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Veröffentlicht am 02.01.2021

Love and Crime im wunderschönen Montana

Dangerous Hearts – Mit dir im stärksten Sturm
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Faith Lankford sorgt als Polizistin für Recht und Ordnung in der Kleinstadt Kalispell, nicht weit entfernt vom Glacier National Park. In ihrer Freizeit hilft sie ihrem Cousin Mato auf dessen Ranch, wo ...

Faith Lankford sorgt als Polizistin für Recht und Ordnung in der Kleinstadt Kalispell, nicht weit entfernt vom Glacier National Park. In ihrer Freizeit hilft sie ihrem Cousin Mato auf dessen Ranch, wo auch Kinder und Jugendliche aus dem nahen Indianerreservat im Rahmen eines sozialen Projektes mithelfen. Faith, selbst halb indigen, hat einen guten Zugang zu den Jugendlichen, die oftmals aus Problemfamilien stammen und mit ihrem Leben überfordert sind. Eines Tages hält Faith auf einer ihrer Streiffahrten einen Motorradfahrer an, der die Geschwindigkeitsgrenze bei weitem übertreten hat: Sheldon Farley ist Model und nicht auf den Mund gefallen, doch sein Charme blitzt an der taffen Polizistin ab – jedoch nur oberflächlich, denn Faith kann seine Anziehungskraft nicht leugnen. Auch Sheldon ist beeindruckt und verbringt seinen Urlaub in Kalispell, um Faith näher zu kommen. Gerade als dies zu gelingen scheint verschwinden auffällig viele Mädchen aus dem Indianerreservat spurlos – angeblich wollten sie sich mit einem Modelscout treffen, um reich und berühmt zu werden. Da Sheldon der einzige Fremde der Stadt ist und zudem Kontakte in die Modelbranche pflegt gerät er schnell in Verdacht – und Faith in ein Auf- und Ab der Gefühle…

„Dangerous Hearts – Mit dir im stärksten Sturm“ ist der dritte Teil der „Dangerous Hearts“-Reihe der Autorin Romina Gold, der aber komplett unabhängig von den ersten beiden Teilen lesbar und verständlich ist. Wer Band 2 kennt wird sich aber über ein kurzes Wiedersehen mit dessen Protagnisten freuen! Das Cover versprüht direkt ein Prickeln, da das abgebildete Paar authentisch und leidenschaftlich dargestellt wird. Besonders gelungen ist auch hier wieder die Zweiteilung durch den fließenden Übergang des Paares in eine wunderschöne Naturlandschaft, welche sicherlich den im Buch mehrfach beschriebenen Flathead Lake in der Nähe des Glacier National Parcs in Montana darstellt. Durch die Blitze über der Szene erhält es zudem etwas Bedrohliches und verdeutlicht, dass den Leser neben einer aufregenden Liebesgeschichte auch noch spannende Action erwartet.

Das Buch beginnt direkt spannend mit einem geheimnisvollen Prolog, den man als Leser zunächst noch gar nicht einschätzen kann, der mich aber sofort emotional gepackt und neugierig gemacht hat. Im Anschluss lernt man die Protagonisten Sheldon – dem Leser des zweiten Bandes bereits als sympathische Nebenfigur begegnet sind – und Faith kennen. Die erste Begegnung der beiden war sowohl amüsant, als auch realistisch dargestellt. Ein leises Knistern ist bereits zu spüren, auch wenn beide noch professionell in ihren Rollen bleiben. Sheldon mochte ich schon im letzten Buch sehr gerne, in dem ja bereits deutlich wurde, dass hinter seiner hübschen Schale auch ein ehrlicher und anständiger Kerl steckt. Schön, dass quasi nebenbei dargestellt wurde, dass es falsch ist Menschen nur nach ihrem Äußeren zu beurteilen. Faith ist ein toller Charakter, der mir sofort sympathisch war. Was für eine taffe, gutherzige Persönlichkeit! Ich mag es sehr, dass eine Polizistin diesmal in die Rolle der weiblichen Protagonistin schlüpft und verdeutlicht wird, wie wichtig dieser Beruf ist. Dass sie sich neben dem Job sozial engagiert ist und selbst zur Hälfte indigenen Ursprungs ist passt gut und macht ihre Person zusätzlich interessant. Im Job kann sie knallhart sein, hat ihr Herz aber absolut am rechten Fleck. Schade, dass sie sich aufgrund der Achterbahn ihrer Gefühle während der Geschichte teilweise etwas inkonsequent und unprofessionell verhalten hat, das passt meiner Meinung nach nicht unbedingt zu dem Bild, dass der Leser von ihr erhalten soll, ist angesichts der Verwicklungen aber nachvollziehbar. Gemeinsam geben Faith und Sheldon ein tolles Paar ab, sie ergänzen sich gut und ich habe sowohl die amüsanten Dialoge und intelligenten Schlagabtausche zwischen ihnen, als auch die emotional-berührenden Momente genossen.

Insgesamt ist das Buch eine super Mischung aus sich langsam entwickelnder Lovestory und einem spannenden Kriminalfall für Polizistin Faith. Als Leser ist man permanent neugierig und rätselt mit, wer hinter den verschwundenen Mädchen stecken könnte. Dabei gelingt es Romina Gold trotz anfänglichem Verdacht noch, mich auf eine falsche Fährte zu führen. Am Ende wird es noch einmal richtig dramatisch und die Spannung steigt immer weiter an. Auch privat erlebt man Faiths Zwiespalt und Unsicherheit authentisch mit und leidet mit ihr. Ganz am Ende war es mir persönlich ein bisschen zu viel perfektes Happy End und somit leicht unrealistisch, aber das tut dem Buch insgesamt keinen Abbruch. Was mir wieder ausgesprochen gut gefallen hat waren die anschaulichen Beschreibungen der Landschaften, die mich zum Träumen eingeladen und mich ins wunderschöne Montana entführt haben. Ein Buch, das Fernweh weckt! Außerdem fand ich gut und wichtig, dass die Autorin das wichtige Thema der verarmten, indigenen Minderheit und der damit einhergehenden Probleme aufgegriffen hat. Das Leben der Familien im Indianerreservat und die Perspektivlosigkeit waren anschaulich und realitätstreu geschildert und regen zum Nachdenken an.

Insgesamt hat Romina Gold mit „Dangerous Hearts – Mit dir im stärksten Sturm“ erneut einen atmosphärisch starken Roman geschaffen, bei dem Liebe und Spannung in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander standen und mir eine tolle Lesezeit bereitet haben. Ich hoffe auf weitere Bände in der wunderschönen Landschaft Montanas!

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Veröffentlicht am 15.11.2020

Das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen…

Aller guten Dinge sind zwei
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Laurie und Dan sind das ideale Paar: Sie sind Mitte dreißig, beide gutaussehend, erfolgreiche Anwälte in derselben Kanzlei und seit achtzehn Jahren zusammen. Das einzige, was ihnen zu ihrem Glück fehlt ...

Laurie und Dan sind das ideale Paar: Sie sind Mitte dreißig, beide gutaussehend, erfolgreiche Anwälte in derselben Kanzlei und seit achtzehn Jahren zusammen. Das einzige, was ihnen zu ihrem Glück fehlt ist ein Baby – aus Lauries Sicht. Dass Dan dies ganz anders sieht und lieber ein unabhängiges Leben führen will anstatt mit seiner langjährigen Freundin sesshaft zu werden, wirft Laurie völlig aus der Bahn. Während sie noch versucht, diesen radikalen, unfreiwilligen Umbruch ihres Lebens zu verkraften, kommt die nächste Schock-Nachricht: Dan hat bereits eine neue Freundin, ebenfalls eine Anwältin Mitte dreißig – und sie ist schwanger. Laurie versteht die Welt nicht mehr und leidet insbesondere auf der Arbeit sehr unter der Situation – bis sie eines Tages ausgerechnet mit dem attraktiven Jamie im Fahrstuhl stecken bleibt, Manchesters größtem Schürzenjäger. Dieser verfolgt ehrgeizige Karrierepläne, bei denen Laurie im gut behilflich sein kann. Und so schmieden die beiden den Plan, sich zukünftig als Paar auszugeben. Laurie erhofft sich dadurch, Dan eifersüchtig zu machen und ihn zurück zu bekommen. Doch nach einigen Wochen intensivem Kennenlernen und Paar-Schauspiel mit Jamie ist sie sich dessen nicht mehr ganz so sicher…

„Aller guten Dinge sind Zwei“ ist das sechste Werk der schottischen Autorin Mhairi McFarlane. Das Cover ist eher im Comic-Stil gehalten und bildet Laurie ab. Die Zeichnung gefällt mir ehrlich gesagt nicht besonders gut, während die zweifarbige Gestaltung ansprechend ist. Passend dazu finden sich auch Punkte zu Beginn jedes Kapitels, was ich graphisch sehr ansprechend fand. Im Klappentext finden sich ein kurzer, humorvoller Steckbrief zur Person Laurie sowie die stichpunkthafte Beschreibung der „Grundlagen für eine erfolgreiche Fake-Romanze“. Einfach köstlich!

Insgesamt macht Mhairi McFarlanes Schreibstil einfach nur Spaß! Das Buch steckt voller Wortwitz, ich habe mich angesichts der humorvollen Dialoge und Situationen des Öfteren schier kaputt gelacht! Es macht einfach nur Spaß, Laurie durch diese emotional chaotische Zeit zu begleiten. Auch der Sarkasmus ihrer besten Freundin Emily und der trockene Humor Jamies haben mir gut gefallen. Dass die Autorin auch anders kann zeigt sie durch ernsthaft-emotionale Szenen und wahre Lebensweisheiten. Insbesondere die Dialoge zwischen Jamie und Laurie erfahren zunehmend an Tiefe, wodurch sich die Entwicklung ihrer Beziehung wunderbar mitverfolgen und nachvollziehen lässt. Schön fand ich zudem den Einbezug von Stilelementen wie den SMS-Nachrichtenverkehr.

Auch wunderbar waren die tollen, facettenreich konstruierten Figuren. Laurie ist eine taffe Frau, ihre Herausforderungen als erfolgreiche, farbige Anwältin und Frau werden lebensnah und authentisch dargestellt. Sie ist dem Leser wahnsinnig sympathisch und ich hätte sie sehr gerne als Freundin. Auch Emily ist einfach nur toll, wenn auch ihre verletzliche Seite meiner Meinung nach nicht ausreichend behandelt wurde – nach einem Moment der Schwäche war alles wieder wie zuvor. Auch Jamie habe ich nicht im Ganzen verstanden, woher sein Ruf und seine Einstellung zu Beginn sowie der 180-Grad-Sinneswandel kamen war nicht komplett nachvollziehbar. Nichtsdestotrotz habe ich ihn als Lauries Fake-Partner lieb gewonnen. Auch Nebenfiguren wie Dan und Jamies Eltern wurden anschaulich und verständlich dargestellt.

Die Story war amüsant und vielschichtiger als zunächst gedacht. Auch fand ich das Buch romantisch, ohne kitschig zu sein, auch wenn das Ende vorhersehbar war – es war lustig und leicht zu lesen. Das Ende war für mich etwas zu einfach gelöst und hatte noch offene Fragen, realistisch betrachtet ist halt doch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Auch ging es mir alles etwas zu schnell, aber die Zeit bis dorthin war wunderbar dargestellt und hat mir schöne Lesestunden beschert. Eine schöne Liebesgeschichte, die ich allen empfehlen kann, die eine unbeschwerte, humorvolle Story mit einer starken Protagonistin suchen.

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Veröffentlicht am 15.11.2020

Kleine, leckere Hapse für zwischendurch

Gaumenkuss und Gugelhaps
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„Gaumenkuss und Gugelhaps“ ist kein gewöhnliches Koch- oder Backbuch, sondern stellt eine besondere Kuchenform in den Mittelpunkt: Kleine Gugelhupfe, die nicht nur schön anzusehen, sondern auch noch lecker ...

„Gaumenkuss und Gugelhaps“ ist kein gewöhnliches Koch- oder Backbuch, sondern stellt eine besondere Kuchenform in den Mittelpunkt: Kleine Gugelhupfe, die nicht nur schön anzusehen, sondern auch noch lecker mit einem Haps im Mund sind – „Gugelhapse“ eben! Der Autorin ist hier ein tolles Wortspiel gelungen, das ich mir auch gleich zu Eigen gemacht habe

Wie vielfältig diese schmackhaften Leckereien gestaltet sein können zeigt uns Carola Heine in ihrem zweiten kleinen Büchlein. Egal ob die klassische Variante als Mini-Marmorkuchen oder ausgefallener als pinke Hingucker mit Drachenfrucht, eher deftig mit roter Bete oder süß mit Obst oder Schokolade – für jeden Geschmack ist in diesem Buch etwas dabei!

Das Büchlein ist aufgrund seines kompakten Formats und geringer Seitenanzahl super als Geschenkidee geeignet. Auch das farbenfrohe Cover gefällt mir gut, dieses und der Titel regen sofort den Appetit an und wecken die Lust zum selbst Backen. Die kunterbunten Mini-Gugelhupfe sehen wirklich zum Anbeißen aus, die Bilder im Buch könnten insgesamt nur etwas schärfer sein.

Eine weitere Besonderheit gibt es bei dem tollen Büchlein noch zusätzlich, die man beim Durchblättern der Rezeptideen zunächst gar nicht vermutet: Alle Rezepte sind rein pflanzlicher Natur und somit ideal für die vegane Ernährung! Dabei sind die Zutaten trotzdem nicht ausgefallen, sondern lassen sich in jedem Supermarkt finden – eine tolle Alternative für Veganer oder Allergiker. Passend dazu liegt dem Buch ein Info-Flyer bei, der weitere Tipps dazu gibt, durch welche Alternativprodukte sich Eier ersetzen lassen.

Ich habe einige der Rezepte ausprobiert, sie ließen sich schnell und unkompliziert umsetzen. Änderungen im vorgegebenen Rezept mussten kaum vorgenommen werden, ich habe mich nur zugegebenermaßen nicht ganz so streng an die vegane Rezeptvorgabe gehalten, da ich tierische Milchprodukte einfach zu gerne esse. Auch das hat gut funktioniert und war superlecker, ich freue mich aber auch darauf, die vegane Variante bei Gelegenheit auszutesten. Die fertigen Gugelhapse sahen nicht nur zum Anbeißen aus, sie waren auch superlecker und haben meiner Familie und meinen Arbeitskollegen ganz wunderbar geschmeckt. Die kleine Haps-Form hat für viele Lacher, Nachfragen und für Begeisterung gesorgt - und erwartungsgemäß waren die Gugelhapse schneller weg als ich schauen konnte. Ich werde definitiv ganz bald wieder ein Rezept aus diesem Buch backen!

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Veröffentlicht am 11.09.2020

Psychologisch interessant und sehr überraschend

Remember Me – Tödliche Vergangenheit
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Die junge Psychologin( Jubi)Lee Harper hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich, die sie am liebsten vergessen würde. Vor zwölf Jahren hat sie einen schlimmen Fehler begangen, der sie beinahe das Leben ...

Die junge Psychologin( Jubi)Lee Harper hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich, die sie am liebsten vergessen würde. Vor zwölf Jahren hat sie einen schlimmen Fehler begangen, der sie beinahe das Leben kostete und seitdem viel Zeit in Therapie verbracht. Nun fühlt sie sich wieder bereit dazu, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen und zieht unter falschem Namen in ein New Yorker Apartment in der Hoffnung, die Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Mit Unterstützung ihres besten Freundes Brady fasst sie zunehmend Fuß und beginnt eine neue Therapie bei Dr. Sherman. Als sie Garland, ihren Nachbarn von Gegenüber begegnet, beginnt auch ihr Herz wieder zu leben. Sie beginnt zunehmend, ihm zu vertrauen und nach vorne zu blicken. Doch die Vergangenheit ruht nicht und ehe sich Lee versieht befindet sie sich erneut in großer Gefahr.

Das Cover zu „Remember Me“ ist ansprechend, ließ mich aber zunächst an eine gewöhnliche Lovestory denken. Doch weit gefehlt, das Buch ist viel mehr als das und hat mich inhaltlich sehr überrascht, da es eher in Richtung eines Psycho-Thrillers ging. Ich habe somit eine sehr viel spannendere und komplexerer Geschichte vorgefunden, als ich erwartet hatte.

Bereits der Einstieg in das Buch mit dem Prolog war rätselhaft und aufregend, der Leser befindet sich direkt mitten im Geschehen. Die Hintergründe der Vorkommnisse bleiben zunächst im Dunkeln, so dass die Neugier des Leser geweckt wird und er sich erst nach und nach Lees Vergangenheit annähert. Diese wird insbesondere durch psychologisch durchdachte und sehr interessante Rückblenden während Lees Sitzungen bei Dr. Sherman langsam aufgedeckt. So lernt der Leser sie immer besser kennen und verstehen, mit jedem Besuch beim Psychiater kommt man näher an die Geschehnisse des Prologs heran und ich konnte diese Szenen kaum erwarten. Es hat sehr viel Spaß gemacht, häppchenweise Lees Vergangenheit zu erkunden und aufzuklären. Neben diesem Handlungsstrang in der Vergangenheit verläuft parallel die Gegenwart, in der Lee versucht ihr neues Leben zu regeln und sich in Garland verliebt. Die Entwicklung der Liebesgeschichte war passend und nachvollziehbar. Das Verwirrspiel zum Ende hin war so detailliert konstruiert, dass der Leser bis zum Schluss am Rätseln war, was nun Einbildung und was Realität ist und wer aus welchen Gründen was getan haben könnte – die Spannung war permanent hoch, hat sich aber in einem großen Showdown nochmals entladen und auch ein leichte Grusel ist auf mich als Leser übergesprungen.

Die Protagonistin Lee wurde sehr durchdacht konstruiert, ihr psychologisches Profil detailliert ausgearbeitet. Ihre Selbstzweifel, ihre Angststörung und ihr Gedankenkarussell wurden so authentisch dargelegt, dass sich der Leser gut in ihre Lage hineinversetzen konnte. Trotz ihrer schweren Vergangenheit besitzt Jubilee eine innere Stärke und Optimismus, weiter zu machen und ihr Leben eigenständig zu leben – eine sympathische, obwohl innerlich zerrissene Protagonistin. Aber auch die männlichen Protagonisten Brady und Garland werden dem Leser in ihrer Individualität gut nahe gebracht, auch wenn an beiden kleinere zweifelhafte Punkte bleiben, die den Leser zum Nachdenken anregen.

Mein Fazit: „Remember Me“ war eine große positive Überraschung für mich! Eine so psychologisch durchdachte, höchst interessante und wahnsinnig spannende Geschichte hätte ich hinter dem unscheinbaren Cover nicht erwartet und freue mich deshalb umso mehr, das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen zu können.

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Veröffentlicht am 09.09.2020

Mitreißend, authentisch und wahnsinnig spannend!

Schrei nach Rache
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An verschiedenen deutschen Flughäfen kommt es innerhalb kürzester Zeit zu mehreren Morden. Allen gemein ist ihre unglaubliche Brutalität, darüber hinaus kann das Team des LKA rund um die zuständige Ermittlerin ...

An verschiedenen deutschen Flughäfen kommt es innerhalb kürzester Zeit zu mehreren Morden. Allen gemein ist ihre unglaubliche Brutalität, darüber hinaus kann das Team des LKA rund um die zuständige Ermittlerin Nadine Adler keinerlei Verbindung oder Motiv feststellen. Um den Täter psychologisch besser einordnen zu können wendet sich das LKA an Falk Hagedorn, seines Zeichens ehemaliger Polizist und einer der besten Profiler des Landes. Eigentlich möchte der eigenbrötlerische Hagedorn nach vergangenen Vorfällen nichts mehr mit der Polizei zu tun haben, lässt sich aber doch überzeugen, eine Täteranalyse vorzunehmen. Doch dann ergibt sich mit einem neuen Mord auch eine neue Spur: Die an den Tatorten gefundenen Spuren lassen auf eine weibliche Täterin schließen! Und das genetische Material legt nahe, dass diese Frau Falk Hagedorn gut bekannt ist…

„Schrei nach Rache“ ist der zweite Band von Matthias Bürgels Thriller-Reihe rund um den knorrigen Profiler Falk Hagedorn, der sich aber problemlos ohne Kenntnis des ersten Bandes lesen lässt. Sämtliche Hintergrundinformationen aus dem ersten Band werden kurz und prägnant dargestellt, so dass der Leser über alle notwendigen Informationen zum Verständnis der Geschehnisse verfügt. Bereits das Cover von „Schrei nach Rache" wirkt gruselig und spannend - wir befinden uns auf einer Gangway ins Flugzeug, welche aber eher wie ein Gang ins Ungewisse und Böse wirkt. Ein sehr interessantes Cover, das in Verbindung mit dem aufregenden Titel sofort neugierig macht.

Ebenfalls meine Neugier geweckt hat Matthias Bürgel als Autor selbst: Er ist seit dreißig Jahren als Polizist und inzwischen als leitender Kriminalhauptkommissar tätig. Authentischer kann ein Autor gar nicht sein! Als Leser spürt man in jeder Zeile, dass hier jemand vom Fach schreibt, die polizeiliche Ermittlungsarbeit ist durchdacht und voller Fachwissen. Meine hohen Erwartungen an diesen Aspekt wurden mehr als erfüllt! Klasse, dass jemand, der täglich so eine wichtige Arbeit zu unserem Schutz leistet, auch noch „nebenher“ Thriller schreibt und somit etwas Realitätssinn in die häufig (v.a. im TV) überzogen dargestellte Arbeitsweise der Polizei bringt. Meine absolute Hochachtung!

„Schrei nach Rache“ ist somit nicht nur ein sehr realitätsnahes, sondern zudem wahnsinnig spannendes Buch geworden: Von der ersten Zeile an ist man als Leser gefesselt und fiebert mit. Die eher kurz gehaltenen Kapitel erhöhen zusätzlich das Lesetempo und die Spannungskurve wächst ins Unermessliche. Insgesamt ist der Aufbau des Buches sehr durchdacht gewählt, auch wenn man als Leser zunächst etwas verwirrt sein mag, da es verschiedene Handlungsstränge umfasst, die erst spät zusammenlaufen. Der Anfang kommt sehr plötzlich, man ist mitten im Geschehen und kann zunächst nicht einordnen, wo man sich befindet – dieser Prolog wird erst sehr viel später in der Geschichte wieder aufgegriffen. Es folgt eine Nebenhandlung mit Banküberfall, welche ich lange Zeit nicht greifen konnte und die bei mir irgendwann sogar in Vergessenheit geraten ist. Meiner Meinung nach hätte es diese Nebenhandlung nicht unbedingt gebraucht, sie hat aber am Ende doch noch einmal für zusätzliche Aufregung gesorgt: Der Showdown war hochdramatisch und hat mein Herz zum Rasen gebracht. Zwar war mir relativ früh klar, wer der Täter sein muss, aber erst beim Epilog konnten dann endgültig alle Zusammenhänge herstellt werden. Der Abschluss der Geschichte als Ganzes war dementsprechend schlüssig, auch wenn das erhoffte Happy End ausblieb.

Den Plot des Buches empfinde ich als sehr interessant, was psychische Krankheiten und Ausnahmesituationen in Menschen auslösen können ist immer wieder faszinierend. Auch zwischenmenschliche Beziehungen und seelische Abgründe wurden stimmig und nachvollziehbar dargestellt. Insgesamt hat Matthias Bürgel sein Buch in einem sehr anschaulichen, temporeichen Schreibstil verfasst: Es gibt sowohl brutale Szenen, als auch emotionale und traurige Aspekte. Als Leser konnte man dem Geschehen gut folgen und hatte klare Bilder vor Augen. Dies liegt sicherlich auch an den detailreichen Beschreibungen, welche auf eine aufwendige Hintergrundrecherche schließen lassen. Ebenfalls genossen habe ich das auftretende Lokalkolorit, was aber sicherlich auch an meinem persönlichen Bezug zu sämtlichen erwähnten Orten liegen mag.

Falk Hagedorn ist ein sehr spezieller Protagonist, den man aber trotz seiner eher mürrischen Art schnell zu schätzen lernt. Dass unter der harten Schale doch ein weicher Kern verborgen ist blitzt immer mal wieder durch und macht ihn sehr sympathisch. Er lässt sich von seiner Behinderung nicht unterkriegen und geht trotzdem mit großer Tatkraft und Selbstbewusstsein durchs Leben. Auch ist er fachlich ein absoluter Ermittlungsprofi, wenn auch kein einfacher Kollege. Auch die Nebenfiguren wie Bannert, Adler, Nita und Karina sind facettenreich ausgearbeitet und werden dem Leser authentisch nahe gebracht.

Fazit:
„Schrei nach Rache“ ist ein absoluter Pageturner! Hochspannend, dramatisch und aufregend ab Seite eins. Der Background des Autors gibt dem Buch ein Maximum an Authentizität. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der actionreiche, komplexe und gut durchdachte Thriller mag.

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