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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.02.2021

Eine sehr bewegende Geschichte

Stay away from Gretchen
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Bisher kannte ich die Autorin Susanne Abel nicht und war umso erstaunter über ihren Roman „Stay away from Gretchen“. Die Autorin erzählt einfühlsam und spannend eine Geschichte über die aktuellen Ereignisse ...

Bisher kannte ich die Autorin Susanne Abel nicht und war umso erstaunter über ihren Roman „Stay away from Gretchen“. Die Autorin erzählt einfühlsam und spannend eine Geschichte über die aktuellen Ereignisse von Krieg, Flucht und Vertreibung, die sie geschickt mit historischen Zeiten verbindet.

Inhalt:
Der bekannte Kölner Nachrichtenmoderator Tom Monderath macht sich Sorgen um seine 84-jährige Mutter Greta, die immer mehr vergisst. Was anfangs ärgerlich für sein scheinbar so perfektes Leben ist, wird unerwartet zu einem Geschenk. Nach und nach erzählt Greta aus ihrem Leben – von ihrer Kindheit in Ostpreußen, der Flucht vor den russischen Soldaten im eisigen Winter, der Sehnsucht nach dem verschollenen Vater und ihren Erfolgen auf dem Schwarzmarkt in Heidelberg. Als Tom jedoch auf das Foto eines kleinen Mädchens mit dunkler Haut stößt, verstummt Greta. Zum ersten Mal beginnt Tom, sich eingehender mit der Vergangenheit seiner Mutter zu befassen. Nicht nur, um endlich ihre Traurigkeit zu verstehen. Es geht auch um sein eigenes Glück.

Meine Meinung:
Auf zwei Zeitebenen erzählt die Autorin die Geschichte von Greta. In der Gegenwart ist Greta bereits 84 Jahre alt, die aufgrund ihrer Alzheimer Demenz Erkrankung das Leben ihres Sohnes Tom ganz schön durcheinander wirbelt. Für Greta versinkt die Gegenwart immer mehr im Dunkeln und sie fängt an, sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen.
Gretas Erinnerungen beginnen mit ihrer Kindheit, die vom Krieg und der Flucht vor den Russen aus Ostpreußen geprägt ist. Ihre vermeintliche Rettung in Heidelberg, die jedoch auch mit sehr viel Leid verbunden war. Nach Kriegsende wurde Heidelberg von den afroamerikanischen GIs besetzt, die sich jedoch den Deutschen gegenüber, hilfsbereit verhielten. Hier findet Greta ihr vermeintliches Glück mit Bob und als sie schwanger wird, kommt ihr Vater aus der russischen Gefangenschaft, nach Hause. Gretas Vater entwickelt sich zum Tyrannen. Greta flieht aus der elterlichen Wohnung und muss schweren Herzens ihre Tochter Marie in ein Waisenhaus geben. Sie erlebt als Mutter ganz schreckliche Zeiten, da sie kein Besuchsrecht für ihre Tochter erhält und von den Menschen, verabscheut wird.. Bob, der nach Amerika gereist ist um seine Papiere regeln zu können, kommt nicht mehr zurück nach Heidelberg. Die schwerste Zeit für Greta ist angebrochen. Sie hat alles verlorenen und daran zerbricht sie fast.

Tom wird immer hellhöriger und sein Interesse als Sohn aber hauptsächlich als Journalist ist geweckt. Dinge, die Tom noch nie von seiner Mutter gehört hat, kommen ans Tageslicht. Nur so ganz langsam wird ihm klar, was für ein abenteuerliches und entbehrungsreiches Leben seine Mutter, die mit ihrer Familie in Heidelberg einen vermeintlich sicheren Hafen gefunden hatte, führen musste. Als er in Gretas Führerschein ein Bild eines kleinen Mädchens mit dunkler Hautfarbe findet, fängt er an zu recherchieren und stößt auf ungeheuerliches.

Über das Thema Adoptionen habe ich ja schon viel gelesen aber über die Brown Babys wusste ich so gar nichts und konnte mich richtig in die Lage von Tom versetzen. Erst jetzt konnte er das seltsame Verhalten seiner Mutter aus seiner Kindheit verstehen und selbst seinen Frieden finden.

Fazit:
Die Autorin hat mit ihrem einfühlsamen Schreibstil hier eine sehr bewegende und gut recherchierte Geschichte geschrieben. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und hatte viele ergreifende Lesestunden.
Von mir eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 28.02.2021

Johanna und ihre Begabung als Töpferin

Die Kannenbäckerin
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Die Autorin Annette Spratte, führt den Leser in ihrem neuen Roman „Die Kannenbäckerin“, in den Westerwald während des 30-jährigen Krieges.

Inhalt:
Im Westerwald während des 30-jährigen Krieges: Die 13-jährige ...

Die Autorin Annette Spratte, führt den Leser in ihrem neuen Roman „Die Kannenbäckerin“, in den Westerwald während des 30-jährigen Krieges.

Inhalt:
Im Westerwald während des 30-jährigen Krieges: Die 13-jährige Johanna hat ihre gesamte Familie an die Pest verloren. Geblieben ist ihr nur ein unbekannter Onkel, der als Töpfer im Kannenbäckerland arbeitet. Damit sie in den Wirren des Krieges den weiten Weg überlebt, verkleidet ihre wohlmeinende Nachbarin sie als Jungen. Die neuen Freiheiten, die sie unterwegs genießt, erscheinen Johanna verlockend, genau wie die Aussicht auf eine Lehre im Töpferhandwerk. So verschweigt sie ihrem Onkel die Wahrheit und beweist in der Werkstatt bald nicht nur ein außergewöhnliches Talent, sondern auch eine einzigartige Leidenschaft. Doch kann sie ihre Täuschung in einer von Männern beherrschten Welt aufrechterhalten?

Meine Meinung:
Das Leben auf dem Hof des Onkels in Kriegszeiten ist für Johanna, hart und entbehrungsreich. Sie lernt auf der einen Seite was es heißt, als Junge mit anpacken zu müssen und auf der anderen Seite, das Vertrauen von Onkel und Tante zu genießen. Doch mit fortschreitendem Alter und ihrer Entwicklung vom Mädchen zur jungen Frau kann Johanna ihre Tarnung nicht mehr aufrechterhalten und der Schwindel fliegt auf. Ihr Onkel verbietet ihr die Töpferei und sie muss fortan als Frau leben. Es dauert einige Zeit, bis die Menschen in ihrem Umfeld sich ihr wieder annähern.

Durch die Krankheit ihres Onkels, geht sie heimlich in die Werkstatt um zu töpfern. Sie möchte unbedingt etwas zum Unterhalt beisteuern, wagt sich sogar auf den Markt und muss schnell erkennen, dass nicht jeder ihr gut gesonnen ist. Johanna wird als Hexe angeklagt und in letzter Minute, gerettet. Zwar hat sie zu Beginn des Buches mit Gott gehadert, da er ihre ganze Familie ausgelöscht hat, doch im Verlauf der Geschichte findet sie immer mehr Halt und Zuversicht im christlichen Glauben und kann so auch die dunklen Zeiten überstehen.

Fazit:
Mit ihrem wunderschönen fließenden Schreibstil, konnte mich die Autorin mit ihrem historischen Roman durchaus begeistern. Auch die Protagonisten und deren Dialoge, die ihnen Leben im Laufe der Handlung einhauchten, haben mir durchaus sehr gut gefallen. Sehr interessant fand ich die ausführlichen und gut recherchierten Beschreibungen über das Töpferhandwerk.
Von mir eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Die Fahrt der inneren Befreiung

Grüne Welle
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„Grüne Welle“ von Esther Schüttpelz erzählt auf poetische und mitreißende Weise davon, dass wir uns im Leben immer wieder neu entscheiden müssen – und auch neu entscheiden können: für einen anderen Weg, ...

„Grüne Welle“ von Esther Schüttpelz erzählt auf poetische und mitreißende Weise davon, dass wir uns im Leben immer wieder neu entscheiden müssen – und auch neu entscheiden können: für einen anderen Weg, ein anderes Leben und mit anderen Menschen an unserer Seite.

Im Mittelpunkt steht die Mitte vierzigjährige namenlose Ich-Erzählerin, die nach dem monatlichen Kinobesuch mit ihrer besten und einzigen Freundin, in ihr Auto steigt und nach Hause fahren will, bis eine Umleitung sie von ihrem Weg abbringt.
Einen Augenblick unaufmerksam und sie verpasst die Ausfahrt. Sie entfernt sich immer mehr von zu Hause und ihre Gedanken kreisen um ihren Mann, der sich sicher Sorgen machen wird und sie nimmt sich vor, an der nächsten roten Ampel ruft sie ihn an. Doch weit und breit ist keine Ampel in Sicht und wenn, fährt sie auf einer „grünen Welle“ über Autobahnen und Landstraßen durch die ganze Nacht und den folgenden Tag.

Während ihrer Fahrt fängt sie an ihre Situation zu reflektieren, wie und warum ihr Leben sich so verändert hat. Die namenlose Ich-Erzählerin zeigt sich in ihren unterschiedlichen Facetten und Emotionen. Ihre innere Auseinandersetzung kombiniert mit der äußeren erzeugt die Spannung und treibt die Geschichte voran, bis ihr immer klarer wird, dass es vielleicht besser wäre, nie wieder zurückzukehren, den die wahre Gefahr lauert dort auf sie.

Die namenlose Ich-Erzählerin leidet sehr unter der massiven Gewalt ihres Mannes, der alles zu kontrollieren scheint und ihr keinerlei Freiheit gestattet. Durch ihren Gedankenfluss während der Autofahrt setzen sich Stück für Stück die Puzzleteile zusammen. Den inneren Aufruhr der einst so begabten Künstlerin zu erfassen und gleichzeitig zu erkennen, wie extrem sich das Ausmaß ihrer verlorenen Identität auf die Gegenwart auswirkt, macht mich schon betroffen.

Fazit:
Der Schreibstil war für mich anfangs zwar etwas gewöhnungsbedürftig aber schnell konnte ich der Ich-Erzählerin, folgen. Ich fühlte mich der Protagonistin sehr nahe, obwohl sie häufig eher distanziert wirkt und auch sicher nicht gerne Nähe zulässt. Zwischen den Zeilen schwingen viel Melancholie, Schmerz und Verlust mit. Für mich eine ganz besondere aber auch außergewöhnliche Geschichte, die ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Das Drei-Generationen-Porträt

Die Riesinnen
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Die Riesinnen, das sind die Riessberger Frauen, Liese, Cora und Eva mit den Kupferwollehaaren, drei Generationen einer Familie. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft ...

Die Riesinnen, das sind die Riessberger Frauen, Liese, Cora und Eva mit den Kupferwollehaaren, drei Generationen einer Familie. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Eigenwillig, stark und unbequem stellen sie sich gegen Erwartungen von außen. Das macht sie zu Außenseiterinnen in dem kleinen fiktiven Schwarzwalddorf Wittenmoos.

In den 60-er Jahren heiratet Liese den Metzgersohn Bernhard, der sehnsüchtig auf einen Erben wartet. Währenddessen spart Liese jeden Pfennig, den sie abzweigen kann, denn sie will fort. Erst als sie schwanger wird und ihre Tochter Cora auf die Welt kommt, kennt sie ihren Platz. Sie liebt ihr Kind über alles aber Bernhard ist enttäuscht über den fehlenden Stammhalter und lässt seine Wut, Cora spüren. Für Bernhards plötzlichen Unfalltod, kann Liese keine Trauer empfinden.

Jetzt sitzt Liese mit den Schulden für das Haus da und weiß nicht, wie sie sich und ihr Kind, ernähren soll. Sie fordert von ihren Schwiegereltern die Metzgerei, obwohl sie nicht mal weiß, ob sie das kann. Unerbittlich und mit starker Willenskraft, erobert sie sich ihre Metzgerei und schuftet bis zum Umfallen. Für Liebe und Freundschaften hat sie keine Zeit, sie kennt nur ihre Pflichten und die Fürsorge für ihre Tochter Cora.

Je älter Cora wird, rebelliert sie gegen die Enge im Dorf. Sie will die weite Welt sehen und etwas erleben. Ihre Mutter Liese legt ihr keine Steine in den Weg und lässt sie ziehen. Schwanger kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück und muss lernen, dass Heimkehr keine Niederlage ist.

Und Coras Tochter, Eva, zieht in die Ferne zum Studieren, doch ihren richtigen Platz hat sie noch nicht gefunden bis es ihr wie Schuppen von den Augen fällt, dass es ja der Wald ist, denn sie so sehr liebt. Sie kehrt zurück in ihre Heimat und ihrem geliebten Wald.

Das Ende hat mich ein wenig überrascht, denn plötzlich redet Liese ganz nebenbei über lange verschwiegene Geheimnisse, die Eva aus ihrer Sicht ins rechte Licht rückt es aber vorzieht, die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Fazit:
Mit „Die Riesinnen“ erzählt Hannah Häffner die Geschichte dreier Frauen, die sich von den 60-er Jahren bis in unsere Zeit spannt. Der Schreibstil ist flüssig aber leise und erzählt über die Sehnsucht nach Freiheit und Wurzeln, über Mütter und Töchter und über die Kraft der Natur. Einige Entwicklungen waren für mich nachvollziehbar, andere eher weniger. Was mir besonders gefehlt hat, war die Tiefe der einzelnen Figuren, denn ich wäre ihnen gerne noch nähergekommen.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Eine ungelebte Liebe

Fast ein Leben
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„Fast ein Leben" von Kiran Millwood Hargrave ist ein leiser und eindringlicher Roman, der die Geschichte über die Leben, die wir fast gelebt hätten, erzählt.

Inhalt:
Laure ist Doktorandin an der Sorbonne ...

„Fast ein Leben" von Kiran Millwood Hargrave ist ein leiser und eindringlicher Roman, der die Geschichte über die Leben, die wir fast gelebt hätten, erzählt.

Inhalt:
Laure ist Doktorandin an der Sorbonne in Paris – selbstbewusst, charmant und rebellisch. Erica, die noch versucht herauszufinden, wer sie ist, entscheidet sich für einen Auslandsaufenthalt in Frankreich. Schon bei der ersten Begegnung vor Sacré-Cœur springt der Funke über, und die beiden beginnen eine Affäre, geprägt von Eifersucht und Anziehung. Der Sommer vergeht, Erica und Laure verlieren sich aus den Augen, doch die Erinnerung an die gemeinsame Zeit bleibt und führt die beiden über vier Jahrzehnte hinweg immer wieder zueinander. Erica geht zurück nach England, heiratet, wird Mutter und ringt mit einer Schreibblockade, während Laure mit politischen Umbrüchen und persönlichen Herausforderungen zu kämpfen hat. Mit jeder erneuten Begegnung müssen sich die beiden Frauen die Frage stellen, ob sie sich damals richtig entschieden haben.

Im Jahr 1978 lernen sich Erica und Laure in Paris kennen und eine Sommerliebe zwischen den beiden beginnt, die Spuren hinterlässt. Erica geht wieder zurück nach England und heiratet. Ich hatte den Eindruck, dass sie mit Ant eine glückliche Ehe führt aber Erica kann ihre Liebe in Paris einfach nicht vergessen. Es gibt zwar immer wieder prickelnde Begegnungen zwischen Erica und Laure aber letztendlich bleibt sie doch bei ihrem Ehemann. Obwohl Erica mittlerweile zwei Töchter hat, bleibt sie trotzdem zwiegespalten, denn die Liebe zu Laure kann sie nie ganz loslassen.

Erzählt wird die Geschichte, die sich über vier Jahrzehnte hinweg zieht, aus Sicht der beiden Frauen und aus deren Perspektive. Das Ende dieser Liebesgeschichte fand ich jedoch schon ziemlich ernüchternd und traurig zugleich.

Die Handlung ist nicht nur von Liebeskummer, Eifersucht unter Lesben und Verlustängsten sondern auch von Alkoholmissbrauch, homosexuellen Männern und das Thema ADS, geprägt.

Fazit:
Den Schreibstil fand ich fließend und passend zu den Charakteren, doch wer hier einen klassischen Liebesroman sucht, ist hier fehl am Platz. Aufgrund des Covers hatte ich einen eher leichten und heiteren Roman erwartet doch wer sich gerne mit dem Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe auseinandersetzen möchte, dem kann ich das Buch sehr gerne empfehlen!

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