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Veröffentlicht am 06.07.2021

Von der Illusion zum Tikkun

Schicksal
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In Zeruya Shalevs neuem Roman „Schicksal“ hadern zwei Frauen mit ihrem Schicksal – und kommen sich durch eine Bedeutung aus der Vergangenheit näher. Aus jeweils wechselnder Perspektive erfährt der Leser ...

In Zeruya Shalevs neuem Roman „Schicksal“ hadern zwei Frauen mit ihrem Schicksal – und kommen sich durch eine Bedeutung aus der Vergangenheit näher. Aus jeweils wechselnder Perspektive erfährt der Leser Stück für Stück mehr aus dem dramatischen Leben der Frauen – dabei verwebt Shalev im Hintergrund die Geschichte des Israels der 1940er und der Gegenwart, sowie Politisches mit Beziehungsproblemen. Denn so zerrissen das Land ist, so verletzt sind teilweise auch die Menschen darin.

„So hatte es das Schicksal gewollt. Es hatte um diese Zeit keinen anderen Weg gegeben, nicht ins eingeschlossene Jerusalem und nicht zu Menos verschlossenem Herzen.“ S. 13

Die knapp 50jährige Mutter und Ehefrau Atara wird am Sterbebett ihres Vaters von ihm Rachel genannt – verstutzt hält sie inne, erinnert sich an ein Familiengeheimnis, an eine erste Ehe des Vaters, über die nie geredet werden durfte. Sie lässt die mittlerweile 90jährige Rachel ausfindig machen und bittet um ein Treffen. Während die ersten Begegnungen holprig verlaufen und Atara sich immer mehr in der Vergangenheit befindet, übersieht sie die Zeichen der Gegenwart – und muss einen schweren Schicksalsschlag in der Familie hinnehmen. Sie gerät in ein Gefühlschaos, hinterfragt ihre Beziehung zum Ehemann, zu ihren Kindern und zu ihrem gestorbenen gewalttätigen Vater Meno. Dieser ist die Verbindung zu Rachel, die auch mit Dämonen aus der Vergangenheit zu kämpfen hat: Mit ihrem ersten Mann Meno war sie in einer jüdischen Widerstandsorganisation gegen die britische Mandatsherrschaft in Palästina. Von dieser Lechi ist sie bis heute überzeugt, verehrt ihre Kameraden als Helden, bedauert die unterlassene hohe Ehrung von außen und erzählt ihren zwei Söhnen immer wieder davon. Doch auch hier hat ein Schicksalsschlag die Liebe entzweit und Meno hat sich von ihr abgewandt.

„Welchen Sinn hat es, eine alte Kränkung wiederzubeleben? Dieses Kapitel war aus dem Buch ihres Lebens herausgefallen. Wenn sie sich bücken würde, um es aufzuheben, könnte ihr Rücken daran zerbrechen.“ S. 48

Auf über 400 schmerzensreichen Seiten seziert Zeruya Shalev das verletzte Seelenleben ihrer zwei Protagonistinnen aufs Genaueste, blickt tief in alte und neue Wunden, in extreme Gefühle und Zerrissenheiten sowie in mögliche Fehlentscheidungen. Schuld spielt in allen Erzählsträngen eine große Rolle und die mögliche Annäherung an eine Reparatur, eine Festigung – dem Tikkun. Auf langen Autofahrten, die die auf Denkmalschutz spezialisierte Architektin Atara zu Rachel unternimmt, werden lange und sich auch wiederholende Gedankengänge eingeflochten. Atara reflektiert über ihr Mutter- und Ehefrau-Sein, aber auch über architektonische Feinheiten draußen – beides muss freigelegt, verstanden und rekonstruiert werden. Rachel dagegen hinterfragt neben Menos Verhalten vor Jahrzehnten ihre aktuelle distanzierte Beziehung zu ihren Söhnen – Jair hat sich ihr abgewandt, Amichai ist streng gläubig bei den Bratzlawer Chassiden. Und immer wieder blickt sie zurück in ihre Lechi-Zeit. Anhand dieser Konstellation und Begegnungen konstruiert Shalev ein feinfühliges, teils suggestives Bild des früheren und heutigen Israels, auch wenn die Konflikte in diesem Land eher die Hintergrundkulisse bilden.

„Will ihr abstruses Vorhaben zu Ende bringen, will eine Dokumentationsmappe zu ihrem toten Vater anlegen, will das ideale Gebäude freilegen, das, angefressen vom Zahn der Zeit, hinter allerlei Anbauten immer mehr verloren ging; sie versucht, zu seiner ästhetischen Wahrheit vorzudringen.“ S. 120/121

Lügen, Geheimnisse, Gewalt, Distanziertheit in Familie und Ehe, Trauerarbeit – in Ataras mystischem Haus in der Nähe eines Wadi wird alles episch und pathetisch auseinandergenommen und versucht, wieder zusammenzusetzen, während draußen am Wadi Schakale heulen und Krähen schnattern. An manchen Stellen ist der intensive, vielschichtige und etwas beklemmende Roman schwer zu händeln, trifft aber die Verzweiflung einer trauernden und sich suchenden Frau sehr präzise und eindringlich. Es braucht Zeit zum Entdecken beim Lesen, für die sehr klugen Verweise in alle Richtungen, die berührenden Reflektionen über Schicksal, Tod, Glaube und Beziehungen sowie die historischen und religiösen Einflechtungen. Ein spiritueller, emotional gnadenloser, zum Ende versöhnlicher Roman über den Zyklus von Schicksal, der trotz kleineren Schwachstellen einen unheimlichen Lesesog erzeugt.

(...) und lass nicht den Zufall dein Schicksal wenden, denn unberechenbar und willkürlich ist unser Leben, es spottet jeder Deutung, es bringt jede Ordnung durcheinander, und gerade deshalb ist es so viel gewaltiger als jeder Verlust." S. 384

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Veröffentlicht am 02.07.2021

Ein Leben als Farbpalette

Das Leben ist ein Fest
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Die französische Autorin Claire Berest beschäftigt sich schon lange intensiv mit Frida Kahlo – das ist ihrem Roman „Das Leben ist ein Fest“ exzellent anzumerken. Er nimmt den Leser intensiv, gefühlvoll ...

Die französische Autorin Claire Berest beschäftigt sich schon lange intensiv mit Frida Kahlo – das ist ihrem Roman „Das Leben ist ein Fest“ exzellent anzumerken. Er nimmt den Leser intensiv, gefühlvoll und leidenschaftlich mit in die wichtigsten Stationen der großen mexikanischen Künstlerin, die bis heute fasziniert und begeistert. Im Französischen unter dem Titel „Nichts ist schwarz“ erschienen, komponiert Berest die Abschnitte und Gefühle von Frida farblich in den Kapiteln – Facetten von Blau, Rot und Gelb spiegeln Fridas Impulsivität, Exzesse, Leidenschaft, Liebe, Wut, Schmerzen und Schwarz schließlich ihren Tod wider. Und bei allem spielt ihre große Amour fou und Obsession zum berühmten mexikanischen Maler Diego Rivera eine ausschlaggebende Rolle.

„Weil ich bei dir Schutz finden wollte, übersah ich, dass du der Sturm bist. Ich hätte Schutz vor dir suchen müssen. Andererseits, wer will schon ohne Stürme leben?“ S. 210

Soghaft, szenisch und wie in einem bunten Film schreibt Claire Berest so empathisch und gefühlstreu, als stände der Leser direkt neben dem extrovertierten Künstlerpaar, wenn es ausgiebig feiert, sich streitet, der Kunst hingibt oder in Affären verliert. Frida Kahlo, die seit ihrem schweren Unfall mit 18 Jahren an unsäglichen Schmerzen und Einschränkungen zu leiden hat, findet im Malen ihren Ausdruck und wird nur zögerlich berühmt, während Diego schon ein Star ist. Das Paar lebt in verschiedenen Ländern und durchlebt künstlerisch wie auch in der Beziehung zahlreiche Tiefschläge, aber auch Höhenflüge. Chronologisch gewürfelt fängt die Autorin dabei präzise und bildgewaltig die extremen Gefühle und wichtigsten Werke sowie schillernden Weggefährten von Frida und Diego ein. Wunderbar intim und energiegeladen kontrastriert Berest dabei Stärke und Zerbrechlichkeit der Künstlerikone.

„Die Malerei ist ein Ort auf der Weltkarte ihres Charakters. Heilig, denn sie kann sich dort hineinflüchten und Worte finden.“ S. 160

Ein praller, bewegender und rasanter Roman über ein Leben in Extremen – Hoffnung, Feste, Liebe, Kunst treffen auf tiefe Verzweiflung, Schmerzen und Liebeskummer. Frida Kahlo war eine unzähmbare, fantasiereiche und unkonventionelle Frau, die das Leben trotz körperlichen Einschränkungen gefeiert hat. Claire Berest reißt in „Das Leben ist ein Fest“ zwar vieles nur an, doch das brillant und bunt Geschriebene regt unheimlich dazu an, mehr über Frida, ihr Leben, ihre Kunst und höchst interessanten Weggefährten zu recherchieren und jede Menge Werke von ihr neu anzuschauen.

„Man kann nie vorher wissen, wer einem die Hand reicht, wenn alles einstürzt. (...) Frida denkt: Gelb, Gelb, Gelb. Jede Farbe entspricht einem Gefühl. Gelb ist ein schlechtes Zeichen.“ S. 37

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Veröffentlicht am 02.07.2021

Inspirierende Gedanken und Praxis

Achtsam die Welt verändern
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Die bekannte Meditationslehrerin und spirituelle Lebensberaterin Sharon Salzberg fasst in „Achtsam die Welt verändern“ in klaren und empathischen Worten ihr breites Spektrum an Wissen und Intuition rund ...

Die bekannte Meditationslehrerin und spirituelle Lebensberaterin Sharon Salzberg fasst in „Achtsam die Welt verändern“ in klaren und empathischen Worten ihr breites Spektrum an Wissen und Intuition rund um die Praxis der Achtsamkeitsmeditation zusammen. Einfühlend, wohlwollend und verständlich bündelt sie in acht Kapiteln große Themen der Menschheit, die sich aktuell in einem Dauerstresszustand befindet: Wie bleibe ich als Mensch handlungsfähig, entwickle Resilienz, Mitgefühl, Gleichmut und Gelassenheit – und vor allem liebendes Mitgefühl für mich selbst und andere? Wie komme ich durch extreme Emotionen wie Angst und Wut, ohne dass ich resigniere oder in einem Burn-out lande? Wie gehe ich mit der Flut des Leidens um mich herum und in der ganzen Welt um?

Anhand vieler Praxisbeispiele, assoziativer Gedanken und Zitate wichtiger Weggefährten aus der Achtsamkeitspraxis wie beispielsweise auch Thích Nhất Hạn oder auch berühmte Philosophen und Dichter zeigt Salzberg auf inspirierende, anregende und gleichsam beruhigende Weise, wie die Menschheit verbunden ist und wie jeder zu sich selbst auch in schwierigen emotionalen Lagen heimkehren kann. Meditations- und Affirmations-Übungen am Ende der Kapitel fassen das Gelesene nochmal praktisch auf und jeder darf sich in Meditation üben.

Die kluge und scharfe Beobachterin Sharon Salzberg hat viele facettenreiche Perspektiven und Erfahrungen zusammengetragen und in ihre Einsichten sowie persönlichen Krisen integriert – sie zeigt liebevoll auf, wie sich die unterschiedlichsten Menschen bei Stress und Überforderung gerettet oder sich mehr um sich selbst gekümmert haben. Und auch, wie die innere Heilung mit dem globalen Wandel zusammenhängen könnte und wie man sich als Mensch wieder mit der Welt verbunden fühlen kann. Das macht auch Meditationseinsteigern Mut, mit der Praxis zu beginnen und sich mit Achtsamkeit zu beschäftigen, um den Automatikmodus immer weiter abzuschalten und einen klaren Blick für weitere Handlungsmöglichkeiten abseits der unterbewusst einstudierten zu erhalten.

Manches im Buch mag zu wiederholend und ausführlich beschrieben sein, aber insgesamt strahlt der Inhalt eine sehr beruhigende Wirkung aus und wirkt präzise recherchiert sowie authentisch – Salzberg legt mit ihren Worten etwas Balsam auf die verletze und hochnervöse Seele. Empfehlenswert für alle, die sich näher mit den positiven Auswirkungen von Achtsamkeitsmeditation beschäftigen wollen oder sie für sich entdecken wollen. Nun muss die tägliche Übung nur noch in die Praxis umgesetzt werden – und das ist leider trotz des bewegenden und eindringlichen Buches mit seinen Übungen manchmal nicht so leicht alleine umzusetzen. Aber die Motivation und innere Anregung ist dank Salzberg auf jeden Fall vorhanden und das Buch lädt ein, es immer wieder in die Hand zu nehmen und daraus Kraft für schwierige Zeiten zu tanken.

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Veröffentlicht am 19.06.2021

Visionen und Revolutionen

Im Reich der Schuhe
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Ein Sohn übernimmt die florierende Firma des tonangebenden Vaters im Ausland – da sind Konflikte und Reibereien vorprogrammiert. Noch explosiver wird es, wenn es eine Schuhfabrik in Südchina ist, in denen ...

Ein Sohn übernimmt die florierende Firma des tonangebenden Vaters im Ausland – da sind Konflikte und Reibereien vorprogrammiert. Noch explosiver wird es, wenn es eine Schuhfabrik in Südchina ist, in denen Wanderarbeiter ausgebeutet werden, um die Maschinerie des großen Gewinns laufen zu lassen. So geschieht es in Spencer Wise’ Debütroman „Im Reich der Schuhe“ – der junge Bostoner Jude Alex Cohen unterzeichnet die Nachfolge für seinen Vater, stolpert aber von einem Gewissenskonflikt in den nächsten, je tiefer er in die Strukturen und prekären Arbeitsbedingungen der Fabrik blickt. Er verliebt sich Hals über Kopf in Ivy, eine kluge Arbeiterin in der Fabrik, die aber mysteriös in geheime revolutionäre Pläne verwickelt zu sein scheint. Durch ihre Augen nimmt Alex Chinas Kultur und Politik ganz anders wahr, lernt viel über sich, über das Land, aber auch über Globalisierung und Kapitalismus dazu. Als eine Arbeiterin aus Verzweiflung Selbstmord begeht, muss sich Alex zwischen Loyalität und Moral entscheiden: Gibt es visionäre, neue Wege, um Arbeiter in China mehr zu schützen und den Output trotzdem gewinnträchtig zu halten? Wird er seinen Vater in Bredouille bringen müssen? Und wie weit geht er für Ivy, die vor Jahren das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens miterlebt hat?

Spencer Wise hat ausgiebig sowie präzise recherchiert und bringt eigene Erfahrungen aus einer Schuhmacher-Familie mit – das merkt man seinem gesellschaftskritischen Debüt beim Lesen an: Es braucht ein bisschen Durchhaltevermögen, bis die episch, nüchtern und detailreich erzählte Geschichte spannend wird und sich feinfühlig entfaltet – in Dialogen und auch in der Weiterentwicklung des Protagonisten. Dafür kommt Chinas Kultur und mordernes Leben in allen Facetten szenisch und atmosphärisch zum Vorschein und auch die sehr deprimierenden Aspekte von Ausbeute, Korruption und Unterdrückung werden nicht ausgespart. Es ist eine lehrreiche, hochwertig und schwarzhumorig geschriebene Geschichte, die länger nachhallt und über das nächste Paar Schuhe und dessen Produktion in Billiglöhnländern nachdenken lässt.

Es ist aber auch eine bissig formulierte und eindringliche Geschichte über Mut, Idealismus, Visionen zur Veränderung, Liebe und einem Vater-Sohn-Konflikt, das Aufeinanderprallen von Tradition und Moderne, sozialer Widerstand sowie das Ausbrechen aus Konventionen. Und bei allem schwingt ab der Hälfte diese subtil eingebaute Spannung mit, wer Ivy wirklich ist. Sehr gute und eloquente Unterhaltung mit ernsten Themen, die durch den scharfen Witz des Autors und einem optimistisch gestimmten Ende aufgelockert werden.

„Selbst wenn ich eine Rede hielt, würden die Arbeiter weiter leiden. Das war der globale Kapitalismus. Man konnte die Maschine nicht einfach abstellen. Sie lief seit hunderten von Jahren. Eine Notbremse gab es nicht.“ S. 301

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Veröffentlicht am 31.05.2021

Die Zyklen des Innerleit-Hofes

Bergland
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Im Südtiroler Tiefenthal liegt ganz oben auf 1670 Metern der Innerleit-Hof – dort hat schon Rosa den harten Bauernhof-Alltag bestritten, den Zweiten Weltkrieg und seine Verwundeten erlebt, Kinder zur Welt ...

Im Südtiroler Tiefenthal liegt ganz oben auf 1670 Metern der Innerleit-Hof – dort hat schon Rosa den harten Bauernhof-Alltag bestritten, den Zweiten Weltkrieg und seine Verwundeten erlebt, Kinder zur Welt gebracht und sich im Einklang mit der Natur um Vieh und Land gekümmert. Viele Jahre und zwei Generationen später sind es Rosas Sohn Sepp, Enkel Hannes und seine Frau Franziska, die sich mit den neuesten Bestimmungen und Technologien um das Wohl von Feriengästen kümmern. Doch die moderne, schnelle Welt und die Veränderungen in Südtirol lassen die Familie an ihre menschlichen Grenzen kommen.

In mehreren Erzählschichten schildert Autorin Jarka Kubsova die fiktive Geschichte eines jahrhundertealten Hofes und seinen Bewohnern über mehrere Generationen – man merkt es dem Roman positiv an, dass Kubsova sieben Monate auf einem dieser Bergbauernhöfe verbracht hat, um die Atmosphäre einzufangen. Dicht, szenisch und bildhaft erzählt sie von den Abläufen eines harten, aber auch zufriedenstellenden Bauernhof-Alltags, von historischen Ereignissen in Südtirol und von Fort- und Rückschritten sowie Modernisierungsmaßnahmen auf dem touristischen Land. Die Zeiten springen zu Rosa während und nach dem Krieg sowie zu Sepp, Hannes und Franziska in der Gegenwart – die junge Mutter schlittert durch die kräftezehrenden Verpflichtungen, die ein Gasthof und mittlerweile vier Kinder mit sich bringen, zusehends in einen Burn-Out. Die junge Familie ist kurz vor dem Aufgeben und Verkauf des Hofes – kann sie Alternativen für den Gasthof-Betrieb finden und wird Vater Sepp sich den Neuerungen anpassen und dazu beisteuern können?

Zarte Naturbeschreibungen und packende Landwirtschaftsszenen treffen auf eine einfühlsame Familiengeschichte der Bergbauern, Vergangenheit auf moderne Gegenwart, wortkarge Bauern auf starke Frauen und Historisches auf Fiktives. Jarka Kubsova schreibt flüssig und einfühlsam in klarer Sprache und setzt ein szenisches und sehr menschliches Puzzle einer Familie, aber auch von Tiefenthal und seinen Menschen über mehrere Jahrzehnte zusammen. Dabei kommen auch Kritik an modernem Reiseverhalten auf Bauernhöfe und deren Umrüstung zu wirtschaftlich lukrativen Betrieben nicht zu kurz. Ein schönes Debüt!

„So ging das Leben weiter, eins folgte auf nächste, eine Pflicht auf die andere, und auch wenn sich jeder Handschlag zäh und unendlich schwer anfühlte, war Rosa froh um diese Aufgaben, weil sie den Tag antrieben wie ein Puls. Es war der Herzschlag des Hofes.“ S. 165

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