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Veröffentlicht am 04.12.2020

Die perfekte Mischung für einen richtig guten Roman

Tief wie das Meer
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»Tief wie das Meer« ist der 2. Band der Liebesroman-Reihe »Northern Love« die in dem charmanten Örtchen Lillehamn am Fjord spielt. In der Arztpraxis der Geschwister Alva, Krister und Espen Solberg laufen ...

»Tief wie das Meer« ist der 2. Band der Liebesroman-Reihe »Northern Love« die in dem charmanten Örtchen Lillehamn am Fjord spielt. In der Arztpraxis der Geschwister Alva, Krister und Espen Solberg laufen die Geschicke aller Bewohner Lillehamns zusammen. Julie Birkland erzählt mit viel Gefühl und wunderbar romantisch von Menschen, die gegen alle Hindernisse doch noch eine Chance von der Liebe bekommen. Der 3. Liebesroman der Reihe »Northern Love - Wild wie der Wind«, erzählt Alvas Geschichte und erscheint 2021.

Direkt setzt es wieder mit der Handlung nach dem 1. Band ein, so das man auch schon alle Charaktere einmal begegnet ist, nur es sich diesmal um Espen und Svea in den Hauptrollen dreht. Espen mochte ich ja schon zuvor, doch nun lernt man ihn auch von einer ganz anderen Seite kennen. Es geht viel tiefer in ihn hinein, man erkennt wieviel Angst und Zweifel in ihn schlummern, aber auch wieviel Liebe es für einen Menschen haben kann.
Und Svea, die in Band 1 noch etwas zweifelhaft und sprunghaft rüberkam, kann man endlich hinter der Fassade blicken, denn sie ist eine sehr gute Schauspielerin in punkto Vertuschung. Beide führen schon längerer eine lockere Affäre, doch beide machen sich im Grunde etwas vor und könnten sich doch schon mehr vorstellen. So kommt eins ins andere und das Chaos hat einen neuen Namen, doch wenn es nur so einfach wäre, wie es sich anhört.

Die Geschichte der drei Geschwister geht weiter und man blickt noch viel tiefer in deren Vergangenheit. Es bleibt leidenschaftlich, es ist gewiss über Hürden zu springen und Ängste zu besiegen sowie das Leben so zu nehmen, wie es einem offen gelegt wird. Nichts ist planbar, nichts wo vor man sich verstecken kann. Es ist ein stetiges über sich Hinauswachsen, dem Schicksal einen Denkzettel zu verpassen und sich für das zu öffnen, was einem gut tut und am Herzen liegt.
Im Gegensatz zu Band 1, ist diese Story Chaos pur, denn es geht Schlag auf Schlag und sie ist bei weitem nicht so ruhig. Die Protagonisten sind impulsiver, stur, perfekt für einander, doch die Wege sind steinig und scheinen unmöglich. Daneben gibt es wieder amüsante Momente, viele Gefühle, sehr emotionale und ehrliche Augenblicke, authentische sowie zerbrechliche Charaktere und das alles wieder in der zauberhaften Norwegischen Kulisse mit ganz viel Schnee. Diese Geschichte nimmt einem definitiv in seine Gefühlswelt mit und meine Augen sind dabei nicht trocken geblieben.

Svea, ist die strahlende junge Frau schlechthin. Sie achtet auf ihre Figur, auf ihr äußeres, probiert gerne mal Trends aus, ist selbst eine Ikone für andere Frauen, durch ihren eigenen YouTube-Kanal und lässt sich ungerne hinter die Fassade blicken, denn dass hat sie von jung an gelernt- Egal wie schlecht es dir geht, erhalte den Schein aufrecht. Doch ob das immer so gut ist? Dazu noch schlechte Erfahrungen in der Gefühlswelt und das Leben so fortführen, wie es gerade am besten ist. Doch ist es das was sie wirklich will oder so das schöne Gefühl, dass sie schon länger in sich verspürt nicht auch eine andere Ebene erleben? Aber Svea kann auch gnadenlos ehrlich sein, hartnäckig und sehr kämpferisch.

Espen, ist Arzt mit Herzblut und natürlich möchte er den Menschen helfen, doch leider ist es nicht immer möglich und er nimmt sich das sehr zu Herzen, auch wenn er es im Grunde nach außen abblockt, nur nicht soviel an sich heranlassen. Seine Vergangenheit hat ihn stark geprägt und im Grunde hat er eine Scheiß Angst, das gleiche Schicksal wieder zu erfahren, nur diesmal aus einer anderen Sichtweise. Aus diesem Grunde sucht er auch keine Verbindlichkeiten, doch diese eine Rechnung hat er nicht mit seinem Herz gemacht.
Auch hier steht die besondere Beziehung zwischen den Geschwistern mit im Vordergrund und sie sind einfach ein großartiges Team.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, wundervoll leicht, locker, stilsicher und mit dem nötigen Brise Humor, Dramatik und sarkastischen Zügen versetzt. Die ungefähr gleichbleibenden Kapitellängen sind einfach nur so dahingeflogen. Die einzelnen Charaktere wurden wundervoll herausgearbeitet und bringen sehr viel Glanz, Charme und Chaos durch ihre Individualität hinein. Die Geschichte wird im Erzählstil und durch wechselnde Sichten von Svea und Espen wiedergegeben. Die Dialoge sind sehr ernsthaft, emotional bis hin zu spritzig amüsant. Der Roman strahlt durch seine bildgewaltige Erzählung und stellt sich durch seine Individualität und Thematik in den Vordergrund.

Das Cover ist abermals wunderschön gestaltet. Lässt die Reihe sofort wiedererkennen und zeigt sich diesmal in einem schönen türkis, entlang der norwegischen Kulissen.

Mein Fazit: Es ist diesmal kein Wohlfühlroman, denn er hebt sich ab von seinem Vorgänger und lässt dadurch eine einzigartige und tabulose wunderschöne und sehr emotionale Geschichte entstehen. Wer sich aus seiner Komfortzone bewegen möchte, muss diese Geschichte lesen und lieben lernen. Nun möchte ich auch noch Alvas Solo kennenlernen.

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Veröffentlicht am 23.11.2020

Lebensträume und die Realität...

Wenn es Liebe schneit
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„Wenn es Liebe schneit“ ist ein winterlicher und leicht weihnachtlicher romantischer Liebesroman von Lisa Torberg, in den man nicht nur die Liebe zur Landschaft, zum kulinarischen, sondern auch zu liebevollen ...

„Wenn es Liebe schneit“ ist ein winterlicher und leicht weihnachtlicher romantischer Liebesroman von Lisa Torberg, in den man nicht nur die Liebe zur Landschaft, zum kulinarischen, sondern auch zu liebevollen Charakteren uneingeschränkt fühlen kann und daneben mit Charme, Humor und tiefer Liebe einer bewegenden Story folgt.

Zuvor erzählt die Autorin liebevoll von ihrer Tante Liz, Kanadierin, und sofort ist klar, wie authentisch der Roman anhand seines Umfeldes nur sein kann. Am Ende gibt es sogar die liebevoll erwähnten Rezepte, für alle die gerne nachkochen sowie -backen möchten.
Danach geht es sofort hinein in die Handlung und man landet direkt bei Scarlett mitten in ihrer Familien-Arztpraxis.
Die Handlung zieht sich zwar über einen sehr kurzen Zeitraum, alleinig der Epilog setzt ein Jahr später ein, jedoch hat man nie das Gefühl, dass irgendetwas zu schnell gehen würde. Die Story hat ein schönes Tempo, wird ausreichend detailreich erzählt und man kommt sofort an, so dass man allen Geschehnissen bestens folgen kann. Wohlig in der schönen Storyline gebettet erfährt man als Leser, genauso wie einige Charaktere, was wirklich damals alles passiert ist und erfährt wie groß ein Herz sein kann, genauso wieviel man bereit ist aufzugeben und anderen zu geben. So verliebt man sich automatisch mit in die Charaktere und hofft natürlich mit, dass sich alles zum Guten wendet.
Während des Lesens kann man wunderbar mitfühlen, mitträumen, mitschmunzeln sowie süße und romantische Momente miterleben. Und es zeigt sich mal wieder was es wirklich heißt in einer zusammengewachsenen Gemeinschaft zu sein, uneingeschränkte Hilfe zu leisten, Freunde zu haben, das Zeit alles überwinden kann und man die Hoffnung niemals aufgeben sollte.

Scarlett, 30, hatte schon mit jungen Jahren einen festen Plan vom Leben und ihrer Karriere vor Augen. Doch ganz ist dieser nicht aufgegangen. Beruflich ist sie wie geplant Ärztin geworden, hat mit ihrem Bruder die Familienpraxis übernommen, ist aber niemals aus ihrer Heimatstadt Mount Pearl entkommen, obwohl ihr doch die Welt offen stehen sollte. Scarlett ist hübsch, gebildet, familiär, heimatbewusst, hilfsbereit, für alles zu haben und doch ist sie nicht zu 100% glücklich. Denn ihr Herz wurde ihr vor Jahren von jetzt auf gleich entrissen und sie ist bis heute nicht wirklich über diesen Verlust hinweg gekommen und auch niemand anders konnte wieder dieses Feuer entfachen. Und plötzlich holt sie die Vergangenheit wieder ein und die Welt steht Kopf.

Liam, 34, hat nicht unbedingt freiwillig damals alles aufgeben müssen, er tat es aus guten Grund. Doch nun hat es ihn gewisser Maßen wieder zurückgeführt und er kommt nicht alleine. Sofort spricht sich herum, dass er wieder da ist und dennoch wird er liebevoll wieder aufgenommen. Was sicherlich auch an der zauberhaften Maisie liegt. Noch nie habe ich eine süßere 5-jährige erlebt, die keck, unheimlich klug und ihrem Alter weit voraus ist. Sie schmelzt jedem das Herz in kürzester Zeit und man möchte nur eins, sie beschützen und behüten. So auch Liam, der dafür fest sein Wort gegen hat. Und ausgerechnet landet er mit Maisie, bei seiner einzig wahren Liebe aus Jugendzeiten. Liam, ist ein Traum von Mann, denn sein Herz ist so groß und er ist so uneigennützig, dass er nie sich selbst, sondern immer nur andere in den Vordergrund stellt und alles für sie geben würde.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, gewohnt stilsicher, gefühlvoll und mit viel Charme, einer schönen Prise Humor und aufregender Spannung versetzt. Die bildlichen Beschreibungen gehen einen unter die Haut und man bekommt ein wunderschönes winterliches Lesegefühl. Daneben wird man mit den nötigen Informationen über Land und Leute gefüttert und bekommt eine tiefsinnige Handlung mit sehr überzeugenden Charakteren, denen man ihrer Art und Weise sowie Gefühlswelt einfach abnimmt. Man liest sich sehr flüssig durch die unterschiedlichen Kapitellängen. Es wird in der Erzählperspektive zwischen Scarlett und Liam gewechselt, so kann man bestens in beiden Gedankenwelten abtauchen.

Das Cover ist einfach Original Kanada und wirklich wunderschön zu Story gewählt worden oder umgekehrt.

Mein Fazit: Ein wunderschöner, gefühlvoller Roman , der einen zeigt, dass Liebe sogar zeitliche Trennungen überwinden kann und man irgendwann wieder das zurückbekommt, was man einst gegeben hat. Lasst auch in das winterliche Kanada entführen und spürt den Zauber.

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Veröffentlicht am 19.11.2020

Alles was ich brauche...bist nur Du!

All I Need
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Ein berührender Roman über Liebe, Vertrauensängste und Lebensträume, die vielleicht doch keine sind. Genauso tiefgründig wie in ihrem erfolgreichen Debütroman »Every Step I Take« gelingt es Belinda Benna, ...

Ein berührender Roman über Liebe, Vertrauensängste und Lebensträume, die vielleicht doch keine sind. Genauso tiefgründig wie in ihrem erfolgreichen Debütroman »Every Step I Take« gelingt es Belinda Benna, sich durch ihre gefühlvollen Wortbilder direkt ins Herz der Leser zu schreiben. Für mich hat sich die Autorin sogar noch gesteigert und hat mich mit ihrer gefühlvollen und fesselnden Authentizität absolut überzeugt.

Über einen kurzen Prolog wird man über die Geschehnisse aus Miras Leben eingeführt und landet danach direkt bei Simon und seinem Plan von der Umsetzung zu seinem Lebenstraum. Alles beginnt quasi vor 93 Tagen, bevor er seine Weltreise antreten möchte und lässt sich anhand eines nicht inszenierten Countdown mit begleiten. Der Roman endet in einem zukunftsorientierten Epilog.
Die Geschichte ist real am echten Leben dran, sehr authentisch, so dass man sich einfach bestens hineinfühlen und mitempfinden kann, wunderschön einfühlsam, von verschiedensten Gefühlen getragen, mit Humor an den richtigen Stellen sowie einer tiefsinnigen Romantik ohne sie surreal erzeugen zu wollen. Die Liebe steht hier zunächst nicht an primärer Stelle, jedoch ist sie immer unterschwellig da und zeigt sich dadurch in ihren verschiedensten Varianten zu Freunden, Familie oder neuen Bekanntschaften. In den schönen Momente schwebt immer eine nicht nennbare Magie mit und lädt einen zu wohlfühlen ein. Durch den ganzen Roman zeiht sich eine konstante Spannung, so dass man einfach nur erfahren möchte, wie es denn weitergeht und wann es zum großen Showdown kommt. Diese Geschichte steckt voller Gefühl, Emotionen und auch einer immer mit schwebenden Traurigkeit, die jedoch durch helle Tage abgelöst wird.

Mira (29), ist Mutter von zwei Söhnen, wunderschön und an einem Scheidepunkt in ihrem Leben angekommen, der eigentlich nur das Fass zum überlaufen gebracht hat, denn sie fühlt sich schon länger nicht mehr in der Nähe von Heinrich wohl und ihre Vorstellung von einem erfüllten Leben, teile sich in unterschiedliche und unüberbrückbare Bereiche. Mira lebt in Wien, fernab ihrer Familie, und hat nur wenige Freundinnen um sich herum. Durch ihre Lebenserfahrung ist sie ein eher skeptischer Mensch, vertraut nicht jedem und tut alles um ihre kleine Familie bestmöglich zu schützen. Doch wenn sie einmal wahrlich ihr Herz verschenkt, dann ganz und gar, auch wenn sie stark mit ihren inneren Zweifeln ein hartes Gefecht austragen muss. Sie steht zu ihren Worten, spielt mit keinen Gefühlen und sucht eine ehrliche und tiefe Seele.

Simon (25), ist derzeit von Beruf Gefängniswärter und sitzt eigentlich nur noch die letzten Tage ab, um sich seinen großen Traum zu erfüllen, für unbestimmte Zeit in der Welt umherzureisen und sich einfach nur mal frei zu fühlen. Denn in Wie fühlt er sich alles andere als das. Die Vergangenheit hat ihn stark geprägt, er möchte sich auch nicht fest binden und seine Schwester ist der Meinung, dass er einfach nur vor seinen Problemen wegläuft, anstatt sich ihnen zu stellen und sich auch das schöne im Hier und Jetzt zu konzentrieren. Simon ist ein Gefühlsmensch, versucht sich oder vielmehr andere vor Dingen zu schützen, über die man gar nicht nachdenken müsste. Er hat sich sein eigenes gedankliches Gefängnis geschaffen, aus dem er ausbrechen muss und einfach nur das wahre Leben durch seine Adern laufen lassen, mit allen Konsequenzen.

Simons Schwester hat mir als Nebencharakter sher gefallen, sie ist mit sich selbst zufrieden, im reinen und hat immer einen passenden Lebensspruch auf den Lippen. Wahrlich behält sie den überblick über alles und wünschst sich für ihren Bruder nur das wahre persönliche Glück zu finden.

Der Schreibstil ist abermals unglaublich angenehm und hat stellenweise etwas sehr schönes poetisches an sich. Ich mochte sehr die Wortgewandtheit und die Bilder, die sich dadurch in den eigenen Gedanken formen. Vor allem regt sehr vieles zum Nachdenken an. Genügend detailreich, ohne überladend zu wirken, wunderbar leicht und flüssig wird diese nachhaltige Geschichte erzählt. Die einzelnen Kapitel haben unterschiedliche Leselängen, sind jedoch überwiegend kurz gehalten. In der Ich-Perspektive wird aus den beiden wechselnden Sichten von Mira und Simon der Roman wiedergegeben.
Ich fühlte mich sofort wohl und sicher in der Story, auch wenn man erst langsam mitbekommt, in welche Richtung sie sich bewegen wird.

Das Cover ist in seiner Gestaltung schlicht und einfach nur wunderschön anzusehen. Es verrät keinen Handlungsstrang oder eine gewisse Richtung, in die es gehen könnte.

Mein Fazit: Mein derzeitiger Lieblingsroman der Autorin, die einen aufzeigt, dass das Leben eben nicht immer geradeaus geht und auch in seinen dunklen sowie hellen Phasen einfach nur wunderschön sein kann. Jeder ist seines Glückes eigener Schmied und der richtige Weg wird sich zeigen.

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Veröffentlicht am 17.11.2020

Taucht ein zwischen den Zeiten und einer großen Familiensaga.

Wenn die Nebel flüstern, erwacht mein Herz
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Ein Mädchen auf der Suche nach seiner Schwester. Ein Junge, der seinen Bruder retten will. Eine Liebe, die nicht sein darf. Und ein Fluch, der sie alle ins verderben stürzen kann.

„Wenn die Nebel flüstern, ...

Ein Mädchen auf der Suche nach seiner Schwester. Ein Junge, der seinen Bruder retten will. Eine Liebe, die nicht sein darf. Und ein Fluch, der sie alle ins verderben stürzen kann.

„Wenn die Nebel flüstern, erwacht mein Herz“ ist es mein erster Roman der Autorin Kathrin Lange. Definitiv hat sie mich neugierig auf mehr gemacht.

Einleitend gibt es zu Beginn zwei Buchzitate von zwei der Bronte-Schwestern. Sehr schnell erkennt mann, dass sich hier die Klassiker der Bronte-Familie oder vielmehr ein schwerwiegendes Schicksal des Bruders Branwell zu einer weitreichenden Tragödie entwickelt hat.
Zunächst steigt man ganz leicht in die heutige Zeit bei Jessa ein und erlebt wie sie bereits in jungen Jahren hart kämpfen musste und ganz allein auf sich gestellt ist. Vor 5 Jahren verschwand ihre große Schwester und letzt Halt, bis sie heute eines ihrer geliebten Bücher plötzlich wieder in die Hände hält und sie nichts mehr davor halten kann, herauszufinden, was genau vor 5 Jahren geschehen ist. Also begibt sich Jessa von London auf den Weg in das wunderschöne und geschichtsträchtige Yorkshire, um sich ihre eigenes Bild von der Lage vor Ort zu machen. Ihr einzigster Anhaltspunkt ist zunächst eine kleine Bibliothek in Haworth und eine Zeichnung des Anwesens High Moore Grange. Bei ihrer Erkundungen stösst sie zunächst nicht nur auf Hilfe, vielmehr auf Widerstand und man möchte sie immer wieder zum gehen auffordern, doch niemand bricht so schnell den starken Willen von Jessa. So lüftet sich nach und nach die Geheimnisse und dringt immer tiefer in die Familie Addingham ein.

Man begibt sich in eine fesselnde, spannende und mystische Familiengeschichte, die erst mit dem Lesen Stück für Stück aufgeklärt wird. Und ich mochte diese Reise in die Vergangenheit, in Verbindung mit lyrischen Werken als Erwähnung, in Verbindung mit der dahinter liegenden Tragik und die Auswirkungen bis heute sehr gerne. Die Rätsel die sich dahinter verbargen, regen an zum mit grübeln und durch die heutige Leichtigkeit gibt es jede Menge dazwischen zum schmunzeln, romantische und süsse Augenblicke sowie eine sehr schöne Ernsthaftigkeit, an die einzelnen Tragödie des Lebens und was man daraus machen kann. Jedenfalls hat mich die Handlung gebannt mitgerissen und auch die eigene Gedankenspirale wirbelt ordentlich mit. Der Spannungsgrad wurde durchweg gehalten,, auch wenn sich die Geschichte im Mittelteil etwas zieht, es war sehr mystisch, stellenweise etwas unheimlich und tiefgründig geht es um Familie, Freundschaften, Liebe, Verluste, Ängste, Träume, die Zukunft und viele Geheimnisse.

Der Schreibstil ist sehr stilsicher, fesselnd, angenehm und spannungsgeladen. Man liest sich sehr flüssig und mitfiebernd durch unterschiedlichen längeren Kapitellängen und merkt dabei gar nicht wie schnell die Zeit verfliegt. Die Sprache wird hier zum einen mit der Vergangenheit sowie der heutigen Zeit vereint und um es jugendlich zu belassen, bleibt es natürlich auch angepasst genug. Die Handlung wird aus der Erzählperspektive von den jeweiligen Hauptcharakteren wiedergegeben.

Die einzelnen Charakteren waren wirklich sehr gut und ausreichend herausgearbeitet. Ganz langsam ist man hinter den Geschehnissen gekommen und die Wahrheit wurde aufgedeckt. Die mystische Aspekte und das leicht Spiel mit der Psyche haben mir sehr gefallen, vor allem auch das eintauchen und eine andere Zeitdimension. Es war sehr geheimnisvoll, auch mit Emotionen beladen und sehr glaubwürdig dabei umgesetzt. Zum Ende hin wird die Handlung sehr rasant, man muss einfach erfahren wie es weitergeht und alles fügt sich zu einem gelungen Abschluss.

Jessa bezeichnet sich selbst als Straßengöre. Durch ihre Jahre im Kinderheim hat sie gelernt sich alleine durchzuboxen, reißt immer wieder in ihre eigene Freiheit aus und lässt sich dabei selten was sagen. Sie ist dadurch sehr schnell selbstständig geworden, kann auf sich allein aufpassen doch das macht auch einsam und vor allem vorsichtig. Doch durch ihren unsagbaren Mut und Ehrgeiz lässt sich sich so schnell nicht von einer Sache abbringen, sobald sie Feuer gefangen hat. Vor allem hat sie ein gutes Gespür für andere und kann in deren Gesichtern lesen. Sie macht sich gerne ihre eigenen Eindrücke und scheut sich nicht davor zu kämpfen. Jessa ist sehr impulsiv und auch ihre eigenen Art, muss man sie einfach lieb haben.

Die beiden Brüder Christopher und Adrian sind stark miteinander verbunden, könnten aber auch unterschiedlicher nicht sein. Adrian ist mehr der sensiblere und zurückgezogene Part, aber auch sehr leidenschaftlich in seiner eigenen Art. Und Christopher ist der Draufgänger, der impulsivere und muss öfters mal ausbrechen, um selbst nicht durchzudrehen. Aber in einem sind sich beide einig, sie stehen für einander ein und gehen lieber zusammen unter als anderen zu Schaden. Die Vergangenheit hat sie stark geprägt und beide haben auch ihren Fehlern gelernt, sowie nicht alles so zu nehmen, wie es ihnen vorhergesagt wird.

Allein schon das Cover ist so zauberhaft schön und hat mich gleich eingefangen. Es hat so liebevolle Details und ein wahres Schmuckstück in jedem Bücherregal. Auch im Inneren zeichnen sich diese liebevollen Seiten weiter, so dass jedes neue Kapitel sofort zu erkennen ist.

Mein Fazit: Zu diesem wunderschönen Äußeren kam es auch durch das Innere zu einem wunderbaren Lesegenuss, nicht nur als Jugendbuch, der mich fesselnd in seine mystische sowie geheimnisvolle Magie eingesogen und alles zu einer beeindruckenden und nachhaltigen Familiensaga über die Zeiten hinaus zusammengefügt hat.

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Veröffentlicht am 04.11.2020

Ein zauberhafter Debütroman

Dort, wo die Sterne im Wasser leuchten
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„Dort, wo die Sterne im Wasser leuchten“ ist der berührende Debütroman von Clara Blais. Sehr tiefgründig, fesselnd, emotional und sehr gefühlvoll ist ein wunderschöner und überraschender Jugendroman / ...

„Dort, wo die Sterne im Wasser leuchten“ ist der berührende Debütroman von Clara Blais. Sehr tiefgründig, fesselnd, emotional und sehr gefühlvoll ist ein wunderschöner und überraschender Jugendroman / Young Adult Roman entstanden.

Zuerst habe ich auf Instagram beim Kirschbuch Verlag dieses wunderschöne Buchcover gesehen, es ging über in den Buchtitel und dann las ich den Klappentext, sogleich war ich fasziniert. Als dann zur Leserunde aufgerufen wurde, versuchte ich mein Glück und alles hat sich als zauberhaftes Gesamtwerk entpuppt. Daneben gibt es noch eine ganz berührende Playlist zum Buch, die total meinem Musikgeschmack entspricht und sehr gut zu den Zeilen passt.

Zunächst wird der Beginn des Romanes von einem sehr schönen, aber auch traurigem Gedicht eingeleitet, geht über in einen kurzen einleitenden Prolog aus der Vergangenheit und setzt anschließend im Hier und Jetzt dann ein. Der Abschluss wird von einem Epilog gekürt. Die Handlung selbst verläuft über mehrere Wochen und gibt einige Einblicke, Erinnerungen und Gedankengänge aus der davor liegenden Jahren, Schwerpunkt ist jedoch die aktuelle Zeit. Skyler zieht nach einer schweren Zeit zu ihrem Vater, um wieder Luft zu bekommen, einen Neustart zu wagen und sich, wenn auch wiederwillig, helfen zu lassen. Nicht nur, das sie mit jungen Jahren bereits einen Verlust erleiden musste, seitdem fühlt sie sich einfach allein gelassen, verraten und unverstanden. Sie selbst zweifelt an ihren Erinnerungen und verliert sich in Träumen zu Matt, bis sie sich endgültig verschließt. Erst durch die neue Umgebung, neu Menschen und beginnende Freundschaften um sich herum, schöpft sie wieder Hoffnung, beginnt mit der Poesietherapie und doch ist da wieder dieses Gesicht und dieser Junge namens Damien, der wieder alles zu Nichte machen könnte.

Von der ersten bis zur letzten Zeile war ich einfach gefangen, in die Leichtigkeit dieser unglaublichen, herzlichen und doch auch traurigen Geschichte. Ich habe dieser Geschichte jedes Wort abgenommen, habe gefühlt, was sie auszusagen vermochte und fand den Aufbau, die Darstellung der einzelnen Charaktere und die Gefühlsachterbahn einfach nur mehr als gelungen. Gedanklich kannst du dich komplett fallen lassen und spielst einfach diese bewegende Geschichte als Film vor deinen Augen ab. Durch die verschiedenen lebhaften Charaktere, den unterschiedlichen Dialogen und Ereignisse gab es einiges zum schmunzeln, süße und herzliche, aber auch herzzerreißende und schmerzspürende Momente und ich fieberte gebannt mit. Nebenbei wird auf verschiedene gesellschaftliche Differenzen und auch Tabuthemen aufmerksam gemacht, aber genauso kaputt und verdreht ist manchmal das Leben und die Gesellschaft um uns herum, man muss seinen eigenen Fokus finden und sich nicht zerbrechen lassen. Ebenso wie schnell man den Boden unter seinen Füße verlieren kann, wenn man glaubt nicht genug zu sein und sich einredet, sich nicht anders helfen zu können.
So geht es auch etwas tiefer um verschiedene Familienbeziehungen, Freundschaften, Liebe, Verluste, Zukunftsängste, Träume, Vertrauen, die freie Entwicklung, einfach glücklich sein und sich leicht zu fühlen, Tiefschläge, Neid, Eifersucht, sich wieder etwas zuzutrauen und einfach individuell zu sein.

Skyler (Sky), ist junge 17 Jahre alt und könnte eigentlich ihrem Teenager leben frönen, mit Freunden abhängen und die erste Lebe genießen, doch durch den Verlust ihres besten Freundes wurde ihr Herz schön früh gebrochen. Zwar umgeben von ihrer Familie, die alle noch ihre eigenen Lasten tragen, ist sie eine Einzelgängerin und selbst die Flucht in die Gedanken, in ihre Träume, wird ihr schmerzhaft genommen und lässt sie noch tiefer fallen. Sky ist zwar ruhig, doch sie ist nicht scheu im Umgang mit anderen, sobald sie vertrauen fasst, lässt sich sich auch nach und nach auf den anderen ein. Sie ist lebhaft und muss es nur wieder aus sich rauslassen. Manchmal etwas verloren zu wirken ist nicht falsch, es macht sie zu etwas besonderem und einem einzigartigen Menschen, der für andere einsteht und sich auch fallen lassen kann.

Damian (17), erinnert sie an jemanden aus ihrer Vergangenheit und sie kann zunächst seine Nähe nicht zulassen. Damian ist geheimnisvoll, ebenfalls verschlossen und öffnet sich zögerlich, dann aber mit überraschenden Wahrheiten und Eigenschaften. Auch ihn belastet etwas seit längerer Zeit und es muss aufpassen nicht gänzlich abzudriften. Sky ist die erste, die ihn wieder hoffen lässt und er gilt auch sie zu überzeugen, dass er nicht derjenige ist, den nur alle in ihm sehen wollen.

Alle einzelnen Charaktere sind wirklich sehr gut, ausreichend, unterschiedlich sowie vor allem authentisch und mit ihren Eigenarten herausgearbeitet.

Der Schreibstil hat mir sehr gefallen, er liegt zwischen jugendlich leicht und einer angenehmen gefühlvollen Erzählung. Dabei konnten mich die bildhaften Darstellungen sehr überzeugen. Man liest sich schnell und locker durch die unterschiedlichen Kapitelleselängen. Die Handlung wird in der Ich-Perspektive alleinig aus der Sicht von Sky wiedergegeben, außer der Epilog bleibt jemand anderen vorbehalten.

„Die Welt um uns herum verstummte. Zusammen waren wir nicht mehr nur diese Mängelexemplare, als die wir uns vorher empfunden hatten. Zusammen ergänzten sich all unsere kaputtem Teile wie Puzzlestücke, die erst zusammen ein Bild ergaben.“

Mein Fazit: Gesehen, gelesen, verzaubert von der tiefberührenden Geschichte, die mich zu Tränen gerührt hat, mich Lachen lies und dazwischen einfach zwischen Zweifel und Hoffnung gefangen war. Ein zauberhafter Debütroman, dem ich jedem gerne ans Herz lege und zu meinen diesjährigen Jahreshighlights zählen darf.

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