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buecherbelle

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2017

Inhaltlich weniger tiefgehend als gehofft

Aimées geheimer Wunsch
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„Wenn ich daran denke, was ich verloren habe… Manchmal kann ich kaum noch atmen.“ (S.140)

Zusammenfassung. In diesem Buch erzählt Kelly Doust uns die Geschichte eines Schmuckstücks, das eng verwoben ist ...

„Wenn ich daran denke, was ich verloren habe… Manchmal kann ich kaum noch atmen.“ (S.140)

Zusammenfassung. In diesem Buch erzählt Kelly Doust uns die Geschichte eines Schmuckstücks, das eng verwoben ist mit dem Schicksal einer ganzen Reihe von Frauen. Dabei orientiert sie sich an der Geschichte von Maggie, die in einem Auktionshaus in London arbeitet, und in dem Rahmen den wunderschön gearbeiteten Kragen entdeckt. Abwechselnd erfahren wir dann von Maggies Leben und ihren Versuchen, die Vergangenheit dieses Kragens herauszufinden, auf der einen Seite und Episoden der Frauen, die diesen Kragen eine Zeit lang besaßen, auf der anderen.

Erster Satz. Mit Daumen und Zeigefinger ertastete Aimée die Mulden der nächsten Glasperle, einer silbriggrauen, die wie Quecksilber schimmerte.

Cover. Gut gefallen hat mir am Cover, dass man das Gesicht der Frau nicht sieht – ich mag es immer, mir selbst eine Vorstellung davon zu machen, wie eine Figur aus meinem Buch aussieht, statt das Gesicht vom Cover vor Augen zu haben. Allerdings habe ich aus irgendeinem Grund vom Cover her eher mit einem japanischen Einschlag gerechnet, deswegen wäre das Cover für die Geschichte nicht meine eigene Wahl. Der Titel kam mir nicht so ganz passend vor, "Aimées geheimer Wunsch" hatte eine vergleichsweise geringe Bedeutung innerhalb der Geschichte, aber deutsche Titel sind ja häufig keine Verbesserung im Vergleich zu den Originalen.

Inhalt. Es ist jetzt nicht so, als hätte mich die Geschichte umgehauen oder als wäre eine überraschende Wendung nach der anderen passiert, das nicht. Spaß gemacht hat das Buch dennoch.
Ich mochte die unterschiedlichen Stimmungen, die je nach Episode aufkamen, mir haben die Verwicklungen gefallen, durch die der Kragen seine Besitzerin gewechselt hat, und ich mochte die Auflösung, das Ende sehr gern (obwohl es, nach der Geschichte jedenfalls, fast ein bisschen zu einfach war).
Von Zeit zu Zeit hatte ich das Gefühl, dass nun etwas zu viel passiert (ist), dass irgendwie alles mit in die Story gepackt wurde, was der Autorin einfiel; insgesamt ist es aber doch stimmig.

Personen. Naturgemäß, bei der Geschichte eines Schmuckstücks, das durch viele Hände gegangen ist, lernen wir eine ganze Reihe an Figuren kennen. Diese sind uns zu einem großen Anteil in einigen wenigen Kapiteln sehr nah, um danach wieder in der Versenkung zu verschwinden (eine Ausnahme bilden dabei Maggie und die anderen Figuren in der Gegenwart). In meinen Augen ist es der Autorin trotzdem gelungen, jedem Charakter eine eigene Persönlichkeit zu verpassen: Es sind bei weitem nicht alle sympathisch, manche Gedankengänge kann oder möchte man nicht nachvollziehen, aber jeder von ihnen hat etwas eigenes und Hintergründe, die seine Motive zumindest in Grundzügen rechtfertigen.

Zitate. „Aus der schrecklichsten Dunkelheit entsteht Licht.“ (S.248)
„Die Realität zu akzeptieren, anstatt alles anders haben zu wollen, zu schätzen wissen, was man hat, anstatt zu wollen, was man nicht hat… Das ist der Schlüssel.“ (S.300)

Fazit. Ich tue mich ein wenig schwer damit, dieses Buch uneingeschränkt zu empfehlen – ich bin mir bloß nicht ganz sicher, woran das liegt. Die Geschichte war schön, die Erzählweise mochte ich auch, aber irgendwie hat es sich im Mittelteil etwas gezogen, sodass ich den Reader kurzzeitig beiseite gelegt habe (das könnte aber zum Teil auch daran gelegen haben, dass ich selbst genug zu tun und den Kopf voll hatte). Insgesamt ist mein Problem vermutlich die Diskrepanz zwischen einer Geschichte, die nicht allzu tief geht und eher etwas zum Berieseln ist, und der Erzählweise, die durch so viele Charaktere trotzdem eine gewisse Konzentration verlangen. Das Buch ist durchaus lesenswert, aber nichts, um sich davon berieseln zu lassen.

Veröffentlicht am 10.03.2017

Versammelte Klischees auf Sylt

Meer Liebe auf Sylt
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„Sich mit jemandem wohlzufühlen ist schon ganz schön viel“ (S. 248)

Zusammenfassung. Mit ihrer plötzlichen Abreise nach Amerika hinterlässt Alexandra ihrer Mutter, Schwester und Schwiegermutter nicht ...

„Sich mit jemandem wohlzufühlen ist schon ganz schön viel“ (S. 248)

Zusammenfassung. Mit ihrer plötzlichen Abreise nach Amerika hinterlässt Alexandra ihrer Mutter, Schwester und Schwiegermutter nicht nur Kind und Haus, sondern stürzt sie auch noch in die anstrengendsten und schönsten paar Tage seit langem. Mit Henrietta, Ulla, Jana und natürlich der kleinen Emma stößt dabei eine ganz schön wilde Mischung an Menschen aufeinander, die versucht, das Beste aus der gemeinsamen Zeit zu machen.

Erster Satz. Dass es knallte – genau, das war es!

Inhalt. Es fällt mir gar nicht so leicht, etwas zum Inhalt zu sagen, und vielleicht ist es die beste Entscheidung, in Worte zu fassen, warum das so ist.
Ich hatte nicht das Gefühl, das überhaupt so viel passiert wäre! Dieser Roman liest sich eher wie ein ereignisarmer Urlaub am Meer und davon darf man halten, was man will – ich hab ihn ganz gern gelesen.

Personen. Dieser Roman präsentiert uns eine Hand voll Charaktere, die so unglaubliche Stereotype waren, dass mir erst grauste. In der Leseprobe fand ich das zum Lesen dann ganz reizvoll und unterhaltsam, auf über 250 Seiten war das jedoch wieder etwas anstrengend.
Der Großteil der Figuren hätte davon profitiert, etwas weniger extrem gezeichnet zu sein.
Was mir aber wirklich gut gefallen hat: Die Entwicklung der Personenkonstellationen. Wenn sie auch so überzeichnet waren, dass sich mir die Nackenhaare aufstellten, so haben sie sich doch im Zusammenspiel miteinander sehr gut entwickelt.
Was ich mich aber noch immer Frage: Kann man in Deutschland tatsächlich nicht krankenversichert sein?!

Fazit. „Ein Glücksroman“, das steht auf dem Cover. Aber was steckt drin?
Weniger als ich erwartet und gehofft hatte. Ein von Klischees überladener Roman (das mag natürlich Absicht sein, ich konnte damit nur leider nicht so viel anfangen), der mich nicht glücklicher oder klüger gemacht hat als ich es zuvor war.
Allerdings auch ein Roman, der mich einige Zeit unterhalten und mir Lust gemacht hat, Urlaub am Meer zu machen.

Veröffentlicht am 10.03.2017

Wenige Lichtmomente in deprimierender Story

Der grüne Palast
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„Nur weil wir Frauen auch denken können, müssen wir es nicht zeigen.“, S. 262, Marie an Leopoldine

Zusammenfassung. „Der grüne Palast“ erzählt die mitreißende Lebensgeschichte der Erzherzogin Leopoldine ...

„Nur weil wir Frauen auch denken können, müssen wir es nicht zeigen.“, S. 262, Marie an Leopoldine

Zusammenfassung. „Der grüne Palast“ erzählt die mitreißende Lebensgeschichte der Erzherzogin Leopoldine von Österreich, die mit dem portugiesischen Thronfolger verheiratet wird und deswegen nach Brasilien reisen muss. Begleitet wird sie hauptsächlich von Gräfin Lazansky, die schon die Erziehung in der Österreichischen Heimat übernommen hatte, und Leopoldine mit Rat und Tat zur Seite steht.
Dabei wird man konfrontiert mit der Aussichtslosigkeit weiblicher Figuren in politischen Kämpfen des neunzehnten Jahrhunderts, mit großen Gefühlen wie Liebe und Hass, und mit großen Gefahren.

Erster Satz. Verehrter Marquis, aber freilich werden Sie Walzer tanzen müssen!

Cover. Das Cover ist wunderschön, vor allem fasst es sich wunderschön an (und ich mag die Farbakzente und die fühlbare Schrift).
Inhalt. Hach ja. Wie fange ich nur an… Absolut großartig fand ich die Art und Weise, alles nur in Briefen verschiedener Charaktere untereinander zu erzählen. So werden Geschehnisse aus derart unterschiedlichen Blickwinkeln geschildert, dass man sich fragt, ob die Personen tatsächlich am selben Ereignis teilgehabt haben können. Ungefähr nach zwei Dritteln des Romans blieb mein Blick zufällig am Klappentext hängen, der die Überschrift „Eine Geschichte von Freiheit und Liebe“ trägt, und da drängte sich mir die Frage auf, ob das mit der Liebe und der Freiheit noch kommt – aber auch ansonsten würde ich dem Klappentext nicht zu viel Bedeutung beimessen. Ich selbst habe etwas völlig anderes erwartet als ich am Ende bekam.
Und was ich bekam war zu meinem Leidwesen über weite Teile irgendwie ziemlich deprimierend und zeugte hauptsächlich von Unfreiheit und Verrat und machte mich wütend. Insofern gelingt es der Autorin vermutlich, die Gegebenheiten sehr gut einzufangen – denn wahrscheinlich war das Leben zu der Zeit ganz genau so. Allerdings hatte ich einfach ein wenig mehr Hoffnung, Liebe und Freiheit erwartet (diese Erwartung wurde nicht vollends enttäuscht, aber doch für meinen Geschmack zu sehr).

Personen. Die Erzählweise ermöglichte es mir als Leserin, sehr in die handelnden Charaktere einzufühlen auf der einen Seite – auf der anderen jedoch den Kopf darüber zu schütteln, wie unterschiedlich sich einzelne Personen verhielten, je nachdem, an wen sie schrieben. So mag ich Metternich nun nach der Lektüre dieses Romans noch viel weniger gern, obwohl er mir schon zuvor ziemlich unsympathisch gewesen ist; mit Erzherzogin Leopoldine hingegen konnte ich so gut mitfühlen und mitleiden, dass mir ihre Verluste und Schmerzen fast ebenfalls wehtaten.

Zitate. „Sie ist intelligent, nicht zu viel, als dass es lästig würde, und nicht zu wenig, als dass man sich langweilt.“, S. 292, Metternich an Gräfin Lazansky

Fazit. Mein Fazit in der Bewertung wird bedauerlicherweise durch hohe Erwartungen getrübt. Ich fand es frustrierend und schmerzlich, von all der Aussichtslosigkeit zu lesen, derer Leopoldine sich gegenüber sieht; von dem Frauen- und Fremdenbild, das natürlich im neunzehnten Jahrhundert naturgemäß nicht zu verhindern ist, und das trotzdem fürchterlich ist. Und trotzdem (oder gerade deswegen?) fühlten sich die wenigen Triumphe noch triumphaler an als sie es möglicherweise sonst getan haben. Und gerade der Schreibstil hat mir eine ganze Menge gerettet.

Veröffentlicht am 23.05.2018

Gesellschaftskritik jenseits meiner Realität

Die Ladenhüterin
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„Dieses langsame Ersterben der Umgebung gefiel mir.“ (S. 32)

Keiko war schon immer anders, das hatte ihre Familie schon vor der Grundschule bemerkt. In ihrem Umfeld stößt das auf wenig Verständnis: Endlich ...

„Dieses langsame Ersterben der Umgebung gefiel mir.“ (S. 32)

Keiko war schon immer anders, das hatte ihre Familie schon vor der Grundschule bemerkt. In ihrem Umfeld stößt das auf wenig Verständnis: Endlich normal werden soll sie, und sich in die Gesellschaft einfügen. Das ist nur schwierig, wenn einem gesellschaftliche Normen so fremd sind…

Mit Keiko ist die Protagonistin dieses Romans eine Figur, die ich wahnsinnig spannend fand, und eigentlich ist sie der Hauptgrund dafür, dass ich ihn überhaupt gelesen habe. Nachdem sie in ihrer schnell feststellt, dass sie am besten durchs Leben kommt, wenn sie so wenig wie möglich sagt, scheint die Entdeckung der Arbeitswelt in dem kleinen Supermarkt, in dem sie als Aushilfe arbeitet, einer Offenbarung gleichzukommen. Im Prinzip hätten damit alle glücklich sein können.

Die Wirklichkeit in Japan sieht aber anscheinend anders aus, und an der Stelle bin ich dann leider aus diesem Roman ausgestiegen. Wieso ist es so ein großes Thema, wie Menschen leben? Wieso ist man nur dann ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft, wenn man sich anpasst? Es mag natürlich sein, dass das kein typisch japanisches Phänomen ist, dass die Situation bei uns nicht so viel anders ist und man es bloß nicht bemerkt, wenn man ausreichend angepasst ist. Aber ich kam aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus.

Ich kann gut verstehen, dass dieser Roman in Japan ein voller Erfolg gewesen ist. Ich konnte mit fast allem daraus jedoch einfach nichts anfangen und fand die Figuren um Keiko herum beinahe ohne Ausnahme furchtbar. In seiner Funktion als Gesellschaftskritik möchte ich ihm die Relevanz jedoch nicht absprechen.

Veröffentlicht am 23.05.2018

So unbefriedigend wie das Leben

Die Lichter unter uns
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"Das Meer ist zu schön für mich" (S. 10)

"Die Lichter unter uns" begleitet zwei Familien beim Sizilienurlaub und rückt dabei vor allem zwei in den Fokus: Anna, die den Boden unter sich schwanken spürt ...

"Das Meer ist zu schön für mich" (S. 10)

"Die Lichter unter uns" begleitet zwei Familien beim Sizilienurlaub und rückt dabei vor allem zwei in den Fokus: Anna, die den Boden unter sich schwanken spürt und die sich nach etwas sehnt, das sie nicht greifen kann, und Alexander, der vor sich selbst davon zu laufen scheint und der Anna um ihr Familienleben beneidet.

In diesem Roman wird eine Stimmung transportiert, die ziemlich intensiv ist, und das gelingt auch echt gut. Es ist ein Gefühl von Aussichtslosigkeit und Sehnsucht nach – irgendetwas, das nicht in Worte, das nicht einmal in Gedanken zu fassen ist. Mein Problem damit war nur, dass ich selbst mich mit diesem Gefühl in der Situation nicht identifizieren konnte, was vielleicht auch daran liegt, dass ich von einer eigenen Familie noch weit entfernt bin. Trotzdem würde ich von einem Buch erwarten, dass es in der Lage ist, mich selbst in die Gedankenwelt der Protagonisten zu versetzen, und das ist hier einfach nicht passiert.

"Gleichzeit fürchtete er das Todesurteil, das in einer offiziellen Ablehnung gelegen hätte. Denn so konnte er sich an guten Tagen der Illusion hingeben, dass er eines Tages wie durch ein Wunder plötzlich einen großen Spring machen würde in den Kreis der Auserwählten, dass er lediglich wartete, bis die Zeit und seine Ideen reif waren." (S. 80)

Die Sprache, die an vielen Stellen gelobt wird, kam mir stellenweise aufgesetzt und gewollt vor. Metaphern, die ich eigentlich ganz schön fand, wurden ein kleines bisschen zu lang ausgebreitet; die Sätze schienen manchmal kompliziert zu sein, nur um kompliziert zu sein. Gefallen hingegen haben mir Momente, in denen zwischenmenschliche Komponenten der Beziehungen ihre Entsprechung in der Sprache und Wortwahl fanden.

"Sie streckte die Hand aus und reichte Judith das glatte, verschlossene Päckchen." (S. 139)
"Im Moment stellte sich Zoe Alexanders Seele vor wie ein Kind, das in seinem Zuhause zum ersten Mal Haarrisse an der Decke bemerkte." (S. 141)

„Die Lichter unter uns“ steigt mitten in das Leben der Protagonisten ein und verlässt es ebenso unvermittelt wieder, ohne einen griffigen Abschluss gefunden zu haben. Das macht ihn beinahe so unbefriedigend wie das Leben selbst es ist.