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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.12.2021

Von Kapitalismus, Konsum und Konsorten

Reality Show
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Dieser Roman entpuppte sich für mich als echter Pageturner: Ich war mit so hohen Erwartungen an die vielversprechend klingende Handlung herangegangen, dass ich im Vorfeld bereits damit rechnete, dass diese ...

Dieser Roman entpuppte sich für mich als echter Pageturner: Ich war mit so hohen Erwartungen an die vielversprechend klingende Handlung herangegangen, dass ich im Vorfeld bereits damit rechnete, dass diese nicht erfüllt werden würden können. Doch: konnten sie. Und wurden sie.
Dabei wechselt in „Reality Show“, abgesehen davon, dass der Roman achronologisch erzählt wird und immer wieder eingeschoben wird, wie die titelgebende Reality Show überhaupt vorbereitet wurde, quasi Kapitel um Kapitel die Perspektive und hier wird sich nicht nur auf die Leute hinter und die (unfreiwillig) Teilnehmenden der Show beschränkt, sondern es werden auch Zuschauerinnen vor den Bildschirmen beleuchtet.
Letztere werden an Heiligabend plötzlich mit einer auf allen Kanälen laufenden Live-Show konfrontiert, in der eine Auswahl der Reichsten der Reichen präsentiert wird, deren häufig zwar legalen, aber moralisch doch zumindest zweifelhaften und oft auch unethischen, Vorgehensweisen vorgeführt werden, woraufhin die Zuschauer
innen per Voting über Schuld/Unschuld dieser Personen und sogar über ihre Strafen abstimmen dürfen. Generell fallen die Geiseln wohl unter die Kategorie „schwerreiche Lobbyisten“, die die Politik zu ihren Gunsten steuern, und die ganze Sendung könnte statt „Reality Show“ auch „Eat the Rich“ heißen.

Was mir dabei gut gefallen hat, ist, dass besagte Geiseln durchaus Gelegenheit erhielten, zu „gestehen“ bzw. sich zu verteidigen und letztlich auch die „Normalos“ vor den Bildschirmen gezwungen waren, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren, wenn es z.B. darum geht, dass darauf hingewiesen wird, dass auch ihnen längst klar sein müsste, dass die T-Shirts, für die sie nicht mehr als 5€ ausgeben, nicht aus Bio-Baumwolle unter Fairtrade-Bedingungen von gutbezahltem Fachpersonal handgenäht werden. Neben der Kapitalismuskritik kommt hier also durchaus auch Konsumkritik vor.

Wie erwähnt, wechselt hier ständig die Perspektive und nach den ersten vier Kapiteln war ich definitiv kurz besorgt, ob ich die Figuren weiterhin differenzieren würde können, zumal ich durch das Inhaltsverzeichnis bereits wusste, dass hier im weiteren Verlauf noch mehr Personen fokussiert werden würden; ebenso wie ich überlegte, ob die Geschichte letztlich überhaupt rund und nicht doch eher fragmentarisch sein würde, da ich mir nicht vorstellen konnte, wie „Reality Show“ intensiv wirken können sollte, wenn jeder in fünf Sätzen abgefrühstückt wäre. Was dann übrigens niemand war.
Kleinere Schwierigkeiten hatte ich zunächst lediglich damit, die Mitglieder des Teams hinter der ganzen Aktion auseinanderzuhalten, die zudem dann alsbald auch noch Codenamen erhielten ohne dass explizit gesagt wurde, wer jetzt welchen Namen „angenommen“ hatte, so dass man noch auseinanderklamüsern musste, wer da eben nun wie genannt wurde. Allerdings war das Team auch gar nicht so wesentlich; da ging es definitiv mehr um die Aktion der „Reality Show“ und deren Thematik und eben auch absolut nicht darum, sich in irgendeiner Form zu profilieren, von daher passte es ganz gut, dass die Team-Mitglieder als Individuen eher in der Masse untergegangen sind.

Ich habe diesen Roman ungemein gerne gelesen; für mich zählt er zu meinen ganz großen Jahreshighlights, von denen ich 2021 eher wenig hatte; es hat mich auch verblüfft, wie hier so viel Inhalt in einen nicht auffällig langen Roman gepackt werden hatte können und dabei wurde auch sehr deutlich gemacht, dass die titelgebende Live-Show bis ins kleinste Detail hinein durchorchestriert war: Man musste sich nicht groß fragen, wie das kleine Team es geschafft hatte, diese Show aufzuziehen, durch die Rückblenden sowie Blicke hinter die Kulissen während der Übertragung war es nachvollziehbar – so dass man im Nachhall noch überlegen konnte, ob diese Show so auch in unserer Realität durchgeführt werden könnte. Generell gab es aufgrund der angesprochenen Vergehen relativ viel zum (weiteren) Nachdenken und insgesamt war die „Reality Show“ sowohl die im Roman als auch der Freytag-Roman selbst einfach ganz großes Kino!

Veröffentlicht am 14.09.2021

Mystisch und doch wirklichkeitsnah

Junge mit schwarzem Hahn
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Hach, ich mag den Diogenes-Verlag…

Hach, ich mag den Diogenes-Verlag… <3 Nach dem Lesen dieses Romans sogar auch mal wieder noch ein bisschen mehr: „Der Junge mit schwarzem Hahn“ spielt in einer zwar unbezifferten, aber deutlich zurückliegenden Zeit: Man (über)lebt so vor sich hin, die Fürstin verlangt (immer höhere) Abgaben der Landbevölkerung, die Vorboten des Krieges überschatten das Land und überziehen es letztlich mit Dunkelheit und Tristesse, ein ominöser „schwarzer Reiter“ entführt immer wieder Kinder… und Martin ist bereits als Kleinkind mehr oder minder sich selbst überlassen worden, nachdem sein Vater eines Tages die restliche Familie erschlagen hat, bevor er sich selbst umbrachte. Sein einziger echter Freund ist der schwarze Hahn, der ihm von klein auf nicht von der Seite weicht, und als eines Tages ein Maler im Ort ankommt, um ein Altarbildnis anzufertigen, erwacht sowohl in Martin als auch dem Maler der Entschluss, dass Martin ihn mitsamt des Hahns fortan begleiten wird. In seinem Heimatort ist er doch eher geduldet, toleriert, aber nicht wirklich akzeptiert, nützlich, aber nicht unentbehrlich…

Ich hatte den „Jungen mit schwarzem Hahn“ unbedingt lesen wollen, nachdem ich in den Anfang des Romans hatte hineinschnuppern können, an dem sich der kleine Martin bereits als ziemliches Schlitzohr mit einer herausragenden Beobachtungsgabe entpuppt. In den meisten Geschichten werden Kinder, die ohne feste Bezugsperson und auf sich allein gestellt aufwachsen bzw. gemeinhin ignoriert werden, als „Wolfskinder“ dargestellt, die nicht wirklich menschlich interagieren können: Da ist die Figur des Martin nun völlig anders; er ist ein aufgeweckter, äußerst anpassungsfähiger Junge, der weiß, wie und wo er sich nützlich machen kann und häufig ohne groß nachzufragen einfach anpackt.
Häufig wird von der Heldenreise gesprochen; Martin erlebt eine, ohne dass zunächst eindeutig ist, welchem Zweck sein Fortgehen aus dem Dorf eigentlich dient bzw. dienen soll. Teils hat mich die Geschichte an Bemmanns „Stein und Flöte“ erinnert, mitunter wirkte sie ein wenig wie „Hans im Glück“ und ganz allgemein habe ich persönlich sie als eine Art düster angehauchtes Märchen für Erwachsene empfunden, welches dabei doch sehr realitätsverbunden, auch trotz des Hahns, der im Verlauf mehr als „bloß ein Haustier“ wurde, war.

Mir hat es sehr gut gefallen, auch wenn es mich irgendwann minimal irritierte, dass Martin nicht zu altern schien: So wurde auf der Reise so mancher wieder angetroffen und erwähnt, wie viel älter jener doch geworden war, aber Martin schien immer noch Kind geblieben zu sein. Andererseits war das aber auch ein schon fast typischer Aspekt für diese Erzählung und eben: wie im Märchen.
Im Nachgang findet sich noch ein kurzes Interview mit der Autorin bzgl. der Motive im Buch, was mir nur mehr klargemacht hat, dass „Junge mit schwarzem Hahn“ auch ein recht vielfältiges Interpretationspotential feilbietet; spannend, das Ganze im Nachhinein nochmals aus verschiedenen Blickwinkel zu resümieren. Definitiv ein Buch für alle, die gerne etwas mehr analysieren auch ohne dass eine Geschichte übertrieben schwülstig und intellektuell, um nicht zu sagen: unverständlich, erzählt sein muss. Und die zudem alte Märchen aus ferner Zeit mögen.

Veröffentlicht am 07.08.2021

Unabwendbare Tragik

Liebe Rock
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Dass Zürchers „Mobbing Dick“ es 2019 letztlich von der Longlist des Deutschen Buchpreises gar nicht erst auf die Shortlist geschafft hat, lässt mich immer noch ein wenig grummeln, zählte jener Roman doch ...

Dass Zürchers „Mobbing Dick“ es 2019 letztlich von der Longlist des Deutschen Buchpreises gar nicht erst auf die Shortlist geschafft hat, lässt mich immer noch ein wenig grummeln, zählte jener Roman doch definitiv zu meinen damaligen Favoriten; freudig nahm ich zur Kenntnis, dass mit „Liebe Rock“ nun endlich ein weiterer Zürcher-Roman erschien: Ob dieser mich ähnlich begeistern können würde wie sein „Mobbing Dick“?
Definitiv!

„Mobbing Dick“ wirkte im Vergleich noch deutlich avantgardistischer, der Protagonist zwiespältiger – diese Aspekte kamen nun auch in „Liebe Rock“ zum Tragen, aber dieser Roman war nun auch direkter, weniger verklausuliert, „alltäglicher“… simpel gesagt: einfacher zu lesen und leichter verständlich. „Mobbing Dick“ war in meinen Augen eher sehr gen Literarischem geprägt, während ich „Liebe Rock“ nun eher als popkulturellen Gegenwartsroman bezeichnen würde.

Im Grunde genommen ist „Liebe Rock“ ein rasant erzählter Abschiedsbrief eines sich selbst überschätzenden Schulabbrechers und der formal dessen „Erfolgsroman“ entspricht, wobei jenes Buch im Grunde genommen von vornherein zum Scheitern verurteilt ist: es ist offensichtlich, dass der „Verlag“ ein Druckkostenzuschussverlag ist und der Verleger ein ziemliches Windei; so merkt man der Situation, als Timm tatsächlich letztlich doch sehr unerwartet Erfolg hat, doch auch die immense Fragilität an: Zum Einen stammen große Teile des Romans eben nicht aus Timms Feder und zum Anderen weiß man, dass er keinesfalls nachliefern können wird, was es noch tragischer wirken lässt, wie empört er darauf reagiert, nicht direkt auf Platz 1 der Bestsellerliste einzusteigen, um sich dauerhaft dort zu halten. Ihm erscheint es offensichtlich frevelhaft, dass andere (längst etablierte und weltberühmte) Autoren erfolgreicher sind als er – der seinen eigenen Roman mit heißer Nadel gestrickt hat und den er selbst nicht wirklich kapiert, da er mehr Bastel- als Schreibarbeit war. Dennoch ist er ebenso entrüstet darüber, dass ein erster Kritiker bemängelt, dass sein Debüt völlig unverständlich ist, wie es ihn aufbringt, dass seine Mitbewohner längst eine Art, wenn auch ziemlich loser, Beziehung führen, obschon er in Rock verliebt ist. Dabei lässt „Liebe Rock“ relativ offen, ob er wirklich in Rock verliebt ist - zumindest wirkte seine Schwärmerei häufig wie eine Trotzreaktion auf Marcs Verhältnis zu Rock.

Generell ist Timm sehr in sich zurückgezogen; hier gibt es eigentlich gar kein weiteres Umfeld um ihn herum; er ist häufig in Selbstgesprächen bzw. „Unterhaltungen“ mit Hund und Katze gefangen, die ihn oftmals beruhigen und ihm noch häufiger Recht geben, auch in den Therapiestunden, zu denen er seinen Bruder begleitet, geht es letztlich vor Allem ums Timms innere Zerrissenheit – nicht zuletzt, da ich „Mobbing Dick“ kannte, schwante mir da ab ca. Seite 130 nun ein ganz bestimmter Plot Twist. Ich bin mir sehr sicher, dass ich „Liebe Rock“ nun wohl auch ganz anders, deutlich oberflächlicher, gelesen haben würde, hätte ich Zürchers letzten Roman noch nicht gekannt. Genossen hätte ich ihn trotzdem, aber wer „Liebe Rock“ nun als seinen ersten Zürcher liest, dem mag ich doch ans Herz legen, anschließend noch „Mobbing Dick“ zu lesen, denn auch wenn dies zwei völlig voneinander unabhängige Werke sind, ergibt sich daraus sicherlich noch ein etwas anderer Ausblick auf die „Liebe Rock“-Erzählung.

Insgesamt ist „Liebe Rock“ übrigens ein zeitgenössischer Roman, wie wir ihn auch in der 12. Klasse im Deutsch-LK hätten besprechen können – und den mein damaliger Kurs als Thema zweifelsohne geliebt haben würde. Ich erkenne hier durchaus Schullektüren-Klassikerpotential, ähnlich wie bei „Tschick“, „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ oder auch „Aus dem Leben eines Taugenichts“, denn ganz subtil klingt „Liebe Rock“ nun in einigen Szenen manchmal doch wie eine moderne Adaption von Letzterem an.

Veröffentlicht am 13.06.2021

Wunderbare Ablenkungslektüre

Fertig ist die Laube (Die Online-Omi 15)
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Eigentlich mag ich Renate Bergmann lieber vorgelesen als selbstgelesen; die Hörbücher sind immer so zuckersüß eingesprochen und die Erzählerin hat einfach die meiner Meinung nach genau passende Bergmannsche ...

Eigentlich mag ich Renate Bergmann lieber vorgelesen als selbstgelesen; die Hörbücher sind immer so zuckersüß eingesprochen und die Erzählerin hat einfach die meiner Meinung nach genau passende Bergmannsche Sprechstimme. „Fertig ist die Laube“ habe ich nun aber eben doch mit ganz eigenen Augen gelesen – und zwar in einem Rutsch, an einem Nachmittag, gemütlich auf dem Balkon sitzend und während das sonst eher wenig zu bedeuten hat, ist es in diesem Fall doch eine Erwähnung wert, denn aktuell geht es mir definitiv nicht gut und ich muss meine Lektüren momentan einfach in winzige Häppchen stückeln, um sie überhaupt verzehren zu können.
Da war mir die Online-Omi nun also ein wenig wie ein Licht in finstrer Nacht, das mir einen ziemlich vergnüglichen Nachmittag beschert hat und dem ich nur schon darum selbstverständlich nur die Bestwertung zukommen lassen kann.

Im letzten Jahr tat ich mich mit „Ans Vorzelt kommen Geranien dran“ zwar ein wenig schwer; da wurden mir die Erlebnisse zwischenzeitlich etwas zu regiokrimimäßig; aber „Fertig ist die Laube“ war für mich wieder in altbekannter Renate-Bergmann-Form gehalten. Eine Figur aus „Fertig ist die Laube“ hatte hier nun auch einen Cameo-Auftritt, den ich zwar eine nette Idee fand, auf den ich aber auch hätte verzichten können.

Wie gesagt: Dieses Buch ließ sich flüssig weglesen; Renate Bergmann zeigte sich einmal mehr als Frau, die nicht lang fackelt, wobei ich hier letztlich doch etwas verwundert war, dass die titelgebende Laube letztlich quasi „kernsaniert“ war, ohne dass ich den Eindruck gehabt hatte, dass in der vorgegebenen Zeit hier wirklich so viel gemacht hätte werden können, zumal sich Frau Bergmann auch sehr mit den allgemeinen Widrigkeiten einer Kleingartenkolonie auseinandersetzt. Da wurde mir dann doch etwas zu wenig Plackerei vermittelt. Andererseits: So hat es definitiv mehr Lust auf Gartenarbeit, oder auch nur Balkongärtnerei, gemacht. ;)

Veröffentlicht am 26.09.2020

Klassischer Whodunnit

Mord in Highgate
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Ich habe den ersten Band „Ein perfider Plan“ übersprungen und mich nun gleich hörenderweise an diesen zweiten Band der „Hawthorne ermittelt“-Reihe gemacht: Das hat ganz hervorragend geklappt.
Bei diesem ...

Ich habe den ersten Band „Ein perfider Plan“ übersprungen und mich nun gleich hörenderweise an diesen zweiten Band der „Hawthorne ermittelt“-Reihe gemacht: Das hat ganz hervorragend geklappt.
Bei diesem Buch handelt es sich um einen klassischen Whodunnit-Roman, erzählt vom Autor selbst, der in diesem Fall identisch mit der erzählenden Hauptfigur ist; das ist übrigens ein zwar ulkiger Kniff (grad dann, wenn der Autor andere Figuren sein bisheriges schreiberisches Schaffen loben lässt), der dem Roman auf den ersten Blick einen noch „authentischeren“ Anstrich verleiht und ihn ein wenig wie einen Tatsachenbericht wirken lässt, hätte vermutlich aber auch ebensogut funktioniert, trüge der Ich-Erzähler einen anderen Namen – zumal der ohnehin kaum mal wirklich erwähnt wird, so dass ich mir da bald eine rein fiktive Figur und nicht die Gestalt des echten Autors vorgestellt habe. Dennoch verleiht diese ganz besondere Perspektive auch „Mord in Highgate“ natürlich gleich einen noch etwas einzigartigeren Hauch.

Volker Hanisch als Sprecher des Hörbuchs ist in diesem Fall definitiv auch eine sehr gute Wahl: Er hat einen sehr angenehmen, leicht crispy Klang und diese Stimme passte für mich einfach sehr gut zum Erzähler der Geschichte, der also mit dem Autor übereinstimmt, der dem inzwischen als Privatermittler tätigen, ehemaligem Polizisten Hawthorne als eine Art Assistent zur Seite steht, wobei er für mich mehr wie jemand wirkte, der für ein Schnupperpraktikum bezahlt. Der Fall, mit dem die Beiden konfrontiert werden, wird dabei vergleichsweise nüchtern erzählt; es wird zwar über die wahren Hintergründe des Mordes gerätselt, dabei verliert sich die Handlung aber in keiner Stelle in Spekulationen; als Leser/Zuhörer kann man sich hier ganz fantastisch seine eigenen Gedanken machen. Allgemein merkte man dem „Mord in Hawthorne“ auch sehr an, dass der Autor einen starken Hang in Richtung Sherlock Holmes hat – wäre nicht gleich anfangs zum Beispiel bereits die Rede von einem Taxi gewesen, auf welchem Werbung für eine App angebracht war, hätte sich der Fall so auch leicht Anfang des 20. Jahrhunderts ereignet haben können; für mich wurde da nun schon eine ganz klassische Linie verfolgt, bei der man sich vor Allem darauf konzentrierte, mit den (potentiell) Involvierten Gespräche zu führen und eventuelle Widersprüche in ihren Aussagen aufzudecken. Dabei war der Fall grundsätzlich auch sehr interessant; es hat mich nun zwar nicht vor Spannung zerrissen, aber es war halt einfach ein schöner, simpler Kriminalfall mit interessanten, aber nicht überzogenen Figuren, bei dem man halt hervorragend miträtseln kann.
Die Auflösung ist dabei glaubwürdig und aber auch nichts Neues; da gab es schon deutlich vor Schluss für mich einen Heureka-Moment, in dem ich dachte: „Okay, dieser Figur nehm ich das so nun nicht ab. Ich glaub, tatsächlich ist es [soundso] gewesen.“ Letztlich hat sich [soundso] auch als der wahre Hintergrund erwiesen, so dass es mich schon noch ein wenig sehr amüsiert hat, dass Horowitz selbst Hawthorne gegenüber, der es auch schon durchschaut hatte, doch zunächst weiterhin sehr auf dem Schlauch stand. Für mich wurde das Hörvergnügen beim „Mord in Highgate“ aber auch nicht dadurch geschmälert, dass ich Täter und Motiv dann bereits deutlich erahnt hatte; ich hatte trotzdem Vergnügen, den weiteren „Verhören“ zu lauschen.

Insgesamt war „Mord in Highgate“ da nun ein wenig spektakulärer, aber sehr zum Miträtseln einladender Krimi, den ich vor Allem den Liebhabern der ganz klassischen Whodunnit-Krimis definitiv ans Herz legen kann!