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Veröffentlicht am 01.07.2021

Allein joggen?

Die Karte
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Als Lennart Wolff beim Müllrausbringen noch einen tiefen Blick auf die erleuchteten Panoramascheiben des Nachbarhauses, dem Haus der Lesben, werfen will, entdeckt er einen Spanner. Der Spanner könnte auch ...

Als Lennart Wolff beim Müllrausbringen noch einen tiefen Blick auf die erleuchteten Panoramascheiben des Nachbarhauses, dem Haus der Lesben, werfen will, entdeckt er einen Spanner. Der Spanner könnte auch ein Einbrecher sein, der die Gegend auskundschaftet. Er will ihn auf jeden Fall verfolgen und stellen. Aber der Verfolgte wehrt sich und sticht Lennart mit einem Messer ins Auge. Nach Versorgung des Opfers und Tatortsicherung gelingt es dem Täter trotzdem seinen Plan weiterzuverfolgen. Er lauert seinem ersten Opfer auf, stranguliert sie mit einem Hundehalsband und filmt mit ihrem eigenen Handy ihren Todeskampf.

Eine aufreibende Jagd, die Jens Kerner an seine Grenzen bringt, beginnt.



Ein spannender Thriller, der die Gefahren der Lauf-Aufzeichnung mittels Fitness-Tracker mit anschließendem Posten im öffentlichen Netz aufzeigt.
Das ist sicher nicht die Intension dieses Thrillers, aber ich denke, die Joggerinnen und Jogger sollten sich bewusst machen, welche Informationen sie ins anonyme Netz geben.

Andreas Winkelmann hat in nahezu gewohnter Manier eine spannende, verzwickte und Gänsehaut produzierende Geschichte geschrieben.

Das ist bereits der vierte Fall von „Kerner und Oswald“ und obwohl ich erst einen „Der Fahrer“ vorher gelesen hatte, sind mir die beiden Ermittler ans Herz gewachsen.
Die Mischung beziehungsweise die Gegensätze machen ein ideales Team aus ihnen. Der impulsive Jens Kerner, der zwei gescheiterte Ehen hinter sich hat und einen guten Freund verliert, ist immer kurz davor, die Beherrschung zu verlieren und droht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Becca Oswald dagegen bewahrt Ruhe, ist analytisch und greift helfend ein, wenn Jens droht unterzugehen. Das die Beiden privat nun auch noch ein Paar werden, freut mich sehr. Insofern warte ich sehnlichst auf den nächsten Fall.

Dieser Fall war spannend, teilweise atemberaubend, aber es war mir in einigen Situationen „too much“, zu viele Leichen und zu viele Klischees.

Auch dem Herrn Winkelmann sollte klar sein, dass nicht alle Lesben Männerhasser sind. Genauso klar dürfte sein, dass nicht alle Männerhasser zwangsläufig Lesben sein müssen.
Das fand ich etwas übertrieben.

Von diesen Klischees abgesehen, waren die vielen Handlungsstränge zum Verzweifeln, was ich nicht negativ bewerten möchte. Ich hatte allerdings zwischenzeitlich die Befürchtung, dass der Autor das nie wieder zusammenbringen kann, um auch noch eine nachvollziehbare Lösung zu präsentieren. Das ist ihm allerdings gelungen.

Dass wir Leser immer wieder Einblick in die Gedanken des Täters hatten, war abwechslungsreich und stärkte die Aufmerksamkeit, weil man hoffte, so einen Hinweis zu erhaschen.

Das Ende war nachvollziehbar und noch mal richtig nervenaufreibend, aber die beiden nachfolgenden Unterkapitel haben mich wieder etwas runterkommen lassen.

Ich freue mich auf Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 11.06.2021

Tragische Entscheidungen

Nordwestzorn
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Anna Wagner kehrt zurück nach SPO St. Peter-Ording um die Leitung der neugegründeten Vermisstenstelle zu übernehmen. Sie stürzt sich gleich auf einen Cold Case-Fall, der Fall eines vermissten Jungen, Florian, ...

Anna Wagner kehrt zurück nach SPO St. Peter-Ording um die Leitung der neugegründeten Vermisstenstelle zu übernehmen. Sie stürzt sich gleich auf einen Cold Case-Fall, der Fall eines vermissten Jungen, Florian, der vor 16 Jahren spurlos verschwand.
Sie kann sich auf die Hilfe von Hendrik Norberg, dem Dienststellenleiter, stützen, erfährt aber von den damals ermittelnden Beamten nur Ablehnung.
Das stachelt ihre Neugier und neutrale Ermittlungsbereitschaft an.


Svea Jensen hat eine richtig spannende und unterhaltsame Fortsetzung ihrer Nordwest-Reihe vorgelegt. Das erste Buch dieser Reihe habe ich leider nicht gelesen, hatte aber überhaupt keine Schwierigkeiten in die Geschichte zu kommen.
Frau Jensen gewährt uns Leser tiefe Einblicke in die Polizeiarbeit und in angenehmer Weise auch in das Privatleben der Ermittler. Auch lernen wir die ungemütlichen Typen im Polizeiapparat kennen, die Karrieristen und Typen, die Probleme mit sexistischen Verhalten haben, also Typen, wie es sie in jeder Firma gibt. Bei der Polizei ist es allerdings schwerwiegender.

Die drei Kollegen in SPO werden sehr gut beleuchtet, sodass ihre Arbeitsweise sich aus ihren einzelnen Charakteren ergibt und nachvollziehbar wird.

Ich sehe in diesem Buch einen soliden Krimi. Der Spannungsbogen zieht sich in einem großen Bogen bis zum Ende, was logisch und nachvollziehbar ist. Was nicht heißt, dass ich die Lösung so erwartet hätte. Die Zusammenarbeit der Kollegen in SPO sowie die private Hintergrundgeschichte steigern die Vorfreude auf weitere Folgen dieser Reihe.

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Veröffentlicht am 05.06.2021

Unfassbar.....gut!

Das Geheimnis von Zimmer 622
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Während seines neuen Buchprojekts über seinen verstorbenen Verlegers Bernard de Fallois verbringt der Schriftsteller einige Tage in den Bergen im Hotel Palace. Mit der jungen Scarlett Leonas stöbert er ...

Während seines neuen Buchprojekts über seinen verstorbenen Verlegers Bernard de Fallois verbringt der Schriftsteller einige Tage in den Bergen im Hotel Palace. Mit der jungen Scarlett Leonas stöbert er einen alten Mordfall, der sich in diesem Hotel in Zimmer 622 ereignete, auf. Bis heute, ca. 15 Jahre nach dem Mord, wurden weder die Umstände, die zu diesem Mord führten, noch der Täter ermittelt worden.
Neugier und Abenteuerlust treiben die Beiden in ein Verwirrspiel von Sehnsüchten, Liebe, Eifersucht und Machtspielen.



Ich musste tatsächlich das Buch erst einige Zeit auf mich wirken lassen, um nach den Pünktchen aus voller Überzeugung „gut“ zu schreiben. Während des Lesens entfuhren mir einige Stoßseufzer bei den vielen Umbrüchen, Abbrüchen und stetigen Rückrückblenden. Man musste schon sehr konzentriert Lesen, um immer an der richtigen Stelle des Geschehens zu sein.

So viele Täuschungsmanöver, immer wieder war ich perplex, welche Wendungen nun wieder die Geschichte nimmt. Manchmal hatte ich die Vorstellung wie Joel Dicker beim Schreiben vor sich hin schmunzelt im Bewusstsein, den Leser wieder einmal vergnatzt zu haben.

Wenn ich die Geschichte Revue passieren lasse, interessiert mich eigentlich weniger, ob sie realistisch und nachvollziehbar ist. Sie ist einfach unheimlich unterhaltsam mit vielen Überraschungen erzählt.

Und das ist richtig gut.

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Veröffentlicht am 15.05.2021

Solider Krimi

Die Toten auf Helgoland
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Erweiterter Suizid oder Beziehungstat auf Helgoland?

Da es sich bei einem der Toten um einen ehemaligen verdeckten Ermittler des LKA handelt, wird die Inselkommissarin Lena Lorenzen mit dem Fall betraut. ...

Erweiterter Suizid oder Beziehungstat auf Helgoland?

Da es sich bei einem der Toten um einen ehemaligen verdeckten Ermittler des LKA handelt, wird die Inselkommissarin Lena Lorenzen mit dem Fall betraut.

Aufgrund psychischer Probleme des ehemaligen V-Manns gehen die Verantwortlichen von Suizid aus, aber Lena und ihre Kollegen ermitteln unvoreingenommen in alle Richtungen und geraten in unversehens Lebensgefahr.



In bewährter Manier liefert Anna Johannsen ihren Insel-Krimi. Es ist bereits der siebte Krimi um die Inselkommissarin und der zweite Krimi aus dieser Reihe, den ich lesen durfte.

Anna Johannsen beschreibt solide Polizeiarbeit, die von ambitionierten Beamten praktiziert wird. Trotzdem ist es immer wieder der Beharrlichkeit und dem Bauchgefühl einer einzelnen Beamtin geschuldet, dass ein komplizierter, nicht eindeutiger Fall gelöst wird bzw. zunächst den berechtigten Zweifeln nachgegangen wird.

Eine gute Balance zwischen dem Privatleben der Kommissarin und der Ermittlungsarbeit erlaubt dem Leser Lenas private und berufliche Entwicklung über die gesamte Reihe zu beobachten.

Diese Krimireihe bietet Fall für Fall spannende und gute Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 27.04.2021

Rot wie blutig

VANITAS - Rot wie Feuer
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Carolin Bauer, ehem. Anna Piroth, entkommt in Wien mit knapper Not ihren Verfolgern, dem Karpin-Clan. Jetzt bleibt ihr nur noch die Flucht nach vorne. Sie fährt nach Frankfurt, in die Höhle der Löwen. ...

Carolin Bauer, ehem. Anna Piroth, entkommt in Wien mit knapper Not ihren Verfolgern, dem Karpin-Clan. Jetzt bleibt ihr nur noch die Flucht nach vorne. Sie fährt nach Frankfurt, in die Höhle der Löwen. Sie kann ihr Leben nicht länger auf der Flucht verbringen. Sie muss endlich Robert ausfindig machen und gegen den Clan kämpfen.

All ihr Wissen und ihre Erfahrung mit dem Karpin-Clan sollten ihr ermöglichen, die Mitglieder gegeneinander auszuspielen und Andrej zur Rückkehr nach Frankfurt zu zwingen.



Puh, der Thriller ist heftig. Ich habe bereits die beiden Vorgänger, „Schwarz wie Erde“ und „Grau wie Asche“ gelesen und glaubte mich an den härteren Stil dieser Trilogie gewöhnt zu haben, aber dieser Teil ist brutaler, blutiger und grausamer als die ersten Beiden.

Auch die Art und Weise wie Carolin in diesem Band kämpft und sich wehrt, ich will darauf nicht näher eingehen um nicht zu spoilern, aber das ist eine andere Dimension. Mich begeisterte in den vorangegangenen Thrillern immer die Raffinesse, mit der Carolin bzw. Frau Podnanski Probleme löste und Gefahren umging. Auch hier setzt sie ihren Verstand und ihre Phantasie ein, aber…

Naja, wer Härte, Brutalität und Blut nicht so gut abkann, der sollte eigentlich Thriller meiden, aber bisher war Frau Podnanski eine Thriller Autorin, die nicht so viel Blut und Brutalität benutzte. Vielleicht kommt sie da ja wieder hin. Ich würde es mir wünschen.

Der Spannungsbogen macht es dem Leser aber unmöglich, das Buch bei Seite zu legen, egal ob gewalttätig oder blutig.

Im Laufe der Jahre habe ich alle Bücher von Ursula Podnanski, auch die Jugendbücher, mit Begeisterung gelesen und hoffe, dass noch viele folgen.

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