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Veröffentlicht am 18.04.2017

Wenn Träume zerplatzen

Hyänengesang
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„Hyänengesang“ von Rainer Wittkamp ist bereits der fünfte Fall für den Berliner Kommissar Martin Nettelbeck. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne ...


„Hyänengesang“ von Rainer Wittkamp ist bereits der fünfte Fall für den Berliner Kommissar Martin Nettelbeck. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Violetta, die als Escort arbeitet, wird in einem Luxushotel tot aufgefunden. Unfall oder Mord? Als sich herausstellt, dass ein Diplomat der omanischen Botschaft die Suite gebucht hatte, steigt der Druck. Es gilt, den Fall schnell und vor allem diskret zu lösen. Nettelbeck muss seinen lang geplanten Familienurlaub in Ghana verschieben.
In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir den abgehalfterten Schlagersänger Roman Weiden kennen. Seine Restschuldbefreiung wird vom Amtsgericht widerrufen. Hierfür macht er seinen ehemaligen Investmentberater Maximilian Hollweg verantwortlich. Kurz darauf wird vor der omanischen Botschaft eine Bombe gezündet. Nettelbeck und sein Partner Wilbert Täubner haben es mit einem weiteren Toten zu tun. Wo ist die Verbindung?
Es geht um diplomatische Immunität. Und Menschen, die dieses Privileg skrupellos ausnutzen. Der zeitgeschichtliche Hintergrund ist bestens recherchiert. Informationen über den Teufelsberg, eine ehemalige Abhörstation der US-Amerikaner, die auch das Cover ziert. Daneben gibt es wieder einen Soundtrack zum Roman: Jazz und Posaune, bedeutende Musiker.
Rainer Wittkamp hat erneut eine wunderbar schräge Geschichte geschrieben, spannend, informativ und witzig zugleich mit lauter skurrilen Typen - und dem Monster-Hit Curry-Love. Alles in allem hat mir „Hyänengesang“ besser gefallen als „Stumme Hechte“, aber nicht so gut wie „Kalter Hund“ - nach wie vor - mein persönlicher Favorit.

Fazit: Spannender wie raffiniert komponierter Krimi. Mörderisch gute Unterhaltung!

Veröffentlicht am 16.04.2017

Zwischen Wahn und Wirklichkeit

Wenn das Eis bricht
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Die Krimi-Reihe um die Stockholmer Psychotherapeutin Siri Bergman hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch „Wenn das Eis bricht“ hat mich nicht enttäuscht. Worum geht es?
In der Wohnung des reichen ...


Die Krimi-Reihe um die Stockholmer Psychotherapeutin Siri Bergman hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch „Wenn das Eis bricht“ hat mich nicht enttäuscht. Worum geht es?
In der Wohnung des reichen Geschäftsmanns Jesper Orre wird die Leiche einer jungen Frau gefunden - brutal ermordet. Von ihm fehlt jede Spur. Vor zehn Jahren gab es einen ganz ähnlichen bis heute ungelösten Fall.
Hanne Lagerlind, die Kriminalpsychologin von damals, soll die Polizei deshalb unterstützen. Sie muss in die Vergangenheit eintauchen, dabei verschwimmt gerade ihre Gegenwart, denn sie ist an Alzheimer erkrankt.
Drei spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen:
In der Ich-Perspektive erzählt, aus Sicht von Peter Lindgren, einem Kriminalpolizisten, der im Fall der ermordeten Frau ermittelt. Aus Sicht von Emma, einer jungen Frau, deren Mutter kürzlich verstorben ist und aus Sicht von Hanne.
Emma hat einen Liebhaber. Aber auch ein Problem. Denn Jesper ist ihr Chef. Deshalb muss er seine Liebe zu ihr verheimlichen. Emma ist von Jesper besessen. Offenbar wollte er sich gerade mit Emma verloben, als er spurlos verschwand.
Wer ist die ermordete Frau? Ist Jesper der Täter? Und wo ist die Verbindung zum Cold Case?
„Wenn das Eis bricht“ ist ein überaus fesselnder und raffiniert konstruierter Thriller mit vielen falschen Fährten und überraschenden Wendungen bis zum unerwarteten Ende. Camilla Grebe zeigt auch, dass sie mit den Erwartungen der Leser durchaus spielen und die Dinge wenden kann. So bleiben Täter und Motiv bis zum Ende unklar.
„Behutsam entfaltet Camilla Grebe ‚Wenn das Eis bricht‘ zu einem vielschichtigen und psychologisch nuancierten Thriller. Je näher man der Wahrheit zu kommen scheint, desto undurchsichtiger wird sie - bis sie mit voller Wucht zuschlägt.“ ARNE DAHL

Fazit: Vielschichtig und psychologisch nuanciert. Starker Stoff. So muss Thriller!

Veröffentlicht am 12.04.2017

Ein Wolf im Schafspelz

Ragdoll - Dein letzter Tag (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 1)
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Eine Leiche. Sechs Opfer. Ein Racheengel, der nicht aufzuhalten ist. Daniel Cole sorgt mit „Ragdoll - Dein letzter Tag“ für Hochspannung, die süchtig macht. Worum geht es?
Detective William Oliver Layton-Fawkes, ...


Eine Leiche. Sechs Opfer. Ein Racheengel, der nicht aufzuhalten ist. Daniel Cole sorgt mit „Ragdoll - Dein letzter Tag“ für Hochspannung, die süchtig macht. Worum geht es?
Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, ist nach seiner Suspendierung wieder in den Dienst bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Wolf ist einer der besten Mordermittler weit und breit. Er dachte eigentlich, er hätte schon alles gesehen. Bis er zu einem grausigen Fund gerufen wird. Sechs Körperteile von sechs Opfern sind zusammengenäht zu einer Flickenpuppe, einer »Ragdoll«.
Gleichzeitig erhält Wolfs Exfrau Andrea, eine Reporterin, eine Liste, auf der sechs weitere Morde mit genauem Todeszeitpunkt angekündigt werden. Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt, doch der Ragdoll-Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Und der letzte Name auf der Liste lautet: Detective William Oliver Layton-Fawkes...
Daniel Cole hat sein Thriller-Debüt packend in Szene gesetzt. Unerbittlich dreht er an der Spannungsschraube. Kurze Kapitel und wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Der Autor liebt es blutig. Die Geschichte nimmt viele überraschende und brutale Wendungen bis zum unerwarteten Ende. Eine Geschichte voller rabenschwarzem Humor, rotzig erzählt.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Wolf ist ein zerrissener Charakter, ein Fanatiker, der nicht immer mit legalen Mitteln kämpft. Detective Sergeant Emily Baxter ist mir sofort ans Herz gewachsen. Auch sie kämpft mit den Dämonen der Vergangenheit. Doch sie ist schlau. Genau wie Kollege Edmunds, der der Wahrheit langsam auf die Spur kommt.
Heraus gekommen ist ein Buch fürs Kopfkino - detailversessen und mit filmischer Dichte erzählt. Kaum zu glauben, dass es sich um einen Debütroman handelt. Last but not least gelingt Daniel Cole ein Cliffhanger der neugierig macht, wie der Autor diese Thriller-Reihe fortsetzen wird.

Fazit: Atemberaubender Stoff für Thriller-Fans. Dunkel und schockierend!

Veröffentlicht am 09.04.2017

Ein Berliner ermittelt in Nordfriesland

Küstenfluch
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„Küstenfluch“ ist bereits der dritte Fall für Kommissar Theo Krumme. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatte ...

„Küstenfluch“ ist bereits der dritte Fall für Kommissar Theo Krumme. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?

Ein Sturm tobt über Nordfriesland. Mit dem Sturm taucht ein altes Wrack aus dem Meer auf. Und mit dem Wrack kommt der Tod. Ein Mann erhängt sich im Leuchtturm, eine Frau stirbt bei einer Gasexplosion.

Krumme ist seit einem Monat für die Kripo in Husum tätig. Zusammen mit seiner jungen Kollegin Pat soll er den Tod von Bauer Jessen untersuchen. Der war in seiner Scheune zu Tode gestürzt. Unfall oder Mord?

Es scheint, als läge ein Fluch über der Küste. Was ist wahr und was ist nur das Ergebnis unserer Fantasie? Wann träumt der kleine Jan und was ist real? In „Küstenfluch“ gibt es neben dem Kriminalfall auch wieder eine mystische Komponente.

Über das Wiedersehen mit Krumme und Mannsen sowie Harke und seinem Hausgeist Nis habe ich mich sehr gefreut. Krumme und Pat ein ungleiches, aber erfolgreiches Team. Jugend und Neugier gepaart mit Fachkenntnis und Lebenserfahrung - eine gute Kombination.

Viele Mythen ranken sich um Nordfriesland, das Land der Deiche, die Heimat des Schimmelreiters. Hendrik Berg gelingt der Balance-Akt zwischen den Mythen der Vergangenheit und dem ganz realen Verbrechen auf bemerkenswerte Art und Weise. Mystisch, aber real.

Eine unheimliche Geschichte, voller Atmosphäre. Vergangenheit und Gegenwart, die auf dramatische Weise zusammentreffen.

Fazit: Ein Muss für jeden Fan geheimnisvoll angehauchter Spannungsliteratur!

Veröffentlicht am 20.03.2017

Ein Mann sieht rot

Die Abbieger
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„Die Abbieger“ von Thomas Schweres ist bereits der vierte Fall für den Dortmunder Kommissar Georg Schüppe, genannt „der Spaten“, und den Reporter Tom Balzack. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, ...

„Die Abbieger“ von Thomas Schweres ist bereits der vierte Fall für den Dortmunder Kommissar Georg Schüppe, genannt „der Spaten“, und den Reporter Tom Balzack. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Zwei Kaninchenfreunde und Staugegner, Klausi und Freddy, haben den Chef der Landesbehörde Straßen.NRW entführt. Dr. Weissfeldt soll ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, täglich im Stau stehen zu müssen. Morgens und abends hoppelt er nun in Rabbit über die A 40, vorbei an Baustellen, Blitzern und Betonleitplanken. Dazu muss er sich den unbequemen Fragen Klaus-Werner Lippermanns stellen.
Schüppe und Tom geben alles, um das Leben der Geisel zu retten. Doch der Kampf gegen die Zeit und die Staus fordert Opfer…
Allein die Idee ist genial. Wer hat sich nicht schon mal geärgert und Rachepläne erdacht, wenn er im Stau steht?
Am Anfang des Buchs gibt es ein Personenregister. Voll das Klischee: Elfriede Lippermann, Mutti von Klausi (Klaus-Werner), spricht Ruhrpott-Dialekt, trägt Sandalen und weiße Socken. Klausi ist 42, Single, wohnt noch in seinem Kinderzimmer im Hotel Mama und fährt einen Jetta. Aber Klausi ist schlau. Er weiß ganz genau, wie viel Lebenszeit er im Stau verbracht hat und er hat es satt…
Thomas Schweres hat erneut eine wunderbar schräge Geschichte geschrieben, spannend und informativ zugleich mit viel schwarzem Humor und lauter skurrilen Typen. Oft hatte ich beim Lesen Tränen in den Augen, aber nicht aus Mitleid mit dem Chef von Straßen.NRW, sondern vor Lachen.
Über das Wiedersehen mit Schüppe, Gültekin, Tom & Co. habe ich mich sehr gefreut. Auch Toms Sohn Christos ist mit dabei. Neben dem Hauptthema Stau besticht der Krimi für mich auch durch die interessanten Einblicke in die Arbeit eines freien Journalisten und Reporters, Tom und sein Team.
Doch Veränderungen deuten sich an. Stichwort: Next Generation. Wird Tom das operative Geschäft seinem Sohn Chris übergeben? Wird Gültekin seinen Chef Schüppe als Nachfolger beerben? Egal, Hauptsache, die Reihe geht weiter! Aber wir sind nicht bei Wünsch dir was, sondern bei So isset.

Fazit: Ich habe mich nicht nur bestens unterhalten, sondern auch noch köstlich amüsiert.