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Veröffentlicht am 05.05.2021

Großartig!

Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte
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"Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte" ging mir schon seitdem ich zum ersten Mal das Cover und die Inhaltsangabe gesehen hatte, nicht mehr aus dem Kopf. Vermutlich lag das hauptsächlich an diesem wahnsinnig ...

"Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte" ging mir schon seitdem ich zum ersten Mal das Cover und die Inhaltsangabe gesehen hatte, nicht mehr aus dem Kopf. Vermutlich lag das hauptsächlich an diesem wahnsinnig schönen Cover, aber auch die vielen begeisterten Rezensionen der englischen Ausgabe machten das Buch für mich zu einem must read. Die Inhaltsangabe klang zwar interessant und vielversprechend, lies aber dennoch vieles offen und ich fragte mich die ganze Zeit, was in diesem Buch nur alles passieren wird. Und was soll ich sagen, meine Hoffnungen wurden alles andere als enttäuscht, ich liebe dieses Buch! Ein absolutes Lesehighlight! Daher will ich zum Inhalt auch gar nicht viel mehr sagen, lassen Sie sich selbst überraschen und von dem Buch gefangen nehmen!

Zu Beginn hatte ich zwar noch so meine Startschwierigkeiten, denn Linus' Tagesablauf war alles andere als spannend und die miesepetrigen Nachbarn und Kollegen taten ihr übriges dazu, dass ich anfangs nicht so ganz wusste, was das hier wird. Auch mit Linus Auftrag auf der geheimnisvollen Insel Marsyas, seiner Reise dorthin und der Begegnung mit den Bewohnern des Heimes auf der Insel ließen meine Schwierigkeiten noch nicht vollständig nach. Ich wollte mehr über diese andere Welt wissen, in der ich gelandet war und deren Beschreibungen zu wünschen übrig ließen. Linus Art fand ich anfangs echt anstrengend, wie er vor allem Angst hatte, so stark auf die Regeln und Gesetze fokussiert war und gefühlt ständig schweißgebadet war. Und zu guter Letzt konnte ich mir die Kinder in Mr. Parnassus' Heim, die äußerlich teilweise schon interessant und sehr anders beschrieben wurden, nur schlecht vorstellen. Den Schreibstil fand ich zwar gut, aber manchmal doch etwas zu iterativ. Aber nach und nach habe ich vor allem in diesem Punkt gemerkt, dass es darum in dem Buch überhaupt nicht geht: Im Gegenteil! Die Botschaft ist doch, jemanden nicht als anders wahrzunehmen, sondern trotzdem als Menschen, der gleich und vor allem gleichwertig wie alle anderen ist! Im Laufe des Buches habe ich immer mehr bemerkt, wie meine anfänglichen Problemchen sich in Luft aufgelöst haben und plötzlich sogar Sinn ergaben.

Spätestens ab der Hälfte des Buches war für mich alles völlig stimmig, ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen und habe die Sätze geradezu aufgesaugt. Es war, als würde ich mich gemeinsam mit Linus in die neue Welt hineinfinden und die Bewohner des Heimes einfach als Menschen zu akzeptieren, nicht mehr die Regeln und Standarts (in meinem Fall von anderen Fantasyromanen) zu ersehnen, sondern mich einfach auf diese Reise einzulassen. Und genauso erging es Linus, de hinter den magisch begabten Kindern plötzlich charakterstarke und faszinierende kleine Persönlichkeiten entdeckte und langsam begann, diese in sein Herz zu schließen und sich gleichzeitig aus seiner strukturierten und langweiligen Welt zu entfernen. Die charakterliche Entwicklung von Linus fand ich einfach großartig gezeichnet, so feinfühlig und ergreifend! Allgemein bot der Roman die ganze Bandbreite an Gefühlen, die einen beim Lesen überkommen können! Ich hatte mehrfach Tränen in den Augen, hatte manchmal das Gefühl, das Herz schäumt mir über vor Emotionen und Zuneigung für die Figuren, ich musste aber auch immer wieder auflachen durch den großartigen Humor, der sich im Buch versteckte!

Das Buch beinhaltet neben einem geheimnisvollen Setting in einer magischen Welt eine tiefgehende Liebesgeschichte mit zwei äußerlich und anfangs innerlich so ungleichen Menschen, die nicht perfekt sind und den Standards entsprechen! Das war so unglaublich erfrischend zu lesen und die Gefühle, die ich beim Lesen hatte waren genauso aufrichtig und schön! aber das Buch vermittelt auch viele wichtige Botschaften und spricht für die, die als "anders" angesehen werden, als nicht "normal" und zeigt auf, was die Gesellschaft mit solchen Menschen machen kann, wenn sie sie nicht als gleichwertigen Teil von sich aufnimmt. Ein Aufschrei und ein Hoffnungsschimmer zugleich! Ein großartiges Stück Literatur, eine große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 22.04.2021

Spannung, Gänsehaut und Fassungslosigkeit

Girl A
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Zuerst muss ich sagen, dass ich echt nicht gerne gruselige Bücher und Filme lese/sehe und für mich ist die Grenze für gruselig schon sehr niedrig gesetzt. Auf "Girl A" war ich durch Cover, Titel und Inhaltsangabe ...

Zuerst muss ich sagen, dass ich echt nicht gerne gruselige Bücher und Filme lese/sehe und für mich ist die Grenze für gruselig schon sehr niedrig gesetzt. Auf "Girl A" war ich durch Cover, Titel und Inhaltsangabe aber schon so gespannt, dass mich das Buch nicht mehr losgelassen hat und ich nach der Leseprobe einfach wagen musste, es zu lesen. Nach dem Ende des Buches bin ich sehr froh darum, diese unglaubliche, erschütternde, spannende und einfach krasse Geschichte gelesen zu haben. Trotz vieler heftiger Beschreibungen, bei denen ich echt schlucken musste und auch mal eine Gänsehaut bekam, war es für mich im Rahmen und ich denke ich kann auch weiterhin gut schlafen. Der Fokus der Geschichte lag auch tatsächlich nicht so sehr auf den erschütternden Erlebnissen während Lex' Kindheit, sondern auch stark auf der Verarbeitung dieser und dem weiteren Leben der Opfer dieses scheußlichen Verbrechens im Haus des Grauens.

Zuerst mal zum Schreibstil: Wow. Ich war von der ersten Seite an total gefangen und konnte das Buch nie so richtig weglegen oder die Geschichte ganz vergessen. Es hat mich in den letzten Tagen immer verfolgt, wissen zu wollen, wie es weiter geht. Trotzdem war Girl A für mich kein Buch, das ich in einem Rutsch hätte durchlesen können, dazu gab es einfach zu viel zu verdauen. Ich fand die Charaktere, deren Entwicklungen und vor allem psychische Tiefen, aber auch die Beziehungen zwischen ihnen unglaublich gut beschrieben und spannend. Manchmal musste ich mir selbst Einhalt gebieten und nochmal eine Seite zurückblättern, weil ich vor lauter Spannung ein paar Sätze ausgelassen hatte und dann plötzlich total verwirrt war. Mein eigener Fehler. Lex fand ich schnell sympathisch, aber ich fand gleichzeitig auch, dass man ihr ihre Probleme mit der Vergangenheit angemerkt hat und sie teilweise auch "seltsam" wirkte, ihre Gedanken und Taten nicht immer ganz begreifbar für mich waren und man einfach merkte, dass ihre Vergangenheit Spuren hinterlassen hatte. Das macht sie sehr authentisch. Auch die anderen Überlebenden, ihre Geschwister, waren interessant und eigenwillig skizziert, vor allem die Dynamiken zwischen den Geschwistern, damals wie heute, waren sehr eindrücklich geschildert. Durch die tiefen Einblicke in die Vergangenheit und die komplette Familiengeschichte konnte man die Entwicklung der Eltern zu völlig anderen Menschen miterleben, als sie es anfangs zumindest in Teilen noch waren. Vor allem die Abgründe, in die sich der Vater immer weiter begab, waren wahninnig realistisch und schockierend beschrieben. Und auch wenn man eigentlich dachte, die wesentlichen Fakten der Geschichte sein bereits von Beginn an auf dem Tisch, so hielt das Buch immer wieder Wendungen bereit, die ich so nicht hatte kommen sehen. Also auch der Spannungsbogen war für mich total gut gelungen!

Spannend fand ich auch den Blick auf die vielen Nebencharaktere der Geschichte, wie die Adoptiveltern der einzelnen Geschwister, Lex' Psychologin Dr. K, ihre Chefin Devlin oder ihre Unifreunde Christopher und Olivia. Auch manche dieser Personen gaben mir Rätsel auf und blieben für die gesamte Geschichte in einem seltsamen Licht, so dass ich auch nach dem Ende des Buches immer weiter darüber sinniere, welche Bedeutung manche Charaktere und andere Kleinigkeiten hatten. Aber auch dieser Aspekt gefällt mir gut, da er die Tiefgründigkeit des Buches weiter betont und die Geschichte in Erinnerung bleiben lässt. Alles in allem ist das Buch ein großartiges Werk über eine grauenhafte Geschichte, über deren Verarbeitung, über die eigene Psyche und ich werde es so schnell sicher nicht vergessen! Große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 26.02.2021

Meisterhaft erzählt!

Stay away from Gretchen
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Nie hätte ich gedacht, dass sich hinter diesem doch eher schlichten Cover eine derart fesselnde und weitgreifende Geschichte verbirgt, die mich so viel neues gelehrt hat und mir erschütternde ...

Nie hätte ich gedacht, dass sich hinter diesem doch eher schlichten Cover eine derart fesselnde und weitgreifende Geschichte verbirgt, die mich so viel neues gelehrt hat und mir erschütternde Details der deutschen Nachkriegszeit erzählt hat. Als junge Frau Anfang 20 ist der zweite Weltkrieg für mich recht weit weg und erst durch einige Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, habe ich gemerkt, wie wenig ich über diese Zeit eigentlich weiß - über die "Standartthemen", die in der Schule gelehrt werden, hinaus. Seitdem interessiere ich mich sehr für Schicksale während und nach des zweiten Weltkrieges und war durch die Inhaltsangabe von "Stay away from Gretchen" gleich sehr interessiert. Trotzdem war ich nicht vorbereitet auf diese weitgreifende, fesselnde und erschütternde Geschichte, die so viele wichtige Themen abdeckt und dabei dennoch total unterhaltsam war. Für mich ein grandioses Buch, dass ich sicherlich weiterempfehlen werde und vielleicht auch noch einmal lese (Und das tue ich bei historischen Romanen eigentlich nie).

Der Einstieg in die Geschichte verläuft über Tom Monderath, einen bekannten Kölner Journalisten, gestresst, alleinstehend und ohne Absicht, sich jemals zu binden. Seine Mutter Greta besucht er regemäßig, doch dann passieren einige witzige Vorfälle und der Verdacht liegt nahe, dass Greta an Demenz erkrankt ist. Die Handlung wird zu Beginn abwechselnd aus Toms und Gretas Sicht erzählt und vor allem aus Toms Sichtweise ist der Schreibstil schon sehr derb und wenig ausgeschmückt. Genau das fand ich aber so toll, weil ich trotz des eher emotionslosen Schreibstils - oder gerade deswegen - sehr viel über Tom erfahren habe und überraschender Weise auch direkt Sympathien zu ihm aufbauen konnte. Allein das finde ich schon eine Meisterleistung, wo der Nachrichtensprecher, dessen Leben aus Hektik, Wutausbrüchen, übermaßigem Alkoholkonsum und Gelegenheitssex besteht und er zu Beginn charakterlich eigentlich wenig überzeugt. Und trotzdem war ich wie gebannt von der Geschichte und erstmal ziemlich überfordert, als die Handlung plötzlich wechselte und man die achtjährige Greta in Ostpreußen kennenlernte, in der Zeit kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Nach wenigen Seiten war ich aber auch in diesem Handlungsstrang völlig gefangen, der so ganz anders erzählt war, als zuvor die Geschichte aus Toms Sichtweise und aus der Perspektive der leicht verwirrten, älteren Greta.

Die Handlung wechselt sich nun mit jeweils relativ langen Passagen aus Vergangenheit und Gegenwart ab und jedes Mal gelang mir der Wechsel in die jeweils andere Zeit mühelos, es war einfach alles total stimmig, fesselnd und toll erzählt. Während in der Gegenwart Gretas Demenz, Toms eigene psychische Probleme, die Geschichte der Familie und die Flüchtlingskrise 2015/2016 in Deutschland behandelt wurden und vor allem letzteres Thema auf grandiose Art und Weise mit der Flucht der jungen Greta und ihrer Familie aus Ostpreußen verknüpft wurden, behandelte die Geschichte der Vergangenheit so viel mehr als das Leben in Ostpreußen und die Flucht während des Krieges. Es geht um die Nachkriegszeit in der amerikanischen Besatzungszone, um Liebe, Ausgrenzung, Armut, um die sogenannten Brown Babies und die unvorstellbaren Geschichten, die mit diesen Kindern verbunden sind. Selbst den Bogen in die aktuelle Situation der USA, in der Rassismus noch immer ein wichtiges Thema ist, gelingt der Autorin mühelos.

Für mich ist das Buch ein absolutes Highlight, das so viel Wissen vermittelt, aber auch die daran geknüpften Emotionen nicht vernachlässigt. Das Buch erzählt von einem ganzen Leben und noch von viel mehr und ist für mich ein wahrer Schatz, über den ich sehr froh bin, ihn entdeckt zu haben. Der Autorin gelingt alles, was ein gutes Buch ausmachen muss. Sie baut eine Beziehung zu den Protagonisten auf, hat einen interessanten Schreibstil, der je nach Situation ganz anders sein kann, erzählt ungeschönt von den damaligen und heutigen großen gesellschaftlichen Problemen, aber auch von den Einzelschicksalen, die daran gekoppelt sind. Die Botschaft des Buches ist für mich, dass wir immer weiter unsere Vergangenheit aufarbeiten müssen, dass wir unsere Erfahrungen an nachfolgende Generationen weitergeben und dass wir auf gar keinen Fall aufhören dürfen, über diese Dinge zu reden und sie zu verarbeiten.

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Veröffentlicht am 02.02.2021

Alter Mythos neu erzählt!

Meeresglühen (Romantasy-Trilogie, Bd. 1)
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Eigentlich hat ja allein schon das atemberaubende Cover von "Meeresglühen" eine 5-Sterne-Bewertung verdient. Ich muss auch zugeben, dass ich etwas Angst hatte. vom Inhalt enttäuscht zu sein, da tolles ...

Eigentlich hat ja allein schon das atemberaubende Cover von "Meeresglühen" eine 5-Sterne-Bewertung verdient. Ich muss auch zugeben, dass ich etwas Angst hatte. vom Inhalt enttäuscht zu sein, da tolles Cover ja nicht automatisch tolle Geschichte bedeuten muss. Nach dem Lesen des Buches kann ich aber jeden beruhigen, denn das Buch wird dem ersten Eindruck definitiv gerecht und braucht sich nicht hinter dem Cover zu verstecken! Ich muss sagen, dass der Erzählstil und die Handlung schon eher etwas für Jugendliche ist, aber trotzdem hat mir das Buch als Erwachsene auch sehr gut gefallen und ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Band.

Die Geschichte beginnt in Cornwall, eine stürmische Landschaft, die von Anna Fleck bildgewaltig und eindrucksvoll beschrieben wird. Wir lernen direkt Ella kennen, eine junge Abiturientin aus Berlin, die fast jeden Sommer nach England kommt, auch seit dem ihre Großmutter verstorben ist, welche dort lebte. Die Autorin fängt gekonnt die Szenerie in dem kleinen Küstendorf ein und gibt dem Leser erstmal einen netten Einstieg in die Geschichte und die Leute, bevor dann auch schnell Spannung aufgebaut wird, als Ella einen jungen Mann vor dem Ertrinken rettet, der an ein Surfbrett gefesselt war. Es folgen spannende Szenen an Land, bei denen mir besonders gut gefallen war, dass man als Leser auch nicht mehr wusste, als die Informationen, die Aris an Ella weitergegeben hat. Da diese mehr als spärlich ausfielen, blieb die Spannung groß, bis die beiden sich aufmachten, um Aris in seine Heimat zurückzubringen und Ella auf ein verborgenes Königreich stößt, das den Menschen an der "Oberfläche" schon immer verborgen war.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, denn Ann Fleck nimmt einen als Leser von Anfang an mit auf die spannende Reise von Ella und Aris. Besonders gelungen fand ich den ironischen Humor, der sich vor allem in Ellas "innerer Stimme" manifestiert hat, die ihr immer wieder den ein oder anderen zynischen Kommentar entgegengeschleudert hat. Diese leichte Art war sehr lustig und schön zu lesen, hat einem Ella als Protagonistin noch einmal besonders nahe gebracht und lässt den Leser in den Kopf einer jungen Erwachsenen blicken. Auch die Handlung hat mir sehr gut gefallen. Zu Beginn hatte ich nicht erwartet, das der Plot sich so lange in Cornwall bewegt, aber rückblickend fand ich das Tempo der Geschichte sehr gelungen. Viel mehr will ich gar nicht sagen, um nicht zu spoilern, aber weder Spannung noch Emotionen kamen im Buch zu kurz und für mich ist die Geschichte rundum gelungen! Besonders gefallen hat mir auch das Ende des Buches, bei dem vieles geklärt wurde und der erste Band schon relativ abgeschlossen ist, aber auch genug offen bliebt, um den Leser auf Teil zwei neugierig werden zu lassen! Allzu offene Enden kann ich nämlich nicht leiden.

Ein weiterer positiver Aspekt ist für mich die Leichtigkeit, mit der die Autorin auch schwierige und aktuelle Themen in ihrem Fantasyroman untergebracht hat. Vor allem ging es darum, auf Abgrenzung und Klassenunterschiede aufmerksam zu machen, was man gut auf die aktuellen Rassismus-Konflikte übertragen kann. Die ernstzunehmende Botschaft, die so schön zwischen die Zeilen gepackt wurde, hat mir gut gefallen! Abschließend kann ich nur sagen, ich bin begeistert und will mehr davon!

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Veröffentlicht am 24.01.2021

Eine Anleitung zum Glück und zu sich selbst

Die Mitternachtsbibliothek
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„Es ist leicht, um die möglichen Lebensvarianten zu trauern, die wir nicht leben“ (Matt Haig)
Mit seinem Buch „Die Mitternachtsbibliothek“ schreibt Matt Haig eine Geschichte über Gefühle, die wohl jeder ...

„Es ist leicht, um die möglichen Lebensvarianten zu trauern, die wir nicht leben“ (Matt Haig)
Mit seinem Buch „Die Mitternachtsbibliothek“ schreibt Matt Haig eine Geschichte über Gefühle, die wohl jeder schon einmal hatte. Das Gefühl, nicht am richtigen Platz zu sein, versagt zu haben, die falschen Entscheidungen getroffen zu haben und sein Potenzial nicht ausgeschöpft zu haben. Nicht das Leben zu leben das man leben könnte. All diese Gefühle packt er in seine Protagonistin Nora Seed, die zu Anfang des Buches aus kaum etwas anderem zu bestehen scheint als Reuegefühlen und Bedauern über die Entscheidungen, die sie getroffen hat und die sie nun zu einem Leben geführt haben, das ihr unvollkommen und vergeudet erscheint. Als dann auch noch ihre Katze stirbt, läuft das Fass über und Nora beschließet, ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Doch sie landet in einer endlosen Bibliothek, in der jedes Buch eine andere Version ihrer selbst ist. Endlose Paralleluniversen, jedes Buch ein Leben, das auf einer Entscheidung in eine andere Richtung basiert. Und Nora soll das Leben finden, in dem sie im Gegensatz zu ihrem Ursprungsleben, glücklich sein kann.
Mit wunderschönen, eingängigen und zum Nachdenken anregenden Worten erzählt Haig eine Geschichte, über eine depressive Frau, die im Laufe des Buches so vieles über sich selbst und ihr Leben lernt. Dass man nicht glücklich sein kann, wenn man nur danach strebt, den Traum anderer für einen selbst zu verfolgen. Dass, egal in welchem Leben, immer negative Gefühle bleiben und man nie ganz zufrieden ist mit dem, was man hat. Denn heute gibt es so unglaublich viele Möglichkeiten, dass man immer das Gefühl hat, etwas zu verpassen. Der Schreibstil des Buches hat mich total gefangen genommen und mich eingesaugt in diese besondere Geschichte, die so traurig und ausweglos beginnt und einen am Ende total erfüllt, hoffnungsvoll und lebensbejahend zurücklässt. Die Charakterentwicklung von Nora war total ausgefeilt und nachvollziehbar und es war so schön, ihr dabei zuzusehen, wie sie immer mehr zurück ins Leben uns zu sich selbst fand. Und erkannt hat, dass sie nicht an jedem Fehler alleine die Schuld trägt, dass nicht immer alles zu ausweglos ist, wie es scheint, sondern dass man manchen Dingen einfach noch etwas Zeit geben muss. Gepaart mit Witz, Philosophie, einer Menge Schach und einer bodenständigen physikalischen Erklärung für die Geschichte nimmt der Autor einen mit auf eine Reise, die sich nicht nur um Nora, sondern auch um einen selbst dreht. Und das Ganze verpackt in einen fesselnden, spannenden Roman, den man bereits nach den ersten Seiten nicht mehr aus der Hand legen kann. Besonders hervorzuheben sind auch die vielen Leben und Facetten, die der Autor in nur einem Buch und manchmal nur in ein paar Sätzen kreiert hat.
„Wir wissen nicht, ob irgendeine andere Version besser oder schlechter gewesen wäre. Diese Leben existieren, das ist wahr, aber wir selber existieren auch. Und darauf müssen wir und konzentrieren.“ (Matt Haig)
Dieses Buch gibt einem so vieles, vor allem das Gefühl, nicht alleine zu sein mit negativen Gedanken und Reuegefühlen. Es gibt aber auch Hoffnung, Freude und eine Anleitung zum Glück. Ich hatte das Gefühl, der Autor hat mit dem Buch auch einen Teil seiner eigenen Gefühlswelt preisgegeben und seine eigenen Erfahrungen in Worte gebracht, was das Buch wunderschön, echt und greifbar macht. Es ist nicht voller sinnloser, übertriebener „schlauer“ Sprüche, sondern hat durch weise Worte eine Saite zu mir im Klingen gebracht und ich bin sicher, dass ich noch lange über diese Geschichte nachdenken werde und die ermutigende Botschaft, die sie übermittelt. Es werden aktuelle Themen aufgegriffen, wie die sozialen Medien, die einem das Gefühl suggerieren, immer mehr haben zu können und besser sein zu können, als man gerade ist und dadurch einen unglaublichen Druck ausüben. Es geht um Depressionen, darum, dass man auch durch Ruhm nicht zwangsläufig glücklich wird, darum, zu sich selbst zurück zu finden und aus dem eigenen Leben das zu machen, was man will. Aber auch darum, nicht immer zurück zu denken und die „was wäre wenn“-Fragen endlos im Kopf zu wiederholen.
Eine erstaunliche schriftstellerische Leistung, die mich ganz besonders berührt hat und lange unvergessen bleiben wird. Ich glaube, dieses Buch kann jeden ansprechen und ihm einen neuen Blick auf sein eigenes Leben geben und ich empfehle das Buch wärmstens weiter.
„Es reicht, eine einzige Person zu sein. Es reicht, eine einzige Existenz zu leben.“ (Matt Haig)

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