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Veröffentlicht am 16.02.2021

Persönliche Schilderung über eine wichtige Phase im Leben einer Frau

Fliegende Hitze
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Die US-Amerikanerin Darcey Steinke schildert in ihrem Buch „Fliegende Hitze“ ihre Erfahrungen während ihrer Wechseljahre. Mit der umgangssprachlichen Floskel „Fliegende Hitze“ wird die bekannteste Begleiterscheinung ...

Die US-Amerikanerin Darcey Steinke schildert in ihrem Buch „Fliegende Hitze“ ihre Erfahrungen während ihrer Wechseljahre. Mit der umgangssprachlichen Floskel „Fliegende Hitze“ wird die bekannteste Begleiterscheinung des Klimakteriums bezeichnet, auch unter dem Begriff Hitzewallungen bekannt. Sehr offen und ehrlich berichtet die Autorin von ihren Erfahrungen, beispielsweise auch darüber, welche Bemühungen sie unternimmt um ihre nächtlichen Anflüge von Hitze abzumildern, die sie als unangenehm empfindet.

Um zu verstehen, was in der Menopause mit ihrem Körper geschieht, hat Darcey Steinke einiges an Fachliteratur dazu gelesen und mit vielen Frauen darüber gesprochen. Neben dem Menschen durchlaufen nur einige Walarten die Phase der Wechseljahre. Verschiedene Annahmen zu diesem Lebensabschnitt sind spekulativ. Die Autorin stellt fest, dass Frauen verunsichert sind und schamhaft darüber schweigen.

Zunehmend interessierte sich die Autorin für das Schicksal eines Schwertwals, einer Art, die ebenfalls das Klimakterium durchläuft. Sie findet es schwierig, ihr diesbezügliches Engagement zu erklären, sieht aber darin einen Zusammenhang mit dem Animalischen in sich, das sie durch die Menopause zunehmend wahrnimmt. Daher bilden ihre Schilderungen über ihre Reisen zu Walen einen angenehm passenden unterhaltsamen, aber auch nachdenklich stimmenden Rahmen für die Lektüre des Buchs.

Darcey Steinke gelangt zu dem Schluss, dass das Klimakterium im Vergleich zu anderen Lebensphasen eine Herabwürdigung erfährt. Sie nimmt wahr, dass weibliche Sexualität an von Männern gesetzten Werten gemessen wird. Von zu Vielen wird die Menopause als etwas angesehen, dass geheilt werden sollte. Sie nennt Möglichkeiten dazu, bleibt aber bei der Darstellung von Fakten und entscheidet sich für sich selbst für einen natürlichen Umgang mit den Begleiterscheinungen. Sie scheut nicht davor zurück auch über ihre Erfahrungen und ihr gewonnenes Wissen in Bezug auf ihr Sexualleben während der Wechseljahre zu berichten und auf die Chancen und Möglichkeiten eines diesbezüglich veränderten Umgangs mit dem Partner hinzuweisen.

Da ich nur wenig jünger bin als die Autorin kann ich zu ihren Berichten sagen, dass ich die beschriebenen Empfindungen nachvollziehbar finde und nicht alles, aber vieles auch bei mir wahrgenommen habe. „Fliegende Hitze- Die Wechseljahre neu erzählt“ ist eine persönliche Auseinandersetzung der Autorin und im amerikanischen Umfeld zu sehen, kann aber meiner Meinung nach gut als Gesprächsgrundlage hierzulande für weitere Debatten über einzelne Aspekte genutzt werden. Gerne empfehle ich das Buch an alle weiter, die sich über die wichtige Lebensphase des weiblichen Klimakteriums informieren möchten.

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Veröffentlicht am 19.01.2021

Unterhaltsamer Roman über das Für und Wider der Romantik

Willst du Blumen, kauf dir welche
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In ihrem Roman „Willst du Blumen, kauf dir welche“ erzählt Ellen Berg die Geschichte der selbständigen Buchhändlerin Lena, Anfang Dreißig, Single und mit romantischer Veranlagung. Gerne baut sie Buchtitel ...

In ihrem Roman „Willst du Blumen, kauf dir welche“ erzählt Ellen Berg die Geschichte der selbständigen Buchhändlerin Lena, Anfang Dreißig, Single und mit romantischer Veranlagung. Gerne baut sie Buchtitel in ihre Unterhaltung ein oder zitiert aus den Romanen Jane Austens. Auf einer Lesung in ihrem Laden in einer Kleinstadt behauptet der erfolgreiche Autor Benjamin Floros allerdings, dass Romantik Schwindel sei und man sich entsprechend des Buchtitels beispielsweise seine Blumen selbst kaufen und nicht darauf hoffen sollte, welche von einem Verehrer in Liebe geschenkt zu bekommen.

Außerdem behauptet er, dass man mit einem von ihm ausgeklügelten System online auf analytische Weise nach dem perfekten Partner suchen kann. Lena ist verärgert, lässt sich aber von Benjamin zu einer Wette überreden, die vorsieht, dass der Autor für Lena mit Hilfe seines Berechnungsverfahrens den Mann fürs Leben finden wird.

Ellen Berg greift in ihrer Geschichte den Traum vieler Frauen auf, die große Liebe zu finden und mit dem neuen Freund dann gemeinsam Zeit mit viel Gefühl und Leidenschaft zu verbringen. Lena muss über einige Höhen und Tiefen gehen, bevor sie sich klar darüber wird, was ihr tatsächlich wichtig ist in einer Beziehung.

Die Autorin bleibt dabei eng am Thema, spielt mit Klischees und sorgt durch mehrere Datings immer wieder für neue amüsante Szenen mit eigenwilligen Liebesuchenden. Dennoch scheinen die Handlungen mitten aus dem Alltag aufgegriffen zu sein. Mit einer älteren Tante, die eine neue Bekanntschaft schließt, und einer Freundin, die selbst auf Partnersuche ist, begegnete ich Figuren mit Herz auf der Zunge, die für weiteren Witz in der Erzählung sorgten.

„Willst du Blumen, kauf die welche“ von Ellen Berg ist ein unterhaltsamer Roman über das Für und Wider der Romantik in der Liebe verbunden mit der Möglichkeit seinen Partner über das Online-Dating zu finden. Er sorgt dank seines lockeren und leichten Schreibstils für einige aufheiternde Lesestunden und daher empfehle ich ihn gerne weiter.

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Veröffentlicht am 21.12.2020

Einige unerwartete, manchmal tragische Wendungen auf beiden Zeitebenen

Das letzte Licht des Tages
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In ihrem Roman „Das letzte Licht des Tages“ erzählt Kristin Harmel auf zwei Zeitebenen. Einerseits schildert sie die Geschichte von Inès und Céline ab Mai 1940, andererseits steht Liv im Jahr 2019 im Mittelpunkt.

Inès ...

In ihrem Roman „Das letzte Licht des Tages“ erzählt Kristin Harmel auf zwei Zeitebenen. Einerseits schildert sie die Geschichte von Inès und Céline ab Mai 1940, andererseits steht Liv im Jahr 2019 im Mittelpunkt.

Inès ist eine junge Waise, die den Winzer Michel durch ihre beste Freundin Edith kennenlernt. Nach der baldigen Heirat folgt sie ihm auf sein Weingut in die Champagne. Michel kann sich auch zu Kriegszeiten auf seinen Kellermeister Théo und seine Frau Céline verlassen, während Inès sich aufgrund ihrer geringen Kenntnisse über die Weinproduktion häufig unnütz fühlt. Als sie herausfindet, dass Michel sich der Resistance angeschlossen hat, beginnt sie sich verstärkt für das politische Geschehen zu interessieren und hadert mit ihrer eigenen Einstellung. Währenddessen fühlt sie immer mehr Distanz zu ihrem Ehemann. Während sie selbst nach mehr Zuneigung sucht, ahnt sie nicht, was unterdessen das Herz von Michel bewegt.

Die in New York lebende, frisch geschiedene Liv folgt ihrer hochbetagten Großmutter Edith nach deren spontanem Besuch in die Heimat nach Frankreich. Edith verbirgt ein Geheimnis, steht aber kurz davor, es ihr mitzuteilen. Nur langsam entschlüsselt sich ihre Vergangenheit, während der attraktive Enkel einer renommierten Anwaltskanzlei, zu der Edith vollstes Vertrauen hat, an Livs Seite ist und sich gemeinsam mit ihr auf Spurensuche nach familiären Ereignissen im Zweiten Weltkrieg begibt.

Kristin Harmel nahm mich als Leser mit in die Champagne nach Reims und Umgebung. Mit viel Leidenschaft beschreibt sie dank sehr guter Recherche einige Details zu verschiedenen Produktionsschritte, die bei der Manufaktur von Champagner anfallen. Daneben greift sie mit dem Widerstand im Zweiten Weltkrieg in eben jenem Gebiet rund um Reims ein weniger beachtetes Thema der Geschichte auf, das deswegen besonders dramatisch ist, weil auch der Erste Weltkrieg in der Gegend große Schäden hinterlassen hat, in personeller wie auch materieller Hinsicht. Allerdings beschränkt sich die Autorin im Zusammenhang mit der Résistance allein auf Ereignisse, wie sie das Weingut und die dort lebenden Personen betroffen haben könnten, ohne die Fakten in einen größeren Zusammenhang zu stellen.

Die Figuren sind erfreulich wandlungsfähig, auch aufgrund der Geheimnisse, die vor allem die Widerstandskämpfer mit sich trugen. Zwar waren die Handlungen von Inés für mich nicht immer verständlich, aber die Autorin versucht ihr Vorgehen bestens zu begründen. Mit viel Empathie beschreibt sie die Beziehungen und Gefühle zwischen den Charakteren. Sie zeigt, wie schwierig es ist, mit einer langen zurückliegenden Schuld zurecht zu kommen und diese zu verarbeiten. Liebe, Hoffnung und Vertrauen, aber auch Missgunst und Unverständnis zwischen den Protagonisten ziehen sich durch das Geschehen.

Kristin Harmel führt ihren Roman „Das letzte Licht des Tages“, über einige unerwartete, manchmal tragische Wendungen auf beiden Zeitebenen zu einem überraschenden erfreulichen Ende. Die Geschichte hat einen hohen Unterhaltungswert und daher empfehle ich ihn gerne an Leser von Romanen mit Familiengeheimnis weiter.

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Veröffentlicht am 17.12.2020

Informative Übersicht über Fakten und zwischenmenschlichen Aspekten des Schenkens

Die Kunst der Großzügigkeit
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Mit ihrem Buch „Die Kunst der Großzügigkeit“ führte Susanne Kippenberger mir vor Augen, was ich bereits ahnte und nun durch die Lektüre bestätigt fand: Sorglos großzügig zu sein ist schwierig. Woran das ...

Mit ihrem Buch „Die Kunst der Großzügigkeit“ führte Susanne Kippenberger mir vor Augen, was ich bereits ahnte und nun durch die Lektüre bestätigt fand: Sorglos großzügig zu sein ist schwierig. Woran das liegt, führt die Autorin in Einzelheiten aus.
Schenken sollte bedingungslos sein, wird aber manchmal mit einer Verpflichtung verbunden und oft denkt der Schenker schon beim Überreichen daran, bald selbst zum Beschenkten zu werden. Ein Geschenk muss nicht immer einen materiellen Wert besitzen, sondern kann auch z.B. in Worten, Gesten oder Zeit bestehen.
Vor allem sollte Schenken Freude bereiten, dem Schenkenden und Nehmenden. Dazu gehört, dass das Geschenk zur Person und zur Situation passt. Susanne Kippenberger geht auf bestimmte Geschenkanlässe gesondert ein, wie beispielsweise Hochzeiten und Geburtstage, erzählt von ihren persönlichen Erfahrungen. Entsprechend des Untertitels ist die Autorin eine leidenschaftliche Schenkerin. Mit ihrer eigenen Meinung, zu den von ihr aufgegriffenen Themen, hält sie sich nicht zurück.
Kompliziert wird es nicht nur bei der Auswahl eines passenden Geschenks, sondern auch bei der angemessenen Reaktion des Beschenkten, denn Schenken transportiert immer Gefühle. Neben Hoffnung und Freude auf die kommende Gabe gibt auch häufig Enttäuschung, wenn der Empfänger anderes erwartet hat.
Rechnet man mit einem Präsent, beginnt die Überlegung, wie man darauf reagieren soll, nicht nur im Moment des Erhalts, sondern auch darüber, wie man sich revanchieren könnte.
„Die Kunst der Großzügigkeit“ ist eine informative Übersicht nicht nur über Fakten, sondern auch die zwischenmenschlichen Aspekte des Schenkens, die mich manchmal schmunzeln ließen, mich aber auch zum Grübeln brachte.

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Veröffentlicht am 07.12.2020

Komplexe Storyline mit hoher Spannung, aber übertrieben grausam

Der Heimweg
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Im Psychothriller „Der Heimweg“ thematisiert Sebastian Fitzek den telefonischen Begleitservice, der nachts von Jedem in Anspruch genommen werden kann, der sich auf seinem Weg einsam und unsicher fühlt. ...

Im Psychothriller „Der Heimweg“ thematisiert Sebastian Fitzek den telefonischen Begleitservice, der nachts von Jedem in Anspruch genommen werden kann, der sich auf seinem Weg einsam und unsicher fühlt. Jules, früherer Mitarbeiter einer integrierten Leitstelle, übernimmt eines Nachts für seinen besten Freund eine Schicht am Begleittelefon.

Klara befindet sich auf der Flucht vor einem potentiellen Täter, der ihr ihren Tod am kommenden Tag angekündigt hat. Inzwischen wird in den Nachrichten nach dem sogenannten Kalender-Mörder gesucht. In einem langen Telefonat erzählt Klara Jules von ihrem Wunsch, ihr Leben sofort selbstbestimmt zu beenden. Jules hingegen benötigt weitere Informationen, um sie nicht nur vom Selbstmord abzuhalten, sondern ihr auch Hilfe zu senden. Der Titel stellt sich dadurch später als doppeldeutig heraus, denn für Klara gibt es kein geborgenes Zuhause, nach dem sie sich sehnt und zu dem ihr Weg sie führt.

Sebastian Fitzek möchte nach eigenen Angaben seine Leser unterhalten, was ihm mit seiner Geschichte auch gelingt. Die Spannung, die er von der ersten Seite an aufbaut, hält bis zum Schluss an. Scheint die Handlung zu Beginn noch recht einfach gestrickt, so ergeben sich immer mehr Verwicklungen. Durch weitere Informationen ergeben sich erst einige Seiten weiter andere Zusammenhänge. Der Autor bietet unerwartete Wendungen im Verlauf des Thrillers. Für jede Entscheidung seiner Figuren gibt er eine mögliche Begründung, auch wenn diese mir nicht immer realistisch erschienen. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, soweit der Erhalt der Spannung es zulässt, doch der familiäre Hintergrund bietet wenig Abwechslung und läuft bei den Protagonisten in die gleiche Richtung.

Der real existierende Begleitservice wird vorgestellt und eine Internetadresse für weitere Informationen findet sich im Buch. Doch das alles überlagernde Thema des Psychothrillers ist die häusliche Gewalt an Frauen, die überspitzt und manches Mal für mein Befinden auch in zu brutalen Details dargestellt wird, was weder zur Unterhaltung noch zur Steigerung der Spannung beiträgt. Leider gibt es hierzu außer einigen Fakten aus der Wirklichkeit keine weiterführenden Hinweise, an wen man sich als Betroffene wenden kann.

Zu guter Letzt entwirrt die teils überraschende Auflösung die zunehmende Verflechtung der Geschehnisse. Der Psychothriller „Der Heimweg“ von Sebastian Fitzek beeindruckt durch eine komplexe Storyline mit hoher Spannung. Der Schreibstil mit vielen Dialogen unterstützt ein schnelles Lesen. Insgesamt ist die Geschichte meiner Ansicht nach übertrieben grausam und abscheulich dargestellt, erfüllt aber den Unterhaltungswert. Das Buch ist sicher ein Must Read für alle Fitzek-Fans und eine ansprechende Lektüre für Fans von Psychothrillern.

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