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Veröffentlicht am 24.05.2021

Szenen einer Ehe

Tage mit Gatsby
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In den 1920er Jahren sind Zelda und Scott Fitzgerald DAS Glamourpaar in New York. Vor allem Zelda inspiriert mit ihrem Haarschnitt, Tanz und Verhalten Frauen im ganzen Land. Doch dann beschließen die beiden, ...

In den 1920er Jahren sind Zelda und Scott Fitzgerald DAS Glamourpaar in New York. Vor allem Zelda inspiriert mit ihrem Haarschnitt, Tanz und Verhalten Frauen im ganzen Land. Doch dann beschließen die beiden, gemeinsam mit Tochter Scottie nach Europa zu gehen. Scotts schriftstellerischer Erfolg will sich nicht recht einstellen und das Leben soll jenseits des großen Teiches billiger sein. In Frankreich will er endlich seinen revolutionären Roman schreiben – über einen Mann namens „Gatsby“. Doch zwischen Zelda und ihm beginnt es immer mehr zu kriseln.

„Tage mit Gatsby“ wird komplett aus Zeldas Perspektive erzählt. Das führt auf der einen Seite dazu, dass man als Leserin immer ganz nah bei ihr als Charakter bleibt. Auf der anderen Seite stellt sich auch eine gewisse Parteilichkeit ein, denn Scott und sein Verhalten sehen wir stets nur durch Zeldas emotional getrübte Brille. Das führte bei mir dazu, dass ich für sie deutlich mehr Sympathie aufbringen konnte, während Scott mit seinem Alkoholkonsum und seiner Egozentrik zum Gegenspieler wurde.

Der Autorin gelingt es sehr gut, die Konflikte der Ehe herauszuarbeiten. Zelda wünscht sich, ebenfalls als Schriftstellerin Erfolg zu haben; für Scott soll sich ihre Rolle jedoch auf die der Ehefrau und Mutter sowie Zierde an seiner Seite beschränken. So fehlt ihr zunehmend ein Sinn und eine Aufgabe, worunter ihre Psyche stark leidet. Scott hingegen bedient sich schamlos an den Ideen seiner Frau und dem eigenen Leben, um seine Werke zu schaffen. Regelmäßig liest er Zeldas Tagebuch und versieht es sogar mit Anmerkungen. Als seine Ehefrau sich immer weiter von ihm entfernt und die Scheidung fordert, droht die Situation zu eskalieren.

„Tage mit Gatsby“ dokumentiert nicht nur die Entstehung eines großen Romans, sondern auch (und vor allem) das Glück und Leid einer Ehe zweier extremer Menschen. Ein wirklich gelungenes Psychogramm, das außerdem die „Roaring Twenties“ wieder zum Leben erweckt.

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  • Charaktere
  • Cover
  • Geschichte
Veröffentlicht am 21.05.2021

Zaknafein ist zurück

Zeitenlos
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Schon vor einigen Jahrzehnten verlor Drizzt Do‘Urden seinen Vater, den Waffenmeister Zaknafein. Damals opferte er sein eigenes Leben, um seinen Sohn zu schützen. Doch eines Tages taucht er aus dem Nichts ...

Schon vor einigen Jahrzehnten verlor Drizzt Do‘Urden seinen Vater, den Waffenmeister Zaknafein. Damals opferte er sein eigenes Leben, um seinen Sohn zu schützen. Doch eines Tages taucht er aus dem Nichts wieder auf. Drizzt ist sofort misstrauisch , er ist nicht bereit, seinen Vater noch einmal zu verlieren. Dabei käme ihm dessen Hilfe gelegen, denn er und seine Verbündeten sehen sich mit besorgniserregenden Vorkommnissen konfrontiert.

„Zeitenlos“ wird auf zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt: einmal der Vergangenheit im Jahre 1018, in der berichtet wird, wie Zaknafein Simfray Mitglied des Hauses Do‘Urden wird und seinen langjährigen Freund, den Söldner Jarlaxle kennenlernt. Und in der Gegenwart im Jahre 1488, in der Drizzt sich mit seiner Frau Catti-brie in Luskan niedergelassen hat und Verbündete der unterschiedlichsten Völker um sich geschart hat. Dabei werden die beiden Welten sehr gut kontrastiert. Im düsteren, unter der Erde liegenden Menzoberranzan der Drow, also der Dunkelelfen, sind Männer nicht mehr als bloße Sklaven der herrschenden Frauen. In der schillernden, vielfältigen Welt oberhalb leben Elfen, Menschen, Zwerge, Halblinge und andere Völker in Freiheit.

Die Figur des Zaknafein gehörte definitiv zu den faszinierendsten Charakteren in den ersten Bänden der „Forgotten Realms“-Reihe. Er trainierte Drizzt, war ihm ein Freund in einer Umgebung, in der Zuneigung unerwünscht ist und gab ihm den Mut, Menzoberranzan zu verlassen. Umso schöner ist es, dass Vater und Sohn in der Gegenwart eine neue Chance erhalten. Das gestaltet sich jedoch nicht unbedingt einfach, denn für Zaknafein ist seit seinem Tod nur ein Wimpernschlag vergangen. Mit den Veränderungen um ihn herum tut er sich schwer, vor allem mit der Tatsache, dass sein Sohn mit einer „niederen“ Menschenfrau zusammenlebt.

Da „Zeitenlos“ der erste Band einer neuen Trilogie ist, bleibt in der Handlung am Ende vieles offen. R.A. Salvatore beweist jedoch erneut, dass er auch nach fast 30 Jahren mit Drizzt Do‘Urden nichts verlernt hat. Eine grandiose Fortsetzung für Fans, der Quereinstieg dürfte aufgrund der Menge an Charakteren und Vorgeschichte schwer fallen.

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Veröffentlicht am 09.05.2021

Ein bedeutsames Thema

Das Patriarchat der Dinge
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Lange Schlangen vor den Damentoiletten und fehlende Taschen an Frauenmode – das sind nur zwei Themen, die Rebekka Endler in ihrem Sachbuch „Das Patriarchat der Dinge“ anspricht. Vor einigen Monaten hatte ...

Lange Schlangen vor den Damentoiletten und fehlende Taschen an Frauenmode – das sind nur zwei Themen, die Rebekka Endler in ihrem Sachbuch „Das Patriarchat der Dinge“ anspricht. Vor einigen Monaten hatte ich schon „Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado-Perez gelesen, in welchem sie sich mit der so genannten Gender Data Gap befasst. Rebekka Endler zeigt uns jetzt sehr anschaulich, wie genau diese fehlenden Daten über weibliche Körper und Lebensrealitäten, sich ganz konkret im täglichen Leben auswirken.

Ihre Sprache ist gut verständlich und verdeutlicht durch Beispiele, wo es im ach so gleichberechtigten Deutschland (und auf der ganzen Welt) noch „Verbesserungsbedarf“ gibt. Dabei macht sie etwas richtig, was Criado-Perez leider versäumt hat: Ihre Sprache ist inklusiv, sie schreibt konsequent gendergerecht und übergeht vor allem marginalisierte Gruppen nicht. Denn wo weiße Frauen schon zu kämpfen haben, ist die Situation für trans und nicht-binäre Menschen oder People of Colour noch viel schwieriger.

In insgesamt neun Kapiteln bewegt sie sich durch eine Vielzahl von gesellschaftlichen Bereichen. Von öffentlichen Toiletten, die durch ihre Gestaltung und Verfügbarkeit eindeutig an männliche Bedürfnisse angepasst sind. Über Firmen, die glauben, man brauche ein „Männerprodukt“ nur etwas verkleinern und pink anzumalen und schon spreche es eine weibliche Zielgruppe an. Oder der Modebranche, die gefühlt alle Outfitkomponenten eines Mannes mit Taschen versorgt, während Frauen ihre Wertsachen anderswo verstauen oder mit Taschen an den unpassendsten Stellen leben müssen.

Was für einige sicherlich nur nach Ärgernissen klingt, wird im medizinischen Bereich im wörtlichen Sinne lebensbedrohlich. Viele Krankheiten drücken sich bei Frauen in anderen Symptomen aus, weshalb beispielsweise Schlaganfälle viel später erkannt werden, als bei Männern. Und auch hier weitet Rebekka Endler das Thema wieder aus: Hautveränderungen sind bisher nur an weißen Personen beschrieben, so dass People of Colour oft falsch behandelt werden.

Ein Buch, das vieles aufdeckt und wütend macht, aber auch vor Augen führt, dass sich hier endlich etwas ändern muss.

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Veröffentlicht am 08.05.2021

4 Senioren und ein Mordfall

Der Donnerstagsmordclub (Die Mordclub-Serie 1)
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Coopers Chase ist eine luxuriöse Seniorenresidenz in der Grafschaft Kent. Dort trifft sich jeden Donnerstag im Puzzlezimmer der „Donnerstagsmordclub“, um sich alten, ungelösten Fällen zu widmen. Gerade ...

Coopers Chase ist eine luxuriöse Seniorenresidenz in der Grafschaft Kent. Dort trifft sich jeden Donnerstag im Puzzlezimmer der „Donnerstagsmordclub“, um sich alten, ungelösten Fällen zu widmen. Gerade als das neueste Mitglied, die fast achtzigjährige Joyce, rekrutiert wurde, wird der zwielichtige Tony in seinem Haus ermordet. Das ist DIE Chance für die Clubmitglieder, endlich in einem echten Mordfall herumzuschnüffeln, doch da haben auch die Ermittler Chris und Donna noch ein Wörtchen mitzureden.

„Der Donnerstagsmordclub“ wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und das recht raffiniert. Auf der einen Seite bekommen wir Joyces Tagebuch zu lesen und so einen Einblick in ihr Innerstes. Auf der anderen Seiten beobachtet eine auktoriale Erzählstimme das restliche Geschehen, so dass wir auch nichts verpassen. Die Sprache ist dabei unterhaltsam und hat einen humoristischen Unterton. Vor allem Joyce schildert die Ereignisse oft mit einer gewissen (Selbst-)Ironie und wendet sich immer wieder direkt an die Leser*innen.

Den Kern der Handlung macht jedoch das Zusammenspiel der vier Hauptfiguren aus. Obwohl sie charakterlich ganz unterschiedlich sind, ergänzen sie sich doch perfekt. Ex-Gewerkschaftler Ron ist laut und unbequem, der ehemalige Psychiater Ibrahim bleibt stets ruhig und ist für die Analysen zuständig. Elizabeth war früher Geheimagentin und nutzt ihr Wissen und ihre Kontakte aus früheren Zeiten, während Joyce als ehemalige Krankenschwester medizinisches Wissen beisteuert. Im Verlauf der Geschichte entwickeln sich die vier zu echten Freunden, aber auch Polizistin Donna und ihr Vorgesetzter Chris sind sympathische Charaktere mit echten Stärken und Schwächen.

Der Kriminalfall an sich ist nicht super komplex und das Personal übersichtlich. Dennoch gibt es zahlreiche Wendungen und Überraschungsmomente, die ich nicht vorhersehen konnte. Und trotz der Tatsache, dass es sich um einen Krimi handelt, musste ich immer wieder still in mich hinein lächeln und manchmal auch laut auflachen. Im Englischen wird im September ein zweiter Fall dieses zauberhaften Quartetts erscheinen und ich hoffe, dass wir ebenfalls die Übersetzung lesen dürfen.

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Veröffentlicht am 28.04.2021

Wohlfühlbuch voller Hoffnung

Das Geschenk eines Regentages
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An einem verregneten Frühlingstag findet die Büroangestellte Miyu einen kleinen weißen Kater in einem Pappkarton. Sie nimmt ihn bei sich auf und gibt ihm den Namen Chobi. Bald darauf beginnt Chobi durch ...

An einem verregneten Frühlingstag findet die Büroangestellte Miyu einen kleinen weißen Kater in einem Pappkarton. Sie nimmt ihn bei sich auf und gibt ihm den Namen Chobi. Bald darauf beginnt Chobi durch die Nachbarschaft zu streuen und trifft dort auf andere Katzen sowie den alten, gutmütigen Hund John. Sie alle bilden zusammen eine eigene Gemeinschaft und beeinflussen das Leben ihrer Menschen auf ganz unterschiedliche Weise.

Makoto Shinkai begann seine Karriere mit der Entwicklung von Computerspielen und gilt heute als einer der größten Animekünstler überhaupt. Bekannt wurde er vor allem durch seinen 2016 erschienenen Film „Your Name“ und spätestens seit diesem Zeitpunkt wird er als der „neue Miyazaki“ gehandelt. Gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Drehbuchautor Naruki Nagakawa hat er nun seinen ersten Roman veröffentlicht. Der basiert, wie sollte es auch anders sein, ursprünglich auf einem Kurzfilm der beiden namens „She and her Cat“.

Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von vier Frauen sowie deren vier Katzen bzw. Hund John erzählt. Dabei leben alle Charaktere in derselben Nachbarschaft; ihr Schicksal ist so miteinander verwoben. Neben Chobi und Miyu sind da noch die Malerin Reina und ihre Katze Mimi, Mimis Tochter Cookie und die Mangaka Aoi sowie die ältere Dame Shino, die erst Hund John und dann dem streunenden Kater Kuro ein Zuhause schenkt. Die Sprache ist dabei von zarter Poesie und wirkt beinahe märchenhaft. Die Autoren verstehen sich definitiv darauf, die Szenen im Kopf ihrer Leser zum Leben zu erwecken.

Alle Frauen stehen zu Beginn des Romans an einem Scheidepunkt in ihrem Leben und werden von den unterschiedlichsten Dämonen heimgesucht. Gescheiterte Freundschaften und Liebesbeziehungen sind ebenso Thema, wie Schaffenskrisen und Überforderung im Berufsleben, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Pflege von Angehörigen oder Schuldgefühle. An der Aufarbeitung und Lösung der Probleme haben oft die Katzen einen Anteil und durch die philosophisch angehauchten Ratschläge des Hundes John ist alles manchmal ein wenig kitschig – dennoch ist „Das Geschenk eines Regentages“ ein absolutes Wohlfühlbuch voller Hoffnung.

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