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Veröffentlicht am 19.05.2021

Gottes Wort in Neuguinea

Dein ist das Reich
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"Dein ist das Reich" von Katharina Döbler ist eine Familiengeschichte, die sich über mehrere Generationen erstreckt. Die Autorin verarbeitet hier die Geschichte ihrer Großeltern, die viele Jahre in einer ...

"Dein ist das Reich" von Katharina Döbler ist eine Familiengeschichte, die sich über mehrere Generationen erstreckt. Die Autorin verarbeitet hier die Geschichte ihrer Großeltern, die viele Jahre in einer deutschen Kolonie in Neuguinea verbrachten. Die Zeitspanne umfasst beide Weltkriege.
Das Buch muss sehr aufmerksam gelesen werden, da hier verschiedene Erzählstränge von den Familien Reinhardt und Mohr ausgearbeitet werden und auch von verschiedenen Zeiten berichtet wird. "Es dauerte lange, bis ich den Archipel der Geschichten im Meer des familiären Schweigens zu erforschen begann."
Die Autorin berichtet hier anhand von Fotos, die sie genau beschreibt, von Tagebüchern, erzählten Überlieferungen und eigenen Recherchen. Am Anfang steht ein Stammbaum, der zur Erfassung der Geschichte sehr hilfreich ist und auf den Buchdeckeln sind innen auch Karten der Kolonialreiche abgebildet. Viele Jahre Geschichte und auch Missionstätigkeit werden hier sehr lebendig und anschaulich geschildert.
Dadurch, dass die Enkelin aus heutiger Zeit erzählt und durchaus eine kritische Sicht auf die Dinge hat, entsteht hier ein ganz besonderer Erzählstil, dem sich aber durchaus gut folgen lässt. Die sachliche Herangehensweise macht auch sehr emotionale und tragische Erlebnisse ertragbarer.
Vieles aus dieser Zeit der Kolonialisierung und auch der Missionare und den Hintergründen der Menschen, die so fern ihrer Heimat ihre Lebenspflicht sahen, ist mir hier erst verständlich geworden.
Ein Buch, für das man sich Zeit und Ruhe nehmen muss, damit es funktioniert, mir hat es sehr gefallen.

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Veröffentlicht am 15.05.2021

Persönlich und informativ

Die Welt ist noch zu retten
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"Die Welt ist noch zu retten" von Carina Wohlleben ist eine Art Ratgeber, ein Sachbuch über ein besseres Verhältnis zur Umwelt, zur Natur und damit auch zu uns selbst.
Die Autorin erzählt hier sehr persönliche ...

"Die Welt ist noch zu retten" von Carina Wohlleben ist eine Art Ratgeber, ein Sachbuch über ein besseres Verhältnis zur Umwelt, zur Natur und damit auch zu uns selbst.
Die Autorin erzählt hier sehr persönliche Dinge, beispielsweise wie sie durch eine Reportage selbst zur Veganerin wurde und belegt dann auch mit gut recherchierten Beispielen das Tierleid und alle Konsequenzen für uns selber und auch unser Klima.
Die Themenbreite ist in diesem Buch aber noch viel weitreichender, es wird über die industrielle Landwirtschaft, schädliche Forstwirtschaft, wachsende Weltbevölkerung und noch vieles mehr geschrieben. Ganz viele Denkanstöße gibt es auch zu Themen, die ich gar nicht für so problembehaftet hielt. Es ist ein gutes Buch um Einsteigern in diese Themen die Augen zu öffnen. Für Leser, die hier schon mehr wissen, gehen hier die Informationen nicht genug in die Tiefe.
Besonders gefallen haben mir hier im Buch die persönlichen Erfahrungen und Einblicke der Autorin, so erzählt sie von Ausflügen mit der Familie, der Bindung an ihre Lieblingsziege, den Erfahrungen in der Waldakademie.
Abschließend gibt es viele Hinweise, wie jeder selbst aktiv werden kann, um unserer Welt wieder ein wenig mehr Zuversicht auf eine lebenswerte Zukunft zu geben. Jeder Mensch ist wichtig dabei, mit jedem Schritt in die richtige Richtung, auch mit ganz kleinen.

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Veröffentlicht am 14.05.2021

Abgefahrener schwarzer Humor

Tot bist du noch lange nicht, sag mir erst wie alt du bist.
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"Tot bist du noch lange nicht, sag mir erst wie alt du bist" von Klaus Märkert und Myk Jung ist eine herrliche Sammlung von Kurzgeschichten. Was wie ein Abzählreim aus meiner Kindheit betitelt ist, hat ...

"Tot bist du noch lange nicht, sag mir erst wie alt du bist" von Klaus Märkert und Myk Jung ist eine herrliche Sammlung von Kurzgeschichten. Was wie ein Abzählreim aus meiner Kindheit betitelt ist, hat mir hier so einige Stunden diebischen Spaß beschert.
Die Geschichten ziehen sich querbeet durchs Leben und bieten ein buntes Sammelsurium an Humorigem, Sarkastischem und teilweise Skurrilem. Die Qualität schwankt dabei stark zwischen den einzelnen Erzählungen, wobei sie mich wirklich (fast) alle zum schmunzeln gebracht oder zum nachdenken angeregt haben.
Es ist kein Buch so zum hinunterschlingen und weglesen, aber in einzelne delikate Häppchen eingeteilt, kann es echt den Lesealltag bereichern und bunte Abwechslung bieten. Mir hat der schwarze Humor der Autoren sehr gut gefallen und ich werde so einige der Geschichte erneut lesen und über manchen Unsinn im Leben nachdenken.

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Veröffentlicht am 13.05.2021

Gefühle in Versform

Lichtverschmutzungen
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"Lichtverschmutzungen" von Felix Dittrich ist ein kleiner, feiner Gedichtband. Untergliedert ist das Büchlein in drei Abschnitte. Es beginnt mit dem Thema Liebe, geht über aktuelle Themen, auch politische ...

"Lichtverschmutzungen" von Felix Dittrich ist ein kleiner, feiner Gedichtband. Untergliedert ist das Büchlein in drei Abschnitte. Es beginnt mit dem Thema Liebe, geht über aktuelle Themen, auch politische in die Traumwelt über.
Die Gedichte spiegeln jeweils sehr gut Emotionen, wie Sehnsucht, Trauer, Gekränktsein oder Hoffnung wider.
Der Sprachstil ist hier sehr gekonnt und es macht sehr viel Freude, diese Gedichte immer wieder zu lesen. Bei jedem lesen entdecke ich wieder neues oder interpretiere anders. Über viele Sachen lohnt sich das intensivere Nachdenken. Der Autor versteht es mit seinen Versen Bilder in meinem Kopf zu zeichnen. Ein Büchlein, dass ich ganz sicher immer mal wieder zur Hand nehmen werde.

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Veröffentlicht am 10.05.2021

Für das Miteinander

Drei Kameradinnen
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"Drei Kameradinnen" von Shida Bazyar ist ein Buch, über das ich ganz sicher noch eine Weile nachdenken werde.
Erzählt wird hier die Geschichte von drei jungen Frauen, Kasih, Saya und Hani, die seit Kindertagen ...

"Drei Kameradinnen" von Shida Bazyar ist ein Buch, über das ich ganz sicher noch eine Weile nachdenken werde.
Erzählt wird hier die Geschichte von drei jungen Frauen, Kasih, Saya und Hani, die seit Kindertagen befreundet sind, die das Leben jetzt aber räumlich etwas verteilt hat. Jetzt treffen sich die drei für einige Tage und wir dürfen daran teilhaben. Gleichzeitig besteht die Geschichte aus Rückblicken, subjektiv erzählt von Kasih. Ganz langsam nähern sich dann die verschiedenen Erzählstränge aneinander an und man hat fast Angst vor der Auflösung, dem Hochkochen von Emotionen und Aggressionen.
Das Buch hat einen angenehmen Wortwitz und durchaus spannenden Erzählstil, liest sich trotzdem sehr anstrengend, weil hier viele wichtige und aktuelle Themen verpackt sind. Auch ist die Erzählung aus Kasihs Sicht teilweise sehr einseitig und echt gewöhnungsbedürftig. Als Leser wird man hier voll mit einbezogen, sich Gedanken zu machen, wo Alltagsrassismus anfängt und wo er aufhört, wo man sich selber beobachten und reflektieren muss. Das geschieht hier auch durchaus mal auf die harte Tour. Jede der drei Frauen geht anders um mit den Voreingenommenheiten, der Hetze, dem Rassismus in ihrem Alltag und auch die drei sind dabei nicht ohne Vorurteile.
In meinen Augen ein sehr wichtiges Buch, anstrengend zu lesen, aber lohnenswert auf jeden Fall.

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