John Adderley, ein FBI Undercover Agent a.D. kommt auf seinen Wunsch in ein Zeugenschutzprogramm in seine Heimatstadt Karlstad in Schweden. Dort möchte er den Cold Case, Mord an Emelie Bjurwall, Industriellentochter, ...
John Adderley, ein FBI Undercover Agent a.D. kommt auf seinen Wunsch in ein Zeugenschutzprogramm in seine Heimatstadt Karlstad in Schweden. Dort möchte er den Cold Case, Mord an Emelie Bjurwall, Industriellentochter, aufklären, denn sein Halbbruder wurde damals verdächtigt. Ungewöhnlich und zügig kommt er mit der Aufklärung voran, wobei er auch einige Mal unkonventionell und auf eigene Faust vorgeht.
Der Fall Emelie Bjurwall wird von damaliger Sicht beschrieben aus Sicht des Vaters der verschwundenen jungen Frau und der andere Erzählstrang ist die Sicht von John Adderly.
Die Fäden ziehen sich in der Gegenwart zusammen und verlaufen parallel und hochspannend weiter bis zum rasanten Finale. Viele überraschende Wendungen bieten beste Unterhaltung. Die Charaktere sind glaubwürdig, der Protagonist sympathisch mit Ecken und Kanten. Viel Wert wurde auch auf psychologische Aspekte der Verhaltensweisen gelegt, so dass es dem Thriller nicht an Tiefgang mangelt. Doch nie aufreißerisch, eher betrachtend. Interessant auch der Aufbau und die Verwobenheit der zeitlichen Abläufe des Geschehens. Die mitspielenden Personen sind übersichtlich mit klarem Wiedererkennungswert, so dass der 528 Seiten starke Schmöker niemals ermüdet. Die beiden Autoren haben ein spannendes und sympathisches Erstlingswerk erschaffen. DieVorfreude auf den nächsten Band um John Adderly ist garantiert.
Das Hotel Caiette liegt in der Wildnis, nur zu erreichen durch ein Boot, doch ist es eine Sehenswürdigkeit durch dessen gläserne Fassade. Hierher kommen Hotelgäste, die geschützt hinter Glas beobachten ...
Das Hotel Caiette liegt in der Wildnis, nur zu erreichen durch ein Boot, doch ist es eine Sehenswürdigkeit durch dessen gläserne Fassade. Hierher kommen Hotelgäste, die geschützt hinter Glas beobachten wollen. Es vermittelt fast, so wird gesagt, das Gefühl außerhalb von Zeit und Raum zu sein. ( Auch das Cover wird verständlich durch das Beschreiben der Bilder der Malerin Olivia, deren Landschaften in eine völlig anderes, als das reale, Licht getaucht waren.)
Jäh nimmt das Schicksal der Barkeeperin Vincent einen anderen Verlauf, als auf einer der Glasscheiben eine Aufforderung zum Selbstmord eingeritzt wird. Vincent lernt den älteren und reichen Jonathan kennen, den Hotelbesitzer. Sie ergreift die Gelegenheit ihres Schicksals und in all dessen Wirrungen und Verwirrungen im Laufe von 392 Seiten ist das Ziel ihre ureigene Freiheit.
Der Roman beginnt mit der Perspektive der beiden Geschwister Vincent und Paul. Doch es sind nicht die einzigen Protagonisten, die Perspektiven wechseln, die Zeiten wechseln, dicht verwoben wird erzählt, doch immer leichtfüßig und niemals langweilig. Der Ball wird weiter geworfen. Ein zu langes Haften am Einzelnen ist nicht das Anliegen. Es hat mich nicht gewundert, zu lesen, dass Emily St. John Mandel Tanz studiert hat. Der Roman ist wie eine Choreographie, Menschen begegnen sich, teilen Schicksal, entfernen sich, nähern sich.“ und das in einer geschriebenen Leichtigkeit, die dennoch in die Tiefe geht. Es geht um Schicksalswege, die so nur in den USA so stattfinden können, dort, wo es das soziale Auffangen wie hier nicht gibt. Dafür der Witz und das Ergreifen von Möglichkeiten zum Überleben – das Abenteuer Leben. Ein Buch voller neuer Wendungen, Erkenntnissen, Täuschung und Wahrhaftigkeit und auch Rätselhaftes, wie der Spruch am Hotelfenster, der sich erst zum Schluss des Romans erklärt.
Eine durchgängige und wunderbare Lesefreude, großartig geschrieben, verwoben und sehr bereichernd. Eine absolute Empfehlung!
Der Roman fängt vielversprechend an. Den Wiener Kreis mit Intellektuellen wie Philosophen, Mathematiker, Logiker gab es wirklich. Ein großartiger Anfang von dem Mädchen Franziska Denk, die allein durch ...
Der Roman fängt vielversprechend an. Den Wiener Kreis mit Intellektuellen wie Philosophen, Mathematiker, Logiker gab es wirklich. Ein großartiger Anfang von dem Mädchen Franziska Denk, die allein durch das Lesen und Hören von Krankheiten diese auch bekommt. Franziska lernt durch die Postkarten ihres Vaters, der an einem Atlas verlorener Sprachen arbeitet und in aller Welt unterwegs ist. Er vermeidet jegliche Anspielung auf Krankheiten, schreibt in fremden Sprachen und diese Fähigkeit und Faszination führt sie in die Sprachwissenschaft und die Erforschung eigener Sprachen.
Sie lernt Otto Mandl kennen, einen Mathematiker, mit dem sie dann jahrzehntelang daran forscht, eine perfekte Sprache zu entwickeln, wo alle den gleichen Zugang zur Welt bekommen würden. Ein vielseitiges und komplexes Unterfangen.
Franziska möchte eine Sprache entwickeln auf der konkreten Ebene, „eine Sprache, die das eigentliche Lebewesen ist, die sich durch die Menschheit als Wirtsorganismus weiterentwickelt und fortpflanzt“. Otto Mandl: Die einzige Form, die ein logisches, in sich geschlossenes System annehmen könne, um fehlerfrei bestehen zu können, sei die Form einer Schleife“.
Als die Mutter wahnsinnig wird und Unmengen aus Möbiusschleifen aus ihrem Zimmer quellen (ihr Interessensgebiet) und das Haus brennt, wird der Roman immer abstruser. Was vorher noch Spaß brachte, auch die originellen, nicht immer wahren, doch glaubwürdig verpackten Fußnoten, dreht sich bald um in ein Lesen, das herausfordert.
Ein übersprudelnder Ideenreichtum, den der Autor serviert, intellektuell anspruchsvoll und detailliert, muss erst einmal verdaut werden. Es betrifft Bereiche der höheren Mathematik, Philosophie, Wissenschaft mit Beispielen und Anekdoten über lebende berühmte (Franz Kafka) oder nicht existierende Personen und fiktive Begebenheiten wie die Gründung einer Sekte, das Auftauchen von Doppelgängern.
Verknüpfungen, die keinen Zusammenhang vermuten lassen, die Elias Hirschl dennoch komponiert und logisch und glaubhaft darzustellen weiß. Der Essay von John Cage und Ang Gurong ist witzig und gibt Stoff darüber hinaus nachzudenken, was für Franziska Denk wahre Kunst ist. Eine Sekte Wodot wird gegründet (Warten auf Godot?), wo das zu Bezeichnende, Erfassbare reduziert wird (wie am Anfang der letzte Bericht des Vaters).
Der Roman ist voll von sprühenden Ideen, wahren, falschen, abstrakten wie konkreten, wobei mir die konkreten greifbarer waren als so manche abstrakte, die teils ermüdend detailliert beschrieben werden.
Elias Hirschl kann schreiben ohne Frage und zeigt ein Spektrum seiner Intelligenz.
Doch der Eindruck einer Selbstverliebtheit in die Sprache und sein Wissen und daraufhin die Zumutung an den Leser, sich mit denselben auf gleiche Art auseinanderzusetzen, ist bei mir eingetreten. Auf vielen Strecken hat mich der Roman nicht erreicht.
Die vielen ausführlichen Randbemerkungen, die anfänglich amüsant und zum Nachschauen anregten, dienten mir im späteren Verlauf nicht mehr dazu, einen Lesefluss voranzutreiben.
Doch welchen Sinn transportiert die Geschichte, für mich diesen eben auch, dass Elias Hirschl intelligent intelligent intelligent ist. Dadurch das Franziska im Laufe des Romans immer unsympathischer wird, ist sie keine Protagonistin, mit der man sich anfreunden könnte, im Laufe der Geschichte will man die Welt nicht mehr durch Franziskas Brille sehen (darum geht es ja auch nicht) .Was bleibt also, was hallt nach? Der Witz für Eingeweihte, doch kein tieferes Berührtsein, eher eine Anerkennung an die Leistung, diesen Roman so komplex detailliert und klug und auch witzig geschrieben zu haben, für so manchen Leser vielleicht eine Faszination.
Marie, die sich, noch sehr jung, auf einem Berliner Flohmarkt eine Polaroidkamera kauft, dokumentiert mit den Schnappschüssen die Wichtigkeiten ihres Lebens. So sind die Fotos noch später Anhaltspunkte ...
Marie, die sich, noch sehr jung, auf einem Berliner Flohmarkt eine Polaroidkamera kauft, dokumentiert mit den Schnappschüssen die Wichtigkeiten ihres Lebens. So sind die Fotos noch später Anhaltspunkte für ihre Tochter, die versucht, ihre Mutter zu erfassen. Denn die Tochter erkennt dunkle Flecken in der Vergangenheit ihrer Mutter Marie, die auf sie selbst Einfluss genommen haben. Über einen Psychologen will sie Klarheit finden, sich selbst verstehen. Dann gibt es noch Gabriele, die aus der Großstadt Berlin zurück in die väterliche Bäckerei in ihren Heimatort zurückkehrt und sich dort behauptet.
Die Geschichte beginnt 1981, und setzt sich fort bis zum Jahr 2022.
Gabriele und Marie werden Töchter haben, Alma und Isabell. Die Verknüpfungen dieser vier Frauen erfüllen den Roman.
Die Töchter Isabell und Alma zeigen Mut und Stärke und Durchhaltevermögen in ihrem gewählten Leben, erreichen besondere Leistungen in ihrem Beruf – doch die Frage nach der Herkunft und dem inneren Frieden ist die treibende Kraft, deren Frage sie sich stellen wollen. Das Verschweigen von Wahrheiten, das die Mütter quälte, lässt in den Töchtern eine Leere zurück. Die Verhältnisse werden durch die Lügen schwierig. Neue erfundene Geschichten können dies nicht deckeln, so dass sich die Wahrheit letztendlich ihren Weg bahnt und, natürlich, zu Konsequenzen führt.
Große Fragestellungen werden aufgeworfen: Wie geht man mit sich um, was bedeutet Heimat, was trägt man von der Mutter mit sich, welche Last ist geerbt, wie beeinflusst das den eigenen Lebensweg. Und wichtig: Welchen Sorgen sind Mütter physisch, psychisch und gesellschaftlich unterworfen und welche Entscheidungen treffen sie. Dafür sehr passend am Anfang der Songtext von Christina Perris Lied „Mothers“, eine Hommage an Mütter in schwierigen Lebenslagen.
Der Roman hält einen ungewöhnlichen Plot bereit, der mitreißt und gute Unterhaltung auch durch dessen Kuriosität erzeugt. Eine phantasievolle Geschichte, die dorthin zurückgeht, wo sie angefangen hat. Die wechselnden Perspektiven und Zeitabschnitte sind anregend und erschließen nach und nach die Lücken – so entsteht ein spannendes Puzzle. Jeder Lebensabschnitt der Frauen ist sensibel erzählt und nachvollziehbar, ebenso die Gefühlswelten der Frauen, die sie während ihres Lebenswegs auch in enttäuschende Situationen bringen. Eine trotz aller Widrigkeiten positive Geschichte, die allen Frauen Mut machen kann, weil die weiblichen Protagonistinnen hier durch die Autorin sensibel und verständnisvoll wahrgenommen werden in ihrem Dasein. Dieser anregende Erstlingsroman von Judith Hoersch hat mich sehr gut unterhalten.
Andrea Maria Dusl hat den Umschlag illustriert, mit 33 verschiedenen Schreibtischgegenständen bestückt. Eine schöne bildnerische Einführung in dies überaus vielseitige Buch „Die Kolumne in 33 Versuchen“ ...
Andrea Maria Dusl hat den Umschlag illustriert, mit 33 verschiedenen Schreibtischgegenständen bestückt. Eine schöne bildnerische Einführung in dies überaus vielseitige Buch „Die Kolumne in 33 Versuchen“
Eine Kolumne ist ein informeller Aufsatz oder Kommentar und umfasst 800 Seiten.
Nicht zu lang, nicht zu kurz, jede(r) hat schon einmal eine Kolumne gelesen, hat womöglich eine Lieblingskolumne mit Lieblingskolumnisten. Ein spezielles Fachgebiet, der auf witzige, treffende und stilsichere Art von eigenen Beobachtungen und Erfahrungen zum Fachthema berichtet. Dabei ist der Inhalt weniger wichtig – die Form der Ausführung Ist das Entscheidende, lernen wir da darf auch gern mal geschwurbelt werden.
Eine Kolumne, zuerst gebracht in Zeitungen, später im Radio, heute auf den sozialen Medien, gebloggt und im Podcast, ist wiederkehrend an gleicher Stelle oder gleicher Zeit zu lesen, zu hören.
Erst im 19. Jahrhundert wurde die Kolumne populär und hat sich bis heute in anderen zur Verfügung stehenden Medien gehalten, ist für den Leser oder Hörer von wiederkehrendem Interesse, und warum? So Andrea Maria Dusl „ Nicht wir lesen die Kolumne, sondern die Kolumne liest uns“.
Trotz des relativ kleinen Formats von 180 Seiten ist dies eine umfangreiche Abhandlung, von sehr unterschiedlichen Sichtweisen und Aspekten beleuchtet. Sie nennt es Florilegium, eine literarische Anthologie, eine Sammlung von Texten, Zitaten und Weisheiten.
Andrea Maria Dusl, geb. 1961 in Wien, beschreibt zusätzlich bildreich ihre Erfahrungen als Heranwachsende mit den zu der Zeit üblichen Medien, wie Radio oder Zeitschriften bis hin später zu den heutigen sozialen Medien und Chat GPT.
Es ist wohl in diesem Buch alles gesagt, nichts hinzuzufügen, rundum detailliert und umfangreich recherchiert, zitiert und mit eigenen Erfahrungen bestückt.
Keine einfache Lektüre. So einige Fremdwörter waren mir unbekannt.(Bin ich doch als gelegentliche Kolumnistenleserin mit einer Mainstream-Sprache vertrauter)
Sie beschreibt humorvoll und trifft mit vielen Beispielen den Nagel auf den Kopf.
Ich habe dazu gelernt und betrachte oder höre Kolumnen jetzt mit neuer Erfahrung, eben auch analytisch und das ist bereichernd.