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Veröffentlicht am 27.02.2023

Fiktion und Wirklichkeit

Morgen, morgen und wieder morgen
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Über gemeinsames Nintendo-Spielen entsteht zwischen Sam und Sadie eine Kinderfreundschaft, die allerdings nur sechshundertneun plus vier Stunden andauert. Nach diesem Bruch treffen sie per Zufall Jahre ...

Über gemeinsames Nintendo-Spielen entsteht zwischen Sam und Sadie eine Kinderfreundschaft, die allerdings nur sechshundertneun plus vier Stunden andauert. Nach diesem Bruch treffen sie per Zufall Jahre später als Studenten wieder aufeinander, und erneut ist es ein Computerspiel, das beide zusammenführt. Sie beschließen, in Zusammenarbeit eine eigene Spielidee zu realisieren. Beruflicher Erfolg bleibt nicht aus, doch privat gibt es Probleme...
In lockerem, aber nicht oberflächlichem Stil erzählt Gabrielle Zevin von den Kindern Sadie und Sam und ihrem Werdegang als Studenten und später Spieleentwickler. Das Setting, die USA in den neunziger Jahren und Anfängen des 21. Jahrhunderts, als Romanhintergrund wird glaubhaft und lebendig vermittelt. Auch die Charaktere sind mit all ihren positiven wie auch negativen Eigenschaften authentisch dargestellt ebenso wie die (zahlreichen) Probleme, mit denen sie konfrontiert werden.
Zevins Idee, ihren Roman im Milieu von Computerspielen und Spieleentwicklern handeln zu lassen, ist sicher originell und wirklich fantasievoll und unterhaltsam ausgeführt. Doch bei allem habe ich den Eindruck, dass die Hauptfiguren sich zwar beruflich weiter entwickeln, aber persönlich kaum Fortschritte machen, auch wenn sie schon lange ihre zwanziger Jahre überschritten haben. Oder sollte das so von der Autorin beabsichtigt sein? Das erschließt sich mir nicht.
„Morgen, morgen und wieder morgen…" - der Spieler eines Videogames hat die Möglichkeit, bei Misserfolg unbeschadet immer wieder von vorn beginnen - gilt das auch für unser reales Leben?


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Veröffentlicht am 15.02.2022

„Kindererziehung ist manchmal besser als Kino“ …

Meine kleine Welt
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… stellt Ewald Arenz in einer seiner Kurzgeschichten fest, und jeder, der selbst Kinder hat, kann ihm da ohne Vorbehalt zustimmen. Mit viel Humor erzählt der Autor aus seinem alltäglichen Leben, in dem ...

… stellt Ewald Arenz in einer seiner Kurzgeschichten fest, und jeder, der selbst Kinder hat, kann ihm da ohne Vorbehalt zustimmen. Mit viel Humor erzählt der Autor aus seinem alltäglichen Leben, in dem es (natürlich) nicht nur harmonisch zugeht. Ob in seiner Funktion als Lehrer, beim Treffen mit Freunden oder in der Kernfamilie: kleine Katastrophen und Erziehungsprobleme werden mit Ideenreichtum und Witz gemeistert. Das eine oder andere Problem kennt sicher fast jeder Leser, auch wenn so manche Situation überspitzt dargestellt wird.
Arenz´ „Kleine Welt“-Szenen sind amüsant, locker geschrieben und leicht zu lesen. Allerdings vermisse ich die Qualität, die mich in seinen beiden letzten Romanen begeistert hat. Für mein Empfinden reichen seine Kurzgeschichten atmosphärisch und sprachlich nicht an „Alte Sorten" oder "Der große Sommer"heran, die ich sehr schätze. Schade.


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Veröffentlicht am 27.08.2021

"Du bist dieser hier"

Der zweite Jakob
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„Natürlich will niemand sechzig werden …" So beginnt Jakob Thurner, ein alternder Schauspieler, seine Geschichte. Eine Feier ist geplant, sogar eine Biografie - Jakob aber will all dem entgehen und plant ...

„Natürlich will niemand sechzig werden …" So beginnt Jakob Thurner, ein alternder Schauspieler, seine Geschichte. Eine Feier ist geplant, sogar eine Biografie - Jakob aber will all dem entgehen und plant einen Amerika-Urlaub mit seiner Tochter Luzie. Doch die unternimmt diese Reise anstatt mit ihrem Vater letzendlich mit ihrem Freund Mirko, den Jakob nicht leiden kann. Schuld daran ist Jakobs Geständnis ihr gegenüber, dass er vor vielen Jahren an einem Autounfall beteiligt war und Fahrerflucht beging. Luzie erfährt allerdings nicht die ganze Wahrheit darüber. In Zeitsprüngen erzählt Jacob dem Leser von diesem Unfall und den Geschehnissen, die ihm vorangingen bzw. folgten.
In anspruchsvollem Stil schreibt Gstrein über die Schuld, die Jacob gern getilgt hätte. Nach und nach kommen noch weitere Verstrickungen und Versäumnisse ans Licht. Nur von dem ersten Jakob, nach dem der Schauspieler genannt ist und für den er sorgen soll, erfährt der Leser nur das Nötigste; er bleibt im Hintergrund, so wie er sich tatsächlich oft im Keller versteckt. Was den zweiten Jakob umtreibt, ist vor allem die Frage nach dem "Wer bin ich“, auf die er zwar mehrere Antworten, aber keine endgültige findet: "War ich der? Oder war ich ein anderer?".
„Der zweite Jakob“ - ein komplexer Roman, den Norbert Gstrein hier vorlegt, jedoch ansrengend zu lesen und mit (für meinen Geschmack unnötigen) Längen!

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Veröffentlicht am 14.06.2021

Leichte Unterhaltung

Der erste letzte Tag
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Ein Fitzek-Roman - einmal ganz anders! Als Autor von Psychothrillern hat Sebastian Fitzek sich einen Namen gemacht. Auch in seinem neuen Buch „Der erste letzte Tag“ kommt die Psychologie nicht zu kurz. ...

Ein Fitzek-Roman - einmal ganz anders! Als Autor von Psychothrillern hat Sebastian Fitzek sich einen Namen gemacht. Auch in seinem neuen Buch „Der erste letzte Tag“ kommt die Psychologie nicht zu kurz. Denn im Verlauf einer Fahrt von München nach Hamburg gibt er tiefe Einblicke in das Seelenleben seiner Protagonisten. Was für den Lehrer Livius und die abgedrehte Journalistin Lea als Not-Fahrgemeinschaft beginnt, wird recht schnell zu einem Stresstest. Zunächst sieht Livius Leas Idee, diesen gemeinsamen Tag „on the road“ so zu gestalten, als sei es ihr letzter im Leben, als Spiel an. Doch Leas Konsequenz stellt ihn auf eine harte Probe …
Dass er einen Roman auch ganz ohne (psychische) Gewalttaten schreiben kann, beweist Fitzek hier auf lockere und sehr humorvolle Weise. Sein „Roadtrip“ hält so manche Überraschung bereit, aber auch tiefere Erkenntnisse, menschliche Zuwendung und Wärme. Mit viel Wortwitz führt er durch die rasante, teils kuriose Handlung und stellt uns die unterschiedlichsten Charaktere vor. "Der erste letzte Tag": Ein sommerleichter Roman, nicht tiefschürfend, aber sehr unterhaltend.

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Veröffentlicht am 31.05.2021

Verlust und Neuanfang

Unter Wasser Nacht
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Der Tod des eigenen Kindes ist eine furchtbare Tragödie. Wie gehen Eltern damit um, wie verarbeiten sie dieses Schicksal?
Der Unfalltod von Sophies und Thies´ Sohn Aaron liegt inzwischen mehr als ein Jahr ...

Der Tod des eigenen Kindes ist eine furchtbare Tragödie. Wie gehen Eltern damit um, wie verarbeiten sie dieses Schicksal?
Der Unfalltod von Sophies und Thies´ Sohn Aaron liegt inzwischen mehr als ein Jahr zurück, doch sie haben das Geschehen noch lange nicht verarbeitet. Neiderfüllt blickt Sophie auf die befreundete vierköpfige Nachbarsfamilie, in der das Leben perfekt abzulaufen scheint. Eines Tages erscheint eine Fremde aus Dänemark, Mara. Ihr Erscheinen bringt nicht nur Thies´ Gefühlswelt durcheinander, sondern weckt auch bei einigen Dorfbewohnern dunkle Erinnerungen.
Wechselweise schildert Hauff die Sichtweisen der Hauptakteure auf die Ereignisse und entrollt so nach und nach die Gedankenwelt der Protagonisten. Stück für Stück treten Geheimnisse zutage; der Leser erfährt einige Details über Maras Beweggründe und gleichzeitig mehr über die Ursache von Aarons Ertrinken. Das geschieht in einem ruhigen Rhythmus, keineswegs hektisch oder aufgeregt, und bleibt trotzdem spannend. Der Fokus des Romans liegt meines Erachtens auf den Problemen des Ehepaares Thies und Sophie. Ihre Schuldgefühle, ihre Suche nach dem Grund für das Ertrinken ihres Kindes, ihre Bemühungen, den Verlust gemeinsam zu verabeiten - das wird ganz intensiv nachempfunden. Allerdings hat mich etwas gestört, dass die Autorin Maras Geschichte als fast gleichwertig eingeflochten hat. Sie lenkt meiner Meinung nach sehr vom eigentlichen Thema ihres Romans ab: dem Thema von Verlust und Neuanfang.

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