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Veröffentlicht am 23.02.2021

Von Rittern und Beginen

Die Jüdin von Magdeburg
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Mein erster historischer Roman von Ruben Laurin. Ich kenne den Autor jedoch unter anderem Namen, denn ich habe von ihm bereits einen historischen Krimi gelesen und werde demnächst Band zwei dieser Reihe ...

Mein erster historischer Roman von Ruben Laurin. Ich kenne den Autor jedoch unter anderem Namen, denn ich habe von ihm bereits einen historischen Krimi gelesen und werde demnächst Band zwei dieser Reihe lesen.

Mit der Jüdin aus Magdeburg habe ich mir anfangs etwas schwer getan. Ich kam längere Zeit nichr in die Geschichte, die sehr ausschweifend erzählt wird. Es gibt viele Figuren und auch einige Handlungsstränge. Normaler Weise habe ich damit kein Problem und das Personenverzeichnis zu Beginn war auch eine große Hilfe. Trotzdem hatte ich die ersten 150 Seiten kleinere Schwierigkeiten in die Geschichte hineinzufinden.

Der Klappentext erzählt meiner Meinung zuviel. Bis die Ereignisse, die in der Kurzbeschreibung erwähnt werden auch tatsächlich stattfinden, hat man bereits mehr als ein Drittel des Buches gelesen.

Ruben Laurin lässt die Ritterzeit wieder aufleben. Sein historischer Roman ist in zwei Teile geteilt. Buch Eins spielt im Sommer 1275 und wir lernen Esther aus dem Judendorf kennen. Ihr Vater Amos ist Geldeintreiber. Eine weitere wichtige Figur ist Wolfram von Hildesheim, Knappe von Ritter Adalbert von Stendal. Neben seiner Knappenausbildung dichtet er Verse und spielt auf der Laute. Dies nutzt sein Ritter Adalbert um der schönen Heilweg den Hof zu machen. Diese ist jedoch bereits dem Markgrafen, Otto IV von Brandenburg versprochen und Otto ist alles andere als ein Mann, der einem Kampf aus dem Weg geht.
Ein weiterer Handlungsstrang befasst sich mit der Begine Mechthild und ihrer Pflegetochter Genoveva, die von den Bewohnern Magdeburgs argwöhnisch beäugt und auch verspottet wird. Sie gilt als schwachsinnig, doch Genoveva hat das zweite Gesicht und sieht schreckliche Dinge für Magdeburgs Bewohner voraus. Dostl, der Sohn des Schmiedes, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle und wird Wolframs bester Freund.
Natürlich gibt es auch die üblichen Bösewichter, die wir in Ritter Gero von Greifenstein und dem "Peitschenmönch" Gallus von Trier kennenlernen.
Die Figuren sind teils fiktiv und teils historisch belegt. Viele von ihnen entwickeln sich weiter. Obwohl es doch eine Vielzahl an Charakteren gibt, sind diese sehr lebendig beschrieben und bleiben gut im Gedächtnis haften.

Buch zwei beschäftigt sich mehr mit den Kämpfen und dem Streit um die Nachfolge von Erzbischof Konrad II. Otto möchte seinen Bruder Erich als neuen Erzbischof in Magdeburg sehen. Als dieser nicht zu Konrads Nachfolger gewählt wird, beschließt Otto mit seinem Heer in die Stadt einzufallen.

Zu den detailverliebten Inhalt kamen auch noch einige Wiederholungen dazu, die vorallem in der ersten Hälfte zu einigen Längen führte. Jedoch fand ich die bildhaften Beschreibungen der Orte und der Stadt Magdeburg äußerst gelungen. Man hatte zu jeder Zeit Bilder im Kopf. Eine Karte der Stadt Magdeburg am Beginn des Buches ist ebenfalls eine Hilfe. Die Sprache wurde vom Autor der Zeit angepasst.

Leider bin ich auch über einige Fehler gestolpert: Die besagten Frühkartoffel findet man im 13. Jahrhundert sicherlich noch nicht, denn diese kamen aus Amerika und das war noch nicht entdeckt. Auch edle Spitze gab es zu dieser Zeit noch nicht. Hier hätte auch das Lektorrat nicht drüberstolpern dürfen!

Fazit:
Leider kam ich nur etwas holprig in die Geschichte, die mich erst ab der zweiten Hälfte packen konnte. Zu viele Figuren und Handlungsstränge machten das Lesen zu Beginn etwas mühsam und einige Recherchefehler sind mir zusätzlich noch aufgefallen. Ruben Laurin kann es eindeutig besser. Ich bleibe wohl lieber bei seinen historischen Krimis.

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Veröffentlicht am 16.02.2021

Sie wissen, was du tust

Die App – Sie kennen dich. Sie wissen, wo du wohnst.
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Nachdem ich letztes Jahr "Offline" von Arno Strobel gelesen habe, wollte ich auch seinen neuen Thriller "Die APP" lesen. Seine Geschichten sind immer sehr kurzweilig und spannend geschrieben, jedoch fand ...

Nachdem ich letztes Jahr "Offline" von Arno Strobel gelesen habe, wollte ich auch seinen neuen Thriller "Die APP" lesen. Seine Geschichten sind immer sehr kurzweilig und spannend geschrieben, jedoch fand ich auch hier wieder einiges zu konstruiert und überspitzt, wie es leider in letzter Zeit oftmals bei Thriller vorkommt und mir nicht gefällt.

Die Idee fand ich allerdings top und die Geschichte schreckt sicherlich auch von zu viel Digitalisierung ab. Für mich würde so und so kein Smart Home in Frage kommen, aber nach dieser Lektüre würde ich auf jeden Fall zweimal darüber nachdenken ;)

Hendrik und Linda haben sich allerdings für diese Variante entschieden und sind begeistert von ihrem neuen Heim und den Möglichkeiten, die sie damit haben. Doch dann verschwindet Linda eines Nachts spurlos und auf den Überwachungskameras ist nichts zu sehen. Hendrik wendet sich verzweifelt an die Polizei, doch diese denkt Linda wäre kurz vor der Hochzeit abgehauen. Ihm bleibt nichts anderes übrig als selbst nachzuforschen, denn Hendrik denkt nicht, dass ihn Linda freiwillig verlassen hat. Bald fühlt auch er sich beobachtet und plötzlich lässt sich die App für das Smart Home nicht mehr deaktivieren...

Arno Strobel behandelt auch in seinem neuen Thriller ein brandaktuelles Thema: die immer weiter verbreitete Digitalisierung. Er zeigt die positiven, aber auch die negativen Seiten auf, die uns in unserem täglichen Leben durch verschiedene technische Hilfsmittel begleiten.
Während Hendrik verzweifelt versucht Linda und den Fehler in der App zu finden, wird die Atmosphäre immer beklemmender und die Verdächtigen immer mehr.

Der Schreibstil ist eher einfach, die Sätze und Kapitel sind kurz und knapp. Die Spannung ist hoch und bleibt ziemlich auf diesen Level. Man möchte unbedingt wissen, was hinter dem Verschwinden von Linda und der App, die auf einmal nicht mehr funktioniert, steckt.

Leider wusste ich auch ziemlich schnell wer hinter all den Ereignissen steckt. Die Auflösung fand ich etwas weit hergeholt und wirkte gezwungen. Was spannend beginnt, wird leider durch den unglaubwürdigen Showdown zu einem Mittelklassethriller, wie ich ihn in letzter Zeit leider viel zu oft lese.

Fazit:
Ein Thriller, der beklemmend und stark beginnt, jedoch immer mehr abfällt und am Ende ins Unglaubwürdige abdriftet, wie leider viele Bücher dieses Genres. Kann man lesen, muss man aber nicht...

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Veröffentlicht am 27.01.2021

Schwer in ein Genre einzuordnen

Verity
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Was hat dieses Buch im Vorfeld für eine Hype ausgelöst! Natürlich hat es auch mich neugierig gemacht, vorallem als es hieß Colleen Hoover gehe mit "Verity" in die Thriller-Richtung. Zuvor hatte ich noch ...

Was hat dieses Buch im Vorfeld für eine Hype ausgelöst! Natürlich hat es auch mich neugierig gemacht, vorallem als es hieß Colleen Hoover gehe mit "Verity" in die Thriller-Richtung. Zuvor hatte ich noch kein Buch der Autorin gelesen, die ja eher im Bereich New Adult sehr bekannt ist. Als ich es in unserer Bücherei fand, musste ich es mitnehmen und der Hype auf den Grund gehen ;)

Gleich vorweg...ein Thriller ist "Verity" nicht wirklich, aber man könnte ihn in die Schiene der Romance Thriller einordenen - mit einen großen Schuss Erotik. Ehrlich gesagt, brauche ich bei einem Thriller kein Liebesgedöns und schon gar keine Erotik und das hat mich hier auch am meisten gestört. Trotzdem kann ich vorweg sagen, dass das Buch ein Pageturner ist.

Die eher erfolglose Jungautorin Lowen Ashleigh bekommt den Auftrag ihres Lebens. Sie soll die Psychothriller-Reihe der gefeierten Autorin Verity Crawford als Ghostwriter beenden. Verity liegt seit einem schweren Autounfall im Koma. Den Lesern von Veritys Büchern soll dieser Umstand vorenthalten werden bis diese wieder genesen ist. Lowen, die finanziell durch die Pflege ihrer schwerkranken Mutter nur knapp über die Runden kommt, nimmt das verlockende Angebot an. Jeremy, der sympathische und attraktive Eheman von Verity, tut das Übrige dazu. Lowen unterschreibt den Vertrag und macht sich auf in das Heim der Crawfords. Dort liest sie sich durch die Reihe und recherchiert in Veritys Unterlagen. Dabei stößt sie auf verstörende Lektüre in ihrem Tagebuch....

Gleich auf den ersten Seiten wirft Colleen Hoover dem Leser einen verstörenden Vorfall vor die Füße, der eigentlich mit der weiteren Handlung nichts zu tun hat, aber den Leser sofort an die Seiten fesselt. Sehr schnell fragt man sich, warum gerade Lowen diesen Auftrag erhält und was hinter der ganzen Geschichte steckt. Der rote Faden ist dabei immer die im Wachkoma liegende Verity, die scheinbar alle unter Kontrolle hat. Der Tod ihrer beiden Töchter wirft, ebenso wie ihr Unfall, Fragen auf.
Als Lowen ihre Tagebücher findet und Veritys Gedanken liest, hält man oftmals vor Entsetzen die Luft an. Gestört werden diese schockierenden Einträge jedoch immer wieder von den ziemlich detailliert beschrieben erotischen Szenen, die Verity in ihren Aufzeichnungen immer wieder einfügt. Sie bringen der Story rein gar nichts, wiederholen sich und sind oftmals störend und abstoßend.

Lowen und Jeremy bleiben neben Verity, die der Dreh- und Angelpunkt der teilweise sehr überzogenen und bizarren Geschichte ist, blass. Lowen verfällt Jeremy genauso, wie Verity, und erschien mir auch noch furchtbar naiv. Als Hauptprotagonistin ist sie keine gelungene Figur und ist, wie Jeremy, kein Sympathieträger.
Man verdächtigt die ganzen 368 Seiten jeden der handelnden Figuren, sogar den kleinen Sohn von Jeremy und Verity hatte ich in Verdacht.

Die Grundidee fand ich jedoch absolut genial und ich hatte eine richtige Vermutung, jedoch lag ich sonst komplett falsch. Denn mit den Schockfaktor am Ende, den die Autorin eingebaut hat, hat sie mich wirklich überrascht und sprachlos zurückgelassen. Einerseits wirklich gelungen, aber andererseits auch sehr an den Haaren herbeigezogen. Trotzdem wird mir das Buch in Erinnerung bleiben und das dürfte genau das sein, was die Autorin damit bezweckt hat.
Hat es mich begeistert? Nein! "Richtigen" Thrillerautoren kann sie damit nicht das Wasser reichen und überzeugten Thrillerlesern fehlt hier Entscheidendes...trotzdem bin auch ich durch die Seiten geflogen (auch wenn ich ab und zu mit dem Kopf geschüttelt habe) und Colleen Hoover ist es gelungen ein Buch zu schreiben, über das man spricht. Chapeau!

Cover:

von links nach rechts:
das portugiesische, das spanische, das persiche, das englische, das estnische und das mazedonische Cover

Fazit:
Ein Pageturner, verstörend, aber trotzdem kein wirklicher Thriller. Die unnötigen Sexszenen haben in diesem Genre keinen Platz und bringen auch diese Geschichte nicht weiter. Der Suchtfaktor beim Lesen ist dennoch da. Skurill, verstörens, bizarr und übertrieben....

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Veröffentlicht am 21.12.2020

Chaos in einem kleinen isländischen Hotel

Das kleine Hotel auf Island
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Schon vor Monaten habe ich den vierten Band der Romantic Escape Reihe gelesen und nun endlich vor dem Jahresende soll es auch eine Rezension dazu geben.
Den ersten Band der Reihe "Das kleine Café in Kopenhagen" ...

Schon vor Monaten habe ich den vierten Band der Romantic Escape Reihe gelesen und nun endlich vor dem Jahresende soll es auch eine Rezension dazu geben.
Den ersten Band der Reihe "Das kleine Café in Kopenhagen" habe ich gelesen und für ganz nett befunden. Vorallem der Hygge-Gedanke kam hier sehr gut zu tragen. Band 2 und 3 habe ich dann ausgelassen und mich für den vierten entschieden, da er auf Island spielt. Ein Land, das ich schon immer gerne bereisen möchte.

Nun hat mich der vierte Band doch etwas skeptisch zurückgelassen. Es ist ein netter Wohlfühlroman, aber einige Aktionen sind doch sehr an den Haaren herbeigezogen. Natürlich weiß man das als Leser bei Büchern dieser Art, aber etwas mehr Realismus und weniger Klischee hätte der Geschichte gut getan.
Lucy hat ihren Job und ihre Wohnung verloren und ihr Ex, dem sie ihre Kündigung zu verdanken hat, hat sie in der Hotelbranche unmöglich gemacht. Deshalb ergreift sie sofort die Chance, als sie ein spannendes Angebot auf Island erhält. Sie soll dort als Hotelmanagerin ein kleines Hotel auf Vordermann bringen. Der Haken dabei ist, dass der Job befristet ist und ihr nur zwei Monate zur Verfügung stehen. Doch Lucy ist voller Tatendrang und möchte sich beweisen. Das erweist sich allerdings schwieriger, als gedacht, denn alles, was sie angreift, geht schief. Zusätzlich glauben die Angestellten an die Macht von Feen und Kobolde und Alex, der schottische Barmann, treibt sich immer wieder dort herum, wo er eigentlich gar nicht sein sollte. Als dann auch noch eine britische Film-Crew anreist, die eine Reality-Doku im Hotel drehen will, ist Lucy knapp davor aufzugeben...

Schon dieser Text oben bringt mir wieder diese völlige Übertriebenheit aller Handlungen vor Augen, auch wenn Caplin in ihrer Reihe vorallem den "Wohlfühlaspekt" herausstreichen möchte. Die Probleme werden viel zu schnell aus dem Weg geräumt und auch die Romantik hat bei mir nicht wirklich angeschlagen. Ich fühlte weder ein Knistern, noch konnte ich mit den Beiden mitfühlen.
Welches Geheimnis hinter Lucys damalige Kündigung steckt, wird nach und nach gelüftet und hat hat mich unglaublich den Kopf schütteln lassen. Sie ist eine sympathische Protagonistin, der immer wieder Hürden in den Weg gelegt werden, die sie mehr oder wneiger erfolgreich umschifft. Allerdings ist auch ihre Figur sehr klischeehaft beladen. Welches Geheimnis hinter Alex steckt und wie es am Ende mit den beiden weitergeht, müsst ihr allerdings selbst lesen.

Toll fand ich hingegen die Beschreibungen der Landschaft und der Sehenswüridgkeiten in der Umgebung. Die Polarlichter, die heißen Quellen und Geysire möchte ich unbedingt auch einmal in natura sehen. Dazu gibt es auf der Innenseite des Covers noch eine Landkarte vom Süd-Westen der Insel mit den eingezeichneten Tourismusspots.

Eigentlich habe ich schon ein Auge auf Band 5 geworfen, der in Kroatien spielt. Heute habe ich jedoch gesehen, dass der Verlag zuerst Band 6 übersetzt hat und diesen als Band 5 im Deutschen ausgibt. Da jede Geschichte für sich abgeschlossen ist, spielt das keine Rolle, trotzdem bin ich etwas entäuscht. Der nächste auf Deutsch übersetzte Band der Reihe wird in Japan spielen und "Der kleine Teeladen in Tokyo" heißen.

Schreibstil:
Der Erzählstil von Julie Caplin ist leicht und locker, bildhaft und unterhaltsam. Die Figuren werden etwas überspitzt dargestellt. Auch in diesem Band wechseln Witz und Situationskomik mit bildhaften Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten ab. Das Thema Hygge kommt auch in dieser Geschichte vor und scheint der Autorin wichtig zu sein.


Fazit:
Bei Band Eins konnte ich noch ein Auge zudrücken, aber hier war mir vieles doch zu klischeehaft und etwas zu unrealistisch. Auch wenn es ein Wohlfühl- und Liebesroman ist, sollte ein bisschen mehr Realität vorhanden sein. Gut gefallen haben mir die Landschaftsbeschreibungen und das Thema Hygge, das auch hier wieder aufgegriffen wird. Ganz nett zu lesen, aber wird mir kaum in Erinnerung bleiben.

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Veröffentlicht am 03.11.2020

Ein Dichter und eine Sattlerin in den Fängen der Räuber

Die Gabe der Sattlerin
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Über den Autor Ralf H. Dorweiler habe ich von meinen lesebegeisterten Freundinnen, die sich ebenfalls im historischen Genre tummeln, bisher nur sehr gute Stimmen gehört. Ich habe noch "Der Pakt der Flößer" ...

Über den Autor Ralf H. Dorweiler habe ich von meinen lesebegeisterten Freundinnen, die sich ebenfalls im historischen Genre tummeln, bisher nur sehr gute Stimmen gehört. Ich habe noch "Der Pakt der Flößer" und "Der Gesang der Bienen" auf dem SuB.

Nun ist es aber leider so, dass mich "Die Gabe der Sattlerin" nicht restlos überzeugen konnte. Mir waren es teilweise zu viele Zufälle und die Hauptprotagonistin rückt oftmals zu sehr in den Hintergrund. Diese, nämlich Charlotte Sattler, flieht zu Beginn des Romans vor ihrer eigenen Hochzeit mit dem wesentlich älteren Amtmann Juliuas Magnus Lenscheider. Die überstürzte Flucht findet bald ein Ende, als Charlotte von einer Räuberbande überfallen wird. Diese schicken sie zum herzöglichen Hofgestüt Marbach, wo sie sich als Sattlerin bewerben soll. Dort soll sie für die Bande auskundschaften, wann der erwartete Geldtransport für den württembergischen Herzog eintreffen wird. Charlotte findet tatsächlich eine Anstellung als Sattlerin und befreundet sich mit dem Pferdearzt, einen gewissen Friedrich Schiller. Dieser ist eigentlich Medicus und soll sein Regiment versorgen, doch Herzog Carl Eugen hat ihm statt seiner Bezahlung auf das Gestüt strafversetzt. Charlotte hilft Friedrich bei den Pferden und entdeckt, dass der Medicus an einer Geschichte schreibt, die er "Die Räuber" nennt. Und schon bald hat er mehr Stoff für sein Theaterstück, als ihm lieb ist....

Gefallen hat mir die Einbeziehung von Friedrich Schiller, der als Militärarzt arbeitet und sich nebenher seiner Dichtkunst widmet. Der noch unbekannte Dichter trifft in der Geschichte auf Charlotte und wird für sie ein Freund und Verbündeter. Die Verflechtung von Schillers Stück "Die Räuber" und der berüchtigten Räuberbande um den Hannikel ist eine tolle Idee.
Leider blieb trotz der reichlichen Themen die Spannung auf der Strecke, was ich als größtes Manko an der Geschichte fand.

Historisch hat mir die Geschichte gut gefallen, die einige Einblicke in das Leben des verschwendungssüchtigen Herzog Carl Eugen gibt. Ich habe oft noch zusätzlich gegoogelt um mich noch mehr mit dieser Zeit zu befassen. Auch die Beschreibungen des landschaftlichen Gebietes, die Schauplätze in Württemberg, Baden und dem Schwarzwald, der damals zum Habsburger Hoheitsgebiet gehörte, sind gelungen.

Die Figuren sind sehr bildhaft dargestellt. Charlotte, als eigentliche Hauptfigur, bleibt allerdings zu blass. Irgendwie verstrickt sie sich in zu unglaubwürdige Situationen und ist plötzlich aus heiterem Himmel umgeben von unzähligen Verehrern.
Es gibt meiner Meinung auch zu viele eher unglaubwürdige Begebenheiten und Vorkommnisse, wie z. Bsp. der plötzliche Opernauftritt eines Mitgliedes der Räuberbande
Das Ende war mir ebenfalls zu überstürzt. Es überschlagen sich die Ereignisse und innerhalb kurzer Zeit wird alles zu schnell aufgelöst.

Schreibstil:
Die Sprache ist der Zeit angepasst und ließ sich sehr gut lesen. Der subtile Humor und die Situationskomik sind gelungen. Die vielfältigen Dialoge haben mich gut unterhalten. Der Autor hat bestens recherchiert.
Die mit Hufeisen gestalteten Kapitelüberschriften, die zusätzlich mit einem Zitat aus Schillers "Die Räuber" versehen wurden, sind vom Verlag sehr liebevoll gestaltet worden. Zu Beginn gibt es ein ausführliches Personenverzeichnis. Im Nachwort geht der Autor auch auf den Romanschauplatz Schloß Grafeneck ein, das in der Zeit der Nationalsozialisten als Euthanesiestätte verwendet wurde.

Fazit:
Schreibstil, Setting und historische Begebenheiten sind in diesem Roman sehr lebendig. Leider konnte mich aber die fiktive Story rund um Charlotte Sattlerin nicht wirklich überzeugen. Da ich noch zwei Bücher des Autors auf dem SuB habe, hat er noch die Chance mich mit seinen anderen Romane zu überraschen.

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