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Veröffentlicht am 10.03.2022

Kein Preis ist zu hoch für einen letzten Sieg

1795
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Stockholm 1795, der beißende Gestank von Verzweiflung liegt in der Luft, Winge und Cardell begeben sich von Verzagtheit und Hoffnung getrieben, auf der Suche nach Gerechtigkeit in ein letztes Gefecht. ...

Stockholm 1795, der beißende Gestank von Verzweiflung liegt in der Luft, Winge und Cardell begeben sich von Verzagtheit und Hoffnung getrieben, auf der Suche nach Gerechtigkeit in ein letztes Gefecht. Tycho Ceton ist immer noch frei und schleicht durch die Gassen wie ein hungriges Tier. Ein Monster wie er wird schon bald seine Klauen in das nächste Opfer schlagen, wenn ihn niemand stoppt. Derweil schreiten die politischen Unruhen voran und Anna Stina bleibt weiterhin verschwunden, wenn einer Licht in das Dunkel der Verschwörung bringen kann, dann sie. Winge und Cardell stehen vor der Frage, wie sie jemanden finden, der nicht gefunden werden will und jemanden der vermutlich längst tot ist.

Mit 1795 legt Niklas Natt och Dag ein fulminantes Ende seiner Trilogie um Michael Cardell im Stockholm Ende des 18. Jahrhunderts hin. In diesem letzten Gefecht steht weniger die Story an sich, als wieder mal das schwerer Schicksal aller beteiligten im Fokus. Dabei ist beides nichts für zarte Gemüter. Aus 1793 und 1794, die es dringend vor dem letzten Teil zu lesen gilt, weil das Vorwissen essenziell ist, wissen wir, dass er mit menschlichen Abgründen und kruden Abartigkeiten keinesfalls zimperlich ist. Auch der ein oder andere Charakter ging in diesen drei Jahren, in den zwielichtigen Straßen Stockholms über die Klinge. Warum sollte er also anfangen im letzten Teil weichlich zu werden? Es war klar, dass es hier enden würde und er hat es bis zum Schluss, ohne Rücksicht auf Verluste durchgezogen. Die Story an sich war pass genau an 1794 angeschlossen, wieder unglaublich in seiner abartigen Hinterlistigkeit, wenn gleich von der Handlung etwas hinter seinen Vorgängern zurückbleibend. Was für mich jedoch vollkommen akzeptabel war, dieses Buch gehört Winge & Cardell und Natt och Dag lässt uns zusammen mit den beiden in voller Fahrt auf das endende Gleis zurasen. Man will wissen was passiert doch man will ebenso nicht, dass es endet. Mit schwerem Herz verbleibend schloss diese Trilogie ab, doch die Hoffnung, dass es weitere Bücher des Autors geben wir bleibt bestehen. Ich wage zu behaupten, dass er in seiner drastischen, abartigen, ehrlichen Darstellung und dramatischen Charakterzeichnung unter den historischen Roman Autoren ein Unikum ist.

Fazit: grandioser, herzbrechender Abschluss der Trilogie, in der sich dieses Mal viel um Winge und Cardell dreht und die Story und Abartigkeit den Vorgängern nur in geringem Maße nachsteht.

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Veröffentlicht am 24.01.2022

Das Ende für Frey und McGray?

Das Geheimnis von Windsor Castle
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Gerade mal ein Jahr nach dem ersten Zusammentreffen des feinen Engländers auf seinen ungehobelten schottischen Vorgesetzten, steht ihre besondere Abteilung vor dem aus. Die Majestät, Queen Viktoria höchst ...

Gerade mal ein Jahr nach dem ersten Zusammentreffen des feinen Engländers auf seinen ungehobelten schottischen Vorgesetzten, steht ihre besondere Abteilung vor dem aus. Die Majestät, Queen Viktoria höchst selbst trachtet ihnen beiden nach dem Leben. Doch Lord Salisbury macht ihnen Hoffnung, ein kleiner gefallen für die Queen könnte ihre Meinung vielleicht noch ändern. Dieser entpuppt sich jedoch als schier unlösbare Aufgabe und kommt einem Selbstmordkommando gleich. Zudem bringen sie zusätzlich jeden den sie kennen in Lebensgefahr, sogar McGrays geliebte Schwester. Sie stolpern in dem irrwitzigen Versuch ihr Leben zu retten über ein Geheimnis, welches die Herrschaft des Königshauses ins Wanken bringt, doch kann dies sie vor der Guillotine bewahren oder bringt es sie ihr nur noch viel näher?

Der 6. Band von Oscar deMuriel, um die beiden äußerst unterschiedlichen Ermittler hätte spannender nicht sein können. Verzwickte Ermittlungen sind mittlerweile Alltag für beide und heikle Situationen zu meistern, schon beinahe obligatorisch. Doch mit der Queen, der drohenden Guillotine und Salisburys skrupellosen Schlägern im Nacken steuern sie frontal auf ihr verderben zu. Froh den Hexen von Pendle Hill erst vor kurzem heil entkommen zu sein, sollen sie doch allen Ernstes die übrig gebliebenen jetzt aufspüren. Ein mehr als waghalsiges Unterfangen, da diese, nach den zurückliegenden Vorfällen Frey und McGray gegenüber alles andere als wohlgesonnen sind. Eine wilde Jagd beginnt, in der weder die beiden, noch der Leser so wirklich zum Luft holen kommen. Oscar deMuriel neigt in seinen Büchern gern mal zu längen im mittleren Teil, gerade wenn die Ermittlungen ins Stocken geraten. Im 6. Band hatte ich dieses Mal kein solches Gefühl, für mich ging es durchweg mehr oder weniger rasant durch die Story. Er schafft wunderbar den Bogen zum Anfang der Story und fügt sogar historisch belegtes Material in seine Geschichte ein, was er natürlich etwas zweckentfremdet für seine kreative Umdeutung der Ereignisse. Das Miteinander der beiden war dieses mal wieder in gewohnter Hochform, nach dem Frey im letzten Band mit seiner Lethargie die Stimmung etwas runterzog. Doch zurück im neusten und gefährlichsten Fall, zeigen sich die beiden wieder in gewohnter Manier und geben selbst stark angeschlagen noch alles. Man kann die Bücher zwar unabhängig voneinander lesen, da es sich immer um in sich abgeschlossene Fälle handelt, doch für den 6. Teil empfehle ich zumindest den 2. und 5. Band gelesen zu haben. Da man sich sonst bezüglich eben dieser Fälle und deren Aufklärung spoilert. Sehr gut konstruiert und erläutert, mit jeder Menge Action und der Thematik über Hexen konnte mich das Geheimnis von Windsor Castle sehr gut unterhalten.

Fazit: nach dem etwas schwächelnden letzten Teil, schrieb Oscar deMuriel diesmal einen der, für mich, besten Bände. Das Geheimnis von Windsor Castle hatte alles was ein guter historischer Roman über zwei Inspektoren für übernatürliche Fälle braucht.

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Veröffentlicht am 22.10.2021

Nach der Nacht kommt der Tag

Todesschmerz
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Sneijder steckt in Wiesbaden mitten in einer brisanten Ermittlung, als in Oslo der Mord an der deutschen Botschafterin geschieht. Umgehend werden er und Sabine Nemez los geschickt um das Verbrechen in ...

Sneijder steckt in Wiesbaden mitten in einer brisanten Ermittlung, als in Oslo der Mord an der deutschen Botschafterin geschieht. Umgehend werden er und Sabine Nemez los geschickt um das Verbrechen in Norwegen aufzuklären. Doch der zunächst einfach wirkende Fall entwickelt sich zu einem Spießrutenlauf durch einen Irrgarten und zu allem Überfluss verweigert die norwegische Polizei die Zusammenarbeit, auch mit weiterer Unterstützung aus dem BKA Team bleibt alles verworren. Der Aufenthalt entwickelt sich für Sneijder zum härtesten Fall seiner Kariere, denn das Ganze hat größere Ausmaße. Als es für alle gefährlich wird, muss Sneijder schleunigst handeln, doch kann er sich und sein Team retten?
Todesschmerz ist Andreas Grubers 6. Band der Todes Reihe um den exzentrischen Ermittler Maarten S. Sneijder und seiner Kollegin Sabine Nemez. Der Fall führt die beiden erneut ins Ausland, doch diesmal ist es nicht wie immer und selbst Sneijder gelangt an seine Grenzen. Die Story ist sehr komplex aufgebaut, jedoch war es mir zwischenzeitlich zu viel Fall im Fall. Doch Gruber wäre nicht Gruber, wenn er die Geschichte nicht so dramatisch gestalten würde, dass der eigentliche Fall schon fast ins Vergessen gerät. Bei der Story bleibt Gruber diesmal konsequent und schon fast rabiat, das musste ich nach dem Ende erst einmal sacken lassen. Nach diesem unerwarteten und drastischen Ausgang warte ich sehnlichst auf die Fortsetzung im nächsten Buch. Andreas Gruber beweist auch diesmal, dass er immer für eine Überraschung gut ist, für seine Bücher und die Leser über Leichen geht und ein Händchen für Dramatik besitzt. Das neue Buch konnte mich wieder begeistern, auch wenn die Begeisterung wahrscheinlich mehr der Reihe, den Charakteren und Grubers ganz eigenem Schreibstil, als mehr dem Fall an sich geschuldet ist. Dieser konnte mich diesmal nicht ganz so sehr in den Bann ziehen, dafür war die privaten Komponente stark ausgeprägt und ausreichend aufwühlend.
Fazit: ein starker 6. Band der Todesreihe, in dem der Kriminalfall und die Ermittlungen weniger überzeugen konnten. Dafür zog Gruber bei den handelnden Personen alle Register.

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Veröffentlicht am 27.05.2021

Das ist sowohl der Anfang, als auch das Ende

Das Jahr der Hexen
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Immanuelle führt ein ärmliches Leben in Bethel. Ihr Großvater, einstiger Apostel, verstoßen wegen der Sünden ihrer Mütter, sind er und seine Familie dazu verdammt ein geduldetes Leben am Rande der Gesellschaft ...

Immanuelle führt ein ärmliches Leben in Bethel. Ihr Großvater, einstiger Apostel, verstoßen wegen der Sünden ihrer Mütter, sind er und seine Familie dazu verdammt ein geduldetes Leben am Rande der Gesellschaft zu führen. Sie tut was sie kann um ihren Verwandten zu helfen und ein sittsames Leben zu führen, doch irgendwas ist in ihr, etwas Dunkles, sie hört den Ruf der bösen Wälder. Eben jene verbotenen Wälder, in denen die Dunkelheit herrscht aus der kaum jemand jemals zurückkam. Doch ihre sündige Mutter war vor 17 Jahren eine der wenigen und sie trug ein Geschenk unter dem Herzen. Als Immanuelle eines Abends in diesen Hain gerät, nimmt das Verhängnis aller, seinen vorherbestimmten Lauf. Sie ist Bethels Schicksal, doch wird sie diese verkommene Stadt retten oder deren Untergang besiegeln?
Das Jahr der Hexen ist der Debütroman, der in Savannah groß gewordenen Amerikanerin Alexis Henderson. Der Hang zu dunklen Geister Geschichten ist, auch dank des Geburtsortes schon immer ein Teil von ihr und ist in den Real wirkenden Angstszenen und der Düsternis des Romans, deutlich spürbar. Das Buch umfasst viele Dark Fantasy Elemente und thematisiert Hexerei in einer fiktiven Erzählung. Eine erdachte Kolonie, zu einer nicht bekannten Zeit, ein alter Krieg zwischen Licht und Schatten, Gut und Böse, Gläubigen und vermeintlichen Sündern. Hier gerät ein Mädchen, welches beide Seiten in sich trägt, zwischen die Fronten. Ich bin sonst kein großer Fantasy Fan, doch diese Erzählung hatte eine derart starke Sogwirkung auf mich, dass ich der Geschichte nur schwer länger fernbleiben konnte. Die Düsternis, Verfehlungen der Gemeinde, der Kampf um die Entscheidung, das Richtige zu tun und die Ungewissheit, wer ist ihr morgen noch wohlgesonnen. Das alles fügt sich, trotz der noch jungen Protagonistin, dem Drama und der unterschwelligen Romanze zu einer tollen Story zusammen und wächst zu so viel mehr heran. Geborgenheit, Verrat, Zweifel, Verantwortung, Angst, Sehnsucht und Verlust, machen aus diesem Buch eine mitreißende Lektüre. Durch die stabile Erzählweise aus Immanuelles Sicht, ließ sich der Text angenehm lesen. Wenn gleich ich zwischendurch meine Bedenken hatte, dass es in eine Love-Story abrutschen und kitschig werden könnte, wurde ich doch positiv überrascht. Das Ende kann ich als heftig, wenngleich auch versöhnlich für mich beschreiben.
Fazit: auch wenn der Plot keine Neuerfindung des Rades ist, konnte mich die Geschichte und ihre düstere Atmosphäre um den verwunschenen Wald der Hexen, dem Drama um Emmanuelle und ihr Leben, den Glaubenskampf um Gut und Böse, unglaublich in den Bann ziehen.

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Veröffentlicht am 12.05.2021

Das gewiefteste Seniorenquartett der Krimi Literatur

Der Donnerstagsmordclub (Die Mordclub-Serie 1)
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In Choppers Chase, der luxuriösen Seniorenresidenz trifft sich jeden Donnerstag im Puzzlezimmer eine ganz besondere Bande. Der selbsternannte Donnerstagsmordclub befasst sich für gewöhnlich mit Cold Case ...

In Choppers Chase, der luxuriösen Seniorenresidenz trifft sich jeden Donnerstag im Puzzlezimmer eine ganz besondere Bande. Der selbsternannte Donnerstagsmordclub befasst sich für gewöhnlich mit Cold Case Verbrechen, doch kaum bringt Elizabeth Joyce, deren Fähigkeiten noch von Nützen sein könnte, mit ins Team, passiert plötzlich ein Mord in der Nachbarschaft. Die scharfsinnig, rüstigen Hobby Detektive, bestehend aus einer ehemaligen Geheimagentin, einer Krankenschwester, einem in die Jahre gekommenen Vollblut Gewerkschaftsführer und einem Psychologen, machen sich sofort munter auf die Suche nach Spuren. Dabei Stellen die vier so einiges auf den Kopf, dass sogar den ermittelnden Beamten bei dieser unerwartet spitzfindigen Bande kaum mehr aus dem Staunen kommen.
Der Donnerstagsmordclub ist ein „Cosy Crime“ Roman, dem es weder an Leichen, ungewöhnlichen Protagonisten und erst recht nicht an britischem Humor fehlt. Die vier hält, trotz ihres Alters absolut nichts auf, sie schleichen sich ein, manipulieren und sind im Tatsachen verbiegen mehr als geschickt. Es sind Rentner, wer denkt da schon böses? Doch ausgerechnet dieser Umstand bringt die herrlich komischen Momente dieses Falls zustande. Während also die Polizei die vier noch munter belächelt, ziehen sie im Hintergrund schon die Fäden und fördern charmant so manches zu Tage. Der Humor ist immer wieder herrlich und typisch britisch, trocken auf den Punkt, genau richtig dosiert und platziert, mit einem Hauch Sarkasmus. Doch es gibt jede Menge zu tun, die Liste der Verdächtigen wird scheinbar immer länger und allzu leicht verliert man da den Überblick. Nach und nach klärt sich jedoch auf, wer hier welchen Dreck am Stecken hat. Das meiste war unvorhersehbar, weswegen sich der Schluss auch etwas Traurig und Wehmütig für mich gestaltete. Nichtsdestotrotz bleibt das Ende aufschlussreich für restliche Fragen und versöhnlich Rund nach dem ganzen Trouble. Da die Kapitel kurz gehalten sind, lässt es sich schnell und flüssig lesen. Joyce neigt zwar in ihren Kapiteln zur Plauderei, was sich hin und wieder etwas zog, jedoch wunderbar vom Rest des Textes abhob, da ihre Auftritte Tagebucheinträge sind und sie sich somit realistisch vom Erzähler Text abgrenzen konnte. Das Hörbuch ließ sich sehr angenehm hören, da der Schreibstil nicht all zu extravagant ist und man der Story so gut nebenbei lauschen konnte. Ein absoluter Pluspunkt des Audio Books war, dass es zwei Sprecher gab. Somit wurden Joyces Kapitel von weiblicher Stimme begleitet und die restlichen von einer männlichen. Beide verfielen auch nicht dem Versuch die Stimme in ihrem Kapitel dem anderen Geschlecht anzupassen, sondern sprachen auch andere Geschlechter neutral weiter, was die angenehmen Stimmen konstant bleiben ließ.

Fazit: ein großartig humoristischer Krimi, bei dem man, dank des rüstigen Scharfsinns von vier Rentnern lachen und rätseln im gleichen Maß genießen kann. Leichte, kurzweilige Lektüre, mit jeder Menge Charme und britischem Humor, welche sich sowohl gut lesen, als auch ausgezeichnet Hören lässt.

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