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Veröffentlicht am 09.04.2021

Nicht gleich gefesselt

Draussen
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der neue Thriller von Volker Klüpfel und Michael Kobr dann doch gefesselt hat. Das Schriftsteller-Duo um Kommissar Kluftiger beschreitet mit "Draußen" neue Wege.

Handlungsort ist zunächst der Wald. Stephan ...

der neue Thriller von Volker Klüpfel und Michael Kobr dann doch gefesselt hat. Das Schriftsteller-Duo um Kommissar Kluftiger beschreitet mit "Draußen" neue Wege.

Handlungsort ist zunächst der Wald. Stephan lebt in einem Wohnwagen am Waldrand zurückgezogen mit zwei Kindern, als Outdoor-Trainer - ein mäßig erfolgreicher allerdings, denn allzu oft schockt er die Teilnehmer mit seinen Aktionen.

Schon bald wird deutlich, dass der Mann mit den Kindern unterhalb des Radars lebt, im Verborgenen, auf der Flucht. Doch vor wem? Und weshalb bildet Stephan die Kinder zu Kämpfern aus?

Zum Brandenburger Wald gesellen sich nach und nach weitere Handlungsorte, unter anderem der Berliner Politikbetrieb und die französische Fremdenlegion. Wie genau die unterschiedlichen Erzählfäden zusammenhängen, bleibt bis zum Schluss spannend.

Allerdings hat mich das Buch auch erst ab der zweiten Hälfte für sich eingenommen. Dadurch, dass man - gerade wegen des Spannungsaufbaus - am Anfang nur sehr wenig über die Personen weiß, alles sehr geheimnisvoll ist, bleiben sie einem enorm fremd. Der verbissene Outdoor-Trainer, die abgeschotteten Kinder: beim Lesen konnte ich nur wenig damit anfangen, auch wenn die Kinder nach und nach doch etwas mehr Kontur bekommen. Erst als der Berliner Politikbetrieb zur Handlung dazustößt, wird die tröge Welt etwas lebendiger - wobei deren Vertreter Wagner alles andere als sympathisch ist. Auf jeden Fall aber ist es eine schillernde Figur, was man von den anderen Protagonisten so nicht sagen kann. Da stört es auch nicht sonderlich, dass man als Leser sich an Wagner und seinen Machenschaften eher reibt.

Was allerdings sehr störend ist, ist die plakative Darstellung der Politik. Intrigen, Ränkespiele, Lobbyismus - aus mehr besteht Politik in "Draußen" nicht. Da wirkt es dann fast schon glaubwürdig, wenn der Roman ins Dystopische abgleitet, als nach einem Unwetter in ganz Deutschland der Strom ausfällt. Spätestens ab diesem Moment wollte ich zumindest unbedingt wissen, wie alles miteinander zusammenhängt.

Da ich kein Freund von langen actiongeladenen Beschreibungen bin, hat mich das Ende des Buches an manchen Stellen doch noch einmal sehr herausgefordert.

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Veröffentlicht am 30.01.2021

Zwei Brüder, zwei Könige

Ihr Königreich
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Jo Nesbøs Buch „Ihr Königreich“ hat mich sehr zwiegespalten zurückgelassen. Es ist streckenweise sehr spannend, die Landschaft sehr überzeugend beschrieben – wie auch die Menschen, die ebenso karg wie ...

Jo Nesbøs Buch „Ihr Königreich“ hat mich sehr zwiegespalten zurückgelassen. Es ist streckenweise sehr spannend, die Landschaft sehr überzeugend beschrieben – wie auch die Menschen, die ebenso karg wie die Landschaft zu sein scheinen.

Dennoch: Die Geschichte um die beiden Brüder Roy und Carl Opgard hat mich nicht gefesselt. Die Beziehung der beiden Brüder hätte dies hergegeben. Carl kehrt aus Kanada zurück, verheiratet und erfolgreich. Mitten in den norwegischen Bergen will er nun ein Hotel erbauen. Sein Bruder weiß nicht, was er von der Rückkehr halten soll. Denn darüber, was er im fernen Kanada gemacht hat, gibt es wilde Spekulationen.

Doch das Verhältnis der beiden Brüder bleibt im Unklaren. Nur, wenn es auf die Probe gestellt wird, kommt Spannung in die Handlung hinein. So sind es auch die überraschenden Wendungen, von denen der Roman lebt.

Mir sind beim Lesen die meisten Figuren des Romans fremd geblieben – allen voran Roy, aus dessen Sicht die Handlung erzählt wird. Aber auch die Nebenfiguren, die immer wieder auftauchen wie etwa die Tankstellenmitarbeiter, haben für mich beim Lesen kaum Gestalt angenommen.

Worauf der Roman mit seiner Vielzahl an Morden hinaus will, ist mir nicht klargeworden. Er ist weder grotesk angelegt noch will er die Psyche eines Mörders erklären. Für bloße Unterhaltung wiederum werden die Morde deutlich zu brutal erzählt.

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Veröffentlicht am 28.11.2020

Ohne Hörspiel: nicht überzeugend

Asterix - Der Goldene Hinkelstein
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Nein, das gleich vorneweg: Ein neuer Asterix-Comic, das ist „Der goldene Hinkelstein“ nicht. Vielmehr ist es das Skript eines Hörspiels, das bereits 1967 in Frankreich veröffentlicht wurde. Und nein: es ...

Nein, das gleich vorneweg: Ein neuer Asterix-Comic, das ist „Der goldene Hinkelstein“ nicht. Vielmehr ist es das Skript eines Hörspiels, das bereits 1967 in Frankreich veröffentlicht wurde. Und nein: es ist kein Comic. Die alten Hörbuchillustrationen von Albert Uderzo sind auch in diesem Band nur Illustrationen und können einen Comic nicht ersetzen, auch wenn sie für den Band neu bearbeitet wurden.

Die Handlung ist einem Hörspiel für Kinder entsprechend eher einfach erzählt, es konzentriert sich alles auf die Haupthandlung: Troubadix‘ Auftritt beim Bardenwettstreit um den Preis des „Goldenen Hinkelsteins“. Hinzu kommt noch ein kunstliebender römischer General, der gerne seinen eigenen Barden hätte…

Ich muss zugeben: Wäre das Heft zusammen mit dem Hörspiel erschienen, hätte ich es deutlich besser bewertet. Nur als Textheft ist es eine eher fade Angelegenheit, den neuen Asterix zu lesen.

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Veröffentlicht am 18.10.2020

Ulrich und die Flucht aus seinem Leben

Die Geschichte von Ulrich, der bei IKEA einzog und das Glück fand
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Ulrich ist arbeitslos. Nach dem Tod seiner Eltern schafft er es nicht, selbständig zu werden. Als er vom Arbeitsamt aufgefordert wird, einen Computerkurs zu absolvieren, tritt er die Flucht aus seinem ...

Ulrich ist arbeitslos. Nach dem Tod seiner Eltern schafft er es nicht, selbständig zu werden. Als er vom Arbeitsamt aufgefordert wird, einen Computerkurs zu absolvieren, tritt er die Flucht aus seinem Leben an und so entsteht „Die Geschichte von Ulrich, der bei Ikea einzog und das Glück fand„.

A.S. Dowidat, Theologin aus Bonn, hat sich diese Geschichte ausgedacht. Es ist eine recht nachdenklich daherkommende Geschichte – auch wenn das knallgelbe Cover vielleicht etwas andere Erwartungen weckt. Die „Geschichte von Ulrich“ ist eher ein modernes Märchen darüber, wie man mit seinem Leben zurechtkommen kann als über das Finden von Glück. Wer ein Buch erwartet wie „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ wird sicherlich das Buch enttäuscht beiseite legen. Denn als Ulrich schließlich das Möbelhaus zu seinem Wohnort erkürt und sich regelmäßig abends einschließen lässt, denkt er mitnichten über sein eigenes Glück nach.

Nein, Ulrich sucht nicht sein Glück. Vielmehr braucht es andere, die ihn schließlich aus seiner Lethargie befreien – oder aus seiner Rolle als bloßer Beobachter, wie Ulrich sich sieht. Gisela etwa, aber auch die ominöse Nachtwächterin, der er immer wieder begegnet. Dazu kommt eine Stimme, die ihn immer wieder ruft „Komm, Ulrich…“ – und die ihn immer zur Nachtwächterin führt.

Nichtsdestotrotz hat Ulrich auch andere Seiten. So versteckt er Zettel in dem Möbelhaus, die die Finder zum Nachdenken anregen sollen – er selbst allerdings tut dies mitnichten. „Glauben Sie, dass im Selbstaufbauen von Möbeln Lebensglück liegt?“ steht etwa auf einem der Zettel.

Diese Zettel gehörten zu den humorvolleren Ideen des Buches. Auf mich wirkte das Buch allerdings insgesamt sehr konstruiert. Alles muss eben gut ausgehen. Zudem kommen einzelne Szenen sehr plakativ daher. Ulrich etwa, so sagt es der Roman, sei jemand, der „noch nie“ etwas abgelehnt habe. Noch nie… – naja! Dann die Versöhnung mit den Eltern: ratzfatz im Sauseschritt wird alles vergessen, was die Beziehung zuvor belastet hat. Wer’s glaubt…

Auch der Bezug zur Religion gehört zu dem, was mich an dem Buch nicht ganz überzeugt hat. Die Begegnung mit der Religion ist auf drei größere Szenen fokussiert. Sehr mundgerecht wird danach dann präsentiert, was Ulrich daraus lernen konnte. Als Leser wird man in „Die Geschichte von Ulrich, der bei Ikea einzog und das Glück fand“ von der Autorin an eine sehr enge Leine genommen. Für mich war es eine zu enge Leine.

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Veröffentlicht am 09.05.2020

Von einem, der auszog und nichts erreichte

Stern 111
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Lutz Seilers neuer Roman „Stern 111“ hat mich nicht überzeugt. Er hat mich beim Lesen immer mehr gelangweilt, und ich befürchte, dass das sogar so beabsichtigt ist. Schließlich endet der Roman mit der ...

Lutz Seilers neuer Roman „Stern 111“ hat mich nicht überzeugt. Er hat mich beim Lesen immer mehr gelangweilt, und ich befürchte, dass das sogar so beabsichtigt ist. Schließlich endet der Roman mit der kläglichen Selbsterkenntnis des Erzählers: „er war jetzt Mitte zwanzig, und er war nichts.“

Der Roman spielt in der Wendezeit. Eine Zeit, in der alles möglich und nichts unmöglich schien. Für die Hauptfigur Carl eine Zeit der Selbstfindung. Für den Leser eine Zeit der Langeweile. Nichts passiert. Carl probiert sich aus. Will Schriftsteller werden. Vielleicht. Aber gleichzeitig lebt er dahin. In den Tag hinein. Von Gera aus, wo er das Haus seiner Eltern behüten soll, die in den Westen gegangen sind, um ihr Glück zu machen, bricht Carl nach Berlin auf, um sein Glück zu suchen. Ein Glücksritter allerdings ohne jedwede Ambitionen. Einer, der sich treiben lässt.

Er übernachtet zunächst im Auto, verdient sich etwas Geld, indem er schwarz Taxi fährt. Schließlich landet er in der Hausbesetzerszene, wo er versumpft. Was er allerdings nicht bemerkt, denn er scheint sich frei und unabhängig zu fühlen.

Als Leser tut man es recht bald den Eltern nach und verlässt den Protagonisten, lässt ihn mit seinem Schicksal allein. Hat er das Zeug zum Schriftsteller? Keine Ahnung. Hat er den Ehrgeiz, etwas erreichen zu wollen? Ach, wer weiß. Ist er glücklich? Hmm, vielleicht. Irgendwie. Meistens eher nicht. Sind seine Gedichte überhaupt gut? Keine Ahnung. Wird das was mit ihm und Effi, die er wiedergetroffen hat? Es interessiert mich nicht. Ja, als Leser wird man bald ganz abgekühlt gegenüber dem Schicksal von Carl.

Umso mehr will man wissen, wie es mit seinen Eltern weitergeht. In Briefen informiert die Mutter ihren Sohn über ihre ersten Schritte im Westen. Diesen Briefen fiebert man entgegen, um der Langeweile von Carls Leben zu entgehen. Die Eltern, so scheint es, nehmen ihr Leben selbst in die Hand, beginnen ein neues Leben. Ein Aufbruch, den Carl ihnen zutiefst verübelt, er dichtet seinen Eltern sogar ein zweites, paralleles Leben an, von dem er nichts gewusst habe. Sie hätten ihn, den über 20-Jährigen, verlassen, wirft er ihnen vor.

Eine Ziege ist es schließlich, die Carl sagen muss, dass die „wilden Zeiten“ vorbei sind. Ach, wären sie doch nur wild gewesen! Ach, wäre es doch nun wirklich Carls Verhängnis gewesen, Gedichte zu schreiben, wie es auf einer der letzten Seiten des Buches heißt! Stattdessen ist Carl nichts weiter als „faulendes Treibholz“, das ohne Richtung in den Straßen von Berlin vor sich hin treibt.

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