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Veröffentlicht am 29.12.2020

tolle Zeitgeschichte

Zwei fremde Leben
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Zwei fremde Leben spielt auf drei Zeitebenen. Einmal 1973, wo wir den Polizisten Thomas Rust begleiten, der einem Vorfall nachforscht, der sich ereignet, als er auf die Geburt seines ersten Kindes wartet. ...

Zwei fremde Leben spielt auf drei Zeitebenen. Einmal 1973, wo wir den Polizisten Thomas Rust begleiten, der einem Vorfall nachforscht, der sich ereignet, als er auf die Geburt seines ersten Kindes wartet. An der Klinik lernt er einen Mann kennenlernt, dessen Kind scheinbar bei der Geburt verstorben ist. Ihm kommt die Geschichte seltsam vor und fängt an nachzuforschen. Dabei gerät er zwischen die Fronten und muss feststellen, dass Neugier in der DDR durchaus sehr ungesund sein kann.

1993/94 begleiten wir Ricarda, deren Kind eben 1973 bei der Geburt verstorben sein soll. Sie glaubt nicht daran und hat sich deswegen nicht nur mit ihren Eltern zerstritten, sondern auch mit ihrem Mann. Nach der Wende versucht sie nun über ihre Stasi-Akte mehr über die merkwürdigen Umstände der Geburt ihres ersten Kindes herauszufinden.

2018 begleiten wir dann Claudia zusammen mit Ricarda. Claudia hat zur Wende erfahren, dass sie nicht bei ihren leiblichen Eltern aufgewachsen ist. Seitdem versucht sie mehr über ihre Adoption herauszufinden und trifft so auf Ricarda, die ihr bei der Suche nach ihren leiblichen Eltern helfen soll.

Frank Goldammer gelingt es ein Bild der DDR zu zeichnen, das wohl den meisten Westlern so nicht bekannt ist. Die Atmosphäre in der DDR in den Siebzigern ist sehr bedrückend. Es mangelt an allem, abweichende Meinungen werden radikal unterdrückt und schon damals nutzt nicht nur die Stasi ihre Macht gnadenlos aus.

Auch das Leben kurz nach der Wende war in der ehemaligen DDR kein Zuckerschlecken. Von den Wessis nicht für voll genommen und oft beruflich komplett abgehängt, fragen sich viele, was ihnen die Wiedervereinigung denn gebracht hat.

Das Buch war unglaublich spannend in allen drei Ebenen. Die beiden ersten Zeiten sind durch und durch Krimi lastig, man weiss nie, wem man wirklich trauen kann, selbst Rust kam mir zwischenzeitlich nicht wirklich zuverlässig vor. Und manchmal möchte man auch Ricarda sagen, dass sie sich doch vieles einfach einbildet.

Die dritte Zeitebene liefert dann die Erklärungen für die Ungereimtheiten und am Ende bleibt der Leser dann doch etwas fassungslos zurück, ob dem, was wirklich passiert ist. Der Autor schafft es hier bis zum Schluss zu überraschen.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen, es ist spannend und man lernt viel über die nahe Vergangenheit.

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Veröffentlicht am 14.12.2020

toller Abschluß!

Die Farben der Schönheit – Sophias Triumph (Sophia 3)
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Sophias Traum ist letzte Band der Reihe rund um Sophia Krohn und ihren Traum Kosmetik zu machen. Er schließt direkt an den Vorgängerband an und beginnt bereits im Jahre 1934 mit der Genesung Hennys und ...

Sophias Traum ist letzte Band der Reihe rund um Sophia Krohn und ihren Traum Kosmetik zu machen. Er schließt direkt an den Vorgängerband an und beginnt bereits im Jahre 1934 mit der Genesung Hennys und Sophias erneuter Anstellung bei Helena Rubinstein. Sophia erhält die Möglichkeit ihr Studium abzuschließen und damit auch dem Traum einer eigenen Firma näher zu kommen.

Die Ehe mit Darren läuft anfangs recht harmonisch, aber die Arbeit frisst beide auf und auch Nachwuchs will sich nicht einstellen. Als dann der Krieg ausbricht meldet sich Darren freiwillig und zieht nach Europa.

Dieses abschließende Buch hat mir ausgesprochen gut gefallen. Sophia hält an ihrem Traum, eines Tages ihre eigene Kosmetik herzustellen fest und bringt dafür viele Opfer. Darren unterstützt sie zwar dabei, aber nach und nach leben die beiden nur noch nebeneinanderher. Die Sache mit Sophias Sohn lässt ihr auch keine Ruhe und wird dann auch am Ende abschließend geklärt.

Ich war von Anfang an wieder voll im Lesefluss, da gab es kein fremdeln. Und auch das Kopfkino lief gleich wieder. Ich könnte mir auch durchaus vorstellen noch einen vierten Band zu lesen, ich denke Sophias Lebensweg würde da sicher noch einiges hergeben.

Da aber in diese Richtung nichts angekündigt ist, bleibt es nur am Ende das Buch wehmütig zu schließen und sich selbst seine Geschichte weiterzuspinnen.

Von mir eine Leseempfehlung für diesen gelungenen Abschluss.

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Veröffentlicht am 04.12.2020

gelungener historischer Roman

Der erste König
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Der erste König erzählt die Geschichte von Offa und Drida in Britannien im 8 Jahrhundert. Eine Geschichte, die den meisten eher unbekannt sein wird. Offa war der erste König in Britannien, der als alleiniger ...

Der erste König erzählt die Geschichte von Offa und Drida in Britannien im 8 Jahrhundert. Eine Geschichte, die den meisten eher unbekannt sein wird. Offa war der erste König in Britannien, der als alleiniger Herrscher dort regierte und das System der sich ewig bekriegeneden Unterkönige beendete. Drida wiederum war eine Cousine von Karl dem Großen und seinem Bruder Karlmann. Als sie versucht im Konflikt zwischen den beiden zu vermitteln, lässt Karl sie auf dem Meer aussetzen. So gerät sie erst nach Wales und später eben nach Britannien, wo sie Offa trifft und mit ihm einen HAndel abschliesst. Ein Erbe gegen die Hilfe für Karlmann.
Sabirny Qunaj erzählt hier eine Geschichte, die mir komplett unbekannt war. Die Faktenlage zu dieser Zeit ist wohl recht dünn, so ist es schwierig zu rekonstruieren, was wohl wirklich geschah. Der Autorin gelingt es aber diese Geschichte so zu erzählen, dass man als LEser das Gefühl bekommt "ja genau so könnte es gelaufen sein".
Ich fand die Figurenzeichnung sehr gelungen. Gerade Offa hat es nicht leicht, er ist ehrgeizig und muss früh lernen, dass er mit Vertrauen vorsichtig sein muss. In seine als König wird er hineingeworfen und er muss alleine zum König werden, wirklich helfen kann ihm dabei niemand. Auch Drida hat ein schweres Los zu tragen. Als uneheliches Kind ihres Vaters ist sie am fränkischen Hof zwar geduldet, aber als ihr Onkel Pippin stirbt und sein Erbe an seine beiden Söhne geht, gerät sie zwischen die Fronten. Am interessantesten fand ich allerdings die Figur des Beornred. In Britannien ist er verhasst und später auch vertrieben, im Frankenreich hingegen ist er der Beschützer von Drida und ihr ein guter Freund. Ganz so, als wären es zwei unterschiedliche Menschen. An dieser Stelle hat die Autorin wirklich toll gearbeitet, ich fand ihn durch und durch glaubhaft und auch seine Rolle in der Geschichte war toll eingearbeitet.
Das Buch ist mit seinen knapp 900 Seiten durchgehend gut geschrieben, für mich gab es keine Längen. Am Anfang ist ein Personenverzeichnis und Karten Britanniens und des Frankenreiches vorangestellt, so dass man immer wieder nachschlagen kann, wenn man sich orientieren möchte. In einem ausführlichen Nachwort geht die Autorin ausführlich auf das Entstehen ihrer Geschichte ein und auf die Quellen, die sie genutzt hat.
Alles in allem kann ich das Buch nur empfehlen, es ist ein gut lesbares historisches Buch, in dem man etwas über die damalige Zeit lernt und gleichzeitig sich in der Geschichte verlieren kann.
Von mir eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 22.11.2020

Klasse Fortsetzung

Protect the Prince
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In Protect the Prince erleben wir Everleigh nun als Königin. Sie weiss was von ihr erwartet wird, hadert aber immer noch damit, ob sie diese Erwartungen auch erfüllen kann. Nach den ersten Auseinandersetzungen ...

In Protect the Prince erleben wir Everleigh nun als Königin. Sie weiss was von ihr erwartet wird, hadert aber immer noch damit, ob sie diese Erwartungen auch erfüllen kann. Nach den ersten Auseinandersetzungen mit ihrem eigenen Adel macht sie sich auf den Weg nach Andvari um ein Abkommen auszuhandeln, das die beiden Königreiche gegen Morta vereinen soll. Ihre eigenen Gefühle für Sullivan, den unehelichen andvarischen Prinzen, muss sie dafür ignorieren, auch wenn ihr das sehr schwerfällt.

In diesem Band merkt man, wie sehr Evie gereift ist, aber auch wie schwer es ihr fällt mit ihrer neuen Rolle zurecht zu kommen. Auch mit ihrer eigenen Magie kommt sie noch nicht so richtig klar, vor allem auch, weil sie sie auch noch nicht richtig begriffen hat. Aber nach und nachkommt sie hinter das Ausmaß ihrer Macht und lernt sie einzusetzen.

Mir hat dieser zweite Band wieder ausgesprochen gut gefallen und gerade gegen Ende mochte ich es nicht mehr aus der Hand legen, weil es so spannend war. Die Situation von Evie und Sullivan ist wirklich sehr schwierig und die Autorin macht es ihren Protagonisten wirklich nicht einfach, findet aber am Ende einen glaubwürdigen Twist.

Das Buch ist eine wirklich gute Fortsetzung und lässt keine Schwächen erkennen. Man sollte aber im Hinterkopf behalten, dass es sich hier nicht wirklich um Jugendfantasy handelt, auch wenn sie von Jugendlichen gut gelesen werden kann. Es kommt halt eine ziemlich explizite Sex-Szene darin vor, die aber auch quergelesen werden kann und etwas älteren Teenagern sicher nicht schadet.

Meine Tochter hat die Trilogie mittlerweile komplett gelesen und ist auch sehr begeistert davon. Und auch ich freue mich auf den dritten Teil, der auf Deutsch Anfang April 2021 erscheinen wird.

Von mir daher wieder eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 15.11.2020

Alice Urbachs Buch und Leben

Das Buch Alice
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Die Autorin Karina Urbach ist die Enkelin von Alice Urbach, die in den dreißiger Jahren ein erfolgreiches Kochbuch in Wien veröffentlicht hatte. In Das Buch Alice erzählt sie die Geschichte ihrer Großmutter ...

Die Autorin Karina Urbach ist die Enkelin von Alice Urbach, die in den dreißiger Jahren ein erfolgreiches Kochbuch in Wien veröffentlicht hatte. In Das Buch Alice erzählt sie die Geschichte ihrer Großmutter und ihres Vaters und Onkels, die durch die Nationalsozialisten in den dreißiger Jahren aus Wien vertrieben wurden.

Alice wurde nicht nur die Heimat genommen, sondern auch die Urheberrechte an ihrem Buch. Der Verlag veröffentlichte ihr Buch jahrelang unter einem falschen Autorennamen und gab auch nach dem Krieg die Rechte daran nicht an Alice Urbach zurück.

In diesem Buch beschreibt die Autorin nicht nur den Kampf um das Buch, sondern die Lebensgeschichte ihrer Großmutter und die Schicksale ihre Vaters und ihres Onkels. Mir hat das sehr gut gefallen, das Buch ist sehr spannend geschrieben und man erfährt vieles von dem, was in den dreißiger Jahren in der Welt geschah.

Alice Sohn Otto ist damals weit in der Welt herumgekommen. Er war es auch, der ab 1938 die Auswanderung seiner Mutter und vor allem seines Bruders vorantrieb.

Die Kapitel sind mit Bildern aus Alice Kochbuch überschrieben und mit jeweils einem passenden Zitat. Im Text konnte die Autorin auf viele Briefe ihrer Familie zurückgreifen und auch Fotos der Familie aus der damaligen Zeit einbinden.

Von mir gibt es eine eindeutige Leseempfehlung für dieses Buch, das auch Seiten der damaligen Zeit beleuchtet, die den meisten Lesern so noch nicht bekannt sein dürften.

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