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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.08.2021

Irritierend

Ich hatte nicht immer, was ich wollte, aber alles, was ich brauchte
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Björn Lindeblad gab sein erfolgreiches Berufsleben in Schweden auf, um buddhistischer Mönch in Thailand zu werden. Das Buch beschreibt seine Etappen in verschiedenen Klöstern und vermittelt buddhistische ...

Björn Lindeblad gab sein erfolgreiches Berufsleben in Schweden auf, um buddhistischer Mönch in Thailand zu werden. Das Buch beschreibt seine Etappen in verschiedenen Klöstern und vermittelt buddhistische Lehren. Ein bedeutender Teil des Buches umfasst den Weg aus dem Klosterleben und die Konfrontation mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung.

Das Buch liest sich zum größten Teil sehr zügig, ist an den richtigen Stellen spannend und trägt gleichzeitig nicht auf. Es gewährt realistische und verständliche Einsichten in die buddhistische Tradition, ist dabei aber unaufdringlich. Spannend und besonders lehrreich sind die Beschreibungen seiner Selbstzweifel und Schwierigkeiten mit den unterschiedlichen Herausforderungen des Lebens als Mönch. Da ist zum Beispiel seine Sehnsucht nach einer Partnerin. Die Kapitel sind recht kurzweilig, enthalten teils praktische Übungen und Lehren anderer Mönche.
In der Erzählung gibt es jedoch einen Bruch. Das Leben nach dem Mönchsdasein. Es geht vermehrt um seine Gegenwart, den Umgang mit seiner tödlichen Erkrankung. Dieser Teil wirkt auf mich stellenweise langatmig und etwas abgehoben. Es geht weniger um die buddhistischen Anteile, als um seine Auffassung vom Leben. Irritierend finde ich vorallem den Hinweis, fast schon ein Bekenntnis seinerseits, zur Autorenschaft am Ende. Ich kann wenig damit anfangen, dass diese tiefen Einsichten, die er gewonnen hat, ausschließlich von seinen Mitautoren beschrieben wurden. Das Buch suggeriert den größten Teil über etwas anderes. Das ist besonders enttäuschend vor dem Hintergrund der moralischen Inhalte.

Am Ende bin ich irritiert über den Ich-Erzähler, der keiner ist. Der spannende erste Teil über das Leben als Mönch wird davon überschattet.

Veröffentlicht am 16.08.2021

Melodramatisch

Dein Herz in tausend Worten.
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Millie hat soziale Ängste und hält sich deswegen immer im Hintergrund. Von der Liebe träumt und liest sie nur. Als Assistentin in einem Verlag hat sie auch genügend Lesestoff. Eine besonders dramatische ...

Millie hat soziale Ängste und hält sich deswegen immer im Hintergrund. Von der Liebe träumt und liest sie nur. Als Assistentin in einem Verlag hat sie auch genügend Lesestoff. Eine besonders dramatische Liebesgeschichte von einem geheimnisvollen Autor haben es ihr besonders angetan. Mit großen Folgen.

Es ist die übliche Geschichte um eine einsame Frau, deren Potenzial nicht entdeckt wurde. Sehr vorhersehbar. Millie ist unbedarft, schüchtern und steht sich selber im Weg. Diese Charaktereigenschaften sind auf Dauer anstrengend. Ihr Bruder und andere Charaktere sorgen dagegen für eine gewisse Auflockerung. Alle sind sie jedoch zu sympathisch und wollen füreinander ständig nur das Beste. Das ist auch anstrengend. Die heile Welt ist zu heile, am Ende sowieso und die Schwierigkeiten der Einzelnen wirken aufgebläht. Wie das Beides zusammen geht, ist schwer zu begreifen.

Die Entwicklungen sind anfänglich noch realistisch. Schnell habe ich Zugang zu Millies Welt bekommen. Das liegt sicherlich auch an den liebevollen Beschreibungen der Charaktere. Es fällt auf wie simpel und dennoch atmosphärisch die Umgebung beschrieben wird. Mal ist es eine besondere Haar- oder Augenfarbe, dann wieder die Beschreibung der Umrisse eines Gebäudes. Die Erzählung wird zunehmend kitschig und melodramatisch. Da beginnen plötzlich unerwartete Freundschaften, die vorher nie denkbar waren, es bilden sich gemeinsame Ziele, die übertrieben verfolgt werden. Und die ganze Zeit ist klar, worauf die Geschichte hinaus läuft. Trotzdem ist die Geschichte unterhaltsam und vielleicht wegen diesen vielen Makeln so kurzweilig.

Fazit: Melodramatische und berechenbare Geschichte mit einigen Makeln, die trotzdem unterhaltsam ist.

Veröffentlicht am 08.08.2021

Am Ende müsste die Geschichte anfangen

Kim Jiyoung, geboren 1982
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Kim Jiyoungs Geschichte steht beispielhaft für das Leben der Frauen in Südkorea. Es geht um die systematische Unterdrückung und Misshandlung der Frauen, eine permanente Angstkultur und überhohe Anforderungen.
Jiyoungs ...

Kim Jiyoungs Geschichte steht beispielhaft für das Leben der Frauen in Südkorea. Es geht um die systematische Unterdrückung und Misshandlung der Frauen, eine permanente Angstkultur und überhohe Anforderungen.
Jiyoungs unklare psychiatrische Symptome nach der Geburt des Kindes bilden den Ausgangspunkt der Geschichte, ab dem aus Sicht eines Psychiaters in die Vergangenheit zurück erzählt wird. Leider bleibt es auch bei dem Rückblick, sodass der Aufhänger, die ungewöhnlichen Symptome, keinen Raum mehr bekommt. Die Frage ist, wie geht es weiter mit Jiyoung? Was machen sie und ihr Umfeld daraus? Gibt es einen Lernprozess?
Doch auch der Rückblick hat was für sich. Die Erzählung ist umso spektakulärer, weil sie stellvertretend für jedes Frauenleben in Südkorea stehen soll. Doch ist das alles so allgemeingültig? Und wie gehen andere Frauen damit um? Es entstehen viele Fragen, die offen bleiben. Die Geschichte regt an, die Ungerechtigkeit macht wütend. Trotz dem nüchternen und distanzierten Bericht des Psychiaters birgt die Erzählung viel Raum für Emotionalität, vielleicht auch, weil Jiyoung ihre Gefühle selbst so wenig spürt und auslebt.
Die Einschätzung des Psychiaters am Ende wirkt unklar, kein Wunder bei diesen unrealistischen Symptomen. Wäre es eine dissoziative Störung, wären es abgespaltene Anteile ihrer selbst, dann würde sie aber nicht plötzlich ihre Mutter oder ihre Freundin sein und Dinge wissen können, die nur diese wussten. Unrealistisch! So erscheint es eher als erzählerisches Mittel, um zu verdeutlichen, dass Jiyoungs Geschichte eine von vielen ist und in ihr die gesamte Ungerechtigkeit angelegt ist. Nach dem Motto: erzählt man von einem Leben, kennt man alle.

Fazit: Sehr bewegende, nüchterne Erzählung über Benachteiligungen von Frauen in Südkorea, mit unrealistischen Anteilen und einem unbefriedigenden Ende.

Veröffentlicht am 29.07.2021

Schräg

Auszeit
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Henriette weiß nicht, wohin mit sich und ihrem Leben. Nach einem Schwangerschaftsabbruch ist sie vollends aus der Bahn geworfen. Ihre Freundin Paula hingegen, ist mit sich im Reinen und immer an Henriettes ...

Henriette weiß nicht, wohin mit sich und ihrem Leben. Nach einem Schwangerschaftsabbruch ist sie vollends aus der Bahn geworfen. Ihre Freundin Paula hingegen, ist mit sich im Reinen und immer an Henriettes Glück interessiert. Also nimmt sie Henriette für eine Auszeit mit in eine Hütte nach Bayern.

Die Geschichte ist schnell gelesen. Zum einen hat das Buch nur knapp 200 Seiten und zum anderen scheint nicht viel zu passieren innerhalb dieser. Doch das was passiert ist bewegend und teilweise irritierend. Die Beziehung zwischen den beiden Freundinnen wirkt verschoben, nicht im Gleichgewicht. Die Charaktere sind auf Dauer auch etwas anstrengend, fast ein bisschen zu extrem in ihrer Art. Henriette überschattet mit ihrer melancholischen Stimmung das Geschehen, ihre drögen Gedanken nehmen einen großen Raum ein. Hinzu kommen sexuelle/erotische Anteile in der Erzählung, die deplatziert wirken. Das Ende ist umso irritierender. Das war nicht zu erwarten. Schräg ist auch, wie sich die Charaktere entwickeln. Doch vielleicht macht so auch alles einen Sinn.
Immerhin ist der Text sehr ansprechend geschrieben, so klar und teilweise gezielt vernebelnd. So bleiben den Lesenden diverse Deutungsmöglichkeiten.

Ein anspruchsvoller Roman, der die Extreme sucht und ratlos zurück lässt.

Veröffentlicht am 21.04.2021

Schwermütig

Orangen für Dostojewskij
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Dostojewskij begegnet auf seiner Reise durch Europa Rossini - in Venedig und das ist reine Fiktion. Aber eine spannende Fiktion! Doch Spannung hat das Buch nicht zu bieten.

Dostojewskij und Rossini teilen ...

Dostojewskij begegnet auf seiner Reise durch Europa Rossini - in Venedig und das ist reine Fiktion. Aber eine spannende Fiktion! Doch Spannung hat das Buch nicht zu bieten.

Dostojewskij und Rossini teilen ihre Kreativität und Sinnlichkeit, wobei der zweite das Leben in vollen Zügen genießt, der erste nach einer Gefangenschaft in einem russischen Straflager sich schwermütig durchs Leben schleppt. Aus Dostojewskijs Sicht erzählt, bekommt die Geschichte einen deutlich schwermütigen Charakter. Das und die gemächliche Erzählung sorgen dafür, dass die Geschichte kein Ende nimmt. Und das auf fast 500 Seiten, davon gefühlt mindestens 200 unnötig. Dazu kommen merkwürdige Begegnungen mit speziellen Charakteren. Alles ist etwas entrückt.
Trotzdem hat die Geschichte ihren Reiz. Gerade die ausführlichen Beschreibungen der italienischen Kultur, der Beteiligten und der Stadt selbst machen das Ganze plastisch. Die speziellen Charaktere sind faszinierend und die geschichtlichen Bezüge sind interessant. Es entsteht eine berührende Atmosphäre.

Fazit: endlos und schwermütig, auf fast 500 Seiten. Die italienische Atmosphäre kommt nicht dagegen an.