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Veröffentlicht am 29.03.2022

Elli Gint ist wieder da!

Munteres Morden (Elli Gint und Oma Frieda ermitteln 2)
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Cover:
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Auf dem Titelbild hat man einen schönen Blick auf die Alster. Wenn man genau hinschaut, wird der idyllische Blick durch zwei alleinstehende Gummistiefel getrübt und man fragt sich ...

Cover:
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Auf dem Titelbild hat man einen schönen Blick auf die Alster. Wenn man genau hinschaut, wird der idyllische Blick durch zwei alleinstehende Gummistiefel getrübt und man fragt sich direkt, wo deren Besitzer wohl verblieben ist. Das Bild ist zwar kein Eyecatcher, aber schön anzusehen und die Neugier weckend.

Inhalt:
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Elli Gint wird beauftragt, ein Mädchen zu beschützen, dessen gewalttätiger Vater gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde und es auf sie abgesehen hat. Gerade hat sie ihn aufgespürt, da wird sie Zeuge seines Mordes. Aus Angst vor der Polizei "entsorgt" sie den Mann in der Alster, nichts ahnend, dass dies zu einer Serie weiterer Tote führt, die allesamt mit einem mysteriösen Einbrecher zusammenhängen, der nur als "Geist" bezeichnet wird. Und auch der Polizist Hiob, mit dem sie vor einiger Zeit eine Affäre hatte, taucht wieder in ihrem Leben auf. Diesmal als Sonderermittler im Fall "Geist". Und plötzlich ist Elli wieder mittendrin zwischen Leichen, Ermittlungen und der Frage, wie sie ihre Beziehung zu Hiob gestalten soll. Dabei wird sie natürlich wieder kräftig durch Oma Frieda und dem Rest ihrer besonderen Familiensippe unterstützt.

Mein Eindruck:
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Da ich schwarz humorige Krimis liebe, habe ich den ersten Band "Lauter Leichen" mit Freude verschlungen und freute mich schon lange auf die Fortsetzung. Auch in diesem Band gibt es wieder jede Menge Leichen, überspitzt dargestellte Charaktere, einige Situationskomik und amüsante Dialoge. Der Fall selbst gestaltet sich bis zum Ende hin sehr spannend, die Auflösung ist so überraschend, dass wohl kaum ein Leser von alleine darauf kommt.
Auch die Art, wie sich die Beziehung zwischen Elli und Hiob weiterentwickelt, gefällt mir sehr gut. Und Ellis abgedrehte Familie, besonders Oma Frieda ist auch in diesem Band wieder genial!

Dennoch weist der zweite Band im Vergleich zum Vorgänger ein paar kleine Schwächen auf. So ist die Geschichte aus mehreren Perspektiven geschildert, zum einen von Elli aus der Ich-Perspektive, zum anderen von einem allgemeinen Erzähler, der einzelne Charaktere und deren Vergangenheit beschreibt. So lernt man die einzelnen Personen zwar sehr gut kennen, doch manche Abschnitte ziehen sich zu sehr in die Länge und wären in dieser Ausführlichkeit nicht notwendig gewesen. Dadurch leidet zuweilen die Spannung. Zudem wird die Handlung in mehreren Rückblenden erzählt und man muss sich sehr stark konzentrieren, um die unterschiedlichen Zeitebenen und vielen Charaktere einordnen zu können. Hier war es jedoch sehr hilfreich, dass am Anfang eines jeden Kapitels Zeitangaben waren. Ein Personenregister zum Nachschlagen während des Lesens wäre noch hilfreich gewesen.

Etwa in der Mitte des Buches war ich etwas zwiegespalten, denn einerseits gefiel mir die Erzählweise und der Humor sehr gut und ich wollte unbedingt wissen, wie sich die vielen Puzzleteile am Ende zusammenfügen. Andererseits waren es mir manchmal zu viele Nebenstränge, die die Handlung in die Länge zogen. Im letzten Drittel nahm die Handlung dann deutlich an Fahrt auf und das fulminante Kopfkino am Ende versöhnte mich wieder mit dem etwas langatmigen Mittelteil.

Neben dem Kriminalfall um den "Geist" werden jedoch auch ernste Themen wie Gewalt in der Familie, Missbrauch und Mobbing in die Handlung eingewoben. Solche Dinge werden schonungslos und doch eben mit einem gewissen Zynismus angesprochen. Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache, mir hat es jedoch gefallen, da Schwarzer Humor eine mögliche Form ist, ein solches Thema zu behandeln, ohne sich komplett mitreißen zu lassen. Eine gewisse innere Distanz zu einem Thema kann helfen, es leichter anzusprechen und zu verstehen. Die Gratwanderung zwischen Humor und Ernsthaftigkeit ist der Autorin m. E. gelungen.

Fazit:
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Wieder ein spannender und schwarz humoriger Fall mit Elli Gint und ihrer Oma mit nur leichten Längen

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.06.2021

Hauke Sötjes erster Fall

Feuer in der Hafenstadt
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Cover:
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Auf dem Titelbild ist im Stil eines alten Gemäldes ein Hafen mit Schiffen abgebildet. Der Titel ist in Rot aufgedruckt und haptisch hervorgehoben. Man fühlt sich sofort in diese Zeit ...

Cover:
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Auf dem Titelbild ist im Stil eines alten Gemäldes ein Hafen mit Schiffen abgebildet. Der Titel ist in Rot aufgedruckt und haptisch hervorgehoben. Man fühlt sich sofort in diese Zeit versetz.

Inhalt:
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Glücksstadt im Jahre 1894: Nach einem schweren Schiffsunglück, dessen einziger Überlebender Kapitän Hauke Sötje ist, plagen diesen große Schuldgefühle. Doch bevor er seine Erlösung im Freitod finden kann, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse: Eine Heringsfischerei brennt ab, der Inhaber wird beschuldigt, Geld unterschlagen zu haben und schließlich passiert auch noch ein Mord, in den Hauke unfreiwillig verwickelt wird. Zusammen mit Sophie, der Tochter des Fabrikinhabers, versucht er, den Hintergründen auf die Spur zu kommen. Dabei gerät er in eine Verschwörung, die größer ist, als er zunächst ahnt und mit denen er nicht nur den Geheimnissen seiner Vergangenheit, sondern auch Sophie und ihren Geheimnissen Stück für Stück näher kommt.

Mein Eindruck:
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Das Buch hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen. Die Gestaltung mit dem schönen Cover ist gut gelungen und zu Beginn gibt es eine historische Karte von Glücksstadt 1894. Die Kapitel werden stets eingeleitet von historischen Zeitungsartikeln aus der "Glücksstädter Fortuna", die inhaltlich mit dem Kapitel was zu tun haben. Dies weckt zum einen die Neugier auf den weiteren Inhalt, zum anderen fühlt man sich mit der Zeit noch mehr verbunden. Informativ ist auch der Anhang mit der Klarstellung der historischen Gegebenheiten und Personen sowie ein Glossar und Literaturhinweise am Schluss. Das rundet den Roman für mich ab.
Der Stil ist sehr atmosphärisch und man taucht sofort in die damalige Zeit ein. Hauke ist mir sympathisch, weil er jemand ist, der hilfsbereit ist und anpackt, wenn es nötig ist, dafür sich mit Geschwätz eher zurückhält. Auch Sophie gefällt mir sehr mit ihrer für damalige Verhältnisse "rebellischen Art" und auf welche Weise sie den Versuchen ihres Vaters und ihrer Tante trotzt, die versuchen, eine Dame aus ihr zu machen und sie zu verheiraten.
Der Fall ist sehr gut aufgebaut. Es beginnt mit dem rätselhaften Untergang von Haukes Schiff im Prolog und beschreibt anschließend die Ereignisse ein paar Jahre später 1894 in Glücksstadt. Dadurch wird direkt ein Spannungsbogen aufgebaut, der sich über den ganzen Roman hinweg erhält. Die Autorin streut immer wieder Hinweise ein, so dass auch scheinbar alltägliche Ereignissen wie bspw. ein literarischer Abend bei einer Gräfin oder amüsante Dialoge zwischen Rübcke und dem Polizisten Hagemann, Stoff zum Rätseln bieten. Zwar hatte ich gegen Ende eine Ahnung, doch die Action am Ende und die letztendliche Auflösung des Falls waren doch teilweise überraschend.

Dies ist der erste Band der Hauke-Sötje-Reihe. Es erschien ursprünglich in einem anderen Verlag unter dem Titel "Fortuna Schatten". Wer die anderen Bände kennt, weiß, dass Sophie und Hauke zueinander finden. Für mich war dieser Part leider nicht überzeugend. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sich eine Romanze zwischen beiden anbahnt. Schon vom Altersunterschied her könnten die beiden Vater und Tochter sein. Für mich wäre eine freundschaftliche Beziehung der beiden eher denkbar gewesen, eine Liebesbeziehung wirkte für mich wenig authentisch. Dennoch sind die beiden ein gutes Ermittlerpaar, das sich gut ergänzt.
Es empfiehlt sich, den Krimi aufmerksam zu lesen, denn obwohl scheinbare Längen vorhanden sind, so ist letztendlich jeder Szene Beachtung zu schenken, da man Hinweise zur Lösung des Falles erwarten kann.
Zusammenfassend ist es der Autorin im ersten Fall von Hauke Sötje sehr gut gelungen, historische Ereignisse und ihr Ambiente, sympathische Ermittler sowie eine gute Prise Humor zu einem spannenden und auch lehrreichen Kriminalroman zu verarbeiten.

Fazit:
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Spannender und lehrreicher historischer Krimi mit sympathischen Ermittlern und einer guten Prise Humor

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Veröffentlicht am 11.06.2021

Die Paulus-Briefe im historischen Kontext interpretiert

Paulus in Ephesus
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Cover:
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Das Titelbild zeigt die Ruinen des alten Ephesus, in dem Paulus einst für eine bestimmte Zeit lebte und wirkte und stimmt damit optimal auf den Inhalt ein. Es wirkt wie der Eingang in ...

Cover:
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Das Titelbild zeigt die Ruinen des alten Ephesus, in dem Paulus einst für eine bestimmte Zeit lebte und wirkte und stimmt damit optimal auf den Inhalt ein. Es wirkt wie der Eingang in die alte Welt und sehr ansprechend.

Inhalt:
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Es gibt viele religiöse Untersuchungen, wie man die Texte der Paulus-Briefe im Neuen Testament deuten und einordnen kann. Der Autor dieses Buches wählt einen anderen Ansatz. Er versucht aus der Geschichte und damaligen Kultur heraus Paulus' Motivation und die seiner Anhänger, der ersten Messiasleute, zu interpretieren. Dabei bedient er sich einer Entdeckungstour durch die antike Stadt Ephesus.


Mein Eindruck:
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In der Einleitung steht: "Lange Zeit konzentrierte sich die Auslegung der Paulusbriefe auf die zentralen Glaubensaussagen in den Texten. Sie wurden isoliert für sich betrachtet. Die konkreten Lebensbedingungen der Menschen in den antiken Städten, die diese Briefe geschrieben und gelesen haben, waren nicht im Fokus der Auslegung. Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen des römischen Reichs sah man für die Interpretation der Bibeltexte als völlige Nebensächlichkeit an."

Im Kern steht dabei die Frage: "Wie lassen sich diese Texte lesen und verstehen, wenn man sie in eine antike Großstadt wie Ephesus hineinstellt?"

Dies ist m. E. dem Autor hier sehr gut gelungen. Er untersucht hierbei verschiedene Bereiche des kulturellen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Lebens. Obwohl ich mich mit der Antike bereits befasst habe, habe ich in diesem Buch auch viele neue Aspekte erfahren und bekam neue Erkenntnisse über das Leben in dieser Zeit. Noch wichtiger aber waren mir hier die Rückschlüsse, die man im Bezug auf den christlichen Glauben und das Ausleben des Glaubens hieraus ziehen konnte. Schon in der Vergangenheit hatte ich mich öfter gefragt, wie bestimmte Glaubens-Aspekte mit der damaligen Kultur in Einklang zu bringen sind, wie sich "die ersten Christen" gefühlt haben mögen und welchen Gefahren sie dabei möglicherweise ausgesetzt waren.

Zur Einstimmung dienen zwei Karten auf den ersten Seiten, die Ephesus' Ruinen als Lageplan und eine Karte des heutigen Ephesus zeigen. Der Autor begleitet dann Paulus und seine Anhänger in Gedanken beim Verweilen bestimmter Orte innerhalb der Stadt und verknüpft dabei in jedem Kapitel einen bestimmten Aspekt des antiken Lebens mit bestimmten Botschaften aus den Paulus-Briefen. So erfährt der Leser unter anderem, wie schwer es war, neben dem gesellschaftlich fast schon überlebensnotwendigen Kult um die Göttin Artemis, den Glauben und die Anbetung eines Gottes auszuleben. Oder warum die christlich angestrebte Geschwisterliebe im Kontrast zum griechischen und römischen Hierarchiedenken stand. Diese Aspekte fand ich sehr spannend, denn sie verdeutlichen, wie revolutionär und schwierig es damals für Paulus und die Messiasleute war. Und dennoch konnte sich diese Bewegung bis in die heutige Zeit durchsetzen und etablieren. Herr Jochum-Bortfeld versteht es, Geschichte lebendig werden zu lassen und einzelne Aspekte des christlichen Glaubens von einer anderen Seite zu beleuchten und mit entsprechenden Quellen zu untermauern. Durch einige Bilder der Ruinen in jedem Kapitel wird das Geschilderte für dem Leser noch anschaulicher. Abgesehen von einigen Wiederholungen sowie Ausschweifungen, bei denen ich zwischenzeitlich den roten Faden verlor, ist das Buch sehr gut verständlich und eindrucksvoll geschrieben. Auch für nicht religiöse Menschen zu empfehlen, die mehr über den Alltag in der Antike erfahren möchten.

Fazit:
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Eine interessante Reise durch das antike Alltagsleben und seine Auswirkung auf Paulus' Botschaft und das Leben der ersten Messiasleute

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Veröffentlicht am 26.06.2026

Wie entgleitet ein Leben?

Solange ein Streichholz brennt
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Gestaltung:
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Das Streichholz auf dem Cover passt gut zum Titel. Die Farbgestaltung mit den dunkelblauen und orange-roten Tönen empfand ich jedoch als etwas langweilig. Es wirkte auf mich altmodisch. ...

Gestaltung:
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Das Streichholz auf dem Cover passt gut zum Titel. Die Farbgestaltung mit den dunkelblauen und orange-roten Tönen empfand ich jedoch als etwas langweilig. Es wirkte auf mich altmodisch. Im Laden wäre ich an dem Buch vorbeigegangen.

Inhalt:
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Alina Alev ist Moderatorin bei einem Fernsehsender. Nach einem vielversprechenden Berufsstart fürchtet sie um ihren Job, da der Sender Sparmaßnahmen vornimmt. Da kommt ihr das Angebot eines Kollegen sehr recht, der mit ihr eine neue Fernsehshow über Obdachlose machen möchte. Titelvorschlag: "Wie entgleitet ein Leben".
Bei ihrer Suche nach geeigneten Interviewpartnern begegnet sie Bohm, der seit 5 Jahren auf der Straße lebt. Anfangs weigert er sich, doch dann zwingen ihn bestimmte Umstände, bei der Show mitzumachen.
Zum Kennenlernen spielen sie das Spiel, bei dem der eine solange wahrheitsgemäß auf Fragen des anderen antworten muss, solange ein Streichholz in der Hand des anderen brennt. Im Laufe der Zusammenarbeit kommen sich Alina und er näher. Dabei verschwimmt das Berufliche und Private immer mehr und Bohm kann seinen Geheimnissen nicht mehr länger ausweichen.

Mein Eindruck:
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"Bohms Pritschennachbar, ein alter Herr mit dünnen Haaren, das Gesicht narbig wie geplatzter Asphalt, trank Hochprozentiges aus einer Glasflasche, obwohl Alkohol in der Unterkunft verboten war. Ein dicker Tropfen rann ihm über das Kinn, den er sich mit einem Ärmel abwischte. Seine Augen schimmerten wässrig gelb, die rote Nase stand im Kontrast zu seinen fahlen Wangen. Suff hatte viele Farben."(S. 17)

Die Geschichte ist abwechselnd aus Bohms und Alinas Sicht geschrieben. Dadurch kann man sich gut in die Protagonisten einfühlen. Mir fällt es dennoch schwer, den Roman treffend zu beschreiben. Auf der einen Seite hatte er eine Sogwirkung auf mich. Es passieren viele Dinge und oft bleibt man bei einem Cliffhanger am Ende des Kapitels zurück, sodass man unbedingt weiterlesen muss. Zudem möchte man wissen, welches Geheimnis Bohm hat und weshalb er auf der Straße lebt.
Hinzu kommt noch eine sich langsam anbahnende Liebesgeschichte zwischen den beiden und ein Teil von mir wollte, dass sie gut ausgeht und so habe ich immer mitgelitten, wenn die beiden aneinander vorbei geredet haben oder sich aufgrund von Missverständnissen voneinander entfernt haben.
Ein Teil von mir mochte Bohm. Es spricht für ihn, dass er sich für den streunenden Hund so einsetzt. Auf der anderen Seite konnte ich seine Handlungen nicht nachvollziehen, weshalb er auf der Straße gelandet ist und weshalb er mit seinem alten Leben keinen Kontakt mehr wollte.
Alina indes verkörpert die typische junge, aufstrebende Journalistin, die durch Social Media bekannt geworden ist, dann aber in die Medien-Realität zurückgeholt wird. Ebenso klischeehaft ist ihr Kollege, der ihr die Fernsehshow anbietet. Nach außen ist er attraktiv und freundlich, aber privat eher das Gegenteil. Dass der Fernsehsender einen sehr ähnlich lautenden Namen wie ein bekannter privater Sender in Köln hat, ist sicher auch kein Zufall.
Auf der einen Seite macht der Roman nachdenklich über den Umgang mit Menschen im TV und auch, wie schnell ein Leben entgleiten und man obdachlos werden kann. Auf der anderen Seite wirkt der Fall Bohm sehr stark konstruiert und nicht authentisch auf mich. Ich denke auch nicht, dass Bohm ein Prototyp für ein Obdachlosenschicksal ist. Dennoch berührte mich die Geschichte und vielleicht sollte man öfter mit Obdachlosen ins Gespräch gehen, anstatt an ihnen vorbei zu gehen mit gesenktem Kopf, auch wenn nicht immer eine positive Begegnung daraus entstehen wird.
Am Schluss steht noch eine Playlist, mit deren Hilfe man sich auch im Nachgang noch in die passende Stimmung versetzen kann.

Fazit:
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Kischeehafter Roman, der jedoch Stoff zum Nachdenken über unsere Gesellschaft, Medien und dem Umgang mit Obdachlosen liefert.

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Veröffentlicht am 11.06.2026

Auftakt neuer Reihe über die Ururgroßmutter

Der Gesang der See
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Das Cover ist sehr atmosphärisch: Ein Bild einer jungen Frau im altmodischen Kleid. Sie schaut auf das weite, offene Meer und lauscht dem Wellenklang. Es passt optisch gut zum ...

Gestaltung:
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Das Cover ist sehr atmosphärisch: Ein Bild einer jungen Frau im altmodischen Kleid. Sie schaut auf das weite, offene Meer und lauscht dem Wellenklang. Es passt optisch gut zum Titel und ist ähnlich zu denen der Großmutter-Trilogie der Autorin.

Inhalt:
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»Es ist nun mal so, dass Frauen und Männer ungleich geschaffen wurden. Männer haben zum Beispiel bessere Voraussetzungen, um sich um die Geschäfte zu kümmern, während Frauen den Männern weit überlegen sind, was Kindererziehung und Haushalt angeht«, begann Wiig. (S. 192)

Kristiane wächst auf einer norwegischen Fischerinsel auf. Der Vater ist Lotse. Als er stirbt, verspricht Kristiane ihm, dafür zu sorgen, dass das Lotsenmandat in der Familie bleibt. Die Frauen haben damals sehr eingeschränkte Rechte. Doch mit Selbstbewusstsein und Klugheit setzt sich Kristiane durch. Dabei gerät sie nicht nur zwischen die Fronten des Dorftratsches, sondern auch zwischen zwei Männer, die sie liebt.

Mein Eindruck:
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"Vorsichtig strich sie ihm die Locken aus dem Gesicht und war plötzlich so von Wärme und Zuneigung erfüllt, dass sie sich dicht an ihn schmiegte. Trotzdem blieb sie lange wach liegen, verwirrt über ihre eigenen Gefühle. Was empfand sie für Lars, nachdem sie doch bereits einem anderen gehört hatte - und davor eine so tiefe Liebe zu Anders empfunden hatte, dass sie ohne ihn kaum weiterleben hatte können? Konnte sie mehrere Männer lieben? Nur auf unterschiedliche Weise?" (S. 94f)

Ich hatte zuvor die Großmutter-Trilogie verschlungen und freute mich auf ein weiteres Buch der Autorin. Leider war der Roman dann anders als erwartet. Die Handlung ist sehr ruhig erzählt, es gibt viele Beschreibungen der Landschaft, der Gedanken von Kristiane und es passiert zunächst wenig. Es ist ein atmosphärisches Buch: Beim Lesen spürt man den Hauch des Windes, hört das Rauschen der Wellen und kann sich die Landschaft bildhaft vorstellen.
Etwas verwirrend empfand ich die nicht gekennzeichneten Zeitsprünge und dass man sich manchmal in den Träumen und Gedanken von Kristiane befindet, dann wieder im Geschehen der Gegenwart. Ich musste manche Passagen erneut lesen, bis ich sie in den Kontext einordnen konnte. Vor allem zu Beginn, in dem viele Personen eingeführt wurden, war es manchmal schwierig, sich zurechtzufinden.
Etwa ab dem ersten Drittel wurden die Ereignisse klarer und ich konnte mich besser auf den Roman einlassen. Der Autorin gelingt es gut, die damalige Zeit und die Probleme, die man als selbstbewusste Frau damals hatte, einzufangen. Zwischendurch gab es auch ein paar Szenen zum Schmunzeln, wie z. B. die Tatsache, dass das Cello für eine Frau als ein unanständiges Instrument galt, weil es zwischen den Beinen gespielt wurde. Aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar.
Das harte Fischerleben wird ebenfalls glaubhaft dargestellt. Mit Kristiane als Protagonistin hatte ich meine Probleme. Auf der einen Seite bewunderte ich ihren Mut, aber der anderen Seite konnte ich ihre Handlungen, vor allem ihr Liebesleben betreffend, nicht immer nachvollziehen. Sie blieb für mich teilweise zu kalt und distanziert. Der Schluss kam plötzlich und war abrupt. Doch die Erläuterung am Ende, dass es eine Fortsetzung geben wird, hat mich dann beruhigt das Buch zuklappen lassen. Dennoch hätte ich es besser gefunden, wenn man gleich erkennbar gemacht hätte, dass es sich hier um einen ersten Band einer neuen Reihe handelt. Ich warte ungern auf Fortsetzungen. Interessant ist, dass sich Frau Teige diesmal ihrer Ururgroßmutter Gertrud gewidmet hat, die im 19. Jahrhundert gelebt hat. Sie war viermal verheiratet und drei ihrer Ehemänner kamen ums Leben.
Insgesamt war die Erzählung ganz ok, aber die Spannung aus der Trilogie, die ich erwartet hatte, fehlte mir. Wer ruhige historische Romane über starke Frauen mag, ist hier jedoch gut bedient.

Fazit:
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Ruhiger Roman über eine selbstbewusste Frau im 19. Jahrhundert mit fehlender Spannung, der sich ohne Fortsetzung unvollständig anfühlt.

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