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Veröffentlicht am 15.04.2017

Zwischenspiel

Das Herz der verlorenen Dinge
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Nach dem Ineluki, der Sturmkönig, besiegt worden war, flohen die Nornen hoch in den Norden, um ihre Kräfte zu sammeln. Viyeki, der Heeresvormann, bekommt den Auftrag im Falle des Todes seines Meisters ...

Nach dem Ineluki, der Sturmkönig, besiegt worden war, flohen die Nornen hoch in den Norden, um ihre Kräfte zu sammeln. Viyeki, der Heeresvormann, bekommt den Auftrag im Falle des Todes seines Meisters ein geheimnisvolles Artefakt zu schützen. Gleichzeitig sucht er nach einer Möglichkeit, sein Volk vor dem Untergang zu bewahren.
Währenddessen verfolgt Isgrimnur mit seinen Truppen die Nornen, denen sich auch die Soldaten Porto und der junge Endri angeschlossen haben.

Als ich hörte, dass ein neues Buch aus Tad Williams Osten Ard Reihe erscheinen soll, stieß ich zuerst einen lauten Jubelschrei aus - und als ich mitbekam, dass „Das Herz der verlorenen Dinge“ nur der Anfang sein sollte, war die erwartungsvolle Freude nur noch größer. Ich las die Osten Ard Reihe im Laufe der Jahre sehr gerne, habe die Bücher und Charaktere lieben gelernt. Jetzt noch einmal in die Welt des Drachenbeinthrons und des Engelsturms zurückkehren zu können, erfüllte mein Herz mit Spannung!
Doch auf das heiß ersehnte Wiedersehen mit Simon und Miriamel muss ich leider noch etwas warten, da sich dieses, von Tad Williams als Novelle angekündigtes Buch, weitestgehend mit den Nornen beschäftigt. Es stellt das notwendige Verbindungsstück dar zwischen der alten und der neuen Reihe.
Nornen. Wer die alte Reihe gelesen hat, kennt sie als das Grauen der Menschen, das Böse, das es zu bekämpfen gilt. Deshalb öffnete ich das Buch auch mit gemischten Gefühlen. Wie sollten Wesen, die mir stets so fremd und grauenerregend vorgekommen sind, plötzlich ein ganzes Buch bevölkern? Doch ich wurde eines besseren belehrt und vollkommen überrascht zurückgelassen.
Zunächst einmal fand ich wundervoll in die Geschichte. Porto und Endri sind zwei Kerle zum Pferde stehlen und beide fanden schnell ein lauschiges Plätzchen in meinem Herzen. Gerne verfolgte ich, wie die beiden schließlich Freunde wurden und füreinander kämpften, natürlich alles unter Isgrimnurs Führung.
Immer, wenn Isgrimnur die papierene Bühne betrat, huschte ein Grinsen über mein Gesicht. Der alte Rimmersmann und Haudegen benahm sich wie er leibte und lebte, ruppig, und trotzdem überlegt. Ihm zur Seite stand Ayaminu, eine der geheimnisvollen Sithi, die ihm den ein oder anderen geheimnisvollen Ratschlag gab. Ich war also nach den ersten Seiten vollkommen gewappnet für einen nervenaufreibenden Kampf gegen die Nornen.
Doch was wäre ein Buch von Tad Williams, ohne einen zweiten Handlungsstrang und ungefähr eine Tonne Überraschungen? Die größte Überraschung bereiteten mir die Nornen. Ich wollte sie nicht mögen, ich wollte ihnen keinen Respekt zollen. Doch Tad Williams brachte das Kunststück fertig, dass sich ein paar der Nornen wirklich in mein Herz schlichen. Still und heimlich. Plötzlich bekamen die Nornen Profil, verschiedene spannende Charaktere traten aus der dunklen Masse hervor und mein Interesse war mit einem Mal geweckt.
Der Erzählstrang der Nornen wird aus Viyekis Sicht beschrieben, der mir von Auftritt zu Auftritt sympathischer wurde. Ganz nebenbei verstand ich plötzlich die Grundzüge der Kultur der Nornen und ihre Ehre, ihr Verhalten gegenüber den Menschen. Und irgendwann wusste ich nicht mehr, wem ich in dieser Geschichte die Daumen drücken sollte. So ein großer geistiger Wandel geschieht bei mir höchst selten, aber in „Das Herz der verlorenen Dinge“ fieberte ich mit beiden Seiten mit. Well done, Williams.

Sehr spannend fand ich zudem, dass Williams sich eine Zeit ausgesucht hat, die kurz nach dem Ende des großen Krieges um die Vorherrschaft in Osten Ard spielt. Er zeigt, dass eben nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen ist, sondern dass auch nach der großen Schlacht noch Soldaten leiden, Entbehrungen über sich ergehen lassen müssen und fallen, was mich persönlich berührt hat.
Alles in allem hat „Das Herz der verlorenen Dinge“ meine Sichtweise über die Völker Osten Ards gehörig durcheinander gewürfelt und die Nornen in meiner Gunst steigen lassen. Dafür vergebe ich fünf Sterne.

Veröffentlicht am 05.03.2017

Abenteuerliche Träume

Henriette und der Traumdieb
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In diesem Jugendbuch stellt sich die Frage, ob ihr euch an jeden einzelnen eurer Träume erinnern könnt. Na, könnt ihr? Wenn nicht steckt vielleicht ein Traumdieb in eurem Kopf und stiehlt allnächtlich ...

In diesem Jugendbuch stellt sich die Frage, ob ihr euch an jeden einzelnen eurer Träume erinnern könnt. Na, könnt ihr? Wenn nicht steckt vielleicht ein Traumdieb in eurem Kopf und stiehlt allnächtlich die schönsten Träume?
So ergeht es Henriette, die sich sonst detailliert an jeden ihrer Träume erinnern kann! Gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder Nick begibt sie sich auf die Suche nach Antworten und nach der diebischen Gestalt in ihren Träumen und begegnen dabei einer wunderlichen Gestalt nach der anderen.

Akram El-Bahay kenne und schätze ich von seiner Fantasytrilogie „Flammenwüste“, wo er auf eindrucksvolle Art bewiesen hat, dass er geschickt mit fantastischen Elementen umgehen kann. Aus diesem Grund war ich sehr gespannt auf seinen ersten Roman für Kinder und Jugendliche.
Ich fand leicht in die Welt der Zwillinge hinein. Sie verbringen ihre Ferien bei ihrer Großmutter und werden Zeuge eines Todesfalls. Das bannt natürlich die Aufmerksamkeit des Lesers erst mal auf die Seite und ehe ich es mich versah, war ich mitten drin in der Geschichte. Henriette und Nick könnten verschiedener nicht sein, und das wird schon auf den ersten Seiten deutlich spürbar. Ich fand die Streitereien der beiden klasse, da eben zwischen Geschwistern auch mal die Fetzen fliegen.
Der Haupthandlungsort sind Henriettes Träume, die ihr gestohlen werden. Akram hat diese sehr fantasievoll gestaltet, immer wieder verschiedene Handlungsorte verwoben, aber auch wiederkehrende Figuren auftauchen lassen, die allesamt liebenswert und erinnerungswürdig sind. Und, was für mich wichtig ist, die ganzen Träume zu einer Einheit, einer Welt verbunden haben, in denen Henriette, Nick und ihre Freunde ihre Abenteuer erleben, Freud und Leid erleben, durch den düsteren Nachtschattenwald wandern müssen und gegen Ungeheuer und Hexen bestehen müssen.
Henriettes Traumwelt mutet manchmal etwas skurril an, aber durch Akrams Schreibstil wurde selbst das abstrakte vor meinen Augen lebendig. Er beweist einmal mehr, dass er einen sehr bildhaften und einprägsamen Schreibstil besitzt. Ich lebte mit den Zwillingen in ihren Träumen, was mir persönlich großen Spaß bereitete.
Ein weiterer wichtiger Handlungsort stellte die Buchhandlung von Herrn Anobium dar, in die Henriette immer wieder zurückkehrte und somit ging auch der Bezug zur Realität nicht verloren. Für mich war es genau das richtige Maß zwischen Realität (die wichtig ist) und den Träumen (die fantastisch sind!), da ich durch die gelegentlichen Abstecher in die Buchhandlung, in die Zimmer der Geschwister oder zur wenig gemochten Tante, schätzte ich die Träume noch mehr.
Diese waren spannend und trieben die Handlung voran, bis ich das Buch auf den letzten Seiten kaum mehr aus der Hand legen konnte.
Das einzige, das ich zu bemängeln hätte, wäre die Identität des Traumdiebes, hinter die man recht schnell steigt. Da hätte ich ruhig ein bisschen länger rätseln wollen.

Alles in allem ein Buch für Kinder, Jugendliche und Junggebliebene, die das nächste traumhafte Abenteuer kaum noch erwarten können. 4,5 Sterne für den wundervollen Roman. Ich freue mich, wenn der Autor mich das nächste mal mitnimmt.

Veröffentlicht am 15.02.2017

Er hat es wieder geschafft!

Die Krone der Sterne
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Iniza flieht von der Raumbarke, die sie eigentlich ihrer neuen Bestimmung entgegentragen soll. Sie wurde erwählt, doch sie ist gar nicht glücklich mit der Wahl. Gemeinsam mit dem Hauptmann ihrer Leibwache ...

Iniza flieht von der Raumbarke, die sie eigentlich ihrer neuen Bestimmung entgegentragen soll. Sie wurde erwählt, doch sie ist gar nicht glücklich mit der Wahl. Gemeinsam mit dem Hauptmann ihrer Leibwache Glanis hat sie einen Fluchtplan geschmiedet. Doch die beiden haben die Rechnung ohne den Kopfgeldjäger Kranit und die Alleshändlerin Shara gemacht, denn sie sind ausgerechnet auf Sharas Schiff, der Nachtwärts gelandet.

Er hat es wieder geschafft. Mich an die Seiten zu binden. Atemlos umzublättern, um zu wissen, was auf der nächsten Seite geschieht. Mich zu fürchten, weiter zu lesen, weil ich mir Sorgen um meine lieb gewonnenen Protagonisten hatte.
Er hat es schlicht und einfach wieder geschafft.
Doch Beginnen wir am Anfang. Als ich hörte, dass Kai Meyer eine Science-Fiction-Opera schreibt, fiel ich erst mal aus allen Wolken und schwankte zwischen Bestürzung und Vorfreude. Die Vorfreude überwog schließlich, da er schon auf dem High- und Jugendfantasyparkett eine gute Figur abgab und zudem auch seine historischen Romane mit zu meinen Liebsten zählen.
Als ich das Buch aufschlug, war mir nach wenigen Seiten eines klar: Genau das wollte Meyer schreiben. Genau das, und nichts anderes. Ich spürte in jedem Satz, in jeder Beschreibung von Blastern oder Raumkathedralen, dass Kai eine nur zu genaue Vorstellung von den Dingen hat, über die er da gerade erzählt. Die Welt wurde von ihm so reich bestückt, dass der geneigte Leser sich als ein Teil dieses unglaublichen Abenteuers fühlt. Dabei beging er jedoch nicht den Fehler, den detailverliebte Autoren des Öfteren machen, wenn sie ihre neuen fantastischen Welten beschreiben. Ich hatte nie das Gefühl der Länge, nie das Gefühl, dass in eine Szene mehr reingepackt worden ist, als für den Plot wichtig ist. Kai hat nie aus den Augen verloren, dass er ein Weltraum-Abenteuer erzählt, und keine historische Abhandlung der Galaxie mit detaillierten Angaben zu allen Kriegen, die vom Jahr x bis zum Jahr y geführt wurden. Er hat die Spannung hochgehalten, die rasante Flucht von der Barke und dann auf der Nachtwärts einmal quer durchs All hat mir einige durchwachte Nächte beschert. Er stellt es dabei so klug an, dass er genau die richtige Dosis Plot miteinfließen lässt. Ich wusste nie mehr als die handelnden Figuren, und doch konnte ich herrlich über die galaktischen Geheimnisse rätseln. Ich als Leser bekam einfach das Gefühl, viel mehr über diese ganze, wunderbare Welt zu wissen, als ich eigentlich in dem doch recht dünnen Buch herausgefunden habe. Zwischen den Zeilen stehen einfach noch so viele unentdeckte Schätze.
Die Figuren waren wie für mich gemacht. Wer hier schmachtende Teenager oder die zarten Knospen der ersten Liebe sucht, der sucht (und allen Himmeln sei Dank dafür!) vergebens. Hier begegnen wir erwachsenen Protagonisten, die durchaus schon ihre ersten Erfahrungen gemacht haben und mehr oder minder abgeklärt sind. Das Leben als erstes, dann können wir immer noch knutschen.
Kranit, den Kopfgeldjäger, stellte für mich die treibende Kraft und den stärksten Charakter dar. Ich habe seine raubeinige Art im Laufe des Buches richtig schätzen gelernt, genauso wie Iniza, die sich erst im Laufe des Buches entpuppt und ihre Flügel ausbreitet. Da hätten wir noch einen Punkt, den ich an Kai Meyer schätze: Seine Charaktere entwickeln sich und du kannst nicht von der ersten Seite an vorhersagen, welche Richtung sie einschlagen werden!

Zugegeben: Ich hatte bei der ein oder anderen Passage eine harte Zeit, da Sci-Fi auch nicht zu meinen bevorzugten Genres zählt. Doch es lohnt sich so sehr.
Er hat es wieder geschafft. Ich knuddel jetzt noch ne Runde das Buch und lasse verdiente fünf Sterne da.

Veröffentlicht am 26.01.2017

Die Löwin hält, was sie verspricht

Die rote Löwin
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Runja und ihr Bruder sind nach dem grausamen Mord an ihren Eltern auf sich allein gestellt und schlagen sich nach Magdeburg durch. Dort angekommen geraten sie zwischen die Finger des machthungrigen Domdekans ...


Runja und ihr Bruder sind nach dem grausamen Mord an ihren Eltern auf sich allein gestellt und schlagen sich nach Magdeburg durch. Dort angekommen geraten sie zwischen die Finger des machthungrigen Domdekans Laurenz, der seine ganz eigenen Pläne mit den beiden jungen Geschwistern hat. Beide geraten in einen Strudel aus Gewalt und Intrigen, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.

Ich entdeckte das Buch in der Vorschau des letzten Jahres und der Klappentext fiel mir sofort ins Auge. Er hörte sich nicht so an, und (was mir wichtig ist) so als würde es in diesem Buch nicht allzu viele (unnötige) Schnäbeleien und Liebesgeflüster geben. Außerdem kenne und schätze ich Thomas Ziebulas Bücher, seine fantastischen muss ich zugeben ein wenig mehr als seine historischen. Die rote Löwin war überraschend schlank im Vergleich zu Ziebulas vorherigen historischen Romanen. Eigentlich - eigentlich! - bevorzuge ich die dicken Wälzer, aber ich wurde eines besseren belehrt. Zum Glück!

Doch beginnen wir dort, wo auch die Geschichte beginnt. Im Mittelalter - ich liebe gut recherchierte historische Romane und bei diesem Buch spürt man schon auf den ersten Seiten, dass der Autor viel Mühe in die historische Genauigkeit gelegt hat. Er war ziemlich gründlich bei der Recherche, betrieb jedoch zu keiner Zeit Infodumping. Bei manch anderen Autoren hat man manchmal das Gefühl, sie wollen möglichst viel an Wissen in die Geschichte pressen. Thomas ist stets dem Plot gefolgt und an der Seite seiner Charaktere gewandelt. Nicht jeder Autor schafft es, das Gleichgewicht zwischen der Geschichte, die erzählt werden soll, und historischen Fakten zu wahren. Thomas ist das in diesem Buch famos gelungen. Immer wieder webt er die Fakten geschickt in die unterschiedlichen Erzählperspektiven, die „Die rote Löwin“ vorantreiben, mit ein.

Hauptsächlich verfolgen wir Runjas und Laurenz’ Erzählperspektive, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Runja ist voller Zorn und Rachegedanken, da ihre Familie ermordet wurde und sie nun nach Gerechtigkeit sinnt. Die Gefühle, die sie hegt, sind nachvollziehbar und verständlich. Ich mochte auch ihren Bruder sehr gern, der auch eine große Rolle einnimmt. Laurenz giert nach Macht und ist bereit dazu, über die ein oder andere Leiche zu steigen. Was habe ich über diesen Lustmolch geflucht und seine Intrigen und Spiele verdammt. Mit ihm hat der geneigte Leser seine Freude, glaubt mir.
Die beiden Perspektiven treffen sich recht rasch, und wo ich vorher die beiden Handlungen mit Interesse verfolgt habe, steigert sich die Spannung nun ungemein, da sich die Handlungen verflechten und neue Bindungen entstehen.
Der Plot an sich wies keine Längen auf, er ließ mich eher zum Schluss kaum noch zu Atem kommen.
Ziebula hat einen außergewöhnlichen Stil, das muss man eingestehen. Ich brauchte ein paar Seiten um mich an seine Sprache zu gewöhnen, aber das ging bei mir schnell und dann bereitete mir die Sprache unglaublich viel Freude. Das Buch ist nichts für zarte Wesen, um gleich eine Warnung anzuschließen. Es fließt viel Blut, es gibt Tote zu betrauern - das Buch birgt so manches Thriller-Element in sich (gerade jene konnten mich begeistern).

Auf den Umschlagseiten findet sich eine liebevoll gestaltete Karte. Auch eine Zeittafel zur besseren zeitlichen Einordnung und ein Dramatis Personae hat noch Platz im Buch gefunden (über so etwas freue ich mich ja persönlich immer besonders).

Was gibt es noch groß zu sagen? Das Buch konnte mich überraschen, trotz seiner Kürze begeistern und mich (die ich vielleicht die ein oder andere Schwierigkeit mit Ziebulas’ früheren historischen Werken hatte) doch noch zu einem Fan heranwachsen lassen.

Dieser tolle historische Roman hat seine fünf Sterne verdient.

Veröffentlicht am 17.01.2017

Überraschend und anders!

Young Elites (Band 1) - Die Gemeinschaft der Dolche
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Die junge Adelina und ihre Schwester Violetta haben die Blutseuche überstanden, doch Adelina ist gezeichnet aus dieser Krankheit hervorgegangen. Ihr Haar hat sich weiß gefärbt, sie trägt Narben über die ...

Die junge Adelina und ihre Schwester Violetta haben die Blutseuche überstanden, doch Adelina ist gezeichnet aus dieser Krankheit hervorgegangen. Ihr Haar hat sich weiß gefärbt, sie trägt Narben über die Jahre hinweg. Durch eine Verkettung höchst unglücklicher Ereignisse gerät sie ins Visier der Inquisition und in höchste Gefahr, doch sie wird gerettet - von der Gemeinschaft der Dolche, die wohl ihre eigenen Pläne mit Adelina haben ...

Ich war gespannt auf dieses Jugendbuch, zudem war es mein erstes von der Autorin, da ich die „Legend“-Reihe nie gelesen habe. Als ich es in der Hand hielt, musste ich bedauernd feststellen, dass ich und das Cover uns nicht verstehen. Es ist kein „Love-at-the-First-Sight“ Buch, da ich mit dem Mädchen auf dem Cover recht wenig anfangen kann (außerdem gibt es mir kaum Anhaltspunkte, in welche Richtung die Geschichte geht).Positiv überrascht war ich von der detaillierten Karte im Inneren des Buches, mit deren Hilfe man einen Einblick in die verschiedenen Schauplätze erhält.

Der Einstieg gelang mir gut. Marie Lu hat einen klaren, aber keineswegs stumpfen Schreibstil. Sie geht nach dem Motto „weniger ist manchmal mehr vor“ und vermeidet blumige Umschreibungen oder zu genaue Landschaftsbebilderungen. Das ist auch keineswegs notwendig, musste ich feststellen. Ich hatte meinen Spaß mit den unterschiedlichen Charakteren und den Abenteuern, die sie bestritten haben.
Das Buch ist aus Adelinas Perspektive geschrieben im Präsens. Ergänzt wird die Ich-Perspektive durch kurze Abschnitte anderer Figuren, sodass der geneigte Leser einen kurzen Blick von außen auf die Szenerie erhält.
Adelina war mir sympathisch, obwohl sie keine typische Heldin ist. Aber gerade das a-typische macht ihren Charme wie ich finde aus. Sie offenbart im Laufe des Buches eine leichte Neigung zur Wut und zum Zorn, was den Weg zu einigen interessanten Wendungen eröffnet. Sie handelt dann und wann mal gegen die gängigen Moralvorstellungen und wird auch vor schwere Entscheidungen gestellt. Ich denke, das macht einen Großteil des Reizes an der Geschichte aus. In der Mitte hatte ich aber ein paar kleine Probleme mit den Charakteren. Ich hatte das Gefühl, dass sie manchmal blass erschienen, in den Hintergrund rücken. Einfach inkonsistent waren. Nicht nur Adelina, sondern auch die Dolche wie Raffaele oder Enzo. Am Ende des Buches ergaben ihre charakterlichen Schwankungen jedoch wieder Sinn.

Das Setting des Buches war ein Schmankerl für mich. Italienisches Flair, Gondeln, Masken, alles nicht zu opulent eingesetzt, sondern genau in der richtigen Dosierung. Da ich das Setting sehr mochte, fühlte ich mich auch in der Welt schnell zuhause.

Es gibt einige überraschende Twists in der Geschichte, die mich verwirrt zurückließen und die ich so bei einem Jugendbuch nicht erwartet hätte. Um ehrlich zu sein, empfand ich es als ziemlich erfrischend. Es drängt praktisch zum weiterlesen.

Alles in allem war ich positiv überrascht von den Charakteren einerseits, andererseits aber auch von den Plottwists, die mir sehr gefallen haben. Da lässt sich der ein oder andere Wackler verschmerzen. Ich vergebe für dieses Buch sehr gerne 4,5 Sterne und warte nun auf den nächsten Band, der hoffentlich ein wenig Klarheit bringt.