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Veröffentlicht am 31.07.2021

Der Rächer treibt sein Unwesen in London

Der Rächer
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Als ich die Ankündigung des Thrillers von Toni Kent las, erinnerte ich mich schlagartig an seinen Debütthriller »3-2-1 Im Kreis der Verschwörer«, den ich ebenfalls in meinem Blog besprochen habe. Nun war ...

Als ich die Ankündigung des Thrillers von Toni Kent las, erinnerte ich mich schlagartig an seinen Debütthriller »3-2-1 Im Kreis der Verschwörer«, den ich ebenfalls in meinem Blog besprochen habe. Nun war ich gespannt auf eine mögliche Fortsetzung.

»Der Rächer« ist aber keine Fortsetzung der Handlung, wohl aber eine im Leben der Figuren des ersten Romans. Protagonisten sind der Anwalt Michael Devlin, inzwischen zum Kronanwalt befördert, und seine – nun – Verlobte, die TV-Reporterin Sarah Truman.

In seinem Haus wird ein Lordoberrichter bestialisch getötet, zerstückelt und an der Wand gekreuzigt. Die Ermordung eines Mannes solchen Kalibers, der sich aufgrund seines Berufes nicht wenig Feinde gemacht hatte, setzt die Polizei gewaltig unter Druck. Eine der renomiertesten und besten Leiterinnen einer Mordkommission in London, Joelle Levi, wird mit dem Fall betraut. Sarah ist als Reporterin ebenfalls sofort am Ball. Nur der Kronanwalt hat noch in einem anderen Fall zu tun. Obwohl er das Opfer kennt, sein Freund ein enger Dreund des Opfers war, ist dessen Tod für ihn dienstlich nicht von Belang. Es ist nur Gerichtsklatsch und er hat damit nichts zu tun. Bis dann …

Da Toni Kent selbst als Anwalt in London arbeitet, sind ihm die juristischen Vorgänge, die er sehr haarklein genau in »Der Rächer« schildert, längst geläufig. Er schildert zunächst die Tätigkeiten und Abläufe der von mir oben genannten drei Figuren. Im Falle des ermordeten Richters sieht man den Ablauf der Ermittlung aus der Sicht des Polizeiapparat und aus der der Medien. Über den Kronanwalt baut sich dessen aktueller Prozess auf. Und eine weitere Handlung, die die Arbeit der Mordermittler stört, ist die Ermordung weiterer Leute, die nichts mit dem ersten Opfer zu tun haben.

Über einen langen Zeitraum läuft für die Leser alles parallel. Stets ist man darauf bedacht, nichts zu verpassen, was vielleicht Rückschlüsse auf einen anderen Strand zulässt.

Tony Kent versteht es meisterlich, die Figuren trotz aller Widersprüchlichkeit sympathisch erscheinen zu lassen. Dass das Geschehen ein blanker Nervenkitzel bleibt und auch die Beziehungen zu knistern beginnen, ist offenbar selbstverständlich.

Die vielen Details aus der britischen Justiz sind mir persönlich ein willkommener Gegenpol zu den vielen amerikanischen Gerichtsromanen, die ich gelesen habe. Ich habe selbst die kleinsten Details genossen. Die Dialoge im Gericht selbst vor den Geschworenen sind genau solche Leckerbissen wie ähnliche Dialoge bei dem Bestsellerautor Michael Connelly.

Natürlich gibt es zudem viel britisches Lokalkolorit. Durch meine Erfahrungen in England kamen mir viele kleine Begebenheiten im Tagesablauf sehr bekannt und authentisch vor.

»Der Rächer« von Tony Kent ist ein Thriller, den ich in jedem Fall sehr empfehlen kann.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.07.2021

Alles für Struller!

Böse Falle
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Die Krimi-Cops sind fünf waschechte Düsseldorfer Polizisten. Mit »Böse Falle« stellen sie nun einen weiteren Kriminalroman vor, der in und um Düsseldorf spielt und den Lesern jede Menge Rätsel aufgibt. ...

Die Krimi-Cops sind fünf waschechte Düsseldorfer Polizisten. Mit »Böse Falle« stellen sie nun einen weiteren Kriminalroman vor, der in und um Düsseldorf spielt und den Lesern jede Menge Rätsel aufgibt. Z. B. Wer stellt wem eine Falle? Und warum ist die so böse?

Hauptkommissar Struhlmann, genannt Struller, vom KK11 erhält abends einen Anruf von seinem tschechischen Kollegen, mit dem er mal ein Fall zusammen ermittelt hatte. Der möchte ihn auf einem Parkplatz bei Mettmann treffen, weil er sich zufällig in der Nähe Düsseldorfs aufhält. Da hat Struller keine Hemmungen. Den Kollegen trifft er doch gerne. Aber als er am Parkplatz ankommt, sieht er das Fahrzeug sofort. Doch statt seines Kollegen sitzt eine Frau am Lenkrad. Allerdings von einem Kopfschuss niedergestreckt. Struller wird wichtigster Zeuge in einem Mordfall. Eigentlich würde er sofort in dieser Sache ermitteln wollen, doch das geht leider nicht: Die Kripo von Mettmann zuständig. Es fehlen nur wenige Meter bis zur Stadtgrenze von Düsseldorf, dann wäre seine Abteilung zuständig gewesen. Doch das ist noch nicht alles. Ab jetzt läuft es für Struller gar nicht mehr rund.

Allein wegen des schnoddrigen Schreibstils der Krimi-Cops macht der Roman unheimlich viel Spaß. Dass er nebenbei zudem spannend ist, macht das Lesen umso schöner. Die Schnoddrigkeit macht den ganzen Roman zu einem Comedy-Krimi. Der Erzählstil ist so manchen Leuten in der Kneipe vom Maul abgeschaut. – „Ach!“

Nicht nur in den Live-Auftritten der Krimi-Cops, sondern auch beim Lesen, muss man immer wieder losprusten.

So, wie andere Autoren haben sich auch diese Autoren inwischen ein eigenes Universum geschaffen. Da einer von ihnen, Klaus Stickelbroeck, auch solo Kriminalromane schreibt, gibt es von Anbeginn jede Menge Crossover der Figuren. Man muss nicht konsequent alle Romane in der chronologische Reihenfolge gelesen haben, um sich an den Auftritten verschiedener Figuren immer wieder zu erfreuen.

Kleiner Wermutstropfen waren nur so manche weiße Kaninchen, die einfach aus dem Hut geholt wurden ohne zu erklären, wie sie hineingekommen waren. Z. B. die rote Tasche mit den Drogen und dem Bargeld des Nächtens im Büro im Präsidium ohne Pförtner.

Spaß und gute Laune macht der Krimi allemal. Ich habe ihn verschlungen und ich war viel zu schnell am Ende angelangt. Musste ich mir doch schließlich einige (Lach-) Tränen aus den Augen wischen.
Alles für Struller!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 09.07.2021

Von Kabul ins Rheinland

Tanz zwischen zwei Welten
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Die von Mariam T. Azimi in Form eines Romans erzählte Geschichte hat mich zu Einblicken geführt, deren so detailreiche Situationen mir in dieser Weise neu waren. Dafür muss man wahrscheinlich ganz persönlich ...

Die von Mariam T. Azimi in Form eines Romans erzählte Geschichte hat mich zu Einblicken geführt, deren so detailreiche Situationen mir in dieser Weise neu waren. Dafür muss man wahrscheinlich ganz persönlich mit solch einer Situation der Migration ausländischer Mitbürger zu tun haben.

Die Protagonsitin dieses Romans ist Wana, die aus Afghanistan stammt. Ihre Eltern flohen mit ihr aus der Heimat, als noch die Russen gegen die Taliban dort kämpften. Vor der Wende in Deutschland. Ihr Vater hat sich damals mit seiner Familie entzweit, weil er besser dort bleiben und kämpfen sollte anstatt nach Deutschland zu gehen.

Als Kind empfand Wana noch beim Zusammenwachsen der beiden Deutschlands ein Wir-Gefühl, was dann aber schnell kaputt gemacht wurde. Spätestens, als ihre Schwester Nila von „wir“ und „die Deutschen“ sprach, hatte Wana begriffen, dass es Menschen verschiedener Klassen gibt. Aber sie wusste nicht, zu welcher dieser Klassen sie selbst gehörte. Mit afghanischen Traditionen, die ihre Mutter verteidigte und pflegte, kam sie nicht klar. Sie fühlte sich modern und deutsch, wurde von den Deutschen wegen ihres Aussehens aber nicht akzeptiert. Es war und ist ihr anzusehen, dass sie Migrantin ist.

Mariam T. Azimi beschreibt die Entwicklung eines jungen Mädchens bis zum Erwachsenwerden. Die Verhältnisse innerhalb einer Familie zwischen Großeltern, Eltern und Kindern werden genauso in das Thema einbezogen wie die Zugehörigkeit zu verschiedenen Gesellschaften, wie die der afghanischen und die der deutschen.

Diese Konflikte werden von Mariam T. Azimi mit wohlgeformten Sätzen und sicherlich aus ihrer ganz persönlichen Perspektive geschildert. Dabei wird dem Leser klar, dass das Festhalten an alten Traditionen auf der einen Seite und der Aufbruch in die Moderne, westliche Gesellschaft einen unverrückbaren Konflikt darstellt, der in jeder Einwandererfamilie, aber nicht nur dort, in mehr oder weniger ausgeprägter Form vorkommt.

Bei der Protagonsitin führten diese Konflikte zu Depressionen, aus denen sie sich langsam zu befreien scheint. Sie ist bis zum Schluss auf der Suche nach sich selbst und ihren Platz in der Gesellschaft.

Notwendigerweise arbeitet Mariam T. Azimi mit Rückblenden. Um die Verhaltensweisen in der heutigen Zeit plausibel darstellen zu können, ist die Kenntnis des Geschehens in der Vergangenheit unbedingt notwendig.

Mich hat dieser Roman sehr beeindruckt, weil ich viel Neues über das Innere einer Einwandererfamilie gelernt habe. Es waren Ereignisse, die mir unter die Haut gingen, die darüber nachdenken lassen, warum so mancher Einwanderer zum Messer greift und wild um sich schlagend andere Menschen verletzt und tötet.

Ein empfehlenswerter Roman mit sehr viel Feingefühl.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 03.06.2021

James Lee Burke und sein Dave Robicheaux

Dunkle Tage im Iberia Parish
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Auch dieser Roman von James Lee Burke ist ein weiterer Hardcore-Kriminalroman um den Polizisten Dave Robicheaux. In diesem Roman ist Dave Robicheaux tatsächlich Polizist, und zwar im Iberia Parish Sheriffs ...

Auch dieser Roman von James Lee Burke ist ein weiterer Hardcore-Kriminalroman um den Polizisten Dave Robicheaux. In diesem Roman ist Dave Robicheaux tatsächlich Polizist, und zwar im Iberia Parish Sheriffs Department. Dort kümmert er sich um die alltäglichen Verbrechen, wie Unfälle mit Fahrerflucht, Straßenkriminalität, Handtaschendiebstahl, Alligatoren, die Schweine fressen und so weiter. Ansonsten ist Dave Robicheaux auch als Alkoholiker bekannt, der sich mal Privatdetektiv, mal als Detective beim New Orleans Police Department verdingt. Aber das ist in diesem Roman anders.

Dave Robicheaux erzählt zu Beginn von seiner Zeit bei einem Austauschprogramm der Polizei mit dem Miami Police Department vor zwanzig Jahren. Aber damals war er noch Trinker und musste zusehen, wie ein befreundeter Cop auf der Straße getötet wurde. Er konnte ihm nicht helfen, weil er zu dem Zeitpunkt betrunken war.

Burke holt im vorliegenden Roman die Vergangenheit in die Gegenwart. Dave Robicheaux ist trocken. Doch es ereignen sich einige Sachen rund um seinen Schreibtisch und Streifenwagen, von denen er der Meinung ist, dass sie zusammengehören. Vor allem tauchen Personen im Iberia Parish auf, welche aus Florida stammen und mit dem Tod seines Kumpels damals zu tun hatten. Das stinkt ihm mächtig.

Wie bei den Romanen des in Montana lebenden Schriftstellers Burke üblich, gibt es viel Informationen über das Leben und die Geschichte von Louisiana. Ausgefeilte, dem Handlungsgeschehen angepasste Figurenbeschreibungen lassen die Dialoge in Bildern geschehen. Der trockene Dave Robicheaux von Burke gefällt mir gleich zehnmal besser, obwohl sein Protagonist auch in anderen Romanen sympathisch ist.

Die örtlichen Beschreibungen sind so angenehm zu lesen, dass man Lust darauf bekommt, hier urlaub zu machen. Trotz aller Verbrechen, die in diesen Krimis geschehen. Hier ist mal ein Zitat aus dem Roman, damit ihr einen Eindruck gewinnen könnt, warum ich mich in solchen Beschreibungen so sehr heimisch fühle.

Alles in allem ist auch dieser Roman einer, den ich nicht missen möchte. Interessant, spannend, abenteuerlich und unterhaltsam! Total empfehlenswert!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 28.05.2021

Steph Broadribb lässt ihre Kopfgeldjägerin erneut jagen

Die Jägerin - Übergabe
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Dies ist der dritte Band, den Steph Broadribb dieser Reihe beigesteuert hat. Bislang gibt es insgesamt vier Thriller um die Kopfgeldjägerin Lori Anderson aus Florida. Drei davon sind auf Deutsch bei Heyne ...

Dies ist der dritte Band, den Steph Broadribb dieser Reihe beigesteuert hat. Bislang gibt es insgesamt vier Thriller um die Kopfgeldjägerin Lori Anderson aus Florida. Drei davon sind auf Deutsch bei Heyne erschienen.

Lori hat nach dem letzten Fall wieder in ein normales Leben zurück gefunden. Sie lebt mit ihrer Tochter Dakota und deren Vater JT zusammen. JT ist immer noch der Mann, mit dem sie ihr Leben verbringen möchte.

Als Lori ihre Tochter zur Schule bringt, wird sie kurz darauf selbst entführt. Sie wird in die Residenz des Mafiabosses von Miami gebracht. Der geht davon aus, dass Lori seinen Sohn getötet hat. Zur Wiedergutmachung fordert er die Erledigung eines Jobs: Sie soll seinen zweiten Mann aus den Klauen des FBI befreien.

Sein zweiter Mann hat mit dem FBI einen Deal gemacht und will ihn verraten. Der Mafiaboss will aber nicht, dass Lori ihn tötet sondern nur aus den Fängen des FBI befreit und zu ihm bringt. Doch dessen zweiter, noch lebender Sohn hat ganz andere Pläne.

Dieser Roman ist schwer in ein Genre zu fassen, jenachdem, welche Definition man für Thriller oder Krimi heranzieht. Denn eigentlich schickt Steph Broadribb ihre Protagonist nicht auf die Jagd nach einem Bösewicht. Vielmehr wird Lori selbst gejagt. Sie selbst ist das Ziel, nach ihr wird gejagt. Lori ist stets auf der Flucht. Aufgrund des rasanten Tempos würde ich diesen Roman also durchaus das Attribut eines Thrillers zuweisen. Da unterscheidet er sich kaum von dem ersten Band dieser Reihe »Die Jägerin – Auftrag«.

Loris Flucht aber ist extrem spannend und lässt die Seiten nur so durch die Finger gleiten.

Steph Broadribb lässt die Szenen rund um die Protagonistin von Lori selbst in der Gegenwart, Als Leser ist man sozuganen mittendrin, erlebt Loris Ängste, Schmerzen und Freuden zeitgleich und hautnah mit. Die Szenen ohne Lori werden von einem anderen Erzähler in dritter Person geschildert. Das betrifft hauptsächlich das Geschehen um Loris Tochter Dakota und deren Lebensgefährten JT, der selbst ein Kopfgeldjäger ist und von der Mafia gejagt wird, um Lori unter Druck zu setzen.

Zusätzlich erfährt der Leser viel über die Landschaften, wie z.b die Everglades, und wird dort zusammen mit den Figuren Gefahren ausgesetzt.

Für Leser, die gerne die Seiten durch die Finger drehen, ist dieser Roman ein Muss. Er ist actionreiches Kino mit gefühlvollen Momenten genauso wie Mafiosi, die nicht in jedem Moment abgrundtief böse sind. Diesen Roman empfehle ich sehr gerne!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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