Profilbild von Clara

Clara

Lesejury Star
offline

Clara ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Clara über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.07.2021

Sehr spannend mit eigenwilligem Schreibstil

DUNKELKAMMER
0

„Dunkelkammer“ war mein erster Thriller von Bernhard Aichner. Der Schreibstil des Autors ist sehr eigenwillig und anders, als alles andere, was ich bisher gelesen habe. Kurze Sätze reihen sich aneinander ...

„Dunkelkammer“ war mein erster Thriller von Bernhard Aichner. Der Schreibstil des Autors ist sehr eigenwillig und anders, als alles andere, was ich bisher gelesen habe. Kurze Sätze reihen sich aneinander und statt Anführungszeichen verwendet er Spiegelstriche. Die Dialoge selbst lesen sich eher wie ein Drehbuch und die Gespräche wirken häufig seltsam unnatürlich und emotionslos. Normalerweise wären all diese Kriterien Gründe für mich, ein Buch nicht zu lesen. Im Falle von „Dunkelkammer“ ist es allerdings so, dass der sonderbare Schreibstil dazu beitrug, dass ich den Thriller als großartig empfunden habe. Gleichzeitig ist er nämlich wahnsinnig spannend und temporeich geschrieben. Der Autor gönnt dem Leser nie auch nur einen Moment Verschnaufpause, die Ereignisse überschlagen sich von der ersten bis zu letzten Seite.
Es handelt sich hier um den Auftakt einer neuen Serie. Im Mittelpunkt steht der Pressefotograf David Bronski, der eine ziemlich morbide Einstellung zur Totenfotografie hat. Als er Kenntnis von einem besonders schockierenden Tatort erhält, denkt er zunächst nur ans Geld. Doch als er im Geldbeutel des Mordopfers ein Foto seiner vor 20 Jahren verschwundenen Tochter findet, stellt er nach und nach fest, dass er eine Schachfigur in einem ausgeklügelten Spiel ist.
David Bronski ist ein Mensch, den das Leben hart gemacht hat, doch er trägt das Herz auf dem rechten Fleck und seine Familie bedeutet ihm alles.
Der Plot von „Dunkelkammer“ ist sehr spannend und mit jedem Kapitel kommen neue unfassbare Enthüllungen ans Licht. Auch Bronskis Schwester und seine neue Kollegin sind Charaktere, die man gerne mag. Dies war ein überaus gelungener Reihenauftakt und ich freue mich auf Bronskis nächsten Fall.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.06.2021

Kurze Geschichte, die berührt

Sieben Tage voller Wunder
0

Eigentlich bin ich kein Freund von dünnen Büchern. „Sieben Tage voller Wunder“ ist allerdings das vorletzte Buch von Dani Atkins, welches ich noch nicht kenne. Da ich die Romane der Autorin sehr liebe ...

Eigentlich bin ich kein Freund von dünnen Büchern. „Sieben Tage voller Wunder“ ist allerdings das vorletzte Buch von Dani Atkins, welches ich noch nicht kenne. Da ich die Romane der Autorin sehr liebe beschloss ich, eine Ausnahme zu machen und diese gerade einmal 240 Seiten kurze Geschichte zu lesen. Ab der ersten Zeile war ich wieder völlig vom Schreibstil der Autorin begeistert. Alles ist so bildhaft beschrieben, dass ich mir immer wieder vorstellte, selbst die Protagonistin Hannah zu sein und mir überlegte, wie ich mich in dieser Situation verhalten würde.
Nach einem Flugzeugabsturz befindet sich Hannah mitten in der kanadischen Wildnis. Das Flugzeug ist in zwei Teile gebrochen und Hannah sowie der sympathische Passagier Logan sind auf sich allein gestellt. Eine Zeit voller Angst, Hunger und Kälte beginnt, immer mit der Hoffnung, bald gefunden zu werden. Dani Atkins wäre nicht Dani Atkins wenn sie nicht an irgendeinem Punkt einen Twist einbauen würde. Im Fall von „Sieben Tage voller Wunder“ ist dieser ziemlich vorhersehbar. Die Covergestaltung ist hier leider kontraproduktiv, denn die Abbildung spoilert ein wenig, in welche Richtung die Geschichte gehen wird. Ich hatte also schon von Anfang an eine Ahnung und auch die Charakterbeschreibung bestärkte mich in meiner Vermutung. Obwohl das Buch ohne große Überraschungen für mich abgelaufen ist, habe ich dennoch jede Zeile mitgefiebert und war am Ende zu Tränen berührt.
Was für eine wunderschöne Geschichte über Mut, Hoffnung und die Vorstellung, dass man alles schaffen und über sich selbst hinaus wachsen kann!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.05.2021

Großartiges Leseerlebnis

Stay away from Gretchen
0

Ich habe bereits sehr viele Roman gelesen, die während des zweiten Weltkriegs spielen. „Stay away from Gretchen“ geht mit Details unter die Haut, von denen ich teilweise noch nichts gehört hatte. Bei Kriegsausbruch ...

Ich habe bereits sehr viele Roman gelesen, die während des zweiten Weltkriegs spielen. „Stay away from Gretchen“ geht mit Details unter die Haut, von denen ich teilweise noch nichts gehört hatte. Bei Kriegsausbruch ist Greta gerade einmal 8 Jahre alt. Was mich auf den ersten Seiten besonders schockiert ist, zu welchem Fanatismus Lehrer ihre Schüler erzogen haben. Greta und ihre ältere Schwester sind glühende Verehrerinnen von Adolf Hitler. Nach dem ich bereits dachte Schmucktassen und Weihnachtskugeln mit seinem Konterfei sind kaum zu überbieten, las ich schockiert, dass sogar eine Art Gebet, adressiert an Hitler, existierte.
Wir begleiten Grete durch die späten Kriegsjahre, während der Vertreibung aus Ostpreußen und durch die Nachkriegszeit, als sie sich zum ersten Mal verliebt – in einen schwarzen GI, zur damaligen Zeit ein absoluter Skandal.
Die Autorin behält sich die eingangs beschriebene Liebe für weniger bekannte Details aus der deutschen Geschichte bei und ich konnte aus diesem Roman sehr viele Informationen mitnehmen. Zum Beispiel hörte ich zum ersten Mal davon, dass Frauen, die sich mit schwarzen Amerikanern eingelassen haben, teilweise von Deutschen gelyncht wurden. Schwer zu verkraften war auch dieser offen gezeigte Rassismus, der damals an der Tagesordnung war. Das Schicksal der sogenannten brown Babies hat mich sehr erschüttert. Diese Thematik war auch komplett neu für mich und es macht mich fassungslos, mit welcher Selbstverständlichkeit Politiker bestimmt haben, dass es für die Kinder am Besten sei, wenn man sie in einem fremden Land quasi aussetzt.
Trotz all der harten Kost schreibt Susanne Abel ungemein fesselnd und mitreißend. Die Kapitel sind sehr lang, teilweise 50 bis 80 Seiten, so dass man nur schlecht einen Punkt findet um das Lesen zu pausieren. Eigentlich möchte man den Roman aber auch gar nicht aus der Hand legen.
Der zweite Erzählstrang spielt in den Jahren 2015 und 2016. Greta ist mittlerweile 85 Jahre alt. Erste Zeichen von Altersdemenz machen sich bemerkbar. Dennoch wirkt sie die meiste Zeit sehr rüstig für ihr betagtes Alter und ist nie um einen schlagfertigen Kommentar verlegen. Ihr Sohn Tom ist ein bekannter Nachrichtensprecher und so ist die Brücke geschlagen um immer wieder politische Details aus der Gegenwart einfließen zu lassen. Hier gibt es auch Parallelen zwischen der aktuellen Flüchtlingssituation und zu Gretas Erlebnissen von einst.
Der Untertitel „Eine unmöglich Liebe“ assoziiert ein wenig, dass dies vor allem ein Liebesroman ist. Ich hoffe, dass sich dadurch niemand davon abhalten lässt, dieses Buch zu lesen, denn es ist bei weitem kein Schnulzenroman. Ja, es gibt eine Liebesgeschichte, aber im Hauptfokus steht das Leben nach Kriegsende, der schwierige Weg in eine neue Normalität und die gesellschaftlichen Normen, die sich noch immer an den alten Idealen orientierten.
Dieser Roman war für mich ein großartiges Leseerlebnis und ich bin sehr gespannt, auf die weiteren Geschichten, die Susanne Abel hoffentlich noch schreiben wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2021

Schöner Ausflug an die französische Küste

Die Frauen von der Purpurküste – Julies Entscheidung (Die Purpurküsten-Reihe 2)
0

Vor ein paar Monaten hatte ich den ersten Teil von „Die Frauen von der Purpurküste“ gelesen. Ich fand das Buch in Ordnung, war allerdings nicht ganz überzeugt davon. Der Klappentext von „Julies Entscheidung“ ...

Vor ein paar Monaten hatte ich den ersten Teil von „Die Frauen von der Purpurküste“ gelesen. Ich fand das Buch in Ordnung, war allerdings nicht ganz überzeugt davon. Der Klappentext von „Julies Entscheidung“ klang so vielversprechend, dass ich mich entschloss, der Reihe eine zweite Chance zu geben.
Zum Glück – denn dieser Teil ist für mich ein klarer Fall von 5 Sternen. Ich bin sehr schnell in das Buch hineingekommen und habe mich in der Geschichte wohlgefühlt. Die Charaktere sind allesamt sehr liebenswert. Im Zentrum steht Lara, die mit Anfang 30 vor den Scherben ihres Lebens steht. Ihr Lebensgefährte hat sie mit ihrer besten Freundin betrogen, ihr Job wurde ihr wegen schlechter Auftragslage gekündigt und ihre geliebte Mutter ist an Leukämie gestorben. Als sie Hinweise erhält, dass ihr Vater, den sie nie kennengelernt hat, in Frankreich leben könnte, begibt sie sich zusammen mit ihrer Oma, einer sehr sympathischen, rüstigen 80-jährigen auf die Reise. Vor Ort angekommen stellt sich heraus, dass nicht nur Lara auf der Suche nach jemand ist, auch ihre Oma wünscht sich sehnlich, mehr über den Verbleib ihrer vor vielen Jahren verschwundenen Schwester herauszufinden.
Ich habe die beiden Frauen bei ihren jeweiligen Unterfangen wahnsinnig gerne begleitet. Die Geschichte spielt hauptsächlich in der Gegenwart und wird zwischendurch unterbrochen von Briefen von Julie, der Schwester von Laras Oma. Durch diese Briefe erfährt der Leser nach und nach, was damals geschah.
Das Ende des Romans hat mich sehr berührt und ich musste sogar ein paar Tränen verdrücken. Diese Familie hat so viele Jahre getrennt voneinander verbracht und ich kann ehrlich gesagt die Entscheidungen mancher Charaktere nicht ganz nachvollziehen. So viel Zeit ist unwiderruflich verloren gegangen.
Dazwischen lernt Lara auch noch den Meeresbiologen Felix kennen, der mich auch von Anfang an fasziniert hat.
Witzig fand ich, dass die Protagonisten sich scheinbar nur von Crepes ernähren, denn es wurden quasi jeden Tag welche gebacken.
Für mich war dieser Roman ein toller Ausflug an die französische Küste und ich konnte völlig in die Geschichte abtauchen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2021

Willkommen in den Sixties

Die Wunderfrauen
0

Die Wunderfrauen sind zurück! Nach einem Zeitsprung treffen wir die vier Freundinnen in den 60er Jahren wieder. Der Schreibstil hat es mir wieder sehr leicht gemacht, in die Geschichte hineinzukommen, ...

Die Wunderfrauen sind zurück! Nach einem Zeitsprung treffen wir die vier Freundinnen in den 60er Jahren wieder. Der Schreibstil hat es mir wieder sehr leicht gemacht, in die Geschichte hineinzukommen, auch wenn ich meine grauen Zellen ein wenig anstrengen musste, um mich an alle Zusammenhänge zu erinnern. Die Autorin streut insbesondere am Anfang immer wieder kleine Erinnerungsfetzen ein, so dass es mir dann doch zügig gelang, mich zurechtzufinden.
Im zweiten Teil wird noch deutlicher, warum die Serie „Die Wunderfrauen“ heißt, denn die vier Protagonistinnen haben inzwischen unglaublich viel erreicht, worauf sie stolz sein können – und das in einer Zeit, in der Männer noch das Sagen hatten und Ehefrauen für viele Dinge eine Erlaubnis brauchten.
Luises Laden wird sehr gut angenommen, außerdem lieben die Kunden ihre Back- und Kochtipps. Theoretisch könnte sie rund um die Uhr arbeiten.
Wer hätte gedacht, dass wir Helga als Ärztin wiedertreffen. Musste sie doch damals ihre Ausbildung zur Krankenschwester abbrechen. Es ist bewundernswert, wie sie als alleinerziehende Mutter ihr Leben meistert.
Marie kann zwar keine Karriere wie ihre Freundinnen vorweisen, dafür schmeißt sie den Alltag auf dem Bauernhof mittlerweile fast alleine, da ihr Mann tagsüber einer anderen Arbeit nachgeht. All das mit vier Kleinkindern.
Annabel hatte ich aus dem ersten Band als versnobt in Erinnerung. In der Fortsetzung durchläuft sie eine wahnsinnige Entwicklung und wurde mir von Seite zu Seite sympathischer. Sie gewinnt zunehmend an Selbstbewusstsein, bietet ihrem Mann auch mal die Stirn, beginnt im Laden auszuhelfen und übernimmt sogar die Führung bei Umbaumaßnahmen.

Im harten Gegensatz zu den Frauen stehen die Männer in dieser Geschichte, die allesamt eher als Schwächlinge daher kommen.
Hier haben wir Hans, der zwar eine guter Vater ist, sich aber immer wieder übergriffig gegenüber Frauen verhält. Konstantin, der seine Frau Annabel nur belächelt und für wenig intelligent hält, bis ihn ein Nervenzusammenbruch zum Umdenken zwingt und Martin, der grundsätzlich ein herzensguter Mensch ist, sich aber leider immer mehr dem Alkohol zuwendet.

Stephanie Schuster bietet eine gute Mischung aus Alltagsproblemen der Protagonistinnen und verwebt diese geschickt mit dem Zeitgeist der 60er Jahre. Uns begegnet hier Rock & Roll Musik, wir hören über die Schließung der Ostzone, die ersten Supermärkte öffnen ihre Tore, die Antibaby-Pille kommt auf den Markt und auch der Contergan Skandal findet einen Weg in die Geschichte.

Wie auch schon der erste Band ist auch die Fortsetzung unglaublich kurzweilig und fesselnd. Die Ereignisse überschlagen sich förmlich, ständig passiert etwas anderes. Die vielen Irrungen und Wirrungen in Liebesdingen erinnern an eine Soap-Opera und genau deswegen macht es auch so viel Spass, all diesen Verstrickungen zu folgen.

Das Buch endet mit einem ordentlichen Bang, der den Leser etwas erschrocken und sehr hungrig nach Band 3 zurücklässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere