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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.09.2021

Wohlfühlgeschichte ohne Überraschungen

Das geheime Leben des Albert Entwistle
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Albert Entwistle, ein 64jähriger Postbote, der sehr zurückgezogen lebt und dem die Routinen des Alltags heilig sind, erhält selbst Post: Die Mitteilung, dass er in drei Monaten in Rente gehen darf. Das ...

Albert Entwistle, ein 64jähriger Postbote, der sehr zurückgezogen lebt und dem die Routinen des Alltags heilig sind, erhält selbst Post: Die Mitteilung, dass er in drei Monaten in Rente gehen darf. Das stimmt ihn allerdings alles andere als freudig und wirft ihn tatsächlich komplett aus der Bahn. Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, was er im Ruhestand mit seinem Leben anfängt, werden mehr und mehr Erinnerungen an seine Jugendliebe, George, und deren jähes Ende wach.
Matt Cain hat hier eine Wohlfühlgeschichte geschrieben, die einem einige unterhaltsame Lesestunden beschert. Albert ist ein unheimlich sympathischer Protagonist und es gab etliche Szenen, die ich mir direkt filmisch ausgemalt habe. Insbesondere seine Bemühungen bzw. Schwierigkeiten mit den lieben Kollegen haben bei mir für einige Lacher gesorgt. Auch konnte man gar nicht anders, als mit dem liebenswerten Albert auf der Suche nach George mitzufiebern.
Alberts Entwicklung in der Zeit bis zu seinem Ruhestand ist beinahe eine Kehrtwende von seinem vorherigen Leben als zurückgezogener „Einsiedler“. Zwar empfand ich es schon als aufwühlend, Alberts Gedanken bzw. seinen inneren Zwiespalt zu verfolgen, aber hier hätte ich mir doch ein klein wenig mehr Drama oder zumindest ein paar überraschende Wendungen gewünscht. Auch sprachlich war für mich noch etwas Luft nach oben: Manche Dialoge wirkten etwas hölzern, was mich gelegentlich vom Inhalt abgelenkt hat.
Ich finde, dass man aus dieser tollen Grundidee noch mehr hätte herausholen können. Insgesamt funktioniert das Buch aber als Wohlfühlgeschichte wunderbar. Wer genau das sucht, wird hier bestens unterhalten.

Veröffentlicht am 24.08.2021

Geniale Idee, spannende Entwicklung, aber (für mich) unnahbare Protagonisten

I get a bird
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Jana und Johan haben sich nie getroffen und doch kommt durch einige Zufälle ein Briefwechsel zustande, der zunächst kühl und zögerlich beginnt, aber mit der Zeit tiefe Einblicke in die Gedanken der Protagonisten ...

Jana und Johan haben sich nie getroffen und doch kommt durch einige Zufälle ein Briefwechsel zustande, der zunächst kühl und zögerlich beginnt, aber mit der Zeit tiefe Einblicke in die Gedanken der Protagonisten liefert.
Die Idee, dass zwei Autoren lediglich einen Ausgangspunkt abstimmen und dann unabhängig voneinander eine Geschichte abwechselnd weiterspinnen, noch dazu als Briefroman, hat mich schlichtweg begeistert. Die Entwicklung im Buch finde ich auch richtig toll – wie sich der Briefwechsel intensiviert und die Geschichten der beiden ineinander verflechten, das ist spannend und ein kleines Meisterwerk.
Allerdings bin ich mit beiden Protagonisten, die hier ja auf jeden Fall Dreh- und Angelpunkt der Geschichte sind, einfach nicht warm geworden. Insbesondere Johan war mir einfach zu viel, zu extrem. Vielleicht hatte ich hier aber auch einfach falsche Erwartungen an das Buch bzw. die Figuren.
Es ist auf jeden Fall keine leichte Lektüre und fordert dem Leser, trotz der wenigen Seiten, einiges ab. Jemandem, der genau das sucht, würde ich das Buch (mit der vorstehenden Einschränkung) dann doch empfehlen.

Veröffentlicht am 19.07.2021

Ferien mit finnischen Piraten und singenden Hähnen

Flora Salmanteri und die Mini-Piraten Band 1
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Als Lilli und Mikko die Nachbarin ihres Onkels, Flora Salmanteri, kennenlernen, wird der unangenehme Ferienaufenthalt schon bald zu einem außergewöhnlichen Abenteuer – nicht zuletzt aufgrund der aufregenden ...

Als Lilli und Mikko die Nachbarin ihres Onkels, Flora Salmanteri, kennenlernen, wird der unangenehme Ferienaufenthalt schon bald zu einem außergewöhnlichen Abenteuer – nicht zuletzt aufgrund der aufregenden Vergangenheit der liebenswürdigen alten Dame und ihrer Freunde.
Es gibt nicht allzu viele Kinderbücher, die die kleinen Leser bzw. Zuhörer nach Finnland entführen, daher fand ich es ganz toll, dass man bei dieser Geschichte einen Ausflug in dieses ja gar nicht allzu ferne Land macht. Abgesehen von den für unsere Ohren sehr originell klingenden Namen, dürften die Figuren aber nicht sehr repräsentativ für die Finnen sein – dafür waren es dann doch etwas zu schräge Charaktere, die aber (bis auf wenige Ausnahmen) allesamt recht sympathisch waren. Ein Highlight war auf jeden Fall Pedro, der Hahn in der schwarzen Lederjacke, der eine wirklich witzige Idee ist.
Die Illustrationen im Buch fand ich außergewöhnlich und erfrischend anders. Sie haben die Geschichte auf jeden Fall bereichert.
So sehr ich die besondere Geschichte und die eigenen Charaktere mochte, war ich doch etwas enttäuscht, was die beiden Hauptfiguren, Lilli und Mikko, angeht: Diese waren für mein Empfinden recht „blass“ gezeichnet und verschwanden – angesichts der aufregenden Ereignisse – geradezu im Hintergrund, so dass man nur schwer einen Bezug herstellen konnte. Thematisch und sprachlich fand ich das Buch an einigen Stellen für die angedachte Altersgruppe etwas schwer verständlich.
Wer eine außergewöhnliche und aufregende Geschichte sucht, wird hier auf jeden Fall fündig.

Veröffentlicht am 10.05.2021

Eine schöne Idee, durchwachsene Umsetzung

Das Faultier bewegt sich wie Opa
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Die Idee ist ein schöne, wie ich finde: Es gibt fast nichts Lustigeres als die Sprüche, die kleine (und größere) Kinder so von sich geben. In diesem Buch hat man fleißig gesammelt und die besten Kindersprüche ...

Die Idee ist ein schöne, wie ich finde: Es gibt fast nichts Lustigeres als die Sprüche, die kleine (und größere) Kinder so von sich geben. In diesem Buch hat man fleißig gesammelt und die besten Kindersprüche in thematisch sortierten Kapiteln zusammengestellt. Dazwischen gibt es mal längere und mal kürzere Überleitungen der Autorinnen sowie sogenannte „Extras“, die in farblich abgesetzten Boxen eingefügt sind und ein wenig zusätzliches Wissen vermitteln möchten.
Ich hatte mich auf eine leichte Lektüre für zwischendurch gefreut, muss aber leider sagen, dass ich dabei keine Tränen mehr gelacht habe, wie das noch bei der Leseprobe der Fall gewesen war. Tatsächlich sind immer wieder wirklich witzige Sprüche dabei, aber ich vermute, die Menge führt dazu, dass sie nach und nach nicht mehr ganz so lustig sind. Irgendwie leben diese Kindersprüche doch von der Situation, in der sie ausgesprochen werden.
Die Überleitungen und Extras haben mir leider bald nicht mehr gefallen: Ich habe sie teilweise als erzwungen lustig empfunden und ich fand es etwas verwirrend, weil die Tipps in den Extras zwischen ernstgemeint und überspitzt schwankten. Die thematische Aufteilung fand ich hingegen recht gelungen.

Veröffentlicht am 22.01.2021

Das Leben aus Sicht der Queen

Das Windsor-Komplott
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Die Queen residiert gerade im Schloss Windsor, als dort eines Morgens ein russischer junger Mann in misslicher Lage tot aufgefunden wird. Der MI5 nimmt sich der Sache sofort an und mutmaßt übereifrig ein ...

Die Queen residiert gerade im Schloss Windsor, als dort eines Morgens ein russischer junger Mann in misslicher Lage tot aufgefunden wird. Der MI5 nimmt sich der Sache sofort an und mutmaßt übereifrig ein russisches Komplott. Die Queen ist da allerdings anderer Meinung und macht sich mithilfe ihrer Privatsekretärin Rozie auf die Suche nach den wahren Hintergründen.

Die Geschichte um den Mord an dem russischen jungen Mann liest sich gut weg, ist auf jeden Fall unterhaltsam und sämtliche Fäden werden am Ende geschickt zusammengeführt. Furchtbar spannend fand ich es aber nun nicht. Dazu war mir die Queen meistens doch einen Tick zu entspannt und an diversen Stellen haben die offiziellen Aufgaben ihrer Majestät natürlich Vorrang vor den geheimen Ermittlungen. Am besten haben mir noch die Passagen aus Rozies Perspektive gefallen – vielleicht lag das aber auch daran, dass sie noch ganz frisch im Dienst der Queen ist und man es als Außenstehender etwas leichter hat, sich in ihre Situation hineinzuversetzen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass man als Fan der Queen bzw. allgemein von Königshäusern hier voll und ganz auf seine Kosten kommt - es gibt ausführliche Einblicke in ihren Alltag und das Leben am Hof. Für mich war es etwas merkwürdig, eine fiktive Geschichte mit realen Personen zu lesen, denen diverse Gedanken und Gespräche in den Mund gelegt werden – aber das ist sicherlich Geschmackssache.