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Veröffentlicht am 21.12.2020

Ein unglaublich berührender, wunderschöner und faszinierender Roman

Tiger
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„Tiger“ von Polly Clark ist 2020 im Eisele Buchverlag erschienen. Der Roman umfasst in der gebundenen Ausgabe 432 Seiten.

Dieses Buch ist ein tolles und intensiver Zusammenspiel von zunächst drei gänzlich ...

„Tiger“ von Polly Clark ist 2020 im Eisele Buchverlag erschienen. Der Roman umfasst in der gebundenen Ausgabe 432 Seiten.

Dieses Buch ist ein tolles und intensiver Zusammenspiel von zunächst drei gänzlich unterschiedlichen Geschichten. Da wäre zunächst Frieda Bloom zu nennen. Sie ist Primatologin und lebt mit einem heftigen Trauma aufgrund eines schlimmen Überfall. Dieses Trauma entwickelte sich zu einer Morphiumabhängigkeit und sie musste ihre geliebten Arbeitsstelle bei den Bonobo-Affen hinter sich lassen. Ihr neuer Job in einem Zoo lässt sie eine besondere Beziehung zu einem sibirischen Tigerweibchen knüpfen.
Nun schwenkt die Geschichte zu Tomas, der in Russland gemeinsam mit seinem Vater ein Tigerreservat leitet. Die Beziehung von Vater und Sohn ist alles andere als einfach und Tomas steckt mehr in der Rolle eines Untergebenen. Ein weiterer Sprung lässt den Leser zu Edith und ihrer Tochter Sina in die Einsamkeit eines Waldes in Sibirien gelangen. Auch deren Geschichte wird nun sehr eindrücklich erzählt.
Schlussendlich wird die Geschichte der sibirischen Tigers selbst erzählt und damit verknüpft sich dann auch die Geschichte der menschlichen Protagonisten.

Polly Clark gelingt es in ihrem Roman den Leser durch ihren einerseits feinfühligen und ruhigen Schreibstil in den Bann zu ziehen und andererseits schreibt sie sehr hart und krass und nimmt kein Blatt vor den Mund. Ich als Leserin fühlte so ab der ersten Seite sowohl was die Höhen als auch die Tiefen von Frieda und Tomas, Edith und Sina anbelangt mit und konnte mich völlig in die menschlichen Protagonisten hineinversetzen und deren Gefühle und Gedanken nachvollziehen. Genauso ist es Polly Clark auch gelungen, die Taiga vor meinem inneren Auge entstehen zu lassen und sie beschreibt den Naturraum und das Leben des sibirischen Tigers sehr detailliert und genau. Polly Clark schafft es in ihrem Roman dann letztendlich auf sehr spannende und faszinierende Art und Weise die Schicksale von Frieda, Tomas, Sina und dem sibirischen Tiger zusammenzuführen. Ich habe dies sehr genossen.
Als Kritikpunkt muss ich jedoch auch die harten Szenenwechsel zwischen den Geschichten nennen. Oftmals absolut eingetaucht, wurde ich als Leser sehr schroff aus der jeweiligen Geschichte herausgerissen und musste mich erst einmal mit der „neuen“ Umgebung anfreunden – wurde aber dann nach wenigen Seiten wieder sofort in den Bann gezogen.

Fazit: Ein wunderschöner, feinfühliger und faszinierender Roman.
Es war für mich ein Erlebnis, dieses Buch zu lesen und in die Welt von Frieda, Tomas, Sina und dem sibirischen Tiger einzutauchen.
Es hat mich sehr berührt und bereichert und klingt ganz wunderbar in mir nach.

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Veröffentlicht am 16.12.2020

Ein wunderbares, spannendes Abenteuer gewürzt mit ganz viel frischer Bergluft!

Die kleine Dame in den Blauen Bergen (5)
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Familie Bär erwartet Besuch von der Oma, aber leider ist die Lieblingskuh der Oma krank geworden und sie kann nicht kommen. Kurzerhand beschließt Familie Bär stattdessen nun der Oma einen Besuch in den ...

Familie Bär erwartet Besuch von der Oma, aber leider ist die Lieblingskuh der Oma krank geworden und sie kann nicht kommen. Kurzerhand beschließt Familie Bär stattdessen nun der Oma einen Besuch in den blauen Bergen abzustatten. Die kleine Dame kommt auch mit, aber davon wissen nur die Kinder Lilly und Karlchen. Doch allzu lange bleibt dies kein Geheimnis, denn nicht nur die Lieblingskuh der Oma benötigt die Hilfe der kleinen Dame, sondern auch die kleine Dame selbst wird in den blauen Bergen ernsthaft krank. Ob wohl alle wieder gesund werden und wie wird die Oma auf die kleine Dame reagieren? Selberlesen und dabei ein tolles Abenteuer erleben ist angesagt.

Mit ihrem Buch „Die kleine Dame in den blauen Bergen“ ist Stefanie Taschinski ein weiteres wunderbares, lebendiges und sehr lesenswertes Abenteuer gelungen, das im Arena Verlag 2020 erschienen ist und in der gebundenen Ausgabe 200 Seiten umfasst. Wenn ich richtig mitgezählt habe, dann ist es wohl das fünfte Abenteuer mit der kleinen Dame (die Extrabücher nicht mitgerechnet). Es ist geeignet für Kinder ab 8 Jahren zum Selberlesen, kann aber sicherlich auch schon ab 6 Jahren vorgelesen werden. Auf den ersten Blick spricht es sicherlich Mädchen an, es ist in meinen Augen aber auch für Jungs lesenswert.

Stefanie Taschinski gelingt es in einer absolut kindgerechten, klar verständlichen und modernen Sprache ihre Geschichte zu schreiben. Sie schafft es ab der ersten Seite eine Nähe zu ihren Lesern zu erzeugen. So macht das Lesen Spaß und Freude und die Geschichte ist ein richtiges Abenteuer!
Prima gefallen hat uns natürlich wieder die kleine Dame. Wir konnten prima mit ihr mitfühlen, uns mitfreuen und uns mit ihr ängstigen als sie so krank wurde. Aber auch die anderen Charaktere, wie Lilly, Karlchen und die Oma, haben uns begeistert. Chaka, das Chamäleon durfte natürlich auch wieder nicht fehlen. Mit der Oma hatten wir anfangs so unsere Probleme, weil sie so unnahbar und schroff zu ihren Enkeln und auch der kleinen Dame war. Aber sie macht ja eine tolle Entwicklung mit der ganzen Familie Bär und der kleinen Dame durch und am Ende haben auch wir sie ins Herz geschlossen.

Das Cover des Buches ist absolut passend zur Geschichte gestaltet und es gibt einiges darauf zu entdecken. Der Stil der Illustratorin Nina Dulleck ist einfach richtig toll. Er ist modern, witzig, detailliert und einfach frisch. Auch im Inneren des Buches sind so viele bunte Zeichnungen von Nina Dulleck zu finden, die das Gelesene sehr unterstreichen. Meine Tochter und mich hat es total angesprochen.

Und da uns nun so alles gefällt: die Geschichte insgesamt, die Charaktere, das passende Cover und die Illustrationen im Inneren des Buches und natürlich der frische und kindgerechte Schreibstil von Stefanie Taschinski, vergeben wir glatte 5 von 5 Punkten und wir hoffen darauf, das es noch weitere Bände um die kleine Dame, Chaka und Familie Bär geben wird.

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Veröffentlicht am 30.11.2020

Eine herzerwärmende Geschichte um den kleinen Tannenbaum namens Theo von Tanningen und seine liebenswerten Freunde

Theo von Tanningen
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Theo von Tanningen ist ganz aufgeregt, denn es ist wieder so weit: es ist Weihnachtszeit. Er fiebert richtiggehend darauf hin, endlich ein echter Weihnachtsbaum für eine Familie zu werden. Und tatsächlich, ...

Theo von Tanningen ist ganz aufgeregt, denn es ist wieder so weit: es ist Weihnachtszeit. Er fiebert richtiggehend darauf hin, endlich ein echter Weihnachtsbaum für eine Familie zu werden. Und tatsächlich, Förster Tobias befestigt an seiner Spitze das heißersehnte rote Bändchen. Seine besten Freunde Igel Luis, Wildschwein Gundula und Eichhörnchen Millie staunen nicht schlecht und sind selbst ganz aufgeregt. Zum Glück haben sie einander und halten immer fest zusammen, denn bis zum 24. Dezember sind es noch einige Tage und da kann noch so allerhand passieren. Schließlich gilt es noch eine Geburtstagsfeier vorzubereiten, den miesepetrigen Horst vom Forst in Weihnachtsstimmung zu versetzen, den ersten Schnee zu genießen, dem Igel Luis unter die Arme zu greifen und vieles mehr.

Mit ihrem Buch „Theo von Tanningen: Ein Weihnachtsbaum mit Lampenfieber“ ist Katharina Mauder ein so lesenswertes Abenteuer gelungen, das ganz viel weihnachtliche Stimmung verbreitet. Es ist im Esslinger Verlag erschienen und umfasst 112 Seiten, die sich auf neun kleine Kapitel verteilen.
Das Buch ist in einer kindgerechten, witzigen und alltäglichen Sprache geschrieben. Ein Element, das eine direkte Nähe zu den jungen Lesern erzeugt. Die vorkommenden Figuren sind alle sehr sympathisch, sogar den alten und oftmals schlechtgelaunten Horst vom Forst schließt man dann doch schnell ins Herz, als man seine Geschichte genauer kennen lernt.
Kinder können sich sehr gut mit den Figuren identifizieren. Wir haben richtig mitgefiebert, haben oftmals laut gelacht, uns mitgefreut und sind selbst in eine schöne weihnachtliche Stimmung versetzt worden.
Passend zur Geschichte sind viele schöne Zeichnungen von Illustrator Horst Hellmeier zu finden, welche das Waldabenteuer zur Weihnachtszeit wunderbar ergänzen und unterstreichen.

Fazit: Wir sprechen eine absolute Leseempfehlung aus für Jungen und Mädchen ab 5 Jahren.
Meine beiden Kinder haben dieses Buch „verschlungen“ und mir als Mama hat es ebenfalls richtig gut gefallen.

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Veröffentlicht am 13.10.2020

Schonungslos, ehrlich, schockierend, berührend

Wie ich verschwand
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„Wie ich verschwand: Mein Weg aus der Magersucht“ von Laura Jungk ist im August 2020 im Ullstein Verlag erschienen und umfasst in der Taschenbuchausgabe 432 Seiten.
Die Autorin schildert hier ihre persönliche ...

„Wie ich verschwand: Mein Weg aus der Magersucht“ von Laura Jungk ist im August 2020 im Ullstein Verlag erschienen und umfasst in der Taschenbuchausgabe 432 Seiten.
Die Autorin schildert hier ihre persönliche Geschichte um das Thema der Magersucht. Bereits mit 13 Jahren begann diese Essstörung. Laura Jungk wog an ihrem Tiefpunkt lediglich 39 Kilogramm, litt an Depressionen und Zwängen, verletzte sich selbst und ihr Umfeld musste mehr oder weniger ohnmächtig zusehen. Nach der langen Abwärtsspirale fand Laura dann wieder den Mut, sich auf einen sehr steinigen Weg nach oben zu begeben und das Schöne in der Welt zu entdecken.

Laura Jungk gelingt es in ihrem Roman den Leser durch ihren ehrlichen, flüssig zu lesenden und ruhigen Schreibstil in den Bann zu ziehen. Sie hat mich ab der ersten Seite sehr berührt. Laura Jungk erzählt ihre Geschichte mit all ihren Höhen und Tiefen und verheimlicht nichts. Sie lässt den Leser in ihre Gedanken und ihr Leben, das so sehr von der Magersucht beherrscht wird, eintauchen und schafft in meinen Augen so ein gewisses Verständnis für die Krankheit. Sie sensibilisiert mit ihrer persönlichen Geschichte und ruft auf, hinzusehen, zuzuhören und nicht aufzugeben. Am Ende des Buches gibt sie wertvolle Ratschläge für Betroffene, gibt Beratungsadressen und weitere Hintergründe für die Krankheit an.
Ich bewundere ihren persönlichen Kampf, ihren Mut und ihre Kraft und hoffe sehr, dass sie weiterhin ihren Weg gehen wird.

Fazit: Mich hat diese sehr persönliche Erzählung unwahrscheinlich beeindruckt und dies von der ersten Seite an. Die Gedanken und Ausführungen von Laura Jungk haben mich gepackt und machen den Roman so ehrlich und fesselnd.
Ich spreche eine absolute Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 04.10.2020

Eine berührende, ehrliche und eindringliche Hommage an einen Vater

Sterben im Sommer
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Mit ihrem Buch „Sterben im Sommer“, das 2020 im S.Fischer Verlag erschienen ist und in der gebundenen Ausgabe 240 Seiten umfasst, ist Zsuzsa Bánk eine feinfühlige und ehrliche, auf ihren Erinnerungen beruhende ...

Mit ihrem Buch „Sterben im Sommer“, das 2020 im S.Fischer Verlag erschienen ist und in der gebundenen Ausgabe 240 Seiten umfasst, ist Zsuzsa Bánk eine feinfühlige und ehrliche, auf ihren Erinnerungen beruhende Hommage an ihren Vater gelungen.

Die Autorin Zsuzsa Bánk erzählt als Ich-Erzählerin von ihrem Vater, der aufgrund einer Krebserkrankung im Sommer 2018 stirbt. Der Vater möchte ein letztes Mal einen Sommer in Ungarn am Balaton verbringen, jedoch geht es ihm dort kurz nach der Ankunft schlechter als erhofft. Es beginnt eine Odyssee durch viele Krankenhäuser, bevor er letzlich in einem solchen verstirbt. Die Autorin berichtet von ihrer Zeit am Krankenbett, von ihren Hoffnungen, Ängsten, dem Verdrängen der Wahrheit, ihrer großen Liebe zu ihrem Vater, ihren Erinnerungen, all ihren Emotionen und vielem mehr. Sie lässt den Leser teilhaben an ihrem Trauerprozess, an der Organisation der Trauerfeier und an der Zeit im ersten Jahr nach dem Tod, aber eben auch am Leben ihres geliebten Vaters.

Zsuzsa Bánk gelingt es in ihrem Buch den Leser durch ihren poetischen, feinfühligen und dabei so schonungslos ehrlichen und offenen Schreibstil in den Bann zu ziehen und, wie in meinem Fall, ihn mitten ins Herz zu treffen. Ich fühlte ab der ersten Seite mit und konnte mich gut in die Ich-Erzählerin hineinversetzen und deren Gefühle und Gedanken nachvollziehen und teilen.
Zsuzska Bánk setzt sich so ehrlich mit der Frage auseinander, was denn mit uns Menschen passiert, wenn ein geliebter Mensch stirbt, welche Prozesse wir hier durchlaufen, welche Gedanken dabei aufkommen, welche Hoffnungen und Ängste wir haben, die „Wahrheit“ verändern wollen oder verdrängen und mit welcher Heftigkeit die Traurigkeit und Verzweiflung ausbricht und sich der Dankbarkeit „unterordnet“.

Fazit: Ein sprachlich wunderbarer, authentischer, feinfühliger und sehr lesenswerter Roman, der nicht nur an der Oberfläche bleibt. Man merkt dem Buch an, dass es mit ganz viel Herzblut verfasst worden ist.
Es war für mich ein wirkliches Erlebnis, dieses Buch zu lesen.

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