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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2021

Sehr empfehlenswert!

Mädchen, Frau etc.
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Mehr als ein Roman über klassischen Feminismus und Rasse. Das Buch enthält zudem essenzielle Botschaften und glänzt mit Weisheiten, auch zwischen den Zeilen.

In dem Roman geht es nicht um „die eine“ ...

Mehr als ein Roman über klassischen Feminismus und Rasse. Das Buch enthält zudem essenzielle Botschaften und glänzt mit Weisheiten, auch zwischen den Zeilen.

In dem Roman geht es nicht um „die eine“ Geschichte per se. Es handelt sich vielmehr um zwölf Protagonistinnen, die alle in irgendeiner Weise miteinander verbunden sind und jede mit ihrer eigenen wichtigen Geschichte daherkommt. Es geht um die eigene Historie, Identität, Ambivalenz, Rassismus, Gender, Sexismus, Feminismus, Diskriminierung und Diskreditierung aller Art, Diversität, Ansehen, Freundschaft, Familie, Gewalt, Sexualität, wirtschaftliche Stellung etc. (Hier schreibe ich bewusst etc., weil es angemessen ist. Den Buchtitel finde ich falsch gewählt. Dazu unten mehr).

Mädchen, Frau etc. ist, wie man an meiner o.g. Aufzählung erkennen kann, ein komplexer Roman über Intersektionalität, der einerseits beeindruckend andererseits fordernd ist. Ich kann verstehen, warum dieses Buch ausgezeichnet wurde.

Evaristo hat Protagonistinnen erschaffen, deren Identität & Vergangenheit nicht authentischer hätten sein können. Denn alles Gute, aber auch Schlechte, das den Frauen passierte, ist heutzutage leider an der Tagesordnung wie beispielsweise (Gruppen-) Vergewaltigungen oder häusliche Gewalt. Zudem standen sich einige Frauen selbst im Weg. Die Autorin hat es geschafft, ein Spiegelbild der Gesellschaft und ihren Subkulturen abzuzeichnen! (Natürlich wurden nur Extreme dargestellt!!!! Dass Frauen, die keine negativen Erfahrungen gemacht haben auch zu diesem Spiegelbild gehören, ist mir durchaus bewusst. In diesem Roman geht es aber nicht um diese Frauen.)

Evaristo hat häufig mit Ausdruck und Sprache jongliert und gespielt. Je nach Charakter hat sie ihre Ausdrucksweise geändert, fand ich sehr passend und spannend.

Das Hörbuch wurde von Constanze Becker eingesprochen. Sie liest ruhig, aber nicht gelangweilt, eher poetisch. Es wirkt auch nicht artifiziell, was sicherlich eine Kunst ist, da sie schließlich zwölf Protagonistinnen eine „Stimme“ geben musste.

Die Übersetzung des Titels finde ich nicht gut. Durch dieses „etc.“ wird bei mir das Gefühl von Aufzählung hervorgerufen. Der daraus resultierende Verlust von Wichtigkeit & Bedeutung wird leider bestärkt. Es wirkt geringschätzig. Wer wird schon gerne als etc. beschrieben?!

Ich habe bei diesem Buch sehr lange darüber nachgedacht, wie viele Sterne ich geben würde. Einen Stern habe ich schlussendlich abgezogen, was mehrere kleine Gründe hat. Durch die zwölf Protagonistinnen konnte nur ein kleiner Einblick in die jeweiligen Leben gegeben werden, wodurch zwar zum einen mehr Vielfalt entstehen konnte, zum anderen aber vieles oberflächlicher behandelt werden musste. Die vielen Aufzählungen fand ich zwar in Ordnung, hätten aber nicht sein müssen. Außerdem gab es unnötige Wiederholungen. Und ich muss eingestehen, dass ich bei diesem Buch zum Vergleichen neigte: Das Buch wurde zusammen mit Atwoods „Die Zeuginnen“ prämiert, weil sich die Jury nicht entscheiden konnte. „Die Zeuginnen“ fand ich etwas besser.

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Veröffentlicht am 12.02.2021

Trotz Schwachstellen lesenswert

Der Junge im gestreiften Pyjama
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Vorab: Ich gehe hier auch auf den Inhalt des Buches ein! Über den Inhalt wurde ja ein Geheimnis gemacht. Wenn es eines für dich bleiben soll, lies dir meine Rezension nicht durch.

Es geht um zwei Jungen, ...

Vorab: Ich gehe hier auch auf den Inhalt des Buches ein! Über den Inhalt wurde ja ein Geheimnis gemacht. Wenn es eines für dich bleiben soll, lies dir meine Rezension nicht durch.

Es geht um zwei Jungen, die aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen wurden und ungewollt nach Auschwitz ziehen. Der eine Junge wächst privilegiert auf, der andere Junge lebt unter widrigen menschenunwürdigen Umständen. Getrennt werden sie durch einen Zaun des Konzentrationslagers.

Bruno und Schmuel freunden sich an und der Leser darf ihre Leben und ihre Freundschaft oberflächlich über ein Jahr lang verfolgen, wobei wir Schmuel nur am Zaun kennen lernen.

Bruno wohnt mit seinen Eltern und seiner Schwester Gretel in einem großen Haus. Sie verfügen über Angestellte (Dienstmädchen und Zwangsarbeiter/Sklaven aus dem KZ). Die Kinder werden (zeitgemäß) autoritär erzogen, was man in der Reife und Naivität der beiden Geschwister erkennt. Brunos Fragen werden nicht beantwortet, die Kinder werden von den Eltern kindlich gehalten, die grausame Welt bleibt ihnen verschlossen. Selbst nach über einem Jahr versteht Bruno nicht, wer Juden sind und warum diese auf der anderen Seite des Zauns leben.

Kritik:

Ich finde, dass Brunos (fast anerzogene) Naivität von dem Autor gut dargestellt wurde. Da hätte es nicht mehr gebraucht. Der Autor hat es jedoch übertrieben und Bruno dümmlich wirken lassen: Bruno spricht mit seinen neun bzw. zehn Jahren den Ort, an dem er über ein Jahr lebt grundsätzlich falsch aus, obwohl er mehrmals verbessert wird. Zudem ist sein Vater ein Kommandant, der für Auschwitz zuständig war. Soll heißen, der Junge dürfte in der Lage sein über den „Führer“ sprechen zu können. Kann er jedoch nicht, es bleibt bei „Furor“, zwar auch passend, aber nervig für mich als Leserin. Dass er immer „Aus-Wisch“ sagt und es beibehält, finde ich einfältig, denn auf der anderen Seite ist Bruno auch ein emphatisches Kind und relativ gewandt und einfallsreich. Ein zehnjähriges Kind dürfte in der Lage sein, „Auschwitz“ und „Führer“ richtig auszusprechen. Auch, dass er nichts über Juden weiß, kann ich kaum nachvollziehen. Ein Kommandant, der Leiter eines KZ-Lagers ist und regelmäßige Kontakte zum Führer unterhält, dürfte von dem, was er tut, überzeugt sein. Radikale Menschen versuchen jedem ihren Willen aufzuzeigen und sicher war er zudem von der Richtigkeit seiner Taten überzeugt. Der Vater hätte seine Ansichten in seine Erziehung einfließen lassen. Von daher ergibt es keinen Sinn für mich, dass Bruno so blauäugig ist / bleibt. Das alles führt zu einem Verlust der Authentizität. Außerdem weist die Übersetzung des Buches an einigen Ecken Schwachstellen auf, z.B. heißt es an einer Stelle „wegversetzt“.

ACHTUNG SPOILER: Nicht weiterlesen! Überspringe den Absatz, wenn du nichts über das Ende erfahren willst!!! Das Ende finde ich gelungen. Es war zwar relativ vorhersehbar und so schrecklich es auch ist, ich habe es mir in dieser Art vorgestellt. Nicht falsch verstehen, aber die Welt war derartig ekelhaft und grausam, dass ich ein Happy End nicht authentisch gefunden hätte, zumal dieses Buch zum Nachdenken anregen soll.

Alles in allem ist der Roman trotzdem lesenswert. Er vermittelt kein Wissen, zeigt uns aber auf, wie hilfreich eine vorurteilsfreie Freundschaft sein kann und dass sie auch Verrat verzeiht.

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Veröffentlicht am 12.02.2021

Unspektakulär, aber realitätsnah geschrieben

Big Sky Country
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Wir begleiten den auf einer Farm großgewordenen August als Jugendlichen und Heranwachsenden. Es ist ein Blick auf sein Leben. Es ist kein sonderlich aufregendes Leben, aber ein realitätsnaher Ausschnitt ...

Wir begleiten den auf einer Farm großgewordenen August als Jugendlichen und Heranwachsenden. Es ist ein Blick auf sein Leben. Es ist kein sonderlich aufregendes Leben, aber ein realitätsnaher Ausschnitt seines Alltags.

Das Cover ist wirklich sehr schön und passt sehr gut zur Geschichte. Der Buchumschlag ist sehr stabil und hochwertig.

Den Protagonisten August kann man schlecht einschätzen. Ist er introvertiert, wortkarg und zufrieden mit dem, was er hat? Oder ist er eher der depressiv verstimmte Junge bzw. später Mann, dem ziemlich viel egal ist? Ich habe mich für Ersteres entschieden. Man merkt, dass sich Augusts Charakter entwickelt und festigt. Ich mochte August, er ist im Grunde ruhig, fleißig und nimmt die Menschen wie sie sind.

Der Autor hat einen sehr detaillierten und bildgewaltigen Schreibstil, was ich sehr gut finde. Allerdings hätte ich mir anhand des Klappentextes und der Empfehlung der Publishers Weekly mehr Beschreibungen der Landschaft erhofft und auch erwartet. Hier heißt es z. B. „Ein Roman, der danach fragt, welchen Abdruck Landschaften hinterlassen, [...]“ und „In einer überwältigenden Landschaft wird diese Identitätssuche eines Einzelnen zum unwiderstehlichen Schauspiel“. Und genau das war es für mich nur teilweise. Sehr schade. Bildgewaltig sind übrigens auch Situation, die ich als ekelhaft und abartig empfand. Gut geschrieben, aber ich hätte mir weniger davon und mehr Landschaftsbeschreibungen gewünscht!

Was mir zudem nicht gefallen hat, ist, dass Wink in Gesprächen zwischen den Charakteren oftmals etliche Fragen und Meinungen aneinandergereiht hat und dadurch eine Art Monolog entstand, dessen Fragen nicht allesamt beantwortet wurden. Anfangs dachte ich mir, dass es zu der Art der jeweiligen Person gehörte. Aber diesen Stil hat er bei mehreren Charakteren umgesetzt, so dass ich mir die Frage stellte, ob der Autor vielleicht zu faul war, richtige Konversationen zwischen den Charakteren entstehen zu lassen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der Autor sehr oft Zeitsprünge eingearbeitet hat. Natürlich braucht der Roman Zeitsprünge, schließlich ist die Zeitspanne der Geschichte auch relativ lang. Aber insbesondere nach heftigen Erlebnissen/Ereignissen oder an Passagen, die mich als Leserin interessierten, sprang er abrupt in der Zeit, obwohl er hier hätte in die Tiefe gehen können und somit auch besser hätte darstellen können, was dieses Ereignis in August anrichtete/auslöste und wie es somit seinen Charakter nachhaltig beeinflusste. Den Übergang zwischen dem verträumten und freudigen Prolog und dem kalten in der Realität angekommenen ersten Kapitel fand ich genial. Hier hat es gepasst und ich war so gespannt zu erfahren, wie es zu dieser Wendung gekommen ist.

Trotz meiner Kritik ist das Buch nicht schlecht. Ich wurde trotzdem unterhalten und habe es gerne gelesen, natürlich auch, um zu erfahren, wohin mich die Reise mit August noch führen würde.

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Veröffentlicht am 07.02.2021

Eine besondere Freundschaft

Immer montags beste Freunde
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Vorab:

Da es sich um eine Biografie handelt, werde ich die Personen als Protagonisten nicht kritisch bewerten. Ich werde auf das Positive eingehen. Sicherlich war es eine freie Entscheidung, mit ihrer ...

Vorab:

Da es sich um eine Biografie handelt, werde ich die Personen als Protagonisten nicht kritisch bewerten. Ich werde auf das Positive eingehen. Sicherlich war es eine freie Entscheidung, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Dennoch möchte ich über andere zu urteilen. Das mache ich im wahren Leben nicht und werde es hier auch nicht tun, gleichwohl ich manches Mal vollkommen anders reagiert oder andere Entscheidungen getroffen hätte. Man darf bei Allem nicht vergessen, dass es keine fiktiven Charaktere sind, sondern dass es sich um reale Menschen handelt.

Meine Meinung:

Titel und Inhaltsbeschreibung suggerieren zunächst, dass es um die Freundschaft zwischen Laura Schroff und Maurice Mazyck geht. Es ist aber noch viel mehr als das: Die Autorin öffnet sich und arbeitet ihre eigene Vergangenheit auf. Dies gelingt ihr und ihrem Co-Autoren Alex Tresniowski sehr gut. Insgesamt ist es ein Wechsel zwischen den jeweiligen Leben von Laura und Maurice und schlussendlich von dem Gemeinsamen, meistens an Montagen.

Das Buch hat mich sehr berührt und ich finde es beeindruckend, dass die Autorin eigene Fehler eingesteht und nicht nur die der anderen Menschen aufzeigt, sei es in ihrer Familie oder in der von Maurice. Trotz der begangenen Fehler habe ich den Eindruck gewonnen, dass Laura ihren inneren Frieden gefunden hat, auch wenn ihr Leben anders verlaufen ist, als sie es sich gewünscht hat.

Abgerundet wird alles durch Fotos, einem von Alex Tresniowski geführten Interview mit Laura und einem Brief, den Maurice für das Buch an Laura geschrieben hat. Letzteres finde ich wirklich gut, weil mich die Perspektive von Maurice bereits während des Lesens interessiert hätte.

Dennoch hätte mir ein gemeinsames Buchprojekt besser gefallen.

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Veröffentlicht am 05.02.2021

Kurzweilig und gut

Die Geschichte des Wassers
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Die Geschichte des Wassers behandelt zwei verschiedene Erzählstränge, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch einiges gemeinsam haben.

Inhalt: Norwegen, 2017. Die fast 70-jährige Umweltaktivistin ...

Die Geschichte des Wassers behandelt zwei verschiedene Erzählstränge, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch einiges gemeinsam haben.

Inhalt: Norwegen, 2017. Die fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe begibt sich auf eine riskante Reise: Mit einem Segelboot versucht sie die französische Küste zu erreichen. An Bord eine Fracht, die das Schicksal des blauen Planeten verändern kann.
Frankreich, 2041. Eine große Dürre zwingt die Menschen Südeuropas zur Flucht in den Norden, es ist längst nicht genug Trinkwasser für alle da. Doch bei dem jungen Vater David und seiner Tochter Lou keimt Hoffnung auf, als sie in einem vertrockneten Garten ein uraltes Segelboot entdecken. Signes Segelboot.

Maja Lunde schafft es diesmalig, mich mit diesem Buch in ihren Bann zu ziehen. Die Charaktere sind Kämpfer, jeder auf seine eigene Weise, erfinderisch und dynamisch, die dennoch mit schlimmen Erlebnissen umgehen müssen und schwierige, (un-) menschliche Entscheidungen zu treffen haben.
Die Schreibweise gefällt mir gut. Das Buch lässt sich schnell und angenehm lesen. Es sind zwei kurzweilige Erzählstränge, die geschickt miteinander verknüpft werden.
Maja Lunde versteht sich in ihren Schreibstil auf das Darstellen der Problematik und ihren Auswirkungen, nicht auf einen moralisch belehrenden Fingerzeig.




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