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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2021

Anfangs großartig, irgendwann (fast) nur noch anstrengend

Wie alles begann und wer dabei umkam
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Der namenlose Protagonist dieses Romans strebt bereits als Kind eine Karriere als Jurist an. Denn bereits in jungen Jahren verurteilt er in einer aufwändig inszenierten Gerichtsverhandlung kurzerhand die ...

Der namenlose Protagonist dieses Romans strebt bereits als Kind eine Karriere als Jurist an. Denn bereits in jungen Jahren verurteilt er in einer aufwändig inszenierten Gerichtsverhandlung kurzerhand die eigene Großmutter zum Tode, da sie tagein, tagaus die Familie, insbesondere jedoch die Mutter des Protagonisten terrorisiert. Später beginnt er tatsächlich ein Jura-Studium in Freiburg, muss jedoch schon bald feststellen, wie unzureichend er das in Deutschland geltende Strafrecht findet. Und so erarbeitet er eignständig ein alterntives System, das "Inoffizielle Strafrecht der Bundesrepublik Deutschland", kurz IStdGB, welches viel härtere Stafen ermöglicht als sein Vorgänger. Schon zu Beginn des Buches erfährt man, dass der Protagonist am Ende im Gefängnis sitzt - wie es dazu kam schildert er ausführlich und beginnt dabei ganz von vorne.

Anfangs fand ich das Buch klasse. Der Humor des Autors und die anspruchsvoll, aber gut formulierten Sätze machen Spaß, die Idee hinter dem Buch ist ungewöhnlich. Durch die amüsant verfassten Schilderungen der Kindheit des Protagonisten und die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Groteskem wird man gleich auf die Seite des Protagonisten gezogen, obwohl das, was er vorhat, eigentlich nicht vertretbar ist. Während der ersten 100 Seiten hat mich das Buch also völlig in seinen Bann gezogen und ich wollte unbedingt erfahren wie es weitergeht - bis hierher stimmte also alles.

Was ist dann passiert? Vor allem wurde mir der Stil irgendwann zu anstrengend. Beinahe jeder zweite Satz ist gespickt mit bitterbösem Humor, und auf Dauer war das leider einfach zu viel. Wäre der Roman nur halb so lang, hätte mir das vermutlich nicht so viel ausgemacht, aber so konnte ich nur etwa das erste Drittel wirklich genießen, bevor ich anfangen musste, mich durchzukämpfen. Hinzu kommen einige Längen, insbesondere im zweiten Teil des Buches, der etwa in der Mitte beginnt und den der Protagonist nicht mehr in Freiburg, sondern in Asien verbringt, um auch außerhalb der Grenzen Deutschlands geltendes Recht in sein Projekt miteinzubeziehen. Irgendwann habe ich mich immer häufiger dabei erwischt, kurze Passagen zu überspringen, weil ich eigentlich nur noch wissen wollte, was genau ihn denn nun ins Gefängnis gebracht hat - alles andere hat sich viel zu sehr gezogen.

So gut mir das Buch zu Beginn gefallen hat, so froh war ich am Ende auch, als die letzten Seiten hinter mir lagen. Ich vergebe 2,5 Sterne für die originelle Idee, den eloquenten Schreibstil und auch den Humor, der mich in all seiner Exzentrik und Bosheit auf den ersten Seiten sehr angesprochen hat. Dass es am Ende keine bessere Bewertung gibt, ist wohl dem geschuldet, dass mir all das letztendlich viel zu anstrengend wurde und dass es doch eine Menge Längen gab, die dem Leser Einiges abverlangen.

Veröffentlicht am 27.09.2020

Eine zweite Chance - für die Protagonistin, und auch für ihre Geschichte

Wenn gestern unser morgen wäre
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Ich habe sehr lange gebraucht, um wirklich in die Geschichte hereinzukommen - und zwar genau bis zu dem Moment, an welchem Sara den Unfall hat und im Krankenhaus wieder aufwacht. Bis zu diesem Punkt war ...

Ich habe sehr lange gebraucht, um wirklich in die Geschichte hereinzukommen - und zwar genau bis zu dem Moment, an welchem Sara den Unfall hat und im Krankenhaus wieder aufwacht. Bis zu diesem Punkt war mir die Protagonistin ehrlich gesagt sehr unsympatisch in ihrer Handlungsweise und ich war schon drauf und dran, das Buch beiseite zu legen und vielleicht irgendwann später einmal weiterzulesen, als es plötzlich sehr viel besser wurde. Als Sara nicht mehr leugnen kann, dass irgendetwas definitiv nicht so ist, wie es sein sollte, hat mich die Geschichte plötzlich gepackt und ich wollte wissen, wie es weitergeht. Eine zweite Chance eben.

Die Idee einer zweiten Chance gefällt mir sehr gut und noch viel schöner finde ich die Art und Weise, wie die Protagonistin diese ergreift und tatsächlich etwas daraus macht. Obwohl ich noch immer nicht von mir behaupten kann, ihre Taten immer 100% gut zu finden, konnte ich sie jetzt zumindest nachvollziehen. Plötzlich habe ich mit ihr mitgefühlt und mitgehofft, zum Beispiel, als die rote und die blaue Mappe vertauscht wurden, und am Ende in Rom.

An einigen Stellen finde ich die Story etwas zu wenig ins Detail gehend, etwa, als Sara mit dem Rad von Österreich zurück nach München fährt. Da werden 2 ganze Tage sehr knapp auf 2 Seiten abgehandelt, obwohl vorher viele Tage sehr detailliert beschrieben wurden. Das fand ich etwas schade.

Was ich gut finde ist - neben der grundsätzlichen Idee -, dass sich manche Elemente von Anfang bis Ende durch das komplette Buch ziehen, insbesondere die Schmetterlinge, die ja gerade am Ende eine doch nicht ganz unerhebliche Rolle spielen und ja auch vorher schon immer mal wieder aufgetaucht und sogar auf dem Cover zu finden sind. Welches mich übrigens auch anspricht, da es etwas sehr Verträumtes hat, gerade auch durch die gewählten Farben und in Kombination mit dem Titel.

FAZIT
Alles in allem eine schöne Lektüre für zwischendurch, die zwar für meinen Geschmack etwas zu viel Zeit braucht, um in Fahrt zu kommen, dann aber umso ansprechender wird. Die Grundidee hinter der Geschichte ist eine sehr schöne, die zum Nachdenken und reflektieren anregt.

Veröffentlicht am 24.11.2025

Nicht meins

Die Probe
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Das war leider so gar nicht meins. Ich konnte mich weder mit den Figuren anfreunden, noch so wirklich in die Handlung hineinfinden. Mir blie alles zu abstrakt, zu vage, sodass ich mich am Ende gefragt ...

Das war leider so gar nicht meins. Ich konnte mich weder mit den Figuren anfreunden, noch so wirklich in die Handlung hineinfinden. Mir blie alles zu abstrakt, zu vage, sodass ich mich am Ende gefragt habe, was ich jetzt eigentlich gelesen habe und warum.
Während ich einen von Kitamuras vorherigen Romanen (Intimitäten) wirklich gerne mochte und es dort sehr geschätzt habe, wie mit den Feinheiten zwischenmenschlicher Beziehungen gespielt wird, empfand ich das hier als sehr anstrengend und langatmig, und das, obwohl der Roman ja recht kurz ist. Gefühlt ist die Handlung kaum von der Stelle gekommen; sprachlich ist der Roman zwar schön, aber die Handlung hat mir in dieser Form irgendwie nicht gereicht. Und als ich gerade dachte, ich könnte vielleicht dorch noch hineinfinden, kam der zweite Teil und hat mich wieder rausgeworfen.
Wirklich schade, aber das konnte mich so gar nicht abholen!

Veröffentlicht am 09.08.2025

Langweilig

Furye
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Jahre ist es her, dass die namenlose Protagonistin ihrer Heimat den Rücken gekehrt und in die Großstadt gezogen ist. Hier ist stets etwas los, und längst ist sie, die sogar schon das Gesicht auf dem Vogue-Cover ...

Jahre ist es her, dass die namenlose Protagonistin ihrer Heimat den Rücken gekehrt und in die Großstadt gezogen ist. Hier ist stets etwas los, und längst ist sie, die sogar schon das Gesicht auf dem Vogue-Cover war, jemand geworden. Dann jedoch kommt es zu einem Zwischenfall auf der Arbeit und zeitgleich erhält sie einen Anruf, der es erfordert, für eine Weile in ihr kleines Heimatstädtchen zurückzukehren. Hier, wo sie - obwohl nicht aus den entsprechenden Kreisen - früher auf eine Eliteschule gegangen ist, wo ihre damaligen besten Freundinnen Meg und Tess lebten, wandelt sie nun durch die Straßen ihrer Vergangenheit.

Ich sage es, wie es ist: Der Roman hat mich so gar nicht abgeholt. Die Protagonistin war mir von Anfang bis Ende unsympathisch; viel schwerer nich wiegt aber die Tatsache, dass ich die Handlung als unglaublich langweilig empfand. Es passiert - nichts. Auch, wenn das Ende des Romans okay war und vermutlich sogar der bets Teil der Geshcichte, habe ich vergeblich darauf gewartet, dass hier irgendwann doch noch die entscheidende Wendung kommt, irgendein Detail, das mich catchen kann. Kam aber nicht, und die meiste Zeit habe ich mich mehr durchgeschleppt als den Roman zu genießen. Schade, aber für mich war das nichts.

Veröffentlicht am 12.07.2025

Zu lose

Die Schrecken der anderen
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Auf der Suche nach Methanblasen im Eis entdeckt ein Junge beim Schlittschuhlaufen eine eingefrorene Leiche im See. Der Schock sitzt tief, nicht nur bei ihm, sondern auch dem Archivar, den man kurzerhand ...

Auf der Suche nach Methanblasen im Eis entdeckt ein Junge beim Schlittschuhlaufen eine eingefrorene Leiche im See. Der Schock sitzt tief, nicht nur bei ihm, sondern auch dem Archivar, den man kurzerhand dazu abbestellt, den grausigen Fund zu bewachen, bis die Polizei eintrifft. Eine ältere Dame gesellt sich mit einem Becher Kaffee dazu, um ihm Gesellschaft zu leisten, und bald schon machen sich die beiden gemeinsam an ihre ganz eigenen Ermittlungen dessen, was hier geschehen ist.

Der Scheibstil hat mich anfangs fasziniert, wurde dann jedoch leider recht schnell sehr anstrengend zu lesen; Die Geschichte schweift umher, die verschiedenen Protagonist*innen sind mal mehr und mal weniger interessant und alles in allem kommt die Sache nicht so recht in Gang. Zu lose war mir das alles, zu wenig Inhalt hinter zu vielen Worten. Die Lektüre hat sich bald als recht mühsam entpuppt, die Figuren blieben allesamt zu wenig greifbar und waren mit beim Lesen meist ziemlich gleichgültig. Schade, denn der Anfang des Romans war äußerst vielversrechend - letztendlich war es dann leider aber doch nicht meins.