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Veröffentlicht am 26.06.2017

Der kriminalfall wird doch arg vernachlässigt

Gloria und die Londoner Liebschaften
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Buchmeinung zu Marlene Klaus – Gloria und die Londoner Liebschaften

„Gloria und die Londoner Liebschaften“ ist ein historischer Kriminalroman von Marlene Klaus, der 2017 bei Dryas als Taschenbuch erschienen ...

Buchmeinung zu Marlene Klaus – Gloria und die Londoner Liebschaften

„Gloria und die Londoner Liebschaften“ ist ein historischer Kriminalroman von Marlene Klaus, der 2017 bei Dryas als Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der dritte Band der Serie um Lady Gloria.

Zum Autor:
Marlene Klaus ist ausgebildete Buchhändlerin. Bevor sie sich als Autorin selbständig machte, jobbte sie als Taxifahrerin, Kellnerin, Postbotin und Bibliothekarin.

Klappentext:
London 1889: Lady Gloria Wingfields Projekt eines Frauenbildungsvereins nimmt Formen an. Doch am Eröffnungsabend geschieht während der Feierlichkeiten ein Mord. Das sorgt einerseits für Aufmerksamkeit für den Verein, andererseits aber für jede Menge Ärger. Zusammen mit dem Journalisten Morris beginnt Gloria, Nachforschungen anzustellen. Was ihrem Freund Lord Lyndon gar nicht gefällt. Wie sich herausstellt, hat er seine Gründe.

Meine Meinung:
In diesem historischen Roman wird die Gleichberechtigung der Frau thematisiert. Im viktorianischen London ist gerade in den besseren Kreisen die Frau ein Anhängsel ihres Mannes. Lady Gloria geht das Problem von der Wurzel an und gründet einen Frauenbildungsverein. Der Autorin gelingt es vortrefflich die Rolle der Frau und ihre Entwicklungsmöglichkeiten zu schildern. Die Figurenzeichnung fällt dagegen leider ab. Die Figuren sind recht stereotyp und Gloria ist eher eine leidenschaftliche als eine talentierte Ermittlerin. Sie agiert sehr selbstbewußt und handelt im Stil einer modernen Frau. Zusätzlich zum Kriminalfall wird auch noch eine Liebesgeschichte erzählt, die der Spannung nicht gut tut. Die Geschichte ist leicht und angenehm zu lesen. Sehr gelungen sind die eingestreuten kleinen Geschichten wie der Fahrradkauf oder die Ruderbootfahrt. Bei diesen Episoden wird die viktorianische Zeit lebendig. Dabei tritt der Kriminalfall in den Hintergrund und wird auch durch die amourösen Abenteuer Glorias doch arg vernachlässigt.

Fazit:
Zusammenfassend hat das Buch seine Stärken in der Beschreibung der historischen Begebenheiten. Der Spagat zwischen Historie, Kriminalfall und Liebesabenteuer gelingt dagegen nicht überzeugend, der Kriminalfall wird zu sehr vernachlässigt. So vergebe ich drei von fünf Sternen (60 / 100 Punkte).

Veröffentlicht am 25.06.2017

nette Ermittler und skrupellose Politiker

Das Nizza-Netz
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Buchmeinung zu Robert de Paca – Das Nizza-Netz

„Das Nizza-Netz“ ist ein Kriminalroman von Robert de Paca, der 2017 bei emons erschienen ist.

Zum Autor:
Robert de Paca lebt seit 1997 in Südfrankreich. ...

Buchmeinung zu Robert de Paca – Das Nizza-Netz

„Das Nizza-Netz“ ist ein Kriminalroman von Robert de Paca, der 2017 bei emons erschienen ist.

Zum Autor:
Robert de Paca lebt seit 1997 in Südfrankreich. Er kennt die Côte d’Azur nicht nur aus der Sicht eines Angestellten der Luxushotellerie und Gastronomie, sondern auch durch seine Tätigkeit als Berater und freiberuflicher Übersetzer.

Klappentext:
Sonne, Socca & Spione – mediterrane Schattenwirtschaft an der Côte d’Azur.
Nicolas und Nathalie betreiben in Nizza einen exklusiven Rundumservice für Luxusreisende. Als einer ihrer engsten Freunde unter mysteriösen Umständen verschwindet, beginnen sie fieberhaft nach Hinweisen zu suchen. Hinter der Fassade des mondänen Urlaubsortes stoßen sie dabei nicht nur auf ein gefährliches Netz aus Korruption und Intrigen – sondern auch auf ein dunkles Geheimnis aus Nicolas’ Vergangenheit . . .

Meine Meinung:
Die beiden Hauptfiguren Nathalie und Nicolas sind ein Paar und sehr sympathisch gezeichnet. Sie ermitteln zunächst im Fall eines befreundeten Musikers, der entführt worden ist. Bei der Suche nach Anhaltspunkten wird Nizza in vielen Details beschrieben und das südländische Flair der Stadt wird deutlich. Etwas überraschend hat der Fall auch Berührungspunkte mit geheimdienstlichen Vorgängen. Ein weiterer Schwerpunkt der Geschichte ist die Selbstbedienungsmentalität einiger lokaler Politikergrössen. Gerade hier fehlten mir Grautöne. Interessant war die Beschreibung der Ausnutzung wohl vorhandener Gesetzeslücken zur Gewinnmaximierung. Es zeigt, wie schwer es ist, gut gemeinte Gesetzesinitiativen wasserdicht zu verabschieden.
Unter den fehlenden Grautönen leidet auch der Spannungsbogen, denn es bieten sich kaum Alternativen, weil alle sehr berechenbar vorgehen. Auch die Polizei agiert sehr zurückhaltend, weil Beweise fehlen und weil die Macht der Politiker doch sehr abschreckend wirkt.
Die Stärken des Autors liegen eindeutig in der atmosphärischen Beschreibung und der flüssigen Lesbarkeit des Buches. Als Bonus gibt es noch ein paar Rezepte für lokale Spezialitäten. Auch die Lösung des Falles und die „Bestrafung“ der Übeltäter kann positiv erwähnt werden.

Fazit:
Neben Stärken in der atmosphärischen Gestaltung und der guten Lesbarkeit gibt es leider auch deutliche Kritikpunkte. Der Figurenzeichnung fehlten fast komplett Grautöne, das dunkle Geheimnis aus Nicolas Vergangenheit war eher grau und die Passagen mit dem Geheimdienst wirkten aufgesetzt. Insgesamt vergebe ich drei von fünf Sternen (60 / 100 Punkte). Wer atmosphärisch starke Krimis mag, ist hier gut aufgehoben.

Veröffentlicht am 04.05.2017

Atmosphärisch stark mit einer ausbaufähigen Hauptfigur

Die Mädchen von Strathclyde
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„Die Mädchen von Strathclydde“ ist ein Kurz-Kriminalroman von Denzil Meyrick, der 2017 in der Übersetzung von Peter Friedrich bei Harper Collins erschienen ist. Der Originaltitel ist „Two One Three“.

Zum ...

„Die Mädchen von Strathclydde“ ist ein Kurz-Kriminalroman von Denzil Meyrick, der 2017 in der Übersetzung von Peter Friedrich bei Harper Collins erschienen ist. Der Originaltitel ist „Two One Three“.

Zum Autor:
Denzil Meyrick wurde in Glasgow geboren und wuchs an der schottischen Küste in Campbeltown auf. Nach einem Politikstudium arbeitete er als Polizist, freier Journalist und Geschäftsführer einer Whisky-Destille.

Klappentext:
Glasgow, 1986: Constable Jim Daley ist in seinem zweiten Jahr als Streifenpolizist bei der Starthclyde Police. Von der traurigen Berühmtheit Glasgows als Mord-Hauptstadt Europas bekommt er nur wenig mit: Betrunkene Obdachlose, eingeschlagene Schaufenster und rachsüchtige Vorgesetzte bestimmen seinen Dienstalltag. Dies ändert sich schlagartig, als er eine tote Prostituierte auffindet und daraufhin mit DC Brian Scott einen Serienmörder jagt …

Meine Meinung:
In diesem Kurzkrimi lernen wir den Police Constable Jim Daley kennen, der seine ersten Einsätze als Streifenpolizist in Strathclyde verbringt. "zwo Eins Drei" ist seine Kennung im Funkverkehr der örtlichen Polizei. Als er bei einem seiner Einsätze eine junge tote Frau findet, bietet sich ihm die Gelegenheit, mit der Kriminalpolizei zusammen zu arbeiten.
Die Spannung des Krimis bleibt auf einem überschaubaren Niveau, aber die Atmosphäre hebt diesen Krimi aus der Masse heraus. Jim Daley ist ein Jungspund, der noch viel zu lernen hat, dies aber in einem feindlichen Umfeld zu tun hat. Seine Vorgesetzten wollen einen folgsamen Streifenpolizisten, während Jim Daley wie die meisten seiner Kollegen zur Kriminalpolizei wechseln möchte. Als sich ihm eine kleine Chance dazu bietet, greift er mit beiden Händen zu.
Die Grundstimmung ist trübe, der Ortsteil hat seinen besten Tage hinter sich, seine Vorgesetzten sind auch keine Zierde der Polizei. Er lernt DC Brian Scott kennen und arbeitet mit ihm zusammen. Bald schimmert sein Talent für Ermittlungen durch und DCI Burns holt ihn zur Kripo. Daley wird als ruhiger und besonnener Mensch dargestellt, der seine Kontakte und seinen Verstand zu nutzen weiss. Aber er hat noch viel zu lernen, um ein Kriminalbeamter zu werden, der sich in den Strassen Glasgows durchsetzen kann. Daley wirkt sympathisch und engagiert, wie nur wenige seiner Kollegen.
Fazit:
Der erste Fall für Jim Daley lebt von der Atmosphäre, Spannung und Charakterzeichnung sind wegen der Kürze der Romans nicht sehr ausgeprägt. Trotzdem fand ich die Hauptfigur sympathisch und interessant. Von mir gibt es drei von fünf Sternen (60 / 100 Punkte) und eine Leseempfehlung für Freunde ruhiger, aber atmosphärisch starker Krimis.

Veröffentlicht am 04.03.2017

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Gefährliche Ernte
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Buchmeinung zu Yann Sola – Gefährliche Ernte

„Gefährliche Ernte“ ist ein Kriminalroman von Yann Sola, der 2017 bei KiWi-Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der zweite Fall für den Hobbyermittler Perez.

Zum ...

Buchmeinung zu Yann Sola – Gefährliche Ernte

„Gefährliche Ernte“ ist ein Kriminalroman von Yann Sola, der 2017 bei KiWi-Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der zweite Fall für den Hobbyermittler Perez.

Zum Autor:
Yann Sola lebt und arbeitet in Deutschland und an der Côte Vermeille in Frankreich.

Klappentext:
Eine Hochzeit, ein Geheimnis und ein Todesfall – Hobbyermittler Perez steckt in Schwierigkeiten
An den Berghängen der malerischen Côte Vermeille, am südwestlichsten Zipfel Frankreichs, reifen die Weintrauben unter der glühend heißen Augustsonne heran. Es sind Sommerferien, die schlimmste Zeit des Jahres, wenn es nach Delikatessenschmuggler und Lebemann Perez geht. Die Touristen haben sich in Banyuls-sur-Mer breitgemacht, er hängt mit seinen Lieferungen hinterher und dann will seine heißgeliebte Tochter auch noch einen Mann heiraten, den man gemeinhin nur »die Bohnenstange« nennt. Als ein Toter in den Weinbergen seines Vaters gefunden wird, ist es endgültig vorbei mit der Ruhe. Die Ermittler schnüffeln auf dem Weingut und in Perez’ Angelegenheiten herum. Ausgerechnet der sagenumwobene Creus, ein Wein, der das Rückgrat seines bescheidenen Wohlstands bildet, soll etwas mit dem Tod des Mannes zu tun haben. Hobbyermittler Perez sieht sich gezwungen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, und muss bald erkennen, dass das beschauliche Küstenörtchen die Kulisse finsterer Machenschaften und familiärer Tragödien ist, die weit in die große Politik hineinreichen.

Meine Meinung:
Dieser Roman lebt von seiner Hauptfigur Perez, die wunderbar mit Ecken und Kanten gezeichnet ist. Er lebt in Banyuls-sur-Mer, besitzt ein Lokal und betreibt einen Delikatessenhandel, den er mit Schmuggelware einträglicher gestaltet. Er mag seine Heimatregion und die dort lebenden Menschen. Aus seiner Sicht braucht es keinen Wandel. So wie es ist, ist es gut. Er ist in der Region angesehen, hat überschaubare private Probleme und ist eigentlich mit seinem Leben zufrieden. Dann bricht es aber über ihn herein. Auf dem Weinberg seines Vaters wird eine Leiche gefunden, seine Tochter will die Bohnenstange heiraten und dann taucht auch noch Rauschgift auf. Da muss Perez handeln und bindet seine Bekannten voll ein. Haziem, der Perez Lokal führt, und Marianne, Perez Lebensgefährtin, haben die nötigen Kontakte und sind auch um einiges sympathischer als Perez. Aber Perez hält die Fäden in der Hand und auf wundersame Weise gelingt es ihm, auch offizielle Stellen für seine Zwecke einzubinden. Seine Ziele sind mit denen der Behörden nicht identisch und Perez ist voll gefordet, es aber nicht offensichtlich werden zu lassen. Bis hierhin war ich total begeistert, aber dann kam der große Bruch. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Perez erzählt und der Leser teilt sein Wissen und seine Emotionen. Und dann beginnt Perez, Geheimnisse vor dem Leser zu haben. In einem Film mag das angehen, aber für einen Roman, der aus der Perspektive der Hauptfigur geschrieben ist, ist es ein Unding.

Fazit:
Der Roman hat mich anfänglich überzeugt mit seiner atmosphärisch dichten Erzählweise, der gelungenen Figurenzeichnung und einer interessanten Krimihandlung. Auch die private Seite des Ermittlers wird gelungen eingebunden, ebenso werden gesellschaftliche Entwicklungen gekonnt aufgezeigt. Ich war ein echter Perez-Fan. Aber dann verschweigt die Hauptfigur dem Leser wesentliche Punkte seiner Absichten. Das ist für mich ein Unding und führt zu einer deutlichen Abwertung. So gebe ich nur noch drei Sterne (60 von 100 Punkte).

Veröffentlicht am 17.02.2026

Eher ein Filmexpose als eine Romanbiografie

Der Retter der Mütter
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Buchmeinung zu Péter Gárdos – »Der Retter der Mütter«

»Der Retter der Mütter« ist ein Roman von Péter Gárdos, der 2026 bei HOFFMANN UND CAMPE in der Übersetzung von Eszter ToldI erschienen ist. Der Titel ...

Buchmeinung zu Péter Gárdos – »Der Retter der Mütter«

»Der Retter der Mütter« ist ein Roman von Péter Gárdos, der 2026 bei HOFFMANN UND CAMPE in der Übersetzung von Eszter ToldI erschienen ist. Der Titel der ungarischen Originalausgabe lautet »Semmelweis Ignac rövid boldogsäga« und ist 2023 erschienen.

Zum Autor:
Péter Gárdos, 1948 in Budapest geboren, ist ein vielfach ausgezeichneter Film- und Theaterregisseur. Fieber am Morgen war sein erster Roman, den er selbst verfilmt hat. Der Roman war ein weltweiter Erfolg und erschien in neunundzwanzig Ländern. Der Retter der Mütter ist sein zweiter Roman und hat in Ungarn kontroverse Diskussionen über die historische Person Ignaz Semmelweis ausgelöst.

Zum Inhalt:
Geschichten aus dem bewegten Leben von Ignaz Semmelweis, der im 19. Jahrhundert die Grundlagen der Hygiene entdeckte und so unzähligen Frauen in den Geburtskliniken das Leben rettete, doch Zeit seines Lebens wurden seine Entdeckungen geleugnet und ignoriert.

Meine Meinung:
Ignaz Semmelweis lebte von 1818 bis 1865 und starb unter fragwürdigen Umständen in einer psychiatrischen Anstalt. Er arbeitete nach seinem Medizinstudium als Chirurg und Geburtshelfer in Wien. Die Darstellung seines Lebens in diesem Buch hat viel von einer Räuberpistole und hat mich in mancher Hinsicht schockiert. Deutlich wird die Wandlung von einem umgänglichen jungen Mann zu einem verbitterten Menschen, der sich mehr und mehr isolierte. Verzweifelt versuchte er seinen Ideen die Aufmerksamkeit zu sichern, die sie verdient hatten. Sehr missfallen hat mir die überaus negative Darstellung seiner Gegenspieler und Feinde. Auch seine auf Aktenstudium basierten Untersuchungen wurden kaum erwähnt, obwohl gerade sie für seine Bedeutung als Wissenschaftler wesentlich waren. Zudem störten viele Wiederholungen mein Lesevergnügen deutlich. Für mich hat diese Romanbiografie in weiten Teilen das Thema verfehlt, da ich keinen Zugang zur Hauptfigur gefunden habe.

Fazit:
Die Romanbiografie über Ignaz Semmelweis konnte mich kaum fesseln und hat mir keinen Zugang zur Hauptfigur geboten. Deshalb bewerte ich den Titel mit zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten).

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