Profilbild von Hyperventilea

Hyperventilea

Lesejury Star
offline

Hyperventilea ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Hyperventilea über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2020

Schön aufgemachtes Vorlesebuch mit ganz unterschiedlichen phantasievollen, aber auch mitunter etwas seltsamen Geschichten

Flo, der Flummi und das Schnack
0

Viele namhafte Autoren wie Juli Zeh, Alina Bronsky, Amelie Fried oder Paul Maar haben für das Magazin Nido besondere Vorlesegeschichten erfunden, die nun in „Flo, der Flummi und das Schnack“ gesammelt ...

Viele namhafte Autoren wie Juli Zeh, Alina Bronsky, Amelie Fried oder Paul Maar haben für das Magazin Nido besondere Vorlesegeschichten erfunden, die nun in „Flo, der Flummi und das Schnack“ gesammelt erschienen sind. Da finden Kinder einander über ihre Spracheigenarten, Aufkleber oder gar Wollmäuse werden lebendig, Hasenkinder entdecken die Welt oder merkwürdige Wesen aus Automaten versuchen Kindern hinterhältige Lügen einzureden. Die Geschichten sind allesamt sehr ungewöhnlich und unkonventionell.

Besonders hervor sticht die sehr gelungene Aufmachung des Buches. Jeder Geschichte ist eine bunte Illustration von Martina Liebig vorangestellt, die die Geschichte in einem Bild erzählt. Die Bilder wirken oft „retro“, sind in verschiedenen Stilrichtungen gestaltet. Einige erinnern an die 20er Jahre, andere machen einen deutlich moderneren Eindruck. Auf alle Fälle sind die besonderen Bilder der Künstlerin sehr abwechslungsreich und spannend anzuschauen.

Vor jeder Geschichte finden sich zudem hilfreiche Angaben, wie lange die Vorlesezeit ungefähr dauert und für welches Alter die Geschichte empfohlen wird (angegebenes Alter von drei bis neun Jahren).

Was der Titelzusatz „für Kinder und Eltern, die sich nicht langweilen möchten“ verspricht, hält er ein: Langeweile kommt nicht auf. Einige Geschichten haben uns wirklich gut gefallen. Die Vorstellung beispielsweise, dass Schmetterlinge trösten können, indem sie Tränen trinken fand ich wunderschön. Auch über Paul Maars goldene Schildkröte Roswitha mit den geheimnisvollen Worten auf ihrem Panzer mussten wir sehr schmunzeln. Allerdings gab es auch einige Geschichten, mit denen meine Kinder und ich wenig anfangen konnten, ungewöhnliche Geschichten zweifelsohne, aber auch ganz schön merkwürdige und abstruse, die uns nicht überzeugen konnten und uns etwas ratlos zurückließen.
Insgesamt ein äußerlich besonders schön aufgemachtes Geschichtenbuch mit tollen Bildern und originellen Geschichten von ganz unterschiedlicher Qualität. Ein buntes Potpourri, bei dem sicherlich für jeden Geschmack etwas dabei sein dürfte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.12.2020

Turbulente, witzige und kurzweilige Liebeskomödie mit kleinen Schwächen im Handlungsverlauf

Auf Wolke Sieben sitzen auch nur Frösche
0

Für Ylvi läuft es aktuell nicht ganz so optimal. Sie ist schon ganz lange heimlich in ihren Mitbewohner und besten Freund Tom verliebt. Als sie sich ihm gerade offenbaren möchte, präsentiert ihr Tom überraschend ...

Für Ylvi läuft es aktuell nicht ganz so optimal. Sie ist schon ganz lange heimlich in ihren Mitbewohner und besten Freund Tom verliebt. Als sie sich ihm gerade offenbaren möchte, präsentiert ihr Tom überraschend seine neue, überaus unsympathische Freundin, die sich ohne Rücksicht sofort in der gemeinsamen Wohnung breit macht. Und auch sonst tritt Ylvi einfach zu oft in Fettnäpfchen. Ob sie das Blatt für sie wendet und sie doch noch ihr Glück findet?

Autorin Britt Gerken schreibt flüssig und locker-leicht in Ich-Form aus Ylvies Sicht. Die herrlich witzigen trockenen Formulierungen nahmen mich sofort für Ylvi und ihre Geschichte ein.

Sympathisch ist sie ohne Zweifel, die Ylvi. Sie liebt Tortenbacken, gutes Essen, ihre Schildkröte Kalle, ihre Oma und Tom. Mit ihrem Job in der Pharmabranche und ihrem Gewicht hat sie hingegen zu kämpfen. Eigentlich will Ylvi nur glücklich sein, doch dummerweise steht ihr dabei immer wieder das Leben im Weg und so stolpert sie von einer peinlichen Situation in die nächste. Manchmal war mir das ein bisschen zu viel an Unbeholfenheit. Mit Ylvi habe ich sehr gezittert, aber des öfteren spürte ich auch den inneren Drang, sie ob ihrer Naivität und ihrer blinden Gutgläubigkeit einfach nur durchschütteln zu wollen.
Die anderen Charaktere wirken in Relation zu der übermächtigen, omnipräsenten Ylvi ein wenig blass. Lediglich Peter mit seiner direkten, sehr speziellen Art hat großen Unterhaltungswert.

Kurzweilig und schnell zu lesen ist „Auf Wolke sieben sitzen auch nur Frösche“ auf alle Fälle. Das Buch erinnert ein wenig an Petra Hülsmanns Romane. Auch Ylvie zieht es nach Hamburg, auch Peter spricht wie Hülsmanns Taxifahrer Knut Hamburger Dialekt, gerade wie ihm der Schnabel gewachsen ist und zeigt auch sonst Parallelen zu der Figur Kurt. Die Handlung um Ylvie hat für mich allerdings Schwächen, manche Entwicklungen passieren einfach zu überhastet, Gefühle ändern sich quasi im Minutentakt, das wirkt mitunter ein wenig holprig und nicht ganz stimmig. Auch das für mich übertriebene, zu bemühte Ende konnte mich nicht hundertprozentig überzeugen. Trotz der Schwächen aber ein netter, leichter, oft wirklich witziger Roman, der für schnelle Ablenkung sorgt, eine kleine Gute-Laune-Dosis für alltagsgeplagte Leserinnen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.12.2020

Lachen verschenken und dabei Gutes tun: Da lässt sich über kleine Mängel hinwegsehen

Gans Ernst von Jimmy Kimmel
0

Viel Spaß hat Gans Ernst nicht, er geht gans ernst durchs Leben. Zum ausgelassenen Gackern bringen ihn weder Hühner, noch Verkleidungen oder exquisite Hochgenüsse. Natürlich mag man das als Leser nicht ...

Viel Spaß hat Gans Ernst nicht, er geht gans ernst durchs Leben. Zum ausgelassenen Gackern bringen ihn weder Hühner, noch Verkleidungen oder exquisite Hochgenüsse. Natürlich mag man das als Leser nicht so recht glauben. Irgendeine besonders witzige Gesichtsakrobatik muss es doch geben, die dem Grummel ein Lächeln ins griesgrämige Gesicht zaubert. Na dann versucht es halt! Schneidet die besten Grimassen, die Euch einfallen und bewundert sie im Spiegel! Vielleicht heißt es am Ende tatsächlich für Euch „Ente gut- alles gut“ und das humorlose Vieh lacht endlich....Probiert’s aus!

Der Text ist kindgemäß, witzig und gut verständlich geschrieben. Ronja von Rönne hat Jimmy Kimmels Bilderbuch ins Deutsche übersetzt. Der Autor wendet sich direkt an den Leser, spricht ihn persönlich mit Du an und fordert ihn auf, Gans Ernst zum Lachen zu bringen. Auf jeder Seite finden sich oft nur wenige Wörter, kurze Sätze überwiegend in Versalien und meist groß gedruckt.
Die Gans, einfach und klar in schwarz, weiß und orange gezeichnet taucht auf fast jeder Seite auf, meist grimmig die Augenbrauen verzogen. Besonders liebevoll, detailliert und gefällig sind die simplen, comicartigen Zeichnungen nicht, dafür aber sehr ausdrucksstark. Das Buch ist im
DIN A4 Format und eignet sich für Kinder ab drei Jahren zum Vorlesen.

Wer kennt sie nicht, humorlose Personen, die zum Lachen in den Keller gehen? Gans Ernst ist ein besonderes Exemplar dieser Spezies. Da muss man sich als Leser schon extrem anstrengen, um ihn aus der Reserve zu locken. Ob er doch irgendwo ein winziges Lächeln verborgen hat?

Hinter Gans Ernst steckt eine sehr originelle, witzige Idee. Kinder sollen ruhig nach Herzenslust albern sein dürfen, um andere zum Lachen zu bringen. Ein tolles Extra auch der Spiegel im Buch, in dem die Kinder ihre Grimassen garantiert mit Spaß betrachten werden. Zusätzlich enthält das Buch hinten ein großes Wendeposter von Gans Ernst zum Herausnehmen. Außerdem findet sich vorne eine Internetadressangabe zum Download eines Malbuchs. Eine wirklich tolle Sache auch, dass alle Einnahmen des Buchs in Kinderkrankenhäuser fließen. Positiv ist mir zudem aufgefallen, dass der Verlag aus ökologischen Gründen auf Einschweißfolie verzichtet.
In bestimmter Hinsicht liefert mir das Buch allerdings zu wenig, die Zeichnungen wirken stellenweise doch recht lieblos, nach mehrmaligem Lesen haben meine Kinder den Spaß an der Geschichte etwas verloren, der Text ist ziemlich kurz. 24,90 Euro ist für das, was geboten wird, ein recht stolzer Preis.
Insgesamt trotzdem ein sinnvolles Geschenk, schließlich tut man mit dem Kauf etwas Gutes und Lachen zu verschenken ist ja auch keine schlechte Idee.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.11.2020

Asterix als Bildergeschichte: für Kinder als Einstieg geeignet, für Kenner gewöhnungsbedürftig

Asterix - Der Goldene Hinkelstein
0

Troubadix hat es satt, er möchte endlich alle Kritiker seiner einzigartigen Sangeskunst mundtot machen und beweisen, dass er der beste Barde weit und breit ist. Deshalb hofft er, den gallischen Bardenwettstreit ...

Troubadix hat es satt, er möchte endlich alle Kritiker seiner einzigartigen Sangeskunst mundtot machen und beweisen, dass er der beste Barde weit und breit ist. Deshalb hofft er, den gallischen Bardenwettstreit für sich zu entscheiden und den Siegerpreis, den goldenen Hinkelstein, zu erringen. Asterix und Obelix begleiten den Sänger, um ihn vor Prügel zu bewahren. Doch als sich die Römer einmischen, kommt alles doch ein bisschen anders als erwartet....

Kein Comic, eine Bildergeschichte ist dieser Asterixband, der eigentlich schon 1967 in Frankreich als Schallplattenbuch erschien und nun erstmals auf Deutsch erhältlich ist. Viel weniger, dafür größere detaillierte, typische, schöne Bilder und eine deutlich kürzere Geschichte als sonst.
Der Text ist wie ein Drehbuch formuliert, es geht nur darum, was die Figuren sagen, zum Vorlesen ist das recht eintönig und eher weniger geeignet.
Daran muss man sich als Asterixkenner natürlich erstmal gewöhnen. Ein etwas anderes Leseerlebnis: Gewohnter Humor, gewohnte Anspielungen, gewohnte Figuren, gewohnt witziges originelles Ende, aber trotzdem anders. Die Geschichte ist ein wenig dünn, kurz und einfach, durch die fehlenden vielen kleinen Bilder und Sprechblasen nicht richtig dynamisch. Bevor die Handlung richtig anfängt, ist sie auch schon wieder vorbei. Schön, dass es möglich ist, den ungewöhnlichen Band nun auch auf Deutsch lesen zu können, trotzdem hoffe ich, dass Asterix und Co weiterhin in Comics ihr Unwesen treiben und dieser Band eine Ausnahme bleibt.

Für meine Kinder war es der erste Band der Serie. Sie haben sich das Buch angeschaut und gleichzeitig das im Internet erhältliche Hörbuch dazu gehört. Diese Kombination funktioniert prima und hat auch meinen Kinder gut gefallen. Für Neueinsteiger und Kinder ab fünf, sechs Jahren eine gute Einführung in die Welt von Asterix, für Fans eher ein kurzer Zwischenstopp, ein kleiner Teil ihrer Sammlung, aber vermutlich kein Highlight.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.10.2020

Unterhaltsamer, aber etwas derber und gewöhnungsbedürftiger historischer Roman

Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis
0

München 1900: Colina arbeitet hart als Kellnerin in einer Gastwirtschaft. Immer wieder werden männliche Gäste zudringlich. Davon hat die junge Frau genug und versucht deshalb, eine neue Arbeit zu finden. ...

München 1900: Colina arbeitet hart als Kellnerin in einer Gastwirtschaft. Immer wieder werden männliche Gäste zudringlich. Davon hat die junge Frau genug und versucht deshalb, eine neue Arbeit zu finden. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen bewirbt sie sich beim reichen Brauer Prank, der neu in München ist, als Gouvernante für dessen Tochter Clara und erhält tatsächlich die Stellung. Doch auch Clara hat einen eigenen Kopf und lässt sich nicht bevormunden, was beide Frauen ziemlich in die Bredouille bringt. Das Oktoberfest wird nicht nur für Clara und Colina recht turbulent, auch für die Polizei, Kriminalinspektor Eder und seinen neuen Assistenten Oberwachtmeister Lorenz Aulehner gibt es einiges zu tun...

Petra Grill schreibt einfach und gut verständlich, trotzdem empfand ich ihren Atmosphäre schaffenden Schreibstil als etwas grob, sperrig und gewöhnungsbedürftig. Lesefluss wollte sich bei mir zunächst nicht einstellen.

Auf dem Oktoberfest 1900 tummeln sich allerhand verschiedene Charaktere, allen voran die 31-jährige Colina mit ihrem Geheimnis, die sich für sich selbst ein besseres Leben erhofft als das eines Schankmädchens. Mit Leidenschaft, Engagement und nicht immer ganz ehrlichen und lauteren Mitteln versucht die junge, talentierte Frau ihr Ziel zu erreichen. Mit ihr fieberte ich als Leserin sofort mit. Ebenso sympathisch ist mir auch der Kriminaler Lorenz Aulehner. Ganz im Gegensatz dazu die verschiedenen Brauer und Gastwirte rund ums Oktoberfest, einige davon wirken ganz schön befremdlich, dubios und nicht vertrauenswürdig. Da stehen Intrigen an der Tagesordnung, schließlich geht es immer ums Geschäft und Schanklizenzen.
Schade, dass es am Anfang keine Auflistung der handelnden Figuren gibt. Diese wäre bei den vielen verschiedenen Charakteren doch recht hilfreich gewesen, um die Übersicht zu behalten.

Petra Grill vermittelt in ihrem Roman eine besondere Stimmung: das Oktoberfest als Schlangengrube, in der kein Wirt dem anderen etwas gönnt und auch vor Mord nicht zurückgeschreckt wird. Es herrscht ein grober, rauer Umgangston.
Auch eindrucksvoll die Darstellung des Schwabinger Künstlerviertels mit seinen bunten Persönlichkeiten, Künstlern, Schickeria, Journalisten....
Trotz des ungewöhnlichen, interessanten, besonderen Settings wollte bei der Lektüre für mich zunächst keine rechte Spannung aufkommen, der Funke sprang nicht über. Erst zum Schluss wurde ich von der sich steigernden Geschichte und Colinas Schicksal mitgerissen. Insgesamt eine durchaus unterhaltsame, interessante, aber oft derbe und gewöhnungsbedürftige atmosphärische Geschichte mit Längen, die hinter die Kulissen des historischen, weltberühmten Oktoberfests blicken lässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere