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Veröffentlicht am 10.05.2021

Resant erzählt, skurril, philosophisch und äusserst unterhaltsam

Nussschale
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Inhalt:
Es wird enger in Trudys Bauch und das ungeborene Kind beginnt, sich auf die Geburt vorzubereiten. Vorher aber wird es noch Zeuge eines perfiden Planes, der von seiner Mutter und deren Liebhaber ...

Inhalt:
Es wird enger in Trudys Bauch und das ungeborene Kind beginnt, sich auf die Geburt vorzubereiten. Vorher aber wird es noch Zeuge eines perfiden Planes, der von seiner Mutter und deren Liebhaber Claude ausgeheckt wird. Der Plan richtet sich gegen Claudes Bruder John, den Vater des ungeborenen Kindes. Ein für alle Mal sollen die Beziehungen geklärt werden, welche die drei Erwachsenen miteinander verbinden. Das Kind als stiller Mitwisser erfährt aber auch, wie seine Mutter ihren emotionalen Schmerz mit Alkohol stillt und welche Gefühle sonst in ihr toben.

Meine Meinung:
Nachdem ich von "For You" von Ian McEwan komplett begeistert war, habe ich die Augen nach einem weiteren Buch von McEwan offen gehalten und deshalb "Nussschale" im April beim Stöbern im Bärner Brocki secondhand für lediglich zwei Franken entdeckt und sofort gekauft. Den Klappentext kannte ich beim Lesen noch nicht, weshalb ich um so überraschter und begeisterter war vom Schreibstil und der äusserst ungewöhnlichen Erzählperspektive. Wann liest man schon die - intellektuel hochstehenden und äusserst unterhaltsamen - inneren Monologe eines Kindes im Mutterleib?
Besonders gut gefallen hat mir, dass "Nussschale" alleine aus der Perspektive dieses Kindes erzählt ist und dass es dem Autor dieser starken Einschränkung zum Trotz gelungen ist, so eine vielschichtige Erzählung zu konstruieren. Das Kind sieht ja schliesslich nicht, wie die äussere Umgebung aussieht, wie sich die Figuren bewegen usw., sondern nimmt lediglich Geräusche, Gerüche, den Herzschlag und die Atmung der Mutter, sowie die gesprochenen Unterhaltungen wahr. Trotzdem wird eine Geschichte mit Hand und Fuss gesponnen, die sich spannend und äusserst rasant entwickelt.

Schreibstil:
Wie auch schon bei der Lektüre von "For You" hat mich der besondere Humor des Autors beeindruckt und bestens unterhalten und innerhalb von wenigen Seiten bin ich zwischen Liebesroman, Familiendrama und Krimi hin und her gependelt. Dabei haben mich die Schilderungen des ungeborenen Kindes, das sich aufgrund seiner Sinneswahrnehmungen und den mitangehörten Dialogen seine Umgebung zusammenfantasiert und interpretiert, was manchmal zu äusserst skurrilen, manchmal aber auch verstörenden und oft auch ziemlich philosophischen Gedankengängen und Beschreibungen führt.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine überzeugte Leseempfehlung für dieses unterhaltsame, skurrile und intelligente Buch.

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  • Handlung
Veröffentlicht am 13.04.2021

Unterhaltsam und faszinierend erzählt

Nalas Welt
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Inhalt:
Gemeinsam mit seinem besten Freund bricht Dean zu einer Weltreise auf, um einmal ein wenig aus seinem Leben auszubrechen und ein paar Abenteuer zu erleben. Unterwegs merken die beiden, dass sie ...

Inhalt:
Gemeinsam mit seinem besten Freund bricht Dean zu einer Weltreise auf, um einmal ein wenig aus seinem Leben auszubrechen und ein paar Abenteuer zu erleben. Unterwegs merken die beiden, dass sie einander nicht so gut tun und vor allem feiern und Sauftouren unternehmen, statt sich richtig auf die Reise einzulassen. Ihre Wege trennen sich und Dean macht am Strassenrand schon bald eine lebensverändernde Entdeckung: er findet ein kleines Kätzchen, das sein Herz im Sturm gewinnt. Er bringt es zum Tierarzt, nennt es "Nala" und lässt ihm einen Reisepass ausstellen. Durch ein Video bei TheDodo gehen die beiden viral und Dean bemerkt bald, wie er den neu gewonnenen Einfluss und die daraus entstehende grosse Verantwortung nutzen kann, um Gutes zu tun und mehr Menschen für den Tierschutz zu sensibilisieren.

Meine Meinung:
"Nalas Welt" habe ich mir im letzten Jahr als Prämienbuch bei der Lesejury gegönnt und mich nun sehr darüber gefreut, gemeinsam mit Nala und Dean eine Reise durch die halbe Welt machen zu dürfen, das Reisen kommt ja aktuell definitiv zu kurz...
Vielleicht wissen einige von euch, dass ich Katzen und schräge Reiseberichte sehr gerne mag und wenn diese zwei wundervollen Dinge in einem Buch auf so stimmige Weise zusammenkommen, wie hier in "Nalas Welt", ist das wundervoll. Ausserdem erzählt Dean Nicholson mit einer grossen Portion Humor, Selbstreflektion und einem achtsamen Blick auf das Leben, die Natur und die Tierwelt, sodass ich das Buch innerhalb von kürzester Zeit inhaliert habe. Nach einigen sehr fordernden und bewegenden Lektüren, hat mir dieser Reisebericht sehr gut gefallen.

Schreibstil:
Vom ersten Moment an hat mich Dean Nicholson gepackt und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Er erzählt sehr selbstkritisch und frei von der Leber weg von seinem Draufgängerleben in Schottland und der Erkenntnis, etwas ändern zu müssen. Dies hat er dann mit seiner Weltreise geschafft und vor allem die ersten Wochen mit Nala zeigen auf, dass Dean noch vieles zu lernen hat. Er ist es sich nicht gewohnt, seine Bedürfnisse hintenanzustellen und sich um ein kleines Lebewesen zu kümmern. Dies reflektiert er sehr differenziert und findet so nach und nach ein Reisetempo, das zu Nala und ihm passt. Diese sehr überlegten Passagen, aber auch die liebevollen und faszinierenden Beschreibungen der bereisten Länder und der tierischen und menschlichen Begegnungen haben mir sehr gut gefallen.

Meine Empfehlung:
"Nalas Welt" ist unterhaltsam und weckt die Reiselust. Es macht aber gleichzeitig auch auf diverse Probleme, wie die Verschmutzung zahlreicher Strände, die Respektlosigkeit, die Tieren oft entgegengebracht wird, aber auch die Armut gewisser Länder, die dafür sorgt, dass keine finanziellen Mittel für das Tierwohl erübrigt werden können, aufmerksam. Ausserdem erzählt Dean Nicholson sehr unterhaltsam, reflektiert und mit einer grossen Faszination für die Menschen und Tiere, denen er begegnet und den Ländern, die er bereist.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 13.04.2021

Bewegend, aufwühlend und poetisch

Schindlers Lift
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Zum Glück habe ich dieses Buch nicht alleine gelesen...
Zuerst einmal möchte ich Kata dafür danken, dass sie Sobald der Krieg mit seinem Stiefel das Treppenhaus betrat, zog Obrad die Uniform an und stellte ...

Zum Glück habe ich dieses Buch nicht alleine gelesen...
Zuerst einmal möchte ich Kata dafür danken, dass sie Sobald der Krieg mit seinem Stiefel das Treppenhaus betrat, zog Obrad die Uniform an und stellte sich bis an die Zähne bewaffnet und erbost vor das Gebäude.
- S. 45 -

Meine Meinung:
Zwei Hochhäuser, die im Buch abwechslungsweise als Protagonisten, Handlungsorte, Mahnmal, Zeugen, Friedhof aber auch Überlebende fungieren, werden von Darko Cvijetić ins Zentrum seiner Erzählung gestellt. Diese Wahl ist wohlüberlegt: obwohl im Buch immer wieder geschildert wird, welche Gräueltaten die beiden Hochhäuser miterlebt (und sogar "begangen") haben, obwohl auch gezeigt wird, wer diese Taten begangen und wem dieses Unrecht angetan worden ist, so bleiben die Hochhäuser doch neutral. Es findet keine Verurteilung im eigentlichen Sinne statt, die Innenschau in die Figuren fehlt - obwohl so viele Schicksale und Geschichten, so viele namentlich genannte Figuren darin auftauchen - und dadurch geht es immer auch um ein Kollektiv und nicht in erster Linie um das Individuum selber. Was in Prijedor geschehen ist, was der nichtserbischen Bevölkerung angetan worden ist, ist in ganz Bosnien geschehen. Manchmal mit anderem Ausgang (aber wirklich gut ging es nie aus), manchmal - das muss man ehrlich sagen - mit vertauschten Rollen, manchmal in abgeschwächter, manchmal in noch intensiverer Form, manchmal mit Beteiligung von ausländischen Mächten, Söldnern, manchmal, ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen. Diese Geschichte ist die Geschichte Bosniens. So oder ähnlich ist Bosnien immer betroffen und so oder ähnlich sind die Erinnerungen in allen Menschen dieses Landes, klaffen die Lücken sichtbar oder unsichtbar, wo man in Bosnien steht und geht.

Und die Mutter von Rambo Mršić und Milka, deren Sohn sie in Bihać vor ihren Augen getötet haben...
Sitzen auf einer Bank und warten.
Neben den Bänken wuchsen diese Kinder auf.
Der Priester betrat das Hochhaus, ordnungsgemäss angekündigt durch eine Todsanzeige an der Tür.
Im Jenseits, auf einer noch schmaleren Bank, warten die Söhne auf sie.
- S. 84 -

Cvijetić zeigt aber auch auf, wie das Leben vor dem Krieg war und wie es nachher weitergeht. Spuren bleiben, Erinnerungen, Verletzungen, Verluste, Lücken, aber das Leben geht weiter. Nie mehr, wie vorher, nie mehr ohne die Gedanken an das Vergangene, diess ausgelöschte Glück, diese zerstörten Schönheiten, aber mit einer - den Menschen in Bosnien eigenen - Art, nach vorne zu blicken, zu erzählen, den Humor zu behalten und in gemächlichem aber vorwärtsgerichtetem Tempo weiterzumachen.

Sprache:
Auch sprachlich ist dieses Buch eine Wucht. Zeitweise fühlt es sich an, als würde man mit einer Gruppe Leuten zusammensitzen und alle würden ihre Geschichten erzählen. So wird aus den tragischsten Erlebnissen eine Art absurde, fast humorvolle Erzählung, die den Überlebenden vorbehalten ist und die immer dort, wo die Geschichte so schrecklich ist, dass man nicht mit Worten ausdrücken kann, was geschehen ist, still wird. Die so entstehenden Leerstellen werden mit einer weiteren Geschichte, die oft äusserst unterhaltsam scheint und deren Schrecken man erst auf den zweiten Blick erkennen kann, überbrückt. Diese Erzählweise begegnet mir in Bosnien und in der Literatur aus dem ehemaligen Jugoslawien oft. Sie ist eine einzigartige Mischung aus der Mentalität, der über Jahrhunderte hinweg kultivierten Kunst des Erzählens und aus den gemeinsamen Erlebnissen, welche die Erzählenden verbindet.
Dass Cvijetić vor allem auch für seine Gedichte berühmt ist, zeigt sich auf jeder einzelnen Seite dieses Buches. Er schafft es, die Menschen und ihre Geschichten auf berührende und bildhafte Weise zu beschreiben und verwendet dabei immer wieder Formulierungen, welche mir den Atem haben stocken lassen. Ein Lob geht deshalb auch an den Übersetzer Adnan Softić, der Cvijetićs Worte feinfühlig in die Deutsche Sprache übertragen hat und an den Verlag, welcher einzelne Formulierungen und Worte im Original belassen und mit Fussnoten versehen hat, die dem besseren Verständnis dienen.

Ich sagte ihr und übertönte den Wind, dass ich mich an Stojankas schrecklichen Tod erinnerte und dass ich mir selbst das Versprechen gegeben habe, einmal ein Buch zu schreiben, etwas wie "Schindlers Lift".
- S. 93 -

Meine Empfehlung:
"Schindlers Lift" ist nicht nur schriftstellerisch, sondern auch inhaltlich ein einzigartiges Buch. Die spezielle Perspektive ermöglicht eine ganz eigene, unvoreingenommene Sicht auf die Geschehnisse in Prijedor, das stellvertretend für ganz Bosnien steht. Mit mächtigen, packenden Worten erzählt Cvijetić und es fühlt sich an, als würde man einem Bekannten bei einem starken Kaffee zuhören und zugleich in eine ganz eigene, überragend erzählte, Sprache eintauchen. Dieses Buch empfehle ich euch von Herzen weiter. Lest es und ihr werdet so viele Dinge verstehen. Und meldet euch, wenn ihr nach der Lektüre Redebedarf habt.

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Veröffentlicht am 08.04.2021

Ein absolut lesenswertes und wichtiges Buch

Sprache und Sein
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Inhalt:
Wie oft schon hat Sprache uns und andere zusammengeführt aber auch voneinander getrennt. Wer hat nicht schon in einer Fremdsprache um Worte gerungen, sich im Ausland nicht verständigen können oder ...

Inhalt:
Wie oft schon hat Sprache uns und andere zusammengeführt aber auch voneinander getrennt. Wer hat nicht schon in einer Fremdsprache um Worte gerungen, sich im Ausland nicht verständigen können oder kurzerhand neue Wortkreationen erfunden? Wer hat nicht schon andere um Worte verlegen gesehen und selber nicht eingegriffen? Kübra Gümüşay geht zahlreichen Situationen auf den Grund, in denen Sprache Menschen voneinander trennt, in denen Sprache eine Waffe ist und Gewalt ausübt und zeigt dabei auch immer auf, wie Sprache verbindend genutzt werden kann, wie man Missverständnisse vermeiden, Brücken schlagen und friedlich und fair miteinander diskutieren kann, auch wenn man anderer Meinung ist.

Meine Meinung:
Ich bin so glücklich, dieses Buch, das schon viel zu lange auf meiner Wunschliste stand, nun endlich gelesen zu haben. Alles, was ich in den letzten Monaten über Rassismus und Seximus gelesen habe, alle diese feministischen und inklusiven Bücher, finden hier eine Art gemeinsamen Nenner: die Sprache, mit der wir Menschen, unser Aussehen und unsere Herkunft, aber auch unsere Handlungen und Taten beschrieben werden, ist es, welche uns Menschen letztendlich ausmacht. Kübra Gümüşay schafft es, zahlreiche Texte auf ihre Kernaussage über die Verwendung der Sprache zu reduzieren und alle diese informativen und lehrreichen Botschaften spannend, nachvollziehbar und ihn zehn überschaubare Kapitel unterteilt in ihrem Buch zu vereinen.
Dabei hatte ich beim Lesen sehr viele Aha-Effekte und bereits Erfahrenes hat sich bei mir manifestiert. Weshalb denken wir alle in Schubladen? Was ist die Problematik von Stereotypen und weshalb setzen sie sich dennoch so oft durch? Wie gelingt es mir, Menschen als Individuen zu bezeichnen, erfassen, sichtbar zu machen und anzusprechen, sie in einer Diskussion zu Wort kommen zu lassen?

"Das Problem mit Klischees ist nicht, dass sie unwahr sind, sondern dass sie unvollständig sind. Sie machen eine Geschichte zur einzigen Geschichte", erklärt Adichie. Wenn eine einzige Geschichte die Wahrnehmung einer ganzen Gruppe von Menschen dominiert, dann existieren diese Menschen nicht mehr als Individuen. Die Definitivon von Menschen anhand einer Kategorie ist nicht zwangsläufig falsch, sondern unvollständig. Eine Wahrheit wird zur einzigen Wahrheit.
- S. 152 -

Natürlich ist dieses Buch nicht die Antwort auf alles und bezüglich Verhalten innerhalb einer diversen Gesellschaft werden wir Menschen wohl nie ausgelernt haben, aber dieses Buch ist ein sehr guter Anfang, um sich damit zu befassen, wie Sprache verwendet werden kann und welche Mechanismen von Menschen in der Politik, der Werbung oder extremistischen Gruppen mit ihren Formulierungen bedient werden und wie wir gewisse Muster durchbrechen und unseren Mitmenschen auf Augenhöhe begegnen können.

Menschen so zu bezeichnen, wie sie bezeichnet werden wollen, ist keine Frage der Höflichkeit, auch kein Symbol politischer Korrektheit oder einer progressiven Haltung - es ist einfach eine Frage des menschlichen Anstands. Ich verzichte darauf, andere trotz ihres Widerspruchs anders zu benennen, als sie es wünschen. Ich verzichte darauf, ihre Perspektive zu unterdrücken, der ich stattdessen Raum gebe.
- S. 49 -


Meine Empfehlung:
"Sprache und Sein" werde ich nicht mehr aufhören zu empfehlen und einige Menschen in meinem Umfeld werden es in den nächsten Monaten zum Geburtstag bekommen oder zu Weihnachten unter dem Christbaum finden. Lest dieses Buch!

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Veröffentlicht am 06.04.2021

Ein Buch, das Mut und Hoffnung macht

Botschaften an mich selbst
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Inhalt:
Emilie Pine schreibt über sich und ihre tiefsten menschlichen und weiblichen Erfahrungen. Erfahrungen, die so viele Frauen und weiblich gelesene Menschen im 21. Jahrhundert machen und Erfahrungen, ...

Inhalt:
Emilie Pine schreibt über sich und ihre tiefsten menschlichen und weiblichen Erfahrungen. Erfahrungen, die so viele Frauen und weiblich gelesene Menschen im 21. Jahrhundert machen und Erfahrungen, die schmerzlich sind, aufrüttelnd und hoffnungsvoll. In sechs Essays kehrt sie ihr Innerstes nach aussen und lässt uns Leser*innen teilhaben an ihren Erlebnissen und Erkenntnissen, ihrem Schmerz, ihrem Glück, ihrem Mut und ihrer Stärke.

Meine Meinung:
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen besseren Zeitpunkt gibt "Botschaften an mich selbst" zu lesen, als unmittelbar direkt nach der Lektüre von "Frühlingserwachen". Im zweiten Essay "Babyjahre" spätestens hatte ich das Gefühl, zwei sehr ähnlichen Ansätzen mit komplett unterschiedlicher Umsetzung zu begegnen. Darin beschreibt Pine die erfolglosen Versuche, ein Kind zu zeugen und erzählt auf eindringliche Weise von der Schwangerschaft ihrer Schwester, die im neunten Monat mit einer Totgeburt endete. Weitere Essays beschreiben sexuelle Gewalt, den Hass auf den eigenen (weiblichen) Körper, Scheidung, Burn-out und Abhängigkeit und hängen auch damit unmittelbar mit den Themen in "Frühlingserwachen" zusammen. Während Isabelle Lehns Roman allerdings autofiktional ist, schreibt Emilie Pine von ihren persönlichsten Erfahrungen. Obwohl die Sprache dabei fast nüchtern wirkt, schafft sie es, zu berühren. Bereits im ersten Essay, in denen Pine über ihren alkoholkranken Vater schreibt, sind bei mir die Tränen gekullert. Auch gegen Ende des Buches, das Emilie Pine als Universitätsprofessorin zeigt, die jungen Menschen Mut macht und immer noch täglich gegen sexistische Windmühlen kämpfen muss, hat sie besonders bewegende, (selbst-)kritische und aufrüttelnde Worte gefunden, die stärken, anspornen und Hoffnung machen.

Schreibstil:
Pine schafft es, mit wenigen Worten, Stimmungen zu erzeugen, die Gänsehaut hervorrufen. Ich habe mit ihr um das Leben ihres Vaters gebangt, die Daumen für einen positiven Schwangerschaftstest gedrückt und hätte ihr Teenager-Ich am liebsten in den Arm genommen. Schlicht, klar und genau deshalb äusserst eindringlich, lässt sie den tiefsten Schmerz, die grössten Verletzungen in ihre Sprache hinein und schafft es mit und durch diese Essays dennoch, eine Art Versöhnung mit sich selber und ihrem Frausein, ihrer Geschichte und Entwicklung zu feiern.

Meine Empfehlung:
"Botschaften an mich selbst" ist ein absolutes Highlight. Ein Buch, das Mut macht, tröstet, das bewegt und schockiert, aber auch immer wieder einen Weg und einen Hoffnungsschimmer aufzeigt. Ich empfehle euch allen dieses Buch wärmstens und von Herzen weiter.

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