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Veröffentlicht am 05.07.2021

Die Schönheiten Japans

Der kleine Teeladen in Tokio
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Julie Caplin entführt in ihrer "Romantic Escape Reihe" den Leser in jedem Band in ein anderes Land. Ich habe bisher nur den ersten und vierten Band der Reihe gelesen, die in Kopenhagen und auf Island spielen. ...

Julie Caplin entführt in ihrer "Romantic Escape Reihe" den Leser in jedem Band in ein anderes Land. Ich habe bisher nur den ersten und vierten Band der Reihe gelesen, die in Kopenhagen und auf Island spielen. Dabei gefiel mir das Thema Hygge in Dänemark sehr gut, der Islandband eher weniger. Leider wurde der im Orginal fünfte Band, der in Kroatien spielt, (noch) nicht übersetzt und scheint leider auch nicht übersetzt zu werden. Deswegen sind wir nun von Island direkt in Tokio gelandet.

Fiona ist eine junge und begabte Fotografin, die ein Stipendium erhalten hat und nach Tokio reisen darf. Ihr wird für diese zwei Wochen der japanische Professor Araki als Mentor zur Seite gestellt. Dieser fällt jedoch kurzfristig durch einen Todesfall in der Familie aus. Als Ersatz soll der englische Fotograf Gabriel Burnett einspringen. Gabe ist für Fiona kein Unbekannter, denn sie hatte ihn in einem Fotografiekurs als Lehrer. Nicht nur ihre Kommilitionen haben für den feschen Gabe geschwärmt, sondern auch Fiona. Zehn Jahre später steht sie wieder vor ihm. Burnett erkennt sie nicht wieder und hat auch absolut keine Lust seine Tage mit Fiona zu verbringen und ihr als Mentor zur Seite zu stehen. Fiona ist genervt und enttäuscht. Sie möchte lernen und benötigt Hilfe, denn ihre Bilder sollen nach ihrer Rückkehr in London in einer Galerie ausgestellt werden und unter einem ganz besonderem Motto stehen...

Natürlich ist von Anfang an klar, wie die (Liebes-)Geschichte ausgehen wird, trotzdem hat mir dieser Band der Reihe wirklich gut gefallen. Ich bin auch kein Japan-Fan, aber Julie Caplin vermittelt die Besonderheiten und den Charme dieses Landes auf ganz besondere Art - praktisch durch die Linse. Gabe ist gelangweilt von seinem Leben und sehr von sich und seiner Kunst eingenommen. Auf der anderen Seite hat er allerdings das Gefühl sein Auge für Besonderheiten verloren zu haben, seit seine Muse ihm das Herz gebrochen hat. Er hat keine Lust mehr das gewisse Etwas in einem Foto zu finden, sondern fotografiert lieber berühmte Persönlichkeiten ohne Herzblut. So ist er auch eher genert, dass er für Professor Araki einspringen soll und verhält sich dementsprechend...

Die Beschreibungen der ganz besonderen Momente, die Fiona einfangen möchte, sind sehr bildhaft beschrieben. Das Kirschblütenfest oder Mount Fuji, zwei typische japanische Touristenattraktione, werden atmosphärisch und stimmungsvoll wiedergegeben. Aber auch unweit berühmter Plätze gelingt es Julie Caplin das Flair "des Landes der aufgehenden Sonne" so zu beschreiben, dass man am liebsten sofort die Koffer packen würde. Die Unterschiede zwischen der geschäftigen Großstadt Tokio und den Gärten und Schreinen in der Natur werden sehr augenfällig dargestellt. Gekleidet im Kimono erlebt Fiona eine Teezeremonie mit und lernt das Wabi Sabi kennen. Dieses Konzept der Wahrnehmung von Schönheit stellt den roten Faden der Geschichte dar. Die Liebesgeschichte steht dabei eher im Hintergrund und das Erleben von Japan und seiner Menschen im Vordergrund - genau das, hat mir an der Geschichte ganz besonders gefallen.

Fionas Gastfamilie besteht aus drei Frauen: Großmutter und Teemeisterin Haruka, ihrer Tochter Setsuko, der der Teeladen gehört und der Teenietochter Mayu. Vorallem Haruka begeistert mit ihrer Weisheit und Klugheit. Sie und Gabe sind befreundet, doch Haruka sieht seine Verblendung und den Schmerz, den er noch immer in sich trägt. Mayu ist sehr erfrischend und ein richtiger Teenie. Sie rebelliert gegen ihre Mutter und Großmutter und trotzdem sind beide Frauen für sie große Vorbilder. Sie zeigt Fiona ein ganz anderes Japan abseits der Touristenpfade.
Fiona selbst mangelt es an Selbstvertrauen. Ihre sehr einnehmende und manipulative Mutter macht es ihr nicht leicht.
Gabe hingegen war zu Beginn ein richtiger Kotzbrocken, der sein Lebensziel aus den Augen verloren hat. Bis er erkennt, dass er im Leben eine andere Richtung einschlagen muss, ist es fast zu spät.

Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt leicht und locker. Vorallem punktet Caplin durch die sehr bildhaften Beschreibungen des jeweiligen Landes in ihrer Reihe. Das Überspitzte, das ich im letzten Band nicht wirklich mochte, fehlt diesmal. Für mich ein großer Pluspunkt!

Die Innenseite des Buches ist liebevoll gestaltet, Es befindet sich eine Karte mit einem Ausschnitt von Tokio und den Plätzen, die Fiona besucht, darin.


Fazit:
Dieser Teil der Romantic Escape Reihe hat mir gut gefallen, denn Julie Caplin vermittelt den Charme und das Flair von Japan und der japanischen Kultur perfekt. Zusätzlich fand ich es gut, dass die Liebesgeschichte eher im Hintergrund stand und mehr auf die Wahrnehmung der Schönheit, dem Wabi Sabi, wert gelegt wurde. Für mich bisher das beste Buch der Reihe.

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Veröffentlicht am 30.06.2021

Ein etwas anderes Date

Das Vierzehn-Tage-Date
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Hört sich der Klappentext nicht schon großartig an?
Ich wollte eigentlich keine Bücher, die Corona mehr oder weniger zum Thema haben lesen, aber da ich René Freund bereits als Autor kenne, wusste ich sofort, ...

Hört sich der Klappentext nicht schon großartig an?
Ich wollte eigentlich keine Bücher, die Corona mehr oder weniger zum Thema haben lesen, aber da ich René Freund bereits als Autor kenne, wusste ich sofort, dass ich diese Geschichte lesen will. Schon bei seinem letzten Roman "Swinging Bells" habe ich oftmals so gelacht und auch hier schreibt René Freund wieder herrlich pointiert.

Corinna und David treffen sich zu einem Date, nachdem sie bei Tinder ein Match geworden sind. Doch schon nach den ersten paar Sekunden, als Corinna verspätet durch David's Wohnungstür kommt, wissen die Beiden, dass dieses Treffen das erste und letzte sein wird. Corinna, die nach außen hin Coole, aber sehr verunsicherte junge Frau sieht in dem Lehrer David, nicht gerade ihren Traummann. Sie ist Chaotin, trinkt gerne, raucht wie ein Schlot und drückt sich nicht sehr gewählt aus, wenn man so sagen kann. David ist Pendant, Veganer und eigentlich in seine Kollegin Mercedes verliebt. Der eher schüchterne Musiklehrer und die verkappte Kellnerin haben nur eine gemeinsame Liebe: die Musik.
Nach einer gemeinsamen Nacht, an die sich Corinna allerdings nicht mehr erinnern kann, beschließen die Beiden sich nicht mehr zu sehen. Doch dann bekommen sie den Anruf vom Pizzalieferanten, der in dem Lokal arbeitet, wo normaler Weise auch Corinna kellnert, dass er Corona positiv ist. D.h. für David und Corinna zwei weitere Wochen Gemeinsamkeit....

Ich glaube man braucht gar nicht viel Fantasie, um sich diese Situation vorszustellen. René Freund schreibt zwar wieder nur auf 160 Seiten seine Geschichte, doch diese steckt voller Witz und Situationskomik. Man merkt allerdings, nun nach mehr als einem Jahr Corona der Geschichte an, dass sie zu Beginn der Epidemie geschrieben wurde. Das Klatschen für die Coronahelden, die Jagd auf Toilettenpapier und der Beginn des ersten Lockdowns sind noch neu.
Bei zwei so unterschiedlichen Charakteren und den begrenzten Räumlichkeiten fliegen bald die Fetzen. Die Geschichte könnte auch sehr gut als Theatherstück funktionieren, denn sie beschränkt sich auf die vier Wände von Davids Wohnung. Dabei lernen sich die Beiden immer besser kennen und bemerken schnell, dass hinter der jeweiligen Fassade ein sehr unsicherer Mensch steckt. René Freund spielt damit indirekt auch auf die Scheinwelt auf diversen Social-Media Plattformen an.
Die Corona Situation wird vom Autor ohne den erhobenen Finger erzählt. Er geht sowohl auf Verschwörungstheorien ein, als auch auf die politischen Auswirkungen. Er beleuchte die Situation von allen Seiten, was ich gelungen finde.

Die Figur von Corinna war mir nicht wirklich sympathisch und Davod hätte ich gerne öfters mal in den Allerwertesten getreten, aber gerade diese Konstellation macht dieses Vierzehn-Tage Date zu dem, was René Freund geschaffen hat: eine witzige Geschichte, die unterhält und bei der man sich selbst gedanken macht, wie man sich selbst verhalten hätte. Zum Ende hin gibt es noch eine kleine Überraschung des Autors betreffend der Namen der Protagonisten, die ich absolut gelungen fand und ihm zu dieser Pointe gratulieren muss!

Ob aus den Beiden am Ende doch noch ein Paar wird, verrate ich euch nicht. Das müsst ihr schon selber lesen!

Fazit:
Ein Roman mit witziger Situationskomik, der trotz des Pandemie-Themas unterhält. Wie immer eine gelungene Geschichte des Autors, der es versteht auch trotz so manchen tiefgründigen Thema eine humorvolle Erzählung aufs Papier zu bringen.

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Veröffentlicht am 19.06.2021

Auf einmal bist du nicht mehr da

Die Wahrheit schmeckt nach Marzipan
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Warum ich so richtig auf diesen Roman aufmerksam geworden bin, kann ich eigetnlich gar nicht mehr wirklich sagen. Jugendromane snd ja eher selten bei mir am Blog zu finden und trotzdem hat mich die Geschichte ...

Warum ich so richtig auf diesen Roman aufmerksam geworden bin, kann ich eigetnlich gar nicht mehr wirklich sagen. Jugendromane snd ja eher selten bei mir am Blog zu finden und trotzdem hat mich die Geschichte direkt angesprochen.
Die 16jährige Tabitha, genannt Tally, wird mit dem plötzlichen Tod ihres Vaters konfrontiert. Sie fällt daraufhin in ein tiefes Loch, denn die Beziehung zu ihrer Mutter war nie richtig eng. Tally ist gefangen in ihrem Schmerz und lässt niemand an sich heran. Sie zieht sich auf ihre eigene imaginäre Insel zurück. Ihre Mutter geht anders mit ihrer Trauer um und empfiehlt Tally eine Psychologin. Doch auch diese kann Tally nicht helfen. Sie übergibt ihr jedoch ein Tagebuch um ihre Gedanken niederzuschreiben. Einzig ihre beste Freundin Sanne, die Kraft und Stärke in ihrem Glauben findet, bekommt etwas Zugang zu ihr. Und da ist auch noch Timo, der Leiter der Jugendgruppe, zu der Sanne regelmäßig geht. Mit Religion kann Tally aber nichts anfangen - schon gar nicht nach dem Tod ihres geliebten Vaters.
Eines Tages lernt Tally ganz unverhofft eine alte Dame kennen, die sich mit ihrem Rollator und den Einkäufen abmüht. Tally hilft ihr und lernt Helga Möller und ihren Papagei Gustav näher kennen. In der Wohnung gibt es viele Erinnerungsstücke aus Frau Möllers Leben. Tally beginnt sich dafür zu interessieren. Dabei fällt ihr auch das Foto eines gutaussehenden jungen Mannes in die Hände, der sie fasziniert. Sie beginnt in ihrem Tagebuch eine Geschichte rund um diesen Mann zu spinnen und ihm ein "Happy End" zu vergönnen. Darin beginnt sie ihre Gefühle und den Schmerz zu verarbeiten. Aber auch die Zufallsbekanntschaft mit der alten Dame scheinen Tally zu helfen und es beginnt eine ganz besondere Freundschaft...

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen und ich bin schnell in die Geschichte gekommen. Die Autorin hat die jugendliche Tally sehr authentisch und ihrem Alter entsprechend beschrieben. Beim Lesen spürt man die tiefe Trauer des Mädchens, sowie ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit. Diese wirkt vorallem zu Beginn sehr erdrückend. Tally weiß nicht, wie sie ihr Leben wieder auf die Reihe bekommen soll.
Anni E. Lindner fängt den Schmerz von Tally sehr gut ein und lässt den Leser intensiv daran teilhaben. Sehr einfühlsam erzählt die Autorin über Verlust und Trauer. Gerade der Beginn der Geschichte ist diese jedoch sehr bedrückend. Gleichzeitig zeigt die Autorin aber auch auf, dass es immer Hoffnung gibt und das Leben trotz all dem Schmerz und der Trauer positiv weitergehen kann.

Die Figuren sind bis hin zu den kleinsten Nebencharaktere sehr liebevoll gezeichnet. Sanne ist für Tally immer da und eine wirklich gute Freundin. Sie nimmt selbst ihre Ausraster hin. Helga Möller habe ich sofort ins Herz geschlossen und auch ihre Liebe zu Marzipan und ihrem sprechenden Papagei Gustav. Mit Tallys Mutter wurde ich nicht wirklich warm. Timo hingegen ist ein feiner Kerl...fast zu gut um wahr zu sein.

Was ich weniger mochte, waren die Tagebucheinträge von Tally. Darin schreibt sie einen kleinen Roman rund um Eugen, dem Mann auf dem Foto, und lässt ihm ein Happy End zukommen. Eine nette Idee, aber für den Roman komplett unwichtig. Die Geschichte, die sie sich selbst zusammenspinnt, ist sprachlich der damaligen Zeit sehr angepasst. Ich denke nicht, dass sechzehnjährige Mädchen, die sich kaum für historische Romane interessieren, diese Sprache beherrschen. Ich will jetzt niemanden beleidigen, aber ich lese sehr viele historische Romane und oftmals ist die Sprache bei einigen Autorinnen nicht wirklich zeitgemäß. Dass dies ein junges Mädchen schafft, das sich vorher überhaupt nicht damit auseinandersetzt, finde ich unwahrscheinlich. Das ist allerdings mein einziger Kritikpunkt. Die Geschichte ist sehr intensiv und hat mich vorallem am Beginn emotional richtig mitgenommen.

Ich möchte eine kleine Triggerwarnung an jene Leserinnen geben, die erst vor Kurzem jemanden verloren haben.

Fazit:
"Die Wahrheit schmeckt nach Marzipan" ist ein ruhiges Buch voller Emotionen und einer tiefgründigen Botschaft. Die Autorin hat das Thema Trauer sehr gekonnt in Worte gefasst und perfekt vermittelt. Eine wunderbare Geschichte direkt aus dem Leben gegriffen.

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Veröffentlicht am 16.06.2021

Sittengemälde des 19. Jahrhunderts

Träume von Freiheit - Ferner Horizont
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Auch der zweite Roman von Silke Böschen, der unter dem Übertitel "Träume der Freiheit" im Gmeiner Verlag erschienen ist, erzählt über wahre Schicksale von amerikanischen Frauen in Deutschland.

Diesmal ...

Auch der zweite Roman von Silke Böschen, der unter dem Übertitel "Träume der Freiheit" im Gmeiner Verlag erschienen ist, erzählt über wahre Schicksale von amerikanischen Frauen in Deutschland.

Diesmal begleiten wir die blutjunge Florence de Meli in Dresden des 19. Jahrhunderts. Sie ist Mitglied der amerikanischen Gesellschaft in der sächsischen Hauptstadt. Die junge, hübsche und nicht auf den Mund gefallene Florence ist ein immer gern gesehener Gast in der Dresdner High Societey, was besonders ihrer Schwiegermutter Antoinette ein Dorn im Auge ist. Ihr krankhaft eifersüchtiger Mann Henri, der dem Alkohol nicht abgeneigt ist, hört immer mehr auf die bösartigen Einflüsterungen seiner Mutter und lässt Florence entmündigen. In einer Nacht und Nebel Aktion wird sie mithilfe eines befreundeten Arztes in die Irrenanstalt Sonnenstein gebracht. Florence versucht mit Hilfe ihrer Freundinnen zu fliehen und die Scheidung einzureichen. Doch in einer Zeit, wo in der Irrenanstalt Menschen gebrochen werden, um danach einfach vor sich hinzuvegetieren und Frauen keinerlei Rechte haben, ist dies nicht einfach. Nur mit Hilfe der angesehenen Ehemänner ihrer Freundinnen gelingt ihnen die Verlegung in ein Sanatorium, wo Florence die Flucht gelingt. Doch es stellt sich noch immer die Frage: Kann sie ihre Kinder zurückgewinnen und vom europäischen Kontinent in die alte Heimat fliehen?

Wie schon im ersten Roman von Silke Böschen "Flammen am Meer" hat sie auch diesmal eine historische Figur in den Mittelpunkt ihres Romans gestellt. Es ist wiederum eine starke Frau, die um ihre Freiheit und Unabhängigkeit kämpft, was zu dieser Zeit nur sehr schwer möglich war. Die Autorin zeigt vorallem das damalige Sittenbild und die gesellschaftlichen Zwänge sehr genau auf. Als Frau war man völlig vom Vater oder Ehemann abhängig. Er bestimmte und konnte sie, wenn sie ihm lästig wurde, jederzeit entmündigen oder wegsperren lassen. Hysterie oder Ungehorsam waren nur eine von vielen "Krankheiten" die von Männern gerne als Grund für einen Aufenthalt in der Psychatrie rechtfertigten. Was Florence in der Irrenanstalt erlebt, lässt einem die Haare zu Berge stehen.

Silke Böschen hat das Leben ihrer Florence etwas abenteuerlicher gestaltet, als die historisch belegte Figur. Dies hält auch den Spannungsbogen im Roman höher und lässt einem trotzdem in das wahre Leben von Florence blicken. Vorallem die Intrigen ihrer Schwiegermutter haben mich beim Lesen richtig aufgeregt. Nur in der Mitte flachte die Handlung ein bisschen ab.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist der Zeit angepasst und lässt sich sehr gut lesen. Er ist sehr bilhaft, denn ich hatte Florence Leben in Bildern in meinem Kopf. Auch die damalige Kleidung und das Stadtbild von Dresden konnte ich mir wunderbar vorstellen.
Fiktion und wahre Begebenheiten werden von der Autorin gekonnt vermischt. Sie hat wieder akribisch recherchiert und im Nachwort genau erklärt, was der Fiktion und Wahrheit entspringt. Dazu gibt es Personenregister, die fast gesamte Lebensläufe erzählen, und sich interessant lesen lassen.

Fazit:
Ein weiterer Roman über das Schicksal einer jungen amerikanischen Frau in Deutschland, die um ihre Unabhängigkeit kämpft. Ein Sittengemälde des 19. Jahrhunderts - spannend erzählt. Trotzdem gefiel mir "Flammen am Meer" eine Spur besser...

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Veröffentlicht am 14.06.2021

Die Stärke der Töchter

Die Stärke der Töchter
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Der zweite Band der Reihe um die Lehmanns und Falkenbachs von Ellin Carsta ist wieder gewohnt spannend erzählt. Mich packt der Schreibstil der Autorin immer wieder, egal ob sie unter Ellin Carsta, Caren ...

Der zweite Band der Reihe um die Lehmanns und Falkenbachs von Ellin Carsta ist wieder gewohnt spannend erzählt. Mich packt der Schreibstil der Autorin immer wieder, egal ob sie unter Ellin Carsta, Caren Benedict oder Petra Mattfeld schreibt.

Diesmal stehen - wie der Titel bereits suggeriert - die Schwiegertöchter der drei Familien im Mittelpunkt. Ein ganz besonders schlimmes Ereignis verbindet Irma, Elisabeth und Clara, das die drei genauso zusammenschweißt, wie das schreckliche Geheimnis von Wilhelm, Heinrich und Paul-Friedrich aus dem ersten Weltkrieg. Die drei jungen Frauen demonstrieren Stärke und Kraft. Alle drei versuchen ihre Situationen zu verbessern und auch eigenständiger zu werden. Während Elisabeth ihren Ferdinand kaum sieht, weil er sich dem Militär verschrieben hat, versucht Clara Gustav bei der neuen Arztpraxis unter die Arme zu greifen. Das Geheimnis um ihre Vergangenheit wird ebenfalls aufgeklärt. Irma bekommt Rückhalt von ihren Schwiegereltern, die Leopold ein Ultimatum stellen. Wilhelmine nimmt ebenfalls einen größeren Part in der Geschichte ein. Sie hinterfragt immer mehr die politischen Vorgänge, hält aber noch an Hitlers Aussagen fest. Als ein politisch Verfolgter bei Gustav Falkenbach Unterschlupf sucht, bringen seine Ansichten Wilhelmine noch mehr zum Nachdenken.
Paul-Friedrich erhält eine Nachricht, die ihn dazu bringt mit Wilhelm gegen Heinrich vorzugehen. Doch Wilhelm erleidet einen Schwächeanfall, bevor Paul-Friedrich sich mit ihm austauschen kann....

Die politische Lage spitzt sich ebenfalls zu. Es ist 1937 und nicht mehr lange bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Wer kein Parteimitglied ist, bekommt erhebliche Schwierigkeiten, was auch Wilhelm zu spüren bekommt. Paul-Friedrich hingegen nutzt die Gunst der Stunde, um das Grundstück der jüdischen Nachbarn zu erwerben, die das Land verlassen müssen. Er ist ein gewiefter Geschäftsmann, der seine Chancen erkennt und sie clever abwägt.

Die Handlung wird wieder aus der Sicht verschiedener Figuren erzählt. Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat der jeweiligen Person, um die sich dieses Kapitel dreht.

Die Charktere entwickeln sich weiter, einige Geheimnisse werden aufgelöst, neue kommen hinzu. Wie es bei einer großen Familiensaga gang und gäbe ist, endet auch dieser Band mit einem kleinen Cliffhanger.

Fazit:
Eine tolle und spannende Fortsetzung der Falkenbach-Reihe, auch wenn mir der erste Band ein bisschen besser gefallen hat. Nun freue ich mich auf Band 3, der demnächst erscheinen wird.

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