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Veröffentlicht am 18.02.2021

Brennende Besen

Chienbäse
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Eigentlich soll die Fasnacht den Winter vertreiben.
Beim traditionellen Chienbäse-Umzug fällt ein Mann leblos zu Boden
und die Flammen seines Besens erfassen beinahe das Publikum.
Als sich herausstellt, ...

Eigentlich soll die Fasnacht den Winter vertreiben.
Beim traditionellen Chienbäse-Umzug fällt ein Mann leblos zu Boden
und die Flammen seines Besens erfassen beinahe das Publikum.
Als sich herausstellt, dass es kein Unfall war und einige Tage später
der Vater von Samantha Kälins Freund Joel verunglückt hält die Polizei Joel
für den Täter. Samantha ist von seiner Unschuld überzeugt. Als Joel
spurlos verschwindet, begibt sie sich auf die Suche und gerät dabei in Lebensgefahr.

Die Autorin hat eine wunderbare Art zu schreiben.
Der fließende Schreibstil, die gut herausgearbeiteten Charaktere sowie die Geschichte selbst überzeugen.
Die Figuren sind bis in die Nebenrollen so liebevoll gezeichnet das man ganz schnell Sympathien oder auch Antipathien hegt.
Hier ermittelt mal eine ganz normale Frau mit all ihren Ecken und Kanten.
Ina Haller lässt den Leser bis zuletzt im Dunklen tappen.
Der Spannungsbogen ist gekonnt gesetzt.
Ein richtig guter Regio-Krimi, der seine Spannung langsam aufbaut.
Ich habe ich mich mit diesem Buch sehr gut unterhalten gefühlt, habe mit rätseln können und ein tolles Kopfkino gehabt. Vor allem habe ich die Schweizer Fasnacht besser kennengelernt. Die Schweizer Lebensart wird so wunderbar wiedergegeben.
Was auch noch positiv zu nennen wäre ist das es am Ende des Buches zwei schöne Rezepte
und ein Glossar gibt.
Gute Unterhaltung ist garantiert!

  • Einzelne Kategorien
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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.02.2021

Wunderbar recherchiert und umgesetzt

Glückskinder
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München - Als Ende April 1945 die US-Armee München erreicht ist es für die meisten Menschen eine Befreiung.

Die junge holländische Zwangsarbeiterin Griet kommt völlig entkräftet nach Wolfratshausen und ...

München - Als Ende April 1945 die US-Armee München erreicht ist es für die meisten Menschen eine Befreiung.

Die junge holländische Zwangsarbeiterin Griet kommt völlig entkräftet nach Wolfratshausen und findet bald im US-Captain Walker einen persönlichen Beschützer.

Die Münchnerin Toni verliebt sich in den zwielichtigen Louis, der eine wichtige Rolle auf dem Schwarzmarkt in der Bogenhausener Möhlstraße spielt.

Toni versucht täglich auf dem Schwarzmarkt das nötigste für die Familie zu organisieren. Als Griet ein Zimmer in Tonys Familie zugewiesen bekommt, spürt sie zunächst eine tiefe Abneigung. Griet hat eine sehr schlimme Zeit hinter sich, über die sich nicht reden möchte und Tony merkt, dass sie ihre Vorurteile überwinden sollten damit sie einander helfen können.

Denn beide sind doch irgendwie Glückskinder.

Dank der wirklich sehr lebendigen Schreibweise hat man das Gefühl ein Teil zu sein. Man erlebt alle Höhen und Tiefen hautnah mit. Das Leiden der Menschen wird schonungslos wiedergegeben. Die Geschehnisse sind sehr echt und packend beschrieben. Teresa Simon ist eine Autorin, die genauste Recherchen betreibt. Reale historische Quellen werden mit in diesen Roman einbezogen. Z.B.Die Hungerjahre, der Schwarzmarkthandel und der so kalte Jahrhundertwinter 1946/47.

Die Mischung zwischen Dichtung und Wahrheit ist wunderbar gelungen.

Sehr ernste Töne und Begebenheiten sind durchaus vorhanden aber es gibt auch viel erfrischende Leichtigkeit. Genau diese Mischung macht aus diesem Buch ein Leseerlebnis. Dazu kommt die Schreibweise der Autorin die voller Esprit und Leidenschaft ist.

Ein kleines Schmankerl noch am Schluss.

Am Ende des Buches sind Rezepte aus einem historischen Kochbuch aus der unmittelbaren Nachkriegszeit abgebildet.

Ein Lesehighlight!

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Veröffentlicht am 31.01.2021

Die Fabrik ist das Herz

Wo wir Kinder waren
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Eva, Iris und Jan sind Erben der ehemals prächtigen Spielzeugfabrik Langbein in Sonneberg.
In der Kaiserzeit gegründet, befand sie sich in der Weimarer Republik auf ihrem Höhepunkt,
überstand zwei Kriege, ...

Eva, Iris und Jan sind Erben der ehemals prächtigen Spielzeugfabrik Langbein in Sonneberg.
In der Kaiserzeit gegründet, befand sie sich in der Weimarer Republik auf ihrem Höhepunkt,
überstand zwei Kriege, deutsche Teilung und Verstaatlichung,
nur um nach der Wiedervereinigung kläglich unterzugehen.
Nun ist von der ehrbaren Langbein-Tradition nichts mehr übrig.
Streit und Verbitterung haben sich auf die Hinterbliebenen übertragen.
Doch als bei einer Internetauktion eine der seltenen Langbein-Puppen auftaucht.
Sorgfältig genäht und von ihrem Großvater persönlich bemalt -,
rückt die verblasste Vergangenheit wieder heran und wirft unzählige Fragen auf:
nach Schuld und Verlust, aber auch nach Hoffnung und Neubeginn.

Es wird in zwei Erzählsträngen erzählt, und durch Rückblenden bis ins Jahr 1910
von der Autorin sehr plastisch geschildert.
Die Alltagserfahrungen und historische Geschehnisse sind perfekt in diese Geschichte
verwoben. Ein fast vergessenes Handwerk lebt wieder auf.
Die schwere und schlecht bezahlte Arbeit vieler ortsansässiger Familien,
die sich in Heimarbeit mit der Herstellung von Spielzeug ihren Lebensunterhalt verdienten.
Wunderbar recherchiert und in eine bewegende Familiengeschichte gepackt.
Das macht dieses Buch so lebendig und teilweise auch spannend.
Flüssig geschrieben, der Leser fliegt förmlich durch die Zeilen.
Ein tolles Buch auch über die politische Lage Deutschlands, dem Aufstieg und Fall der
Spielzeugindustrie in Sonneberg. Nicht nur die Lebensumstände, sondern auch
die politische Seite ist sehr interessant.
Man bekommt schnell einen interessanten Einblick in die Denkweise der Menschen.
Die Beschreibung der Landschaft vermittelt einen das Gefühl direkt vor Ort zu sein.
Die Charaktere und Ihre Entwicklungen sind wunderbar beschrieben
und man kann sich sehr gut mit ihnen Identifizieren.

„Wo wir Kinder waren“ ist nicht nur ein mehr als gelungener Familienroman, sondern auch ein
Teil der eigenen Geschichte von Kati Naumann. Sehr gut recherchiert und in der Kombination mit
der fiktiven Geschichte ein Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 17.01.2021

Außergewöhnliche Liebe

Hingabe
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Hingabe ist ein etwas anderer Roman. Tomas, Ende 30, hat den nahen Tod vor Augen. Er
bewirtschaftet einen Hof, hat gelernt mit seinen Gefühlen sparsam umzugehen.
Werte wie Liebe, Ehre, Respekt oder Freundschaft ...

Hingabe ist ein etwas anderer Roman. Tomas, Ende 30, hat den nahen Tod vor Augen. Er
bewirtschaftet einen Hof, hat gelernt mit seinen Gefühlen sparsam umzugehen.
Werte wie Liebe, Ehre, Respekt oder Freundschaft drückte er nur in Taten aus. Das alles
auch nur noch auf ein Mindestmaß beschränkt.
Die Entbehrungen haben ihn sehr zurückhaltend mit Gefühlen werden lassen.
Dann kommt Suiza, zart mit einer sehr starken Zerbrechlichkeit. Etwas hilfs- und
orientierungslos geht sie durch das Leben. Tomas fühlt sich gleich angezogen von
ihr und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Es entsteht etwas zwischen den beiden
das man als Leser nicht unbedingt bejahen kann. Es gibt einige recht brutale Szenen
aber dann auch wieder sehr zarte, fast liebevolle Momente.
Beide Seelen sind stark beschädigt und vielleicht auch deshalb finden sie zueinander.
Sie leben zusammen, Suiza wird mit der Zeit Selbstbewusster und Tomas scheint so etwas
wie Liebe zu empfinden. Aber es kommt alles anders als gedacht.

Dieser Roman hat etwas Ungewöhnliches, dunkles das aber immer wieder durch Lichtblicke
und Hoffnungen aufgehellt wird. Es gibt einige etwas gewalttätige sexuelle Szenen
die aber durch die wunderbare Schreibweise durchaus auszuhalten sind.
Die Charaktere bringen einen enormen Nuancenreichtum in die Handlung
und sorgen dadurch für viel Farbe und Abwechslung. Sie alle sind stark geprägt durch
ihr Leben. Haben gute und schlechte Eigenschaften.
Und genau diese Fehler und Macken lassen sie so natürlich und echt wirken.
Anfangs etwas roh und ungehobelt entwickelt sich die Geschichte zu einem fast schon
liebevollen zusammenleben der beiden.

Ein starkes Debüt und für mich ein absolutes Lesehighlight.

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Veröffentlicht am 03.01.2021

Träger des guten Geschmacks

Groß & Fett
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Dieses wunderbare Kochbuch hebt sich so schön von der Masse ab. Alleine der Titel Groß & Fett. Nun ja, Maria heißt Groß und Fett ist ein sehr guter Geschmacksträger. Das Essen ist halt nicht nur Nahrungsaufnahme ...

Dieses wunderbare Kochbuch hebt sich so schön von der Masse ab. Alleine der Titel Groß & Fett. Nun ja, Maria heißt Groß und Fett ist ein sehr guter Geschmacksträger. Das Essen ist halt nicht nur Nahrungsaufnahme und Mittel zum Zweck, sondern auch etwas mehr. Etwas Besonderes. Nämlich sinnlich, wohltuend und lebendig. Genauso wird es auch vermittelt.

Die Inhaltsangabe ist sehr übersichtlich.

-Die Vorstellung-

des Teams ist schon eine sehr launige Angelegenheit.

Man merkt gleich, dass die Chemie zwischen den beiden stimmt.

-Die Grundzutaten-

sind sehr wenige. Das ist eine Offenbarung.

Fast alles findet man in einer Küche, in der gekocht wird. Das wenige das fehlt, kann man selbst herstellen oder beim Kaufmann um die Ecke kaufen.

-Die Theorie für die Praxis-

kann selbst erfahrenen Köchen/innen noch was bringen. Die Tipps sind wunderbar alltagstauglich und vor allem sehr hilfreich. Liebevoll und ohne den erhobenen Zeigefinger werden sie erklärt.

-Kleine Gerichte – sind wirklich kleine und vor allem feine Gerichte.

Der Brotsalat zum Beispiel ist schnell gemacht, macht wenig Abwasch und schmeckt mit der Salatsoße einfach köstlich.

-Vegetarische Gerichte-

gibt es sehr viele. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei.

-Fleisch und Fisch-

hat viele Gerichte mit ungewöhnlichen Zusammensetzungen. Da bekommt man Lust es auszuprobieren.

Schweinefilet mit Kartoffel-Senf-Ragout ist ein wirklich leckeres Gericht.

Mit einer Soße zum reinlegen.

-Desserts-

gibt es natürlich auch. Da kann ich den schnellen Apfelkuchen empfehlen.

Der ist nicht nur schnell gemacht, er ist auch sehr schnell gegessen.

Aufgelockert wird das Buch durch wundervolle Fotos und witzigen Texten.

Immer wieder gibt es Tipps und kleine Erklärungen. Da es keine genauen
Mengenangaben und Garzeiten gibt, ist es für Anfänger evtl. etwas schwierig.
Dafür gibt es aber den Podcast, den ich sehr empfehlen kann.
In ca. 30 Minuten ist das Rezept fertig.

Ein sehr gelungenes Kochbuch. Für Anfänger und auch für alte Hasen.

Die Angaben stimmen, die Rezepte gelingen.

Die Rezepte sind abwechslungsreich und nicht überkandidelt.

Da gibt es für jeden Geschmack etwas.

*Das beste aber ist bei diesem Buch, das das Auge mitisst.

Sobald man dieses Buch aufklappt, möchte man sofort loskochen.
Die Leidenschaft mit der Maria kocht, ist ansteckend.

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