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Veröffentlicht am 02.04.2021

der zweite Fall des alkoholabhängigen Polizeichefs von Paradise

Terror auf Stiles Island
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Dies ist der zweite Fall des alkoholabhängigen Polizeichefs von Paradise, der aus der Feder des bereits 2010 verstorbenen amerikanischen Schriftstellers Robert B. Parker (auch bekannt durch die Spenser-Krimis) ...

Dies ist der zweite Fall des alkoholabhängigen Polizeichefs von Paradise, der aus der Feder des bereits 2010 verstorbenen amerikanischen Schriftstellers Robert B. Parker (auch bekannt durch die Spenser-Krimis) stammt. Er schließt fast nahtlos an „Das dunkle Paradies“ an.

Es ist ruhig im kleinen Städtchen Paradise. Seit einem Jahr ist Jesse Stone hier Polizeichef. Von seinen Leuten wird er geachtet. Die Lösung seines ersten Falles im vorigen Jahr hat ihm Respekt verschafft. Das heißt aber nicht, dass Detective „Suitcase“ Simpson keine Späße mit seinem Boss macht, nachdem er weiß, dass Jesse nicht nur mit der Rechtsanwältin und mit seiner Ex, sondern auch noch mit einer Immobilienmaklerin techtelmechtelt. Derbe Sprüche und Witze zu seinen Lasten quittiert Jesse mit stoischer Zurückhaltung und wartet nur auf die Gelegenheit für einen Gegenschlag. Die Ruhe im Örtchen scheint aber nur die Ruhe vor dem Sturm zu sein. Noch ahnt Jesse nicht, dass sich James Macklin, ein frisch entlassener Berufsverbrecher in seinem beschaulichen Örtchen niedergelassen hat und an einem großen Raubzug bastelt. Während Jesse damit beschäftigt ist, drei Jugendliche, die das Haus eines schwulen Pärchens angezündet haben, auf den rechten Weg zurückzuholen, sucht sich Macklin seine Crew zusammen und plant, sämtliche Einwohner der zu Paradise gehörenden Insel Stiles Island, auf der nur Villen stehen, mit einem Schlag auszurauben. Er selbst schreckt nicht vor Leichen zurück, aber auch der angeheuerte Crow, der von sich selbst behauptet, Apache zu sein, ist ein kaltblütiger Killer.

Die Jesse-Stone-Romane lesen sich erfrischend anders als herkömmliche Krimis. Als Hardboiled-Krimis mit dem „einsamen Wolf“ als Kämpfer werden dem Leser prinzipiell beide Seiten offengelegt. Die Frage nach dem Täter stellt sich hier nicht, sondern lediglich, ob und wie er vom „Mann für Recht und Gesetz“ geschnappt wird. Damit wird die Sichtweise des Lesers ganz klar auf die einzelnen Figuren im Allgemeinen und dem Hauptprotagonisten im Besonderen gelegt. Der Leser kann also nicht miträtseln, sondern wird immer mitfiebern. Und dies macht mindestens genauso viel Spaß, lernt er doch Figuren viel besser kennen, kann sich mit ihnen arrangieren, sie lieben oder verabscheuen. Im Falle von Jesse Stone ist für mich persönlich das Bild sehr prägnant vorgegeben, denn dessen Bücher wurden mit Tom Selleck (bekannt als Magnum P. I.) verfilmt und zum Teil von ihm produziert. Obwohl die Romane vor den Filmen entstanden, scheint ihm die Rolle des Jesse Stone wie auf den Leib geschrieben. Dieser Polizist steckt voller Probleme und seine Entwicklung ist Stoff, aus dem gute Romane entstehen. Als Leser stellen sich über alle Romane hinweg die Fragen, ob er sein Alkoholproblem und sein Beziehungsproblem mit seiner Ex-Frau Jenn in den Griff bekommt. Der Spannungsbogen für den einzelnen Roman, wie auch dem vorliegenden, ergibt sich aus der Jagd nach den Tätern.

Diesen Roman zu empfehlen, bereitet keine Schwierigkeiten.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2014

Veröffentlicht am 21.03.2021

Lebensstationen rund um die Hauptfigur

Als wär das Leben so
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Der Roman von Rainer Moritz ist ein stiller Roman, der das Leben von Lisa schildert. Ohne Spannungselemente zu vermissen, kann man Lisa auf ihrem Weg durchs Leben begleiten und sich ihren Höhen und Tiefen ...

Der Roman von Rainer Moritz ist ein stiller Roman, der das Leben von Lisa schildert. Ohne Spannungselemente zu vermissen, kann man Lisa auf ihrem Weg durchs Leben begleiten und sich ihren Höhen und Tiefen anpassen, sie zumindest sehr gut nachvollziehen.

Die Darbietung der Lebensstationen rund um die Hauptfigur ist besonders gestaltet und lässt das Interesse wachwerden. Rainer Moritz erzählt die Geschichte aus der Sicht einer dritten Person. Wobei es aber manchmal den Anschein hat, als wären es die Gedanken der Protagonistin. Ich denke, dieser Effekt ist von Rainer Moritz gewollt. Als Leser ist man sehr nah dran.

In welchem Lebensabschnitt sich Lisa und damit der Leser gerade befindet, erfährt er anhand von Lisas Alter. Stets am Kapitelanfang – nicht bei jedem, aber bei wesentlichem Wechsel – wird kurz das Alter von Lisa erwähnt. Damit weiß man, wann sie auf die Vierzig zugeht und so weiter. So begleiten wir Lisa von der Kindheit bis hin zu …

Wenn ich eingangs auch von Spannung geschrieben habe, so baute Rainer Moritz diese mit kleinen textlichen Beilagen ein, in denen die Protagonistin sich bemüht, ihren Eltern einen Brief zu schreiben. Ist es ein Abschiedsbrief? Ist es eine Entschuldigung nach einem Zerwürfnis? Es sind stets Anfänge, die verworfen werden und aus Lisas Gedanken erfahren wir warum. Das Kopfkino fängt sehr zu laufen an, man spekuliert um es sich bei dem Brief handeln könnte. Was Lisa den Eltern noch mitteilen möchte.

Das Ergebnis gibt es erst am Schluss des Romans. Es befriedigt für das Verständnis des Romans, weniger für das Leben der Figur Lisa.

Ein ruhiger Roman, der einem Freude und Melancholie bereitet. Eine tolle Lebensgeschichte, die ich sehr gerne empfehle.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 05.03.2021

Callan Wink erzählt von Menschen, die sich als Hinterwäldler bezeichnen

Big Sky Country
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Es ist ein großer Roman über den amerikanischen Westen und das Leben dort. Es ist ein Entwicklungsroman und ich hatte Lust auf die Weiten in den USA. Schon beim Titel verspürte ich so ein Gefühl von »Früchte ...

Es ist ein großer Roman über den amerikanischen Westen und das Leben dort. Es ist ein Entwicklungsroman und ich hatte Lust auf die Weiten in den USA. Schon beim Titel verspürte ich so ein Gefühl von »Früchte des Zorns«.

Geschildert wird das Erwachsenwerden von August, genannt Augie, in einem Zeitraum von etwa elf bis einundzwanzig Jahren. Im Prolog beginnt der Roman mit dem Glück seiner Eltern, als er noch nicht existierte. Dann setzt die Handlung ein, als Augie ein Junge ist. Die Mutter wohnt in einem alten Gebäude auf der Farm, während der Vater im neuen, gemeinsam eingerichteten Haus bleibt. Der Vater hat eine Farmhelferin auf den Hof in Michigan geholt. Doch Lisa ist mehr als eine Farmhelferin für ihn. Augie sitzt zwischen den Stühlen.

Dann nimmt seine Mutter einen Job im 2000 km entfernten Montana an und Augie mit. Augie findet neue Freunde, telefoniert ab und zu mit seinem Vater. Manchmal besucht er ihn auch, verbringt die Ferien dort und arbeitet auf der Farm. Je älter August wird, umso selbstständiger wird er. Er sucht sich eine neue Wohnung und einen Job auf einer Ranch. Er lernt Mädels kennen, er baut Mist, er meistert sein Leben und behält dennoch stets den Kontakt zu seinen leiblichen Eltern.

Zunächst einmal hat der Roman meinen Erwartungen entsprochen. Das fand ich sehr schön. Es wird das Hinterland der USA präsentiert. Man könnte meinen, wann wäre in „Trump Land“ angekommen. Teilweise bezeichnen sich die Leute selbst als Hinterwäldler. Es gibt sogar Verschwörungstheoretiker unter den Nachbarn.

Unterschwellig scheint stets eine dumpfe Gewalt zu existieren. Es knistert, als würde es gleich explodieren. Das beginnt schon mit der Tötung von Katzen, für die Augie von seinem Vater je Schwanz bezahlt wird, als er noch ein kleiner Junge war. Das geschah nicht aus Spaß, sondern weil sich die Katzen auf dem Hof enorm vermehrt hatten. Es ist aus der Sicht der Menschen eine Notwendigkeit, in der rauen Welt zu überleben.

Die Gewalt setzt sich fort in Prügeleien um Mädchen, mit Vergewaltigungen, mit dem Streit der Nachbarn. Man lernt ein Land in »Big Sky Country« kennen, wie man es sich kaum vorstellen mag. Das hat mir vom Thema des Buches her sehr gefallen.

Bei all dem Genuss, den mir die Lektüre von »Big Sky Country« geboten hat, hat der Roman doch einen kleinen Makel. Es fehlt eine Story mit dem großen Konflikt, der am Ende aufgelöst werden sollte. Dabei wird wunderbar der Lebensweg eines Jungen beschrieben, wie er zum Mann wird. Es gibt sehr viel Konfliktstoff in den einzelnen Lebensabschnitten, die den Leser von einem Kapitel zum nächsten treiben. Aber es gibt keinen zentralen Konflikt, der den Leser zu Beginn aufgezeigt und zum Ende gelöst oder auch nicht gelöst wird. Das fand ich sehr schade, obwohl es immerhin eine Klammer um die Geschichte herum gibt.

Die Situation nämlich, die zu Beginn des Romans dargestellt wird, erlebt am Ende des Romans eine Wiederholung in ähnlicher Konstellation. Sie zeigt dem Leser: Das Leben nimmt seinen Lauf. Eine Situationen, mit der jeder Mensch leben muss.

»Big Sky Country« von Callan Wink ist ein großer und lesenswerter Roman, der uns die Weiten des Landes aufzeigt und uns über Menschen nachdenken lässt, die im Grunde gar nicht soviel anders sind, wie wir selbst.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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Veröffentlicht am 10.01.2021

Ein Kriminalroman, der Spaß macht, deren Figuren einem ans Herz wachsen

BrandHeiß
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Mord, Medien, Merckel – so das Motto der in Düsseldorf spielenden Kriminalromane von Annegret Koerdt. Nach FeuerRot folgte nun BrandHeiß und die reizende Privatdetektivin mit dem unverwechselbaren Namen ...

Mord, Medien, Merckel – so das Motto der in Düsseldorf spielenden Kriminalromane von Annegret Koerdt. Nach FeuerRot folgte nun BrandHeiß und die reizende Privatdetektivin mit dem unverwechselbaren Namen Angela Merckel – mit „ck“ wohlgemerkt – hat wieder Grund genug, sich in die knallharten Ermittlungen der Polizei einzumischen.

Nach einem Fernsehinterview mit dem bundesweit bekannten Werbemenschen Hartwig von der Agentur P&S wird die TV-Moderatorin Babette Freudentaler in einem sehr renommierten Düsseldorfer Luxushotel Breidenburger Tor tot aufgefunden. Die Kriminalpolizei beginnt zu ermitteln. Etwa zur gleichen Zeit bekommt die Privatdetektei von Angela Merckel und ihrem Lebensgefährten Jan einen Auftrag von dem Geschäftspartner Hartwigs. Es wird in der Agentur spioniert. Wichtige Informationen über laufende Vergabewettbewerbe gelangen an die Konkurrenz. Ela und Jan sollen den Spion in der Agentur aufdecken. Dafür heuert sie undercover als Praktikantin in der Agentur an. Hier läuft sie allerdings, einen Freund der Familie, über den Weg. Tom ist bei der Kripo und ermittelt in Sachen Freudentaler. Beide kennen sich über Jan, der vor seiner Zeit als Privatermittler auch bei der Kriminalpolizei gearbeitet hat. Für Ela ist ein Mordfall wesentlich interessanter als ein Fall von Firmenspionage. Deshalb muss sich der Leser nicht wundern, dass sich die Privatdetektivin in die Mordermittlungen einmischt.

Annegret Koerdt hat einen leichten, lockeren, schnell zu konsumierenden Krimi zu einem tiefernsten Thema geschrieben, der es bei aller Lockerheit nicht an Spannung und Action vermissen lässt. Das meist aus der Werbebranche stammende Vokabular wird nicht überstrapaziert und selbst der Unbedarfte kommt mit, worüber die „Werbefuzzis“ reden. Real existierende Personen oder Institutionen haben einen fiktiven Namen erhalten, damit keine Rückschlüsse gezogen werden können. Von Beginn an wird der Leser in das Geschehen hineingezogen. Dennoch wird es im Verlaufe der Handlung zunehmend rasanter und die Wendungen kommen jedes Mal wie ein unerlaubter Tiefschlag beim Boxen. Da man als Leser gerne mitermittelt oder eher spekuliert, wird er mit der einen oder anderen Sackgasse rechnen müssen, bevor er zum Schluss mit der Auflösung konfrontiert wird.

Ein Kriminalroman, der Spaß macht, deren Figuren einem ans Herz wachsen – die Guten natürlich nur – und der einigen Lokalkolorit rüberbringt, obwohl er als Kriminalroman natürlich auch in der anderen Großstadt spielen könnte. Dafür gebe ich gerne ein "sehr gut"

Veröffentlicht am 06.01.2021

Privatermittler in NY: knallharter Detektivroman

Knock-out in New York
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Dieser Roman von Rob Hart ist der erste Band der Ash-McKenna-Reihe. Der Kommunikationsmanager Rob Hart der New Yorker Politiker stellt uns seine ganz persönliche Sicht der großen Stadt mit den Augen des ...

Dieser Roman von Rob Hart ist der erste Band der Ash-McKenna-Reihe. Der Kommunikationsmanager Rob Hart der New Yorker Politiker stellt uns seine ganz persönliche Sicht der großen Stadt mit den Augen des Privatdetektivs Ashley McKenna vor.

"New York ist eine der hellsten Städte der Welt, aber wenn man genauer hinsieht, entdeckt man die dunkle Schattenseite, die unter der Oberfläche lauert." - »Knock-Out in New York«

Ash, wie der Mann mit dem weiblichen Vornamen gerufen wird, ermittelt privat und ohne Lizenz. Für eine Lizenz wären zu viele Formulare nötig, außerdem müsste er sich dann an Regeln halten. Das liegt ihm nicht so. Er hat eine Nacht durchzecht und wacht mit einem extrem schweren Schädel auf. Oh Mann, das war ein Totalabsturz. Er kann sich an nichts erinnern, was gestern am Abend geschehen war. Dann hört er seine Mobilbox ab. Darauf ist ein Hilferuf seiner Freundin. Mitten in der Nacht. Sie klingt panisch, als er bereits den Schlaf der Ahnungslosen absolvierte. Aus den Nachrichten erfährt er, dass diese, seine, Freundin getötet worden ist. Sie hatte ihn um Hilfe gebeten und er war nicht da. Genauso wenig wie er sich erinnern konnte, was geschehen war. In seiner Hand steht mit Stift geschrieben : „Du hast es versprochen.“ Nun fragt er sich: Wer hat was versprochen?

»Knock-Out in New York« ist ein knallharter Detektivroman mit all den typischen Elementen, die ein Roman dieses Genres aufweist: Ich-Erzähler, Alkohol, Drogen, Scheu vor der Polizei, Partyszene und viele dunkle Gestalten. Der Protagonist in diesem Roman zeichnet sich dadurch aus, dass er keine Schusswaffen mag. Er hat es lieber mit den Fäusten und mit seinem Regenschirm.

Rob Hart stellt uns mit dem Roman die bunte Welt von New York vor, die den Touristen meist verborgen bleibt. Der Protagonist hat viele Freunde: Frauen, Männer, Transgender, Schwule, Lesben, Drogendealer, Obdachlose. Unter seiner harten und rauen Schale verbirgt sich ein sanfter Kern. Obwohl man ihn als Leser durchaus als A…loch kennenlernt, merkt man, dass er eigentlich nicht so sein will. Man fiebert daraufhin, zu erfahren, wie und ob er den Mörder seiner Freundin bekommt. Man möchte wissen, wie es ihm dabei geht.

Es gibt sehr viele Schicksale, denen man wünscht, dass sie aus dem Sumpf herauskommen. Rob Hart zeigt sie in ihrem Mikrokosmos von New York, wie man ihn in Teilen auch aus der Polizei Serie „Blue Blood“ kennt.

Ein sehr guter Roman, um eine besondere Seite der riesigen Metropole New Yorks an der Ostküste der USA zu entdecken. Die unkonventionellen Ermittlungen eines verletzten Menschen sind einfach lesenswert.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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