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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2021

In der Falle

Oscar Wilde & Mycroft Holmes - Folge 33
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Wilde ist gefangen und sitzt irgendwo tief unter der Erde fest. Allein, ohne Aussicht auf Hoffnung. Oder doch nicht allein? Plötzlich erreichen ihn von allen Seiten die anderen Sonderermittler der Krone ...

Wilde ist gefangen und sitzt irgendwo tief unter der Erde fest. Allein, ohne Aussicht auf Hoffnung. Oder doch nicht allein? Plötzlich erreichen ihn von allen Seiten die anderen Sonderermittler der Krone und schnell wird klar: Der Zirkel der Sieben hat einen großen Coup gelandet. Er hat seine Feinde in eine Mausefalle gelockt, aus der es kein Entkommen gibt. Oder doch? In der Zwischenzeit wird Mycroft Holmes zusammen mit van Helsing und Jonathan Harker ein Gefangener seines eigenen Hauses. Ich sagte ja schon immer, so ein Smart Home hat nicht nur Vorteile, nicht einmal im 19. Jahrhundert ...

Bei dieser Folge habe ich mich seit langer Zeit mal wieder richtig gut unterhalten gefühlt. Sie hatte die Power der ersten zehn Folgen, endlich mal wieder unterhaltsamer Action, das Fallen von einer aussichtslosen Situation in die nächste und das Beste: ein Cliffhanger. Ein Ende, das erschüttern soll, auch wenn der aufmerksame Hörer natürlich sicher ist, dass das, was behauptet wird, nicht der Wahrheit entsprechen kann. Mir gefiel, dass so viele interessante Menschen der alten Klassiker aufeinandertrafen und der Fokus nicht so extrem auf Wilde und Holmes lag, deren Interaktion, das muss man nach über 30 Folgen einfach mal sagen, langsam ermüdet. Dass jemand geopfert wurde, den ich persönlich mochte, war schade, aber endlich auch einmal ein kleines bisschen authentisch. Alles in allem hoffe ich einfach, dass wieder neuer Schwung in die Serie kommt und die nächsten Folgen dieses Niveau halten.

Veröffentlicht am 28.06.2021

Der Schatten des Magiers

Die dunklen Pfade der Magie
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Csorwe ist vierzehn, als sie auf Sethennai trifft, und sie hat nicht mehr lange zu leben, ist sie doch einem Gott als Opfer versprochen. Doch Sethennai ist ein Magier auf der Suche nach einem mächtigen ...

Csorwe ist vierzehn, als sie auf Sethennai trifft, und sie hat nicht mehr lange zu leben, ist sie doch einem Gott als Opfer versprochen. Doch Sethennai ist ein Magier auf der Suche nach einem mächtigen und wertvollen Artefakt und er macht ihr ein Angebot: Sie kann sterben oder sie tritt in seine Dienste und lebt. Csorwe wählt das Leben und damit eine Ausbildung als Schwerthand des Magiers. Mit ihm durchquert sie viele Welten durch Portale, sie lernt zu kämpfen und sie ist unverbrüchlich loyal. Auf der Suche nach dem Artefakt trifft sie auf eine weitere Magierin - Shutmili, die ebenfalls auf eine gewisse Art geopfert werden soll. Csorwe öffnet der jungen Frau die Augen, doch umgekehrt erkennt sie auch, dass ihr Leben nicht so perfekt ist, wie sie geglaubt hat. Und dann muss sie sich wieder entscheiden: Das Artefakt und damit ihre Treue zu Sethennai oder das Leben und ihre wachsende Liebe zu Shutmili.

Ich weiß gar nicht, warum dieses Buch so viele schlechten Kritiken bekommen hat. Für mich hatte es total den Jay-Kristoff-Vibe, den dieser in seiner Nevernight-Trilogie erzeugt hatte. Dazu eine ebenso faszinierende Welt bzw. viele Welten, die es zu durchqueren, zu erobern oder aus denen es zu entkommen galt. Csorwe entwickelt sich von einem naiven, unwissenden vierzehnjährigen Mädchen zu einer toughen Frau, die sich nur selten hinters Licht führen lässt. Ich mochte auch den Schreibstil und wie die Beziehungen untereinander beschrieben wurden. Der einzige Grund, warum dieses Buch keine Höchstwertung erhält, ist, dass es mir im Zwischenteil ein bisschen zäh wurde. Ansonsten ist das schon ein Buch, das Leute, die mal die ausgetretenen Pfade der Magie verlassen wollen, in Erwägung ziehen könnten. Sie sollten allerdings auch in der Lage sein, sich mehr als zwei etwas ungewöhnliche Namen zu merken oder wenigstens zuordnen zu können und nicht homophob sein.

Veröffentlicht am 17.06.2021

Stadt der Gründer

Megaheaven
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Gordon Dunnhil ist ein junger Ermittler in der von vielen Wesen bevölkerten Metropole Panurbia. Als er eines Tages zu einer toten Grauschwinge - einer geflügelten Spezies, die normalerweise nicht in Panurbia ...

Gordon Dunnhil ist ein junger Ermittler in der von vielen Wesen bevölkerten Metropole Panurbia. Als er eines Tages zu einer toten Grauschwinge - einer geflügelten Spezies, die normalerweise nicht in Panurbia lebt - gerufen wird, sagt man ihm gleich, dass er sich nicht weiter um diesen Fall kümmern soll. Doch Gordon ist hartnäckig, er will herausfinden, was der Grauschwinge zugestoßen ist und will die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Dabei stößt er auf eine riesige Intrige, einen jahrhundertealten Konflikt zwischen zwei herrschenden Parteien der Stadt, und er begreift, dass er die endgültige Konfrontation zwischen ihnen verhindern muss oder ganz Panurbia wird untergehen.

Was für eine starke Idee! Und tatsächlich mochte ich die Umsetzung sehr, auch wenn sie manchmal schneller hätte Fahrt aufnehmen können. Gordon und viele der vorgestellten Wesen waren sehr sympathisch und an Ideen mangelt es dem Autor nicht. Allerdings hätte er manche Sachen wirklich besser ausarbeiten müssen, die wurden dann einfach mal als Isso abgetan. Hier hätte ein vernünftiger Lektor viel Gutes tun können - ich glaube, ein richtiges Lektorat hat nicht stattgefunden, sonst gäbe es die Rechtschreibfehler nicht, die mir immer mal wieder aufgefallen sind. Trotzdem hat mich das Buch einnehmen können; es ist originell und beinhaltet viele der Dinge, die ich gerne lese.

Veröffentlicht am 17.06.2021

Ozeane der Zeit

Bram Stoker's Dracula - Comic zum Film
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Dracula. Ein Klassiker. Wer kennt diese Geschichte nicht? Es geht um Vlad Dracula, einen rumänischen Adligen, der im 15. Jahrhundert eine weitaus größere türkische Armee besiegt, aber das Liebste verliert, ...

Dracula. Ein Klassiker. Wer kennt diese Geschichte nicht? Es geht um Vlad Dracula, einen rumänischen Adligen, der im 15. Jahrhundert eine weitaus größere türkische Armee besiegt, aber das Liebste verliert, was er hat: seine Frau Elisabeta. Wütend auf einen Gott, der ihn im Stich ließ, entsagt er sich allem Christlichen und wird zu einem Wanderer in der Zeit. Im 19. Jahrhundert trifft ein junger Anwalt auf ihn, tief in den Karpaten. Er soll ihm Grundstücke in England verkaufen. Jonathan Harker, so der Name des Anwalts, wird noch viel Zeit haben, diese Reise zu bereuen, denn so holt er einen Vampir nach England und bringt damit auch seine Verlobte Mina Murray in höchste Gefahr. Erst als sich Professor van Helsing der Sache annimmt, kommt Licht ins Dunkel ...

Ein bisschen Licht im Dunkel wäre auch bei den Zeichnungen manchmal angebracht gewesen. So sind sie eigentlich wirklich gut gelungen, aber es gab Szenen, wo ich lange hinsehen musste, um zu begreifen, was jetzt dargestellt werden sollte. Und was ich persönlich ärgerlich fand, war das teilweise miese Lektorat. Wenn gleich mal auf Seite 1 Jonathan Harker als Jonathan Hacker bezeichnet wird, lässt das nicht auf nötige Sorgfalt schließen. Ansonsten hat mir die Graphic Novel des Klassikers gut gefallen.

Veröffentlicht am 13.06.2021

So hoch wie zwei Pferde

Der Ickabog
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Es war einmal ...

... ein Königreich namens Schlaraffien. Das wurde von einem schönen, blonden König namens Fred dem Furchtlosen regiert. Der war bei der Bevölkerung sehr beliebt. Allerdings war er auch ...

Es war einmal ...

... ein Königreich namens Schlaraffien. Das wurde von einem schönen, blonden König namens Fred dem Furchtlosen regiert. Der war bei der Bevölkerung sehr beliebt. Allerdings war er auch recht dumm. Und er hatte zwei Freunde, zwei mächtige Lords, die ihn berieten. Diese beiden Lords wurden immer gieriger und gieriger, und um ihre Machtpositionen zu sichern, dachten sie sich das Märchen von einem furchtbaren Ungeheuer aus, das bekämpft werden musste. Immer mehr und mehr Geld floss in ihre Taschen und das Land und die Leute wurden immer ärmer. Doch ein paar Menschen wollten nicht mehr zusehen. Ein paar standen auf und wehrten sich. Ein paar wollten die Wahrheit hören und keine Lügen mehr und aus den paar wurden immer mehr und mehr ... Und der Ickabog? Das grässliche Ungeheuer aus dem Norden war wirklich grässlich. Aber nur äußerlich. Denn innerlich war es wie jedes Ungeheuer im eigenen Herzen: Es ist genau das, was man aus ihm macht. Und wie man es füttert. Gibst du ihm Hass, wird es hassen. Gibst du ihm Liebe, wird es lieben.

Und so muss jeder, nicht nur im Königreich Schlaraffien, für sich selbst entscheiden, wie er die Ungeheuer in sich füttert.

Ich mochte das Märchen. Schön geschrieben, teilweise sogar düster und brutal wie die alten Grimmschen Geschichten, nicht so weichgespült wie von Walt Disney. Hübsche Kinderzeichnungen zu den Ereignissen. Was ich nicht mochte, war die Eindeutschung der Namen. Hört nicht auf die Erbsenprinzessinnen, die im Li-La-Laune-Land aufgewachsen sind und sich über die Grausamkeit des Buches beschweren. Kinder können das ab und echte Märchen beinhalten auch immer einen Hauch von Dunkelheit. Denn Kinder müssen lernen: Es gibt nicht nur Ungeheuer, die so aussehen. Die anderen, die, die man auf den ersten Blick nicht erkennt, die sind viel schlimmer und gefährlicher. Genau das wird hier vermittelt.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Happy End