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Veröffentlicht am 11.06.2021

Sturmvögel

Sturmvögel
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Emmy wächst auf einer kleinen Insel in der Nordsee auf. Es herrscht Krieg, die Familie lebt in Armut und kommt kaum über die Runden. In ihrer Jugend führt das Schicksal sie schließlich weit weg von ihrer ...

Emmy wächst auf einer kleinen Insel in der Nordsee auf. Es herrscht Krieg, die Familie lebt in Armut und kommt kaum über die Runden. In ihrer Jugend führt das Schicksal sie schließlich weit weg von ihrer Heimat nach Berlin, wo das Leben ganz anders ist als auf der kargen, einsamen Insel. Als Dienstmädchen lernt sie nun eine völlig neue Welt kennen.

Viele Jahre später, Emmy ist 86. Ihr nächster Geburtstag steht kurz bevor, als ihre Kinder, selbst längst mitten im Leben stehend, im Keller eine Entdeckung machen, welche ein kleines Vermögen wert zu sein verspricht. Doch all die Jahre über hat Emmy nie ein Wort darüber verloren - kann es sein, dass sie den kleinen Schatz vergessen hat? Und wie ist sie, das verarmte Mädchen von der Insel, überhaupt dazu gekommen?

Der Roman gliedert sich auf die beiden Zeitstränge auf, abwechselnd liest man von Emmys Vergangenheit und Gegenwart. So vervollständigt sich nach und nach das Bild ihres Lebens.

Emmy ist eine sehr sympathische Protagonistin. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, lässt sich nicht unterkriegen und ihre Handlungen sind stets nachvollziehbar. Sie weiß, wie sie das erreichen kann, was ihr wichtig ist, und so ist sie trotz der vielen Rückschläge in ihrem Leben auch im Alter noch eine starke Persönlichkeit und eine Frau, die sich nichts vormachen lässt. Auch die anderen Figuren, in der Gegenwart insbesondere ihre Kinder, sind alle gut gezeichnet und schön ausgearbeitet. Ihre Beweggründe sind verständlich und ihre Handlungen passen gut zum jeweiligen Charater, sodass ich alle Haupt- und Nebenfiguren schön überzeugend fand.

Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich locker-leicht lesen, ohne dass man dabe jemals das Gefühl hätte, die Geschichte drohe ins Belanglose abzudriften. Die eher kürzeren Kapitel unterstützen ein angenehmes Lesen.

Insgesamt finde ich die Umsetzung sehr gelungen habe das Buch gerne gelesen!

Veröffentlicht am 23.05.2021

Vom Wind und von den Schatten

Jäger der Schatten
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Louise arbeitet in einem Zirkus. Doch nicht als Magierin, Trapezkünstlerin oder andere Artistin - sondern als Dämon. Denn sie hat seit ihrer Geburt eine extrem helle Haut, genauso helle Haare und vor allem ...

Louise arbeitet in einem Zirkus. Doch nicht als Magierin, Trapezkünstlerin oder andere Artistin - sondern als Dämon. Denn sie hat seit ihrer Geburt eine extrem helle Haut, genauso helle Haare und vor allem tiefschwarze Augen, die kaum etwas Menschliches an sich zu haben scheinen. Gemeinsam mit dem Zirkus und den anderen Artisten, die ihr längst zur Familie geworden sind, zieht sie durch die Lande - bis eines Tages der Trapezkünstler Eli entführt wird und nur kurze Zeit später unvermittelt wieder auftaucht, nun jedoch plötzlich ein völlig anderer geworden zu sein scheint.

Auf ihrer Suche nach Antworten kommt Louise nach und nach auch den Geheimnissen ihrer eigenen Herkunft auf die Spur, begibt sich dabei jedoch auch selbst in große Gefahr...

Das Buch ist sehr spannend geschrieben und hat mir schon auf den ersten Seiten gut gefallen. Die Atmosphäre im Zirkus setzt sich zusammen aus dem Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit einerseits, aber auch den Sorgen der verschiedenen Figuren andererseits. Denn obwohl sie alle einzigartige Fähigkeiten und Talente besitzen, ist es vor allem eines, was sie den Menschen vorführen sollen: die eigene Andersartigkeit. Dieser Aspekt geht mir im Laufe des Buches leider etwas zu sehr verloren, dennoch fand ich den Ansatz gut und vor allem auch die Atmosphäre sehr schön und greifbar beschrieben.

Die Protagonistin Louise ist gut ausgearbeitet und die meiste Zeit über auch sehr sympathisch. Sie weiß nahezu nichts über ihre Vergangenheit und die Zeit, bevor sie zum Zirkus kam, und so ist es eine seltsame Hassliebe, die sie mit diesem Ort verbindet - dem einzigen Ort, an dem sie je zuhause war, und zugleich dem Ort, an dem sie sich allabendlich selbst als ein Monster präsentieren muss, das sie nicht ist. Im Gegenteil, die anderen, insbesondere der kleine Maku (der übrigens auch mein Liebling war) und auch Eli, liegen ihr sehr am Herzen.

Die Welt, in der das Buch spielt, konnte ich mir gut vorstellen, da alles genau genug beschrieben, man aber auch nicht mit Informationen überfordert wurde. Es gibt verschiedene Völker, alte, schwelende Auseinandersetzungen zwischen ihnen und einen leichten Hauch Magie, der über allem liegt. Insgesamt eine schöne Welt, die viel Raum für die Handlung bietet.

Die Geschichte selbst entwickelt sich ganz zu Anfang relativ gemächlich, was mir aber gut gefallen hat, da man sich so erstmal schön in die Atmosphäre einfühlen konnte. Danach nimmt sie auch recht schnell an Fahrt auf und es wird spannend. Das Ende ging vielleicht ein kleines bisschen zu schnell, aber das war zu verkraften. Über den Schreibstil lässt sich ebenfalls nur Positives sagen; schön bildhaft, düster und einnehmend, sodass sich das Buch wirklich sehr gut und schnell lesen lässt; ich hatte viel Spaß dabei.

Fazit: Ein spannendes, düster-fesselndes Fantasybuch. Ein bisschen Luft nach oben wäre noch gewesen, deshalb gibt es einen Stern Abzug - aber ich bin gespannt auf mehr von der Autorin!

Veröffentlicht am 17.05.2021

Algernon und Charlie

Blumen für Algernon
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Der 32-lährige Charlie Gordon hat einen IQ von 68 und es dementsprechend nicht immer leicht im Leben. Er arbeitet als Putzhilfe in einer Bäckerei und ist eigentlich ganz zufrieden dort, allerdings hegt ...

Der 32-lährige Charlie Gordon hat einen IQ von 68 und es dementsprechend nicht immer leicht im Leben. Er arbeitet als Putzhilfe in einer Bäckerei und ist eigentlich ganz zufrieden dort, allerdings hegt er seit seiner Kindheit nur diesen einen Wunsch: er möchte intelligent werden. Und so ist er glücklich, als er tatsächlich für ein Experiment ausgewählt wird, das seinen IQ um ein Vielfaches steigern soll. Einziges Problem: Er ist der erste Mensch, bei dem das Verfahren angewandt werden soll, bisher wurde es nur an der weißen Maus Algernon getestet, war dort aber umso erfolgreicher. Doch das Risiko schreckt Chalie nicht ab, und so lässt er sich der Operation unterziehen, die auch tatsächlich glückt. Leider hat sie für Charlie jedoch nicht nur positive Folgen...

Vom Aufbau her erinnert das Buch an ein Tagebuch, denn es besteht aus fast täglichen Notizen von Charlie, die zu Fortschrittsberichten zusammengefasst werden. Diese soll er anfertigen, damit seine Entwicklung detailliert aufgezeichnet und so der Erfolg der Operation bewiesen werden kann. So wird der Fortschritt Charlies auch für den Leser unmittelbar nachvollziehbar, denn zu Beginn des Buches ist der Text nur so gespickt von Grammatik- und Rectschreibfehlern. Erst als Charlie neue Fähigkeiten erwirbt, schlägt sich das auch in seinen Einträgen nieder. Das fand ich tatsächlich sehr gut gemacht und schön authentisch, wenn es auch gerade auf den ersten Seiten das Lesen doch etwas erschwert, bis man sich eingewöhnt hat. Dann jedoch schließt man Charlie schnell ins Herz, kann man aus seinen Worten doch viel herauslesen, gerade in Bezug auf das Verhalten anderer Menschen, was er selbst in diesem Moment gar nicht so begreift - so etwa kann er nicht dazwischen unterscheiden, ob jemand lacht, weil er freundlich ist, oder weil er sich über Charlie lustig macht.

Mit der Operation lernt Charile nach und nach die Feinheiten menschlichen Verhaltens besser verstehen, was ihm eine unglaublich faszinierende neue Welt eröffnet, seine alte dabei aber vollkommen ins Schwanken bringt. Er erinnert sich plötzlich an längst vergessen geglaubte Szenen aus seiner Kindheit und muss begreifen, dass Menschen oft ganz sind, als man glaubt.

Die Entwicklung Charlies ist sehr nachvollziehbar beschrieben und interessant zu beobachten. Die Gedanken, die er sich macht, ebenso. Irgendwo im Mittelteil hat das Buch die ein oder andere Länge, weil ich aber unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht, hat sich auch das gut überstehen lassen.

Fazit: Ein schönes Buch, ernst und berührend, das auch nachdenklich stimmt, und das mit einem interessanten Protagonisten und einem außergewöhnlichen Experiment die Frage danach stellt, was uns Menschen eigentlich ausmacht.

Veröffentlicht am 13.05.2021

Natur und Literatur

Der Atem der Welt
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In dieser Biographie zu Goethe rückt neben der literarischen Tätigkeit des Autors vor allem sein Dasein als Naturforscher in den Fokus. Denn obwohl er wohl hauptächlich für seine Lyrik, den Faust und für ...

In dieser Biographie zu Goethe rückt neben der literarischen Tätigkeit des Autors vor allem sein Dasein als Naturforscher in den Fokus. Denn obwohl er wohl hauptächlich für seine Lyrik, den Faust und für andere Werke bekannt ist, war es vor allem seine bereits in jungen Jahren aufkommende Begeisterung für die Wissenschaft, die Goethe zeichneten. Auch, wenn seine Beobachtungen und Erkenntnise in dieser Hinsicht heute in zum großen Teil als überholt gelten, hat er doch den ein oder anderen Grundstein für spätere Forschungen gelegt.

Goethes Lebensweg wird von der ersten Sekunde an sehr umfassend beschrieben. Es wird auf die diversen Bekanntschaften eingegangen, die er auch zu anderen bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit pflegte, sodass man wie nebenbei auch Vieles über Humboldt, Herder & Co erfährt. Man begleitet den jungen Goethe während seines Studiums und auch auf seinen späteren Reisen.

Dabei sind alle Daten sehr gut recherchiert und belegt und fügen sich auch dank des nie zu trockenen Schreibstils gut ins Gesamtbild ein. Aufgrund der doch nicht ganz unerheblichen Länge des Buches gibt es natürlich auch die ein oder andere Stelle, die sich etwas zieht, aber dafür erhält man bei der Lektüre auch einen schönen Einblick in das Leben und Schaffen Goethes.

Veröffentlicht am 24.04.2021

Liebe auf georgisch

Laudatio auf eine kaukasische Kuh
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Olga ist angehende Ärztin. Ursprünglich stammen sie und ihre Familie aus Georgien, nun leben sie aber bereits seit einigen Jahren in Deutschland, und während Olga sich insgesamt gut eingelebt hat, halten ...

Olga ist angehende Ärztin. Ursprünglich stammen sie und ihre Familie aus Georgien, nun leben sie aber bereits seit einigen Jahren in Deutschland, und während Olga sich insgesamt gut eingelebt hat, halten ihre Eltern in vielen Dingen an den Regeln und Traditionen ihrer alten Heimat fest. So ist es kein Wunder, dass Olga ihnen die Beziehung zu Felix, der mir ihr gemeinsam studiert, verheimlicht. Für sie mag er noch so perfekt sein, ihre Mutter würde eine solche Beziehung niemals gutheißen. Eines Tages lernt Olga den etwas chaotischen Jack kennen, der das genaue Gegenteil von Felix zu sein scheint, und als sie wenig später kurzfristig mit ihrer Familie nach Tiflis reisen muss, folgen ihr beide Männer in die georgische Hauptstadt.

Während Olga mit widerstreitenden Gefühlen zu kämpfen hat und es langsam aber sicher chaotisch um sie wird, erfährt der Leser ganz nebenbei eine Menge über die Kultur und die Einwohner Georgiens. Von sprachlichen Besonderheiten über Weinbau bis zu Hochzeitssitten werden diese Informationen alle gut in die Geschichte miteingebaut und erlauben einen gelungenen und detaillierten Einblick in den kleinen kaukasischen Staat. Dabei kommt natürlich auch die Thematik "Heimat" nicht zu kurz und die Frage danach, wie sehr wir verwurzelt sind im Land unserer Vorfahren.

Der Schreibstil ist durchaus anspruchsvoll, dabei aber unterhaltsam und angenehm und gut zu lesen, sodass es mir nicht weiter schwerfiel, in die Geschichte hineinzufinden. Auch sind die Protagonisten schön ausgearbeitet und Olga war mir sympathisch. Der innere Konflikt, den sie mit sich selbst auszutragen hat, wird schön dargestellt und ihre Entwicklung im Laufe des Buches ist gut nachvollziehbar.

Insgesamt hat mir diese kleine Reise nach Georgien sehr gut gefallen!