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Veröffentlicht am 30.04.2021

ernste, bewegende Geschichte

Calypsos Irrfahrt
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Oscar hätte sich die Ferien deutlich spannender vorgestellt, als die ersten Tage auf dem Segelboot sich gestalten. Wasser soweit das Auge reicht, wenn sie Glück haben ausreichend Wind, um voran zu kommen, ...

Oscar hätte sich die Ferien deutlich spannender vorgestellt, als die ersten Tage auf dem Segelboot sich gestalten. Wasser soweit das Auge reicht, wenn sie Glück haben ausreichend Wind, um voran zu kommen, der Bewegungsradius ist stark eingeschränkt und einen Freund durfte er auch nicht mitnehmen. Nicht gerade das, wovon er geträumt hat. Doch als die Familie auf zwei Flüchtlingskinder trifft, die sich entkräftet an einen Rettungsring klammern, nimmt ihr Urlaub einen unerwarteten Verlauf. Oscars Eltern wollen Nala und ihren Bruder Moh an Land bringen, damit ihnen geholfen und sie untergebracht werden können. Immer wieder werden sie abgewiesen, niemand fühlt sich verantwortlich für die Kinder, die die Familie aus dem Meer gefischt hat.

Ob diese Geschichte wirklich schon für Zehnjährige geeignet ist, finde ich pauschal schwierig zu sagen. Einige Kinder sind in dem Alter schon sehr weit, aufgeschlossen und bereit für ernstere Themen, andere nicht. Ganz allein lassen sollte man die jungen Leser mit dem Buch aber vielleicht nicht, denn selbst bei mir bleiben hinterher so einige Gedanken zurück, die nachklingen und bei Kindern vielleicht dann für Gesprächsbedarf sorgen könnten.

Der Schreibstil von Cornelia Franz hat mir gut gefallen. Die Sprache ist einfach gehalten und damit auch für die Zielgruppe gut verständlich. Sehr gelungen fand ich, dass die Thematik ihre Ernsthaftigkeit nicht verliert. Es ist ein bedrückendes, teilweise sehr trauriges Thema, besonders unter dem Aspekt, dass so viele Schicksale dahinter stehen, auch wenn hier nur das von Nala und Moh geschildert wird. Wie schwierig es ist, für die Kinder ein zu Hause zu finden beziehungsweise jemanden, der überhaupt bereit ist, sich um sie zu kümmern, ist gut in die Handlung eingeflochten. Oscars Eltern bemühen sich, eine Lösung zu finden und werden immer wieder vor den Kopf gestoßen. Frustration, Wut und Zweifel spielen daher immer wieder eine Rolle. Es gibt aber auch zahlreiche schöne Momente, die zum Beispiel dadurch entstehen, dass die Kinder sich rasch annähern und die Sprachbarriere für sie kein all zu großes Problem darstellt. Nala und Moh bemühen sich, sich in den Alltag zu integrieren, die Sprache zu lernen und nicht negativ aufzufallen. Toll eingeflochen fand ich auch die kleinen Passagen, in denen die Geschwister miteinander sprechen. So hat man auch einen Eindruck davon, was in ihren Köpfen vorgeht. Vor allem der kleine Moh hat ziemlich viel Angst, was ich gut nachvollziehen konnte.
Immer wieder gibt es auch andere Turbulenzen auf dem Schiff, ausgelöst vom Wetter oder anderen Ereignissen. So wird die Reise auf unterschiedliche Weise spannend und abwechslungsreich. Die anschaulichen, bildhaften Beschreibungen lassen die Handlung lebendig werden, ohne dabei zu viel Wert auf die düsteren Details zu legen.

Man begleitet Oscar aus der Erzählerperspektive und erhält so Einblicke in seine Gedanken und Gefühlswelt. Der Zehnjährige empfindet manche Situationen natürlich anders, als ein Erwachsener es tun würde, gerade das mochte ich in dem Buch aber sehr gern. Teilweise nimmt er Dinge einfach etwas leichter und unkomplizierter, zerdenkt es nicht so, wie seine Eltern es tun, es zeigt aber gleichzeitig eben auch, dass er sich über manches einfach noch keine Gedanken machen kann oder will, weil er die Konsequenzen, die aus manchen Ereignissen folgen, gar nicht abschätzen kann. Nicht alle seine Entscheidungen sind klug, er macht Fehler und lässt sich von seinen Gefühlen mitreißen. Dass dieses Verhalten nicht richtig ist und schwerwiegende Folgen haben kann, wird für mich in der Geschichte allerdings auch deutlich.

Das Ende des Buches ist idealisiert und vielleicht nicht unbedingt realistisch. Nach der Tortur, die die Familie hinter sich hat, gönnt man ihnen aber auch diesen Funken Glück und Erleichterung, auch wenn es die vergangenen Erlebnisse vielleicht ein bisschen weniger schlimm und dramatisch erscheinen lässt. Die Ereignisse bis dahin empfand ich größtenteils nicht als beschönigt, manches ist für die Zielgruppe schon ziemlich bedrückend, auf jeden Fall wenn man länger darüber nachdenkt.
Nach dem Abschluss des Buches werden junge Leser -und vermutlich nicht nur die- sicher einiges zum Nachdenken haben, so dass ich das Ende für ein Kinderbuch als passend empfand. Günstig wäre es aber sicher, auch dieses Thema mit den Kindern aufzuarbeiten und sie mit ihren Gedanken dazu und zum Rest der Geschichte nicht allein zu lassen.
Fazit

Eine ernste, bewegende, gleichzeitig aber auch sehr angenehm und feinfühlig aufgearbeitete Thematik, die schön in die abenteuerliche Reise auf dem Segelschiff eingebunden ist. Es werden sowohl die Probleme und Missstände rund um die Flüchtlingssituation beleuchtet, als auch die schönen Freundschaftsmomente, die zwischen den Kindern entstehen. So ist das Buch nicht durchweg bedrückend und traurig, es hat mich aber immer wieder sehr berührt und auch zum Nachdenken angeregt.

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Veröffentlicht am 29.04.2021

lockere, leichtgängige Geschichte mit viel Gefühl

Honigherzen
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Für Leni scheint ein Traum in Erfüllung zu gehen. Sie hat die Chance aufs Land zu ziehen und dort einen Hofladen zu eröffnen, in dem sie Produkte aus eigener Herstellung verkaufen könnte. Auch wenn damit ...

Für Leni scheint ein Traum in Erfüllung zu gehen. Sie hat die Chance aufs Land zu ziehen und dort einen Hofladen zu eröffnen, in dem sie Produkte aus eigener Herstellung verkaufen könnte. Auch wenn damit einiges an Arbeit auf sie zukäme, auch weil das Haus stark renovierungsbedürftig ist, wagt sie den Schritt und siedelt mit ihrer Schwester und ihrer kleinen Tochter um. In der eingeschworenen Dorfgemeinschaft Fuß zu fassen, stellt sich jedoch leider als nicht ganz so einfach da. Vorurteile und Gerüchte halten die Leute fern und fördern die Hilfsbereitschaft nicht unbedingt. Es gibt allerdings auch Lichtblicke und attraktive Helfer, die nicht nur für das Haus ein Gewinn sein könnten. So honigsüß, wie Leni sich ihr Leben auf dem Land vorstellt hat, läuft es insgesamt aber nicht, immer wieder gibt es neue Schwierigkeiten und Hürden. Ob es wirklich die richtige Entscheidung war?

Der Schreibstil von Mina Teichert hat mir von Beginn an gut gefallen. Die Geschichte behält eine lockere, leichtgängige Atmosphäre, obwohl auch immer mal wieder ernstere Themen und Schwierigkeiten eingeflochten sind. Für Leni läuft längst nicht alles nach Plan und auch mit den Ereignissen der Vergangenheit hat sie immer wieder zu kämpfen. Trotzdem steckt sie nicht dauerhaft den Kopf in den Sand, rappelt sich wieder auf, fasst wieder Mut, geht neue Projekte an, kann sich auch mal selbst auf die Schippe nehmen und hat als zusätzliche Stütze ihre Schwester Juna an der Seite. Auch Wirbelwind Romy, die Tochter von Leni, sorgt immer wieder für Situationen zum Schmunzeln oder auch Hände vor’s Gesicht schlagen. Ihre „Huch“-Momente sind häufig kleinere oder größere Katastrophen, die deutlich machen, dass sie oftmals tollpatschig oder unkoordiniert ist, meistens aber einfach auf eine liebenswerte Art und Weise. Romy wird im Verlauf des Buches sieben, damit verzeiht man ihr das eine oder andere, manchmal hätte ich ihr aber auch gern ein paar Takte erzählt. Die Erziehung eines Kindes bringt so seine Hürden mit sich, auch das ist immer wieder auf unterschiedliche Weise in die Handlung eingebaut und passte einfach zu dem Frauenhaushalt. Es ist aber natürlich kein Elternratgeber, sondern vorrangig eine Liebesgeschichte mit einigen Hindernissen.
Im Buch begleitet man Leni aus der Ich-Perspektive. So erhält man sehr intensive Einblicke in ihre Gedanken und Gefühlswelt, die es leicht machen, sich in die Protagonistin hineinzuversetzen. Man ist immer nah am Geschehen und kann mit Leni gemeinsam erleben, wie sie kleine Erfolge feiert, wie sie mit Misserfolgen umgeht, was mit ihrem Herzen passiert und zu welchen Kurzschlussreaktionen sie sich hinreißen lässt. Da kann dann auch mal unverhoffter Tierzuwachs an der Tagesordnung stehen. Langweilig wird es mit den drei Frauen auf jeden Fall nicht. Immer wieder gibt es neues Chaos, aber auch neue Ideen und Kreationen für ihren Hofladen, die sie sehr liebevoll gestalten. Eine nette Abwechslung waren Lenis variable Bezeichnungen für verschiedene Charaktere. So hat zum Beispiel der „Prinz“, der ihr über den Weg gestolpert ist, immer wieder andere Beinamen bekommen – direkt, ungestüm, ungeduldig, charmant – je nachdem, wie er in der jeweiligen Situation war. Es war immer erkennbar, über wen Leni gerade spricht oder nachdenkt, auch wenn sie ihrer Kreativität da keine Grenzen gesetzt hat. Das hat es sehr facettenreich gemacht und passte einfach zu der Schauspielerin, die auch in anderen Momenten immer mal wieder die Führung übernimmt, auch wenn Leni in letzter Zeit nicht mehr auf der Bühne stand. Ebenso kreativ und ungewöhnlich fand ich die Art der „Problemlösung“ im letzten Abschnitt der Geschichte. Das kann ich aus Spoilergründen jetzt nicht intensiver ausbauen. Es war aber definitiv keine ganz klassische Variante und gut abgestimmt auf die Figuren.

Die Konstellation der Charaktere hat mir ebenfalls gut gefallen. Jeder bringt ein paar Ecken und Kanten mit, was die Handlung vielseitig und immer wieder anders macht. Ein paar der Dorfbewohner spielen im Verlauf der Geschichte eine größere Rolle und mischen sich teils offensichtlich, teils hinterhältig in den ohnehin schon nicht ganz leichten Weg der Schwestern ein. Es gibt aber auch immer wieder wahre Schätze und treue Seelen, die für positivere Energien und liebevolle Augenblicke sorgen.
Leni und Juna waren mir von Anfang an sympathisch. Die Schwestern halten zusammen, haben ihre Gemeinsamkeiten, kennen sich sehr gut, sind aber auch nicht immer einer Meinung, ecken auch mal an oder bringen Wahrheiten auf den Tisch, die der anderen möglicherweise nicht so gut gefallen. Tollpatsch Romy bringt ebenfalls immer wieder ungeplante Situationen mit sich und fordert Lenis Geduld stellenweise enorm. Ich mochte aber, wie die Kleine sich entwickelt hat und auch wenn am Ende längst nicht alles perfekt ist, so hat sich doch auch für sie manches getan, ohne dass sie komplett verbogen wurde. Richtig toll fand ich auch die unterschiedlichen Liebesgeschichten, die im Buch integriert waren. Nicht nur Lenis Herz wird aus dem Takt gebracht. Trotzdem empfand ich es nie als zu viel oder zu kitschig, weil es sich sehr harmonisch in das Gesamtgeschehen eingefügt hat. An der einen oder anderen Stelle hätte es für meinen Geschmack vielleicht noch etwas mehr in die Tiefe gehen können, da ich aber eine eher leichte, vielleicht sommerliche Lektüre erwartet habe, wurde ich in der Hinsicht auf jeden Fall nicht enttäuscht.
Fazit

Eine schöne, insgesamt leichtgängige Liebesgeschichte, die aber auch ernstere Themen enthält, sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt und verschiedene Aspekte vereint. Kleine Hinterhältigkeiten, Missverständnisse, Renovierungschaos und kopfstehende Gefühle stellen zusätzliche Stolpersteine dar, trotzdem fassen Juna und Leni immer wieder neuen Mut, werden kreativ, entwickeln Ideen, testen sich aus und bemühen sich, trotz all der Hürden und Fehlversuche ihren Hofladen auf stabile Beine zu stellen und gleichzeitig für ihr Seelenheil zu sorgen. Ihre Ideen für die selbst gemachten Produkte haben mir dabei richtig gut gefallen und geben der Geschichte auch einen schönen Rahmen. Eine schöne, unterhaltsame Mischung mit schön angelegten, sehr unterschiedlichen Charakteren, die für tolle Lesestunden gesorgt hat.

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Veröffentlicht am 07.04.2021

tiefgründiger und ernster als erwartet

Wie man seine Eltern erzieht (Eltern 1)
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Luis will Komiker werden und sammelt dafür fleißig Witze, die er in allen passenden oder vielleicht auch nicht so passenden Situationen zum Besten gibt. Teilweise kommt er damit sehr gut an und die Menschen ...

Luis will Komiker werden und sammelt dafür fleißig Witze, die er in allen passenden oder vielleicht auch nicht so passenden Situationen zum Besten gibt. Teilweise kommt er damit sehr gut an und die Menschen lachen herzhaft, andere bedenken ihn eher mit einem skeptischen Blick und finden schräg, was er von sich gibt. Seinen Eltern entgeht sein komisches Talent natürlich nicht, allerdings nehmen sie es nicht so ernst, wie Luis es sich wünschen würde. Dafür verhalten sie sich kurz nach seinem Schulwechsel allerdings sehr seltsam, er erkennt sie kaum wieder und daher fasst er einen Plan: er muss sie umerziehen, damit endlich alles wieder läuft, wie er es kennt.

Luis hat nach seinem Umzug längst nicht mehr so viele lustige und fröhliche Momente, wie zuvor. Alles ist neu, seine Schule ziemlich spießig, die Mitschüler lachen kaum über seine Späße und mit seinen durchschnittlichen Zensuren kann er auch nicht unbedingt punkten. Zusätzlich verhalten seine Eltern sich ziemlich schräg und nehmen sich zu sehr ein Beispiel an den Lebensweisen der Nachbarschaft.
Seine Erlebnisse hält Luis in Tagebuchform fest und berichtet so über mehrere Monate, was ihm widerfahren ist, was ihn besonders glücklich oder auch traurig gemacht hat, was ihn frustriert, was er sich erhofft und wünscht und welche Pläne er schmiedet. Immer wieder berichtet Luis auch von Theo, einem seiner Mitschüler, der zusätzlich noch in der Nachbarschaft wohnt. Schnell wird klar, dass seine Eltern sich wünschen, er wäre etwas mehr wie Theo. Nur ist für Theo längst nicht alles so toll, wie es auf den ersten Blick scheint.

Das Buch ist leichtgängig und lässt sich flüssig lesen. Die Sprache ist passend für den zwölfjährigen Protagonisten und damit für jüngere Leser gut verständlich. Es gab viele Situationen, in denen ich dachte: das werden so viele Kids nachvollziehen können. Wie man als Heranwachsender seine Eltern, Mitschüler und Lehrer wahrnimmt, ist einfach etwas anderes, als wenn man dann älter ist. Und einige der Eindrücke, die Luis beschreibt, kamen auch mir sehr bekannt vor. Durch die Tagebuchform fühlte ich mich sofort gut mitgenommen und man ist sehr nah bei Luis und seinen Gedanken, ohne Ablenkung von außerhalb. Kleine Zeichnungen unterstützen dabei die Inhalte der Tagebucheinträge und lockern den Textfluss zusätzlich auf.
Man bekommt einen Eindruck von seinen Eltern und seinem kleinen Bruder, seinen Mitschülern und kann miterleben, wie er seinen Traum, Komiker zu werden, weiter verfolgt. Daher sind im Buch auch immer mal wieder kleine Witze enthalten, einige davon fand ich ganz lustig, andere entsprachen nicht so meinem Humor, aber ich empfand es auch gar nicht so sehr als Hauptpunkt des Buches. Natürlich spielt es eine Rolle, weil es ein Teil von Luis ist und er sonst mit seinen lockeren Sprüchen gut angekommen ist. Aber nun hat sich einiges geändert und Luis grübelt viel, was da eigentlich los ist und was er dagegen tun kann. Dadurch wird das Buch deutlich tiefgründiger und ernster, als ich es zunächst erwartet hatte.
Durch die Eltern der Nachbarschaft, die von ihren Kindern viel erwarten und ihren Alltag von A bis Z durchplanen, nehmen auch Luis‘ Eltern sich das immer mehr an und übertragen den Druck, den sie von außen empfinden, durch Kommentare und Gespräche, nun auf ihre Kinder. Leistungs- und Erwartungsdruck, Vergleiche, sich mit anderen messen und sie idealerweise übertrumpfen zu müssen, fehlende Selbstbestimmung und Freizeit, das Rebellieren gegen Vorschriften, der Wunsch seine Träume zu verfolgen… all solche Dinge spielen im Buch eine große Rolle. Es ist zwar ein kindlich-jugendlicher Blick auf all diese Dinge, aber es ist keinesfalls lächerlich oder unbedeutend, was Luis da denkt, erlebt und fühlt, im Gegenteil. So wird die Geschichte nicht nur junge Leser, sondern auch Erwachsene zum Nachdenken und vielleicht auch Überdenken einiger Einstellungen und Verhaltensweisen anregen.
Fazit

Eine wirklich schöne Geschichte, die aus meiner Sicht nicht nur für junge Leser geeignet ist. Auch als Erwachsener kann man viel daraus mitnehmen, weil man durch Luis Blick auf die Dinge zum Nachdenken angeregt wird. Durch die lockere Erzählerweise und die teils lässigen, teils lustigen Sprüche, die immer wieder integriert sind, ist es keine durchweg ernste Stimmung, es ist aber auch alles andere als dauerhaft witzig und unbeschwert. Mir hat die Mischung richtig gut gefallen und ich war überrascht, wie tiefgründig der Inhalt tatsächlich ist. Das hätte ich anfangs nämlich nicht erwartet. Und die angesprochenen Probleme sind auch längst nicht alle nur Schwierigkeiten für Kinder und Jugendliche, einiges davon lässt sich auch in die „Erwachsenenwelt“ gut übertragen.

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Veröffentlicht am 16.02.2021

fantasievolle Geschichte, schöne Entwicklungen

Akademie Fortuna - Wenn Wahrsagen so einfach wäre
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In Horror’s Cope gibt es eine ganz besondere Schule: die Akademie Fortuna. Dort werden jedes Jahr Sprösslinge aus den Wahrsagerfamilien des Ortes oder des Umlandes „eingeschult“, damit sie lernen, mit ...

In Horror’s Cope gibt es eine ganz besondere Schule: die Akademie Fortuna. Dort werden jedes Jahr Sprösslinge aus den Wahrsagerfamilien des Ortes oder des Umlandes „eingeschult“, damit sie lernen, mit ihrer Gabe richtig umzugehen und ihre Vorhersagen optimal zu präsentieren. Auch Anniversary, die von allen nur Sorry genannt wird, gehört zu der diesjährigen 7. Klasse, die aus dem Privatunterricht an die Akademie wechselt. Für die 12 Jährige ist es allerdings bei Weitem nicht so ein freudiges Ereignis, wie für viele andere, denn ihre Wahrsagefähigkeiten erlauben ihr lediglich alltägliche Dinge, die demnächst passieren werden, vorauszusehen, keine weltbewegenden, zukünftigen Geschehnisse.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, leichtgängig und flüssig. Die Sprache ist einfach gehalten, so dass es auch für jüngere Leser gut verständlich bleibt. Schwierigere Begriffe oder Fachbezeichnungen rund um die unterschiedlichen Wahrsagemöglichkeiten werden anschaulich erklärt. Besonders gelungen finde ich auch die tollen Illustrationen, die die Handlung gut unterstützen und die Geschehnisse und Figuren noch lebendiger machen.
Mir haben die unterschiedlichen Techniken und Hilfsmittel, um in die Zukunft zu schauen, richtig gut gefallen. Die Wahrsagerfamilien werden in neun Gruppen unterteilt, je nachdem, wie bzw. womit sie ihre Voraussagen machen. Tarotkarten, Kristallkugeln, Sterne und Pendel spielen dabei unter anderem eine Rolle, es gibt aber noch einige mehr. Das macht es sehr abwechslungsreich und die Schüler mit ihren Fähigkeiten auch alle sehr unterschiedlich. Auch wenn man hauptsächlich etwas über die Visionisten und die Nekromanten erfährt, sind auch die anderen Arten des Wahrsagens immer wieder Teil des Geschehens, so dass man auch davon einen ganz guten Eindruck bekommt.

Sorry ist eine sympathische Protagonistin, die ich sehr gern auf ihrem Weg begleitet habe. Für sie ist es nicht so leicht, da ihre Fähigkeiten sich anders präsentieren, als es sonst bei den Visionisten der Fall ist. Nur wenige in ihrem Umfeld erkennen sofort die Nützlichkeit ihrer Vorhersagen. Im Laufe des Buches ändert sich aber der Stand von Sorry, was auch daran liegt, dass sie sich nicht konsequent in die vorgeschriebenen Regeln pressen lässt. Sie versucht über den Tellerrand hinaus zu schauen und ihren Blick für Dinge zu öffnen, vor denen andere sich verschließen. Dabei läuft nicht immer alles glatt. Ihr und ihren Freunden, die ich auch schnell ins Herz geschlossen habe, unterlaufen auch mal Fehler oder sie irren sich, aber ich mochte die Dynamik in der Geschichte echt gern. Freundschaft, Vertrauen und gegenseitiger Zuspruch spielen immer wieder eine Rolle. Aber auch die Vorurteile, Intrigen und Machtgier sind immer wieder Thema.
Zum Ende des Buches werden die Ereignisse immer turbulenter und es gibt einige Offenbarungen und Andeutungen, in welche Richtung es weitergehen wird. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf die Fortsetzung.
Fazit

Eine sehr schöne, leichtgängige Geschichte mit interessanten Figuren und einer tollen Einflechtung der unterschiedlichen Wahrsagemöglichkeiten. Die verschieden Arten fand ich faszinierend und ich bin gespannt, was man aus den Bereichen noch erfahren wird. Auch der Handlungsverlauf, der gut durch die wunderschönen Illustrationen unterstützt wird, hat mir sehr gefallen. Besonders schön fand ich, wie wichtig Freundschaft im Buch ist und wie nach und nach die Gedanken einiger Charaktere durch die Ereignisse aufgerüttelt werden.

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Veröffentlicht am 19.12.2020

wieder gefühlvoll, nicht mehr so düster

Wie die Stille vor dem Fall. Zweites Buch
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Achtung Fortsetzung! Die Geschichte von Landon und Shay geht weiter, Vorwissen ist auf jeden Fall nötig, um der Handlung folgen zu können und die Entwicklungen der Charaktere und zwischen ihnen zu verstehen. ...

Achtung Fortsetzung! Die Geschichte von Landon und Shay geht weiter, Vorwissen ist auf jeden Fall nötig, um der Handlung folgen zu können und die Entwicklungen der Charaktere und zwischen ihnen zu verstehen. Meine Rezension enthält kleine Spoiler in Bezug auf „Wie die Stille vor dem Fall. Erstes Buch“.

Wenn man jemanden von ganzem Herzen liebt, heißt das noch lange nicht, dass es einen auch zwingend glücklich machen muss. Der Weg, den Shay und Landon bereits gegangen sind, war alles andere als leicht. Tiefe Dunkelheit, viele Probleme und Zweifel haben sie begleitet, auch wenn es immer wieder schönere und leichtere Momente gab. Und auch ihr weiterer Weg wird alles andere als einfach, denn nur weil man sich nach einem anderen Menschen sehnt, heißt es noch lange nicht, dass derjenige zu einem zurückfindet.

Nachdem ich den erste Teil der Geschichte rund um Landon und Shay verschlungen hatte, wollte ich unbedingt wissen, wie es mit den beiden Protagonisten weitergeht. Dass zwischendurch etwas passiert sein muss, was sie entzweit und sie sich erst Jahre später wiedersehen, dass wusste man bereits aus dem Buch „Wie die Ruhe vor dem Sturm“, in dem es ja vorrangig um Greyson und Eleanor ging.
So war es dann nicht verwunderlich, dass es in der Geschichte einen Zeitsprung gab, in dem die Charaktere vollends dem Teenager bzw. dem jungen Erwachsenenalter entwachsen und im Verlauf der Handlung dann Anfang 30 sind. Bevor es zu diesem Sprung kommt, beginnt das Buch jedoch nur mit einem geringen zeitlichen Abstand zum Ende des ersten Bandes von „Wie die Stille vor dem Fall“. Man erlebt gemeinsam mit den Protagonisten einige Passagen aus ihrem gemeinsamen Weg, kann Nachrichten lesen, die sie sich hin und her schicken und verfolgen, wie es zunehmend schwieriger wird für sie.

Der Schreibstil war erneut sehr mitnehmend und flüssig zu lesen. Die zahlreichen Emotionen der Protagonisten waren aufgrund der beiden Ich-Perspektiven wieder greifbar. Ich mochte die detaillierten Einblicke in ihre Gedankenwelt und auch in ihre Leben an sich, die sich sowohl vor, als auch nach dem größeren Zeitsprung ziemlich verändert haben. Es läuft nicht immer alles gut und nach wie vor zeigen beide nicht jedem ihrer Gegenüber, was wirklich in ihnen vorgeht. Ich empfand es insgesamt jedoch als deutlich weniger düster. Im Auftakt der Geschichte um Landon und Shay waren sehr viele bedrückende, dunkle Gedanken enthalten, die zum Großteil der Depression geschuldet waren, die immer wieder thematisiert wurde. Ich fand das Thema sehr gut und nachvollziehbar eingearbeitet, es hat das Buch aber auch nicht besonders leichtgängig gemacht und oft nachdenklich und traurig gestimmt. Auch in diesem Band spielt das Thema zwar weiterhin eine Rolle, jedoch in einer anderen Intensität, so dass ich es hier als nicht mehr so mächtig und niederschmetternd empfunden habe. Es kann eben auch einen Weg hinaus geben.

Man trifft einige liebgewonnene Figuren wieder, so wie Mima, Rain und Hank, es kommen aber auch noch weitere Personen dazu, die mal eine kleinere, mal eine größere Rolle für den Verlauf der Handlung spielen. Ich mochte die alten und noch immer stabilen Freundschaften unglaublich gern. Wenn man so viel miteinander erlebt hat, ist es von unschätzbarem Wert, diese Menschen noch immer an seiner Seite zu haben. Außerdem mag ich auch Rains Art, sich so dezent „gar nicht“ einzumischen. 😉 Zumindest behauptet sie das eben meistens, bevor sie dann doch irgendwas ausplaudert oder unternimmt.
Die Interaktion der Charaktere hat mir wieder gut gefallen. Man spürt sofort, dass Landon und Shay viel verbindet, auch nachdem sie sich einige Jahre nicht gesehen haben. Aber da ist eben nicht nur Wiedersehensfreude, sondern auch viel Frust, Schmerz, Trauer um Verlorenes und Unsicherheit. In ihrer Kommunikation wird deutlich, dass sie im Kern ihres Wesens die gleichen Menschen geblieben sind, aber sie haben sich entwickelt, sind erwachsener geworden, sind an ihren Herausforderungen gewachsen und bewerten einige Dinge inzwischen etwas anders. Und doch war immer spürbar, dass sie eben nicht völlig neue Ansichten haben und ihr Herz noch immer am rechten Fleck sitzt, wenn auch umgeben von einigen Schutzmauern. Neben einigen der bereits aus dem ersten Band bekannten Themen, rückt nun auch die Schauspielerei und das Leben im Rampenlicht mit in den Fokus. Immer unter Beobachtung zu stehen, macht viele Sachen nicht leichter und man perfektioniert seine Masken, damit niemand sieht, was wirklich in einem vorgeht – größtenteils interessiert es ja auch niemanden.

Insgesamt auf jeden Fall wieder eine sehr gefühlvolle Geschichte, in der man die Charaktere intensiv begleitet und ihren weiteren Weg verfolgen kann. Es gibt Stolpersteine und Probleme, aber auch Sonnenscheinmomente und Hoffnung. Alles in allem nicht so düster und bedrückend, wie der erste Band, für mich persönlich daher aber eben auch nicht ganz so intensiv vom „Mitleiden“ mit den Personen. Was nicht heißt, dass ich es wieder so düster hätte haben wollen. Aber es geht einem einfach anders nah. Ich habe mich sehr für die Figuren gefreut, dass es hier deutlich mehr positive und erfreuliche Augenblicke gab, auch wenn längst nicht alles super und einfach ist.
Ein schöner Abschluss der Reihe ist es in jedem Fall.

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