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Veröffentlicht am 19.06.2021

Werdegang einer starken Frau

Glück und Glas
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„Glück und Glas“ war mein drittes Buch von Lilli Beck. Im Gegensatz zu den beiden anderen Romanen, die ich von ihr gelesen hatte, stand hier keine große, romantische Liebesgeschichte im Mittelpunkt, sondern ...

„Glück und Glas“ war mein drittes Buch von Lilli Beck. Im Gegensatz zu den beiden anderen Romanen, die ich von ihr gelesen hatte, stand hier keine große, romantische Liebesgeschichte im Mittelpunkt, sondern die Freundschaft zweier Frauen, die über 70 Jahre lang sämtliche Höhen und Tiefen durchleben.
Marion und Lore werden am letzten Tag des zweiten Weltkrieges geboren. Die besonderen Umstände der Geburt soll die beiden für immer verbinden.
Die Handlung legt den Fokus hauptsächlich auf Marion. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend und mit ihren feuerroten Haaren ist sie vielen Hänseleien ausgesetzt. Doch Marion hat den Kopf voller Träume. Durch ihre Zielstrebigkeit ist sie tatsächlich für Größeres bestimmt. Sie wird Model und der Leser begleitet ihre aufregende Karriere. Lilli Beck hat früher selbst als Model gearbeitet und wie ich dem Klappentext entnommen habe, wohl ihre eigenen Erfahrungen in diesen Roman einfließen lassen. Marion ist eine Protagonistin, die durch viel Willensstärke und Mut überzeugt. Immer wieder erlebt sie herbe Rückschläge und wird insbesondere von Männern verletzt und hintergangen. Trotzdem steckt sie nie den Kopf in den Sand sondern versucht jede Situation zum Besten zu wenden.
Was mir an diesem Roman besonders gefallen hat war, dass er eine Zeitspanne von 70 Jahren umfasst. Wichtige politische Ereignisse werden in die Geschichte eingeflochten und für mich kam der Zeitgeist der jeweiligen Epoche sehr realistisch rüber. An die 90er und 2000er Jahre kann ich mich auch noch sehr gut erinnern und es machte Spass, an verschieden Dinge wie zum Beispiel erste Handys etc. erinnert zu werden.
Auch die Jahrzehnte, die ich nicht miterlebt habe, wirkten auf mich sehr mitreißend. Besonders Marions Modeljahre, ihre Zeit in der Hippie Kommune und ihr besonderer Lebensstil machten „Glück und Glas“ zu einer Lektüre, die man einfach gerne liest.
Marion und Lore sind keine typischen Best-friends, die ihr ganzes Leben aneinander kleben. Ihre Freundschaft wird immer wieder von Eifersucht, Neid und falschen Entscheidungen überschattet. Und doch zeigen diese beiden Frauen, dass man trotz vieler Differenzen immer wieder zueinander finden kann.
Dies war für mich ein sehr lesenswerter und unterhaltsamer Roman.

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Veröffentlicht am 09.06.2021

Oliver von Bodensteins persönlichster Fall

Im Wald (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 8)
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Oliver von Bodenstein zählt die Tage bis sein lange herbeigesehntes Sabbatjahr beginnt. Sein letzter Fall vor der Pause wird zugleich sein persönlichster bisher.
In dem kleinen Ort Ruppertshain, in dem ...

Oliver von Bodenstein zählt die Tage bis sein lange herbeigesehntes Sabbatjahr beginnt. Sein letzter Fall vor der Pause wird zugleich sein persönlichster bisher.
In dem kleinen Ort Ruppertshain, in dem er aufgewachsen ist, werden kurz hintereinander mehrere Personen, die Bodenstein alle seit vielen Jahren kennt, ermordet.
Die Kripo steht zunächst vor einem Rätsel. Doch dann kristallisiert sich heraus, dass alles mit einem alten Fall zusammen hängen könnte. Vor über 40 Jahren ist Olivers bester Freund Arthur verschwunden. Kann es sein, dass dieses Verbrechen bis heute vertuscht wird und seine Kreise zieht?
Bodenstein beginnt zu graben. Nicht nur die Angst vor einem erneuten Zuschlagen des Mörders sondern auch seine Schuldgefühle, die er sein ganzes Leben mit sich herum trägt, werden für Bodenstein zur Belastung. Oliver spielt eine sehr zentrale Rolle in diesem Band. Noch nie sind wir ihm als Leser so nahe gekommen. Seine Emotionen werden sehr realistisch und nachvollziehbar beschrieben. Obwohl ich schon einige Teile dieser Serie gelesen habe, wurde mir erst bei „Im Wald“ so richtig bewusst, wie attraktiv und sympathisch ich ihn finde.
Da von Bodensteins Privatleben eine so große Rolle einnimmt, kam das von Pia dieses Mal etwas zu kurz. Auch ihr Ehemann kam quasi nicht vor. Ich fand es etwas schade, dass wir von ihr dieses Mal keine häuslichen Szenen gesehen haben.

Die Krimis von Nele Neuhaus lese ich immer wieder gerne. Ich mag ihren Schreibstil und es fällt mir leicht, mir das Gelesene vorzustellen. Für „Im Wald“ habe ich verhältnismäßig lange gebraucht. Insbesondere das erste Drittel empfand ich als relativ zäh. Es gibt sehr viele Personen und familiäre Verwicklungen, die man alle auseinander halten muss. Auch als es mir nach einer Zeit besser gelang, in die Handlung einzutauchen, empfand ich den Spannungsbogen als eher flach. Dies ist kein Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen kann.
Hinzu kommt, dass die Seiten in einer sehr kleinen Schrift sehr eng bedruckt sind. Ich finde, hier hätte man nicht so am Papier sparen sollen. Die Geschichte hätte sich angenehmer gelesen, wenn sie auf ein paar mehr Seiten verteilt gewesen wäre. Bei einem Umfang von ohnehin 550 Seiten hätte es keine große Rolle gespielt, diesen auf 600 zu erhöhen.

Was mir gefallen hat war, dass auch dies wieder ein sehr vielschichtiger Krimi war. Es gibt nicht einfach nur einen Mörder sondern komplexe Strukturen, die sich über die Jahre immer weiter verselbständigt und verkompliziert haben. Der Fall zeigt auf erschütternde Weise, was Schweigen alles anrichten kann.

Für Fans der Reihe ist „Im Wald“ auf jeden Fall ein Muss. Für Neueinsteiger würde ich eher zu anderen Teilen (wie zum Beispiel „Schneewittchen muss sterben“ oder „Muttertag“) raten.

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Veröffentlicht am 29.05.2021

Leichte Unterhaltung

Die Tochter des Arztes
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„Die Tochter des Arztes“ stand seit letztem Jahr ziemlich hoch auf meiner Wunschliste und nun ergab sich endlich die Gelegenheit, das Buch zu lesen. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen, wobei sich ...

„Die Tochter des Arztes“ stand seit letztem Jahr ziemlich hoch auf meiner Wunschliste und nun ergab sich endlich die Gelegenheit, das Buch zu lesen. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen, wobei sich ca. ¾ mit der Vergangenheit befassen. Ellen beginnt als Schwesternschülerin in der psychiatrischen Klinik Ambergate und ist erschrocken über die Art der Unterbringung und die lange Zeit, die manche Patienten bereits dort sind. Ich habe bereits den ein oder anderen Roman gelesen, der die früheren Zustände in diesen Kliniken thematisiert und konnte mir aus diesem Buch nichts neues mitnehmen. Die Therapien werden auch nicht groß thematisiert, außer dass Elektroschockbehandlungen ein beliebtes Instrument waren und die Patienten meist mit Medikamenten ruhig gestellt wurden. Im Zentrum steht die junge Frau Amy, die an Depressionen und Gedächtnislücken leidet. Amy bedarf definitiv psychiatrischer Behandlung, die ihr aufgrund des damaligen medizinischen Stands überwiegend verwehrt bleibt.
Der Schreibstil von Kathryn Hughes lässt sich angenehm leicht lesen und macht „Die Tochter des Arztes“ trotz der ernsten Thematik zu einem guten Unterhaltungsroman. Persönlich empfand ich vieles als eher oberflächlich abgehandelt, insbesondere hatte ich den Eindruck, dass zu viele Handlungsstränge unvollständig blieben. Zum Beispiel lernt Ellen an ihrem ersten Tag eine ältere Patientin kennen, die ihr halbes Leben in Ambergate verbracht hat. Diese Bekanntschaft nimmt in den ersten 2 bis 3 Kapiteln sehr viel Raum ein, kommt später allerdings überhaupt nicht mehr vor.
Amys erste Monate in Ambergate werden quasi minutiös beschrieben. Dann endet die Handlung abrupt und setzt erst 50 Jahre später wieder ein. Die Zusammenfassung dieser Jahre war mir zu knapp und lückenhaft. Ich hatte noch immer Fragen.
Auch Ellens Verlobung kam quasi von ungefähr.
Die Handlung in der Gegenwart umfasst nur wenige Kapitel und es wundert mich, warum als deutscher Titel ausgerechnet „Die Tochter des Arztes“ gewählt wurde, denn Sarah ist nicht viel mehr als eine Nebenfigur. Auch stellt die Person auf dem Cover Ellen dar und nicht Sarah. Trotz der vielen Kritikpunkte war dies ein Unterhaltungsroman für mich, der sich leicht lesen lässt. Man sollte nur nichts besonderes erwarten.

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Veröffentlicht am 23.05.2021

Liebesgeschichte voller Tragik

Wie der Wind und das Meer
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Nach dem mir „Mehr als tausend Worte“ vor zwei Jahren wahnsinnig gut gefallen hatte, war ich sehr gespannt darauf, ein weiteres Buch von Lilli Beck zu lesen. Mit „Wie der Wind und das Meer“ konnte mich ...

Nach dem mir „Mehr als tausend Worte“ vor zwei Jahren wahnsinnig gut gefallen hatte, war ich sehr gespannt darauf, ein weiteres Buch von Lilli Beck zu lesen. Mit „Wie der Wind und das Meer“ konnte mich die Autorin ein zweites Mal begeistern. Der Roman erzählt eine große, herzzerreißende Liebesgeschichte, die sowohl durch romantische Liebesschwüre als auch durch unfassbar tragische Umstände bewegt.
In den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs verliert der Teenager Paul seine Familie bei Bombardierungen. Als er auf das Mädchen Sarah trifft, die in dieser Nacht ebenfalls zur Waisen wurde und seiner Schwester Rosalie zum Verwechseln ähnlich sieht, fasst er neuen Mut. Die beiden geben sich als Geschwister aus und fühlen sich fortan weniger allein. Nach einer harten Zeit im Waisenhaus werden sie gemeinsam von einem liebevollen Ehepaar adoptiert. Sarah und Paul könnten nun glücklich als Geschwister leben, doch leider schlägt ihnen das Schicksal ein Schnippchen und die beiden verlieben sich unsterblich ineinander. Wie sollen sie ihre Lüge von einst korrigieren?
Es folgen Jahre voller Schmerz, Trennung und zwischendurch immer wieder Hoffnung. Wir begleiten Sarah und Paul von 1944 bis 1990, durch verschiedene Lebensphasen hindurch. Der Roman packt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite, ohne jemals langweilig zu sein. Manche Szenen sind grausam zum Beispiel die Zustände im Waisenhaus, aber wir treffen auch immer wieder auf Charaktere, die man einfach gerne haben muss und die voller Hilfsbereitschaft sind, wie zum Beispiel die Blumen-Oma oder die Adoptiveltern.
Insbesondere fand ich interessant, dass ein wichtiger Schauplatz, der Münchner Lebensmittel-Großmarkt ist. Mir war es nicht bewusst, wie früh Südfrüchte oder Sachen wie Mozzarella eine Rolle in Deutschland gespielt haben und ich habe gespannt von all den Leckereien gelesen die auf dem Markt und insbesondere in Emmas Feinkostgeschäft angeboten wurden.
Mir hat einerseits sehr gut gefallen, dass der Roman bis zum Schluss sehr dramatisch bleibt und es kein typisches Friede-Freude-Eierkuchen Ende gibt. Ich konnte auch die Gewissensbisse von Paul und Sarah gut nachvollziehen, trotzdem habe ich mich mehr als einmal gefragt, ob es nicht ab einem gewissen Alter die Möglichkeit gegeben hätte, die Wahrheit zu sagen. Die Liebe der beiden hat Jahre der Trennung überdauert, was für die Intensität der Gefühle spricht. Gerade deswegen machte es traurig zu zuschauen, wie viel gemeinsame Zeit verloren gegangen ist.
Für mich war „Wie der Wind und das Meer“ ein toller, zu Herzen gehender Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 15.05.2021

Die frühen Jahre der Maria Montessori

Lehrerin einer neuen Zeit
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Mein Wissen über Montessori Schulen beschränkte sich auf schöne Handarbeiten, die es bei Weihnachtsmärkten zu kaufen gibt. Gerne wollte ich mehr über die Person hinter den Schulen wissen und habe deswegen ...

Mein Wissen über Montessori Schulen beschränkte sich auf schöne Handarbeiten, die es bei Weihnachtsmärkten zu kaufen gibt. Gerne wollte ich mehr über die Person hinter den Schulen wissen und habe deswegen gespannt zu dem Roman „Lehrerin einer neuen Zeit“ gegriffen. Laura Baldini schildert anschaulich und detailliert die frühen Jahre der Ärztin und Reformpädagogin, beginnend 1895. Als erste Frau in Italien beginnt Maria Montessori ein Medizinstudium. Die Bedingungen machen aus heutiger Sicht absolut fassungslos. Maria wurde täglich von ihren männlichen Kommilitonen und Professoren schikaniert. Erst, wenn alle Männer einen Sitzplatz gefunden hatten, durfte sie den Hörsaal betreten und sich in die letzte Reihe setzen. Sezieren musste sie sich quasi alleine beibringen, da es als obszön galt, wenn eine Frau gemeinsam mit Männern eine nackte Leiche betrachtet hätte. Maria versteht schnell, dass sie doppelt so hart arbeiten muss, wie ihre männlichen Kollegen und genau dieser Ehrgeiz zahlt sich aus. Sie wird zu einer erfolgreichen Ärztin, die weit über die Grenzen Italiens bekannt ist und auch ins Ausland zu Vorträgen eingeladen wird – zur damaligen Zeit eine Sensation.
Trotz ihres teilweise fast übertriebenen Selbstbewusstseins kommt Maria Montessori in dieser Romanbiographie sehr sympathisch rüber, vermutlich sogar sympathischer als die tatsächliche Person. Im Nachwort findet man noch einige Informationen, die ich weniger nett finde (zum Beispiel, dass sie fremde Ideen als ihre eigenen ausgegeben hat).
Manche Entscheidungen, die die junge Frau getroffen hat, wirken auf den Leser zunächst sehr hart und schwer nachvollziehbar. Jedoch muss man berücksichtigen, welche Bedingungen damals für Frauen herrschten. Maria hatte nur die Wahl zwischen Karriere und Familie zu wählen, denn als Ehefrau hätte sie nicht mehr arbeiten dürfen. Aus heutiger Sicht eine erschreckende Vorstellung. Ebenso erschreckend ist, dass Maria sich schon damals dafür eingesetzt hat, dass Frauen und Männer gleich entlohnt werden. Und hier stehen wir, im Jahr 2021 und haben noch immer dieses Problem.
Der Roman umfasst leider nicht das komplette Leben von Maria Montessori sondern nur ihre ersten Jahre als Ärztin. Er endet mit ihrem Entschluss, Pädagogik zu studieren. Wie dieses Studium verlief und wie es zur Gründung ihrer Schulen kam erfahren wir als knappe Zusammenfassung im Nachwort. Ich finde es bedauerlich, dass der Roman so abrupt geendet hat, entnehme allerdings den Worten der Autorin, dass es wohl schwierig war, persönliche Informationen zu finden, da diese nur sehr lückenhaft existieren.
Ich habe diesen Roman (der übrigens aufgrund vieler Leerseiten um einiges kürzer ist, als erwartet) gerne gelesen. Er ist sehr angenehm und unterhaltsam geschrieben und informiert den Leser über eine Person, die bis heute bekannt ist. Sehr erschütternd empfand ich auch die Szenen in der Kinderpsychiatrie. Für diese jungen Patienten war Maria ein wahres Geschenk, denn es war wirklich grausam, unter welchen Bedingungen die Kinder dort leben mussten.

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