Anfangs großartig, irgendwann (fast) nur noch anstrengend
Wie alles begann und wer dabei umkamDer namenlose Protagonist dieses Romans strebt bereits als Kind eine Karriere als Jurist an. Denn bereits in jungen Jahren verurteilt er in einer aufwändig inszenierten Gerichtsverhandlung kurzerhand die ...
Der namenlose Protagonist dieses Romans strebt bereits als Kind eine Karriere als Jurist an. Denn bereits in jungen Jahren verurteilt er in einer aufwändig inszenierten Gerichtsverhandlung kurzerhand die eigene Großmutter zum Tode, da sie tagein, tagaus die Familie, insbesondere jedoch die Mutter des Protagonisten terrorisiert. Später beginnt er tatsächlich ein Jura-Studium in Freiburg, muss jedoch schon bald feststellen, wie unzureichend er das in Deutschland geltende Strafrecht findet. Und so erarbeitet er eignständig ein alterntives System, das "Inoffizielle Strafrecht der Bundesrepublik Deutschland", kurz IStdGB, welches viel härtere Stafen ermöglicht als sein Vorgänger. Schon zu Beginn des Buches erfährt man, dass der Protagonist am Ende im Gefängnis sitzt - wie es dazu kam schildert er ausführlich und beginnt dabei ganz von vorne.
Anfangs fand ich das Buch klasse. Der Humor des Autors und die anspruchsvoll, aber gut formulierten Sätze machen Spaß, die Idee hinter dem Buch ist ungewöhnlich. Durch die amüsant verfassten Schilderungen der Kindheit des Protagonisten und die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Groteskem wird man gleich auf die Seite des Protagonisten gezogen, obwohl das, was er vorhat, eigentlich nicht vertretbar ist. Während der ersten 100 Seiten hat mich das Buch also völlig in seinen Bann gezogen und ich wollte unbedingt erfahren wie es weitergeht - bis hierher stimmte also alles.
Was ist dann passiert? Vor allem wurde mir der Stil irgendwann zu anstrengend. Beinahe jeder zweite Satz ist gespickt mit bitterbösem Humor, und auf Dauer war das leider einfach zu viel. Wäre der Roman nur halb so lang, hätte mir das vermutlich nicht so viel ausgemacht, aber so konnte ich nur etwa das erste Drittel wirklich genießen, bevor ich anfangen musste, mich durchzukämpfen. Hinzu kommen einige Längen, insbesondere im zweiten Teil des Buches, der etwa in der Mitte beginnt und den der Protagonist nicht mehr in Freiburg, sondern in Asien verbringt, um auch außerhalb der Grenzen Deutschlands geltendes Recht in sein Projekt miteinzubeziehen. Irgendwann habe ich mich immer häufiger dabei erwischt, kurze Passagen zu überspringen, weil ich eigentlich nur noch wissen wollte, was genau ihn denn nun ins Gefängnis gebracht hat - alles andere hat sich viel zu sehr gezogen.
So gut mir das Buch zu Beginn gefallen hat, so froh war ich am Ende auch, als die letzten Seiten hinter mir lagen. Ich vergebe 2,5 Sterne für die originelle Idee, den eloquenten Schreibstil und auch den Humor, der mich in all seiner Exzentrik und Bosheit auf den ersten Seiten sehr angesprochen hat. Dass es am Ende keine bessere Bewertung gibt, ist wohl dem geschuldet, dass mir all das letztendlich viel zu anstrengend wurde und dass es doch eine Menge Längen gab, die dem Leser Einiges abverlangen.