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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2021

Im goldenen Käfig

In Aufruhr
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Kalifornien im Sommer 1959: Zwischen Schwarzen und Weißen gibt es nur wenige Berührungspunkte. Schwarze betreten die besseren Wohnviertel der Weißen höchstens, wenn sie dort als Gärtner oder Putzfrau ...


Kalifornien im Sommer 1959: Zwischen Schwarzen und Weißen gibt es nur wenige Berührungspunkte. Schwarze betreten die besseren Wohnviertel der Weißen höchstens, wenn sie dort als Gärtner oder Putzfrau arbeiten. Ruby Wright ist in Sunnylakes angestellt, wo sie im Haus der Haneys für Ordnung sorgt, sich auch mal um die Kinder kümmert oder sogar mit Joyce Haney vertraute Gespräche führt, der Hausherrin, die offenbar nicht glücklich in ihrem goldenen Käfig in der Vorstadtidylle ist.
Doch an diesem Nachmittag trifft Ruby nur auf die beiden verstörten Kinder, in der Küche findet sie eine Blutlache vor, und Joyce Haney ist verschwunden!
Detective Mick Blanke, der noch relativ neu in Kalifornien ist, wird mit dem Fall betraut. Da er ahnt, dass Ruby mehr über die Geheimnisse der Sunnylakes-Bewohner weiß, als er jemals herausfinden wird, versucht er, sie zur Mithilfe bei der Klärung des Falls zu überreden.
Für Ruby, ihre Familie und ihren Freund ist die Polizei jedoch bisher immer ein Feind gewesen. Und so muss Mick Blanke sich ziemlich bemühen, bis er Rubys Vertrauen gewinnen kann. Doch Ruby ist selbstbewusst, hat ihren eigenen Kopf und versucht, sich über die Vorurteile beider Seiten hinwegzusetzen – für sich selbst, aber auch, um Joyce Haney Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Doch damit bringt sie nicht nur sich selbst in Gefahr.
,,In Aufruhr“ ist mehr als ein Kriminalroman, da er durch die verschiedenen Perspektiven, aus denen die Handlung erzählt wird, die Situation der schwarzen Bevölkerung, aber z.B. auch die der weißen Frauen, die nur als Haus- und Ehefrauen funktionieren sollen, veranschaulicht.
Spannend, interessant und lehrreich!

Veröffentlicht am 13.03.2021

Undercover

Der andere Sohn
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John Adderley ist FBI-Agent, der undercover in ein nigerianisches Drogenkartell in Baltimore eingeschleust wurde. Als er aufzufliegen droht, müssen er und ein Kollege fliehen und sich eine neue Identität ...


John Adderley ist FBI-Agent, der undercover in ein nigerianisches Drogenkartell in Baltimore eingeschleust wurde. Als er aufzufliegen droht, müssen er und ein Kollege fliehen und sich eine neue Identität zulegen. Für John Adderley, der weder Frau noch Kinder hat, ist dies kein größeres Problem. Allerdings hat er noch Familie in Schweden. Seine Mutter und sein Halbbruder Billy leben dort, doch John hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihnen, nachdem der Vater vor Jahren die Familie mit ihm zusammen in Richtung USA verlassen hatte. Und John Adderley will nach Schweden, zu seinen Wurzeln in der schwedischen Kleinstadt Karlstad zurückkehren. Zwar ist dies ein äußerst gefährliches Unterfangen, da John Vergeltungsaktionen des Drogenkartells befürchten muss und seine alte Heimat damit keinesfalls ein sicherer Ort für ihn ist. Doch er hat auch eine alte Schuld zu begleichen. Vor zehn Jahren verschwand in Karlstad eine junge Frau spurlos. Ihre Leiche blieb verschollen, aber Billy, Johns Halbbruder, wurde als Täter verdächtigt. Zwar konnte Billy die Tat nie bewiesen werden und er beteuerte immer seine Unschuld, doch sein Leben in der Kleinstadt wurde zur Hölle. Nun soll der Cold Case neu aufgerollt werden und John Adderley wird Teil des Ermittlerteams.
Die Handlung wird auf zwei Zeitebenen erzählt: 2019, als John Adderley nach Schweden zurückkehrt und sich seiner Vergangenheit stellt, und 2009, als die junge Emelie verschwand, die sich nach einer rebellischen Phase mit Drogenproblemen offenbar in eine brave und strebsame BWL-Studentin verwandelt hatte.
Die Spannung wird langsam aufgebaut, da man als Leser nach und nach einzelne Puzzlestückchen sowohl aus dem Leben Emelies und deren Eltern als auch aus Johns Leben und das seiner Eltern und seines Halbbruders erfährt. Doch dadurch steigert sich für mich auch das Lesevergnügen, da es nicht so sehr um Action geht, sondern eher um die Handlungsmotive der einzelnen Figuren und da man immer wieder auf falsche Fährten geführt wird.
Am Ende ist der Fall um Emelie geklärt, doch für John Adderley wird es, in einem anderen Land und einer anderen Stadt, weitergehen! Man darf auf den nächsten Band sehr gespannt sein!

Veröffentlicht am 09.03.2021

Nora neben der Spur

Das Grab in den Schären
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Auch in diesem 10. Fall der Sandhamn-Reihe spielt der Schärengarten eine Hauptrolle. Die Insel-Landschaft präsentiert sich aber nicht nur als idyllische Hintergrundkulisse, sondern auch Ort des Verbrechens.
Als ...

Auch in diesem 10. Fall der Sandhamn-Reihe spielt der Schärengarten eine Hauptrolle. Die Insel-Landschaft präsentiert sich aber nicht nur als idyllische Hintergrundkulisse, sondern auch Ort des Verbrechens.
Als auf Telegrafholmen, einer Insel gegenüber von Sandhamn, gebaut wird, werden bei Sprengarbeiten menschliche Knochen gefunden. Durch die Sprengung sind diese Teile aber so klein, dass es längere Zeit dauert, bis sich zweifelsfrei feststeht, ob die Skelettüberreste zu einem Mann oder zu einer Frau gehören. Dadurch wird auch die Arbeit von Thomas Andreasson und seinem Kollegen Aram massiv erschwert.
Nach der Überprüfung der Vermisstenakten konzentrieren die Ermittlungen sich auf zwei Frauen: die 17-jährige Astrid und die 35-jährige Siri, die beide vor 10 Jahren fast zur gleichen Zeit verschwunden sind.
Nora Linde, Thomas Jugendfreundin, die auf Sandhamn lebt, befindet sich in einer schweren Krise. Nach ihrem letzten Fall ist sie schon seit Monaten krankgeschrieben. Geplagt von Selbstvorwürfen und Alpträumen spricht sie dem Alkohol mehr zu, als gut für sie und ihre Ehe ist. Als sie von den Ermittlungen zum Skelettfund auf Telegrafholmen hört, stürzt sie sich kopfüber in eigene Ermittlungen, übertritt dabei auch so manche Grenze und bringt sich außerdem in große Gefahr.
Der Fall ist spannend und verwickelt, da man immer wieder kleine Puzzleteilchen über Astrids und Siris Vergangenheit erfährt, die nach und nach einen logischen - und fatalen -Zusammenhang ergeben. Allerdings wird man von der Autorin auch raffiniert immer wieder auf eine falsche Fährte geschickt.
Während Thomas und seine Ex-Frau Pernilla sich einander endlich wieder langsam annähern, wirkt Nora Linde in diesem Band zunächst völlig neben der Spur, uneinsichtig, egozentrisch und unsympathisch. Allerdings findet ausgerechnet sie am Ende die richtige Spur!
Ein Muss für Fans der Reihe!

Veröffentlicht am 27.02.2021

Besser als der Vorgänger

Goldtod
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Im 2. Fall der historischen Kriminalserie, die im Jahr 1889 in Berlin spielt, haben sich der Privatermittler Gabriel Landow und sein Kompagnon Orsini zur Privatdetektei ,,Orlando“ zusammengeschlossen. ...



Im 2. Fall der historischen Kriminalserie, die im Jahr 1889 in Berlin spielt, haben sich der Privatermittler Gabriel Landow und sein Kompagnon Orsini zur Privatdetektei ,,Orlando“ zusammengeschlossen. Auch privat wohnen sie in einer Art WG zusammen, was aber mehr schlecht als recht funktioniert. Immerhin kann Orsini mit seinem zweiten Standbein, nämlich dem des Trickdiebs, die beiden über Wasser halten. Beruflich läuft es allerdings auch nicht rund, da die beiden Ermittler keinen Fall haben. Da trifft es sich gut, dass die schöne Frau Philippi, die in der Beletage des Hauses wohnt, Orsini damit beauftragt, nach ihrem verschwundenen Sohn zu suchen. Dieser taucht schon bald wieder auf, verweigert allerdings die Sprache. Und Herrn Philippi ist sehr viel daran gelegen, dass die Ermittlungen der Detektei Orlando sofort eingestellt werden.
Landow dagegen mischt sich ungefragt in den Fall eines prominenten Bankiers ein, der wie ein großes, blutiges X im Schlosspark von Charlottenburg aufgehängt wurde. Er erhofft sich, so seiner Detektei zu einem Fall zu verhelfen. Dabei nutzt er die Polizeisekretärin E. Runge als Informantin, die wiederum Landow für ihre Zwecke einzuspannen weiß. Damit ist Landow der Polizei meist ein paar Schritte voraus. Doch als er auf einen exklusiven Kreis stößt, dessen Mitglieder sich neben antiker Lyrik gerne von nackten, goldigen Engelchen unterhalten lassen, gerät er in tödliche Gefahr.
Auch im 2. Band um die beiden unkonventionellen Ermittler wird die Atmosphäre im Berlin der Kaiserzeit lebendig und anschaulich vermittelt. Gabriel Landow ist nicht mehr ganz so verwahrlost wie im ersten Teil ,,Eisenblut“, sondern hat offenbar etwas mehr Kontrolle über sein Leben, was ihn noch sympathischer macht.
Auch die Handlung ist etwas straffer und mit weniger Nebenhandlungen und Personen ausgestattet, sodass mir der 2. Band noch besser gefällt als der Vorgänger.

Veröffentlicht am 25.01.2021

Scheitern als Chance

Miss Bensons Reise
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Wie schon in »Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry« begibt sich auch hier eine zunächst wenig heldenhafte Figur auf eine außergewöhnliche Reise, die ihr Leben verändert.
Die etwas schrullige ...

Wie schon in »Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry« begibt sich auch hier eine zunächst wenig heldenhafte Figur auf eine außergewöhnliche Reise, die ihr Leben verändert.
Die etwas schrullige Hauswirtschaftslehrerin Margery Benson verbringt ihren Alltag mit dem Unterrichten von Schülerinnen, die sich nicht für ihr Fach und schon gar nicht für sie interessieren. Auch in ihrem Privatleben gibt es wenig Abwechslung und kaum soziale Kontakte. Als sich aber eines Tages die Schülerinnen über sie lustig machen, packt sie die Wut. Sie schmeißt alles hin und beschließt, ihren großen, schon fast vergessenen Traum zu verwirklichen. Ihr Vater hatte ihr, als sie klein war, in einem Naturkundebuch den goldenen Käfer gezeigt, den es nur in Neukaledonien geben soll. Diesen Käfer will Margery Benson nun finden und sie macht sich auf zu einer Expedition ans andere Ende der Welt, ohne jegliche Reise- oder Expeditionserfahrung. Als Reisebegleitung muss sie mit der aufreizenden und ständig plappernden Enid Pretty Vorlieb nehmen, da alle anderen Bewerber nicht in Frage kommen und Margery ja schließlich eine Assistentin braucht. Schon auf der Schiffreise nach Australien gehen die beiden sich gehörig auf die Nerven, streiten sich, versöhnen sich aber auch wieder. In Neukaledonien angekommen lernt die eine von der anderen und zwischen den beiden sehr ungleichen Frauen entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft. Immer dann, wenn die andere den Mut verliert oder nicht mehr weiter weiß, ergreift die andere die Initiative und überrascht damit wohl nicht nur den Leser, sondern offenbar auch sich selbst.
Auch wenn man oft genug schmunzeln und sogar herzhaft lachen kann, gibt es auch reichlich nachdenkliche oder traurige Momente in ,,Miss Bensons Reise.“ Am Ende packt einen das wunderbare Gefühl, dass man seine auf Eis gelegten Träume schleunigst hervorholen und in die Tat umsetzen sollte.