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Veröffentlicht am 06.03.2021

tolles Bild der Zeit

Unter ihren Augen
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Hannover in den zwanziger und dreißiger Jahren. Tanz und Gymnastikschulen erleben eine Hochkonjunktur. Berta Habenicht ist Leiterin einer solchen Schule und Lieselotte Daube ihre Schülerin. Lotte verliebt ...

Hannover in den zwanziger und dreißiger Jahren. Tanz und Gymnastikschulen erleben eine Hochkonjunktur. Berta Habenicht ist Leiterin einer solchen Schule und Lieselotte Daube ihre Schülerin. Lotte verliebt sich in Berta und daraus entsteht ein Drama, das beide ein Leben lang begleiten wird.
Wir begleiten die beiden bis in die dreißiger Jahre. Lotte baut sich selbst eine Tanzschule auf und tritt so in Konkurrenz zu Berta. Immer wieder geraten die beiden aneinander, bis eine die andere fast vollständig ruiniert. Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit, die Autorin hat hier eine Geschichte aufgegriffen die sich, man muss sagen leider, tatsächlich so zugetragen hat. Da sieht man wieder einmal was aus verletzten Gefühlen für Unheil entstehen kann.

An sich hat mir das Buch gut gefallen, es besticht durch eine wunderbare, poetische Sprache. Schwierig fand ich nur, dass ich mich mit den beiden Hauptpersonen Berta und Lotte so schwergetan habe. Beide hätte ich schütteln mögen für ihre Ich-Bezogenheit und ihre Sturheit. Das hat mir in der Mitte das Buch etwas verleidet. Gegen Ende zog dann aber das Erzähltempo noch einmal ordentlich an und so habe ich es nicht bereut, durchgehalten zu haben.

Mir haben vor allem einige Nebenpersonen und deren Entwicklung sehr gut gefallen, da war teilweise mehr Flexibilität im Wesen zu erkennen als bei den beiden Hauptdarstellerinnen.
Alles in allem war es ein schönes Buch, das vor allem auch die lesbische Gesellschaft im Hannover des letzten Jahrhunderts beleuchtet. Es ist schon erstaunlich, welchen Unterschied es damals ausgemacht hat, ob man in Berlin oder in einer der kleineren Großstädte Deutschlands lebte.

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Veröffentlicht am 04.03.2021

kurze Auszeit

Ein Stadtmensch im Wald
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Ein Schriftsteller verbringt seine Zeit während des ersten Lockdowns in der Datsche seiner Freundin im Ruppiner Wald. Zuerst noch irritiert von den ihm unbekannten Geräuschen der Natur, lernt er nach und ...

Ein Schriftsteller verbringt seine Zeit während des ersten Lockdowns in der Datsche seiner Freundin im Ruppiner Wald. Zuerst noch irritiert von den ihm unbekannten Geräuschen der Natur, lernt er nach und nach die Vögel, die er füttert kennen. Er beobachtet ein Reh, freundet sich mit einem Waschbär und einem Igel an.

Das Buch liest sich gut und flott. An sich hat es mir gut gefallen, nur gegen Ende wurde es mir etwas zu abgedreht. Die Illustrationen im Buch sind sehr schön und detailliert, sie haben mir ausgesprochen gut gefallen.

Von daher würde ich durchaus eine Leseempfehlung vergeben.

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Veröffentlicht am 29.01.2021

Ein Buch über eine sehr interessante Frau

Madame Curie und die Kraft zu träumen (Ikonen ihrer Zeit 1)
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Madame Curie ist am Vorabend der Hochzeit ihrer ältesten Tochter auf dem Friedhof in Sceaux um Zwiesprache mit ihrem verstorbenen Mann Pierre zu halten. Auf dem Friedhof trifft sie auf eine ehemalige Studentin, ...

Madame Curie ist am Vorabend der Hochzeit ihrer ältesten Tochter auf dem Friedhof in Sceaux um Zwiesprache mit ihrem verstorbenen Mann Pierre zu halten. Auf dem Friedhof trifft sie auf eine ehemalige Studentin, die sie bewundert und darum bittet ihr doch aus ihrem Leben zu erzählen.

So startet das Buch, das Marie Curies Lebensweg bis zum Tod ihres Mannes begleitet. Die Episoden aus dem Jahr 1926 verbinden dabei die Erzählungen aus Marie Sklodowskas Jugendzeit und ihren ersten Jahren in Paris.


An sich liest sich das Buch sehr gut, ich habe mich mit der Schreibweise sofort wohlgefühlt und mit Interesse die Jugendjahre von Marie Curie verfolgt. Die letzte Lektüre von Eve Curies Buch über ihre Mutter liegt mittlerweile auch lang genug zurück, als dass es für mich nichts gab, was ich schon so gut kannte, dass ich es als langweilig empfunden hätte.

Von daher ein schönes Buch über eine wirklich interessante Frau.


Allerdings hatte ich mit dem Aufbau des Buches ein wenig meine Probleme. In das Bild, das ich bereits von Marie Curie hatte, passte dieses spontane Erzählen der eigenen Lebensgeschichte gegenüber ihr fremden Personen überhaupt nicht. Sogar in diesem Buch wird Marie als eher kühl wirkende Person geschildert, die nicht viele Menschen an sich heranlässt. Für mich war diese Konstruktion daher nicht wirklich glaubwürdig.

Da dies aber der eigentlichen Geschichte nur einen Rahmen gegeben hat, kann ich es noch verzeihen, dieser Widerspruch machte nur einen Bruchteil der Geschichte aus.


Wer hier eine Biographie erwartet wird vermutlich enttäuscht werden. Die eigentliche Zeit ihrer Forschungen und Entdeckungen spielen zwar eine Rolle, bieten aber nur den Hintergrund zu ihrer persönlichen Geschichte. Die Zeit nach Pierres Tod wird nur in Bruchstücken erwähnt.

Alles in allem war es ein unterhaltsames Buch, das als Einstieg in das Leben Marie Curies sicher geeignet ist. Wer mehr über sie wissen möchte, dem sei die Biographie ihrer Tochter Eve Curie empfohlen (Madame Curie: Eine Biographie, erschienen im Fischer Verlag, ISBN: 978-3596222438)

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Veröffentlicht am 22.12.2020

Whodunit

Das Geheimnis von Dower House
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Fergusson O’Brien bekommt Morddrohungen, will aber keinen Polizeischutz. Daher wird der Neffe des Superintendents Londons, Nigel Strangeways, der als Privatdetektiv arbeitet, gebeten, doch ein Auge auf ...

Fergusson O’Brien bekommt Morddrohungen, will aber keinen Polizeischutz. Daher wird der Neffe des Superintendents Londons, Nigel Strangeways, der als Privatdetektiv arbeitet, gebeten, doch ein Auge auf die Weihnachtsgesellschaft zu haben. Doch trotzdem wird der Gastgeber, wie in den Drohungen beschrieben, am zweiten Weihnachtstag tot aufgefunden. Nun ist es an Nigel, den Mörder ausfindig zu machen.

Was dem Leser in diesem Buch geboten wird, ist ein englischer Krimi erster Klasse. Das Setting lässt doch sehr an Agatha Christie denken. So treffen wir auf eine geschlossene Gesellschaft und einen Privatdetektiv, der anhand weniger Anhaltspunkte herausfinden muss, was denn nun geschehen ist und vor allem warum.

Das Buch lies sich gut lesen, allerdings merkt man doch recht schnell, dass die Gesellschaft zur Upper Class Englands gehört. Da wird mit Anspielungen auf klassische, englische Literatur nicht gespart und sowohl lateinische als auch französische Redewendungen genutzt. Allerdings werden diese am Ende auch noch in einem Glossar erklärt. Alles in allem merkt man die klassische Borniertheit des englischen Landadels und derer, die sich ihnen ebenbürtig fühlen.

Die Handlung war durchaus verwirrend, als Leser folgt man Nigels Schlussfolgerungen, der diese aber gerne immer mal wieder über den Haufen wirft. Man muss der Handlung schon sehr aufmerksam folgen, um am Ende die ganze Geschichte zu verstehen. Von daher ist es nichts zum eben mal nebenher konsumieren.

Wer also Spaß an klassischen, englischen Whodunits hat wird an diesem Buch sicher sein Vergnügen haben.

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Veröffentlicht am 20.12.2020

Rosina ist wieder da

Im schwarzen Wasser
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In der Gerberei an der kleinen Alster wird ein Unbekannter in einer der Lohegruben gefunden. Nach und nach stellt sich heraus, wer da ums Leben gekommen ist, allerdings löst das noch nicht das Rätsel warum ...

In der Gerberei an der kleinen Alster wird ein Unbekannter in einer der Lohegruben gefunden. Nach und nach stellt sich heraus, wer da ums Leben gekommen ist, allerdings löst das noch nicht das Rätsel warum er sterben musste. Die Ermittlungen treten lange auf der Stelle, und erst das Verschwinden der Leichenfrau der Stadt gibt weitere Hinweise.
Nach langer Zeit gibt es wieder einen Rosina Roman aus der Feder von Petra Oelker. ALs ich das hörte war ich sehr begeistert, habe ich diese Reihe doch immer gerne gelesen. Am Ende des Buches war ich ein wenig hin und her gerissen. Einerseits passt Das Buch gut in die Reihe. Der Schreibstil ist einfach toll, man hatte das Hamburg aus dem Frühjahr 1774 direkt vor Augen. Andererseits fehlte es mir ein wenig an Handlung. Lange Zeit passiert gefühlt fast nichts, was die Ermittlungen betrifft. Dafür wird jeder neue Handlungsort und jede Person ganz genau beschrieben. Erst gegen Ende nimmt die Handlung dann an Fahrt auf und das Ende war mir schon fast zu kurz abgehandelt.
Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen, die Beschreibungen Hamburgs waren wirklich schön.
Von mir gibt es durchaus eine Leseempfehlung, auch wenn ich mir mehr Krimi gewünscht hätte

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