrebenden deutschen Thrillerautorinnen, die derzeit zu begeistern weiß. Bereits mit ihren Thrillern „Die Auszeit“ und „Das Dinner“ konnte sie überzeugen.
Auf ihren ...

Emily Rudolf ist eine der neuen, aufstrebenden deutschen Thrillerautorinnen, die derzeit zu begeistern weiß. Bereits mit ihren Thrillern „Die Auszeit“ und „Das Dinner“ konnte sie überzeugen.
Auf ihren neuesten Roman „Die Housesitterin“ bin ich durch das passend gewählte Cover und den intensiv leuchtenden Buchschnitt aufmerksam geworden. Ich finde, dass die düstere See und die markante Schrift stimmig wirken und die Atmosphäre des Buches gut einfangen.

Als ich den Thriller „Die Housesitterin“ gesehen habe, kamen mir direkt Assoziationen mit dem derzeit gehypten Buch „Wenn sie wüsste“ aus der „The Housemaid“-Reihe von Freida McFadden. Beim Lesen stand also sofort die Frage im Raum: Wird es nur ein deutscher Abklatsch, oder kann „Die Housesitterin“ von Emily Rudolf ganz eigenständig bestehen?

Die gute Nachricht vorneweg: „Die Housesitterin“ steht definitiv eigenständig da – kein Abklatsch, sondern ein eigener, richtig fieser Psychothriller. Die Story dreht sich um Cecilia, eine junge Frau, die nach dem Verlust ihrer Mutter ins Straucheln gerät. In finanziellen Nöten nimmt sie den vermeintlich einfachen Job als Housesitterin an. Denn was könnte es Schöneres geben, als für eine Zeit in einem prachtvollen Anwesen zu leben und das eigene Leben kurz abzustreifen?
Als sie jedoch auf der abgelegenen Privatinsel der einflussreichen Familie Waldner ankommt, merkt sie schnell, dass große Häuser auch dunkle Geheimnisse verbergen können.

Schon auf den ersten Seiten nimmt die Autorin das Tempo und die Spannung hoch. Über der Geschichte liegt eine dichte Atmosphäre, die sich anfühlt wie eine Mischung aus Isolation und Paranoia. Wem kann man wirklich trauen? Wer verfolgt an diesem Wochenende auf der abgelegenen Insel seine ganz eigene Agenda?
Hervorragend fand ich dabei die immer wieder raffiniert eingebauten Perspektivwechsel zwischen den Figuren. Abwechselnd wird die Geschichte aus der Perspektive einer anderen Figur erzählt.
So fühlt man sich wie der allwissende Leser. Und trotzdem schafft es die Autorin geschickt, uns durch überraschende Wendungen an der Nase herumzuführen.
Dabei wird es nie so abstrus, dass man nicht auf den Tathergang kommen könnte. Das Ende ist bitterböse und passend für einen Thriller.

Was mich allerdings sehr gestört hat, war die Eindimensionalität der Figuren. Ihre Verhaltensweisen schwankten dabei zwischen unglaubwürdig und vorhersehbar. Für mich blieben sie einfach zu platt und unsympathisch, um wirklich mit ihnen mitzufiebern. Über manche erfuhr man bis zum Ende einfach gar nichts – sie fühlten sich daher eher wie Platzhalter an, denn auch ohne sie würde die Geschichte funktionieren. Schade, dass Frau Rudolf sich nicht die Zeit genommen hat, sie auszuarbeiten.

Insgesamt ist es ein spannender und rasanter Thriller, dem zwar ein bisschen Tiefgang fehlt, der das mit seine Atmosphäre und cleveren Perspektivwechseln wieder wettmacht.
Mit seinen knapp 430 Seiten und dem angenehm flüssigen Stil ist es genau das richtige Buch für ein langes, dunkles Wochenende – ein Buch, das man in einem Rutsch durchliest.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.12.2025

Der Start einer Spicy Dystopie Reihe.

To Cage a Wild Bird
0

"To Cage a Wild Bird" ist der Debütroman der Autorin Brooke Fast. Die Geschichte entführt uns in eine düstere, dystopische Welt, die sich gar nicht so fern anfühlt. Ein unterdrückerisches Regime in Dividium ...

"To Cage a Wild Bird" ist der Debütroman der Autorin Brooke Fast. Die Geschichte entführt uns in eine düstere, dystopische Welt, die sich gar nicht so fern anfühlt. Ein unterdrückerisches Regime in Dividium setzt die gnadenlose Regel „Disziplin oder Tod“ durch. In dieser Welt kämpft die 23-jährige Raven mit allen Mitteln ums Überleben, nicht nur für sich, sondern auch für ihren Bruder. Als er verhaftet wird, hat sie nur ein Ziel: ihn aus dem brutalen Gefängnis Endlock zu befreien, koste es, was es wolle.

Das Cover hat mich sofort gefesselt. Die intensive Farbgebung in Rot und der große, weiße, prägnante Titel springen direkt ins Auge, sie wirken bedrohlich und aggressiv. Besonders liebe ich es, wenn der Titel sich visuell widerspiegelt – hier gelingt das meisterhaft mit den goldenen Vögeln. Der Farbschnitt verleiht dem Ganzen zusätzliche Tiefe und sorgt bei Sammlern sowie Fantasy-Fans für pure Begeisterung.
Beim Lesen entdeckte ich ein weiteres Highlight. Jedes Kapitel beginnt mit einer kleinen Schar Vögel. Ich liebe es, wenn ein Buch ein solches Konzept konsequent durchzieht und nahtlos einbindet.

Der Schreibstil und das Worldbuilding passen nahtlos zum düsteren Setting. Sie erzeugen eine atemberaubend stimmungsvolle Atmosphäre, wie dieses Zitat eindrucksvoll zeigt: „Ich schätze, wer so närrisch ist, einen wilden Vogel einzufangen, sollte nicht damit rechnen, dass der Vogel im Käfig singt.“ (S. 140)
Die Welt wirkt gnadenlos grausam und ausweglos. Genau dort keimt jedoch Hoffnung auf, etwa in einer kleinen Rebellengruppe, einer Siedlung jenseits des Regimes von Dividium und Figuren, für die Herkunft weniger zählt als pure Menschlichkeit.
Hinzukommt eine knisternde Liebesgeschichte zwischen Raven und dem Gefängniswächter Vale. Die Szenen sind intensiv spicy. Hier wartet kein langsamer Slow-Burn, sondern pure, adrenalingeladene Leidenschaft.

Was mich allerdings gestört hat, war die starke Nähe zu Vorlagen wie „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins oder „Die Bestimmung“ von Veronica Roth. Natürlich muss nicht immer das Rad neu erfunden werden. Mir persönlich waren die Parallelen jedoch einfach zu zahlreich.


Daher ist mein Fazit, wer sich nicht an Ähnlichkeiten zu anderen Dystopien stört und Enemies-to-Lovers, Forbidden Love sowie Found Family liebt, findet hier eine düstere, spannende Geschichte, die sich rasend schnell lesen lässt und Lust auf die Fortsetzung macht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.11.2025

Kann man die Antwort in der Vergangenheit finden?

Manche Schuld vergeht nie
0

Würdest du in die Vergangenheit reisen, wenn du könntest? Ohne genau zu wissen welche Schatten und Probleme auf dich lauern könnten?

Im neusten Roman von Elly Griffiths „Manche Schuld vergeht nie“ folgt ...

Würdest du in die Vergangenheit reisen, wenn du könntest? Ohne genau zu wissen welche Schatten und Probleme auf dich lauern könnten?

Im neusten Roman von Elly Griffiths „Manche Schuld vergeht nie“ folgt eine geheime Einheit der Polizei diesem dunklen Pfad und reist durch die Zeit, um vergangene Morde zu lösen und alte Verstrickungen ans Licht zu bringen.
Doch als Kriminalbeamtin Ali Dawson bei einem Einsatz inmitten des Jahres 1850 strandet, sieht sie sich Hindernissen gegenüber, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verweben. Während ihr Sohn Finn in der Gegenwart eines Verbrechens beschuldigt wird und Ali in einer fremden Epoche um ihre Rückkehr und Gerechtigkeit kämpft, verdichten sich die Rätsel.

Elly Griffiths ist das Pseudonym einer britischen Kriminalautorin, die besonders durch ihre erfolgreiche Krimireihe um Ruth Galloway bekannt wurde. Mit „Manche Schuld vergeht nie“ startet sie eine neue Reihe im Krimigenre.
Die Autorin war mir bisher unbekannt, daher habe ich ihr neuestes Werk ganz unvoreingenommen begonnen und war gespannt, was mich erwartet.
Dennoch hatte ich klare Erwartungen an das Thema Zeitreisen, da Autor*innen hier häufig an Paradoxien scheitern oder die Figuren das Abenteuer ohne echte Hindernisse durchschreiten.
Umso positiver überrascht war ich, als ich merkte, dass sich die Autorin gerade diesen Herausforderungen mit großer Sorgfalt widmet.

Sie erschafft eine atmosphärische Immersion ins Jahr 1850: Die Kälte, die hygienischen Bedingungen und das komplexe Einfinden in Alltag und Gesellschaft werden eindrucksvoll beschrieben, sodass ich mühelos in die Geschichte eintauchen konnte.
Die Geschichte wird dabei aus verschiedenen Perspektiven und im Wechsel zwischen 1850 und Gegenwart erzählt. Dadurch entsteht eine spannende Dynamik, die das Erzähltempo steigert und bis zum Schluss für anhaltende Spannung sorgt.

Besonders beeindruckt hat mich die Vielschichtigkeit der Figuren.
Allen voran die 50-jährige Ali. Sie ist mir ans Herz gewachsen, eine warmherzige, quirlige Protagonistin, die weit entfernt vom Mainstream ist und die Geschichte mit ihrer Einzigartigkeit bereichert. In ihrer Gesellschaft habe ich mich als Leserin einfach wohlgefühlt. Vor allem, weil erfreulicherweise auf eine gezwungene Liebesgeschichte verzichtet wurde, die sonst so oft als vermeintliches Highlight gesetzt wird.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt das abrupte Ende und die zahlreichen offenen Fragen, die sich im Laufe der Geschichte angesammelt haben.
Man kann nur hoffen, bald mit dem Folgeband erneut in die Geschichte einzutauchen.
Für mich ist das Buch der gelungene Beginn einer Krimireihe, der viel Spaß beim Lesen und Miträtseln bietet.

„Manche Schuld vergeht nie“ ist für alle empfehlenswert, die einen gelungenen Spannungsbogen, historische Krimis mit hervorragendem Zeitreise-Flair mögen und keinen Wert auf übertriebene Gewalt legen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere