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Veröffentlicht am 02.10.2021

Vieles kann brennen

Der Brand
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Von Büchern aus dem Diogenes Verlag wurde ich bisher noch nie enttäuscht. Sie hielten noch immer, was sie versprachen. So auch dieser Roman "Der Brand" von Daniela Krien.

Bücher dieses Verlages erkennt ...

Von Büchern aus dem Diogenes Verlag wurde ich bisher noch nie enttäuscht. Sie hielten noch immer, was sie versprachen. So auch dieser Roman "Der Brand" von Daniela Krien.

Bücher dieses Verlages erkennt man sofort am Format und auch am Cover. Dieses Taschenformat passt in so gut wie jede Handtasche und kann somit bequem überall hin mitgenommen werden - auf Reisen mit Bahn oder Flugzeug, zum Arzt oder in die Mittagspause usw.

"Der Brand" würde ich als ein Buch für lebenserfahrene Leser bezeichnen, denn von Romantik ist es weit entfernt. Meist kommt der Roman eher nüchtern daher - vielleicht auch ernüchternd. "Ehen werden im Himmel geschlossen, aber auf Erden gelebt", besagt ein altes deutsches Sprichwort. Genau diese Lebensweisheit vermittelt die Autorin mit ihrem Buch. Trotzdem ist es anrührend zu lesen.

Vordergründig handelt dieser Roman von einem Ehepaar (Rahel und Peter) das gemeinsam älter geworden ist. Noch nicht richtig alt, aber auch nicht mehr jung. War es am Anfang die junge Liebe die alles schaffte - im Laufe der Jahre haben sie sich dann doch auseinander gelebt. Nicht so sehr, dass eine sofortige Trennung angesagt wäre, doch jeder geht seiner eigenen Wege. Das Verständnis für einander ist ihnen abhanden gekommen. Sie sind nicht unglücklich, doch richtig glücklich sind sie auch nicht mehr. Erzählt wird aus der Sicht von Rahel und sie spricht es auch laut aus - so weiter machen wie bisher geht nicht. Doch der Roman ist viel mehr als nur eine Paarbeziehung, die in die Jahre gekommen ist.

Tatsächlich packt einen dieser Roman erst dann, wenn man sich voll und ganz darauf einlässt. Erst dann entdeckt man die vielen Nebenthemen und unterschiedlichsten Lebens-Schauplätze. Wie war es, in der ehemaligen DDR aufzuwachsen, sich das Leben einzurichten und plötzlich damit konfrontiert zu werden, dass alles woran man glaubte nicht mehr wahr sein konnte? Mit der Wiedervereinigung änderte sich nicht nur was man verändert haben wollte, sondern der komplette Alltag. Niemand kann neu bei Null anfangen. Jeder nimmt sein altes Leben mit, egal wohin man geht oder wie sich die Welt gerade verändert. Auch für Rahel und Peter.

Da ist die neuere Erfahrung von Peter mit einer Studentin die ihn verbal attackiert, da er sie nach alt hergebrachter Manier mit "Frau" anspricht, obwohl sie sich geschlechtsneutral sieht und ihren Literaturprofessor für seine Anrede verhöhnt und der Lächerlichkeit an der Uni preisgibt. Die Studentin empfindet ihr Aufbegehren als ihr Recht, für Peter ist diese Reaktion Arroganz und Überheblichkeit. Dabei ist "jung sein" lediglich ein Privileg das sich automatisch mit der Zeit verflüchtigt - keine Leistung wie ein Professor dies von einer Studentin erwartet. Ein Generationenkonflikt.

Doch Rahel und Peter sind nicht nur ein älter werdendes Ehepaar, nein sie sind auch Eltern einer Tochter und eines Sohnes.

Einer der Abschnitte der mir besonders gefiel ist die Aussprache mit ihrer Tochter Selma, die aus ihrer Beziehung aussteigen will (Seite 117): "Ihr seid solche.... solche....". "Spießer?", fragt Peter schmunzelnd und fügt hinzu: "Wir sind deine Eltern , Selma, nicht deine Freunde. Unsere Aufgabe ist es nicht, dir nach dem Mund zu reden, sondern auch mal Dinge anzusprechen, die dir missfallen." Wie wahr! Mütter stellen sich gerne vor, die Freundin ihrer Tochter zu sein. Doch der Status einer Freundin ist ein ganz anderer, als der einer Mutter. Das bringt die Autorin in dieser kurzen Passage klar zum Ausdruck.

Ein weiterer Satz den ich mir notierte steht auf S. 182: ..." Die Art der Erziehung war Gegenstand heftiger Diskussionen, und manche Verbindung mit allzu lässigen Eltern und ihren schuldlos unsympathisch gewordenen Kindern ließ sich nicht aufrechterhalten". Wer kennt sie nicht, die Kinder denen vergessen wurde Grenzen zu setzen und die kein Gespür dafür haben, dass ihre eigenen Bedürfnisse nicht der Mittelpunkt der Welt sind und denen man als Außenstehender Abneigung entgegen bringt.

Wahrscheinlich stimmt es nicht in allen Fällen, aber eine gewisse Wahrheit enthält es doch ( S. 224): " Satte Zeiten bringen schwache Kinder hervor". Das Leben zu leben will auch gelernt werden.

Ein anderer Aspekt dieses Romans ist, wie es sich anfühlt nicht zu wissen, wer der eigene Vater ist, weil die Mutter sich bis zu ihrem Tod darüber ausschweigt. So ergeht es Rahel.

Dies ist ein vielschichtiger Roman, geschrieben in kurzen prägnanten Sätzen. Keine weitschweifigen Ausführungen. Und trotzdem schafft es die Autorin, ganz viel gelebtes Leben als auch Gedanken darüber in diesem Buch unter zu bringen.

Mir gefiel dieser Roman, in dem es keinerlei Längen gibt, sehr gut,

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Veröffentlicht am 12.09.2021

In diesem Buch gehen Tragik und Hoffnung Hand in Hand

Ein erhabenes Königreich
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"Ein erhabenes Königreich" von Yaa Gyasi aus dem Dumont Verlag ist ein außergewöhnliches Buch. Das fängt schon mit dem Cover an. Bereits bei meinem ersten Blick darauf sprang der Funke über. Ich weiß nicht ...

"Ein erhabenes Königreich" von Yaa Gyasi aus dem Dumont Verlag ist ein außergewöhnliches Buch. Das fängt schon mit dem Cover an. Bereits bei meinem ersten Blick darauf sprang der Funke über. Ich weiß nicht mehr wie oft ich dieses Buch in Händen hielt und mir immer wieder das Äußere anschaute. Das Cover schlägt einen Bogen zum Inhalt des Romans und wenn ich mit den Händen darüber strich, war es für mich Begreifen im wahrsten Sinne des Wortes.

Im Mittelpunkt des Romans steht Gifty, eine Neurowissenschaftlerin und Doktorantin an einem Institut in San Francisco. Während sie ihre Labor-Mäusen trainiert, süchtig macht, später deren Schädel öffnet, das Gehirn verkabelt und erforscht wie die Hirnströme fließen, erfahren wir als Leser die Geschichte ihrer Familie.

Ihre Familie stammt aus Ghana. Die Mutter (Nana) war das dortige arme Leben leid und träumte vom finanziellen Glück und war die treibende Kraft bei der Auswanderung in die USA. Sie landeten in einem überwiegend von Weißen bewohnten Staat. Doch es war nicht zu übersehen, die Familienmitglieder sahen anders aus als die meisten in der neuen Heimat - sie hatten eine schwarze Hautfarbe. Und dieser soziale Aspekt gibt dem Buch das Besondere. Wir lesen nicht nur wie es ist in einer weißen Welt schwarz zu sein, nein, als Leser schlüpfte ich oftmals in die Person Gifty, fühlte wie sie sich anpasste, klein machte und manchmal nicht gesehen werden wollte.

An dieser Stelle muss ich vielleicht ausführen, dass mich Romane von dunkelhäutigen, afrikanischen Frauen schon seit längerer Zeit begeistern. Graue Haare kann man färben wenn man damit nicht auffallen will. Aber eine schwarze Hautfarbe kann man nicht verstecken. Sie bleibt gleichermaßen schwarz. Dunkelhäutige Frauen haben nicht nur die normalen Alltagsprobleme aller Frauen, nein, sie gehen durch ihr Leben und werden auch noch angestarrt, weil sie in einer weißen Welt auffallen, obwohl sie das nicht wollen. Dieses Gefühlt lese ich auch aus diesem Roman.

Die Mutter von Gifty bekam die schlecht bezahlten Jobs. Oftmals mehrere gleichzeitig, damit das Geld reichte. Giftys Vater, ein großer stattlicher Mann, musste sich als Hausmeister oder mit sonstigen unterbezahlten Jobs rumschlagen und irgendwann hatte er dieses Leben in der westlichen Welt satt, ließ seine Frau, seine Kinder im Stich und floh zurück nach Hause, nach Ghana. Diese Passage hat mich besonders berührt. Das Leben, weshalb seine Frau ihr Geburtsland verließ, war für den Chin-Chin Mann, wie er genannt wird, nicht erstrebenswert. Irgendwie passt das nicht so richtig in unser Weltbild.

Zurück blieb die Mutter mit Gifty und deren Bruder, einem sehr talentierten Sportler. Und hier verläuft der rote Faden, der später das Leben aller trübt. Am Anfang stand die Sportverletzung und das Medikament Oxycodon. (S.157) Doch was anfangs nicht bekannt war, dieses Medikament macht nach kürzester Zeit süchtig. Heute ist dies ein ganz großes Thema in den USA, denn die Zahl derer, die durch dieses Schmerzmittel abhängig wurden ist immens groß. Viele Menschen kämpfen derzeit gegen diese, durch ein Schmerzmittel verursachte Sucht.

Ein anderes großes Thema dieses Romans ist auch Religion, die Zuflucht für Gifty und ihre Familie. Doch Gifty hinterfragte die Predigten, wurde kritisch bis ablehnend, bis sie die Pastorin hörte. (S.142) ".... Mein ganzes Leben wäre anders verlaufen, wenn ich in der Kirche dieser Frau aufgewachsen wäre statt in einer Kirche, die Intellektualität als eine Falle der säkularen Welt mied, weil sie angeblich den Glauben unterminierte. ...." Es ist die persönliche Entwicklung von Gifty, die hier im Mittelpunkt steht. Fortschritt als Entwicklung. "Ich meine fortschrittlich auf die natürliche Weise, auf die das Erlernen von etwas Neuem erfordert, etwas Altes loszuwerden...." (S. 143) " Wir lesen die Bibel, wie wir sie lesen wollen. Sie verändert sich nicht, aber wir verändern uns". (S. 144)

Das ganze Buch durchzieht sowohl Hoffnung als auch Tragik. Dieser wunderbare Bruder, den sie so liebte starb nach einer Überdosis.

"Die einzige sichere Möglichkeit Sucht zu vermeiden, ist, nie eine Droge zu probieren". (S. 253) Doch dies war Giftys Erkenntnis, mit der sie ihren Bruder nicht mehr erreichen konnte. Für ihren Bruder kam dies zu spät. Im Grund starb in allen Familienmitgliedern etwas mit dem Bruder.

Nana versank in einer nicht enden wollenden Depression. Für Gifty wurde es zu einem Ziel, mit ihrer Arbeit und Forschung anderen Menschen helfen zu können. An Mäusen erprobte sie, wie das Hirn auf Sucht reagiert.

Zitate: "Meiner Mum wird es besser gehen" sage ich zu...."
"Ich werde meine Arbeit zu Ende schreiben und promovieren, und in Jahren wird diese Arbeit etwas wert gewesen sein, wird für irgendjemanden wichtig sein, und meine Mutter wird es erleben, ja?"

Was für ein tiefgründiges und umwerfendes Buch!

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Veröffentlicht am 15.08.2021

Gut gemacht Fischi!

GAME TIME
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Obwohl ich kein Eishockey Fan bin, hat mich dieses Buch begeistert - nein, mehr noch, ich war fasziniert. Wie mag es da erst Sport-Enthusiasten ergehen? Die sind sicherlich aus dem Häuschen.

Inhaltlich ...

Obwohl ich kein Eishockey Fan bin, hat mich dieses Buch begeistert - nein, mehr noch, ich war fasziniert. Wie mag es da erst Sport-Enthusiasten ergehen? Die sind sicherlich aus dem Häuschen.

Inhaltlich geht es um den Werdegang des Patrick Fischer - vom 3jährigen Käsehoch der schon voller Stolz in viel zu großer Eishockeymontur auf dem Eis stand, über seine jugendlichen Sturm- und Drangjahre aus denen nahezu nahtlos der Weltklasse-Spieler hervor geht, der es bis in die amerikanische Eiskockeyliga schaffte. Doch auch die größten und besten Sportler sind nicht gegen Verletzungen gefeit und werden ausgebremst. So auch Fischi - wie ihn Freunde und Kollegen nennen. Es war eher ein persönliches Gefühl "Game over", dass sich seine aktive Karriere als Spieler dem Ende zu neigte, als dass man ihm den Abschied als aktiver Spieler nahe legte. Nach etwas Überlegung war es sein freier Entschluss seinen Beruf, der auch sein Leben war, an den berühmten Nagel zu hängen.

Doch es wäre nicht Fischi, hätte es ihn nicht wieder an die Bande in der Eis-Arena getrieben. Vom anfänglichen Co-Trainer geht es nach und nach wieder ganz nach oben, bis hin als National-Trainer der schweizer Eishockey-Nationalmannschaft.

Soviel zum Vordergründigen dieser Lektüre. Doch dieses Buch zeigt mehr als nur den Spieler und Trainer. Als Leser lernt man Eltern kennen, die voll hinter dem Talent ihrer Kinder stehen und dieses fördern. Ohne Mama-Taxi in Patricks Kindheit, wäre es nicht gegangen. Ein außergewöhnliches Talent ist eine Sache, doch wie viele Menschen mit großem Talent schaffen es nicht bis an die Spitze, da es an Trainingsfleiß, Unterstützung der Familie oder auch am notwendigen Quäntchen Glück mangelt? Dass es bei ihm so perfekt läuft, hängt wohl auch mit seiner Spiritualität zusammen. Patrick weiß, Sport ist mehr als nur Muskelkraft und begab sich zusammen mit seinem Bruder in Peru auf die Suche nach sich selbst - und fand sich. Das ist ein ganz spannender und faszinierender Teil des Buches.

Bei Fischi passt sportlich alles zusammen. Welch ein Glücksfall! Doch es gibt, private Rückschläge, die bewältigt werden wollen, wie z. B. die Trennung von seiner Lebensgefährtin und später von seiner ersten Ehefrau.

Was mir sehr gut an dieser Biographie gefällt ist, dass wir nicht nur Patrick Fischers Sicht der Dinge erfahren. Es kommen mehrere Menschen seines Umfeldes zu Wort und jeder berichtet von seinen eigenen Eindrücken und Erlebnissen mit ihm. Eltern, Bruder, Weggefährten. Jeder trägt dazu bei, dass man am Ende glaubt, Patrick Fischer selbst zu kennen.

Dieses Buch ist reich bebildert und es zeigt nicht nur den Spieler und späteren Trainer Patrick Fischer, sondern auch den stolze Vater.

Eins weiß ich jetzt schon: Bei der nächsten Olympiade werde ich ganz sicher auch mal bei Eishockey-Spielen vor der Mattscheibe sitzen und nicht nur mit der eigenen Nationalmannschaft mitfiebern sonder auch mit der schweizerischen.

Wie schon oben geschrieben: Für sportbegeisterte Leser ist dieses Buch nahezu ein Muss.

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Veröffentlicht am 06.07.2021

Hautfarbe von Hellbraun bis Tiefschwarz

Mädchen, Frau etc. - Booker Prize 2019
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Das Buch "Mädchen, Frauen etc" von Bernadine Evaristo ist ein Buch, dass mich um den Schlaf brachte. Nachts um 3 Uhr bin ich wieder aufgestanden, um weiter zu lesen, was mich dermaßen begeisterte. Der ...

Das Buch "Mädchen, Frauen etc" von Bernadine Evaristo ist ein Buch, dass mich um den Schlaf brachte. Nachts um 3 Uhr bin ich wieder aufgestanden, um weiter zu lesen, was mich dermaßen begeisterte. Der Roman ist faszinierend, zeigt uns ein Abbild unserer euroäischen Welt, wie wir Weiße es nicht auf dem Schirm haben!


Aufmerksam auf dieses Buch wurde ich durch das farbenprächtige Cover. So bunt stelle ich mir Afrika vor. Meine Neugierde war geweckt. Doch die Leseprobe ließ mich unschlüssig zurück. Ein Roman bei dem es weder Punkt am Ende, noch Großschreibung am Anfang eines Satzes gibt - finde ich mich da in die Handlung? Oder lege ich dieses Buch nach 30 Seiten entnervt zur Seite, weil es mir zu anstrengend ist?


Nichts dergleichen! An die Schreibweise hatte ich mich nach wenigen Seiten gewöhnt. Jedes Satzende ergab sich durch den Sinn.


Im Mittelpunkt des Romans stehen Frauen. Theaterregisseurin, erfolgreiche Investmentbankerin, Lehrerin, Unternehmerin usw. Im Grunde alles Menschen, wie sie uns Tag für Tag irgendwo auf der Straße begegnen können und die wir im Alltagstrott nicht mehr wahrnehmen. Doch diese Frauen sind anders. Sie haben alle eine Gemeinsamkeit: Ihre Hautfarbe ist nicht Weiß sondern von hellem Braun bis hin zu tiefem Schwarz. Sie kamen aus der ganzen Welt - nicht nur aus Afrika - und leben nun in oder in der Nähe von London. In einer weißen Gesellschaft fallen sie auf, obwohl sie alles dafür tun akzeptiert und möglichst auch übersehen zu werden. Sie haben Abschlüsse in ihrer Heimat gemacht, kamen nach London in der Hoffnung auf ein gutes Leben, nur um erkennen zu müssen, dass ihre Abschlüsse in der weißen Welt nichts wert sind. Trotzdem beißt sich jede von ihnen durch.


S. 212: "...sie erzählte ihm von Carol, die als Bankerin in der City arbeitete, und von Freddy, der aus der englischen High Society stammte


sie gestand ihm, wie erschüttert sie gewesen war, als Carol ihr erzählte, sie werde einen Weißen heiraten, es war der Anfang vom Ende ihrer rein nigerianischen Abstammungslinie


ihre Kinder werden hellere Haus haben, und deren Kinder werden aussehen wie Weiße


nach nur zwei Generationen zu verschwinden


ist es das, wofür wir nach England gekommen sind?"


Zu Beginn die Theaterregisseurin Amma, die lt. ihrer Tochter Yess mit keiner Liebhaberin zweimal ins Bett geht. Amma ist kraftvoll und hat Durchsetzungsvermögen. Nach vielen Jahren der Arbeit und Entbehrung wird ihr Stück im London Theater aufgeführt. Sie hat es endlich geschafft, bekommt die Anerkennung für die sie kämpfte und die ihr trotzdem so lange verwehrt blieb.


Amma und Yess, zwei Biographien die es in sich haben und ganz sicher nicht als alltäglich zu bezeichnen sind. Doch es geht auch recht bürgerlich zu mit der Lehrerin Shirley, die sich in ihrem Bemühen aufreibt, ihren Schülerinnen zu einem guten Start ins Leben zu verhelfen. Am Ende bleibt sie selbst ausgebrannt zurück und zweifelt am Sinn all dessen, wofür sie einst brannte. Jede der vorgestellten Frauen ist auf ihre Art besonders.


Wer jetzt glaubt, es ginge nur um Probleme, der irrt. Es gibt viele lustige Begebenheiten und das Buch bringt einen mehr als einmal zum Schmunzeln. Und manchmal bleibt einem auch das Lachen im Hals stecken. Die Frauen kämpfen nicht nur mit Schwierigkeiten in ihrem Leben, bzw. ihren Beziehungen, sondern auch immer auf die ein oder andere Weise mit ihrer Hautfarbe.


Für diesen Roman bekam Bernadine Evaristo 2019 den Booker Prize. Ich finde, für diesen Roman hat sie es auch verdient, denn es ist ein gewaltiges Werk. Manchmal dachte ich, das Buch sei zu überladen. Doch je öfter ich darin las war ich überzeugt, es ist genau richtig, wie es geschrieben wurde. Es beunruhigt den Leser, treibt ihn aus seinem Schneckenhaus, von der Couch auf der man es sich bequem gemacht hat. Diese unterschiedlichen Lebensentwürfe wie sie hier beschrieben werden sind kraftvoll bunt und manchmal äußerst ungewöhnlich, aber nie eintönig oder langweilig.





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Veröffentlicht am 14.06.2021

Ein Ziel vor Augen - dazu Ausdauer, Beharrlichkeit und Fleiß

Der Junge, der den Wind einfing
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Das Jugendbuch "Der Junge der den Wind einfing" basiert auf wahren Begebenheiten. Es ist die Autobiographie des William Kamkwamba.

Zu Beginn des Buches erfährt der Leser sehr viel über den afrikanischen ...

Das Jugendbuch "Der Junge der den Wind einfing" basiert auf wahren Begebenheiten. Es ist die Autobiographie des William Kamkwamba.

Zu Beginn des Buches erfährt der Leser sehr viel über den afrikanischen Staat Malawi, in dem der Protagonist mit seiner Familie lebt. Wir, in unserem bequemen Dasein in der westlichen Zivilisation können uns kaum vorstellen wie es ist, in solch einem armen Land aufzuwachsen. Zauber kennen wir nur aus der Unterhaltungsbranche und Medizinmänner sind uns völlig fremd. In unseren Breitengraden muss alles rational sein. Nicht so in im Leben der Familie Kamkwamba. Williams Großvater war ein begnadeter Jäger. Die Beschreibung der Jagd, das Auftauchen der vielen Kobras und das anschließende Ritual des Medizinmannes ist in unserem Lebensvverständnis völlig abwegig. Doch die Menschen in Malawi glauben an solche Ereignisse.

Man muss sich als Leser in diese Sitten und Gebräuche hinein versetzen, damit man versteht wie die Menschen leben. Armut, Hunger und Tod waren und sind sicherlich noch immer ihre Begleiter, wenn die Ernte mal wieder nicht den Erwartungen entspricht. Diese Not schlägt sich auch in den Namen der Kinder nieder (S.137 Simkhalitsa - "ich sterbe sowieso", Manda "Grabstein" oder Phelantuni "töte mich rasch") Dazu ein völlig egoistisches Staatsoberhaupt, das die Sorgen und Nöte seines Volkes nicht sehen will und verleugnert. Ja, der sich nicht um sein Volk kümmert. Allein die Vorstellung, dass die Menschen in so einem armen Land auch noch Schulgeld zahlen müssen, obwohl der Verdienst kaum für das Nötigste zum Leben reicht, verschlägt einem die Sprache. Wie sollen die Bürger je zu einem sorgenfreien Leben oder gar Wohlstand kommen, wenn ihnen mangels Geld die notwendige Bildung verwehrt wird. Ein Anrecht darauf gibt es in dem Land nicht.

Worüber ich sehr viel nachdachte war, wieviel menschliches Potential durch diese äußeren Umstände ungenützt brach liegen. Vielleicht gäbe es gute Chemiker, Ärzte, Lehrer oder Handwerker - wenn für die finanziell armen Menschen die Möglichkeit bestünde, eine gute Ausbildung zu bekommen.

Wie sagt man in solchen Fällen: Die Katze beißt sich in den Schwanz.

William Kamkwamba wollte sich mit diesem Leben nicht abfinden. Als er mangels Schulgeld zu Hause bleiben musste, verbrachte er seine Zeit in der Bibliothek und las, was ihm in die Finger kam. Bereits da zeigte sich sein Interesse an Technik. Die Grundlage zu seinem Berufswunsch wurde zu diesem Zeitpunkt gelegt: Er beschloss Wissenschaftler zu werden.

Mit dem Wenigen was er hatte baute er nach der Anleitung in einem Buch eine Windmaschine und erzeugte Strom. Ein langer und schwieriger Weg mit vielen Komplikationen. Doch er schaffte es.

Der Rest kam nachher wie von selbst: Zur richtigen Zeit wurden die richtigen Leute am richtigen Ort auf ihn aufmerksam. Wenn auch mit Verspätung erhielt er die Schulbildung, die er sich immer wünschte und für seinen Beruf braucht. Bei Netflix machte man aus dieser afrikanischen Heldengeschichte einen Film.

Dies ist ein Jugendbuch, dem man unbedingt Beachtung schenken muss. "Der Junge der den Wind einfing" eignet sich bestens zur Pflichtlektüre in Schulen. Besser kann man jungen Menschen nicht vor Augen führen, dass man so gut wie alles erreichen kann, wenn man ein Ziel vor Augen hat, über Ausdauer, Fleiß, Beharrlichkeit verfügt und sich auch nicht von Rückschlägen den Willen brechen lässt.

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